Verheißung Christi: Der Heilige Geist führt die Kirche in die volle Wahrheit

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Joh 16,12-15:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird ER euch in die ganze Wahrheit führen.

Denn ER wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern ER wird sagen, was ER hört, und euch verkünden, was kommen wird. ER wird mich verherrlichen; denn ER wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.

Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: ER nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

 

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6 Kommentare on “Verheißung Christi: Der Heilige Geist führt die Kirche in die volle Wahrheit”

  1. zeitschnur sagt:

    Da stellen sich zwei Fragen:

    1. Traditionell hat die sich entwickelnde Hierarchie der Kirche ja die Laien zunehmend von diesem „in die ganze Wahrheit geführt werden“ ausgeschlossen und die Unfehlbarkeit des Erkennens im Hl. Geist alleine sich selbst, am Schluss sogar alleine dem Papst zugeschrieben.

    Die Geistbefähigung des einzelnen, die mit dem Pfingstfest aber doch zunächst dazu geführt hatte, dass die frühe Kirche glaubte, dass jeder einzelne Christ, sowohl Männer als auch Frauen, sie als „seine eigene“ erhielte, wurde damit faktisch aufgehoben, auch wenn sie in Taufe und Firmung noch formell bezeugt wird. Faktisch hat man sie dem Gläubigen unter vorgeschützter Behauptung, er sei als Getaufter auch irgendwie (bloß wie?!) geistbegabt, geraubt. Faktisch und jurisdiktionell hat aber der Papst bzw. sein bischöfliches Netzwerk immer recht. Spätestens seit dem Tridentinum und den „Exerzitien“ hat die Hierarchie hat immer Recht (Jesuitendoktrin – Ignatius), und seit dem 19. Jh haben selbst die Bischöfe immer unrecht, wenn der Papst es anders will.
    Und natürlich ist ein solch absolutistisches im Wesen seines Systems so korrupt, bösartig und gottlos, dass die Revolution und der Zerfall zwangsläufig kommen musste!

    Wir kriegt man also diese Aussage Jesu mit dieser völlig verzerrten Entwicklung auch nur noch halbwegs in Einklang?!

    Und: einen Tauf- und Firmungs- oder gar Weihe-Automatismus an Geistbefähigung kann es angesichts des Chaos nicht geben.
    Es hängt wohl doch alles an der intentionalen Verfasstheit des einzelnen und nicht primär, sondern allenfalls sekundär an einem „Amt“.

    2. Jesus spricht hier davon, dass er den Jüngern noch viel zu sagen hätte, sie es aber jetzt noch nicht tragen könnten.
    Ich frage mich, was seither der Hl. Geist uns offenbart hat bzw. denen, die diese Fähigkeit alleine für sich in Anspruch genommen haben, was nicht schon der Herr selbst oder die Propheten gesagt haben?
    In einem gewissen Sinn spricht diese Stelle sogar für den Charismatismus oder kann dafür missbraucht werden: denn sind nicht wir diejenigen, die immer behaupten, die Offenbarung sei mit den Aposten abgeschlossen?

