John Knox: Der radikalste Prediger und Kirchengründer des Protestantismus

Von Felizitas Küble

Dieser Beitrag unserer CF-Redaktionsleiterin ist in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Juni 2017) erschienen – dort unter dem Titel: „John Knox: Vom katholischen Priester zum Wegbereiter der Reformation in Schottland“:

Wenn im Zuge des Reformationsgedenkens von den großen Gestalten des frühen Protestantismus die Rede ist, wird meist auf Luther, Calvin und Zwingli verwiesen, weniger auf den wortgewaltigen Prediger John Knox aus Schottland (siehe Foto: Buchtitelbild).

Der theologische Widersacher der katholischen Regentin Maria Stuart gilt als entscheidender Wegbereiter und Organisator der calvinistisch orientierten Reformation in Schottland.

Knox starb vor 450 Jahren, am 24. November 1572 in der bekannten schottischen Stadt Edinburgh. Das Online-Portal „Ökumenisches Heiligenlexikon“ verweist auf seinen Gedenktag am 24. November im evangelischen liturgischen Kalender. In seiner schottischen Wirkungsstätte Edinburgh erinnert eine Statue in der St.-Giles‘-Kathedrale an diese streitbare Schlüsselfigur der Reformation.

In Genf, wo sich Knox jahrelang aufhielt, wird er in einem Relief bzw. Reformationsdenkmal als markante Steinfigur verewigt: Es zeigt den vom katholischen Glauben abgefallenen Geistlichen predigend vor dem Hofstaat Maria Stuarts, deren tragisches Leben von viel Pech und Pannen geprägt war. In Deutschland ist das glücklose Schicksal dieser Herrscherin vor allem durch Schillers bewegendes Drama „Maria Stuart“ bekannt geworden   –  man kann wohl sagen, dass der schwäbische Dichter sie dadurch zur „Königin der Herzen“ etablierte.

Der rabiate Protestant, dessen Geburtsjahr nicht sicher feststeht (die Spekulationen reichen von 1505 bis 1514), wurde in der Nähe der schottischen Stadt Haddington als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren. Nach dem Studium von Theologie und Kirchenrecht wurde er 1530 zum Priester geweiht. Er arbeitete zunächst als Hauslehrer in verschiedenen Adelsfamilien; wandte sich aber Anfang der 1540er Jahren mit zunehmendem Eifer und Übereifer einem rigiden Protestantismus zu.

Bereits 1547 erklärte er in Predigten, der Papst in Rom sei das dämonisch inspirierte „Tier“ und der Gegenspieler Gottes, wobei er sich auf seine Auslegung der Johannes-Apokalypse und des alttestamentlichen Buches Daniel berief.

Prof. Dr. Ronald G. Asch schreibt in der populärwissenschaftlichen historischen Zeitschrift „Damals“ (Nr.5/2017) über diesen Reformator: „Er ließ sich in der Schärfe seines Antikatholizismus von niemandem überbieten. Seine militante Haltung wurde noch gesteigert durch sein persönliches Schicksal.“

Tatsächlich kam der Prediger im Jahre 1547, als französische Truppen die schottische Garnison St. Andrew besetzten, für zwei Jahre als Galeerenhäftling auf ein Kriegsschiff. Nach seiner Freilassung wurde er Pfarrer in Berwick, einer englischen Stadt in der Grenzregion zu Schottland. Dort vertiefte er sich weiter in seine theologischen Studien und sah sich zunehmend in der Rolle eines alttestamentlichen Propheten, der dazu auserwählt war, „Götzendienst “und gottlose „Greuel“ radikal auszurotten, wozu er die heilige Messe und die katholische Marien- und Heiligenverehrung rechnete.

Der wachsende Einfluss des rigiden Reformators

Er gehörte zu den  –  von Martin Luther noch klar abgelehnten  –  „Bilderstürmern“ und rief dazu auf, religiöse Statuen und Gemälde in den katholischen Gotteshäusern zu zerstören, was vor allem im Süden Schottlands von einer aufgebrachten Volksmenge auch häufig durchgeführt wurde und natürlich zur künstlerischen Verarmung jener Gegenden führte. (Die nördlicheren schottischen Berglande, die sog. „Highlands“, wurden nicht so stark in den Strudel der Reformation hineingezogen; das dortige bodenständige Kirchenvolk hielt länger am katholischen Glauben fest – teils bis heute.)

