Prof. Dr. Helmut Moll informierte über die Seligsprechung in der katholischen Kirche

Von Felizitas Küble

Pfarrer Ewald Spieker begrüßte den Kölner Prälaten Prof. Dr. Helmut Moll am Sonntag, dem 26. März 2017, im Gemeindesaal von St. Clemens in Münster-Hiltrup. Der pensionierte Pfarrer ist Herausgeber des Sammelbandes „Kaplan Bernhard Poether (1906 bis 1942). KZ-Priester des Bistums Münster“. 

Allein im KZ Dachau waren mehr als 3000 katholische Priester inhaftiert, weit über tausend von ihnen wurden ermordet oder starben an den Folgen der Schikanen und Entbehrungen.

Auf der Veranstaltungen wurden Unterschriften für eine Seligsprechung von Kaplan Bernhard Poether gesammelt, der in Hiltrup zur Schule ging und in Münster zum Priester geweiht wurde. Dieser Geistliche, der sich seelsorglich besonders um die in der Nazi-Zeit unterdrückten Polen in Deutschland kümmerte, bezahlte seinen heroischen Einsatz am 5. August 1942 im KZ mit dem Leben.

Prof. Moll (siehe Foto) hielt einen Vortrag über das grundsätzliche Thema: „Die Bedeutung einer Seligsprechung und ihre Durchführung auf der diözesanen Ebene“.

Der Prälat ist ein ausgewiesener Experte hierzu: Er war über zehn Jahre theologischer Konsultor an der römischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren. Im Auftrag der Dt. Bischofskonferenz brachte er das „Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ heraus, das 2015 bereits in sechster Auflage erschien.

Unter den Zuhörern der Veranstaltung befand sich auch Monika Kaiser-Haas mit ihrem Mann; sie ist die Nichte des ebenfalls im KZ Dachau verstorbenen Priesters Karl Leisner und stellv. Leiterin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Unser zweites FOTO zeigt das Ehepaar aus Münster-Hiltrup im Gespräch mit Prälat Moll nach dieser Tagung.

Zu Beginn seines Vortrags erwähnte Professor Moll, daß Papst Johannes Paul II. im Jahre 1983 den „advocatus diaboli“ bei den Selig- und Heiligsprechungs-Verfahren abgeschafft hat. Dieser  –  wörtlich übersetzt  –  „Anwalt des Teufels“ war damit beauftragt, alles Mögliche an skeptischen Infos, Einwänden und bedenklichen Tatsachen über den zur Debatte stehenden Selig-/Heiligsprechungs-Kandidaten zusammenzuschen, was er auftreiben konnte. 

War es also vorher eher ein kirchenjuristisches Pro-und-Contra-Verfahren, so liegt seit 1983 der Schwerpunkt eher auf einer historischen Vorgangsweise. Neben Geschichtswissenschaftlern werden auch theologische und medizinische Fachgutachten von sog. Konsultoren eingeholt, um ein umfassendes und durchaus ggf. auch kritisches Bild über die betreffende Persönlichkeit zu gewinnen. 

Die Untersuchung konzentriert sich  – so Prof. Moll –  vor allem auf die letzten zehn Lebensjahre des Kandidaten, der einen heroischen (heldenhaften) Tugendgrad aufweisen sollte, zumal bei den drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe), aber auch den vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit.  – Dieser außergewöhnliche Tugendgrad bedeutet aber nicht eine Art moralische Vollkommenheit, die ohnehin GOTT selbst vorbehalten bleibt.

Der Referent bedauerte, daß bislang nur zwölf Persönlichkeiten aus Südamerika zur „Ehre der Altäre“ erhoben wurden. Etwas ironisch fügte er an, Europa sei zwar voller Heiliger, zugleich aber auch voll von „leeren Kirchen“.