    Wenn sie mit „den“ Aposteln abgeschlossen war (da müsste man dann aber fragen, wieso die Kirche soviel auf Kirchenväter oder Kirchenlehrer wie einen Thomas bis ins hohe Mittelalter (!) gibt?!), kann allerdings der Satz Jesu oben kaum für uns gelten.
    Wenn der Satz gilt, kann die Offenbarung nicht mit den Aposteln abgeschlossen sein. Aber was haben andererseits die Apostel gelehrt, was die Jünger noch nicht hatten „tragen“ (i.S. des Ertragens) können?
    Und überdies müsste man – das ist eine logische Folgerung – alle Dogmen, die erst lange nach der frühen Kirche „als von Gott geoffenbart definiert“ wurden, insbesondere jene, über die die Kirche bis heute nicht eingi ist (!), verwerfen – die Offenbarung war abgeschlossen! Schluss aus Punkt! Insbesondere die ganz jungen Dogmen (Immaculata – Papstdogmen – Assumpta) waren und sind ja nicht zuletzt deswegen so heftig umstritten, weil sie den Schriftbeweis und selbst den Väterbeweis (in der zugespitzten konkreten Formulierung) bis heute schuldig geblieben sind. Diese Dogmen waren also den Aposteln nicht nur unbekannt, sondern auch offenkundig nicht offenbart. Man hat bei ihnen in der Moderne aus einer reinen Entwicklungslogik argumentiert: wenn die Kirche nur lange genug etwas glaubt, auch wenn es nicht von der frühen Kirche bezeugt wird, dann ist es irgendwann, wenn das nur lange genug forciert wurde, eben auch „wahr“. Lässt man sich aber auf diese Argumentationsstruktur ein, muss man auch den Charismatismus und alle Erscheinungen akzeptieren. Mit dem Argument, etwas könne sich ja entfalten, was anfangs noch nicht zu sehen war, muss man die strenge Rückbeziehung auf die doch angeblich „abgeschlossene Offenbarung“ aufgeben. Und bei den letzten vier Dogmatisierungen hat man ja an höchster Stelle auch genau das getan. Dadurch dass das Lehramt sich selbst aber diese jungen Dogmatisierungen gegönnt hat, brach ein wahrer Offenbarungs-Hype in der ganzen Kirche aus…

    Fazit:

    Diese Schriftstelle hat also Sprengkraft in sich.
    Plumpe Antworten wie „Die Kirche kann sich aber in ihren Entwicklungen nicht irren, dafür hat sie doch den Beistand des Hl. Geistes zugesagt bekommen“ sind völlig ohne logische und vernünftige Aussagekraft, denn wenn wir den Zustand der Kirche ansehen, kann man nur – alleine aufgrund der empirischen Realität – annehmen, dass sich da seit langem sogar gewaltige Irrtümer eingeschlichen haben müssen! Bloß: wo fing das an? Und wer hat die Kraft, Wahrheit und Irrtum zu scheiden? Unser Lehramt ja ganz offenbar nicht…

    Wie führt der Hl. Geist aber dann heute den einzelnen, der nicht von all diesen Verführern, seien sie nun Päpste oder charismatische Laienprediger oder Seherinnen in Niederbayern mit in die Irre gerissen werden will? (Gerade diese Frage hat ja die Hierarchie wieder grausam abgewürgt und jedem, der ihnen widerspricht, die Hölle angedroht.)

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    • ester sagt:

      also soweit ich weiß, kennt schon die frühe KIrche vor der Abspaltung der Orthodoxie eine Entwicklung und die sogenannten Kirchenväter, über die die Orthodoxie nie hinausging, was irgendwie unlogisch ist.
      Ansonsten haben Sie recht mit Ihren Fragen, genau das habe ich mir heute auch überlegt, in was hat der Heilige Geist uns eingeführt?
      Aber andererseits, wenn wir uns in das römische Reich im Jahre 50 hineindenken, so war es einerseits heidnisch, jener Gott und jene Göttin, dieses Opfer und jenes, dieses merkwürdige Ritual und jene komische Idee und über allem die unspirituellen Römer, die alles verwalteten und alles tolerierten, solange keiner behauptete, die Wahrheit zu besitzen, aber die Existenz von Göttern war allgegenwärtig.
      Genau das gibt es da, wo das Christentum hingekommen ist, nicht mehr!
      Wo gibt es noch ernsthafte Polytheisten?
      Also nicht Leute, die an irgendwelche Kräfte, Geister, Baumkräfte und Steinkräfte glauben, also Esoteriker aller Denonimationen, sondern echte Polytheisten?
      Es gibt die Spielerei mit den (griechischen) Göttern und damit herumgespielt haben schon Goethe und Schiller, es gibt viel Kinder- und Jugendliteratur mit dem Thema, Stichwort Rick Riordan, aber ernsthaft an personale Naturkräfte oder auch personale emotionale Kräfte glauben tut keiner.
      Der Streit geht darum, welches Bild des einen Gottes das richtige ist, oder ob es überhaupt einen! gibt.
      Von daher hat sich schon einiges in den letzten 2000 Jahren getan.
      Man könnte jetzt durchaus mit dem Hinduismus ankommen, aber soweit ich das kapiert habe, sind die Götter im Hinduismus auch Teil des Maya, der Einbildung also, auf jeden Fall nicht vergleichbar den europäischen Göttern, und der Hinduismus ist im Fluß und außerdem eine Mischform aus vedischen, islamischen und christlichen Elementen.
      Ich würde ihnen gerne zustimmen in Ihrem Lamento über die Hierarchie, allein was mir schon alles an Leuten begegnet ist, die felsenfest überzeugt waren, besonders begnadet zu sein, lässt mich fast einsehen, warum man die Laien so ausgeschlossen hat, und sich selber auch von irgendwelchen Geisteingebungen distanziert hat.
      Wie sie ja a.a.o schrieben, hat sich Pius IX genau nicht distanziert, und damit viel Unfug angerichtet.
      Mir drängt sich in letzter Zeit immer mehr der Gedanke auf, dass das Hauptproblem das sich einrichten in dieser Welt ist und gerade im Erscheinungsumfeld geht es doch um ganz handfeste materielle Dinge, viel Heilung, damit man noch länger gut im Sinne dieser Welt in dieser leben kann.
      So ist der Heilige Geist aber ein Geist, der aus der reinen Innerweltlichkeit hinausführt, kein WUnder, dass er nicht wahrgenommen wird.
      Heute haben wir die Pfingstnovene aus dem neuen Gotteslob gebetet, alles sehr nett mit Bibelzitaten gespickt, aber in den so formulierten Teilen geht es um rein innerweltliches, politisches, auch so ein Symptom.
      Fazit: es hat sich in der Tat in den letzten 2000 Jahren einiges geändert, nur sehen wir es nicht, weil wir das, was wir haben, als normal betrachten.
      Aber wenn man den Heiligen Geist mit einer Perle vergleicht, so haben wir ganz viel Kunstperlen erzeugt, und da wir nur diese haben, erkennen wir den Heiligen Geist nicht bzw halten all die Kunstperlen für echte, auch und weil wir noch nie echte gesehen haben, aber zuviel drüber gelesen haben.
      Ich würde sagen, er kommt erst noch, der Heilige Geist, und er kommt, so dass man ihn nicht merkt, weil er Geist ist.

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      • zeitschnur sagt:

        Es ging mir nicht drum, dass sich „nichts geändert hat“ oder eben doch. Rein irdisch gesehen hat sich vieles geändert, aber das wäre auch so alleine aufgrund der Geschichte geschehen, wenn auch nicht in derselben Weise.
        Es ging darum, in welche „unerträglichen Wahrheiten“ der Hl. Geist uns seit Jesus eingeführt hat. Also in Offenbarungen, die er selbst nicht mitgeteilt hat. Auch die Apostel teilen ja nur als „Zeugen“ mit, was bereits offenbart wurde. Wovon spricht also Jesus hier?

        Und an dem Punkt komme ich ins Schwimmen. Denn der lehramtliche Anspruch ist doch, dass nicht Neues offenbart werden dürfe. Man hat aber – wie ich zeige – eben doch allerhand Neuerungen eingeführt, die sich im Nukleus des Anfangs nun mal nicht nachweisen lassen. Und flugs sagte man: Ja, das sind halt Entwickungen, man sieht ja dem Samenkorn auch nicht an, dass hernach ein Apfelbaum draus wird…

        Das ist natürlich extrem bequem – damit kann der, der die Macht dazu hat, man alles begründen, und wir dürfen es nicht mehr prüfen – selbst der Hl. Geist in uns wird so mundtot gemacht.

