IGFM: Die Kanzlerin soll sich für inhaftierte Bürgerrechtler in Ägypten einsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bei ihrem Staatsbesuch in Ägypten Menschenrechtsverletzungen und die Lage der Minderheiten ansprechen und sich für die Freilassung von Demokratie-Aktivisten einsetzen.  IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

Dazu ruft die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf. Die IGFM kritisiert, dass die ägyptische Regierung die Ursachen des Terrors vollständig ignoriere. Selbst in staatlichen Institutionen wie der weltberühmten Al-Azhar Universität könnten Scharfmacher ungehindert Menschenrechtsverletzungen an Andersgläubigen und Frauen propagieren.

Außerdem treibe die Regierung durch willkürliche Massenverhaftungen und Folter selbst völlig Unbeteiligte in die Arme der Islamisten, erklärt die IGFM.

Gewaltbereite Islamisten haben seit der Machtergreifung des Militärs am 3. Juli 2013 in Ägypten Duzende Anschläge verübt. Hunderte Menschen verloren ihr Leben.

„Die Regierung antwortet auf diese Herausforderungen ausschließlich mit Massenverhaftungen, systematischer Folter und militärischer Gewalt. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Islamisten fehlt völlig“, kritisiert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (siehe Foto). Die Probleme verschärften sich zusehends.

Willkür und Folter führen zu RadikalisierungLessenthin-Martin-IGFM-100

Folter und Indoktrination in den Gefängnissen mache aus Häftlingen und deren Angehörigen extremistische Feinde der Demokratie. Als Beispiel verwies die IGFM auf den Selbstmordattentäter vom 11. Dezember 2016, der sich im Herzen Kairos in der koptischen St.-Peter-und-Paul-Kirche in die Luft sprengte. Er ermordete 29 Menschen – überwiegend Frauen und Kinder – und verletzte über 40 weitere, zum Teil schwer. Ursprünglich hatte der Attentäter keinerlei Nähe zum radikalen Islam.

Der damals 19-jährige Mahmoud Shafiq geriet 2013 zufällig in die Nähe einer Demonstration von Muslimbrüdern. Die Polizei verhaftete ihn wahllos. Obwohl die Behörden rasch überzeugt waren, dass Mahmoud kein Mitglied der Muslimbrüder war, ließen sie ihn ein Jahr lang zur Abschreckung in „Präventivhaft“.

Wie tausende andere Häftlinge folterte ihn erst die Polizei und dann das Gefängnispersonal. Bei seiner Freilassung war der junge Mann nicht mehr derselbe. Was die Ideologie der Islamisten vorher nicht geschafft hatte, erreichten Willkür und Folter des ägyptischen „Sicherheits“-Apparates, beklagt die IGFM.

Die wichtigste Ursache des Terrors in Ägypten wird nach Auffassung der IGFM von der Regierung vollständig geleugnet: Es ist der islamische Fundamentalismus. Das Regime bekämpfe ausschließlich die politischen Strömungen des Islamismus, die eine direkte Bedrohung der Macht des Militärs darstellen. Das sind vor allem die Muslimbrüder. Den religiösen Fundamentalismus ignoriere die ägyptische Regierung dagegen, so die IGFM. csm_igfm_poster_art-09_6946dac2d0

So könnten Salafisten unbehelligt vom Staat für Menschenrechtsverletzungen an Frauen und für die Diskriminierung koptischer Christen werben. Sie weigere sich überhaupt anzuerkennen, dass der Terror eine religiöse Komponente hat. Unpolitische aber viel radikalere Gruppen als die Muslimbrüder verbreiten derweil mit Erfolg ihr fundamentalistisches Weltbild.

Exodus von Christen aus dem Sinai

Die Übergriffe auf religiöse Minderheiten verschärfen sich mit großer Dynamik. Islamisten versuchen, die muslimische Bevölkerungsmehrheit gegen die Christen aufzubringen.

Erst am 19. Februar hat die Terrorgruppe „Islamischer Staat Ägypten“ ein Hetz- und Drohvideo veröffentlicht, das den Christen Ägyptens den Krieg erklärt [siehe Medieninfo der IGFM vom 22. Februar 2017]. Vom 23. bis zum 26. Februar 2017 flohen hunderte Kopten aus dem Sinai über den Suezkanal, vor allem in die Stadt Ismailia, die direkt auf der Westseite des Kanals liegt. Etwa 300 Menschen kamen vorläufig auf einem kirchlichen Gelände und in einer Jugendherberge unter.

