Machtpoker um die Malteser – ein „Kulturkampf“ innerhalb der Kirche?

Eine „geistliche und moralische Reform“ des Souveränen Ordens der Malteser soll er überwachen, besonders der zölibatär lebenden Profess-Ritter: Papst Franziskus hat Erzbischof Giovanni Becciu zu seinem „besonderen Bevollmächtigten“ ernannt. Burke-EWTN-Foto

Dieser sei der „ausschließliche Sprecher“ des Papstes und werde eng mit dem Leiter des Ordens, Großkomtur Ludwig Hoffmann von Rumerstein, zusammenarbeiten. 

Offiziell amtiert jedoch der Kardinalspatron als Vertreter des Papstes beim Malteser-Orden, bekleidet seit 8. November 2014 vom theologisch konservativen Kurien-Kardinal Raymond Leo Burke (siehe Foto).

Im 900 Jahre alten Souveränen Malteser-Orden stellt die kleine Gruppe der Profess-Ritter, die Gelübde wie Mönche ablegen, eine kleine aber wichtige Rolle. Der Orden, der seine eigene Währung, Pässe und Nummernschilder hat, und diplomatische Beziehungen zu über 100 Nationen pflegt, zählt rund 13.500 Mitglieder; doch nur 55 gehören diesem „ersten Stand“ des Ordens an. Bislang stellen sie auch die Führung. 

Die am 4. Februar veröffentlichte Beauftragung von Erzbischof Becciu ist das jüngste Kapitel einer Geschichte, bei der es zum Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Orden über die Absetzung des Großkanzlers, Albrecht von Boeselager, im vergangenen Dezember gekommen war, nachdem der deutsche Ordensmann einen Rücktritt verweigert hatte. 

Foto: Radio VatikanNach einer mehrfachen Intervention des Papstes und einer zum Teil öffentlichen geführten, robusten Korrespondenz mit dem bisherigen Großmeister, Fra‘ Matthew Festing, hatte Franziskus am 24. Januar den Großmeister zum Rücktritt aufgefordert. Dieser war daraufhin sofort zurückgetreten, was der Orden per Gremium später bestätigte. Freiherr von Boeselager kehrte wieder in das Amt des Großkanzlers zurück.

Geht es im Hintergrund um einen Richtungsstreit?

Verhandelt wurde jedoch nicht nur die eine oder andere Personalie. Es ist Beobachtern zufolge ein Richtungsstreit, der internationale Wellen schlug.

In der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb Julius Müller-Meiningen, es werde ein „Kampf der Kulturen ausgetragen, wie er in vergleichbaren Zügen in der gesamten katholischen Kirche zu beobachten“ sei.

Der bekannte Journalist fährt fort:

„Ein Armdrücken um die Wahrheit, das nun in einer päpstlichen Blutgrätsche im Namen der Barmherzigkeit sein vorläufiges Ende findet. Müssen sich Katholiken in aller Welt auf Verhältnisse wie im Malteserorden gefasst machen nach der Devise: Wer nicht spurt, fliegt raus?

Der letztendlich mit dem Recht des Stärkeren ausgetragene Streit im Orden geht ums Ganze, um die richtige Balance und das rechte Verständnis von Katholizität, Tradition, Dogma und Pastoral. Mit besonderer Teilnahme des deutschen Katholizismus„.

Daß es sich im Hintergrund um einen Richtungsstreit handelt, wird auch von der progressiven Seite so gesehen:

Im „NCR“ sprach der Präsident der deutschen Malteser, Prinz Erich von Lobkowicz,  von einer „Schlacht zwischen all dem, wofür Papst Franziskus steht, und einer kleinen Clique ultrakonservativer, rüschentragender Hardliner in der Kirche, die den Zug in jeder Hinsicht verpasst haben“.

Quelle und vollständiger Text hier: http://de.catholicnewsagency.com/story/dieser-mann-soll-die-malteser-spirituell-erneuern-franziskus-ernennt-erzbischof-becciu-1570#.WJX05_2CuNA.twitter

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6 Kommentare on “Machtpoker um die Malteser – ein „Kulturkampf“ innerhalb der Kirche?”

  1. Um welche dinglichen Besitztümer des Ordens geht es denn, wieviel Geld will der Papst für seinen Staat Vatikan eintreiben? Hier geht es um Geld und sonst nichts!

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  2. zeitschnur sagt:

    Oje – naja Machtpoker und päpstlicher Absolutismus – das ist ja typisch für die Kirche, v.a. seit dem Vaticanum I. Es ist natürlich ein Treppenwitz, wenn nun die Ultrakonservativen von ihren eigenen einstigen Absolutismuswünschen erschlagen werden… vielleicht hähtte man eben doch auf auf den exkommunizierten Döllinger hören sollen…

    Aber im Ernst: kann sich in der vorliegenden Sache irgend jemand guten Gewissens rein sachbezogen positionieren unter uns?

