Verrät der Vatikan die romtreue katholische Untergrundkirche in China?

Von Dr. Edith Breburda

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, der frühere Bischof von Hongkong, ruft jetzt auf, für die Untergrundkirche Chinas zu beten. Er sagt in einem Interview mit der katholischen Nachrichtenseite „LifeSiteNews“: “Der Vatikan verrät chinesische glaubenstreue Katholiken.” dr-breburda

Kardinal Zen, ein ehem. Seminarprofessor, spricht Mandarin, Kantonese, Shanghainese, Englisch, Italienisch, Latein und er versteht Französisch. Er ist die höchste Autorität in der katholischen Kirche Chinas.

Inständig  bittet er den Vatikan, mit den Kommunisten Chinas nicht zusammenzuarbeiten.

„Dies würde de fakto den Kommunisten die Leitung der Kirche überlassen, was nicht den Regeln und Prinzipien der Kirche entspricht. Es schadet auch ihrer Glaubwürdigkeit.

Chinas Regierung könnte bestimmen, welcher treue Kommunist Bischof wird, und dem Papst bliebe nichts anderes übrig, als dem zuzustimmen. Die Chinesische Regierung verlangt von der Kirche, sich ihnen total auszuliefern. Man erweckt zwar den Eindruck, als ob der Papst ein gewisses Mitspracherecht hätte, aber der Schein trügt. Im Grunde kann der Papst gar nichts tun.“

Die romtreue katholische Kirche Chinas arbeitet im Untergrund, während die chinesische „patriotische Kirche“ nur Priester zulässt, die der Partei genehm sind und die sie streng überwacht. Bischöfe der rechtgläubigen Kirche, die dem Papst gegenüber loyal sind, müssen viele Jahre im Gefängnis verbringen. p1060215_810_500_55_s_c1

Kardinal Zen (siehe Foto) erklärt [i]:

„Wenn man einer Regierung die Möglichkeit gibt, Bischöfe zu ernennen, könnte das ein Signal für andere Staaten sein, dem nachzufolgen. Ich habe große Sorge, dass der Vatikan mit der Regierung zusammenarbeiten will. Für ihn ist die Untergrundkirche ein lästiges Übel. Und um der Einheit Willen tut man alles, um sich zu arrangieren.

Der Papst selber versteht wahrscheinlich nicht die Hintergründe. Ich kann seine Gutgläubigkeit, die fast schon an Naivität grenzt, über die chinesische Regierung nachvollziehen. Er verlässt sich auf seine Mitarbeiter. Schuld an der Lage ist eigentlich nicht der Papst. Es sind seine Berater.

Ich habe Angst, sie verkaufen die Untergrundkirche. Das wäre für uns sehr schlecht. Aber wir können nichts tun außer beten. Chinesen, die mich aufsuchen, ist es verwehrt, ihre Meinung frei zu äußern. Sie bitten mich inständig, meine Stimme zu erheben.

So kontaktiere ich den Vatikan unablässig. Nur dieser scheint nicht auf mich hören zu wollen. Ich habe Papst Franziskus vor zwei Jahren getroffen. Er hörte mir 40 Minuten lang zu. Er schien meine Ansicht zu teilen. Ich kann so nicht sagen, was nun passieren wird.

Foto: HMKMan teilte mir jedoch mit, dass ich nur noch dann in den Vatikan kommen soll, wenn ich eine Einladung habe.“

Offenbar hat sich die Situation zwischen Vatikan und Chinas Kirche seit dem Rücktritt von Papst Benedikt geändert. Kardinal Zen jedenfalls beklagt, dass eine kompetente römische Kommission aus jener Zeit nun nicht mehr existiert: 

„Unter Papst Benedikt XVI. gab es eine vatikanische Kommission, deren sehr kompetente Mitglieder genau wussten, wie man mit chinesischen Kommunisten zu verhandeln hatte. Unter Papst Franziskus ist diese Kommission verschwunden.

Die Untergrundkirche in China ist sehr verunsichert über die äußerst verwirrenden Anweisungen des Vatikans. Priester der „Patriotischen Kirche“ sind der Regierung verpflichtet. Wenn sie in die Untergrundkirche kommen, werden die Untergrundpriester nach einiger Zeit von der Polizei verjagt. Sie verlieren ihre Pfarrei.