Seine Predigten und Schriften blieben nicht ohne Wirkung auch auf die englische Krone. Während der König Heinrich VIII. weniger aus religiösen Gründen, sondern vor allem deshalb von der katholischen Kirche abfiel, weil er sich wegen Ehebruch und Ehescheidung im Konflikt mit dem Papst befand, wurde in der Folgezeit das Bekenntnis zum Protestantismus auch theologisch bekräftigt, wobei der Einfluss von John Knox, der mittlerweile zum Hofkaplan aufstieg, auf den jungen König Eduard VI. nicht zu unterschätzen ist.

Nach der Thronbesteigung der katholischen Maria Tudor war sein Wirken in London beendet. Knox floh nach Frankfurt und Zürich, reiste zwischendurch in seine frühere Gemeinde Berwick zurück, bis er sich ab 1559 für längere Zeit als Prediger in Genf niederließ.

Dort fand er in dem rigiden Reformator Johannes Calvin (1509 – 1564) einen inspirierenden Vor- und Weiterdenker, wobei er dessen radikale Prädestinationslehre bzw. das Dogma vom „doppelten Ausgang“ übernahm, wonach das jenseitige Schicksal jedes Menschen durch Gott von Ewigkeit her festgelegt und vorherbestimmt sei. Knox wirkte entscheidend an der sog. „Genfer Bibel“ (einer englischen Bibelübersetzung) mit, später gehörte er zu den maßgeblichen Verfassern der „Confessio Scotica“, einer schottischen Bekenntnisschrift, die 1560 vom dortigen Parlament verabschiedet wurde. Dieses Ereignis gilt als definitive Weichenstellung und Gründungsurkunde der reformierten „Church of Scotland“.

Knox ist der theologisch entschiedenste Widerpart der katholischen Königin Maria Stuart, die er vor allem deshalb verabscheute, weil sie persönlich an der katholischen Messe festhielt und sie weiterhin in ihrer Privatkapelle besuchte, wenngleich die Monarchin in ihrer amtlichen Regierungspolitik auf Toleranz und konfessionellen Ausgleich bedacht war; sie versuchte, im Sinne eines „Religionsfriedens“ zu wirken, um eine konfliktreiche Spaltung ihrer Untertanen und die Gefahr eines Bürgerkriegs zu verhindern.

Allerdings stand damals in Schottland auf Betreiben von Knox und weiteren protestantischen Eiferern allein schon auf den Besuch der heiligen Messe die Todesstrafe  –  daher der Zorn auf die Königin, weil diese sich in ihrem Privatleben über dieses Verbot hinwegsetzte.

Selbst das amtliche evangelische Internetportal „Evangelisch.de“ weiß nicht nur Positives über Knox zu berichten. Im dortigen Artikel „Die wichtigsten Reformatoren: John Knox“ heißt es beispielsweise: „John Knox ist unbeugsam und radikal. So predigt er heftig gegen Maria Stuart und fordert gar ihren Tod.“

Stefan Zweig: Fanatische Demagogie bei John Knox

Das Portal erinnert sodann an den jüdischen Dichter Stefan Zweig und dessen bekannte Romanbiographie über die katholische Regentin:

„Wohl deshalb beschreibt ihn der Schriftsteller Stefan Zweig in seinem Roman über Maria Stuart als einen „Meister der religiösen Demagogie“ und den „vielleicht vollendetsten Typ des religiösen Fanatikers, den die Geschichte kennt. Knox sei „der eisenköpfigste, zelotischste, unbarmherzigste aller Kirchengründer und seinen eigenen Lehrer Calvin an Unerbittlichkeit und Unduldsamkeit noch übersteigend.“

Man muß freilich nüchtern sehen, dass die Einführung der calvinistischen Reformation in Schottland und damit die Gründung der presbyterianischen Konfession (die auch in den USA weite Verbreitung fand) nicht ohne Mitschuld von katholischer Seite erfolgt ist. Der zunehmende Verfall kirchlicher Sitten und Strukturen war unübersehbar:

In jener Zeit befand sich der moralische Level und die Bildung des Klerus vielfach auf einem erbärmlichen Niveau, manche Geistliche konnten nicht einmal lesen und schreiben; die Kirchenpolitik der schottischen Hierarchie agierte von nachlässig bis machtgierig. Auch die rückschrittlichen sozialen Verhältnisse bargen eine revoluzzerische Sprengkraft in sich.

Dazu gehörten auch die halb-anarchischen Clan-Strukturen im Schottland des 16. Jahrhunderts, die vor allem die Hochlandregionen unsicher machten. Die katholischen Monarchen, seien sie weiblich oder männlich, waren in der vorreformatorischen Zeit meist schwache Figuren, viele starben eines gewaltsamen Todes.

