Trennung bzw. Scheidung: Wo bleibt die Würdigung der treubleibenden Ehepartner?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Wie wird sich das päpstliche nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ auf das Eheverständnis der Katholiken auswirken? Die Interpretationen, die geschiedene Wiederverheiratete zum sakramenten Empfang zulassen wollen, füllen mittlerweile ganze Bände. gindert

Von denen, die nicht wieder heiraten, weil sie sich an das sakramentale Eheversprechen gebunden fühlen, spricht kaum jemand.

Bei denen, die in kirchlichen und säkularen Medien die Zulassung zu den Sakramenten fordern, geschieht dies häufig mit einem anklagenden Unterton über die unbarmherzige Kirche. Zu kurz kommt dabei die Frage nach der Wahrheit und Gerechtigkeit für beide Partner.

FOTO: Unser Autor leitet das „Forum deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben

Geschiedene Wiederverheiratete sind bei der heutigen hohen Scheidungsquote zu einem Massenphänomen geworden. Die Kirche ist herausgefordert und zu einem Wort der klaren Orientierung gezwungen, wenn sie nicht ihren Rang und ihre Hirtenaufgabe verlieren will.

Wenn die Kirche ihrem Auftrag treu bleiben will, muss dieser Hinweis im Einklang stehen mit dem Wort Christi und der ständigen Lehre der Kirche.

Die säkulare Welt sieht das ganz anders. Eine Ehe auf Lebenszeit wird dort, wo das Modell einer Lebensabschnittspartnerschaft favorisiert wird und Bindungen auf Dauer generell als Zumutung empfunden werden, als vorgestrig angesehen. Geschiedene, die keine „Zweitehe“ eingehen, weil sie sich an das Eheversprechen gebunden sehen, sind für säkulare Menschen heute eine Randerscheinung der Gesellschaft, die sich dem Verständnis entzieht. Sie stehen quer zum Mainstream. Sie sind kein Medienthema. Kann das aber auch für Kirche gelten?

Die Kirche spricht in der aktuellen Diskussion nicht mehr mit einer Zunge. Verunsicherung und gegensätzliche Meinung herrscht auch unter Bischöfen und Kardinälen. Sie überträgt sich zwangsläufig auch auf die Ebene der Pfarrer. Die Folge ist eine „faktische Spaltung“ (Guido Horst) der Kirche in dieser Frage. 120505416_B_Judy und Mike in der Kirche

Mittlerweile melden sich auch Konvertiten aus dem anglikanischen Bereich zu Wort. Denn für ihre Konversion zur katholischen Kirche war auch die katholische Ehelehre ein Motiv gewesen.

Wie sehen sich Katholiken, die geschieden wurden, aber bewusst nicht mehr geheiratet haben, in dieser verworrenen Situation? Für die Kirche müssten gerade sie ein Anliegen sein, weil sie in besonderem Maße Zuspruch, Ermutigung und Anerkennung brauchen. Wie empfinden jene, die „geschieden, aber treu geblieben“ sind, ihre Situation?

Dr. Rainer Beckmann drückt das so aus (Tagespost, 14.1.17, S. 15):

„Vor sieben Jahren hat sich meine Frau einem anderen Mann zugewandt und ist ausgezogen. Knapp drei Jahre später hat sie ihren neuen Partner standesamtlich geheiratet. Für mich war das – nach fast 25 Jahren Ehe – die größte Katastrophe meines Lebens…

Wer mit einem neuen Partner wie in einer Ehe zusammenlebt, bricht jeden Tag aufs Neue sein Treueversprechen gegenüber seinem sakramentalen Ehepartner. Das gilt auch für den am Scheitern der Ehe tatsächlich oder vermeintlich ‚unschuldigen‘ Ehepartner. Auch er ist gebunden, weil er es vor Gott – besiegelt im Sakrament der Ehe – versprochen hat… Für Christen kann es kein definitives und korrigierbares Scheitern geben.“

Ermutigen die deutschen Bischöfe Geschiedene, die an ihrer Ehe festhalten wollen, durchzuhalten?

Beckmann erinnert daran, was die deutschen Bischöfe für die Familiensynode angeregt haben, nämlich „zivilgeschiedene und wiederverheiratete Gläubige dann zum Sakrament der Buße und zur Kommunion zuzulassen, wenn das gemeinsame Leben in der kanonisch gültigen Ehe definitiv gescheitert ist, die Verbindlichkeiten aus dieser Ehe geklärt sind, die Schuld am Zerbrechen der ehelichen Lebensgemeinschaft bereut wurde und der aufrechte Wille besteht, die zweite zivile Ehe aus dem Glauben zu leben und die Kinder im Glauben zu erziehen“ („Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“, 16.4.2015, S. 14).

Dr. Beckmann begründet seine Haltung mit dem Satz „Christsein bedeutet für mich nicht primär das Fürwahrhalten einer Lehre, sondern tatsächlich gelebte Nachfolge“.

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11 Kommentare on “Trennung bzw. Scheidung: Wo bleibt die Würdigung der treubleibenden Ehepartner?”

