Verstiegene Visionen von Luisa Piccarreta

Von Felizitas Küble

Seherinnen und angeblich besonders begnadete Opferseelen, Sühneseelen und Sühneopferseelen gibt es zuhauf, glaubt man den Auskünften in erscheinungsseligen Kreisen.

In letzter Zeit erhalten wir immer wieder werbende Hinweise aus diesem  Spektrum für die „Mystikerin“ Luisa Piccarreta, wie in vielen  Fällen eine „Sühneseele“ aus Italien, genauer Süditalien (Corato, Provinz Bari).

Die Visionärin wurde 82 Jahre alt und lebte von 1865 bis 1947, gehörte dem Dritten Orden der Dominikaner an und soll schon im kindlicher Alter von 13 Jahren Erscheinungen des „leidenden Heilands“ erhalten haben, der zu ihr sprach: „Seele, hilf mir“ und der ihr seine Passion gezeigt haben soll.

Luisa Piccarreta (siehe Foto) war über 60 Jahre lang bettlägerig; ihre „mystischen“ Erfahrungen bzw. Gespräche mit Jesus und Maria füllen sage und schreibe 36 Bände, womit sogar die wortreiche griechisch-orthodoxe „Prophetin“ Vassula Ryden übertroffen wird.

Es würde zu weit führen, sich durch die endlos erscheinende Reihe ihrer „Eingebungen“ durchzuarbeiten, wenn schon per flüchtigem Durchblättern irgendeines x-beliebigen Bandes klar erkennbar ist, daß sich in den angeblichen „Botschaften“ des Himmels zahlreiche theologische Irrtümer, Verstiegenheiten und Merkwürdigkeiten finden.

Nehmen wir als Beispiel den Band VI. mit dem Titel „Ich will euch zur Quelle führen“ (siehe Abbildung). Schon der Untertitel spricht „Bände“: „Jesus eröffnet uns das Innerste seines Göttlichen Willens.“

Hat Christus etwa zweitausend Jahre zugewartet, bis es IHM gefiel, der „Sühneseele“ Luise den Wesensgehalt des göttlichen Willens zu offenbaren? – Ist die Selbstmitteilung Gottes im Alten und Neuen Bund nicht in der Heiligen Schrift bereits zuverlässig überliefert? Bedarf es zur nötigen Erkenntnis der Gläubigen weiterer 36 Bände?

Wie im Vorwort dieses Buches erwähnt wird, handelt es sich bei Luisa um „jene Seele, die als erster Mensch in das Reich des Göttlichen Willens eintreten durfte“ (S. 11).  Oho  – eine solche Gnadenfülle wurde also demnach nicht einmal der Gottesmutter geschenkt.

Weiter heißt es über die besonders erwählte und angeblich stigmatisierte Visionärin: „Das Wunder einer Seele, die im Göttlichen Willen lebt, übertrifft alle Wunder und Gnadengaben zusammengenommen, die Gott bisher gewährte.“ – Aha! Doch damit nicht genug, denn die Buchautorin Dr. Gertraud Pflügl weiß gar Umstürzendes zu berichten:

„Luisa Piccarreta wird eines Tages auf der ganzen Welt bekannt sein und alle werden ihr zu danken wissen, denn sie ist es, die der gesamten Menschheit die Pforten ins Reich des Göttlichen Willens geöffnet hat.“

Auf der nächsten Seite wird zwar eingeräumt: „Maria bleibt in ihrer Stellung als die Mutter des Erlösers und als Königin des Himmels und der Erde einzigartig“. Freilich wird sofort hinzugefügt: „…doch ist Luisa so etwas wie die „Königstochter“. „

Kein Wunder also, daß diese Wunderfrau in moralischer Vollkommenheit hellstens erglänzte: „Luisa überwand die Neigung zum Bösen durch das Geschenk des Göttlichen Willens. Alle ihre Gedanken, Wünsche, Neigungen, Worte und Taten waren frei von jeder bösen Begierlichkeit.

Mit anderen Worten, diese begnadete Sühneopferseele befand sich offenbar im Zustand der Paradieses-Unschuld, zumal es weiter heißt: „Luisa war der erste Mensch, der Maria in ihrer Unbeflecktheit ähnlich werden durfte.“

Bei solch einem erstaunlichen Befund erscheint es naheliegend, daß Luisa fast wie eine Art Miterlöserin gefeiert wird: „Sie trug die heiligen Male ihres Seelenbräutigams und war mit ihm eine lebendige Gekreuzigte, die für die Sünden der Menschen sühnte.“  –  Auf S. 14 wird sie als „Sühnopfer für die ganze Menschheit“ gewürdigt, war sie doch „das getreue Abbild des Erlösers, der sie schließlich am Kreuz mit sich vereinigte“, wobei er sich außerdem insgesamt viermal mit ihr „vermählt“ hat  – vermutlich nach der Devise: Doppelt hält besser  – und aller guten Dinge sind vier!

Diese Frau mit ihrer „einzigartigen Stellung im Heilsplan Gottes“ hat zwar notgedrungen „ihr Leben auf der Erde fortgesetzt, doch ihre Seele hatte schon ihren Wohnsitz im Himmel aufgeschlagen. So konnte sie verschmolzen mit Jesus auf eine ganz neue Art zum Heil der ganzen Menschheit wirken“.

Eine „Verschmelzung“ zwischen Gott und den Seelen gibt es nicht einmal im Himmel; die Seligen erhalten dort einen gnadenhaften „Anteil“ an der göttlichen Herrlichkeit, was aber keineswegs eine Verschmelzung zwischen der Gottheit und den Geschöpfen beinhaltet.

