Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw: Wie objektiv sind unsere Erinnerungen?

Die deutsch-kanadische Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw gehört zu den Gewinnerinnen der 25-Frauen-Awards 2017. Shaw ist u.a. Autorin des Buches „Das trügerische Gedächtnis“.

In der Award-Begründung für diese wissenschaftliche Auszeichnung heißt es:

„Wenn es darum geht, wem wir zu 100 Prozent vertrauen können, würden die meisten wahrscheinlich sich selbst und ihr Gedächtnis nennen. Denn wenn wir uns an eine Begebenheit erinnern können, muss es ja passiert sein.

Die Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw hat das Gegenteil bewiesen und uns damit mehr oder weniger gezeigt, dass wir nicht mal uns selbst glauben können.

In einer von ihr und ihrem Team durchgeführten Studie überzeugte sie 70 Prozent ihrer Probanden davon, ein Verbrechen begangen zu haben, das tatsächlich niemals stattgefunden hat.

Damit lässt sie uns nicht nur an uns selbst zweifeln, sondern auch an der Richtigkeit vieler Verhörmethoden – und damit auch vieler Urteile.”

Shaw befasst sich in der Tradition von Elizabeth Loftus mit Erinnerungstäuschungen und dem “False Memory Syndrom”. Kürzlich sendete nano den Beitrag “Das Gedächtnis ist leicht zu manipulieren” über ihre Arbeit (ca 6 Min.).

Quelle und vollständiger Text hier: http://blog.gwup.net/2017/06/24/false-memory-syndrom-25-frauen-award-von-edition-f-fur-dr-julia-shaw/

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4 Kommentare on “Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw: Wie objektiv sind unsere Erinnerungen?”

  1. antiprotestantismus sagt:

    Also, ich erinnere mich noch sehr genau an die vielen Sünden aus meiner Kindheit und Jugend, so als wären sie erst gestern passiert. Ich sehe sie noch genau vor meinen Augen und könnte sie in allen Einzelheiten beschreiben. Kaum zu glauben, dass mich höchstwahrscheinlich mein Gedächtnis hier trügen soll. Demnach hätte ich wohl höchstwahrscheinlich Falsches gebeichtet.

    Andererseits gibt es durchaus Sünden, die man vor einiger Zeit getan hat, aber man sich nur ansatzweise daran erinnert.

    Und an viele Sünden erinnert man sich überhaupt nicht, ganz gleich, wie lange sie her sind.

    Diese Studie kann ich nicht bestätigen!

    Rätselhaft ist:
    „In einer von ihr und ihrem Team durchgeführten Studie überzeugte sie 70 Prozent ihrer Probanden davon, ein Verbrechen begangen zu haben, das tatsächlich niemals stattgefunden hat.“

    Kaum zu glauben. Wie soll das denn gehen? Wenn mir jemand einzureden versuchte, ich hätte einen Menschen ermordet, ich aber weiß, dass ich das nie getan habe, dann kann er mich auch nicht von etwas Nicht-Ketaenem überzeugen. Und wie konnte das besagte Team überhaupt wissen, dass die 70% der Probanden kein Verbrechen begangen hätten, wenn ist behaupten haben sollen, dass sie es begangen hätten.

    Keine Ahnung wie das funktionieren soll. Ich glaube das einfach nicht!

    Aber vielleicht wurde das unter Hypnose gemacht!

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    • zeitschnur sagt:

      Ich kann mir vorstellen, dass hier gemeint ist, dass der Gedächtnisinhalt manipulativ verfälscht werden kann.
      Die Studie würde dann aber eher klären, dass man als kritischer Bürger schauen soll, dass niemand so einfach Zugriff auf das eigene Gedächtnis nimmt, weil man anfällig ist und gezielt manipuliert wird. Auch die Sebstmanipulation soll man nicht unterschätzen.
      Nun weiß man aber, dass es fast keinen Menschen gibt, der immer und in jeder Hinsicht fähig ist, sich gezielter Manipulation zu entziehen.
      Wenn man sich anschaut, welch desaströse Wahrnehmung die CDU-Wähler von Merkels Politik haben, kann man nachvollziehen, was hier abläuft: viele Wähler haben eine manipulierte Erinnerung an Merkels Reden und Taten der vergangenen Jahre.
      Ähnliches ist vom 3. Reich berichtet, das ja auch schon intensiv moderne Manipulationstechniken einsetzte: viele Deutsche waren nicht in der Lage zu erinnern, was Hitler sagte, tat und was sie selbst taten. Viele brachen 1945 zusammen: das kann doch nicht sein, das stimmt doch nicht, „der Führer“ hat doch das alles nicht getan oder gewollt – dabei hat „der Führer“ ja damit nicht hinterm Berg gehalten und offen gezeigt, wer er ist. Warum haben viele das nicht erinnert, obwohl sie es erlebt haben?