Manche Persönlichkeiten wie der Schweizer Einsiedler Klaus von Flüe oder Albertus Magnus haben sehr lange auf ihre Heiligsprechung „gewartet“, der letztgenannte gar ca. 500 Jahre. Manche Selig- bzw. Heiligsprechungen seien in der Öffentlichkeit umstritten, sagte Prälat Moll, etwa jene des letzten österreichischen Kaisers Karl I., von Papst Pius IX. oder dem Opus-Dei-Gründer Escriva de Balaguer.

Der Redner plädierte für einen größeren Anteil von Laien, zumal von Ehepaaren. Er berichtete, daß vor allem Papst Johannes Paul II. besonders viele heiliggesprochene Eheleute wünschte. In diesem Sinne hat Prälat Moll ein neues Buch mit dem Titel „Selige und heilige Ehepaare“ veröffentlicht.

Reguläre Seligsprechungsverfahren gibt es erst in der Neuzeit seit Papst Urban VIII.; im Altertum und Mittelalter habe man allein die Heiligsprechung gekannt; in der christlichen Antike geschah dies dadurch, daß der Bischof die Gebeine bzw. Reliquien vorbildlicher Christen oder Märtyrer in die Bischofskirche übernahm und so gleichsam „zur Ehre der Altäre erhob“. Die orthodoxe Kirche kennt bis heute keine Seligsprechungen, verehrt aber sehr wohl auch ihre Heiligen (manche von ihnen, wie z.B. den hl. Nikolaus, gemeinsam mit der kath. Kirche).  index

BILD: Titel des Deutschen Martyrologiums des 20. Jahrhunderts (Blutzeugen der Kirche unter dem Kommunismus, Nationalsozialismus, Missionsgebiete, Märtyrer der Reinheit).

Damit ein Seligsprechungsverfahren erfolgreich läuft, müssen von neun Gutachten der hinzugezogenen Konsultoren sieben positiv beschieden sein, also für eine Beatification (Seligsprechung) plädieren. Die sog. Relatoren üben ergänzend noch eine beratende Funktion aus. Der Postulator leitet im Auftrag des Bischofs das Verfahren. Dies zeigt, daß ein solcher „Prozeß“ von seiner Struktur her sehr gründlich durchgeführt werden soll.

Voraussetzung für eine Verfahrenseröffnung ist die auf diözesaner bzw. bischöflicher Ebene erfolgte Erklärung, daß der Betreffende ein „Diener Gottes“ ist, was eine private Verehrung durch die Gläubigen ermöglicht. Etwa ein Drittel der Verfahren scheitern oder „bleiben hängen“ (kommen nicht weiter), führen also nicht zur Seligsprechung.

Eine amtskirchliche bzw. liturgische Verehrung in der ganzen Kirche beginnt erst nach einer Heiligsprechung  –  nach einer Seligsprechung nur räumlich begrenzt (in einem bestimmtem Bistum oder einer Ordensgemeinschaft). Bei einigen Seligsprechungen hat die Kirche den liturgisch-öffentlichen Kult zurückgedrängt, etwa beim „Anderl von Rinn“. Bei den Abbildungen erhalten allein die Heiligen einen Nimbus, die Seligen „nur“ eine Gloriole.

Für eine Seligsprechung ist zusätzlich zum positiven Abschluß des Verfahrens normalerweise ein Wunder nötig, für eine Heiligsprechung ein weiteres Wunder; diese müssen im Falle von Heilungen jeweils von medizinischen Gutachten bestätigt sein. (Eine solche Wunderheilung muß schnell geschehen, vollständig und dauerhaft sein.) Bei Märtyern ist ein postmortales (nach dem Tod erfolgendes) Wunder  für die Seligsprechung nicht erforderlich, weil das Blutzeugnis selber bereits als Wunder gilt, das durch Gottes Gnade ermöglicht wird. Die Heiligsprechung eines Märtyrers bedarf aber eines Wunders.