Die Regierung hat die Untergrundkirche in der schlimmsten Form  tyrannisiert. Man kann mit den Kommunisten, die uns verfolgten, nicht plötzlich zusammenarbeiten und sie kirchenrechtliche Dinge entscheiden lassen, nur weil der Vatikan, der die Zusammenhänge nicht kennt, es so bestimmt.

Es gehört zu meinen Prinzipien, den Papst nicht zu kritisieren. Wenn es wirklich zu einem Deal zwischen der Regierung und dem Vatikan kommen sollte, werde ich schweigen. Aber bis es soweit ist, werde ich meine Stimme erheben, um meine Opposition kundz tun.“

[i] Claire Chretien, Exclusive: Cardinal Zen says ‘Naïve’ Pope and bad advisors are betraying underground Church in China. LifeSiteNews, 21. Feb. 2017bookcoverimage

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

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Foto von Kardinal Zen: LifeSiteNew

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7 Kommentare on “Verrät der Vatikan die romtreue katholische Untergrundkirche in China?”

  1. Bernhard sagt:

    Die Situation in China ist sehr komplex und kompliziert, deswegen kann ich nur ein paar Gesichtspunkte herausgreifen:

    Kardinal Zen reißt den Mund immer ziemlich weit auf und verkündet, wie seine Amtsbrüder auf dem Festland (und im Vatikan) zu handeln haben. Aber er sitzt im sicheren Hongkong und hat nie Verfolgung erdulden müssen. Auch wenn er viel Wahres sagt, als „heroisch“ betrachte ich ihn nicht.

    Es ist nicht so, dass es in China zwei katholische Kirchen gäbe, eine „gute“ Untergrundkirche und eine „böse“ „patriotische“ Staatskirche. Es gibt sehr viele Abstufungen. Es gibt Bischöfe, die von der KPCh eingesetzt und dem Staat wohl weitgehend loyal sind. Es gibt Bischöfe, die im Gefängnis sitzen. An manchen Orten riskiert man Arbeitslager, wenn man in eine Messe der Untergrundkirche geht. In anderen lassen die Behörden die Untergrundkirche mehr oder weniger gewähren. Es gibt sogar einen Bischof (seinen Namen habe ich vergessen), mit dem die Behörden zusammenarbeiten, obwohl er nie vom Staat anerkannt wurde (und mithin formal „Untergrundbischof“ ist). Und viele Bischöfe sind eingesetzt worden, nachdem sich Staat und Kirche auf den Kandidaten geeinigt hatten, wie „zeitschnur“ schon ausgeführt hat.

    Kardinal Zen ist in dieser Hinsicht ein „Scharfmacher“. Zur „ausgleichenden Gerechtigkeit“ empfehle ich das Interview-Buch „Christus in China“ von Seiner Exzellenz (oder „pseudo-Exzellenz“, denn er wurde m.W. nie von Rom anerkant) Aloysius Jin Luxian, dem verstorbenen „offiziellen“ Bischof von Shanghai. Man muss nicht alles glauben, was er sagt, aber es hilft doch, ein ausgeglicheneres Bild zu bekommen.

    Auf einen Aspekt möchte ich noch hinweisen: In letzter Zeit werden in Deutschland, vor allem im „konservativen Lager“, Stimmen lauter, die Muslimverbände in Deutschland sollten finanziell unabhängig sein, Imame sollten aus Deutschland stammen und in Deutschland ausgebildet werden, am besten sollten die Behörden die Ausbildungsinhalte kontrollieren.
    Wenn aber der chinesische Staat das für Kirchenleute fordert, verurteilen wir es als staatlich verlangten Glaubensabfall oder zumindest KIrchenspaltung.
    Dabei gehört das Christentum ursprünglich nicht zu China, wie der Islam ursprünglich nicht zu Deutschland gehört. Und wie der Islam (auch der „moderate“) eine politische Komponente hat, hat es die Katholische Kirche und der katholische Glaube auch. Man denke nur an den Anteil von Solidarnosc und anderer katholischer Organisationen am Zusammenbruch des Ostblocks.

