Patriotismus statt Nationalismus: Stolz und Scham gehören zusammen

Von Dr. David Berger

Es sind immer seltener die „Linken“ und immer öfter die Konservativen und „Rechten“, die die Themen der gesellschaftlichen Debatte in Europa setzen. Das ist nicht verwunderlich, verbindet man „links“ doch seit geraumer Zeit vor allem mit Denkverboten und den angeschlossenen Institutionen der Gesinnungspolizei, auf keinen Fall jedoch mit einem herrschaftsfreien, fairen gesellschaftlichen Diskurs. pressefotoberger11

Hinzu kommt, dass die Rechte immer näher an den „normalen“ Menschen war als die linken, letztlich weltfremden und nicht von gesundem Menschenverstand und Empirie, sondern von Dogmen getriebene Linke.

Dass Geist und Freiheit eher „rechts“ stehen, bemerkte bereits in den 80ern ein Denker wie Claus Leggewie und neuerdings hat angesichts der Meinungsfreiheit Nicolaus Fest ebenfalls in einem luziden, unbedingt lesenswerten Essay erneut darauf hingewiesen. Ob die politische Klugheit dann gebietet, den Weg der Mitte zu gehen, ist eine ganz andere Frage.

Aufgrund dieses provokativen Potentials konservativen Denkens in einer Welt der verordneten Mediokrität war es absehbar, dass der Streit um die Gedenkkultur der Deutschen aufkommen musste.

Zunächst ist es völlig korrekt: Eine persönliche Schuld gibt es bei jenen, denen die „Gnade der späten Geburt“ (Helmut Kohl) vergönnt war, tatsächlich nicht. Auch gegen eine Kollektivschuld im Sinne einer „Solidarschuld“ haben sich schon 1945 kluge Köpfe, wie etwa der britisch-jüdische Verleger Victor Gollancz, ausgesprochen. Und das zu einem Zeitpunkt und unter Bedingungen, die alles andere hätten verständlich erscheinen lassen.

Das heißt, es ist geradezu „unsinnig, jeden einzelnen Deutschen der Naziverbrechen für schuldig zu halten– aus dem einfachen Grund seiner Zugehörigkeit zur deutschen Nation“ (Benjamin Sagalowitz, 1950). berlin

Etwas anderes freilich ist es, von „Versagen“ und damit auch „Schuld“ in historischen Zusammenhängen zu sprechen. 

Ich bin in den Bundesrepublik Deutschland 1968 geboren. Ich habe dieses Land in meiner Kindheit und Jugend als meine Heimat, die mir alle Entfaltungschancen gab, schätzen gelernt. Je mehr ich mich mit der Geschichte und Gegenwart des Abendlandes beschäftigt habe, ist auch in mir die Freude daran gewachsen, von dieser Kultur und Geschichte geprägt zu sein. Von jenem in den letzten Jahren auf einmal zum „Nazibegriff“ herabgewürdigten Abendland, in dem Menschen deutscher Sprache eine wichtige Rolle gespielt haben.

Und es erfüllt mich nach wie vor mit Stolz, Kind des Abendlandes zu sein. Jenes Abendlandes, das im Mittelmeerrraum in der Antike geboren, aus dem Denken großer Geister wie Sokrates, Platon und Aristoteles hervor wuchs, vom Rechtsdenken und den strategischen Leistungen der Römer geprägt wurde. Ein Erbe, das nach dem Untergang der Antike von der katholischen Kirche und ihren Geistesgrößen – wie einem Thomas von Aquin – bereichert wurde. Und ganz entscheidend auch durch den Einfluss der immerhin fast ein Jahrtausend prägenden Tradition des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“ (962 – 1806) – weiter getragen wurde.

Ein stets in einem lebendigen Traditionsprozess modifiziertes Erbe, das zunächst die Geburt der Universität und eines echten Wissenschaftsverständnisses, dann durch heftige Kämpfe (von dem Investiturstreit angefangen bis hin zur immer noch nicht ganz abgeschlossenen Kampf für die trennung von Thron und Altar) hindurch Aufklärung und Säkularisierung ermöglichte. Radio Vatikan

Dieser Stolz und diese Freude ist jedoch immer verbunden mit dem Wissen um die tiefen Schatten, die neben diesen Lichtsäulen der Geschichte stehen.