        Ihre Bedenken gegenüber den vielen Spinnern sind berechtigt, aber es ist doch eine absurde Illusion, wenn man glaubt, diese Spinnereien würden vor der Hierarchie haltmachen. Sie sagen es ja selbst! Jeder Hierarch, jeder Papst kann genauso im Irrtum landen wie jeder Laie. Und dass beide das können, das offenbart die Lehrmeisterin der Geschichte. Daran kann also nichts hängen.
        Und hat Jesus nicht dem vater gedankt, dass er es den „Kleinen“ und „Unmündigen“ offenbart hat und den „Großen“ verborgen? Gilt das nicht mehr, was der Herr sagte, weil die Großen sich ermächtigt haben, alleine zu wissen, was wahr ist?

        Und wenn der Hl. Geist alle befähigt, dann muss man mit der von Jesus angekündigten Offenbarung der Dinge, die damals noch unerträglich waren, auch bei allen rechnen. Und mit dem Irrtum und dem Chaos muss man auch bei allen rechnen.

        Eine Weltsicht, die den Irrtum mechanistisch dem Laien, gerne auch einseitig der Frau, zuschlägt, die Hierarchie bzw. den Mann aber als davon ausgenommen behauptet, ist mit dem, was das NT sagt, nicht mehr in Einklang zu bringen. Dort irren die Hierarchen Israels am meisten, am nächsten bei Jesus aber stehen nahezu ausschließlich die Frauen, wie sie ja auch die hauptsächlichen Jüngerinnen des frühen Christentums ausmachten und sie es waren, die maßgeblich die Apostel überhaupt förderten und finanzierten, also die, die man für der Wahrheit unwürdig hielt. Jesus beruft 12 Männer, aber sie erweisen sich schon in seinem Drama der Passion bis auf einen als unfähig, unwürdig, schwach, als Leugner und sogar Verräter.
        Das ist ja nicht von ungefähr! Es bricht in jedem Fall die alten mechainsichen Bilder von ewig irrenden Frauen, immer klügeren Männern, der Weisheit der Großen, Reichen und Schönen und der Blindheit der Kleinen und Armen gewaltig auf! Das aber nicht als Gegenmechanik – nota bene!

        Dieses Eingeführtwerden in die ganze Wahrheit kann eigentlich nur ein völliges Herausgelöstwerden aus dieser Welt bedeuten. Das aber kann niemals Sache der Hierarchie sein. Gerade sie ist am schwächsten in dieser Hinsicht, denn sie ist am meisten dieser Welt verbunden und mit tausend Fäden mit ihr vernetzt, mehr als jeder Laie. Wahrscheinlich ist der materiell Arme tatsächlich der Freieste…

        Viele seien berufen, sagte der Herr. Aber wenige erwählt.
        Das hat damit auch zu tun: die Erwählten, das sind die, die Jesus um jeden Preis nachfolgen wollen. Und nur in ihnen wird das Wort wahr, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden.
        Dieses Wort wurde nicht dem Petrus persönlich oder als Amt verheißen, sondern der Kirche. Das hat man nie sauber getrennt. Das Wort Jesu macht hier aber eine Trennung: da ist der Petrus und da die Kirche. Beides ist nicht deckungsgleich.
        Vielleicht ist das auch die Antwort auf den Rätseltraum Nebukadnezzars bei Daniel: das letzte Reich in dieser Welt vor dem Ende, das sind die Füße eines Standbildes, dessen Kopf aus Gold, die Brust aus Silber, die Hüften aus Bronze, die Beine aus Eisen (römisches Reich), die Füße aber aus einer Mischung aus Eisen und Ton sind (Dan. 2).
        Eisen (also die römische Komponente – ist hier uch der „eiserne Stab“ der Apokalypse mit im Spiel?) vermischt mit Ton (Nichtigkeit des Materiellen, der Erde) – das wird das christliche Abendland sein, das Papsttum insbesondere.
        Jesus sagte, Petrus sei der Fels, auf den er die Kirche gründe, aber er sagt nicht, dass diese Gründung auf diesem Felsen der Grund ist, weswegen die Pforten der Hölle sie nicht überwinden – genau das sagt er nicht!
        Es ist zwiespältig. Einerseits Petrusamt, andererseits werden die Pforten der Hölle sie nicht überwinden – trotz oder wegen des Amtes? Das ist unklar und der Satz lässt hier etwas offen. Es gibt den Petrus, ja, aber wie Paulus schreibt, gründet die Kirche auf Christus, dem Felsen, auf den Propheten des AT und den Aposteln (also allen – nicht bloß Petrus), und der erste Papst schrieb, wir alle sollten lebendige Steine werden. Das klingt einfach alles etwas anders als die ultramontane Kirchendoktrin…