  1. preikamettenbuchoasiedl sagt:

    Grüß Gott
    geschiedene Wiederverheiratete gibt es nicht, dieses Wort wurde von Journalisten erfunden. Eine katholische Ehe kann nicht geschieden werden, die unauflöslich, auch wenn das standesamtliche durch Gericht getrennt wird, die Katholische bleibt bestehen. Daher ist als eine weitere Lebensgemeinschaft eigentlich nur die sogenannte Josephsehe möglich, da sollten, wenn möglich, getrennte Schlafzimmer vorhanden sein,das Thema Sex muss ein Tabu-Thema sein, auch die öffentliche Bekenntnis, man braucht sich nicht schämen wenn man sich öffentlich dazu bekennt, enthaltsam zu leben. Bei Eremitinnen, Eremiten Nonnen Klosterbrüdern & Patres ist es auch, auch hier waren viele verheiratet, sind verwitwet und haben sich fürs Ordensleben entschieden.

    Auch wenn Menschen in der Josephsehe 1 oder 2 Kinder haben, aber sonst sich strikt an die Gebote halten, wird ihnen der Herrgott den Kopf nicht abreissen.

    Aber der Pritsch von Wiederverheirateten sollte mal eine Ende haben, da es keine gibt.

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  2. Norbert Lohbreyer sagt:

    Die zitierte Anregung der deutschen Bischöfe für die Familiensynode hat mit dem katholischen Eheverständnis nichts mehr zu tun. Die Frage einer Schuld am Zerbrechen einer ehelichen Lebensgemeinschaft ist für das katholische Eheverständnis irrelevant. Maßgeblich ist allein das Bestehen des mit Gott zustande gekommenen Ehebundes. Dieser besteht fort, auch wenn die eheliche Lebensgemeinschaft zerbrochen ist.

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  3. zeitschnur sagt:

    Ich bedaure, dass diese Debatte immer nur moraltheologisch aufgezogen wird. Gerade deshalb überzeugt sie so viele nicht.
    Denn niemand erklärt, wieso es christlich ist, sich nach einer Trennung NICHT neu zu verheiraten.
    Man redet viel von „Nachfolge“ (dabei war Jesus gar nicht verheiratet!) und „Treue“, aber da sagen die Befürworter des Ehebruchs ganz einfach: Na und? Es hat nicht geklappt, beide sind einverstanden, sich zu trennen, was ist daran „untreu“?
    Niemand erklärt, auf wen und was genau bezogen hier von „Treue“ die Rede sein soll. Es wird rein prinzipienreiterisch argumentiert.
    Und vor allem wird geschönt, dass die Kirche immer schon der Versuch erlag, „pastoral“ zu handeln. Warum nun der Zorn auf F., wo doch ein großer Teil der Päpste der Vergangenheit nicht nur noch viel feiger war als er, sondern nicht wenige davon wiederum selbst ein beachtliches Hurenleben praktizierten und ganz sicher deswegen nicht aufhörten, täglich zu zelebrieren und zu kommunizieren…
    Ich möchte nicht wissen, wie viele der vielen geschichtlichen Adeligen, die mit ihren zahlreichen Konkubinen neben der rechtmäßigen Ehefrau herumhurten und Kinder zeugten, wirklich von den Sakramenten ausgeschlossen wurden. Gibt es eine ähnliche Aufregung der ganzen Kirche darüber, dass ausgerechnet die, die uns regierten, oft die größten Dreckschweine waren, was die Ehe betrifft? W war der Aufschrei der Katholiken, als der Wiener Kongress tagte und ausgerechnet die, die eine angeblich rechtgläubige, „konservative“ (reaktionäre) Politik vorantreiben wollten, als die größten Ehebrecher in die Geschichte eingingen wie etwa Metternich oder russische Zar? Wien war damals ein „großes Bordell“, wie die Zeitgenossen es bezeugen. Hat man aus Rom da Stimmen gehört? Es waren immer nur Einzelfälle, wenn dieses unsäglich männliche Ehebruchsverhalten bei jedem, der Geld und Macht genug hatte, es so zu treiben, kirchlich mal gerügt wurde.
    Seien wir endlich ehrlich!

    Aber zurück zur Ausgangsfrage:
    Die Ehetheologie ergibt erst Sinn, wenn man sie eschatologisch versteht. Nur dann wird verständlich, warum die Treue und auch die sexuelle Enthaltsamkeit so wichtig sind. Doch darüber lehrt uns niemand, weder die reaktionäre, noch die neokonservative noch die progressive Theologie.
    Und solange das nicht eindringlich geschieht, wird es munter so weiter gehen, und niemand hat das Recht, F. hier einen fundamentalen Vorwurf zu machen, v.a. dann nicht, wenn er davon fabuliert, es sei früher alles mal besser und konsequenter gewesen.

    Und besonders verheerend ist es, dass viele der angeblich „Konservativen“, zwar moraltheologisch konservativ argumentieren, sprich: reine Moralisten sind, sich aber längst exegetisch von einer Position des überlieferten Glaubens verabschiedet haben!

