Realsatire: Roman über die Inszenierung einer Marienerscheinung in Grauenfels

Rezension von Cordula Mohr

Dieses Buch „Das Wunder von Grauenfels“ von Viktoria Benjamin ist bereits verfilmt worden. Der Roman aus dem Lübbe-Verlag liefert auch den komödialen Lesestoff für diesen Spielfilm.

Die Autorin bietet jedoch mehr als nur eine Ansammlung sketschreifer Gags, sondern auch aufschlussreiche Beobachtungen über Menschen und besonders Pilger an einer Erscheinungsstätte.
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Doch zunächst muss die bislang recht öde Ortschaft namens Tatenbeck/Grauenfels zu einem solch vielbesuchten Wallfahrtsort „gemacht“ werden. Dafür sorgt die PR-Agentur „Bin Gin“ mit dem Einfall und der Umsetzung, dort eine Marienerscheinung zu inszenieren. Die beiden Public-relation-Damen suchen sich aus dem Ort die nötigen Personen und talentierten Seherinnen heraus.
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Es ergibt sich dadurch ein Komplott zwischen angesehenen, eingeweihten Leuten und den Seherfamilien. Den Visionärinnen Sophie und Claudia wird eine Schauspiel- und eine Tanzkarriere im Ausland garantiert, wenn sie eine Zeitlang ihre „Marienerscheinungen“ vortäuschen. Alles läuft zunächst nach Plan, abgesehen von einem kleinen Jungen, der sich eigenwillig in die Ereignisse einbringt.
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Zudem mischt sich der Journalist Ruben von der Zeitschrift „Die Lupe“ zunächst unter den Pilgerstrom, der schon nach den ersten Erscheinungen losbricht.
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Das Buch beschreibt sehr eindrucksvoll und augenzwinkernd, warum sich Menschen zu solch sensationsträchtigen Orten aufmachen. Viele erwarten dort eine Heilung oder sonst ein Wunder. Diese geschehen dann auch, nachdem eine Quelle freigelegt wird und dieses Wasser von der Erscheinungs-Madonna sofort als Heilungswasser bestimmt wird. Die Botschaften der „Mother Mary“ werden absichtlich banal und theologisch nicht haltbar formuliert.
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Die katholische Kirche mischt sich daraufhin ein und schickt Geistliche zu den  Seherkindern, um diese zu verhören. Einer dieser Priester will mit einem Sehermädchen anbändeln. Insofern gibt die Autorin dem Klerus einen gewissen Seitenhieb, wenngleich nur in einer kurzen Episode.
Immer wieder beschreibt die Verfasserin einige Paralellen zu bekannten Wallfahrtsorten. Die PR-Damen übernehmen gewisse Eigentümlichkeiten aus Fatima, Lourdes und Medjugorie sowie einigen weiteren Erscheinungsstätten.
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Der einst trostlose Ort Tatenbeck/Grauenfels blüht auf  –  und alles scheint bestens zu laufen, wenn sich nicht der Reporter von der „Lupe“ sehr kritisch mit dem Geschehen auseinandersetzen würde. Er fängt an, intensiv nachzuforschen und stößt auf Neider der ehemaligen Theatergruppe einer Seherin. Damit beginnt in dem Buch die Spannung, ob sich die Erscheinungsgeschichte halten kann.
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Es ist ein schwungvoll und mit Humor, teils auch mit Klamauk geschriebener Roman, was Erscheinungskritiker über leichtgläubige Zeitgenossen schmunzeln lässt. Auch die Kraftanstrengungen der Bin-Gin-Agentur sind bisweilen chaotisch und dadurch filmreif.
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Unsere Autorin Cordula Mohr ist mehrfache Familienmutter aus Rheine und sie leitet die ALfA-Lebensrechtsvereinigung im Nordmünsterland
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4 Kommentare on “Realsatire: Roman über die Inszenierung einer Marienerscheinung in Grauenfels”