Angeblich, so heißt es auf Seite 19, soll Papst Pius X. über einen der Luisa-Bände („Stundenuhr“) zu ihrem Beichtvater gesagt haben: „Hier spricht der Herr selbst. Pater, dieses Buch sollten Sie auf Knien lesen.“  – Allerdings fehlt jeder Quellenhinweis für diese Behauptung.

Überdies hätte man gerne gewußt, wozu diese einzigartig auserwählte, von jeder bösen Begierlichkeit ganz und gar befreite Seherin überhaupt noch eines Beichtvaters bedurfte?

Schlägt man in diesem Buch irgendeine Seite auf, weht einem oft eine völlig verstiegene „Spiritualität“ und ein weltfremdes, überzogenes Asketentum entgegen.

So wird  z.B. auf S. 173 eine Botschaft von „Jesus“ an Luisa zitiert:

„In dem Maß, als du dich selbst vergessen und zerstören wirst, wirst Du in Meiner Kenntnis voranschreiten….Alles, was die Seele von sich behält und was ihrem Anfang nicht angeglichen ist, muss sie vernichten…So kann man sagen, dass sich für die Seele, die vollkommen losgeschält ist, alle Dinge in Gott verwandeln. Mehr noch, sie findet Ihn nicht nur, sondern betrachtet Ihn, sie fühlt Ihn, umarmt Ihn.“

In diesen Texten wechseln sich ständig Zuckerbrot und Peitsche, kitschige „Umarmungen“ mit Gott bei gleichzeitiger rabiater Darstellung des Wirkens Gottes, als würde ER die menschliche Freiheit gleichsam vergewaltigen: „Mein Wille jedoch  – das erste, was Er niederschlägt, ist der menschliche Wille –  toleriert keine menschliche Absicht.“

Gott betreibt keineswegs ein „Niederschlagen“ des menschlichen Willens, zumal es andernfalls sinnlos gewesen wäre, diese Willensfreiheit überhaupt zu erschaffen – sie ist ja ein Geschenk des Ewigen selbst. Freilich soll der Mensch seine Freiheit nicht mißbrauchen, aber GOTT wendet keine Gewalt gegenüber der  Seele an, auch nicht im übertragenen Sinne. 

Auf S. 190 erzählt der angebliche Jesus seiner vermeintlichen  Begnadeten folgendes: „In Mir ist keine Materie. Alles ist reinster Geist.“  – Dies klingt sehr nach gewissen gnostischen bzw. doketistischen Vorstellungen, wonach Christus auf Erden nur eine Art Scheinleib getragen habe, aber nicht wirklich und wahrhaftig Mensch geworden sei, wobei ER auch nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt der Gott-Mensch geblieben ist, also seine menschliche Natur keineswegs ablegte.

Stattdessen wird dieser Visions-Jesus weiter dahingehend zitiert, er habe deshalb das Menschsein angenommen, um dem Menschen „ein höchst vollkommenes Beispiel zu geben, wie er seine eigene Materie vergeistigen kann. So muss die Seele alles vergeistigen….“

Geradezu blasphemisch erscheinen weitere Ausführungen von „Jesus“ über auserlesene Seelen nach dem Vorbild der Luise:

„Die Höhe der Vollkommenheit einer Seele, die in Meine Willen vernichtet ist, ist derart, das sie wie Gott wirkt…Wenn sie mit diesem Willen lebt, besitzt sie die Macht, die Weisheit, die Heiligkeit und all die anderen Tugenden, die Gott Selbst hat

Die Seele, der es gelingt, von Meinem Willen alleine zu leben, ist die Königin aller Königinnen. Ihr Thron ist so hoch, dass sie den  Thron des Ewigen erreichen wird. Sie tritt in die Geheimnisse der höchsten Dreifaltigkeit ein…“ (S. 191)

Damit wird auf scheinfromme, nicht nur verstiegene, sondern theologisch hochgefährliche Unart und Weise der luziferische Grundgedanke vermittelt: Wollt ihr sein wie Gott?

Es wäre ein Leichtes, massenhaft weiteren Unfug und Irrtum aus diesen Botschaftsbänden aufzubröseln, doch erscheint dies eher überflüssig, wenn schon eine gewisse Auswahl dieser „Offenbarungen“ zeigt, wo der (Irr-)Weg langgeht  –  und daß es sich hierbei weitgehend um eine Neu-Auflage alter gnostischer Häresien handelt.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Foto-Quelle des Porträts: http://luisapiccarreta.de

 

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22 Kommentare on “Verstiegene Visionen von Luisa Piccarreta”

  1. Jörg Hommrich sagt:

    Sühneseelen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Bestes Beispiel sind die Kinder von Fatima. Die Mutter Gottes hat die Kinder aufgefordert, zu Beten, zu Leiden und zu Sühnen. Und dazu war der freie Wille der Kinder erforderlich. Sie hätten auch nein sagen können. Die Kinder taten es aus Liebe zu Gott und zu den Menschen .
    Fatima ist wurde lange und genau von der Kirche geprüft und wurde als von Gott gegeben anerkannt.