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    • ester sagt:

      Die Debatte überzeugt auch deshalb nicht, weil irgendwann in ihr der Punkt kommt, wo man sagt: „Ja das strikte Befolgen der katholischen Morallehre ist doch für alle Beteiligten das, was sie in dieser Welt wirklich glücklich, zufrieden und zu nützlichen Bürgern macht!“
      Jeder halbwegs aufgeweckte Mensch denkt sich dann: „Nun ja, wenn dem so ist, warum nur habe ich das anders erlebt, gehört, gesehen?“

      Mit den Adeligen haben Sie ja nun wirklich und wahrhaftig recht, das hat mich schon immer irritiert, aber da wird ja immer recht viel Verständnis geäußert, was sollte der Fürst XY denn sonst machen, mit seiner ihm aus politischen Gründen anvertrauten, ungeliebten Fürstin, heißt es dann.
      Manchmal denke ich, das Drama Heinrich VIII. bestand darin, dass er versucht hat, das, was alle machten, irgendwie zu legalisieren.

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      • zeitschnur sagt:

        Sie spielen hier auf das „Glück“ an – wer sich an das kirchliche Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe halte, werde „glücklicher“ als die anderen, die sich nicht dran halten.
        Das ist ein Denken, das aus den Verwerfungen des Protestantischen herrührt. Seit dem Tridentinum verstärkte sich der Trend, nur noch auf Autorität zu setzen und nicht auf Diskurs. Und die bedingungslose Unterwerfung unter die „Autorität“ war „Glücksgarantie“.
        Es waren ja wesentlich sogar die Jesuiten, die den „pastoralen“ Schlendrian neben beinharter Autoritätshörigkeit praktizierten und in der Kirche verfestigten. Man zwang die Leute zum Kadavergehorsam gegenüber der „Autorität“, erlaubte dafür aber viele Gebotsbrüche, v.a. da, wo es politisch opportun war (also bei den Hochgestellten, auf die man den Einfluss nicht verlieren wollte). Nicht indem man sagte: „Wir erlauben es“ (Gott bewahre – nein, das natürlich nicht!), sondern indem man „großzügig“ war. Der berühmten katholischen Doppelmoral war Tür und Tor geöffnet worden.
        Man kann Heinrich VIII. tatsächlich so sehen: er hatte die Doppelmoral, die Heuchelei satt. Und da plötzlich wachte die Kirche auf – es ist beschämend, wie es nicht beschämender sein könnte.
        Aber in diesem Stil ging es gerade weiter. Nach dem Untergang der Monarchien seit der franz. Revolution wurde der Glaube mehr oder weniger polizeilich oder durch seelischen Zwang aufrechterhalten, teilweise durch gezielten Absturz der Seelen in den Aberglauben (Seherinnen, Sühneseelen – so oft mit kirchlicher Erlaubnis, ja sogar Rückbindung der Hierarchie an solche Personen), den man eher förderte als dass man klares, vernünftiges, vor allem REDLICHES und natürlich auch zeitgemäßes Denken anerkannt hätte.
        Gezielt verhinderte die Kirche mit dem Vaticanum I und v.a. dem unseligen „Antimodernismus“ und Integralismus eine redliche Auseinandersetzung mit dem, was sich in der Gesellschaft entwickelt hatte. Man meinte, die anstehenden Fragen „administrativ“ lösen zu können, sprich: durch Exkommunikationsdrohungen und Verurteilungen ohne Diskussion oder Begründung – der Papst hatte qua Amt recht und war niemandem Rechenschaft schuldig. Aber alle waren ihm fraglosen Gehorsam schuldig. So einfach war das.
        Die Kirche verhinderte fast 150 Jahre lang unter Gewalt und Unrecht eine angemessene geistige Auseinandersetzung zwischen Glaube und Moderne.
        Sie hatte das schon einmal getan – das Ergebnis war schließlich die Reformation. Der einzige damalige Papst, der bereit zur Reform war, BEVOR das Kind im Brunnen lag, war Adrian VI., aber den nahm Gott nach 1,5 Jahren Pontifikat hinweg.

        Was man im Modernismus mit allen Bandagen erstickt hatte, nämlich die Notwendigkeit eines persönlichen Ergriffenseins vom Glauben nicht entgegen den Dogmen, sondern in Auseinandersetzung mit den Dogmen, das wäre es, was alleine die Unauflöslichkeit der Ehe verständlich machen könnte.
        Dazu müsste man aber dem Laien hohe theologische Kompetenz nicht nur abfordern, sondern v.a. endlich zugestehen.
        Das ist aber mit dieser Kirche, wie sie sich entwickelt hat, kaum mehr zu machen. Sie hat sich selbst den Boden abgegraben durch ihre Autoritätshörigkeit und geistige Verengung, mit der sie glaubte, ein „Bollwerk“ gegen die Moderne sein zu können.

        Pustekuchen: wie häretisch und dumm das alles war, was die Anhänger der Helden der „Tradition“ heute unter Zuckungen wiederbeleben wollen, sehen wir am Zustand der Kirche, die praktisch den gesamten Glauben verloren hat, nur eines nicht: das ach so hilfreiche hierarchische Prinzip und den Primat des Papstes. Bravo! Man wollte sich nicht mehr auf den Herrn verlassen, sondern auf menschliche Kraft. Das Ergebnis sehen wir.

        Ich kann F. nicht rechtgeben in seiner traditionell jesuitischen „pastoralen“ „Großzügigkeit“, aber ich muss ihn verteidigen gegen den Vorwurf, er stürze nun etwas, was doch „immer“ eingehalten wurde. Er tut das, was immer getan wurde und ist nur nicht bereit, die Heuchelei weiter zu treiben! Aber wer nicht mehr heucheln will, muss gravierende Fragen an die Kirche stellen in ihrem Anspruch, die ganze Gesellschaft belehren und bestimmen zu können. Und genau das ist das Kampffeld: Ist die Kirche nicht mehr die moralische Chefin über unsere Gesellschaft, was fängt sie dann mit den vielen Volkskirchen-Hinterlassenschaften an?

