Münster: Hat der Bischof den Pfingstmontag als gebotenen Feiertag abgeschafft?

Von Felizitas Küble

Eines der fünf Kirchengebote lautet, daß die Gläubigen an allen Sonntagen und gebotenen Feiertagen an der hl. Messe teilnehmen sollen (sofern es ihnen möglich ist).

Zu jenen Feiertagen, die in Deutschland „kirchlich geboten“ sind, bei denen also die sogenannte „Sonntagspflicht“ gegeben ist, gehört nebem dem 2. Weihnachtstag und dem Ostermontag auch der Pfingstmontag. Es handelt sich bei diesen Zweitfeiertagen um eine Spezialität im deutschen Sprachbereich. Diese Tradition wurde von der Bischofskonferenz in einem Beschluß vom 20.9.1994 ausdrücklich bestätigt.

BILD: Pfingstmontag heute in Münster auf dem Domplatz: Ökumene mit Festivalcharakter

Umso verwunderlicher ist es, daß der Pfingstmontag im Bistum Münster schon lange von oberster Stelle liturgisch praktisch ausgehebelt wird. Wodurch?  –  Weil an diesem Feiertag bereits unter Bischof Dr. Reinhard Lettmann auf dem Domplatz ein „ökumenischer Festgottesdienst“ stattfand und unter seinem Nachfolger Dr. Felix Genn weiter stattfindet   –  und zwar ohne heilige Messe wohlgemerkt. 

Damit nicht genug: In den meisten Pfarreien von Münster fallen die Vormittagsmessen aus, man kann allenfalls vereinzelt noch zu einer Frühmesse gehen. Dadurch soll erreicht werden, daß möglichst viele Gläubige zum Gottesdienst auf den Domplatz kommen, um dort die Predigt des Bischofs anzuhören, obwohl es sich lediglich um einen Wortgottesdienst handelt.

In den Einladungen und Plakaten ist von einem ökumenischen „Festgottesdienst“ am Pfingstmontag die Rede, so daß viele Katholiken meinen, es handle sich um eine Festmesse, wozu auch Evangelische eingeladen sind  – und sich dann auf dem Domplatz nicht wenig wundern, daß dem nicht so ist.

BILD: Evang. Präses Annette Kurschus bei ihrer Predigt

In diesem Jahr war alles noch „bunter“ bzw. gewöhnungsbedürftiger, denn die Festpredigt am heutigen Pfingstmontag hielt nicht der katholische Bischof, sondern Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen.

Der Protestantin kann man freilich keinen Vorwurf machen, schließlich geschieht all dies auf Wunsch des katholischen Oberhirten unter dem oberökumenischen Motto „Zusammen wachsen“.

Die katholischen Bischöfe setzen sich gerne  – und zu Recht – für die Feiertagskultur ein, wenn es darum geht, daß Einkaufsläden am Sonntag geschlossen bleiben. Wo aber bleibt die Einhaltung der Meßpflicht für kirchlich gebotene Feiertage, wenn der Bischof selber seine „Schäflein“ dazu animiert, am Pfingstmontag lediglich einen Wortgottesdienst zu besuchen? Kann er seine ökumenischen Festivals nicht an einem anderen Tag organisieren, zum Beispiel am 1. Mai?

Übrigens: Nicht nur die Predigt bei diesem Ökumene-Fest auf dem Domplatz war protestantisch, auch die Kollekte diente evangelischen Interessen und galt einem Projekt der Waldenserkirche in Italien. Auch hierbei kann man sich nicht über Protestanten beschweren, schließlich trägt doch der Bischof von Münster die Verantwortung für den Ablauf der Dinge. Gewiß zwingt ihn kein evangelischer Vertreter, auf eine Festmesse am Pfingstmontag zu verzichten.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.