        In der Vision des Königs Nabucco aber wird diese christliche Reich als aus Eisen und Ton gemischt beschrieben. Eisen und Ton können nicht verschmolzen werden, aber sie bilden hier doch einen instabil-standfesten Fuß.
        In der Vision löst sich irgendwann ein Stein von einem hohen Berg und zermalmt dieses Reichsstandbild zu Staub, und nichts wird davon je mehr gesehen.
        Stattdessen wird der große Stein sein Reich aufbauen, das ewig sein wird.
        Versteht sich von selbst, dass dieser ewige Stein nicht der Fels Petrus ist, sondern dass es Christus ist, der Eckstein, das einzige und wahre Fundament der Kirche, das alle irdischen Reiche überdauert und ihnen immer diametral entgegen stand.

        Die Schizophrenie der sichtbaren kirche, aber auch Israels wird in all dem angedeutet, und man tut gut daran, diese Worte zu beherzigen.

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      • ester sagt:

        also ich habe mit der pauschalen Kritik an den Männern so meine Schwierigkeiten, weil ich einfach finde, dass auch Frauen nicht die besseren Menschen sind, sondern alle Menschen erlösungsbedürftig sind.
        Gerade wenn wir die Vision aus dem Buch Daniel und auch die Visionen einer Hildegard von Bingen ernst nehmen, die ja immerhin den Antichrist von der Kirche geboren sieht, so haben wir in der Tat ein Problem.
        Es muss ja so schlecht kommen, es ist uns nicht vergönnt, auf dieser Welt ein Reich des Guten, Wahren, Schönen auf Dauer einzurichten,
        Wir alle, Männer wir Frauen, sind zwar nicht so ganz von dieser Welt, aber in dieser Welt.
        Macht ist irgendwie böse, aber ist es nicht feige, wenn man sich als Christ einfach davor drückt?
        Ist es nicht das, was die Wüstenväter gemacht haben, die dann – sagen wir es salopp – in der Wüste gehockt und sich für was besseres gehalten haben?
        Ist es nicht ein berechtigter Vorwurf an die Kirche, wo Mönche und Nionnen in ihren Klöstern gesessen, gebetet haben und sich ansonsten nicht um das gekümmert haben, was um sie herum vorging, weil man ja mit der bösen Welt nix zu tun haben will?
        Ist nicht genau das neben bekannten Übertreibungen einer der Gründe für die Klösterstürme der franz. Revolution?
        Sie haben recht, denke ich, dass der Arme, der nichts mehr zu verlieren hat, der wahrhaft Freie ist, aber wenn man da die in unseren Breiten üblicher verklärte Sicht weglässt, so muss man konstatieren, dass die Armen damit nicht glücklich sind, sondern alles dazu tun, nicht mehr arm zu sein.
        Und gerade die Klöster haben das versucht zu leben, die Wüsternväter, die Benediktiner, die Zisterzienser, die Franziskaner, die Dominikaner, in neuerer Zeit die kleinen Brüder und Schwestern Jesu nach dem Vorbild Charles de Foucould und immer wieder ist es „verrutscht“.
        Es gab im Mittelalter den sogenannten Armutsstreit, wo eine Gruppe von Franziskanern sich mühte, im Ideal des Franziskus zu leben und diese ihre Lebensweise für die ganze Christenheit verbindlich machen wollte, diese Idee wurde als Irrlehre verurteilt und das auch zu recht.
        Jeder, der freiwillig arm lebt, lebt von denen, die es eben nicht sind, wenn er denn überleben will.
        Es steht geschrieben in der Schrift, dass all das, was wirklich wichtig ist, den Weisen und Klugen verborgen ist, den Armen und Unmündigen aber offenbart wird, aber wer will z.B ernsthaft für seine Kinder, dass sie arm und unmündig bleiben?
        Ich denke, dass die Kirche genau in diesem Dilemma steckt und schon immer steckte.
        Ich habe mal irgendwo gelesen, es aber nicht verifiziert, dass Simon auch Grashälmchen heißen würden, dann gäbe das alles Sinn.
        Im übrigen denke ich, dass Christus gewusst hat, warum er die Apostel berief, nämlich weil sie sich als die Luschen erweisen würden, als die sie sich erwiesen, um damit das zu bestätigen, was später Paulus schrieb, das, was nichts ist in der Welt, hat Gott erwählt.
        Das Problem ist nur, dass uns das gar nicht schmeckt und es kaum zu glauben ist, man merkt es doch auch an aktuellen Diskussionen um Politik und die Zukunft der Kirche.
        Würden wir wirklich ernsthaft glauben, hätten wir mit der sichtbaren unleugenbaren Schwäche der Kirche gar kein Problem, da aber auch bei uns der alte Mensch aus allen Knopflöcher guckt, haben wir die.
        Dennoch, und ich behaupte einfach mal, dass die Menschheit sich seit ihrem Anbeginn nicht großartig geändert hat, gibt es die Kirche noch, und genau das ist, genauso wie die unglaubliche Existenz Israels, das als Volk in fast 2000 Jahren Zerstreuung immer noch existiert, ein Werk des Heiligen Geistes.