        Wäre ich F. – ehrlich: ich wüsste gar nicht, wie ich mich in dem Stahlkorsett, das die Kirche sich v.a. durch das Vaticanum I, den Thomismus und den Antimodernismus selbst verpasst hat, überhaupt noch frei bewegen könnte. Benedikt hat es versucht und scheiterte damit. Ich glaube, dass F. sehr wohl sieht, dass er es auf diesem Weg erst gar nicht weiter zu versuchen braucht.

        Wie aber dann?

        Doch zugeben, dass der Modernismus zumindest in seiner Forderung nach einer persönlichen Ergriffenheit im Glauben recht hatte?
        Wer bietet dafür theologisch etwas?
        Ich sehe da nur Newman als tauglich. Da müsste man weiter ansetzen.
        Doch wohin führt es?
        Ja: zur Entweltlichung: all diese Ehebrecher, die auf dem Ehebruch beharren, können keine Christen mehr sein. Aber dazu war auch Benedikt zu feige – im Gegenteil, er plädierte dafür, dass sie in den Gemeinden Ämter haben und dabei bleiben. Ist es aber wirklich eine schwere Sünde, können sie auch keine Verantwortung im Amt haben – auch das war doch Doppelmoral hoch drei.
        Man dreht sich und wendet sich und muss erkennen, dass die Lage hoffnungslos verfahren ist und vermutlich seit mindestens 1500 Jahren schon war.

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      • ester sagt:

        Mein Punkt ist ein etwas anderer, aber ich weiß nicht recht, wie ich es formulieren soll.
        Mir scheint das Hauptproblem zu sein, dass man katholischerseits die Kategorien verwechselt und so tut, als sei die eigene Kulturleistung das, wofür Christus gekommen ist.
        Damit man mich nicht verkehrt versteht, ich finde die Kulturleistungen des christlichen Abendlandes nicht verkehrt, aber man hat, und ich weiß nicht seit wann, aber irgendwann, angefangen, den Glauben mit der Kultur zu verwechseln.
        Dabei ist es aber so, dass jede Gemeinschaft von Menschen Moral hat und auch braucht und zwar je härter die Lebensumstände sind, um so wichtiger ist, dass alle funktionieren,
        Die Idee der herrschaftslosen Urgesellschaft der Aufklärer, wo jeder mit jedem, und die Kinder kollektiv erzogen, sowie die Regeln des Zusammenlebens beständig in aller Freiheit und im permanenten Dialog, neu erfunden werden, ist und bleibt eine durch keinerlei Fakten belegte Illusion.
        Irgendwo habe ich mal die These gelesen, dass die Kirche ja sozusagen das römische Reich übernommen habe, wenn auch nicht als politische Einheit und zunächst bei der Missionierung der germanischen Stämme auch mit dem Glauben eine viel höhere Kultur gebracht hat, was dann zum christlichen Abendland geführt hat.
        Und die vom christlichen Abendland ausgesandten Missonare sich aber dann primär gerufen gefühlt haben, die Kultur zu bringen.
        Es hat mich schon als Kind gewundert, dass ich das Gefühl hatte, die Missionare fühlen sich eher dafür zuständig, den Gebrauch von Wasser und Seife sowie der Fähigkeit Lesen und Schreiben zu können., zu bringen, als den Glauben an Jesus den Christus.
        Nix gegen Wasser und Seife und Lesen und Schreiben, aber das ist für mich Kulturleistung und zwar eine Kulturleistung, die eben unabhängig vom Christentum erreicht werden muss, wenn eine menschliche Zivilisation ein gewisses Stadium erreicht hat,
        Und genau hier liegt das Problem, eigentlich sollte und müsste die Kirche wissen, gerade auch aus ihrer Missionstätigkeit, dass es richtige Hochkulturen gibt, die von Christus keine Ahnung haben und dennoch gut und vor allem auch sehr lange funktionieren.
        Aber man tut so, als sei das unmöglich.
        Nochmal Kultur ist nicht per se schlecht, Moral erst recht nicht, aber das gibt es auch ohne Christus, und es ist keineswegs so, dass ohne Christus die Zivilisationen in einem Stadium verbleiben, wie man sich das in den frommen Geschichten für kleine Kinder ausgemalt hat.
        Nein, um sauber putzen zu können, brauch ich nicht Christ zu sein, und die Sicherheit, dass der Sohn, der mich beerbt, auch von mir ist, den versuchen alle Gesellschaften zu geben, sobald sie in einem Stadium sind, wo es was zu vererben gibt.
        So von dieser zeitlichen, historischen Übereinstimmung von Glaube und Kultur hat die Welt sich schon lange gelöst, und wie Ida Frederike Görres in ihrer Elisabeth von Thürigen Biografie schreibt, gab es die Differenz schon in den angeblich guten Zeiten.
        Aber die Kirche ist es, die das nicht einsieht.
        Unser alter Erzbischof Zollitsch hat das klar gesehen, sein großes Anliegen für all den plakativen Kram, den er initiiert war, aufgestellt bleiben, im gesellschaftlichen Bewusstsein bleiben, damit man weiter beteiligt wird, wenn die Gelder fließen (das hat er sogar auch ganz klar gesagt), auch und weil man ja Arbeitsplätze hat, für die man sich verantwortlich fühlt (das haben mir andere gesagt, mit denen ich diskutiert habe), auch sowas kulturelles könnte man sagen, wenn man denn will.
        Mir scheint aber genau dieses Problem ist schon jahrhundertealt, man hängt mit drin im Gewebe der Welt, macht mit, um „das schlimmste zu verhüten“ und macht es dadurch erst so richtig schlimm, und denkt der Widerspruch zwischen Welt und Christus, der gälte für die damals oder die Ungläubigen.
        Nein, dieser Widerspruch gilt immer!

