Italien: Katholische Kontroverse um ultralinke Massenabtreiberin Emma Bonino

Am 31. Juli 2017 veröffentlichte das Nachrichtenportal „kath.net“ folgende Meldung:

„Emma Bonino, eine italienische Linksaktivistin, die damit prahlt, über 10.000 illegale Abtreibung durchgeführt zu haben, trat vor wenigen Tagen in einer italienischen Pfarrei auf. 

Bonino, die bereits italienische Ministerin war, sprach in der Pfarrei San Defendeten über Immigration und Flüchtlinge. Bonino soll für ihr Engagment für Flüchtlinge auch von Papst Papst Franziskus gelobt worden sein.

Ihr Auftreten für Abtreibung, Drogen und gelebte Homosexualität stehen im Widerspruch zu Lehre der katholischen Kirche.“

Eingeladen wurde diese Massenabtreiberin von der italienischen Caritas. Katholiken, die gegen ihren Auftritt protestierten, durften laut Medienmeldungen nicht an dem Vortrag teilnehmen bzw. wurden sogar von der Polizei abgeführt.

Zum Hinweis in „kath.net“, die ultralinke „Flüchtlings-Engagierte“ sei von Papst Franziskus „gelobt“ worden, zitieren wir aus einem Bericht der internationalen katholischen Nachrichtenagentur ZENIT vom 8. November 2016:

„Papst Franziskus hat die ehem. italienische Außenministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino in Privataudienz empfangen.

Es war die dritte Begegnung zwischen dem Papst und der Politikerin der ‪„Radikalen Partei“. Am 2. Mai 2015 hatte Franziskus Bonino sogar angerufen, um sich über ihre Gesundheit zu erkundigen; sie bezeichnete den Anruf damals als ‪„überraschend“ und ‪„angenehm“.

Die italienische Politikerin befürwortet Abtreibung und Euthanasie. Die Frauenrechtlerin ist zudem wegen ihren Einsatzes für die Rechte von Gefangenen bekannt.“

Kommentar überflüssig.

Ausführlicher Bericht über die Veranstaltung mit Frau Bonino hier: http://beiboot-petri.blogspot.de/2017/07/noch-einmal-der-bonino-skandal-in.html

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13 Kommentare on “Italien: Katholische Kontroverse um ultralinke Massenabtreiberin Emma Bonino”

  1. zeitschnur sagt:

    Weil in den letzten Tagen immer wieder Kommentatoren schrieben, das Volk sei ja mindestens genauso schuld an allem wie die Oberen bzw sich sofort an die eigene Brust schlagen, wenn man die schwere Abirrung der Oberen benennt (was zwar prinzipiell richtig ist, diese Oberen aber dennoch nicht entlasten kann), möchte ich noch eine Schriftstelle anführen, die etwas anderes lehrt:

    Das Volk richtet sich in aller Regel (von der Ausnahme einzelner fester Geister abgesehen, die aber noch nie eine Mehrheit stellen konnten) nach den Oberen. Es nimmt ihre Sicht ein. Die Großen sorgen auch, seit man es zurückverfolgen kann, dafür, dass das Volk im Ganzen nicht zu eigenständig wird, nicht zu viele gebildete Geister entwickelt. Wie Jesus es sagt, unterdrücken die Fürsten ihre Völker, damit sie sich nicht entfalten können. Obwohl Jesus sagte, dass es bei uns nicht so sein soll, trat das Christentum dann nach wenigen Jahrhunderten doch mit diesem irdischen Machtanspruch auf.

    Man kann den Niedergang unserer Bildung durchaus als gezielte Verblödungsaktion ansehen, auch das ganze alberne Gequake von den „Fake News“, die natürlich immer nur die „anderen“ produzieren, während Merkels „postfaktische“ Wirklichkeitsschmieder Fake News am laufenden Meter produziert und ohne rechtliche Folgen in die staatlichen Medien einspeist….