  1. Victoria Meier sagt:

    Ich verstehe nicht ganz, warum hier eine Buchrezension „beworben“ bzw. publiziert wird, die es ganz offensichtlich für gutheißt, dass auch anerkannte Marienwallfahrtsorte der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Auch wenn man so manche Privatoffenbarung kritisch beäugen sollte … Dieses Buch scheint die Glaubenspraxis vieler Katholiken und vor allem auch kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte lächerlich machen zu wollen. Und die Rezensentin scheint das Buch dafür auch noch zu loben …

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    • Guten Tag,
      davon, daß in diesem Buch kirchlich approbierte (genehmigte) Erscheinungsstätten „der Lächerlichkeit preisgegeben“ würden, ist in der Besprechung nicht die Rede. Das lesen Sie hinein und beklagen sich zweimal darüber. Das PR-Team bringt, so heißt es dort, Aspekte verschiedener Pilgerorte von Fatima bis Medjugorje in seine Inszenierung mit hinein, was doch völlig logisch ist: Wie soll man eine Marienerscheinung vortäuschen, wenn sie sich nicht an bereits bekannte Elemente und Eigentümlichkeiten anlehnt? Dann würde keiner drauf reinfallen, wäre also erfolglos.
      Das Buch nimmt nicht etwa das bodenständige Wallfahren von Katholiken auf die Schippe, sondern eine ungesunde Wundersucht und Erscheinungsfixiertheit.
      Wenn Sie sich dennoch herausgefordert fühlen, ist es nicht das Problem der Rezensentin.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Victoria Meier sagt:

        Hm. Nun gut. Da könnten Sie recht haben. Und im Grunde darf man ja auch mal augenzwinkernd überzogene Glaubenspraxen auf die Schippe nehmen. Ich habe nur ein wenig Bedenken, dass dieses Buch vielen Kirchengegnern in die Hände spielen könnte und sie sich bestätigt fühlen könnten, dass alle Katholiken leichtgläubig seien. Aber vielleicht habe ich auch unrecht. Das Buch erinnert mich ein wenig an das Wunder von Treviso. Auch hier wird so manche Wundersucht auf die Schippe genommen. Ich weiß bis heute nicht, wie ich zu dem Treviso-Buch stehen soll. Witzig war es allemal. Wie unser Herr und Gott wohl zu solchen Büchern stehen wird? Vielleicht lacht er auch augenzwinkernd. Vielleicht aber auch nicht … Ich bin mir bei solchen Büchern immer sehr unschlüssig. Und ich weiß auch nicht so recht, ob man es gutheißen sollte, dass man den Glauben anderer so belächelt. Weil das tun die Autoren und so mancher Leser ja allemal. Andererseits hilft man ihnen vielleicht, zu erkennen, dass ihr Glaube evtl. überzogen ist … Ein schwieriges Thema, wie ich finde. Aber Danke für die Rückmeldung. Sie haben vermutlich recht. Im Grunde ist es mein Problem.

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      • Guten Tag,
        es gibt – grob gesagt – vier Haltungen gegenüber dem Glauben:
        Den Glauben, den Unglauben, den Zweifelsglauben, den Aberglauben bzw. Schwärmerglauben.
        Der Aberglaube (wozu auch die Wunder- und Erscheinungssucht gehört) ist noch gefährlicher als der Unglaube, weil sich der Schwärmerglaube/Aberglaube mit dem MANTEL des Glaubens, der Frömmigkeit schmückt, aber in Wirklichkeit Leichtgläubigkeit und Irrglaube ist, teils auch Zweifelsglaube – denn wer es nötig hat, seinen – offenbar schwachen – Glauben ständig durch vermeintliche Wunder „bestätigt“ zu sehen, der hat eben gerade keinen starken Glauben.
        Wenn solche ironischen Klaumauk-Bücher dafür sorgen, daß die Gefahr des Aberglaubens erkannt wird, haben sie etwas Gutes bewirkt – ob sie wollten oder nicht.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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