      Ich finde daher – um auf den Umgang mit den Sünden zu kommen – diese Jesuitenpraxis, eine zu ausführliche „Gewissenserforschung“ aus Prinzip (abendlich) zu betreiben, ebenfalls manipulationsanfällig:
      Man manipuliert sich selbst leicht und lässt sich auch dabei leicht manipulieren. Auch innerhalb der Kirche hat man schon lange schnell begriffen, wie sehr man Menschen und ihre Erinnerung manipulieren kann. Die einen entwickeln Erinnerungen an Sünden, die sie tatsächlich so nie getan haben (etwa, was die Intentionen etc. betrifft), wieder andere werden unsicher angesichts der zu verschwommenen Erinnerung, wieder andere (und auch das haben die Jesuiten dann bis zur Perversion hin praktiziert) entwickelten eine Kasuistik, mithilfe derer man seine Sünden förmlich verwalten und gezielt archivieren und ad acta legen konnte, was im Ergebnis zu einer Fiktion von Sünde einerseits und Gutheit („Der Zweck heiligt die Mittel“) andererseits führte. Fassungslos erlebten und bemängelten ja viele Nichtkatholiken, dass Katholiken extrem skrupulös und verklemmt sein können, daneben aber auch extrem kaltschnäuzig und die schlimmsten Dinge ohne schlechtes Gewissen vollziehen.

      Es gibt aus dem Dilemma nur einen Ausweg: Man kann sich an David orientieren, der betete: „Meine verborgenen Sünden stelle mir vor Augen.“ Das heißt – nicht ich quäle mich mit systematischen Gewissenprüfungen, die das trügerische und leicht manipulierbare Gewissen nicht einberechnen, sondern ich bete um Sündenerkenntnis UND Vergebung.

      Dennoch folgt aus dieser Schwäche des Menschen nicht, dass man jede Erinnerung bewzeifeln müsste – eben je nüchterner und bewusster ein Mensch sich eben nicht in seinem Urteil (wie es die Exerzitien des Ignatius gleich als erstes fordern!) bevormunden und „führen“ lässt. Denn machen wir uns nichts vor: „Geführtwerden“ ist bei einem Erwachsenen IMMER Manipulation.

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  2. Octopuss sagt:

    Den Traum der Gründerväter, dass vielleicht in 50 Jahren mal ein starker europäischer Staat mit vielfältigen Bundesstaaten wird, haben verantwortliche Eurokraten, die sich aufführen wie Feudalherren und Feudalherrinnen, bei ihrem Umbau der EU für die neue Weltordnung für globale Finanzeliten endgültig verspielt. Im Gegenteil, sie haben in ihrem Größenwahn das friedliche Zusammenwachsen der Völker in Europa torpediert, die Souveränität Europas verspielt, mit ihrem Größenwahn, eine globale Elite zu werden, dem Frieden in Europa eine Absage erteilt und das alles nur, weil der oder die Kaiser von Europa werden wollen und nach einem Eintrag in die Geschichtsbücher lechzen.
    Ich war mal für ein Europa, was in 50 Jahren hätte entstehen können, aber nicht für dieses umgebaute Europa, welches Dank unserer Eurokraten in einen 3.-Welt-Kontinent umgebaut wird. Man kann die europäische Geschichte nicht mit der amerikanischen Geschichte vergleichen, und auch Amerika brauchte viel Zeit, damit es zu den Vereinigten Staaten von Amerika wurde.
    Was wir dank unserer Eurokraten haben, dass dieser Traum der Gründerväter durch Inkompetenz und Größenwahn verraten wurde und wenn überhaupt noch 100 Jahre braucht, da das Rad der Entwicklungsgeschichte zurück gedreht wurde und auch das ist fraglich.
    Statt die Souveränität Europas zu schützen, werden von den Eurokraten nicht integrierbare muslimische Afrikaner eingeladen, die mit ihren mittelalterlichen Vorstellungen nicht nur Glaubenskriege, sondern eine Zurückentwicklung zivilisatorischer Werte bescheren, dabei hätte man, wenn man gewollt hätte, die europäischen Außengrenzen schützen können.
    Ferner hat man jegliche Wirtschaftsgesetze für gierige globale Banken ausgehebelt, und wenn nicht Gier, sondern Vernunft Ratgeber gewesen wären, hätten auch diese erkennen müssen, dass ohne Wirtschaftswachstum auch keine Profite für Banken abfallen, die sofort die Welt global vereinnahmen und diktieren wollen, man steuert die ganze Welt in die globale Krise und wird damit selbst die Verantwortung dafür tragen, dass es keinen gesunden profitablen Rahmen auch für Banken mehr gibt.
    Mit Kriegen und Waffengeschäften überall Rohstoffe plündern und dann? Ein gesunder Handel, ein gesundes Entwicklungskonzept zwischen den Ländern und statt Verdummungskultur Bildungskultur hätten katastrophale Entwicklungen aufhalten können, die die Welt noch mehr in Armut stürzen, weil mit einer gesunden Bildung auch die Innovation immer wieder zu Wohlstand und Gewinnen beigetragen hat. Man hat das Zukunftsprojekt Europa zerstört und die Eliten fürchten sich vor den Bürgern, die man mit in diesen Untergang treibt. Europa wird inzwischen als Aggressor, nicht als friedliche Staatengemeinschaft mehr wahrgenommen.

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  3. zeitschnur sagt:

    Leider ist auch eine solche Forschung trügerisch – oder anders: sie ist Grundlage dafür, dass schon vor 150 Jahren Theologen sagten, die Evangelienberichte seien erst so spät nach den erzählten Ereignissen aufgezeichnet worden, dass allein deren Erinnerungswert fast nichts mehr wert sein könnte.
    So begann man alles anzuzweifeln.
    Im Grunde jede erzählende historische Quelle.

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