    Ich habe keine Ahnung, um was es geht, wer hier was für ein Spiel spielt…

    Um uns hier einzumischen oder überhaupt zu einer Meinung zu kommen, müssten wir einen Einblick in die Sachlage haben, und genau der scheint verwehrt. Ich habe auch den Ursprungsartikel gelesen und kann daraus nicht entnehmen, was eigentlich die Faktenlage ist und was der handfeste Gegenstand des Konfliktes ist. Herumlabern von „Richtungsstreit“ etc. ist nicht angemessen, wenn man nicht auch Ross und Reiter nennt.

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    • zeitschnur sagt:

      Kath.net hatte ebenfalls ausführlicher berichtet über die Zusammenhänge.
      Offenbar gibt es zwei „Stränge“ in dem Konflikt.

      Der eine Strang ist die Aggression, die von Festing ausging: Er führte die Amtsenthebung von Großkanzler von Boeselager durch. Festing wiederum hing eng mit K. Burke zusammen. Man warf von Boeselager vor, er habe nicht rechtzeitig unterbunden, dass in Hilfslieferungen nach Myanmar auch Kondome waren. Von Boeselager hatte gegen seine Amtsenthebung vor einem ordensinternen Gericht Einspruch eingelegt.

      Es heißt nun immer, Franziskus habe den Fall durch eine Kommission untersuchen lassen. Für mich fehlt da eine Info: Wieso landete dieses ordensinterne Verfahren samt der Berufung von Boeselagers bei einer vatikanischen Kommission? was ist in diesem Orden los? Und vor allem: Wieso dampft es, seitdem K. Burke dort agiert?

      Die vatikanische Kommission jedenfalls stellte fest, dass die Vorwürfe gegen von Boeselager falsch seien.

      Weiß da jemand noch was?

      Der zweite Strang ist die Rolle K. Burkes. Offenbar hat Franziskus ihn im November 2016 vorgeladen:

      „Kardinal Burke war am 10. November 2016 in Privataudienz bei Papst Franziskus. Der Papst sei angesichts der Verteilung von Kondomen und oralen Verhütungsmitteln durch „Malteser International“, die Hilfsorganisation des Ordens sehr beunruhigt gewesen. Bei diesem Treffen kam Franziskus auch auf das Thema Freimaurer zu sprechen. Er machte klar, dass er keinen Einfluss von Freimaurern im Malteserorden wolle und von Kardinal Burke entsprechende Maßnahmen erwarte, berichtet Pentin.

      In einem Brief vom 1. Dezember unterstrich der Papst erneut die Pflicht des Kardinalpatrons, die spirituelle Ausrichtung des Ordens zu fördern und jede Verbindung zu Gruppen und Praktiken zu beenden, die dem Moralgesetz entgegen stehen, schreibt der Vatikanexperte.

      Papst Franziskus hat in den vergangenen Jahren mehrmals auf die Gefahren der Freimaurerei und ihre Kirchenfeindlichkeit hingewiesen.“ http://www.kath.net/news/58145

      Was soll man nun davon halten?

      War F. zu dem Zeitpunkt noch ganz ohne Ahnung über die Zusammenhänge?
      Oder sind die Zusammenhänge VÖLLIG anders, als wir denken?
      Oder hat F. selbst diese ganzen Querelen inszeniert und K. Burke wäre dann in einer ziemlich offensichtlichen Dummheit darauf hereingefallen wie ein apportierendes Hündchen? kann das wirklich sein?

      Ich persönlich bin zwar theologisch absolut kein Progressist, aber ich habe gelernt, den ultrakonservativen „Leuchttürmen“ mit äußerster Skepsis gegenüberzustehen. Die mögen zwar supermoralisch tun und sich mit liturgischen Märchenklamotten ausstaffieren und schön die „Alte Messe“ feiern, aber schaut man genauer hin, stimmt mit vielen von ihnen etwas nicht wirklich.
      Nur als Beispiel: was hat eigentlich der Weihbischof Athanasius Schneider mit dem Engelwerk zu tun? Immerhin ist er dort Mitglied.
      Und all die Verflechtungen vieler Konservativer zum Opus Dei.
      Und K. Burke ist für mich alles in allem ein total undurchsichtiger Typ.

      Hier sind offene Fragen. Und solange die nicht beantwortet sind, sollten wir nicht unbesehen einer Seite einfach rechtgeben, nur weil sie ach so konservativ ist.

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  3. Lothar sagt:

    “ …die den Zug in jeder (!) Hinsicht verpasst haben“.

    Mann, bin ich froh, dass ich auch zu spät am Bahnhof war…

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  4. Anonymous sagt:

    Ist für von Lobkowicz auch Kardinal Burke ein Cliquen-Angehöriger? Der Sprachduktus des Prinzen ist auf der Linie derer, die eine andere Kirche wollen und die Wortwahl ist aussergewöhnlich provokativ. Wenn der „adelige“ Herr von Schlacht spricht, ist doch wohl zu fragen, wer hier wem zu Diensten ist.

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