Das Wissen auch darum, dass der Untergang der Monarchien im Zusammenhang des ersten Weltkrieges eigentlich mehr Demokratie hätte ermöglichen sollen, aber stattdessen Diktaturen in ganz Europa und damit dem Zweiten Weltkrieg den Weg bereitet hat. Das traurige Wissen darum, dass die Kirchen in Europa mehr oder weniger wissend und willig dessen Entwicklung hin zu den Menschenrechten vorbereiteten, gleichzeitig aber auch den Antisemitismus ideologisch unterfütterten.

So steht neben all dem Stolz auch immer die tiefe Scham über die Unheilsjahre in Deutschland und die damit verbundenen Verbrechen der Nationalsozialisten, zumal an den Juden, aber unter anderem auch an Homosexuellen, Katholiken, dem Adel und den Zeugen Jehovas – und an den angegriffenen Völkern der eigenen deutschen BevölkeScannen0005rung.

Wer diese Geschichte näher betrachtet, sieht wie das Böse und die damit verbundene Schuld in seiner enormen Macht ungeheuer strake Verflechtungen und Netzwerke bildet, die eine Dimension erreichen, in der kaum jemand mehr komplett unschuldig bleiben kann.

Die Scham eines Abendländers auch darüber, dass man Osteuropa die Schande des Kommunismus angetan hat – mit all seinen Verbrechen, seinen Gulags und vielen anderen Widerwärtigkeiten, die (wie man am langen Arm der Stasi sieht) bis in unsere heutige Zeit fortwirken. 

Der Mensch  –  so eine der tiefen Weisheiten der „philosophia perennis“  –  verändert sich in seiner Natur nicht. Die conditio humana bleibt immer dieselbe. In den Menschen, die im Dritten Reich lebten, quälten und mordeten, gequält und ermordet wurden, floss das gleiche Blut wie in jene, die heute lebten oder vor Jahrhunderten. Wir sind nicht weniger anfällig als sie für das Böse.

Und immer wieder ist es das mysterium iniquitatis, das undurchdringliche Geheimnis des Bösen, dem der Mensch sich zuneigt in einer fast nihilistischen Ponderation, die ihm neben dem Streben nach dem Glück und damit dem Guten und der Tugend innewohnt. Der Psychologe Carl G. Jung hat dieses Zusammen von dunklen und hellen Archetypen gar als konstitutionell für den ganzen Menschen und daher auch seine psychische Gesundheit gedeutet.berlin-440x292

Mir geht es in diesem Sinne darum, dass ich ebenso selbstbewusst wie ich mich als Abendländer fühle und die Deutschlandhymne singe, die Deutschlandfahne mit Freude sehe und sage, dass ich Deutscher bin, mich schäme für das, was da Menschen Menschen, Europäer Europäern, Deutsche Deutschen angetan haben.

Nur beides, Größe und Niederung, Stolz und Scham zusammen ist für mich – als Menschen, der immer wieder zum Bösen neigt und doch von Verzeihung und Gnade lebt – glaubwürdig. Nur ein Körper mit Narben ist wirklich echt und daher schön.

Für mich ist diese Selbsterkenntnis des einzelnen, der nach Aristoteles zoon politicon (gesellschaftliches Lebewesen) ist, auch die Basis für ein umfassenders Denken. Das einen falschen Nationalismus von einem erfreulichen Stolz auf das eigenen Vaterland, die Heimat unterscheiden kann.

Wer echten Nationalstolz bei den Deutschen wiedergewinnen will, auch um der von Antifa & Co tatsächlich schamlos instrumentalisierten Nazikeule etwas entgegen zu setzen, aber gleichzeitig die dunklen Stellen unserer Geschichte ausblenden und verstecken möchte, wird erbärmlich scheitern.

Statt die Feinde unserer offenen Gesellschaft und Demokratie zu bekämpfen, füttert er sie wider Willen. Und nimmt die Gefahr in Kauf, dass der neue Faschismus, getarnt als Antifaschismus – erneut mit ähnlichen Opfergruppen – wieder Oberwasser gewinnen könnte. Nie wieder!