Präsident al-Sisi ordnete Unterstützung für die Flüchtlinge und Hilfe bei der Umsiedlung an. Schon zuvor hatte eine unbekannte Zahl von Christen aus Angst um ihr Leben den Norden des Sinai verlassen. Viele waren aber geblieben, weil sie nicht wussten, wohin sie fliehen könnten. islam

Der Auslöser für die Massenflucht waren weitere Morde des IS am 23. Februar 2017. Einem 50 und einem 65 Jahre alten Kopten schossen Islamisten vor den Augen ihrer Angehörigen in den Kopf. Einen 45-jährigen Christen entführte der „Islamische Staat“ und verbrannte ihn lebendig.

Die IGFM bittet die Bundeskanzlerin, sich für die Freilassung inhaftierter Bürgerrechtler einzusetzen. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsgesellschaft weist insbesondere auf drei Gefangene hin:

Aya Hegazy: Die ägyptisch-amerikanische Journalistin gründete eine Organisation mit dem Namen „Belady“, welche sich dafür einsetzt, Straßenkindern zu helfen. Seit Mai 2014 sitzt sie in Kairo im Gefängnis. Sie hatte die ägyptische Regierung scharf kritisiert, weil diese die Probleme von Straßenkindern weitgehend ignoriere. Die Behörden warfen Hegazy daraufhin vor, eine Organisation mit dem Zweck des Menschenhandels und sexueller Ausbeutung von Kindern betrieben zu haben. Ihr Mann und zwei ihrer Kollegen befinden sich mit ihr in Haft.

Alaa Abdel Fattah: Seit der Revolution in Ägypten 2011 kämpft er für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Seit 2011 war er bereits mehrfach unter verschiedenen Führern des ägyptischen Regimes inhaftiert. Momentan verbüßt er eine fünfjährige Gefängnisstrafe nach einem Prozess, der von internationalen Beobachtern als unfair erachtet wurde.

Ismail Al-Iskandarani: Der ägyptische Journalist wurde am 29. November 2015 auf einer Reise von Deutschland zurück nach Ägypten am Flughafen mehrere Stunden von den Behörden festgehalten. Nach Durchsuchung seines Laptops und Sichtung einiger von ihm verfasster Artikel über das Sinai-Gebiet und andere politische Themen wurde er einer Befragung unterzogen. Unter dem Vorwand mit der Muslimbruderschaft zu sympathisieren sitzt er bereits seit über einem Jahr in Haft.

Weitere Infos: www.igfm.de/Ägypten

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5 Kommentare on “IGFM: Die Kanzlerin soll sich für inhaftierte Bürgerrechtler in Ägypten einsetzen”

  1. francomacorisano sagt:

    Es wäre besser, wenn wir uns aus den Angelegenheiten anderer Völker vollkommen heraushalten würden und umgekehrt auch darauf bestehen würden, dass deren Bürger nur in ihren Heimatländern ihre Kultur und ihre Religion ausleben.

    Teilen wir die Welt! So geht Frieden!!!

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  2. Octopuss sagt:

    Es ist schon traurig genug, dass durch teilweise hirnlose Politiker die Christenverfolgung und der islamische Terror mit Unterstützung der Gutmenschen eingeladen wird, anscheinend ist ihnen der Frieden in Europa zu langweilig.
    Während Politiker, die noch Vernunft besitzen, in Nahost in Absprache mit den Regierungen Flüchtlingslager einrichten will, werden sie von der SPD verklagt, die all die Menschen, ungeachtet des Gefährdungspotentials, was sie in Europa einschleppen, in Europa beherbergen will. Entweder ist es Dummheit, nicht kalkulierbarer Größenwahn, wenn man damit gleichzeitig Einladungskarten an den IS und Boko Haram verteilt.
    Die Marinesoldaten haben die Aufgabe, die Europäer vor dieser brutalen afrikanischen Gewalt zu schützen, und werden dafür noch an den Pranger gestellt, geht es noch? Schuld an dem Tod der Flüchtlinge ist diesmal die SPD und ihre Gutmenschen, weil sie die Akzente der Vernunft zum Schutz der Europäer und der wirklichen Flüchtlinge, die in den Flüchtlingslagern Asylanträge stellen können, boykottiert.
    Wenn ich vor Übermut auf einer Starkstromleitung tanze und mein Leben dabei aushauche, käme kein vernünftiger Mensch auf die Idee, den zu beschuldigen, der die Starkstromleitung gebaut hat, aber SPD, Grüne, Linke und Gutmenschen schon.
    Die Mittelmeerflüchtlinge wissen, dass sie sich in Lebensgefahr begeben und tragen dafür auch die Verantwortung, und auch SPD, Grüne, Linke, die die Flüchtlingslager im nahen Osten, um die Europäer vor einwandernden IS und Boko Haram Terroristen zu schützen, boykottieren, tragen die Verantwortung für das Sterben auf dem Mittelmeer. Natürlich die sitzen in ihrem Elfenbeinturm mit Wachschutz und gepanzerten Muslimen, nur das Volk darf mal zur Unterhaltung Krieg spielen. Jetzt werden schon Warnungen herausgegeben, das man es tunlichst auch bei Dienstreisen vermeiden sollte, öffentliche Parkplätze anzufahren, damit man kein Erlebende**r, neu deutsch güt Opfer von Gewalt wird, aber unsere Zirkusdirektoren von rot, grün, links nebst Gutmenschen schreien weiter „hereinspaziert“.