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      • zeitschnur sagt:

        Vielen Dank für Ihre interessanten Überlegungen.
        Um zu unserem Thema zurückzukommen, nämlich der Frage, wie es einsichtig sein kann, dass die Ehe unauflöslich ist, möchte ich Ihren Gedanken, dass die Ehe eine höhere Zivilisationsstufe sei, die damit zusammenhänge, dass man sich sicher sein will, ob das eigene Kind überhaupt das eigene Kind ist, aufgreifen.
        Nun stellt sich diese Frage nur dem Mann. Schnell wäre sie gelöst gewesen, hätte man matriarchalische Strukturen zur Grundlage genommen. Genau das haben aber alle Zivilisationen mit Verve und Bitterkeit unterdrückt. In einem gewissen Sinne ist jegliche Hochkultur von einem beißenden Maskulinismus geprägt. Es war in all diesen Ehe-Vorstellungen ganz wurscht, mit wie vielen Frauen sich der Mann Nachkommen schafft. Es ging einzig drum, dass er wusste, dass es seine Nachkommen sind. Den Rest kennen wir ja alle…

        Ausbrüche aus dieser Korrelation von Hochkultur und Maskulinismus werden bereits im AT sichtbar. Etwa in der Geschichte von Abraham, der vergeblich auf Nachkommen wartet. Sowohl er als auch seine Frau finden nichts daran abwegig, sich diese Nachkommen mit irgendeiner Frau, also der Sklavin Hagar zu schaffen. Sie denken, es gehe nur darum, dass es SEINE Nachkommen sind. Auch Sara denkt so frauenverachtend und stiftet den Mann sogar noch dazu an. So tief ist die Frau in der Hochkultur gesunken!

        Und nun kommt der Eingriff Gottes: Nein, das ist NICHT das, was ER will! Es geht nicht nur um Abraham, nein, es geht vor allem um Sara. Gott will das ganze Konzept der Freiheit der Kinder Gottes nicht auf Abraham alleine, sondern überhaupt präzise auf Sara bauen. Wie Paulus später schreibt, ist Abraham Vater der Freien UND Unfreien. Nur die Kinder Saras sind die wahren Kinder Gottes, die Kinder Hagars nicht.
        Folgerichtig, als Gott in drei Personen im Hain von Mamre erscheint und von Abraham förmlich „zugelabert“ wird, schweigt ER, den Abraham als „Dominus“ (in den drei Personen) anredet.
        Als Abraham mal eine Redepause macht, fraget der große Gott:
        „Wo ist Sara, deine Frau?“

        Man muss sich das alles einmal klarmachen: das ist Gott, wie er alle hochkulturelle Entwicklung konterkariert, ohne sie deswegen aufzuheben. Gott sieht unser Elend und hat Achtung vor dem armseligen Werk unserer Hände!

        Genauso und noch viel extremer ist es mit der Gottesmutter. Es ist unerhört, dass Gabriel die Maria alleine anspricht – aus dem Kontext der damaligen Zivilisation gesehen. Auch den Juden galt so etwas als unerhört: Gott spricht eine Frau alleine an und trifft mit ihr eine so weitreichende Vereinbarung, OHNE ihren Mann zu befragen!
        Hier wird unser Fall gerade zu virulent: der Mann weiß nicht, von wem sie das Kind hat!
        Aber sie weiß es und bezeugt es! Er glaubt ihr nicht und will sie verstoßen, aber Gott weist ihn zurecht. Welche Größe des hl. Josef, das anzunehmen – das ist ein dicker Strich durch den Maskulinismus der Hochkultur.

        Getreulich hat die Kirche das Wort Jesu zur Ehe juristisch umgesetzt. Gewiss. Dafür gebührt ihr Hochachtung. Und getreulich hat sie auch der Frau die Jungfräulichkeit zugestanden – und wir wissen, was die Frau daraus gemacht hat! Unendlich vie Frucht hat sie damit auch als Kinderlose gebracht! Auch das hat jedes Frauenbild jeglicher anderen Hochkultur total gesprengt und konterkariert. Und immer stand dafür Maria ein, dafür, dass der Jungfräulichkeit die größte Frucht verheißen sein konnte, wie bei ihr eben.
        Aber hat die Kirche diese Linie theologisch erfasst? ich würde sagen: weitgehend nein. Konsequent schob sie diejenigen Kirchenväter in die zweite Reihe, die es taten. ich sehe es etwa bei Cyprian in Ansätzen oder auch Hieronymus. Aber nein: man ließ Augustinus hochleben und später Thomas, der sich sehr weitgehed auf ihn stützt, und beide stützen sich viel zu weit auf Platon und Aristoteles, auch dann, wenn damit die Schrift beiseite gedrängt wird.