Den vollständigen Artikel von Dr. Berger lesen Sie hier: https://philosophia-perennis.com/2017/01/29/nationalstolz/

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6 Kommentare on “Patriotismus statt Nationalismus: Stolz und Scham gehören zusammen”

  1. heinrich.blezinger@majolica.de sagt:

    Werte Freunde,

    jeder hört sich gerne reden.

    Nach Brexit und „USA first“ steht es jedem zu mit Björn Höcke zu philosophieren.

    Heinrich Blezinger

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  2. Lisje Türelüre aus der Klappergasse sagt:

    Heute wurde in Aachen das Karlsfest gefeiert. Es gab eine schöne Liturgie. Unser neuer Bischof Dr.Helmut Dieser hielt seine erste Predigt zu diesem Anlaß. Zitat: „Seit einiger Zeit glauben einige, das christliche Abendland verteidigen zu müssen.“ (mit deutlich negativem Zungenschlag). Weiter sinngemäß: das sei natürlich alles hanebüchener Unfug. Das Abendland sei keine territoriale Größe, das man verteidigen könne. Und außerdem sei im digitalen Zeitalter eine Verteidigung von Grenzen sowieso nicht möglich.
    Fazit: im Westen nichts neues!

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  3. Oberlehrerhafte Kritiker nehmen Anstoß daran, daß BJÖRN HÖCKE eine „Wende um 180 Grad“ in der „Erinnerungskultur“ verlangt hat. Da scheint es mir jedoch so, als ob es schon einmal eine „Wende“ gegeben hat – und nicht unbedingt zum Besseren:

    Ich bin bis 1962 Pennäler gewesen, habe also die Zeit bewußt erlebt, von der ROBERT SPAEMANN zu Recht sagt, daß die geistige Freiheit in Deutschland nie mehr so groß gewesen ist, wie in den zweiten Hälfte der 1950er Jahre und vielleicht noch ein paar Jahre danach. In dieser Zeit habe ich jedenfalls die von HÖCKE beklagte einseitig deutschlandkritische „Erinnerungskultur“ als Schüler von meinen Lehrern nicht erlebt. Im Gegenteil, ein Professor KINDERMANN, der selbst bei ADOLF HITLERs Machtergreifung nach Holland gegangen war, erklärte, nicht über die Nazi-Zeit unterrichten zu wollen, weil sie für eine wissenschaftlich-historische Behandlung erst zu kurz vergangen sei (Archive geschlossen usw.). Ein der SPD zumindest nahestehender Dr. FLINK erklärte zwar unsere Vätergeneration zu mehr oder weniger Unterstützern der Nazis, erinnerte sich aber auch sehr deutlich, daß das Deutsche Reich völkerrechtlich das ius ad bellum hatte usw.

    Was ich aber in den Jahren danach vom Schulunterricht gehört und in den öffentlich-rechtlichen Medien erlebt habe, macht mir das Urteil von HÖCKE über die – geradezu wie eine Religion – als unangreifbar hochgehaltene „Erinnerungskultur“ zumindest naheliegend.

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  4. Adolf Breitmeier sagt:

    Patriot JA, Chauvinist NEIN, und in jedem Land, in jedem Staat liegen Licht und Schatten unabdingbar beieinander. Nur eine echte Demokratie bietet dem Menschen Freiheit im Rahmen der Menschlichkeit. Unser ganzes gesellschaftliches Leben ist geprägt durch die Jahrtausende, Griechen, Römer, Germanen, selbst die Zeit vor der Blüte Griechenlamnds (Persien, Ägypten usw.) wirkt nach. In dieser (mitunter auch grausamen) Entwicklung war stets der ROTE Faden nach individueller Freiheit in einer freien und menschlichen Gesellschaft sozusagen das Idol. Stets ist dieses Ziel in Gefahr, durch Zensur (Fake News, Gesinnungsterror) untergraben zu werden, denn ohne freie Meinungsäußerung kann keine Demokratie funktionieren.
    Eine riesige Gefahr stellt der Islam dar, den es NICHT in moderater, sondern bestenfalls in lascher Form gibt. Er strebt die Weltherrschaft an, und wo er herrscht, gibt es keine Freiheit mehr, weil die Ideologie das gesamte Leben beherrscht. Was tun? Wappnen, sich wappnen. Keinen Politikern, die die Freihheit missachten, Macht an die und in die Hand geben.

    Gefällt 1 Person


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