Nicht selten wurden sie schon im kindlichen Alter in ihre königliche Rolle hineingedrängt und waren hoffnungslos überfordert; sie konnten sich gegen einflußreiche Adelscliquen und eigenmächtige Clanchefs nicht durchsetzen. Freilich erleichterte gerade dieses Feudalsystem zugleich die Einführung des Protestantismus, zumal viele Fürsten sich gerne am Kircheneigentum bereicherten und sich auch dort theologische Anliegen mit weltlichen Interesse verknüpften.

Die beiden katholischen Monarchinnen mit dem Vornamen „Mary“ sah John Knox als eine Art Wiedergeburt der Jesebel an, jener aus dem heidnischen Phönizien stammenden Königin aus dem Alten Testament, welche im alten Israel den Götzendienst wieder einführen wollte und den Propheten Elias bzw. Elija verfolgte. Er steigerte sich gleichsam in die Sendung eines neuen „Elias“ hinein, der Maria Stuart und ihrer königlichen Mutter Mary die „prophetische“ Stirn bieten musste, zumal ihm der Katholizismus als neuheidnische Greuelreligion erschien.

Daher sah er in einem Aufstand gegen von ihm als „frevelhaft“ empfundene Herrscher nicht nur kein Problem, sondern eine vom Himmel auferlegte Verpflichtung und erklärte: „Die Propheten Gottes lehren manchmal Verrat an Königen – und doch sündigt weder der Prophet gegen Gott,  noch derjenige, der seinem Wort gehorcht, das er im Namen Gottes gesprochen hat.“ 

Für eine moderate Haltung im Sinne eines erträglichen Konfessionsfriedens hatte er nichts übrig; er warnte stattdessen seine Anhänger: „Der Bund zwischen Gott und uns wird nicht unversehrt bleiben, wenn wir Götzendiener gutheißen, uns ihnen anschließen oder nachsichtig mit ihnen umgehen.“ (Quelle: Knox, Works, III. Band, S. 184,187).

Knox ließ sich selbst von dem ansonsten rigiden Johannes Calvin nicht mäßigen, der ihm in dieser Angelegenheit mehr Besonnenheit und Realitätssinn empfohlen hatte.

Zelotischer Aufruf gegen Frauen als Herrscherinnen

Wie wenig er bereit war, seinen vermeintlich „prophetischen“ Feuereifer zu zügeln, zeigte sodann sein nächster und zugleich bekanntester Paukenschlag, nämlich eine extrem frauenfeindliche Streitschrift mit dem Titel „The first blast of the Trumpet against the monstrous regiment of women“  –  zu deutsch: „Der erste Trompetenstoß gegen die entsetzliche Herrschaft der Frauen“ von 1558. 

Das rabiate Pamphlet war selbst für die damalige patriarchalisch geprägte Gesellschaft der frühen Neuzeit sehr gewöhnungsbedürftig, gab es doch seit Jahrtausenden – und zudem auch im Alten Testament – weibliche Regentinnen in nicht geringer Zahl, etliche davon wurden von der katholischen Kirche heilig gesprochen oder als Selige verehrt.

Knox ereiferte sich in seinem Rundumschlag grundsätzlich gegen die, wie er schrieb, „unnatürliche Herrschaft“ bzw. „schändliche Gynäkokratie“ von Frauen, denen weder „Vernunft“ noch „Besonnenheit, ihre Gefühle zu mäßigen“ eigen sei; er stritt ihnen den nötigen Verstand, die charakterliche Reife und alle Führungsqualitäten rundweg ab. Der Autor rief in diesem Falle sogar unverhohlen zum gewaltsamen Widerstand, ja zum „Tyrannenmord“ auf.

Sein Angriff auf die Monarchinnen zielte zwar in erster Linie gegen katholische Königinnen der Stuarts, richtete sich aber in seiner „theologischen“ Kampfansage prinzipiell gegen jede weibliche Regentschaft mit der Begründung, Frauen, die über Männer regieren, seien ein „Ungeheuer der Natur“.

Natürlich war die mächtige anglikanische Königin Elisabeth I. von diesem martialischen Werk wenig „amused“. Wenngleich sie mit Knox die katholische Kirche und das Papsttum zu Rom ablehnte, sägte der schottische Reformator mit dieser Streitschrift auch an dem Ast, auf dem sie immerhin selber sass. Zudem ging ihre Ära als „goldenes Zeitalter“ in die Geschichte ein  –  mag es sich dabei teils um ein verklärtes Bild im nachhinein handeln, so bewies die letzte Tudor-Königin jedenfalls, dass den Frauen die nötigen Regierungstalente durchaus nicht abgehen.