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    • ester sagt:

      ach und deshalb soll es wahr sein, trotz der ganzen Ungereimtheiten drumherum, wie dieses seltsame Geschehen, dass die Muttergottes den Kindern genau nicht in der Haft erscheinen kann, das merkwürdige Sonnenwunder,. das keineswegs alle gesehen haben, und die, die es gesehen haben auch nicht gleich gesehen haben, sondern jeder was anderes, übereinstimmend ist nur, blasse Sonnenscheine wie es eben so ist, wenn die Sonne durch die Wolken schein, mit ein bisschen Lichteffekte, wie sie nun mal auftreten, wenn Sonne und Regen aufeinandertreffen.
      Dann das seltsame Geheype um die Weihe Russland durch den Papst, wo man festhalten muss, der Papst kann nichts weihen, was ihm nicht gehört und Russland gehört nun mal nicht zur RKK. Also kann es es allenfalls segnen, was er aber jedes Ostern und jedes Weihnachten bei Urbi et Orbi sowieso macht.

      Dazu kommt, wenn die Kirche eine Erscheinung anerkennt, so sagt sie nicht dass diese von Gott kommt, sondern sie sagt lediglich, dass dort nichts der Glaubenslehre diametral widersprechendes gesagt wurde, man also hingehen d a r f.

      Und noch ein drittes, ich finde im ganzen Evangelium, den Episteln und der Apokalypse nicht den geringsten Hinweis darauf, dass Gott, wenn es eng wird, die Muttergottes schicken wird.
      Alles was ich in der Schrift finde, ist der Hinweis auf den Heiligen Geist, und die Sendung von Elias und Henoch.

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      • Jörg Hommrich sagt:

        Das ist doch toll was Sie schon in Ihrem Bericht geschrieben haben, dass Fatima der Glaubenslehre der Katholischen Kirche nicht diametral gegenübersteht und wir es glauben dürfen aber nicht müssen.
        So können wir uns auch wieder die Heilig gesprochen Seherkinder von Fatima zum Vorbild nehmen.
        Ave Maria ….siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
        Lukas 1.48

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  2. Anonymous sagt:

    Ich bin sehr dankbar für die Seher und Propheten der Jetztzeit. Nie waren sie wichtiger!!
    Wer Augen hat, der sehe und wer Ohren hat, der höre.
    Wer es nicht annehmen kann/will, der muss ja nicht. Das ist alles kein Zwang. Es ist Gnade.
    Danke auch besonders in diesen Zeiten für H. Lungenschmid. Ebenso wie für das Buch der Wahrheit. Dies alles kommt von Gott/Jesus!
    Gaby

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  3. "GsJC" sagt:

    „Seht, mit diesem Büchlein komme Ich nicht allein als Vater, sondern auch als Lehrer inmitten der Schüler. Wenn ihr Mir Gehör schenkt, will Ich euch überraschende Dinge lehren, himmlische Unterweisungen geben, die Licht spenden, das nie erlischt.“

    Quelle Seite 6: https://www.luisapiccarreta.de/files/Das-Reich-des-Goettlichen-Willens-inmitten-der-Geschoepfe.pdf

    ——–

    Die „überraschenden Dinge und himmlischen Unterweisungen“, die erst nach nahezu 2000 Jahren gelehrt werden sollen, erinnern an eine „Botschaft aus Medjugorje“ aus dem Jahr 1985:

    Botschaft vom 04.04.1985
    […]
    Deshalb möchte ich euch Botschaften geben, wie es sie noch nie und nirgendwo in der Geschichte seit dem Beginn der Welt gegeben hat.
    […]

    ——–

    Vielleicht kann einer der Anhänger, der diesen „Botschaften“ Gehör geschenkt hat, von „überraschenden Dingen“ (!) und „himmlischen Unterweisungen“ berichten. Nach so vielen Jahren sollten doch wenigstens zwei oder drei Anhänger eine „Überraschung“ erlebt und ein wenig mit dem versprochenen „Licht leuchten“, das ebenfalls verheißen wurde.

    Für mich sind das nichts weiter als albern bis ganz nett formulierte fromme Phantasien, die vom Niveau her etwas oberhalb der Texte von Vassula Ryden angesiedelt sind.

    MfG

    P.S.

    —————-

    Seiten 6,7 der verlinkten Quelle

    „Du wirst fortfahren, Mich (aus deinem Leben) zu verbannen, und Ich werde dich mit Liebe beschämen, werde dich von hinten (hinter deinem Rücken) verfolgen, dann werde ich Mich dir von Angesicht zu Angesicht gegenüberstellen, um dich in Liebe zu beschämen (überwältigen), und dort, wo du Mich vertrieben hast, werde ich Meinen Thron errichten und mehr (weiter) als zuvor herrschen, aber auf so wunderbare Weise, dass du selbst zu Füßen Meines Thrones niederfallen wirst, (und) wie gebunden (überwältigt) von der Kraft der Liebe.
    “Jesus zu Luisa Piccarreta: „ … Ich werde in den zukünftigen Generationen alle anderen Arten der Heiligkeit – unter welchem Aspekt der Tugenden auch immer – verschwinden lassen …”

    —————-

    Was für ein Schmarn.

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    • Osterglocke sagt:

      Ich lebe ja von der Hoffnung, daß der Herr selbst täglich zu uns spricht😏
      In meiner Vorstellung begegnet er uns aber eher im ganz normalen Alltag, mit den Füßen auf dem Boden.

      Wenn man das Leben lang ans Bett gefesselt ist und man sich an Jesus klammert, träumt man sicher von ihm am Tag und in der Nacht. Es sind wohl auch Wunschträume der Frau.

      Mein Vater ist ja vor einiger Zeit verstorben und ich habe auch von ihm geträumt und das hat sich sehr real angefühlt. Gerade beim letzten Mal habe ich mich tatsächlich gefragt, ob er mir im Traum erschienen ist. Aber es war wohl nur ein Traum.