    Ich hoffe auf eine Verbesserung der Lage der Christen (und nicht nur der Christen) in China, aber die Situation ist zu komplex, als dass eine Seite nur gut oder nur böse wäre.

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  2. zeitschnur sagt:

    Für mich ist die Situation Chinas aus der Ferne und ohne genauere Kenntnis nicht zu entschlüsseln. Immer wieder hört man ja etwas in der Presse darüber: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/katholiken-in-china-tod-im-untergrund-13412122.html

    Die patriotisch-katholische Kirche stammt aus den 50ern. Damals war Pius XII. Papst, und es gab in Asien ja durchaus Szenarien, die aufseiten der Kommunisten diese Radikalität wenn nicht ursächlich erzeugt, aber zumindest einmal verstärkt haben dürften. Pius hatte 1958 eine Enzyklika zum Kommunismus und zur Lage in China geschrieben, „Ad apolorum principis“ – kann man hier lesen: http://w2.vatican.va/content/pius-xii/en/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_29061958_ad-apostolorum-principis.html

    Als ich mich genauer mit der Lage in Vietnam befasste und entdecken musste, dass Ngo Dinh Diem (Präsident Süd-Vietnams von 1955-63) eine geradezu abstoßende „katholische“ Politik betrieb, schwanten mir manche Zusammenhänge. Ngo wurde durch ein Intrigenspiel der USA als Präsident installiert, freie Wahlen wurden unterdrückt, weil man wusste, dass die Kommunisten sie gewinnen würden.
    Ngo Dinh Diem führte alsbald ein autoritäres katholisches Regime ein und strebte offen eine Katholisierung des Landes an, obwohl die Katholiken nur eine Minderheit waren. Da sein ganzer Familien-Clan alle hohen Posten besetzte, u.a. war sein Bruder Ngo Dinh-Thuc Bischof von Hue (der zentrale Sitz der alten Kaiserresidenz). das wäre nicht weiter spektakulär, wenn man sich nicht klarmachen müsste, dass der Ngo-Clan den legitimen kaiser Bao Dai absetzte und verjagte, der dort residiert hatte oder hätte müssen nach der Tradition des Landes.
    Ngo Dinh-Thuc ließ dort – entgegen den Gesetzen – seinen eigenen Geburtstag groß feiern mit Fähnchen und großem Bohei. Daraufhin feierten auch die Buddhisten einen hohen buddhistischen Feiertag offen. Wie immer nun der Zusammenhang war, der dritte Bruder der Ngo-Familie, der in Hue Militär-Lord war, ließ in die Menge der Buddhisten schießen, weil sie sich angeblich gegen ein gesetz gewendet hätten mit dieser (vollkommen friedlichen) Buddha-Feier. Damit war das Chaos ausgebrochen.
    Es kam zu Selbstverbrennungen buddhistischer Mönche gegen die Regierung (ähnlich wie die Selbstverbrennung Jan Palachs), die die Regierungspropaganda als angebliche kommunistische Akte gegen die Regierung interpretierte – freilich ohne Beweis. Die Buddhisten fühlten sich tatsächlich von Ngo und seiner katholischen Kraftmeierei an die Wand gedrückt und vereinigten sich im Widerstand gegen diese autoritäre und von ihnen nicht gewollte und nicht gewählte Regierung mit den Kommunisten. Die Ngo-Propaganda behauptet, in Wahrheit steckten aber die Kommunisten hinter den Schein-Buddhisten, was wirklich kalter Kaffee gewesen ist. Ngo beleidigte schlicht und einfach die Buddhisten mit seiner Vorgehensweise, und immerhin stellten sie die Mehrheit der Bevölkerung. Rom stand hinter Ngo. Die Amerikaner aber ließen ihn irgendwann, als er zuviel Unheil gestiftet hatte, fallen und ermorden. Sein bruder Ngo Dinh Thuc weilte auf dem Vaticanum II und wurde später neben Lefebvre der zweite Dissident und Vater der Sedisvakantisten, die auf seine unerlaubten Bischofsweihen zurückgingen.

    Ich gehe davon aus, dass gerade dieses Szenario auch den Chinesen vor Augen gestanden haben wird.

