Statt einer inhaltlichen Antwort beklagt sich der Papst über „böswillige“ Widerstände

Von Felizitas Küble

Die diesjährige Weihnachtsansprache von Papst Franziskus am 22. Dezember vor der vatikanischen Kurie wiederholte zwar nicht die „15 Krankheiten“, die der Papst seinen Mitarbeitern  – darunter vielen Kardinälen   –  noch vor zwei Jahren vorgehalten hatte, doch auch diese jetzige Rede enthielt wieder einigen „Sprengstoff“.    Radio Vatikan
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Äußerlich ging es um den weiteren Fortgang der vom Pontifex angestoßenen Kurienreform, die angeblich eine Vereinfachung und Verschlankung der vatikanischen Verwaltung anstrebt.
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Doch der Umbau der Kurie ist weitaus weniger umstritten als die theologische Richtung des Papstes, insbesondere im Hinblick auf sein Schreiben „Amoris laetitia“, das den Eindruck erweckt, als öffne es eine (Hinter-)Tür zugunsten der Kommunion für Katholiken, die geschieden und wiederverheiratet sind, womit sie die erste und allein gültige Ehe brechen. Eine solche Erlaubnis widerspräche aber der kirchlichen Lehrtradition und auch den klarstellenden Äußerungen der vorigen Päpste.

Vier emeritierte Kardinäle  – darunter der amerikanische Kurienkardinal Raymond Leo Burke (siehe Foto)  –  hatten dem Papst in einem Schreiben ihre „Dubia“ (Zweifel) vorgetragen, die sich auf Amoris laetitia beziehen und von ihm Klarheit hinsichtlich einiger Punkte erbaten. Nachdem Franziskus monatelang nicht antwortete, haben die sorgenvollen Kirchenmänner ihren Brief veröffentlicht. (Daß dies ihr gutes Recht ist, haben andere Kardinäle bekräftigt, zB. Martino: https://charismatismus.wordpress.com/2016/12/18/kardinal-martino-es-waere-gerecht-wenn-der-papst-den-vier-dubia-kardinaelen-antwortet/)Burke-EWTN-Foto

In seiner Weihnachtsansprache sprach der Papst nun von einer notwendigen Reform der Kirche, die kein Selbstzweck, sondern ein „Prozess des Wachstums“ sei, vor allem aber „der Bekehrung“. Anscheinend meinte er damit vor allem seine theologisch konservativen Kritiker, denn er fuhr fort, daß Hürden auf dem Weg der Veränderung zwar „normal, ja heilsam“ seien.

Aber neben Ängstlichkeit, Trägheit und konstruktiver Kritik gäbe es auch „böswillige Widerstände“, die aus einen „verqueren Geist“ kämen. Diese Verweigerung von Reformen verstecke sich hinter „rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten und flüchtet sich in Traditionen, Schein, Formalitäten, in das Bekannte.“

Auf „Katholisch.de“, der amtlichen Webpräsenz der Deutschen Bischofskonferenz, heißt es direkt nach diesem Zitat:

„Konkreter wurde der Papst nicht. Die vernehmlichste Kritik an seiner Amtsführung betraf zuletzt Auslegungsunsicherheiten in seinem Schreiben „Amoris laetitia“, wo es um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht. Dies ist nun eine Frage von Moral und Recht, und darauf bezieht sich auch Burke, der mit anderen Kardinälen eine Klarstellung des Papstes fordert.“

Somit kommt auch dieses offizielle Portal bei der päpstlichen Äußerung über „böswillige Widerstände“ sofort auf dieses Dubia-Schreiben der Kardinäle zu sprechen, das allerdings völlig sachlich und ohne jede anklagende Schärfe daherkommt  –  von Böswilligkeit keine Spur!

Somit stellt sich die Frage, warum dieser Papst, der so viel von Barmherzigkeit tönt, es selber nicht einmal schafft, die einfachsten Grundsätze von Fairneß und Gerechtigkeit gegenüber einer konstruktiven, ernst zu nehmenden Sachkritik einzuhalten, indem er statt einer inhaltlichen Antwort, die er seit Monaten verweigert, ebenso unberechtigte wie beleidigende Seitenhiebe austeilt.

Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wohin-der-papst-will

 

 

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16 Kommentare on “Statt einer inhaltlichen Antwort beklagt sich der Papst über „böswillige“ Widerstände”

  1. Claus Stephan Merl sagt:

    Ich meine, dass Franziskus zwar zu Recht gegen Legalismus zu Felde zieht, aber dafür auf der anderen Seite vom Pferd fällt. Man kann nicht einfach den Empfang der Eucharistie für die wiederverheirateten Geschiedenen – also Menschen, die im fortgesetzten Ehebruch leben – ermöglichen, ohne das theologisch nachvollziehbar zu begründen und sich dabei einfach nur auf Barmherzigkeit berufen. Gnade und Barmherzigkeit rechtfertigen bzw. helfen dem Sünder, aber sie rechtfertigen nicht die Sünde. Oder anders gesagt: Gnade und Barmherzigkeit sollen aus der Sünde heraushelfen und sie nicht zementieren.

    Ein anderer Punkt ist freilich die Tatsache, dass man fast niemand mehr zur Eucharistie zulassen kann, wüsste man, wie die meisten Katholiken tatsächlich leben und was sie wirklich glauben bzw. nicht glauben.

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    • ester sagt:

      Ja genau, das ist ja das Problem!
      Hinz und Kunz rennt zur Kommunion, lässt sich hinterher darüber aus, dass eh kein Mensch und man selber eh nicht an Gott glaubt, schon gar nicht an den Gottmensch Jesus Christus und erst recht nicht an die Gegenwart in der Eucharistie, oder schluckt fleißig, ohne auch nur die Spur eines schlechten Gewissens zu haben, die Pille, lebt so mit dem Partner zusammen, macht also all die Dinge, die man heutzutage so macht und denkt, und kommt sich dabei noch sehr gut vor, dürfte also nicht zur Kommunion gehen, tut es aber, und sobald irgendwo ein Pfarrer das vorsichtigst wagt zu thematisieren, wird er, der Pfarrer, oder wer auch immer es wagt zu thematisieren, wegen Lieblosigkeit von allen Seiten angegriffen und von den Kirchenfürsten im Regen stehen gelassen.
      Und vor diesem Hintergrund ist es völlig unbegründbar, dass ausgerechnet die wiederverheirateten Geschiedenen, die sich wenigstens mühen, ihrem Verhältnis einen bürgerlichen, verbindlichen Rahmen zu geben, nicht zur Kommunion zugelassen werden können!
      Man hat in der Tat wohl die Sakramente verschleudert und das dahintersteckende Problem ist der massive Glaubensschwund, seit über 50 Jahren in der Literatur thematisiert, aber konsequent geleugnet und mit Aktivitäten versucht zu übertünchen

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Hallo ester,

        ob sich wiederverheiratete Geschiedene tatsächlich so sehr „bemühen“, lasse ich mal dahinstehen. Aber ein Argument der Art: Weil die anderen „Unwürdigen“ es tun, müssen es auch die im permanenten Ehebruch Lebenden auch tun dürfen, halte ich nicht für stichhaltig. Ich darf ja auch nicht jemand bestehlen, weil Andere das tun.

        Wenn man das tut, dann sollte man einfach ausnahmslos jeden zur Kommunion zulassen – für die Einen ist es dann halt zum Segen, für die Anderen hingegen zum Fluch. Das würde die Gewissensprüfung beim Einzelnen belassen, müsste aber dann am Besten immer vor Austeilung der Kommunion mit einer entsprechenden Warnung versehen werden.

        Aber ich nehme an, das wäre mit grundsätzlicher katholischer Theologie zur Eucharistie nicht vereinbar.