    Ich habe gerade ein interessantes Psalmgebet gelesen:

    „14 Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; sie sollen nicht über mich herrschen. Dann bin ich ohne Makel und rein von schwerer Schuld.
    15 Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen; was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, Herr, mein Fels und mein Erlöser…“ (Ps 19)

    Diese Stelle spricht deutlich aus, dass die, die „herrschen“, automatisch die Seelen verführen, eben weil sie „herrschen“. Der Psalmist würde nicht so beten, wenn er nicht um diese Gefahr wüsste, die über uns schwebt, wenn wir eine böse Regierung haben. Wir nehmen automatisch ihre Sicht an oder aber die Sicht derer, die dieser Regierung die Stirn bieten und gegen sie opponieren. Beide sind ungerecht.

    Der Psalmist bittet nicht um den Sturz der ungerechten Oberen, sondern darum, dass sie es nicht schaffen können, über ihn zu herrschen, auch wenn sie es scheinbar nach außen hin tun.

    Wir sollten uns warnen lassen von solchen Worten – auch, wenn es um die Beurteilung von politischen Ereignissen geht, etwa Venezuela: die „Opposition“ dort ist nicht auf der Basis einer Einsicht, sondern irgendwer finanziert diesen Aufstand gegen den legitimen Regierenden, der viele Fehler macht, aber eben doch legitim ist. Das Volk hört immer auf Stimmen, die ihm übergeordnet sind in dieser Welt.
    Wir sollen aber auf Gott alleine hören.
    Eine Lehre, die die Stimme Gottes aus den Herzen verlagert in armselige, menschliche Herrscher, in den geschwollenen Kamm eines erbärmlichen Mannes, sollte man mit Misstrauen ansehen. Auch in der Kirche.

    Oder warum haben wir noch nie erlebt, dass Päpste gezittert haben vor ihrer Verantwortung und vor Gottesfurcht?
    Eben.
    Sie tun so oft, ja sogar meistens nur das, was sie sich ausgedacht haben.

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  2. Veronika sagt:

    PS: Kardinal Meisner argumentierte in seinen Brief an katholische Spitäler damit, dass diese Pille nicht abtreibend wirke, sondern die Zeugung verhindere. Da war er aber falsch informiert. Ob die Pille danach verhütend oder abtreibend wirkt, hängt davon ab, ob die Einahme vor oder nach dem Eisprung passiert. Die meisten Frauen beobachten aber leider ihren Zyklus nicht und wissen nicht über ihre Eisprungtage Bescheid. Dabei kann man die Eizellenreifung heutzutage viel einfacher feststellen, als zur Zeit von Humanae vitae, da es billige Computer gibt (Persona), die das Eisprunghormon im Urin festellen können.

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  3. Veronika sagt:

    Solche Freundschaften mit Abtreibern können gefährlich sein, das zeigt nicht nicht nur dass Beispiel von Papst Franziskus, sondern auch das Beispiel von Kardinal Meisner, der sich wegen der Unauflöslichkeit der Ehe offen mit Franziskus anlegte. In einem Internetbeitrag auf ihrer Homepage würdigt Alice Schwarzer Kardinal Meisner und deutet an, dass Sie mit ihm deutlich enger war als bisher gedacht. Offenbar schätzte Meisner sie wegen ihres Kampfes gegen Pornographie und Prostitution, wofür Schwarzer selber Beispiele bringt. Schwarzer lobt Meisner, dass er in den katholischen Kliniken seiner Diözese die „Pille danach“ freigab, und lässt durchblicken, dass sie daran möglicherweise nicht ganz unschuldig war! Auch der „Cicero“ findet das cool!
    http://cicero.de/kultur/alice-schwarzer-ueber-kardinal-meisner-der-erzbischof-und-die-feministin-

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  4. Hat dies auf philosophia perennis rebloggt und kommentierte:
    Inzwischen verstehe ich die Sedisvakantisten besser …

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  5. zeitschnur sagt:

    Was für ein Sumpf – man runzelt die Stirn und fragt sich, wo hier der rote Faden ist. Dem Anschein nach hat F. mit Bonino ein Gespräch wegen der Flüchtlingssache und weil sie eben EU-Kommissarin ist. Soweit erst mal so gut. Und dass er sie 2015 angerufen hatte, als sie an Krebs erkrankt war – naja, warum auch nicht? Das ist für sich genommen doch etwas Nettes. Bloß wüsste man gerne, warum er andere kranke Leute, die etwas andere Ansichten haben als Bonino, nicht anruft. Erst das ruft Fragen hervor. Aber bitte – dieser Papst ist unberechenbar und handelt willkürlich. Schließlich ist er der Papst und keinem Rechenschaft schuldig. Per Dogma „ist“ ja er der Fels (mein Fels ist aber Christus), und vorsorglich hat man 1870 ja in die dogmatische Konstitution geschrieben

    „Wer immer daher auf diesem Stuhl Nachfolger Petri wird, der erlangt nach der Bestimmung Christi selbst auch den Primat Petri über die gesamte Kirche.“ (Pastor aeternuns Kap. 7).

    Es ist nicht zu fassen, wie man einen solchen Satz loslassen konnte – aber bitte, gerade die, die heute jammern, haben genau das doch mit enormer Vehemenz so haben wollen und beklatscht und ihre unbedingte „Papsttreue“ bis zum Abtritt Benedikts zu Protokoll gegeben. Diese Papsttreue war ja prinzipieller Natur und nicht persönlicher – oder etwa doch?! Wir haben also bekommen, was wir verdient haben. Niemand, der noch bei Benedikt Papstgläubiger war, soll also jammern – das ist genau das, wovor das umnachtete Konzil vor 150 Jahren gewarnt worden war, umsonst gewarnt worden war. Was damals Fanatiker um jeden Preis durchsetzen wollten und durchgesetzt haben, richtet uns heute endgültig zugrunde. Und bitte nicht vergessen: dieselben, die heute jammern und klagen über F. sind identisch mit denen, die das Vaticanum I für das rechtgläubige Gegenstück zum Vaticanum II halten. Ihr habt euch grandios geirrt – das ist das Problem. Ein F. war und ist in diesem Äon immer zu erwarten, mit ein wenig Menschenverstand hätte man das immer wissen können…

    „Wer immer daher auf diesem Stuhl Nachfolger Petri wird…“ – wir haben nun einen „Wer immer“ und müssen das akzeptieren. Ob wir aber diesem Mann folgen dürfen – das Vaticanum I schreibt es uns leider unter der Drohung, exkommuniziert zu sein, vor, wenn wir nicht in „wahrem Gehorsam“ einem „Wer immer“ folgen. ja, man hat uns damals prophezeit „Schiffbruch“ zu erleiden, wenn wir ihm nicht folgen.

    Der Katholik hat also in der Situation heute die Wahl zwischen Pest und Cholera. Egal wie er es anstellt, er ist immer ins Unrecht gesetzt seit 1870. Folgt er einem Papst, der ihm ungut erscheint, nicht, verstößt er gegen die prinzipielle Verpflichtung, dem Papst mit „wahrem Gehorsam“ zu folgen und gilt als ausgeschlossen (woraus folgt, dass fast alle Konservativen bereits exkommuniziert sind). Folgt er dem unguten Papst aber mit „wahrem Gehorsam“, stimmt er dem offenen Unrecht zu – und das wiegt schwerer, denn man beleidigt damit Gott. Suchen wir uns also was aus. Der gesunde Reflex wählt die erstere „Krankheit“.

    Ich habe also keinen Rat, und mir schwant, dass es nach F. oder auch nach Benedikts Tod die Kirche, wie wir sie kannten, nicht mehr geben wird. Es ist ja nicht nur der Papst so – alleine dass die Caritas Bonino einlädt, ist nur typisch für die weltweite Situation in der Kirche. Schauen wir uns doch nur unsere deutschen Bischöfe an.