Abschließend erwähnte Prof. Moll, daß Papst Franziskus, der dem Jesuitenorden angehört, den relativ unbekannten, seliggesprochenen Jesuitenpater Peter Faber, der ein Gefährte des Ordensgründers Ignatius von Loyola war, erstaunlicherweise einfach per Dekret zum Heiligen erklärt habe  –  also ohne das übliche kirchliche Prozedere und ohne das sonst nach der Seligsprechung zusätzlich erforderliche Wunder.

Der Redner erläuterte abschließend die Bedeutung der Heiligen als „Leuchttürme des Glaubens“, als Zeugen für Christus und als Fürsprecher für uns.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

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2 Kommentare on “Prof. Dr. Helmut Moll informierte über die Seligsprechung in der katholischen Kirche”

  1. zeitschnur sagt:

    Ich habe seit langem immer größere Zweifel an dieser Beatifiziererei. Zunächst war ich beeinflusst von denen, die postmoderne Heiligsprechungen und Seligsprechungen bezweifelten, etwa die von Escriva oder Johannes XXIII. Es ist noch dazu immer noch unklar, ob solche Beatifizierung ein unfehlbarer Akt ist oder nicht. Da in der Formel ausdrücklich Bezug genommen wird auf die durch Christus verliehene päpstliche Autorität, aufgrund derer nun erklärt werde, dass… , muss man redlicherweise zugeben, dass zumindest der Form nach hier unfehlbar gedachte Akte vorliegen.

    Aber immer wieder erneut stößt man sich am Unfehlbarkeitsdogma den Kopf an: wie kann man dann andererseits Beatifizierungen wieder zurücknehmen? Was also Jahrhunderte lang päpstlich bestätigt als rechtgläubig und nützlich galt, soll es plötzlich nicht mehr sein?! Das ist doch absurd!

    Alleine diese Problematik wirft ein äußerst ungutes Licht auf das Unfehlbarkeitsdogma – erneut und immer wieder. Man kommt in schwere logische Probleme, die jedem gesunden Denken ins Gesicht schlagen.

    Aber ich entdeckte noch viel mehr – auch alte Beatifizierungen waren schon fragwürdig. Das fiel mir bei der Heiligsprechung des Franziskus von Assisi auf, die viel zu überstürzt aus dem Boden gestampft wurde (was auch den Zeitgenossen mit teilweisem Befremden auffiel), aber auch bei Jeanne d’Arc, mit deren Seligsprechung Pius X. für jeden klardenkenden Menschen, der auf drei zählen kann, doch sehr eindeutig ein Politikum verband (sein Konflikt mit Frankreich damals). Aber auch die Heiligsprechung Pius V. ist eindeutig ein Politikum, ebenso wie die Pius X.. Das Anderl ist eh ein Witz. Und so geht es gerade weiter….

    Ich würde deshalb vorschlagen, man solle am besten mit dem Unsinn aufhören! Wieso überhaupt dieses unübersehbare Heer von „definierten Heiligen“.

    Märtyrer sind die, die eigentlich Verehrung verdienen, alle anderen – naja. Und vor allem, wenn es Könige und Päpste (die keine Märtyrer sind) sind, dann stinkt das förmlich vor Parteilichkeit und politischen Ambitionen.

    Es widerstrebt mir eh, Menschen zu sehr zu verehren. Mein Reflex geht eigentlich immer zu Jesus selbst hin und allenfalls zu Maria, deren Rolle wirklich einzigartig ist. Aber alle anderen, die geglaubt haben, sind nach der Schrift Heilige, nicht nur einzelne „Beatifizierte“, und vor allem wissen wir nicht, wer wirklich im Herzen geglaubt hat und wer vielleicht doch nicht, v.a. wenn es sich um Machthaber wie Päpste und Könige handelte… Am leichtesten fällt es mir noch bei den Heiligen (außer Maria), die wir aus der Schrift kennen.

    Und noch was: dass Franziskus per Dekret heiligspricht, ist nur folgerichtig: auch das eine Folge dieses Papstdogmas. Er kann nämlich machen, was er will, v.a. im administrativen Bereich, und wie sehr der wiederum mit „Unfehlbarkeit“ im Bereich des Glaubens zusammenfließt, sehen wir an dem Beispiel.