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      • ester sagt:

        ich denke, wir sind hier recht nahe am Problem.
        Es ist ja in der Tat mittlerweile so, dass jeder einfach zur Kommunion rennt und kein Priester wagt, außer vielleicht bei KIndern, nachzufragen.
        Wir sehen es bei großen Messen, dass da bekannte Leute, die genau nicht zur Kommunion dürften, einfach gehen, und kein Bischof oder Kardinal hat den Mut, die entsprechende Person einfach zu segnen.
        Weiter möchte ich an die jeweiligen medialen Hypes verweisen, die sich erhoben, wenn irgendwo ein Priester wagte, ein Sakrament, Taufe oder Eheschließung aus ernsthaften Gründen zu verweigern.
        Und wenn wir uns an solche Fälle erinnern, so wissen wir auch, dass der jeweilige Priester von seinen Oberen genau keine Unterstützung bekam.
        So haben wir, de facto, auch mit dem Hinweis, dass man froh sein müsse, wenn überhaupt noch jemand komme, die Situation, dass jeder zu jedem Sakrament zugelassen wird und die Nichtzulassung als lieblos, unbarmherzig, unchristlich und böse aufgefasst wird.
        Von daher ist es nun wirklich nicht mehr vermittelbar, warum ausgerechnet die Wiederverheirateten Geschiedenen nicht zur Kommunion gehen dürfen, obwohl es völlig klar ist, dass sie nicht dürfen und zwar zu ihrem Heil!
        Die Kirche hat sich da selber in eine richtige Falle locken lassen, besteht sie darauf, dass nicht jeder zu den Sakramenten darf, führt sie die längst schleifen gelassene Arkandisziplin wieder ein, wird es in jedem einzelnen Fall einen Shitstorm geben, der unterirdisch sein wird.
        Ergo bleibt der Kirche, wenn sie nicht ganz klein werden will, nichts anderes übrig, als sukzessive Zugeständnisse zu machen.
        Man könnte es karikativ so ausdrücken, um mitzuspielen in der Welt, muss immer mehr Tafelsilber auf den Müll geworfen werden, auf den Misthaufen der Geschichte, wo es nach der Meinung vieler auch hingehört. Der Witz an der Sache ist nur der, dass das ausgerechnet von Leute präferiert wird, die ansonsten immer von der kleinen, armen, unbedeutenden Kirche schwärmen, aber genau da anscheinend nicht wirklich hinwollen.

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  2. Für 20 Silberlinge wurde Jesus nach dem Abendmahl ausgeliefert. Er schliesst keinen von seinem Tisch aus. Das sage ich als einfacher Christusfolger

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    • Mahejo Kö sagt:

      und wissen Sie als einfacher Christusfolger auch was kurz darauf mit Judas geschah?

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    • Nur Jesus ist der Herr sagt:

      Was ist Wahrheit?

      Wer ist so vermessen, zu sagen, er kenne die ganze Wahrheit und den Willen Gottes?

      Papst Franziskus hat einen anderen Blick auf das Sakrament der Eucharistie.

      Wenn der Heilige Geist Papst Franziskus zu diesen Veränderungen in der Kirche leitet, muss dieser die Maßnahmen durchführen, ohne Wenn und Aber, und auch gegen etwaige Widerstand anderer Personen.

      Jesus hatte auch mit Widerständen zu tun und musste vor allem gegen liebgewonnene Traditionen und übertriebene Gesetzlichkeit der damaligen Zeit kämpfen.

      Jeder, der die Eucharistie empfängt, sollte dies aus Liebe zu Gott tun.

      Sündige Menschen sind wir alle und welche Sünde letztendlich wie schwer wiegt, das weiß nur Gott. Warum dürfen Menschen sich also anmaßen, andere Menschen vom Empfang der Eucharistie auszuschließen? Wenn überhaupt, sollte das nicht besser der Heilige Geist tun?

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      • Guten Tag,
        hat sich der Apostel Paulus auch etwas „angemaßt“, als er den Korintern schrieb: „Wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht“?! – Zudem hat er diese Gemeinde deutlich aufgefordert, sich von denen zu trennen, sie also auszuschließen (nicht „nur“ von der Eucharistie, sondern von der Gemeinschaft), die öffentlich in schwerer Sünde leben. Deren Lasterhaftigkeit schadete nicht nur ihrem eigenen Seelenheil, sondern der Glaubwürdigkeit der jungen Christengemeinde insgesamt, zumal sie umgeben war von heidnischem Argwohn.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • ester sagt:

        Nun ihr Vorschlag erinnert mich an einen alten Witz, wo verschiedenen Geistliche diskutieren, wie sie die Kollektengelder verteilen.
        Einer sagt: „Wir werfen alles in die Luft und sagen: O Gott, nimm dir, was du meinst, was für dich ist und gib es dem, von dem du meinst, er braucht es gerade!“

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      • Zausel sagt:

        Papst Franziskus ist amtierender Papst und der rechtmäßige Papst Joseph Ratzinger wurde von der Kurie aus dem Amt gedrängt, um eine vom Menschen Karl Marx geschaffene Theorie brutal umzusetzen als „Befreiungstheologie“, von der selbst Marx am Ende seines Lebens erhoffte, die Menschen würden sie nicht umsetzen. Papst Franziskus ist daher eher ein politischer Ideologe als ein Hirte für die Christen. Was hat er mit seiner Einladung der Christenschlächter nach Europa bewirkt, dass Europa vor einem neuen Glaubenskrieg steht und die Blutspur größer wird, ein einfältiger Schwätzer halt.

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  3. ester sagt:

    Ich denke, die Sache ist hoffnungslos, weil seien wir ehrlich, Hinz und Kunz rennt zur Kommunion, gerade an den nicht vermeidenden Kirchenbesuchsfesten wie Weihnachten, Erstkommunion oder Hochzeit, sowie wenn die Großtante stirbt und für ein Requiem gesorgt hat.
    Man merkt ja oft, dass die meisten nicht wissen, was sie da tun, man geht halt mit und lässt sich die Oblate geben, seltsames Ritual und Sonntagspflicht, Beichtpflicht, 10 Gebote? Ich doch nicht!
    Von daher ist es in der Tat nicht zu vertreten, warum ausgerechnet die, die sich wenigstens die Mühe gemacht haben, aufs Standesamt zu gehen, im Gegensatz zu denen, die einfach so zusammenleben und selbstverständlich, von niemandem gehindert, zur Kommunion gehen, als einzige von dem Gemeinschaftsevent, an dessen Substanz eh keiner mehr glaubt, ausgeschlossen werden!
    So stellt es sich doch de facto dar.
    Zur Klarstellung, ich bin schon für die Nichtzulassung der Wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion und denke überhaupt, man sollte den Leuten gestatten, zu ihren Fehlern zu stehen, und ihr Schicksal zu tragen wie ein Mann (auch wenn man weiblich ist).
    Es ist einfach so, dass an den Wiederverheirateten Geschiedenen eben das ganz Drama unserer Lebensart sichtbar wird, und man eben denkt, es ist einfacher, die auch noch zuzulassen, wo man ja sonst eh jeden zulässt, anstatt auch noch die 10% der Kirchgänger damit zu verschrecken, dass man anfängt, über den Glauben zu reden.
    Dieser Papst ist vom Standpunkt des Glaubens schon eine Katastrophe, andererseits ist er einfach so, wie die Kirche eben schon lange ist.
    Alles ist gut, alle sind nett, nur wer unflexibel ist, der ist eben böse, weil er eben Kanten und Ecken hat, und das, das ist eben böse.

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  4. zeitschnur sagt:

    Faktisch unterstelt F. also den vier Dubia-Kardinälen eine satanische Inspiration.
    Was machen wir aber mit der leider tradierten und bekannten und alten Tatsache, dass Jesus sich zur Scheidungsfrage mehr als eindeutig geäußert hat – war das dann auch satanisch inspiriert? Anders: was ist von einem Papst zu halten, der Worte Jesu über die Krücke vierer Kardnäle so platziert?

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  5. Schwarzwaldmädel sagt:

    Wer weiß schon, was die Welt über uns sagen würde, stünden wir an seiner Stelle, Herr May?!!

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  6. Thomas May sagt:

    Die Verunglimpfung der „bösartigen“, in Traditionen „flüchtenden“ Widerständler durch den Papst gewinnt noch an Schärfe, wenn er die „verzerrten Geister“ in Zusammenhang bringt mit den vom Teufel inspirierten schlechten Absichten.
    Sieht so die häufig gerühmte „Dialogkultur“ dieses Papstes aus, der sich in maßloser Selbstüberschätzung für die Inkarnation des Heiligen Geistes zu halten scheint?
    Wer ist hier „bösartig“?

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