    Was sich hier vollzieht, kann nur schattenhaft erfasst werden. Wir spüren, dass da etwas überhaupt nicht mehr stimmt, dass sich entweder eine Dynamik der Selbstzerstörung vollzieht, die alles in ihren Strudel reißt, in Eigendynamik gewissermaßen, oder hier wird wirklich – was ich kaum glauben mag, aber nicht ausschließen kann – eine Agenda abgearbeitet.
    Ich habe viel gelesen, und ich habe auch gelesen, dass dieses Szenario schon 1870 vorhergeseheh wurde – aber nicht von den Anhängern Pius IX. Und das ist der springende Punkt, den viele starrsinnig und hartnäckig nicht begreifen wollen. Und auch über diese muss man sich Gedanken machen, denn der Starrsinn spricht u.U. dafür, dass diese scheinbaren oder angeblichen Traditionalisten in Wahrheit die Vorhut für das sind, was erst noch kommen soll und das Werk F.s, das im Auftreten sehr wohl an Pius IX. erinnert, erst zur vollen Entfaltung bringen wird.

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    • Bernhard sagt:

      Na ja, Papst Franziskus hat ja schon viele Leute angerufen, gescheite und ungebildete, gläubige und ungläubige. Mir leuchtet auch nicht ein, dass er ausgerechnet diese Frau anrufen musste, aber Einseitigkeit bei seinen Anrufen kann man ihm wohl nicht vorwerfen.

      Na ja, Jesus sagte ja „du bist der Fels, und auf diesen Felsen…“. Ob der Papst nun wirklich der Nachfolger des Petrus ist, darüber streiten sich Katholiken und andere Christen. Wenn er es aber ist, dann kann man ihn auch als „Felsen“ bezeichnen.

      Was die Einladung dieser Frau anbelangt, bin ich mir unsicher, was ich davon denken soll. Es ging bei der Veranstaltung ja nicht um Lebensschutz, sondern um Flüchtlinge. Da kann man ihre Meinung durchaus einmal hören. Andererseits macht man damit Werbung für ihre Person, was nicht gut ist.

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      • zeitschnur sagt:

        …ich wies in einem anderen Thread schon drauf hin: Jesus sagte nicht „Du bist der Fels“. Er sagte: „Du bist Petrus (Petros) (was auch nicht direkt „Fels“ heißt, sondern eine Ableitung vom Wort „petra“ (Fels, Stein) ist), und auf diesen Felsen (hier dann „Petra“) will ich…

        Ich finde das schwierig. Was heißt denn ein solcher Satz nach allen Regeln der Sprachlogik?

        Die größte Schwierigkeit ist aber, dass Jesus hier dem „neuen Menschen“ einen Namen gibt, dem, der den Christus bekennt: er nennt den neuen Menschen „Stein“. Aus dem schankenden, taumelnden Sünder wird ein fester Mensch.
        Und derselbe Petrus nennt später alle Gläubigen „lebendige Steine“, während er als Felsenfundament Christus nennt. Als er selbst den Herrn verleugnete, nannte Jesus ihn nicht mehr „Petrus – das fällt den Papalisten meist nicht auf, aber es ist so…(Schlusstext Johannes-Evangelium: jesus nennt ihn wieder „SImon, Sohn des Johannes“…
        Der alte, sündhafte Mensch kann niemals „Stein“ in diesem Sinne sein.
        Selbst in der Schrift ist „Petrus“ kein Amtsname, sondern ein Name, der auch wieder verlustig gehen kann, wenn derjenige nicht einlöst, was er bedeutet.
        Warum sollte das dann bei dem ohnehin umstrittenen Papstamt so sein?
        Ich kann aus der Schriftstelle nicht ersehen, dass sich daras ein so weitreichendes „Amt“ ableiten lässt, schon gar nicht das eines „Stellvertreters“. Wer ein bisschen etwas von Sprachlogik versteht, muss das zugeben. und vor allem haben auch die Kirchenväter durchweg nicht das drunter verstanden, was man 1870 durchpeitschen wollte.. und selbst 1870 noch war ein großer Teil der Kirche entsetzt über diese Deutung, weil sie einfach zu weit geht und in das Hoheitsgebiet Gottes eingegriffen hat.
        Was ist denn damals wirklich ausgesagt worden von Jesus?
        Petrus wurde als der erste, der ein Christusbekenntnis aussprach so bezeichnet, aber er selbst bezeichnete am Ende alle als „Steine“, wenn sie ein Christusbekenntnis ablegen.
        Mit diesem Christusbekenntnis fing der Glaube an, aber er blieb dabei nicht stehen. Und vor allem übertrug Jesus die Kompetenz, zu „binden und zu lösen“ (was in seiner Bedeutung theologisch nicht geklärt ist) auf alle Apostel – auch das unterdrückt der Papalismus.
        Natürlich kann man sagen, es leite sich die menchliche Hinwendung zum Christus aus diesem Erstbekenntnis des Petrus her. Aber diese Sicht ist schon insofern gänzlich falsch, als die allererste Hinwendung gnadenhaft eben nicht durch petrus geschah – längst nicht!
        Sie geschah durch Maria und in Maria!