    Dennoch kann ich die Lage in China nur ganz schwer einschätzen, zumal nicht in jeder Diözese eine uniforme Situation gegeben scheint, weder in der Untegrundkirche noch in der offizellen Kirche.

    In der Sache aber bricht die alte Sorge aller Regierungen aus, dass die Kirche wegen ihres niemals zurückgenommenen weltlichen Herrschaftsanspruchs in die Regierungen der Nationen hineinpfuschen könnte. Nicht nur die Kommunisten Chinas grenzen sich davon ab, dagegen grenzten sich auch schon die österreichischen Kaiser, Napoléon und überhaupt der gesamte Gallikanismus ab.

    Das Szenario ist im Grunde eine Neuauflage des Investiturstreites, allerdings ohne allerchristlichsten Kaiser.

    Ich denke, dass es unsinnig ist, über Franziskus „Naivität“ zu spekulieren. das ist einerseits herablassend, andererseits verschleiert es, dass F. Motive hat und dass die auf den Tisch gehören. Offenbar hat aber auch dieser Bischof im Artikel kein Interesse daran, diese Motive sauber darzustellen. Warum nicht?

    Das Problem ist ein anderes: Benedikt hat einerseits in vielem den Anschein erweckt, den päpstlichen Zentralismus aufrecht zu halten. Andererseits plädierte er für eine Entweltlichung, stand also von daher in diesem Sinn einer Untergrundkirche näher, andererseits steht aber gerade diese Untegrundkirche auch für den weltlichen Anspruch Roms – und das ist in sich widersprüchlich.

    Die patriotische Kirche tradiert im Grund den Januskof des weltlichen Machtanspruchs und ist insofern auf ihre Weise bizarrerweise „romtreu“, indem sie lieber zeitweise „rom-untreu“ wird, als dass sie diesen Anspruch aufgäbe.
    Die Untergrundkirche zeigt nicht deutlich, wofür sie steht – ist sie „romtreu“, muss sie den weltlichen Machtanspruch „über die weltlichen Regierungen“ aufrechthalten – aber genau das scheuen die weltlichen Regierungen seit Jahrhunderten ja allesamt. Warum gibt es kein Konkordat zwischen China und dem Vatikan? Auch das ist ein Kapitel für sich… jedenfalls gibt es eine Annäherung zwischen der KP Chinas und der Kirche seit dem Pontifikat Johannes Pauls II. Dabei wurde erreicht, dass China keine Bischöfe mehr ohne Zustimmung Roms einsetzte. Das geriet ein paar Jahre später, dann unter Benedikt, wieder aus den Fugen. Warum genau, ist mir nicht wirklich klar geworden. Jedenfalls ist der oben zu Wort gekommene Bischof einer derer gewesen, die in dem erneuten Zerwürfnis im Schulterschluss mit Benedikt eine Hauptrolle spielten. Aber wie und was genau konnte ich nicht rekonstruieren bislang.

    Die Tradis müssen sich klarmachen, dass die offizielle, patriotische Kirche bis heute weitgehend noch den tridentinischen Ritus feiert und das Vaticanum II nicht anerkennt – im Gegenssatz zur „romtrueen“ Untergrundkirche. Hier hängt also manches ganz andersherum, als es von hier aus vermutet werden dürfte.

    Es wäre eine wichtige Aufgabe, die Problematik der Kirche in China wirklich neutral aufzuarbeiten.

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    • Bernhard sagt:

      Na ja, ich bin mir nicht sicher, ob man die Situation in Vietnam auf China übertragen kann. Der Anteil der Katholiken war in China deutlich niedriger als in Vietnam, und kein General oder lokaler Potentat war Katholik gewesen. Auch sonst war die Situation in vieler Hinsicht eine andere.

      Wobei Mao und die Partei wohl sehr wohl klar war, dass alle christlichen Denominationen anti-kommunistisch eingestellt waren und folglich ihre Anhänger auffordern würden, gegen die kommunistische Partei zu arbeiten.

      Ja, im Prinzip ist es so etwas wie ein Investiturstreit, das sehe ich auch so.

