Vatikan: Ist der Amtsverlust von Kardinal Müller nur ein „Betriebsunfall“?

Von Felizitas Küble

Unter dem etwas merkwürdigen, vielleicht ironisch gemeinten Titel „Betriebsunfall in der Kurie“ veröffentlicht die katholische Zeitung „Die Tagespost“ (DT) aus Würzburg am 3. Juli 2017 einen ziemlich geharnischten Kommentar ihres Rom-Korrespondenten Guido Horst.

Der langjährige DT-Redakteur stellt zunächst fest, es gehe ein „Riss“ durch die Weltkirche und den Vatikan hinsichtlich der Kontroverse über wiederverheiratet Geschiedene und deren (Nicht-)Zulassung zur hl. Kommunion.

Die Beziehung zwischen Papst Franziskus und Kardinal Müller sieht er seit längerem als von „Sprachlosigkeit und Verstimmung“ gezeichnet. Das liege auch daran, so Horst, daß der Glaubenspräfekt kaum die Chance gehabt habe, sich „richtig einzuarbeiten“:

„Oft musste Müller lange auf die Audienzen beim Papst warten und Franziskus vertraute anderen an, was eigentlich Chefsache des deutschen Kardinals gewesen wäre.“ 

Der Autor erinnert daran, daß der Pontifex den Wiener Erzbischof Schönborn als „seinen Chef-Theologen“ präsentiert habe. (Viele Beobachter hatten daher wohl auch geglaubt, Kardinal Schönborn werde künftiger Glaubenspräfekt.) Überdies habe Müller auf die Schlußfassung von „Amoris laetitia“ (päpstliches Schreiben über die „Freude der Liebe“) so gut wie keinen Einfluß ausüben können.

Treue zur Glaubenslehre – oder zu den Amtsvorgängern?

DT-Korrespondent Horst schreibt sodann weiter:

„In dieser Situation hat sich Kardinal Müller nicht aufs Schweigen beschränkt. In Interviews und Vorträgen ließ er durchblicken, dass da mehr ist als nur ein dünnes Blatt Papier, das ihn vom Papst trennt.

Franziskus erträgt keinen Widerspruch und hatte wenig Verständnis dafür, dass Müller als Glaubenspräfekt ebenso eine Loyalitätspflicht gegenüber der Verkündigung der Vorgänger auf dem Petrusstuhl zu erfüllen hat – gerade auch in Sachen Ehe- und Sakramentenpastoral.“

Aus der Kenntnis der theologischen Schriften Müllers  – auch aus seinen  jüngsten Büchern  – ergibt sich allerdings, daß es ihm in der Ehe- und Sakramenten-Causa vor allem um die zweitausendjährigen Lehre der Kirche geht, um das biblische Zeugnis und die Überlieferung der Kirchenväter, um das treue Festhalten an der Botschaft Christi.

Hier sah der Kardinal in erster Linie seine Loyalität –  nicht so sehr darin, sich an den Amtsvorgängern von Papst Franziskus zu orientieren. Das tat er zwar der Sache nach, aber nicht so sehr, weil sie sich entsprechend geäußert haben, sondern weil ihre diesbezügliche Aussagen der biblischen und gesamtkirchlichen Tradition entsprechen.

Die katholische „Tagespost“ ist nicht die einzige, die sich verwundert über die päpstliche Personalpolitik zeigt. Sogar der (wohl kaum als „konservativer Hardliner“ verdächtige) SPD-Politiker Albert Schmid äußert sich per Interview kritisch über den Führungsstil von Franziskus:

Der ehem. Chef des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, der im guten Kontakt mit Kardinal Müller steht, erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, er sei „schockiert“ über den Wechsel an der Spitze der Glaubenskongregation. Der Sozialdemokrat sagte dem BR weiter, bisher sei er der Meinung gewesen, „dass man innerkirchlich auch Spannungen bei wichtigen Themen wie der Ehe aushalten kann, ohne dass man zu personalpolitischen Brachialmaßnahmen greift“. 