Knox hingegen war nicht zu bremsen, er wetterte weiter gegen die hl. Messe als „allerteuflischsten Götzendienst“ und rief in seinem „Trompetenstoß“ sogar zur Ermordung nicht „nur“ der Stuart-Monarchinnen, sondern aller katholischer Priester und aktiver „papistischer“ Laien auf:

„Ich scheue mich nicht zu bekräftigen, dass es die Pflicht der Adligen, Richter, Herrscher und des Volkes gewesen wäre, nicht nur Mary Widerstand zu leisten, jener Isebel, die sie ihre Königin nennen, sondern sie auch mit allen ihren Götzenpriestern mit dem Tod zu bestrafen, zusammen mit all denen, die ihr zu der Zeit Hilfe geleitet haben, als sie das Evangelium unterdrückten…“   (Quelle: Knox, Works, Band IV., S. 507).

Bei aller berechtigten Kritik an Knox soll freilich nicht übersehen werden, dass seine Reformation auch einige positive Wirkungen zeitigte, etwa jene „Bildungsoffensive“, die nicht zuletzt aus dem Knox-Aufruf zur persönlichen Bibellektüre entstand. Dadurch wurden zahlreiche Volksschulen errichtet und die Alphabetisierung der Bevölkerung vorangetrieben.

Im Vergleich zu manchen diesbezüglich stark zurückgebliebenen katholischen Regionen wie etwa Portugal war dies zweifellos ein zivilisatorischer Fortschritt. Zugleich begünstigte sein presbyterianisch geprägtes Kirchentum (Kirchengemeinden werden von den durch die Gläubigen gewählten Ältesten bzw. „Presbytern“ geleitet) die Beliebtheit demokratischer Prozesse auch im politischen Bereich. 

Sodann zur berühmten und teils als Geiz karikierten Sparsamkeit der Schotten: Diese dürfte nicht allein auf äußeren Notwendigkeiten beruhen (z.B. der Kargheit der Böden des Berglandes oder einer wenig ausgeprägten Stadtkultur), sondern auch mit jenem calvinistischen Arbeitsethos zusammenhängen, das auch den Protestantismus in den USA vielfach geprägt hat. Johannes Calvin sah den Arbeitseifer als strikte Pflicht aller Gläubigen an, Verschuldung wurde als Schande und Sparsamkeit als wichtige Tugend betrachtet. Bekanntlich begünstigte diese Haltung den Geist des Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es sich bei Knox zweifellos um den am  meisten fanatischen Theologen der Reformation handelt, der in seiner Wut und seinem Wahn nicht einmal vor einer extrem frauenfeindlichen Streitschrift und massenmörderischen Appellen zurückschreckte. Angesichts dessen erstaunt es nicht wenig, dass der evangelisch-kirchliche Kalender diesen militant denkenden Polemiker  – wie eingangs erwähnt –  mit einem eigenen Gedenktag am 24. November würdigt.

Felizitas Küble, Münster –  Mail: felizitas.kueble@web.de

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10 Kommentare on “John Knox: Der radikalste Prediger und Kirchengründer des Protestantismus”

  1. zeitschnur sagt:

    Naja – ich bin wirklich kein Freund frommer Gewalttäter, und frommer Frauenfeinde auch nicht, aber bleiben wir doch wachsam dafür, dass dieser radikale Bursche nicht viel anders tickte als Pius V., der Tridentiner Held und Heilige. Der nämlich exkommunizierte Elisabeth von England und entband ihre Untertanen vom Treueeid in seiner unsäglichen Selbstherrlichkeit, hetzte also die Untertanen gegen ihre Königin auf. Das ist keinen Deut besser als das Gegeifer des John Knox! passt doch alles wie hammer und Amboss. Es ist, als hätten sie sich abgesprochen, die beiden angeblich verfeindeten Konfessionen…
    Wie man in den Wald hineinruft, so ruft es wieder heraus, sagte man einst.
    Diese wirklich fanatische Radikalität ist wahrlich keine protestantische Erfindung, sondern spiegelt nur wieder, was katholischerseits seit Jahrhunderten immer schlimmer wurde. Man muss ja sehen, dass sich nach dem Konstanzer Konzil, 100 Jahre vor der Reformation, alles noch irrsinniger verschlimmert hatte. Da herrschten Mörder, Hurer und Betrüger auf dem Papstthron und ließen sich dabei auch noch als „verbum incarnatum“ (was blasphemisch ist! – daher kommt auch die Überzeugung vieler, auch übrigens katholisch gebliebener Menschen, dass im Papsttum sehr wohl der Antichrist vorgezeichnet wurde) ansprechen und hievten ihre leiblichen Kinder in hohe geistliche Ämter um nur ja ihre dreckige Macht zu erweitern.