        Es kommt daher nicht von ungefähr, dass das sich selbst ermächtigende Papsttum großen Wert drauf gelegt hat, die, die ihm eigentlich vorausgeht und ihm vorgelagert wurde, ganz in den Griff zu bekommen: seither beten viele Katholiken eine verkitschte, süßliche Maria an, die alle Naselang erscheint und papsttreue Sprüche klopft. Die freie und gnadenhaft bevorzugte Frau Maria gibt es nicht mehr: der Papst hat sie voll im Griff. Das ist prozesshaft so geschehen.

        Man kann schwerlich aus den persönlichen Worten Jesu an Simon ein dermaßen überspanntes „Amt“ ableiten, und vor allem muss gelten, was auch damals galt: erfüllt dieser Petrus nicht, was sein name andeutet, ist er wieder der alte Sünder, der Simon, und es gibt keinen Grund, die Gläubigen an dessen Sündhaftigkeit zu binden.
        Darin liegt der Kardinalfehler.
        Genau dies mahnte aber seinerzeit beriets Jan Hus an, der sonst alles annahm, was die Kirche lehrte – aber das nicht, ebenweil das Papsttum auch damals schon Hort der Sünde war und dafür brachte man ihn als Menschenopfer dar – für einen Menschen und seine Machtinstitution. Ich bin erleichtert, dass JP II das als Unrecht bezeichnet hat. Immerhin.

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      • Jesus hat mit Sicherheit weder „Petros“ noch „petra“ gesagt, sondern aller Wahrscheinlichkeit aramäisch „kephas“ („Fels“). In dieser Sprache hatte er nicht das Problem wie im Griechischen, daß „petra“ grammatisch feminin ist und so schlecht als Name für einen Mann paßt. Der Evangelist hat sich mit der Neubildung „Petros“ dieser Problematik entzogen.

        Im übrigen ist die „Beleihung“ Petri mit dem „Weiden meiner [Christi] Lämmer“ unmißverständlich. Sie hätte auch gar keinen Sinn, wenn sie nicht auf die Zukunft, also auf die Nachfolger Petri zielen würde. Die griechisch-orthodoxe Idee, damit sei nur eine Art „Ehrenprimat“ gemeint, ist geradezu albern: Christus verleiht keine „Ehrenprälaturen“ oder Sinekuren, also keine Ämter ohne mit ihnen verbundene Aufgaben und Vollmachten.

        Auch rein logisch verstehe ich nicht, wie eine „Lehre Christi“ den Gläubigen in aller Zeit, also gerade in Streitfällen erkennbar bleiben soll, wenn es nicht eine Autorität in ihr gibt, die ihnen sagen kann, was die „Lehre Christi“ ist. Außer dem Bischof von Rom hat niemand den Anspruch erhoben – und ist ihm auch weitgehend zugebilligt worden -, diese Autorität zu haben.