      Wenn man Traum und Wirklichkeit nicht auseinander halten kann, wird es schwierig.

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  4. Michael Schonath sagt:

    Sehr geehrte Frau Küble, herzlichen Dank für ihr Engagement, uns vor vermeintlichen Sehern und Propheten zu bewahren. Ich finde, das muss auch einmal gesagt werden, zumal die Nachrichten aufzubereiten und Artikel diesbezüglich zu verfassen, nehmen sicherlich auch viel Zeit in Anspruch. Im Netz kursiert soviel Unfug über angebliche Seher und Propheten und einfach zu wenig mahnende Stimmen. Deshalb betrachte ich Ihre Arbeit hier als sehr wertvoll. Gottes Segen und herzlichen Dank!

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    • Guten Tag,
      herzlichen Dank für Ihre zustimmenden und ermutigenden Worte. Der kritische Einsatz gegen Falschprophetie und Pseudomystik ist mir nicht an der Wiege gesungen worden. Ich bin erst dadurch in dieser Sache richtig aktiv geworden, nachdem sich diese Phänomene auch im konservativen bis traditionellen katholischen Lager immer mehr ausbreiten und geradezu überhand nehmen.
      Zusätzlich zu den Beiträgen hier im CHRISTLICHEN FORUM erscheinen entsprechende Artikel von mir ziemlich regelmäßig in „Theologisches“, das von dem kath. Mariologen Prof. Dr. Manfred Hauke herausgegeben wird. Ich empfehle – natürlich nicht nur deshalb – allen Lesern den Bezug dieser popululärwissenschaftlichen Zeitschrift, die gegen freiwillige Spende erscheint. Interessenten können sich gerne bei mir melden.
      Danke und auch Ihnen Gottes reichen Segen!
      Felizitas Küble

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  5. zeitschnur sagt:

    Nahezu jede kirchliche Abirrung wurde von Sehern eingeleitet bzw. einer „Prophetie“ oder „Visionen“.
    Ob das die sog. Kinderkreuzzüge waren, ob das die Zuspitzung des hardlinigen Ultramontanismus war – immer waren Seher und Visionäre im Spiel, und mit Pius IX. saß am Ende sogar einer dann auf dem Stuhl Petri.
    Aber auch die Welt baute ihr Haus auf Visionen. So war die französische Revolution ebenfalls u.a. auf die Ideen einer Seherin gestützt. Catherine Théot sah Robespierre als Messias an.
    Alles, was in der Kirche nichts taugte, kam im Gefolge eines Heeres von Geistern daher, fragt sich nur, was das für Geister waren.
    „Sühneseelen“ – was ist das überhaupt für ein Schwachsinn?
    Wo ist uns denn geboten, so etwas zu sein?
    Nicht zuletzt ist auch ein pervertierter christlicher Begriff des „Martyriums“ ebenfalls Augangspunkt partieller Glaubensabfälle. Auch ist der islamische Martyriumsbegriff eindeutig aus diesem pervertierten christlichen Begriff abgeleitet.
    „Sühneseelen“ sind Seelen, die um jeden Preis ein Martyrium erdulden zu sollen meinen.
    Das ist eine Lästerung, wenn man mich fragt!
    Christus sagte sein berühmtes Wort von dem Kelch, der vorübergehen möge…
    Nicht mal er „suchte“ diesen Zustand.

    Machen wir uns nichts vor: der Glaubensabfall kam nicht 1965, sondern viel früher mit all diesen abstrusen und blasphemischen Symptomen, die aber von den angeblich noch rechtgläubigen Päpsten, insbesondere Pius IX., aber auch schon lange vorher und zunehmend gestützt wurden.
    Und selbst Johannes XXIII. begründete sein Konzil damit, dass er eine Vision gehabt habe.
    Na also – passt doch alles!

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    • Gerd sagt:

      Wenn jemand für seinen Glauben sein Leben lässt, ist er ein Märtyrer! Was soll daran pervers sein? Laut christlicher Lehre ist niemand dazu berufen ein Märtyrer zu werden. Was soll daran pervers sein? Wenn jemand über 60 Jahre bettlägrig ist, kann ja schon mal der Gedanke aufblitzen, dass Gott etwas besonderes mit ihm vorhat. Das halbe Leben im Bett zu verbringen ist ja auch nicht gerade eine Wunschvorstellung.

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      • zeitschnur sagt:

        Naja – ich habe nicht gesagt, dass man für seinen Glauben nicht auch u.U. sein Leben lassen muss. Aber das geschieht ohne Berechnung und ohne, dass man es will oder sucht.
        Wenn Sie sich die mittelalterliche zeitgenössische Kreuzzugsmentalität ansehen, werden Sie feststellen, dass auch damals der Glaube vorlag, hier in jedem Fall in einer Win-Win-Situation zu sein – eben wie die islamischen „Märtyrer“. Man zieht aus in den gerechten Krieg für den rechten Glauben. Wenn man für die Kirche militärisch siegt, darf man sich als Retter-Heiliger und Glaubensheld feiern, und wenn man fällt, kommt man postwendend ohne weitere Prüfung in den Himmel… Es lohnt sich also in jedem Fall… Es gehört nicht viel Ekenntnis dazu, hier auch die Verbindung zwischen islamischem und christlich-pervertiertem Märtyrerbegriff zu sehen… Der Islam hat es doch vom pervertierten Christentum, das ist doch das Verhängnis!
        Im 19. Jh, diesem ach so frommen Jahrhundert, kam mit dem Ultramontanismus ein wahrer Hype an solchem Quatsch, wohl auch verbunden mit romantisierendem Mittelalter-Boom, wieder erneut und noch schlimmer auf: plötzlich hatten wir Heerscharen von Bettlägerigen (!), die natürlich Sühneseelen waren, wenn es gut lief, auch bald noch Stigmata entwickelten und sich einbildeten, sie müssten für die bösen anderen „Modernen“ deren Sünden sühnen. Ich möchte Ihnen die teilweise auch schlüpfigen Details solcher Umtriebe ersparen…

        In jedem Fall steht hinter diesem Sühneseelen-Gedanken ebenfalls die Haltung des Märtyrers, der sich so den Himmel verdient und auch selber ein bisschen Erlöser spielen darf.