        Die Reflexion über die Ehe und die Jungfräulichkeit finden wir bei Paulus. Er zieht die Jungfräulichkeit spirituell der Ehe vor, sieht aber, dass das praktisch für nur wenige passt. Er sieht brünstige Männer und Frauen, die mit dem Geschlechtstrieb nicht klarkommen und herumlungernde junge Witwen, die aufgrund der gesellschaftlich erzwungen Untätigkeit auf Abwege geraten und befiehlt sogar manchen die Ehe.
        Aber er denkt auch darüber nach, was dann die Ehe an „Gut“ ist – sie kann ja nicht bloß Begierdebefriedigung sein oder „Job“ für die Frau, die man sonst nichts anderes machen lässt. Es ist auch in der Tat zu wenig, sie als Institut der Fortpflanzung anzusehen – für den Menschen ist eine solche Reduktion würdelos. Wir werfen nicht Junge, sondern Gott schafft aus uns Menschen!
        Er spricht von einem großen Geheimnis im Epheserbrief und sagt, er deute die Ehe auf das Verhältnis Christus-Kirche. Die Kirche wiederum hat darin einen Vorzug des Mannes herauslesen wollen und genau den verfestigt. Genaugenommen steht das aber nirgends – man hat oft den Eindruck, der Mann, vom Einbruch der Erlsöung total konsterniert und gekränkt, sucht nun verzweifelt nach Hinweisen, die ihm seinen Vorrang wieder „bestätigen“.
        Nun sagt Paulus aber auch viele andere Dinge, und vor allem sagt er, dass das Geheimnis mit seiner Idee ja nicht ausgeschöpft ist. Das Geheimnis der Ehe ist den Eheleuten in Christus aufgegeben. Und in Christus ist nicht mehr Mann noch Frau. Die Ehe ist somit ein Ort der Erkenntnis, ein mystischer Ort. Aber die Hierarchie hat darauf keinen Zugriff. Und nun kommen wir wieder in die Nähe unseres Problems

        Die Kirche hat aus der theologischen Machtgier, die sich mit dem Hochmittelalter geradezu bizarr aufpflanzen konnte, den Laien vollkommen ausgeschlossen aus der eigenständigen theologischen Reflexion. Die Häretiker taten das – also musste man den Laien vom Denken abhalten und für ihn, an seiner Statt denken.

        Daher kam das ganze Unglück. Die nachtridentinische Kirche hat echte Mystik unterdrückt – zu unkontrollierbar, zu „gefährlich“, das Zeitalter der Mystik, die immer persönliches Ergriffensein bedeutet, war mit Trient im wesentlichen vorbei, und so verloren die Menschen vielfach den Kontakt zu Christus und folgten brav der Kirche und wurden oberflächlich. Man lieferte mit Fleiß dagegen billigen Mystizismus und unternahm viele Schläge gegen die Frau, vor allem gegen sie, weil sie Trägerin des echten Mystischen in sehr hohem Maße IST.

        Dass die entmündigten Laien mit dem Geheimnis der Ehe nichts mehr anfangen können, hat natürlich auch viele weitere Gründe in der Zeitentwicklung.

        Es gibt allerdings immer noch viele gelingende Ehen, aber sie sind nie spektakulär, sondern wohnen in derselben Verborgenheit, in der unser Herr, der „rex absconditus“ (der verborgene König) wohnt.

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      • ester sagt:

        also soweit ich weiß, waren, soweit man das weiß bzw wissen kann, die Kulturen bis zur Bronzezeit alle matrilinear. Auch die Indianer Nordamerikas, die ja teilweise noch nicht zur Metallbearbeitung vorgedrungen sind, also auf einem Steinzeitniveau lebten, waren meines Wissens matrilinear.
        Spuren finden sich in den Mythen der Völker, in den Mythen um die große Mutter, die Rache der Eryinnen usw.
        Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Wechsel genau in dem Moment erfolgt sei, als die Gesellschaft als ganzes sesshaft geworden sei.
        Also von einer Hirten- und/oder Jäger und Sammlergesellschaft, wo die Frauen eben die Dörfer bilden, kleine Gärten anlegten, wo sie das, was vorher gesammelt worden war, kultivierten, übergingen in bäuerliche Gesellschaften.
        Und in genau diesem Moment bekamen die Männer eben auch Anteil an dem, was vorher Frauensache gewesen war.
        Man müsste mal versuchen, herauszufinden wie das in Subsahara Afrika war, also in den Teilen, die unbeeinflusst vom Islam lebten, bis sie in den Focus Europas gerieten.