      Ihre Überlegungen zu „romtreu“ und „weltlichen Anspruch“ halte ich für ein bisschen weit hergeholt. Es ist wohl einfach so, dass die „romtreuen“ Katholiken aus religiösen Gründen nur die Bischöfe anerkennen wollen, die vom Papst eingesetzt worden sind, und der chinesische Statt will die Kontrolle über die Katholische Kirche (und die anderen Religionen!), weil er nicht enden will wie die Staaten des Ostblocks.

      Die „offizielle“ Kirche feiert die Messe heutzutage auch nach dem Novus Ordo. Zumindest habe ich in China noch keine tridentinische Messe erlebt…

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      • zeitschnur sagt:

        Natürlich kann man China nicht 1:1 mit Vietnam vergleichen, aber der Hauptstreitpunkt zwischen Vatikan und VR China ist die Bischofsernennung.

        Eine historische Parallelisierung mit Vietnam nahm Bischof Zen selber vor, HIER http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6425177.stm

        Es geht dabei nicht darum, ob ein lokaler Machthaber Katholik gewesen wäre, sondern darum, dass das Bischofsamt grundsätzlich eine weltliche Komponente beinhaltet und ein Regierungsamt innerhalb eines weltlichen Staates ist.

        Benedikt hatte 2007 auch einen Brief an die chinesischen Katholiken geschrieben. Darin formuliert er einige Appelle an die chinesische Kirche, die die Staatsregierung alarmiert haben dürften:

        1. Eine umfassende Evangelisierung müsse durch die Katholiken durchgeführt werden – versetzt man sich in das Ohr eines chinesischen Parteigenossen, klingt das nach politischer Einmischung. Ich zitiere die Stelle mal:

        „Die Neuevangelisierung verlangt nach der Verkündigung des Evangeliums [5] an den modernen Menschen im Bewußtsein, daß so, wie das Kreuz während des ersten Jahrtausends in Europa und während des zweiten in Amerika und Afrika eingepflanzt wurde, während des dritten Jahrtausends eine große Ernte des Glaubens auf dem weiten und lebendigen asiatischen Kontinent eingebracht werden wird. (…) Auch die Kirche in China ist dazu berufen, Zeugin Christi zu sein, mit Hoffnung nach vorn zu schauen und sich – in der Verkündigung des Evangeliums – mit den neuen Herausforderungen zu messen, die das chinesische Volk angehen muß.“

        2. Benedikt knüpft diese Evangelisierung eindeutig und ausdrücklich an die Verbundenheit mit dem Stuhl Petri:

        „Auch in eurem Land wird die Verkündigung des gekreuzigten und auferstandenen Christus in dem Maß möglich sein, in dem ihr in Treue zum Evangelium und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und mit der universalen Kirche die Zeichen der Liebe und der Einheit zu verwirklichen wißt.“

        oder

        „Daher ist es für die Einheit der Kirche in den einzelnen Nationen unerläßlich, daß jeder Bischof mit den anderen Bischöfen in Gemeinschaft steht und daß alle Bischöfe mit dem Papst in sichtbarer und konkreter Gemeinschaft stehen.“

        3. Benedikt zitiert aus dem Vaticanum II die Zusicherung, politischer und wetlicher Bereich bleiben autonom und bietet diplomatische Beziehung an:

        „China möge wissen: Die katholische Kirche hat die feste Absicht, noch einmal einen bescheidenen und uneigennützigen Dienst in den ihr zukommenden Dingen zum Wohl der chinesischen Katholiken und aller Bewohner des Landes anzubieten.“

        Nun fällt es selbst mir schwer, einer solchen Autonomie-Zusicherung Glauben zu schenken, den sie trifft empirisch nirgends zu, wo die katholische Kirche Diözesen hat.

        Und dementsprechend schickt Benedikt auch gleich nach, dass ein „Zusammenwirken“ beider Insitutionen aber notwendig sei für das Wohl der Menschen.
        Wie gesagt: Man höre das einmal mit dem Ohr des Parteikaders.