        Dabei ist das Opfer Christi nicht nur bereits geschehen, sondern auch insofern einmalig, als NIEMAND für andere Sünden sühnen kann – wer hat nur einen solchen theologischen Wahnsinn eingeführt, und v.a.: warum hat der antimodernistsiche Machtapparat diesem blasphemischen Wahnsinn noch Tür und Tor geöffnet!?

        Man kann für andere eintreten, fürbitten und Opfer bringen, aber niemals „sühnen“!

        Man darf daher durchaus auch an sich ja bewundernswerten Personen wie Maximilian Kolbe doch mit etwas Reserviertheit in theologischer Hinsicht gegenüberstehen: er „sehnte sich nach dem Martyrium“ wie immer berichtet wird, hatte selbstredend auch eine entsprechende Vision etc. etc. Sein vorheriger gigantischer Aufwand als „Ritter der Immaculata“ wirkt auf mich nicht nur positiv – das muss ich ehrlich sagen. Er entfachte einen Riesenzauber im Geiste des Kreuzzugsgedankens und der Minnelogik: für die unerreichbare himmlische Dame zerriss er sich. Genützt hat der Zauber nichts – der Glaubensabfall wurde noch schlimmer. Wo sind die „guten Früchte“ geblieben? Von Jesus redete er nur noch selten. Da stimmt was nicht, wenn Sie mich fragen. Denn alles muss reiche Früchte tragen, oder es war nicht das, was es vorgab zu sein. Das hat Jesus so festgelegt.

        Ich habe große Zweifel an solchen Motiven für ein Martyrium. Ein normaler Mensch will leben und sucht nicht den Tod. Daran ändert der Glaube erst recht nichts, sondern im Glauben kehrt die Lebensfreude überhaupt erst zurück in uns.

        Martyrium im Sinne eines unfreiwilligen Lebenlassens für Christus kann in einer zugespitzten Situation geschehen. Aber es wird vorher weder ersehnt noch provoziert.

        Ich gebe zu, daher auch von mancher frühchristlichen Märtyrerlegende abgestoßen zu sein. Es wird einem suggeriert, dass der oder die Betreffende geradezu nach einem solchen Tod gelechzt habe – und das kann nicht mehr richtig sein. Eine suizidale innere Haltung, fromm verbrämt – ist dennoch nichts weiter als eine suizidale Haltung und insofern schwer sündhaft.

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      • ester sagt:

        Es ist bestimmt sehr gut und segensreich, wenn jemand sein Schicksal, eben fast sein ganzes Leben ans Bett gefesselt zu sein, versucht, mit Christus zusammen auf sich zu nehmen. Der berühmte, beständig gegen die Kirche kämpfende Theologe Teilhard de Chardin hatte eine Schwester, die infolge eine Kinderlähmung auch ihr Leben im Bett verbrachte, wohl sehr fromm und sehr einfältig war, weswegen der große, berühmte, gelehrte und superschlaue Bruder von ihr wenig hielt.
        Gegen Ende seines Lebens schrieb er ihr allerdings: „Ich denke, du hast das bessere Leben gehabt“ (zitiert aus dem Gedächtnis)
        Das ist das eine.
        Das andere ist, dass jemanden in so einer Lage, eben ans Bett gefesselt, merkwürdige Ideen kommen.
        Der wahre Skandal ist aber, dass es Leute gibt, die diese merkwürdigen Ideen ernst nehmen.
        Es gibt ja diese Leute, die sich einbilden, für die Sünden anderer sühnen zu müssen, ich denk mir dann immer, das ist vermessen, man schafft es ja noch nicht mal, die eigene Schuld zu sühnen, dafür musste ja Christus ans Kreuz gehen, von daher ist das einfach unchristlich, auch und wenn der Gedanke stellvertretenden Betens nicht verkehrt ist.

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      • ester sagt:

        soweit ich informiert bin, hat die Kirche in der Verfolgungszeit streng verboten, sich nach dem Martyrium zu sehnen und daher auch streng verboten, sich selbst anzuzeigen oder so aufzutreten, dass die Staatsgewalt auf einen aufmerksam werden musste.
        Was nun diesen seltsamen Märtyrerbegriff des Islam angeht, so ist der viel älter, nämlich germanisch.
        Odin pflegte nämlich die im Kampf und dazu tapfer gefallenen Krieger in Walhalla zu versammeln, wo sie von den Walküren bedient wurden.
        Diese Parallele springt geradezu ins Auge.

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      • zeitschnur sagt:

        @ Ester

        Ist zwar ein interessanter Gedanke, aber Vorsicht!
        Die Überlieferung der germanischen Vorstellungen geschah für uns heute nur über deren Besieger.