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      • zeitschnur sagt:

        @ Dr. Heger

        Die Idee vom Ehrenprimat überzeugt mich auch nicht. Ich habe dafür nicht ein Wort ausgesprochen. Das kam hoffentlich rüber.
        Ich sehe schon, dass dem Petrus ein gewisser Vorrang zugesprochen war, aber eben nicht in diesem überspannten Sinn, der ja 1870 soweit ging, dass infallibilistische Bischöfe den Papst zur dritten Inkarnation Christi erklärt haben. Das ist häretisch, aber diese Ultramontanen waren so verblendet, dass sie das nicht mehr erkannten!

        Man sollte irgendwo das Maß halten können, aber genau das war nicht möglich.
        Wenn Sie die Titel sehen, die sich das Papsttum mit zunehmender Entfernung von der Zeit Jesu und der Kirchenväter zulegte, entdecken Sie, dass der einfache, schlichte „Stein“-und „Hirten“-Name angereichert wurde um die alten heidnischen Herrschertitel. Das ist insofern die Rückkehr des Heidnischen in die Kirche, als der römische Kaiser der heidnische Oberpriester ist. Aus diesem Hintergrund kommt ja letztendlich auch der Streit zwischen Kaiser und Papst, wer nun der echte „vicarius Christi“ sei – das ist aber heidnische Denke: es gibt im Glauben keine „Stellvertreter“ Christi. Weil Christus Mensch geworden ist wie wir, vertritt er uns und nicht wir ihn. Aber die blasphemische Anmaßung, die in der heidnischen Um- und Rückdeutung des Kampfes darum, wer nun „christlicher“ „Stellvertreter Gottes“ ist, steckt, wurde systematisch verwischt in der Kirche.

        Es geht aus der Schrift in keinster Weise diese Oberpriester-Ver-Amtlichung hervor. Wenn man es so verstanden hätte wie in Isael, im Sinne eines Hohepriestertums, das wäre evtl. noch verkraftbar gewesen, aber man wählte bewusst die heidnische Variante, die den Oberpriester (wenn auch selbst bei den Heiden erst posthum!) mit Gott gleichsetzte. Israel kannte eine solche Anmaßung niemals!

        Dass Petrus in keinster Weise so verstanden wurde, sieht man alleine daran, dass Paulus jahrelang Eucharistiefeiern abhielt, ohne Petrus überhaupt gekannt zu haben, geschweige denn von ihm abgesegnet worden zu sein. Nach der Aussage Pauli hat Christus selbst ihn das alles gelehrt! Zwar hat er – eben erst nach vielen Jahren – den Kontakt mit dem „Kephas“ gesucht und insofern auch dessen „Autorität“ anerkannt, aber nicht in dem Sinn, dass er ohne dessen Oberpriestertum nichts tun dürfte – gerade eben das nicht!
        Und Paulus sagt es uns doch auch: unser Hoherpriester ist Christus selbst, der Mensch geworden ist, Opfernder und Opfer zugleich wurde!

        Ich bitte Sie also zu bedenken, dass der Satz „Weide meine Lämmer“ einen schlichten Hirtenberuf anzeigt und keinen „caput mundi“-, „pontifex maximus“-, „vicarius Christi“-, „alleiniger (!) „servus servorum Dei“-Titel. Das sollte doch ins Auge springen, dass hier geradezu begriffliche Welten klaffen.
        Bewusst hat Jesus dem Petrus keinerlei Macht über die anderen zugesprochen: „Stärke deine Brüder!“ Ja – daraus ergibt sich aber nicht, dass er diese Brüder beherrschen dürfte. Es findet sich nicht eine Assoziation an ein Machtamt!

        An den jeweiligen Charismen anderer Apostel, v.a. des Johannes sehen wir, dass diese dem Petrus an Bedeutung in nichts aber auch gar nichts nachstehen. Gerade die Schlussszene des Johannes-Evangeliums nivelliert die Petrusrolle eindeutig herunter, und das sogar ziemlich brutal.
        Man hat aber das Papsttum nie dabei erlebt, dass es sich mit den strengen Worten Jesu befasst hätte, mit denen, die den Petrus zurechtweisen, zum reinen Diener machen, der seine Dienerschaft eben nicht mit Herrschsucht gegenüber den Brüder kompensieren darf. Ds Papsttum hat seinen gesamten Machtanspruch auf drei missverstandene, überzeichente Sätzchen gegründet und alle Grenzen, die Jesus wies, unter den Tisch fallen lassen und teilweise bewusst überschritten („Vater“, „Lehrer“…).