        Interessant an der Sache ist, dass ja die Lieblinge des lieben Gottes die Hirten zu sein scheinen und genau nicht die Bauern.
        Aber ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, die Kirche habe den Laien aus Bösartigkeit theologische Reflexionen verboten, sondern und das darf man ja nicht vergessen, es lange so war, dass die Nichtmönche so sehr mit ihrem eigenen Leben kämpfen mussten, dass sie dazu schlichte und ergreifend keine Zeit hatten.
        Was aber geschehen ist, ist etwas dummes, aber auch klassisches.
        Im Grunde ist es so, dass die Eliten vom Volk leben und ich sag das mal etwas flappsig, das Volk sich es leistet, Eliten zu haben, damit die für das Volk das tun, wozu es keine Zeit und keinen Nerv hat, zu beten, zu denken, dem Leben Sinn zu geben.
        Nur und genau dann wird es eben fatal, das oft dazu führt, dass die Eliten anfangen, das Volk zu verachten, und vergessen, wo sie her kommen und warum sie Elite sind.

        Die AT-Geschichte finde ich auch sehr spannend, auch und weil es ja so ist, dass Abraham, wie wir wissen, gar nicht unfruchtbar war, er hatte ja noch den Ismael und nach Genesis 25,6 noch einigen andere (Neben)frauen, und mit denen Kinder.
        Von daher stimmt es schon, dass Gott es wohl umgedreht sieht.
        Muss drüber nachdenken, aber eine fromme Freundin hat mal gesagt, durch den Sündenfall sei eben auch das Verhältnis der Geschlechter sozusagen mit gefallen und seitdem mühen wir uns auch daran ab.
        Und wie gerade Papst Benedikt in Deus Caritas est ausführt, ist es trotz allem nur das Christentum gewesen, das versucht hat, die Ehe, also die normale Ehe, nicht die Hätere oder den Harem hochzuhalten, auch wenn das nicht gerade immer prickelnd gelungen ist.
        Von daher scheint mir, und das gibt auch der biblische Befund, den Sie so ausführlich aufgeschrieben haben, her, dass wir an diesem Punkt unser eigentliches Kampffeld haben.

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      • zeitschnur sagt:

        Spät, aber ich habe Ihre Antwort erst jetzt gesehen.
        In Gen 25 wird beschrieben, dass Abraham nach dem Tod Saras Ketura zur Frau nahm und weitere Nebenfrauen.
        Die Söhne dieser Frauen verbannte er aus der Nähe Isaaks „nach Osten“, „weit ins Morgenland“, weil er alles, was ihm gehörte, nur ihm vermachen wollte.

        Das heißt: Abraham hat im Prinzip unterlaufen, was Gott vorhatte. Und Abraham verdanken wir den Stress mit dem Islam, der sich ausdrücklich auf diese zu kurz Gekommenen bezieht und ihnen ihren „rechtmäßigen“ Platz geben will. Wir verdanken Abraham über Sara den Christus. Aber wir verdanken ihm über seine natürliche sexuelle Unbeherrschtheit auch alles Antichristliche.
        _______________

        Sie schreiben:

        „Aber ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, die Kirche habe den Laien aus Bösartigkeit theologische Reflexionen verboten, sondern und das darf man ja nicht vergessen, es lange so war, dass die Nichtmönche so sehr mit ihrem eigenen Leben kämpfen mussten, dass sie dazu schlichte und ergreifend keine Zeit hatten.“

        Es geht aus mannigfachen Zeugnissen hervor, dass es sehr wohl einem eindeutigen Machtimpuls der Hierarchie entsprang, den Laienstand immer mehr gegen den der Kleriker abzusetzen. Etwa Bonifaz VIII., der die Laien gewissermaßen als den natürlichen Feind des Klerus sieht. Die gesamte Auseinandersetzung zwischen Papst und „Kaiser“ (weltlicher Macht).
        Das frühe Christentum ist nicht durch Kleriker gekennzeichnet, sondern durch Zölibatäre beiderlei Geschlechts. Sie waren Träger des Glaubens. Die Kirche hat diese Leute immer als geistlichen Stand angesehen, auch die Frauen! Erst im zweiten Jahrtausend hat man diesen geistlichen Zölibatären-, Märtyrer- und Ordensstand (was die Frauen betrifft) zunehmend theologisch und sozial-seelsorgerisch entmündigt, die männlichen Orden zunehmend klerikalisiert, das Weltpriestertum durch den Zölibat für Priester dem Ordensstand angeglichen und den ganzen Ordens-Stand schließlich in einem krönenden Akt der Herabwürdigung nach der Liturgiereform 1970 als „Laien“ bezeichnet – es sei denn, es handelt sich auch um Kleriker. Seither geht das Ordensleben nieder.
        Auf diese Weise wurde ein tradierter geistlicher Stand mit all seinen nicht-sakramentalen geistlichen Diensten gekippt. Angebahnt aber hat sich das lange!

        Man kann sagen, dass sich die Kirche auf diese Weise in einigen zentralen Elementen einer gnostischen Sekte angenähert hat. Strukturmerkmal der Gnostiker ist eine Arkangruppe (nur Männer), die Ausgrenzung der Frau aus allen geistlichen Zusammenhängen, eine Art „Geheimwissen“, zu dem nur ein oder mehrere Auserwählte(r) Zugang haben.
        Die Auseinandersetzung des 19. Jh um die päpstliche Unfehlbarkeit war tatsächlich von einer quasi-gnostischen Aura umgeben: Die Vorstellung, dass nicht mehr die gesamte Kirche mit allen Ständen Empfänger der Wahrheit ist, sondern nur noch eine einzige Person die Wahrheit mit Gewissheit erkennen kann, nämlich der Papst und ihr sich alle beugen müssen, ist im Grunde eine dem Gnostischen sehr nahe Vorstellung. Daher kommt auch die Explosion des Erscheinungswesens im Umfeld der Ultramontanen. Erscheinungen und Seherinnen bestätigen seither den Papst bzw. das, was er lehrt oder lehren wird.