    Ich kann Luther natürlich theologisch nicht folgen, auch kenne ich die Problematik einer absolut fehlerhaften und ideologisch „gestreckten“ Bibelübersetzung, wie oben schon jemand erwähnt.
    Aber das alles kann nicht ausblenden, welch ein Saustall die Kirche war, und dies nicht nur wegen ein paar unguten Männern, sondern das ganze „papistische System“, das so vehement angegriffen wurde, ist tatsächlich fragwürdig (gewesen). jahrhundertelang wurde das schon beklagt und wie viele Menschen hatte man deswegen bereits verbrannt, weil sie das beklagt hatten. Es hat sich dieses Papsttum zu einer wahren Bestie entwickelt, und die mittelalterlichen Menschen nahmen das mit zunehmndem Entstezen wahr, v.a. wenn sie wirklich tief fromm waren. Ein großer Teil der Mystiker war ausgesprochen papstskeptisch.

    Nein – das Blut all dieser Märtyrer rief zum Himmel, und die verweltlichte, machtgeile, ausbeuterische Kirche der Renaissance hat nur bekommen, was sie verdient mit der Reformation.
    Dass die Reformatoren vom selben Geblüt waren, wie die, gegen die sie ihren Aufstand machten, sollte niemanden wundern.

    Die erwähnte Frauenfeindlichkeit wurde bereits mindestens seit Bonifaz VIII. auch in Lehrschreiben kultiviert, und eine gezielte Schürung von Ressentiments gegen Frauen wurde gerade in den 200 Jahren vor der Reformation gezielt von der Kirche inszeniert. Lasterkataloge der Frauen mit hunderten von „Anklagepunkten“ durch Päpste in Auftrag gegeben, das rabiate Wegsperren von Ordensfrauen, Verhinderung von Frauenbildung; Herabwürdigung weiblicher Gottebenbildlichkeit etc. sind in zahreichen kirchlichen oder frommen Dokumenten nachweisbar.
    John Knox war in einem gewissen Sinn ein treuer Sohn der Kirche dieser Jahrhunderte – nicht anders als der Rest der Reformatoren.
    Die Polarisierung, die beide Seiten bis heute vornehmen, geht wohl am Sachverhalt ganz vorbei.

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  2. Dorrotee sagt:

    @Rabenstolz
    Martin Luther hat die Bibel teils fehlerhaft übersetzt und dabei wichtige Worte anders geschrieben (z.B. statt „Gesetzlosigkeit“ schrieb er „Gottlosigkeit“, statt „Der Glaube kommt vom Hören“ heißt es „Der Glaube kommt von der Predigt“, bei Maria wurde aus der „Gnadenvollen“ die nur „Huldvolle“, zudem Einfügung des Wortes „allein“ bei Glaube/Werke etc).
    Es war keine ausgesprochene Wohltat für das gläubige Volk, eine derart unkorrekte Übersetzung zu erhalten. Es enstand die sogenannte Luther-Bibel, die zudem beim AT unvollständig war (aus deuterokanonischen Schriften wurden Apokryphen…)
    Noch heute finden wir viele Sekten, die sich die Bibel weiter umdichten, z.B. Zeugen Jehovas.
    Meine Meinung:
    Wenn es an der Zeit gewesen wäre, dass die Bibel volkstümlicher übersetzt werden soll (es gab damals schon mehrere dutzend deutsche Übersetzungen), so hätte auch aus dem Katholitizmus noch etwas entstehen können (vielleicht einige Heilige, die zu der Zeit lebten), anstatt diesen untreuen Romhasser (er verunglimpfte den Papst als Antichristen) Martin Luther.

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    • Lutheraner sagt:

      Weißt Du, was mich befremdet hat, dass Frau Käßmann es sehr, sehr eilig hat, die große Lutherausstellung in Wittenberg schon vor Oktober zu schließen und nur noch eine kleine für das Volk zugänglich machen will, entweder ist sie neidisch, dass dann ihre Ideologieschinken sich nicht mehr verkaufen oder sie hat Angst davor, dass rauskommt, wie sehr Luthers Schriften schon entstellt sind. Es waren im Lutherhaus eine ganze Reihe interessante Schriften ausgestellt, und da wir uns in den Zeiten der Zensur befinden, gleicht dies einer halben Bücherverbrennung, da diese Schriften garantiert bald auf dem Index stehen… Auch habe ich mich in der Kirche schon mal total blamiert, weil ich eine andere Lutherbibel in den Händen hielt, als die ältere Generation, wo ein anderer die Texte noch mal aus den älteren Lutherbibeln vorlesen musste. Viele Sprachwissenschaftler und Theologen haben schon massiv Hand an der Lutherbibel angelegt und in der neuen Jubiläumsbibel sind auch nach theologischer Sicht mehr als 10.000 Stellen abgeändert wurden, aber so dass es noch als Lutherbibel erkennbar ist. Auch die Gesangsbücher wurden sprachlich dressiert und während ich im Gesangsbuch meiner Oma viele Liedtexte mit dem Wort Heil finde, sind die teilweise in den neuen schon umgeschrieben worden, wo das Wort Heil durch Synonyme ersetzt wurde. Das Lied vom Himmel hoch…., auch eine Ehrerbietung an die Gottesmutter von Luther, wurde von 15 Strophen drastisch runter gekürzt. Habe mir extra ein Gesangbuch mit Luther-Liedern gekauft und bin überrascht, wie gläubig er doch war, was in seinen Texten immer wieder zum Ausdruck kommt.