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Bistum Regensburg, Michaela Koller

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9 Kommentare on “Vatikan: Ist der Amtsverlust von Kardinal Müller nur ein „Betriebsunfall“?”

  1. Muddi sagt:

    Von so einem Amt tritt man nicht zurück,das ist Berufung und nicht Beruf.Deshalb glaub ich nie und nimmer,dass Benedikt freiwillig gegangen ist.Der Franz hat den Glauben verraten,so sehen das Viele und er wird noch weitermachen damit,so seh ich das.

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    • Egbert W Gerlich sagt:

      Ein Papst kann nach meinem subjektiven Dafürhalten keineswegs zurücktreten, und „ein Papst em“ ist eine Unmöglichkeit. Ein Kurienkardinal aber muss zwingend zurücktreten, wenn er die Unterstützung des Papstes verliert.

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      • zeitschnur sagt:

        ???
        Wir HABEN einen papa emeritus!
        Wenn schon Total-Willkür des Papstes, dann auch so…

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      • Egbert W Gerlich sagt:

        Das „em“ ist völlig bedeutungslos; wir leben formal mit zwei Päpsten. Ist das gottgewollt? Die Gänswein-These, wonach sich beide die Arbeit teilten, ist nicht besser, weil der Sekretär Erzbischof geworden ist.
        Warum hat Benedikt nicht einfach einen Geschäftsführer ernannt? Warum wurde dieses Em-Konstrukt zusammengeschustert – hätte Benedikt den Platz sonst nicht geräumt? Warum hat er an der Papst-Bezeichnung festgehalten (aus Titelsucht sicher nicht)? Warum hat es seither keine Lehramts-Entscheidung gegeben (Amoris laetitia ist ausdrücklich kein lehramtliches Dokument, also nicht verbindlicher als die Benedikt’sche Jesus-Trilogie)? Warum drückt man sich um die Dubia?
        Warten wir doch mal ab, ob wir eine ex-cathedra-Entscheidung bekommen…

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  2. Anonymous sagt:

    Der Amtskirche wird heute auch wieder vorgeworfen, daß sie sich im Dritten Reich bereichert hat. Hat sich etwas geändert ?

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  3. Kass sagt:

    Es ist kein Betriebsunfall, sondern die Konsequenz daraus, dass Franziskus das Christentum verraten hat und einen Pakt mit den Muslimen eingegangen ist. Dies in dem Wahn, mit seiner ideologisch verblendeten Welt-Einheit-Religion die Menschen unter das Joch des Klerus zu zwingen, dem sie gehorchen sollen. Man spricht als Christ nicht vor der UNO, welche die 10 christlichen Gebote Gottes durch die nahezu 50 Gebote der globalen Weltelite ersetzen will, denn damit hat man Christus und den christlichen Glauben verraten. Papst Franziskus schätzt die UNO mehr als den christlichen Glauben und Kardinal Müller macht sich Illusionen, wenn er denkt, er könne in Rom bleiben. Die Rolle als Vermittler steht ihm nicht, auch wenn Müller versucht hat, das Christentum durch Kompromisse mit dem Dienstherren zu verteidigen, welcher nach der absoluten Macht über die Menschheit strebt.

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  4. Hat dies auf philosophia perennis rebloggt und kommentierte:

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  5. Egbert W Gerlich sagt:

    Sehr richtig, es geht nicht um die „Vorgänger auf dem Petrusstuhl“, sondern um Christus und die göttlichen Offenbarungen.
    Die unglaubliche Unterwürfigkeit des Kardinals aber war und ist (immer noch!) ein Zeichen von völlig falsch verstandener Loyalität oder aber von Schwäche. Ein Rücktritt war schon längst fällig gewesen (gerade im Hinblick auf die Verkündigung der Wahrheit), andererseits eine Entlassung (allerdings in würdiger Form) ebenso.

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