Heinrich Heine: Der Himmel, das Meer und der Heiland der Welt

Hoch am Himmel stand die Sonne,
Von weißen Wolken umwogt,
Das Meer war still,
Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,
Träumerisch sinnend, – und halb im Wachen
Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,
Den Heiland der Welt.
Im wallend weißen Gewande
Wandelt er riesengroß
Über Land und Meer;
Es ragte sein Haupt in den Himmel,
Die Hände streckte er segnend
Über Land und Meer;
Und als ein Herz in der Brust
Trug er die Sonne,
Die rote, flammende Sonne,
Und das rote, flammende Sonnenherz
Goß seine Gnadenstrahlen
Und sein holdes, liebseliges Licht,
Erleuchtend und wärmend,
Über Land und Meer.

Heinrich Heine

Fortsetzung des Gedichts von Heine hier: https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/BdL/Nordsee-12.html

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


5 Kommentare on “Heinrich Heine: Der Himmel, das Meer und der Heiland der Welt”

  1. Bernhard sagt:

    Ich weiß nicht, was ich von diesem Gedicht halten soll. Gerade Heinrich Heine…

    Er war sicherlich kein gläubiger Mensch und hat sich über den Glauben anderer auch öfter mal lustig gemacht. Da frage ich mich wie immer: Was ist ernst gemeint, und was ironisch.

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    • zeitschnur sagt:

      …Heine hat sich am Ende seines Lebens der Religion zugewandt, allerdings nicht ganz so eindeutig christlich, wie manche es gerne hätten. Es war eher jüdisch (er stammte ursprünglich aus dem Judentum).
      Das hier ist eine Vision, die die Wolken als das Gewand Jesu deuten, die Sonne als das Herz Jesu, wohingegen sein Haupt über den Himmel ragt und von uns aus nicht zu sehen ist.
      Ironie dürfte das kaum gewesen sein.
      Interessante Forschungsarbeit darüber hier kurz rezensiert: http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/extras/rezensionen_details?k_beitrag=2144507

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      • Guten Tag,
        die Rückfrage von „Bernhard“ ist grundsätzlich berechtigt, zumal Heine auch Gedichte schrieb (zumal in puncto Religion), bei denen man nicht unbedingt sofort die Ironie erkennt. Allerdings hätte ich das Gedicht hier nicht veröffentlicht, wenn es zu dieser satirischen Kategorie gehören würde.
        Abgesehen davon: Heines Kritik an der fatalen antijüdischen Traditionslinie innerhalb der Christenheit war natürlich (vielleicht nicht in jedem Detail, aber insgesamt) berechtigt, er schrieb mehrfach vom „tausendjährigen Schmerz“ (im Hochmittelalter wurde die Judenverfolgung systematischer, zumal im Kontext der Kreuzzüge).
        Heines Rückkehr zum Glauben, nachdem er lange genug „bei den Hegelianern die Schweine gehütet“ hatte (so sein Ausdruck!), bezog sich eindeutig auf die Rückkehr zum Glauben „seiner Väter“, also zum Judentum. Seine frühere Taufe war keine Überzeugungstat, sondern für ihn quasi die Eintrittskarte in die bürgerliche Gesellschaft (diese Form der „Assimilation“ geschah relativ häufig, meist in die protestantischen Konfessionen hinein).
        Nach Heines später Hinwendung zum Gottesglauben des Judentums wurde er von atheistischen, marxistischen, radikal-„aufgeklärten“ und-so-weiter Zeitgenossen scharf kritisiert, worauf sich Heine über deren Intoleranz beschwerte.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • J.WalfischSchnucki sagt:

        mir kam es beim lesen auch wie so eine Vision vor. Carl Gustav Jung hätte es als Nachhilfe- Unterricht interpretiert. Ich könnte bis heute nicht sagen welches Wort richtig und angemessen wäre – ob Traum, Vision oder …mmh? Meist brauch man den Menschen nur „ganz Ohr“ , also richtig zuhören. Der Träumer träumt die Bedeutung! Also es bedarf keiner weiteren menschlichen Interpretation! Hier scheint es eine bildliche Vision zu sein > und folglich beschreibt er das gesehene. Wer ein wenig belesen ist – kann nicht von einer bloß persönlichen Botschaft sprechen. Die Veröffentlichung erreicht ja viele – und es passiert was passiert.
        Durch diese Art können viele symbolische Botschaften in scheinbar moderner Form den heutigen Menschen erreichen – bis das sie ihm eine göttliche Rettung zeigen. Dieses sind für den „Kenner“ deutlichste UR-Symbole oder (Wieder-) Geburtssymbole mit himmlischen Stadt-Charakter. Neulich kam mir die Idee, das dieser Eric v. Dänicken eigentlich der Katholischen Objektivität voll gerecht wird. Sie müssten nur noch kommen, die A….irdischen. Auch c.G. jung veröffentliche so eine Botschaft, wo diese Wesen sagten: Alle Außerirdischen kennen den Christus. Die wenigen wirklich sinnvollen Hinweise, später praktischer Natur findet man alle in dieser Sparte von LiteraturErscheinung der Siebziger und Achtziger. Die Vernunft hat da keine Change.
        Ähmm, sehr interessant ist in der Vision OBEN ein vierter BewusstseinsZustand, der sein Erleben typisch beschreibt: „Träumerisch sinnend, halb wach – halb im Schlummer“. Diesen Zustand ist etwas gaaanz besonders – ihn gibt es eigentlich gar nicht heute (neben Schlafen, Wachen, Träumen-d den jeweiligen Übergang zum anderen Ufer)! Weltweit sind es meist Begnadete, die diesen Zustand klar bezeugen dann wie hier nebenbei. Folglich ist man sich diesen Zustandes klar bewusst. Leider müsste die Kirche diese Hinweise zur später (im WalfischBauch) nachgeholten Bewusstwerdung > als synkrezitistisch brandmarken. Ich vermute der NormalBürger kann damit nichts anfangen. Es ist möglicher weise so einfach.
        In der christlichen Einweihung, womit der Tod dann überwunden wird sieht man in diesen Rot des Herzens: ERZengel Mickhael der eine Grüne Schlange überwindet als Triumphator. Das diese Kräfte das Denken und den OrdnungsSinn bedeuten im praktischen Leben muss hier nicht extra erwähnt werden. Auch ist er mehr als nur ein Erzengel, da es Willenskräfte sind, die diese noch höheren Kräfte dann sind. Hat jemand schon einmal diese Hierarchie- Lehre aus dem 8. Jh.??? ins deutsche übertragen und erläutert?

        Zum möglichen Löschen eine Frage an Frau Küble:

        Neulich beim baden kam mir die Idee der Nachfrage ob die Amerikaner als Alliierte nach dem Kriegsende diese „MauriziusLanze“, auch Speer des Schicksals genannt, wieder nach Wien von Nürnberg zurück gebracht? Also speziell das ORGINAL!?

        Jesus Christus wurde doch von so einem römischen Legionär in die …Rippe am Kreuz gestochen > „und heraus kam Blut und Wasser“ > welches auf einen Bild von Hildegard von Bingen von „Frau Kirche“ in einem Kelch aufgefangen wird.
        Es gibt Überlieferungen es war der germanische Lomgistus dieser Legionär…?
        Fakt ist, das dieser Speer 1354 auf Wunsch von Karl IV. erkennt Pabst Innozenz VI. die deutsche Reichslanze ausdrücklich als einzige echte Passionslanze an.
        Dazu muss man wohl wissen das es allein in Österreich an Donau-Klöstern über 200 Kopien geben soll! Und historisch taucht die Bezeichnung mit „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ da irgendwie auf. Da findet man dann nichts mehr ,direkt, im InterNet.
        Bei Euch wäre das eine Reliqiue, oder?

        Hitler holte sie wohl aus der Wiener Hofburg aus den Königs- und Kaiser-Schätzen?
        So als solle dieser Speer das Schicksal zu Gunsten von …? beinflussen.
        Etymologisch hießen die heute FreiStaat-Bayern früher Franken, diese hatten im Grimmschen Wörterbuch auch einen Speer!!! dieser hieß „Frank“. Auch dieser JungsName wird vom 15. Jh. daher nachgewiesen mit den Bedeutungen „frech & frank & frei“.

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