„Freunde der St-Hewigs-Kathedrale“ gegen Umbaubeschluß des Berliner Erzbischofs

Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale, zahlreiche Gemeindemitglieder und Fachleute für Geschichte, Architektur und Denkmalschutz haben seit mehr als zwei Jahren vergeblich gegen die Absicht der Berliner Erzbischöfe Woelki und Koch protestiert, den denkmalgeschützten Innenraum der Berliner Kathedrale abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Das erzbischöfliche Ordinariat hat es nicht einmal für nötig befunden, die Argumente der Kritiker, darunter die Stellungnahmen des Berliner Landesdenkmalrates, der Akademie der Künste, die Einwände der (allerdings hier formell nicht zuständigen) Denkmalfachbehörde und den von fast einhundert Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland unterzeichneten Offenen Brief der Fachwelt vom 21. März 2016 ernsthaft zu diskutieren.

Es geht in diesem Streit nicht um Architekturkritik an einem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf oder um das unterschiedliche Schönheitsempfinden von Bauherrn, Nutzern und Experten, sondern um die Frage, ob ohne dringliche Not ein herausragendes Gesamtkunstwerk der Nachkriegsmoderne, das aus der Kooperation namhafter westdeutscher und ostdeutscher Künstler erwuchs, ein bedeutsames Zeugnis der deutsch-deutschen (Kirchen-)Geschichte aus der Epoche der Teilung und des Kalten Krieges und ein einzigartiges architektonisches Symbol zeitgemäßer Theologie, das die liturgischen Reformen des II. Vatikanischen Konzils vorwegnahm und modernes Märtyrertum im Kampf gegen Diktatur und Totalitarismus anschaulich vergegenwärtigt, auf Beschluss der derzeitigen Amtsträger in seiner zentralen Konzeption eines Doppelraumes zerstört werden darf, auf Kosten der Kirchenkassen, der Steuerzahler (durch bereits eingestellte 12 Millionen € Bundes-Zuschüsse) und Spender.

  • Das Argument der Bauherren, dass der Neubau aus liturgischen Gründen unausweichlich sei, ist durch namhafte Liturgiewissenschaftler und durch ein halbes Jahrhundert erfolgreicher Kirchenpraxis widerlegt (wobei kleinere Mängel hinsichtlich der Nutzungsabläufe ohne weiteres reduzierbar sind).
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedraleund ihre Unterstützer treten weiterhin für eine technische und materielle Sanierung ein, die die komplexe Bedeutung der Kirche als eines der wichtigsten Berliner Baudenkmäler, ihre einmalige Konzeption, ihre Bausubstanz, künstlerische und theologische Identität sowie ihre ästhetische Erscheinung bewahrtund für einen Bruchteil der Umbaukosten durchzuführen wäre.
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale kündigen ihren politischen Widerstand gegen die angekündigte Bezuschussung der Denkmalzerstörung aus öffentlichen Mitteln an.
  • Die Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale verstehen ihre Kritik an der erzbischöflichen Baupolitik als ehrlichen Versuch, Schaden von der Institution der Katholischen Kirche in Zeiten außerordentlicher religiöser und gesellschaftlicher Herausforderungen abzuwenden.

Wir regen an, die einzusparenden Neubaukosten für den Wiederaufbau der erdbebengeschädigten Kirchen in Italien zu spenden !

Werner J. Kohl,  Dipl.-Ing. Architekt, ViSdP für die Initiative „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“

Für Erhalt und zukunftsorientierte Sanierung mit behutsamer Weiterentwicklung.

Quelle (Text/Foto) und weitere Infos: http://www.freunde-hedwigskathedrale.de

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2 Kommentare on “„Freunde der St-Hewigs-Kathedrale“ gegen Umbaubeschluß des Berliner Erzbischofs”

  1. francomacorisano sagt:

    Mir fällt auf, dass in vielen Katholischen Kirchen Deutschlands die früher vorhandenen langen Tafeln zur Gabenbereitung vor dem Altar gegen recht kleine Tische, meist in Form hässlicher „moderner Kunst (z. Bsp. mit rostigem Eisen oder gemauert und gefliest) ausgetauscht wurden.

    Kann mir jemand den Hintergrund erklären? Ich fand die langen Tafeln immer passend, weil sie mich an die Tafel des letzten Abendmahles von Jesus mit seinen Jüngern erinnerten und da mussten dann ja mindestens 13 Männer Platz haben. Fällt das nur mir auf???

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  2. Dornröschen sagt:

    Wen wundert das noch wirklich? Inzwischen dürfte jedem klar sein, dass eine mehr oder minder kleine Anzahl von Theologen (der Pfaffenspiegel des Mittelalters lässt grüßen) als Steigbügelhalter der Mächtigen und weil sie sich selbst als Mächtige oder ideologische Propheten über die Gläubigen erheben wollen, die sich ihnen gehorsam zu fügen haben. Woelki, Bedford-Strohm, Marx, Kässmann sehen sich schon längst als göttliche Elite-Theologen, von wegen Demut, Vertrauen in Gott als Schöpfungskind mit eigener Verantwortung und Denken.
    Da gibt es nur ein Problem, das Neue Testament in voller Länge auch von Luther übersetzt, welches den irdischen Machtanspruch des Klerus deutlich beschneidet. Da steht nämlich nicht, dass man selbst ernannten menschlichen Propheten gehorsam sein soll, die uns ihr ideologisches Weltbild unverfroren einhämmern, nur bis dahin, wie sie Gottes Wort ungefälscht der Gemeinde darbringen, aber nicht, wenn sie es für ihren irdischen Machtanspruch ideologisch blasphemisch verbiegen.

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