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      • Nero sagt:

        Weißt Du, Lutheraner, warum es Frau Käßmann so eilig hat, den Zugang zu Luthers Schriften zu sperren, weil auch die EKD eine Neuausgabe der Bibel plant, die dem Zeitgeist unserer ideologisierten Theologen angepasst wird. Dieser Vergleich zu der ursprünglichen Lutherbibel und seinen Lehrschriften würde sofort einem denkenden Menschen bewusst machen, dass die neue Bibel keinen Ursprung mehr in der überlieferten heiligen Schrift hat. Die Gendersprache wird schon teilweise schleichend eingeführt und soll sich im Bildungssystem nebst Frühsexualisierung durchsetzen. Nicht nur die Katholiken vom alten Schlag, die sich über ihre leicht gegenderte Bibelneufassung durch den Ersatz von Makabäer zu Makabäer und MakabäerInnen aufregen bei achgut, sondern die Protestanten müssen dann vielleicht 2018 schon noch stärkere Nerven haben, über das ideologische Schundwerk, welches man gläubigen Menschen als Bibel andrehen will. Nicht umsonst sind die Preise für die Lutherbibeln ziemlich hoch, billigste 18 Euro, Jubiläumsausgabe 25 Euro und extrem steigend.
        Die Religionen sollen gleichgeschaltet werden, dann werden auch die Bibeln billiger. Die Gendersprache soll ihren Siegeszug antreten, der Mensch soll vergessen, dass es biologische Geschlechter gibt und im Genderwahnsinn indoktriniert nur noch die sozialen Geschlechter kennen. Bei Käßmann ihren Lobeshymnen für den Islam und Bedford-Strohm seiner Mitgliedschaft im Moscheebauverein kann man darauf spekulieren, dass Gott in Allah umgetauft wird, Jesus niemals gekreuzigt wurde, denn die Osterfeiertage waren den Grünen schon immer ein Dorn im Auge und Frau Käßmann fordert dringend und eilig die Zensur, damit niemand mehr nachprüfen soll, wie die ursprünglichen Bibeltexte gravierend von den neuen Bibeltexten a la Käßmann abweichen. Aus dem durch das neue Testament Gott verantwortlichen Christen, wo niemand, auch der Klerus, das Recht hat, diesen in seinem Glauben zu unterdrücken, soll durch gravierende Änderungen dieser zum Gehorsam gegenüber seiner Klerus-Elite erzogen werden, könnte ich mir vorstellen. in der Lutherbibel wird bei Matthäus ausdrücklich vor Schriftgelehrten und Pharisäern gewarnt, die nicht Gottes Werk tun.

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      • zeitschnur sagt:

        Luthers Übersetzung enthält tatsächlich viele Verfremdungen – es haben selbst protestantische Theologen ca. 3000 Übersetzugs“fehler“ entdeckt (im ursprünglichen Luthertext).
        Mein Deutschlehrer besaß eine Lutherbibel, die damals erschienen war und der Erstausgabe folgte und auch alle handschriftlichen Randbemerkungen und Zeichnungen Luthers enthielt. Das ist schon krass, was man da so findet…
        Luthers Schriften sind teilweise theolgisch wirr – man kann schlicht nicht verstehen, was er nun genau meint, außerdem widersprüchlich und gefühlsorientiert, theologisch in vielen Details häretisch (und das unabhängig vom pervertierten Papsttum – das hat damit dann wiederum gar nichts zu tun).
        Auch kann einem bei vielem, was er schreibt, das Blut gefrieren, etwa in der Schrift gegen die „Pfaffenweihe“ und das Messopfer, wo er selbst damit beginnt, der Teufel habe ihm im Herzen klargemacht, dass sowohl das eine als auch das andere Hokuspokus sei. Ich habe das als Abdruck vom Originaldruck von 1532. das ist gruselig! Wie kann man einem solchen Mann folgen wollen und sich sogar nach ihm benennen?
        Nein – bei Luther ist so vieles ungereimt und fragwürdig – dem sollte man sich distanziert gegenüberstellen. Wir folgen doch Christus – oder?
        Es ist aber auf der katholischen Seite zwar eine große Sensibilität für die Maßlosigkeiten Luthers vorhanden, und man pflegt dort eine ständig am Leben gehaltene Empörung über Luther, man ist aber bigotterweise völlig blind dafür und kehrt dort unter den Teppich, welche Teufel in der katholischen Hierarchie wirkten. was alles an abstrusen Lehrschreiben veröffentlicht wurde und wie brutal, verschwenderisch und mörderisch die Kirche sich verhielt. Das wird alles mit Auseden und Beschönigungen herabgemindert.
        Ich persönlich frage mich, warum Hadrian VI. so früh und überraschend sterben musste. Er war der einzige Papst dieser Zeiten, vor dem ich echte Achtung habe. Er legte ein Schuldbekenntnis für die Kirche ab, das sich gewaschen hat, Er gab dabei alles zu, was der Kirche und dem Papsttum vorgeworfen wurde (!) – und das öffentlich vor ALLER WELT. Er wollte Reformen und ein Konzil, um zu retten, was zu retten ist. Immerhin hatte das Dekret „Frequens“ des Konstanzer Konzils ja vorgeschrieben, dass regelmäßig in sehr kurzen Abständen Konzilien abzuhalten seien, um die Kirche nicht wieder in diese Schieflage zu bringen, in der sie 1414 gelandet war.
        Allein – außer Martin V., der noch Synoden abhielt, wurde gleich danach dieses Dekret mit Füßen getreten und nicht mehr eingehalten. 100 Jahre später war die Kirche am Ende und die Reformation konnte mit voller Wucht durchschlagen. Hadrian wusste das alles und – starb nach anderthalb Jahren Regentschaft überraschend. Wer weiß warum. Danach verschleppte man das notwendige Konzil so lange, bis das Kind vollends im Brunnen war.
        Die katholische Kirche ist mindestens genauso schuld an diesem Zerbruch, wenn nicht sogar mehr, denn sie hätte alleine die Macht gehabt, sofort das vorgeschriebene Konzil einzuberufen, und der, der es wollte, starb seltsamerweise, und die danach lang lebten, verschoben das alles auf die lange Bank.
        Man kann, wie gesagt, den Hass auf den „Papismus“ nachvollziehen und ihm auch eine gewisse sachliche Berechtigung zusprechen, allerdings wohl kaum idS, dass man gar keine apostolischen Hirten mehr braucht. Das ist dann wohl Luthers Anteil an der Misere.
        Die Protestanten unserer Tage aber sind dermaßen degeneriert, dass sie ihre eigene Geschichte nicht mehr kennen und verstehen. Das war noch vor 100 Jahren anders. In aller Regel sind protestantische Forschungsarbeiten sogar noch vor 60 Jahren fundiert und auch in Kenntnis der gesamten tradierten Positionen geschrieben worden.
        das Reformationsjubiläum scheitert alleine schon mal an der totalen Degeneration, auch der einfachen intellektuellen Degeneration der EKD.

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  3. Rabenstolz sagt:

    Da können wir ja dankbar für unseren Martin Luther sein, bis auf seinen fanatischen Antisemitismus. Zu allen Zeiten gab es durch Regierende Agitation und Propaganda, wozu auch der Klerus gehörte, um in diesem Fall die Gläubigen mit Unwahrheiten, die ihre Macht erhalten sollten, an der Leine zu halten und eigenständiges Nachdenken über den Glauben zu verhindern, sonst hätte auch ein Herr Tetzel nicht in seinem Ablasshandel so erfolgreich sein können. Genau da liegt, wenn wir mal den Antisemitismus von Luther, der ihm eingeimpft war, beiseite lassen, der Unterschied. Luther hat nicht nur das neue Testament übersetzt, welches dem Klerus die Macht entzog, sich in ihrer Macht über die Gläubigen zu erheben, sondern auch dafür mit Mitstreitern gesorgt, dass die unterdrückten Christen eine freie Sicht zu ihrem Verhältnis zu Gott entwickeln konnten und nicht vom Klerus diktiert. Weiterhin hat er dieses Wissen auch als Lehrer nachfolgenden Generationen weiter gegeben, seinen Studenten, die das neue Testament in der Welt verbreiten sollten. Luther war Wissenschaftler und Forscher zugleich, aber eingebunden in seine Gesellschaftsschicht blind dafür, wie schlecht Bauern und Co. von manchen Adligen behandelt wurden, bis auf das Blut ausgebeutet.
    Das Paradoxum ist, dass Luther in freiheitlich denkenden adligen Kreisen, die ebenso die Bevormundung aus Rom satt hatten, seine Förderer hatte, die seine Forschung und wissenschaftliche Arbeit unterstützen. Dies erklärt auch seine Erschütterung über den Bauernkrieg 1525, wo sein ehemaliger Mitstreiter Thomas Müntzer diesen anführte und entsetzt und befremdet, sagt man, ausgesprochen haben soll: „Dass durch meine Arbeit Blut fließt, habe ich nicht gewollt“.
    Da passt es ganz gut, was ein Müntzer-Darsteller beim Festumzug sagte „Wir sind Brüder im Geiste, aber nicht in der Realität.“ Luther konnte es behütet in einer höheren Gesellschaftsschicht nicht nach vollziehen, da er ja in adligen Kreisen verkehrte, dass Menschen sich gegen die Unterdrückung ihrer Adligen erhoben, denn diese Seite zu sehen, verweigerte er sich…
    Es war eine geistige christliche Revolution, die viel in Bewegung brachte und nicht zu radikaler Gewalt aufrief, Luthers Antisemitismus mal ausgeschlossen. Auch Thomas Müntzer als Anwalt der Wehrlosen forderte nicht die Umsetzung des Glaubens mit Gewalt, sondern begehrte mit den Bauern gegen die unchristliche Unterdrückung der Adligen auf und auch das ist ein großer Unterschied zu anderen Protestanten, die den christlichen Glauben später mit eigenen ideologischen Gedanken vermischten, wo sie gegen die katholischen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern Front machten, was so auch nicht im neuen Testament steht und auch nicht von Martin Luther und Thomas Müntzer gepredigt wurde.

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    • zeitschnur sagt:

      Luther rief sehr wohl auch zu Gewalt gegen die Bauern auf. Ebenso befürwortete er die Verbrennung von Hexen. das ist alles in seinen Schriften nachweisbar.

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      • Nero sagt:

        Das war mir nicht bekannt und es wurde auch nie aufgeklärt.

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      • Lutheraner sagt:

        Liebe Zeitschnur, wenn man bedenkt in welcher Gesellschaftsschicht Luther beheimatet war und dass viele seiner Gönner Adlige waren, ist es durchaus nachvollziehbar, dass er in seiner Weltfremdheit die Seite der Adligen und nicht der Bauern verteidigt hat. Immerhin Thomas Müntzer, ein einstiger Weggefährte, als Fürsprecher der Bauern wurde in Mühlhausen dafür geköpft. Das mit den Hexen, über diese Brücke mag ich nicht gehen, und sehe darin die Schwäche von ihm, sich nicht aufgelehnt zu haben. Sei es, wie es sei, ich denke, wichtig ist doch eines für Christen, dass sie zu Jesus stehen – und dass es nahezu unmöglich ist, jedenfalls für mich, alle Hintergrundinformationen über Luther zu haben. Ich habe Luthers Thesen gelesen, sie für mich zeitgemäß übersetzt und da kann ich nicht diese mittelalterliche Ergebenheit von Luther finden.

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    • ester sagt:

      Luther hat die aufständigen Bauern verurteilt mit „was ihr tut, ist geradewegs gegen das Evangelium“, hat die Landesfürsten als „Notbischöfe“ tituliert und von denen gefordert, dem Aufstand ein Ende zu machen, mit weltlicher Gewalt!
      Dagegen richtete sich Thomas Müntzer mit den Worten „Wider das sanftlebende Fleisch zu Wittenberg!“
      Martin Luther starb als reichster Mann Wittenbergs und auch seine Frau nahm zwar in dem ihnen zur Hochzeit geschenkten Kloster eine Menge Pfarrer und Studenten auf, die sich der Reformation zugehörig fühlten, nahm diese jedoch aus wie eine Weihnachtsgans, und das, obwohl der Familie Luther vom Landesfürsten Bier, Wein, Brennmaterial usw. für den Bedarf aller Bewohner unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde.
      Frau Luther verlangte als Miete 50% mehr, als man im Reichsdurchschnitt zahlte und das – ich wiederhole mich – bei einem fürstlichen Salär ihres Gatten und der Versorgung mit den Grundgütern durch den Landesfürsten.
      Ich weiß das übrigens von einem protestantischen Pfarrer, der das voller Begeisterung seiner Gemeinde vortrug, en Detail, und seitdem sind die Luthers für mich als Vorbild revolutionärer Bewegungen und Fürsprecher für die Armen doch irgendwie nicht so das richtige Beispiel.

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