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      • zeitschnur sagt:

        Liebe Ester, bitte immer genau lesen: ich habe keine „Pauschalkritik an den Männern“ geübt, sondern die bis vor wenigen Jahrzehnten allgemein übliche Pauschalkritik an den Frauen kurz benannt und dies kritisch – aber wenn Sie genau gelesen haben, müsste Ihnen auch aufgefallen sein, was ich dazu schrieb:

        „Es bricht in jedem Fall die alten mechainsichen Bilder von ewig irrenden Frauen, immer klügeren Männern, der Weisheit der Großen, Reichen und Schönen und der Blindheit der Kleinen und Armen gewaltig auf! Das aber nicht als Gegenmechanik – nota bene!“

        Es ist etwas schräg, wenn man nach Jahrhunderten der echten Diskriminierung der Frau (aber auch der Armen oder anderer Gruppen) nun sofort in Verteidigungshaltung geht, wenn das benannt wird. Diese Diskriminierung war nicht gefühlt oder eingebildet, sondern bildete sich objektiv in Gesetzen, Lehrschriften und tausend literarischen Spuren ab – sorry: das muss man benennen, denn das ist längst nicht ausgestanden. Schauen Sie sich das teilweise himmelschreiende Denken in Piuskreisen an… Diese alten Diskriminierung wird schneller wieder zurückkommen, als Sie glauben. Und bedenken Sie bitte, dass der „erfolgreiche“, „mächtige“ Mann niemals ernsthaft diskriminert wurde, auch heute nicht, wo er nur scheinbar in die Schranken gewiesen wird. Aber dies auch nicht wirklich – der sexuelle Missbrauch grassiert, auch der völlig perverse an Kindern, und die Täter sind kaum die Frauen. Das alles ist eine apokalyptische Aussage, und es nützt nichts, wenn Frauen den Männern stets pauschal die Stange halten wollen. Der Mann ist gehalten, sich so zu disziplinieren, wie er es gerne der Frau auferlegt hat, während er sich selbst ein Extrarecht genehmigt hatte. So verstehe ich übrigens auch das NT, und so hat es in manchem die Kirche ja durchaus auch vermittelt.

        Aber das nur am Rande, denn mir ging es darum nicht. Es ging darum, dass das Reich Gottes eine Offenbarung an die Unmündigen war und ist, nicht an die „Großen“. Genau das wurde aber nach wenigen Jahrhunderten total konterkariert.

        Sie verwechseln mE zwei Dinge: dass der Mensch ein Sünder ist – gegessen, das wissen wir und schreiben es ja uns selbst zuerst zu, nicht wahr?