        Nichtsdestoweniger waren die Walküren ursprünglich geschlechtslose Geistwesen und es gab nur 9 (heilige Zahl der Germanen), manchmal auch 13 davon. Erst in nachchristlicher Zeit wandelten sie sich in weiblich vorgestellte Geistwesen – bitte Geistwesen, also ohne islamische Jungfernhäutchen etc. Auch spricht die Mythologie nicht von endloser Begattung dieser Walküren (wie geht das bei so vielen Kriegern und so wenigen Geistern?), sondern von einem Gastmahl, bei dem sie die Tapfersten bewirten, nicht obszön anmachen..
        Außerdem wurden nur die allertapfersten in die Walhalla eingeladen, der Rest verfaulte einfach auf dem Schlachtfeld.

        Eine „Ähnlichkeit“ mit den islamischen tauchte in der Überlieferung nach Christus seltsamerweise erst …im… 6. Jh n.Chr. auf.
        Und da mag es eine gemeinsame Quelle dafür geben, auf die sowohl die Wikinger als auch die Araber zurückgriffen.
        Einen Rest dieses Motivs kennen wir noch aus dem Nibelungenlied, als die Walküre Brunhild, von Siegfried „erobert“, nachdem er sich schon als Held erwiesen hatte, beschlafen und anschließend – entgegen seinem Versprechen – verlassen wird.

        Insgesamt ist die germanische Vorstellung doch erheblich anders gelagert als die islamische und vor allem nicht so obszön und dumpf. Die Walküren sind eine Art Fürsprecherinnen der Kämpfer, im Nordlicht konnten die Helden ihre Rüstungen aufblitzen sehen. Die islamischen Huris sind einfach nur Nutten, Sklavinnen des Mannes ohne eigene Kraft. Die germansiche Walküre ist dagegen dem Helden-mann immer haushoch überlegen. Es spiegelt sich darin eine völlig andere Geschlechtervorstellung als die der Araber, und es kommt ja nicht von Ungefähr, dass gerade die germanischen Völker so offen waren für das von den vorderasiatischen Heiden als „verweibischt“ verlästerte Christentum… Gerade diese Volksgruppen mit ihren Mythen, die sehr frauenfreundlich waren, konnten sich ganz leicht öffnen.

        Mir ging es aber nicht darum, sondern um diese pervertierte Haltung, unbedingt Märtyrer werden zu wollen.

        Und noch ein Hinweis: wenn die Kirche schon früh dieses verbissene Märtyrertum verbieten musste, wie Sie meinen (ich hab das nicht geprüft, über Hinweise wäre ich dankbar), muss es auch schon früh eine Perversion dargestellt haben – denn wozu etwas verbieten, das kein Problem darstellt?!

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      • ester sagt:

        also zu den Walküren ist zu sagen, dass die natürlich mit den Huris des islamischen „Paradieses“ zunächst wenig bis nichts zu tun haben.
        Andererseits, nach allem, was man so weiß, waren die Walküren zunächst eher eine Art Erynnien, die dann zu Kriegerinnen wurden, und dann aber auch zu resoluten Kellnerinnen herunter gebrochen wurden, von daher kann die weitere Metamorphose zu den Huris schon aus der gleichen Quelle stammen.
        Aber es scheint mir dennoch hier ein grundlegendes Motiv zu geben, das entweder sehr, sehr alt ist, und schon mit den Galatern (500 n. Chr) in den Nahen Osten kam oder das Motiv kann auch über die Vandalen bei der Eroberung Nordafrikas durch den Islam in den Islam eingegangen sein. (Es gibt ja die Theorie, dass zunächst von dem Rasten unter einem Weinstock die Rede gewesen ist und nicht von einem Edelpuff.)
        Wie dem auch sei, gerade wenn wir das Nibelungenlied nehmen, so berichtet dieses uns bei Licht betrachtet vom Niedergang der edlen Kämpfer (wie sie zu Beginn des Liedes vorgestellt werden), hin zu Leuten, die einfach getrieben werden von lauter unedlen Motiven unter Missachtung aller Warnungen (Hagen von Tronje, Etzel) am Ende nur alle hingemetzelt sind bzw hingemetzelt haben.
        Auch und wenn Hagen von Tronje, Gunter und wie sie alle heißen, nicht wegen irgendwelcher Huris gekämpft haben, aber an Odins Tafel wären sie nach all dem auch nicht geladen worden, aber als Helden werden sie im ganzen Lied betitelt, und ganz am Ende wird Siegfried, von Mutter Ute höchstselbst als Held dargestellt, dessen Tod so gerächt werden musste.
        Klar finden sich im Nibelungenlied ca 1000 Jahre Geschichte, und es gleicht einem Flickenteppich von Motiven und dem, was gut und was als böse angesehen wird, aber warum soll der Niedergang, der Idee des guten, tapferen Kämpfers und der ihm ebenbürtigen Frau sich im Islam nicht fortgesetzt haben?
        Auf jeden Fall sind die Übereinstimmungen beträchtlich.
        So wenig wie im Nibelungenlied gefragt wird „Hey warum kämpfen wir, und woher kommt Krimhilds Wut und was ist eigentlich mit Brunhild los? Stehen wir eigentlich auf der richtigen Seite? Wie ist das mit unserer Moral?“
        genauso wenig fragt der Dschihadist! Es geht um das Kämpfen an und für sich, deshalb ist auch Siegfried durchgehend ein Held.
        Alle Nibelungen kämpfen nicht weil und für, sondern weil sie sich zu einer Waffenbrüderschaft verschworen haben, und eben einer angegriffen wurde, Hagen von Tronje, der dazu noch die Nibelungen reinlegt, er ermordet den Fährmann und behält die Warnung der Wassernixe für sich, aber die Nibelungen wollen das auch gar nicht genauer wissen, und das finden wir eben auch im Islam.
        Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als kämen mit dem Islam längst überwunden geglaubte Ideen diesmal von außen wieder zurück, nachdem wir ihnen schon mal von innen zum Durchbruch verhelfen wollten, was sich als fatal herausstellte.