        4. Spät erst nennt er dann des Pudels Kern, die Bischofsernennungen:

        „In den letzten Jahren seid ihr, liebe Brüder im Bischofsamt, aus verschiedenen Gründen auf Schwierigkeiten gestoßen, da im Namen verschiedener staatlicher Organe nicht »geweihte« – zuweilen auch nicht getaufte – Personen Entscheidungen in wichtigen kirchlichen Fragen kontrollieren und treffen, einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Folglich ist es zu einer Abwertung des Petrus- und des Bischofsamtes aufgrund einer Sicht der Kirche gekommen,…“

        „Wie euch allen bekannt ist, liegt eines der heikelsten Probleme in den Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Autoritäten eures Landes in der Frage der Bischofsernennungen. Einerseits kann man verstehen, daß die Regierungsautoritäten in Anbetracht der gesellschaftlichen Auswirkungen, die dieses Amt – in China wie in der restlichen Welt – auch im zivilen Bereich besitzt, bei der Auswahl derer aufmerken, die die wichtige Rolle der Leiter und Hirten der örtlichen katholischen Gemeinden ausüben werden. Andererseits verfolgt der Heilige Stuhl mit besonderer Sorgfalt die Ernennung der Bischöfe, weil diese das Herz des Lebens der Kirche selbst berührt, da die Ernennung der Bischöfe durch den Papst die Gewährleistung der Einheit der Kirche und der hierarchischen Gemeinschaft ist.“

        Er sagt hier ja selbst, was aufseiten der Behörden das Problem ist – die Gefahr, dass die „gesellschaftlichen Auswirkungen“ des Bischofsamtes, wie die Kirche es gerade modern konzipiert hat (er zitiert den CIC!), sie in ihren Rechten beschneiden könnte.
        ____________

        Nach den autoritären und teilweise brutalen Vorgehensweisen der Kirche in der Geschichte kann man verstehen, wenn fremde Kulturen sagen: Aha, der Wolf hat nun Kreide gefressen, aber wehe, du machst ihm die Tür auf, v.a. wenn auch noch gleich zu Beginn erklärt wird, man bereite sich auf eine riesige Evangelisierung Asiens vor.

        Wie gesagt: Höre man das mit dem Ohr eines chinesischen Parteigenossen und Behördenmenschen.

        Alle Zitate aus dem Brief Benedikts XVI. an die Bischöfe, Priester, Gottgeweihten und Laien in der VR CHina von 2007. http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/letters/2007/documents/hf_ben-xvi_let_20070527_china.html

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  3. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Es ehrt seine Eminenz, wenn er Naivität als Entschuldigungsgrund geltend macht und die Schuld bei den Beratern des Papstes sucht. Zudem gelten für ihn als Chinesen – neben der generellen Höflichkeit im Umgang – auch die besondere Ehrerbietung gegenüber dem Ranghöheren und dem Vikar Christi gegenüber. Man mag auch – neben fehlender Geschichtskenntnis und intellektuellem Tiefgang – die Herkunft aus Südamerika heranziehen, welche die Brutstätte der Marxismus-affinen „Befreiungstheologie“ war.
    Ohne jede Respektlosigkeit dem Heiligen Vater gegenüber wird man aber ehrlich feststellen müssen, dass bloße Naivität angesichts der überragenden Expertise, welche im Vatikan bezüglich kommunistischer Herrschaftsausübung vorhanden ist, kaum glaubhaft scheint. Wenn der Papst in bestimmten Angelegenheiten keine eigene Kenntnis hat (was völlig legitim und verständlich ist), hat er die Pflicht, sich die notwendige Sachkenntnis durch seinen Apparat zu beschaffen.
    Wer ernsthaft eine redliche Übereinkunft mit einem Regime für denkbar hält, welches beim Tian’anmen-Massaker(https://de.wikipedia.org/wiki/Tian%E2%80%99anmen-Massaker) Tausende seiner eigenen Bürger niedermetzeln ließ, als es seine Herrschaft gefährdet sah, wird sich ansonsten schon fragen lassen müssen, ob er die Realität noch fehlerfrei wahrzunehmen im Stande ist.

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  4. Schneewittchen sagt:

    Viel Glück! Aber mit Papst Franziskus habe ich da meine Zweifel, weil er selbst ideologische Machtinteressen für eine Welteinheitskirche verfolgt und dafür auch seinen Glaubensauftrag, das Christentum zu schützen, verrät.

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