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    • Kleopatra sagt:

      Also wenn ich so unsere geistig minder gesegneten Gutmenschen nach Menschenrechten gröhlen höre, da muss ich doch fragen, was waren dann Pionierlager, wenn man Asylbewerber schon Luxus anbieten muss? Ein Erfahrungsbericht: mühevolles Anmarschieren atemlos keuchend, bis man den Berggipfel mit Gepäck erreicht hat, Gemeinschaftszelt mit Gitterost-Betten (einem Grill ähnlich, ziemlich hart), einfachen Kissen und Decken, riesige Gemeinschaftsräume zum Essen fassen, von wegen Wahlessen, und natürlich auch riesige Gemeinschaftswaschräume ,nicht gerade luxuriös, so dass ein strikter Zeitplan von den Gruppen eingehalten werden musste, um Versorgungs- um nicht Sanitäranlagen zu stürmen, damit sie nicht kollabieren, und trotzdem haben wir uns nicht beschwert, weil wir nicht gefoltert wurden, sondern einfach mal einen Abenteuerurlaub erlebten.
      Mir geht dieses verlogene Geheule um die Flüchtlingslager, die besser ausgestattet sind, derart auf den Nerv, das ich es nicht beschreiben kann. Da kommt extra ein Catering-Service, der sich um die Einhaltung religiöser Bräuche kümmert und auch um Mitternacht arbeitet, um Gottes Willen Essen, das nicht Halal ist, eine Todsünde, die man unseren Gästen nicht anbieten kann, und Massensanitäranlagen sowieso nicht, man kann es wirklich bei der Forderung zur Unterbringung von „Flüchtlingen“ übertreiben. Ach so, für Christen gab es natürlich keine extra Gebetsnischen, schließlich war das Pionierlager ein Gemeinschaftsurlaub von Kindern. Ach so, alle hatten die Pflicht, mindestens ein bis zwei Mal die Nacht dir Schlafenden im Wärterhäuschen zu bewachen, da kam keine Polizeieskorte oder Wachschutz, dasd wir gemütlich in unseren Betten ratzen (schlafen) konnten, nein, wir waren selbständig für uns verantwortlich.

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      • A. Gernandt sagt:

        Ich finde auch, dass man es in Deutschland mit der Fürsorgepflicht für Flüchtlinge gewaltig übertreibt, weil man meint, man könne ihnen keinen Schritt zu viel zumuten und sofort das Taxi ruft. Wie erging es denn unserer Bildungsgruppe (Akademiker), wir wurden vom Busfahrer in der Nacht mitten in der Prärie ausgesetzt und da zeigte er auf ein Häuschen in der Ferne im wieder vereinten Deutschland, jo so etwa zwei Kilometer müsst ihr schon mit eurem Gepäck von zwee Wochen dorthin laufen. Völlig erschöpft kamen wir an, Küche geschlossen und die Zimmer waren einer Augenweide mit Doppelbetten für sechs Mann mit den schönen Namen Amsel, nebenan Drossel, Fink und Star und so weiter. Die Kleiderschränke sahen eher aus, als würde man gerne Kaninchen halten, nur die Türen waren nicht für die Tierhaltung geeignet. Gemeinschafts-WC und Waschraum. Da wäre niemand auf die Idee gekommen, sich zu beschweren, war halt so. Man kann es wirklich übertreiben mit der Fürsorgepflicht für Flüchtlinge. Von wegen Extra Wünsche beim Essen, da wanderten wir schon lieber den langen Weg in die Ausflugslokale.

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  3. Mausi sagt:

    Sollen wir jetzt Wetten abschließen, tut sie es, tut sie es nicht? Immerhin hat die Kanzlerin ihren eigenen Dickschädel, ihre Symphatiewerte würden steigen, als wenn sie nur dauernd in die Türkei fährt, wo man schon grimmig wird.

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