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    • ester sagt:

      Die Sache mit den ausufernden Heilig- und Seligsprechungen liegt auch noch auf einer anderen Ebene.
      Sagen wir es salopp, da werden Leute heilig bzw selig gesprochen, von denen der normale oder auch interessierte Gläubige noch nie was gehört hat, von wegen vorherige langanhaltende Verehrung im Volk!
      Ich habe irgendwo mal gelesen, dass zunächst nur die Märtyrer als Heilige galten, und zwar unabhängig davon, was sie vorher waren und gedacht haben, weil man davon überzeugt war, dass das Martyrium alle Sünden und Sündenstrafen wegwaschen würde, und deshalb und nur deshalb die Märtyrer sofort in den Himmel kommen würden, auch in Verbindung mit Offb 7,14.
      Nach der Verfolgungszeit wurden auch andere als Heilige verehrt, Bekenner, Einsiedler, die im Bett gestorben sind, Glaubensboten usw.
      Aber der Schwerpunkt lag lange auf dem Kriterium „Sein Leben für Christus geben!“
      Irgendwann artet das, schon damals, ca um die Jahrtausendwende ins Politische aus, so dass man versuchte, Kriterien einzuführen, und am Ende alles „Rom“ überliess mit den formalen Heiligsprechungen.
      Meiner Information nach war sich das 2. Vatikanum durchaus der Problematik bewusst und hat deshalb alle Heiligen, die nicht historisch nachweisbar sind, aus dem römischen Heiligenkalender gestrichen.
      Man hat also versucht, sachte aufzuräumen, bis dann JP II wieder ausufernd heilig und selig sprach.
      Auf der gleichen Ebene meines Problems liegt auch die fehlende Langzeitwirkung der Heiligen, erleben wir doch einen Niedergang des Glaubens sondergleichen!
      Oder anders ausgedrückt, vor einigen Jahren habe ich mic, relativ schnell durch ziemlich viele neuere Heiligenbiografien gelesen.
      Alle waren sie in einem Jubelton abgefasst, soundsoviele Klöster begründet, den Glauben da und dort fest begründet, Niederlassung in aller Welt, das Werk des/der Heiligen da und da hin verbreitet…..
      Und man steht fassungslos vor so viel Jubel und fragt mit Loriot: Wo sind sie denn nur?
      Damit man mich nicht verkehrt versteht, prinzipiell halte ich den Erfolg nicht für einen Namen Gottes, aber gerade die nicht Märtyrer-Heiligen werden einem ja als solche verkauft?
      Es gibt noch einen anderen Aspekt, der mir schwer im Magen liegt, und der betrifft das notwendige Wunder, auch hier werden ausschließlich Heilungen genannt, wo man sich schon fragt. Hat mal einer geprüft, ob es sich bei dem vermeintlichen Wunder nicht um eine Spontanheilung handelt, die gerade bei Krebs und auch bei MS durchaus auch bei Nichtchristen vorkommen.
      Zu Krebs sieht hier https://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/spontanheilung.php
      Zitat daraus (DKFZ; also nix Esoterik) „Bei einigen wenigen Krebsarten ist die Tumorrückbildung ohne Behandlung gar nicht so selten. Und man versteht die zugrunde liegenden Mechanismen immer besser:“
      Im Grunde sind mir die Heiligen schon lieb und teuer, aber man hat das Gefühl, man versteht sie nicht mehr wirklich.
      Jemand, der sein Leben ganz auf Christus baut, ist gewiss ein seltener Mensch und gehört zu der „Wolke von Zeugen“, von denen Paulus in Hebräer 12,1 spricht.
      Das soll nicht gering geachtet werden, aber man hat das Gefühl, dass die Heiligen wie Perlen sind, die in einem Haufen Kunstperlen verstreut sind, und da wir zu selten mit dem wahrhaft Heiligen in Kontakt kommen, können wir das auch nicht mehr richtig unterscheiden.

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