        Faktisch wird jeder außer dem Papst als unfähig zur gewissen Wahrheitserkenntnis deklariert. Nur er ist in der Lage, mit Gewissheit (also: unfehlbar) eine Lehre zu definieren. Dieser Definition geht ein Erkenntnisprozess der ganzen Kirche voraus, der im Ungewissen bleiben MUSS. Erst der Papst hat die Eingebung darüber, ob diese Lehre und inwiefern sie wahr ist. Damit wird das Kirchenvolk, aber auch der Bischof ausgeschlossen aus dem Erkenntnisprozess.
        Seither sind Konzilien obsolet – man braucht sie nicht mehr. Diese unheilvolle Entwicklung fand ihren Abschluss unter Pius IX.

        Wenn Traditionalisten und Sedisvakantisten herumgeätzt haben, dass auf dem Vaticanum II Nichtkatholiken und sogar Frauen (!) als Beobachter zugelassen gewesen wären und dies gewissermaßen der Anfang vom Ende war, dann muss man von einem gnostischen Verständnis ausgehen. Der Sedi hat diese Vorstellung aber aus der „pianischen“ Tradition des 19. und frühen 20. Jh. Auf den altkirchlichen Konzilien saßen jede Menge Weltliche! Warum auch nicht – als Zuhörer und Beobachter? Was soll daran schlimm sein, wenn nicht eben aufgrund der Ansicht, hier werde eine geheime Sekte korrumpiert durch „unreine“ Anwesende?

        Nicht nur anders eingestellte Kardinäle wie Gasparri, sondern schon Döllinger äußerten deutlich, die Kirche habe sich selbst strukturell dem Freimaurertum angenähert.

        Man muss sich bewusst machen, dass diese neuzeitliche Entwicklung der letzten 200 Jahre mit dem alten feudalistischen Ständemodell nichts mehr zu tun hat, auch wenn viele das bis heute in großer Naivität glauben.

        Ich gehe davon aus, dass aufgrund dieser Entwicklung auch (nicht nur deswegen, aber unterschwellig auch deswegen) jeglicher Sinn für das Mysterium der Ehe verloren gegangen ist. Sie ist Sakament, also geheimnisvolles Zeichen des untrennbaren und unvermischten Ineinanders von Christus und der gesamten Kirche (nicht bloß der Hierarchie oder des Papstes!). Mit dieser modernen Entartung ist auch das Geheimnis der Eucharistie nicht mehr verständlich. Die Gemeinden konnten sie nur noch auf sich selbst beziehen (auf das Miteinander der Menschen) oder eben als Arkan-Mysterium, an dem sie keinen Anteil mehr haben außer ganz von ferne und rein formalisiert. Die verbreiteten Stillmessen waren jedoch (wenn auch an sich sinnvoll und legitim) ein Merkmal des Arkanen, des Ausgeschlossenseins hinsichtlich des Mysteriums.

        Die „participatio actuosa“, die Pius X. aufgriff, verhinderte doch er selbst am meisten. Er trug zu einer starren Sakramentalisierung des Geistlichen bei, das den Laien vollkommen ausschloss aus dem persönlichen Zugang zum Mysterium. Er hetzte und verfolgte das berechtigte Anliegen der Modernisten, dass der Glaube ohne persönliche Erfahrung wenig tragfähig ist, als „Häresie der Häresien“. Der Glaube beruht zwar inhaltlich nicht auf der persönlichen Erfahrung, aber er ist nicht tragfähig, wenn er nur als spröde „Lehre“, von deren Reflexion man grundsätzlich ausgeschlossen ist, vermittelt wird.

        Seither glaubt der Katholik, weil ihm die Hierarchie sagt, was er zu glauben hat. Ob er es versteht, ist gleich und wird bewusst ausgegrenzt als Perspektive. In den Wirren des 20. Jh gab man sich damit zufrieden. Vorerst. Aber die Unzufriedenheit und Entfremdung brachen sich doch Bahn. Viele hofften auf eine Rückkehr zum realisierbaren persönlichen Glauben im Vaticanum II.
        Ich denke, es war zu dem Zeitpunkt längst zu spät.

        Geblieben ist uns im Groben: der alte gnostische Papstglaube und ein ebenso gnostisches Erscheinungs- und Seher(innen)-Wesen, das dem Papst immer zuarbeitet.

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  4. Ich bin dafür, allen den Zugang zu Christi Tisch zu gewähren, wer nicht reinen Herzens kommt, wird das Sakrament nicht für sich von Christus empfangen. Dies aber überlassen wir dem Schöpfer und seinem Sohn.

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    • ester sagt:

      das Problem ist aber, dass, egal wer die gewandelte Hostie empfängt, ihn ihr Christus empfängt, die Sakramente sind unabhängig vom Zustand des sie Empfangenden.
      Genau deshalb gibt es die Warnung des Paulus! Wer den Leib des Herrn unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich das Gericht!

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