        Zu dem Verbot, das Martyrium zu suchen, habe ich gegoogelt und bin hier http://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/verfolbi.pdf
        ab Seite 34 (runterscrollen) auf ein Kapitel gestoßen, wo die These mit Belegen der Kirchenväter untermauert wird.

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      • ester sagt:

        mir ist ein Flüchtligkeitsfehler unterlaufen, die Galater waren ein germanisch-keltischer Stamm, der ca 500 vor Chr (nicht nach Christus) sich im Gebiet der heutigen Türkei niedergelassen hatte

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      • zeitschnur sagt:

        @ Ester

        Danke für den Link. Das ist ja sehr interessant, was Schirrmacher da aufarbeitet, aber es beinhaltet auch das, was ich meinte, dass eben eine starke Tendenz da war, das Martyrium förmlich zu suchen.
        Besonders freut es mich, dass auch Cyprian davon nichts hielt.
        Diese Tendenz brach jedoch im Mittelalter während der Kreuzzüge wieder heftig aus und dann auch seit dem 19. Jh.
        Ich werde den Verdacht nicht los, dass auch all diese Stigmatisierten sich so lange hineinsteigern in das Leiden Christi, bis sie dann dessen Wundmale entwickeln – ob nun mit Selbstverletzung oder auch psychogen ohne.
        Ich lese gerade das Luzzato-Buch über Pater Pio. Pater Pio hat sich ohne Zweifel als junger, ungesunder Mann und nach den Wirren des 1. WK mit einer pathologischen geistigen Haltung mit den Schriften einer Stigmatisierten identifiziert, das ging so weit, dass er in seinen Briefen an seinen Beichtvater wörtlich deren Texte als seine eigenen ausgab. Offenbar empfand er so verstiegen, dass er dachte, er würde dann mit 33 Jahren – wie Jesus – auch sterben.

        Es ist für mich völlig abwegig, das Leiden zu suchen. Das ist ungesund und entspricht nicht dem normalen menschlichen Wollen. Wenn uns der Suizid verboten ist, so ist es auch alles, was sich auf dem Weg dahin befindet, sündhafte Sehnsucht.
        Daher eben auch meine Skepsis gegen Kolbe – klar ist es für den Familienvater, an dessen Stelle er starb, großartig, zumindest denkt man das (aber wer von uns weiß, wie der Mann damit weitergelebt hat, dass da einer freiwillig für ihn sterben wollte?! Diese Frage wäre interessant zu verfolgen…), aber ich frage mich wirklich, ob das ein echtes Martyrium sein kann. Kolbe hat das Martyrium freiwillig gesucht, und das stößt mich zurück. Es entwertet den Akt tatsächlich. Es ist ja genau genommen kein Sterben für den Glauben gewesen, sondern ein freiwilliger Tod anstelle eines anderen – nicht für Christus. Kolbes Argument war rein irdisch und pragmatisch gedacht – der mit den Kindern darf soll wegen seiner Familie nicht sterben. Dabei sind Millionen von Familienvätern und auch -müttern umgekommen in diesem Krieg, und niemand kann sagen, der Tod Kinderloser sei weniger schlimm im vergleich damit. Auch das ist im Grunde eine sehr anmaßende Entscheidung, die möglicherweise frömmer klingt als sie ist… hat doch Gott auch ohne Krieg immer das letzte Wort darüber, wer wann zu sterben hat…

        Ich glaube nicht, dass Gott den Tod oder das Leid seiner Kinder will. Wenn es doch auf uns kommt, dann nicht als etwas, das uns Dauerzustand sein soll oder Selbstzweck, fromm verbrämt.

        Es ist diese Todessehnsucht zutiefst irdisch und verquer.
        Wir kennen sie von vielen Situationen, etwa vor dem 1. WK, in den viele junge Deutsche mit Pauken und Trompeten und enormer Hoffnung, aber auch bewusster Selbstaufgabe zogen. Das ist unrecht und hätte niemals so sein dürfen.
        Mit einer ebensolchen Euphorie aber zog man auch im Mittelalter ins Hl. Land…

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      • ester sagt:

        Liebe Frau Zeitschnur,
        ich denke, man muss zwei Dinge trennen, obwohl sie wahrscheinlich zusammenhängen, das ist zum einen: Die Leute, die begeistert in einen Krieg ziehen, das ist etwas, was es immer wieder gegeben hat, Krieger, Kriegerkasten und Heldenlieder auf Leute, die andere Leute effizient massakrieren, gibt es weltweit und nicht nur bei Christens.
        Es ist ein weites Feld und es wurde viel Schindluder getrieben und in den Kriegen, wohl seit der Steinzeit schwere Schuld auf sich geladen, das steht außer Frage, richtig ist aber, dass die Welt kein Paradies ist, und einfach in dieser Welt das Recht des Stärkeren gilt, weswegen man zusehen muss, dass die Stärkeren die Guten sind, oder die Guten die Stärkeren, also dem Recht, ohne das jeder Staat nur eine mehr oder weniger gut organisierte Räuberbande ist, zum Recht verholfen wird.
        Richtig ist, dass man das Sterben des Kriegers religiös überhöht hat, das fängt bei dem berühmten Wanderer kommst du nach Sparta…. an, geht über das „dulce et decorum est pro patria morti“ hin zu irgendwelche Kamikazekämpfern und Selbstmordattentätern.
        Wir halten fest, es gibt eine haarfeine Grenze, die leider viel zu oft überschritten wurde, der Pflicht die Schwachen in der Gemeinschaft gegen die Starken, die den Schwachen Böses wollen, zu verteidigen.
        So ähnlich ist es allerdings auch mit den beschriebenen Phänomenen der Sucht nach dem Martyrium, der Sucht nach Erscheinungen und den Stigmatisierten, die auch mir suspekt sind.
        Im Grunde ist es ganz einfach, wenn ich in Schwierigkeiten bis hin zum Martyrium (der Herr möge mich davor bewahren, da ich das eh nicht könnte) komme, so soll ich als Christ versuchen, das mit Christus zusammen zu tragen, und es ist wohl so, dass es hilft, sich an Christus zu orientieren, auch und gerade in schwerer, langer Krankheit.
        Von meiner Urgroßmutter, die auch lange siech (wie das früher hieß) lag, ist überliefert, dass sie immer, wenn die Leute sagten „Ach je, wie schlimm, immer im Bett liegen!“, antwortete „Unser Herrgott hing am Kreuz, ich darf liegen!“
        Es geht also darum, Dinge, die mir widerfahren, die ich nicht ändern kann, die ich tragen muss, mit Christus zu tragen. Darin kann man viel Trost und auch Kraft finden.
        Und jetzt kommt der andere Punkt.
        Es liegt einfach in der Natur des Menschen, unzufrieden zu sein, mit seinem Schicksal zu hadern, verbittert und unzufrieden zu werden, gerade dann, wenn er leiden muss.
        Jetzt hat man meines Erachtens das versucht, was man mit den Kriegern aller Zeiten und Kulturen erfolgreich durchgeführt hat, man hat auf den höheren Lohn verwiesen und damit wurde es schräg.
        Es heißt ja, man solle sein Leiden aufopfern, das ist ein hilfreicher Gedanke, wenn es einem schlecht geht, aber eine Krücke, und dann hat man viel von dem Lohn geredet, dem Lohn des Leidens, dem Lohn des Martyriums usw. Nun ja, und damit fördert man dann eben ungesundes Denken, indem man eigentlich die Leute davon abhältj für Christus zu leben, wie man es eigentlich soll.
        Maximilian Kolbe ist mir deshalb suspekt, weil er angeblich ein riesiges Presseimperium aufgebaut hat, das Unmengen von Literatur in Polen und Japan verteilt haben soll, aber bitte, wo ist denn die Frucht von all dem? Polen wurde überrannt, verraten und verkauft, und die Japaner kämpften als Verbündete der Nazis und waren die erstenj die Selbstmordattentäter (Kamikaze) einsetzten.
        Ich kann Maximilian Kolbe schon verstehen, sein ganzes Lebenswerk war gescheitert, vor sich sah er Jahre im Lager vorraus, da war es einfacher, in den Hungerbunker zu gehen, damit das Elend ein Ende hat, so wie es ja von Schwerkranken in der Euthanasiedebatte gesagt wird. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich ihm da nicht Unrecht tue.
        Zu den Stigmatisierten ist zu sagen, ich halte das einfach für Hysterie, die dann zu den Wundmalen führte, wenn man nicht vor lauter Begeisterung nachgeholfen hatte.
        Vor allem heißt es ja bei vielen Stigmatisierten, die Wundmale seien unsichtbar, ja dann!
        Aber es handelt sich hier meines Erachtens um die Pervertierung einer anundfürsich guten Idee, der Idee nämlich, sein Kreuz auf sich zu nehmen, was mich nur stört, ist, so ein ganz normales Leben hat genug Kreuze. Unter jedem Dach wohnt ein Ach, sagt der Volksmund richtig, und anstatt die einfach zu tragen, was schwer genug ist, steigert man sich in irgendwelche kranken Sühneideen hinein, wo man mit sich selber schon genug zu tun hat, ich halte das für vermessen und hochmütig.
        Noch eine Anmerkung, von der ich vermute, es ist Wasser auf Ihre Mühlen (:-D): Eine Therese von Konnersreuth hat gemeinsam mit einem gewissen Herrn A.H einen Betrüger unterstützt, der behauptet hatte, unter dem ehemaligen Kloster Aurolzmünster einen gewaltigen Hunnenschatz gefunden zu haben http://www.atheisten-info.at/downloads/Prodoehl.pdf ab Seite 4.
        Deitdem halte ich von ihr gar nichts mehr, weil warum soll eine fromme Stigmatisiere die Ausgrabungen des heidnischen Schatzes, der Geißel Gottes unterstützen, und woher hatte sie überhaupt das Geld zu solchem Tun?
        Zusammenfassend lässt sich sagen, ich habe den Verdacht, man hält innerkirchlich die ungeheure Nüchternheit des Christentums oft nicht aus und anstatt am einzigen Ort, wo es gut ist, alles aufzufahren, was menschlicher Geist an Gutem ersinnen kann, nämlich in der Liturgie, wendet man sich gar zu gern Fabeleien zu, und dann wird es zunächst schräg und manchmal endet es in einer Katastrophe.

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  6. Osterglocke sagt:

    https://www.luisapiccarreta.de/rechtliches.html

    Der Betreiber der Website, Herr Manfred Anders, schreibt ja, daß es noch keine autorisierten deutschen Schriften von ihr gibt.

    Wahrscheinlich brauchen wir uns da noch keinen Kopf zerbrechen.

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