        Mir geht es um die Etablierung der Sünde als Recht in der Kirche, und das können Sie durch nichts abmildern oder entschuldigen.
        Und mit der Sünde kann sich auch kein echter Christ arrangieren, er kann sie allenfalls aushalten oder erdulden.
        Tausendfach werden wir aufgefordert, die Sünde zu fliehen und den Satan zu hassen.
        Und der alte Spruch vom Sünder, den man liebt und der Sünde, die man hasst, greift da kaum, wo der Sünder sich als Gerechter ausgibt und auch noch die Kirche verwüstet. Zu einem solchen Phänomen findet das NT klare Worte, da wird nichts mehr getätschelt und abgemildert. Entweder die Sünde trennt von Gott oder nicht. Mit einem, der sich „Bruder“ nennen lässt und offen sündigt ohne Einsicht, von dem sollen wir uns fernhalten – lesen Sie die NT-Briefe…
        Wer das beschönigt, hat nicht erfasst, dass die Sünde unser Tod ist. Es geht um alles oder nichts.

        Was die Armut betrifft, habe ich ja nichts „propagiert“, sondern nur gesagt, sie mache freier. Das geht auf die Aussage Jesu zurück, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr schreite, als dass ein Reicher in den Himmel komme – bitte: Spruch Jesu. Das müssen Sie akzeptieren.
        Ich sprach nicht vom Faulenzen und von anderen Schmarotzen, sondern von einer „Armut“, die eher Genügsamkeit und „leichtes Gepäck“ in diesem Leben bedeutet.
        Sie vergessen, dass das benediktinische Ideal „Ora et labora“ heißt und nicht “ Ora et dormi“.
        Wir bitten ums tägliche Brot, und es soll uns gegeben werden. Wenn wir nach mehr streben, muss man sich fragen, ob wir nicht bereits abfallen.

        „Simon“ – kommt das nicht eher von „schama“ (hören)? Es heißt „Schim’on“. Verwandt mit „Schmu’el“ (Samuel).

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      • ester sagt:

        also das mit dem Simon, der Erhörung bedeutet, das weiß ich, aber irgendwo habe ich, wie gesagt, mal gehört, es hieße auch Grashalm. Mag aber sein, dass sich das auf das Wort Kephas bezog, ich habe keine Ahnung von Hebräisch.
        Zu den anderen Themen, also mag ja sein, dass die Pius einen Dachschaden haben, aber wer die Diskriminierung der Frauen, die noch nicht mal alleine draußen herumlaufen können sollen dürfen, zurückbringen wird, das werden nicht die Pius sein, das kommt gerade von anderer Seite und gilt als gut.
        Die Sache mit der Sünde ist leider so einfach nicht, weil es im Wesen der Sünde liegt, dass sie blind macht, und nach einer Weile selbst das Gewissen schweigt und man sich in seiner Sünde wohl fühlt, und jede mahnende Stimme als lästig und allenfalls bigott empfindet.
        Ich würde behaupten, dass die Offenbarung Christi sich an alle Menschen richtete, es kamen die Hirten und die Könige, Jesus sprach zu allen, zu den Pharisäern und zu den Fischern, er berief auch den Zöllner Matthäus in seine Nachfolge, es ist ihm, denke ich, egal, was einer auf dieser Welt ist. Es ist ihm aber nicht egal, wie einer damit umgeht, was er ist.
        Das scheint mir der Punkt zu sein.
        Wenn ich allerdings die Zeichen der Zeit richtig deute, wird es mir der Macht und Herrlichkeit der Kirchenfürsten eh nicht mehr lange gut gehen, Kirche ist weitgehend uninteressant geworden, von daher wird sich vieles von selber regeln und wir werden die arme Kirche der Armen bekommen.
        Ob uns das dann gefällt, das wage ich zu bezweifeln.
        Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass das Wort des Herrn hart ist und das Murren in all den Jahrtausenden nicht aufgehört hat, aber es dennoch so ist, dass die Kirche immer trotz aller Verfehlungen uns das Fleisch und BLut Christi zur Speise gegeben hat, wozu sie meiner Meinung nach primär da ist.

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