        Die Papstdogmen von 1870 sind ohne den damaligen reaktionären Zeitgeist nach dem Untergang des Ancien Régime nicht zu verstehen. Auch hier hat sich unmerklich der alte Auftrag Jesu vermixt mit weltlichen Vorstellungen von einem absolutistischen Herrscheramt, das doch gerade seine Untauglichkeit gezeigt hatte und im Faschismus erneut seine mörderische Problematik bewiesen hat – aber nein, anstatt einfacher Hirte zu bleiben, wollte der Papst Duce werden und ist es auch geworden. Der Preis dafür ist die Erstickung der Kirche im Unkraut. Das Problem der Kirche waren nie ein paar renitente kleine Gläubige, sondern ihre katastrophale irdische Führung.

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      • @zeitschnur

        Das ist alles mehr oder weniger zutreffend, was Sie einwenden. Es ändert aber m.E. nichts daran, daß die Lehre von der Unfehlbarkeit päpstlicher Entscheidungen „ex cathedra“ und vom Jurisdiktionsprimat des römischen Bischofs („Papsts“) sich zu Recht auf die berühmte Stelle im Evangelium über die Berufung Petri stützt.

        Allerdings haben Sie Recht, daß diese – für die Lehre von der Unfehlbarkeit der Kirche notwendige – Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes sich tatsächlich nur auf solche feierlichen ex-cathedra-Erklärungen bezieht. Sie auf darunter nicht fallende sonstige päpstliche Erklärungen auszudehnen ist eine gefährliche Übertreibung. Ich bin sicher, daß zum Beispiel griechisch-orthodoxe Theologen Beispiele nennen können, wo schon Päpste der Vergangenheit unhaltbare Erklärungen abgegeben haben.

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      • Guten Tag,
        um solche „unhaltbaren Erklärungen“ früherer Päpste zu benennen, benötigen wir keine „griechisch-orthodoxen Theologen“. Die Causa Honorius ist katholischen Theologen (zumal Kirchengeschichtlern) ebenso bekannt (und spielte im 1. Vatikanum eine Rolle) wie der Fall des Papstes Liberius (Exkommunikation des hl. Athanasius). Dazu kommt die Causa Johannes XXII. (falsche eschatologische Aussagen), nicht zu vergessen die Hexenbulle usw….
        In neuerer Zeit erinnere ich an synkretistisch anmutende Aussagen von Joh. Paul II. (nicht nur im Kontext von „Assisi“) sowie an seinen skandalösen Korankuß, auch eine theol. irreführende Handlung.
        Auch wenn hierbei keine falschen Dogmen aufgestellt wurden, so handelte es sich immerhin um theologisch falsche Aussagen bzw. Handlungen.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        @ Dr. Heger
        Ich habe das schon öfters gesagt: es steht im Dogma nicht, dass nur „feierliche“ Ex-cathedra-Entscheidungen unter das, was das Dogma meint, fallen. Das hat man in der Erklärungsnot eines Absurdums später so hingebogen. Und insofern haben Sie recht: man bog das gerade hier in Deutschland so hin, aber so war es im Dogma nicht gesagt.
        Alleine das zeigt die Problematik auf: diese Dogmen konnten niemals klar und deutlich und eindeutig verstanden werden. Sie waren von Anfang an verwirrend.
        Nach jedem geltenden Recht gelten solche Regeln dann auch nicht, die man erst in seitenlangen und umstrittenen Erläuterungen auch noch 150 Jahre später „klarstellen muss“. Man sagt seit alters her: Solche Gesetze, die gar nicht verstehbar und praktikabel sind, sind ungültig.
        Nicht nur griech.-orthodoxe, sondern auch mindestens ein Fünftel oder Viertel der Weltbischöfe der katholischen Kirche wiesen darauf verzweifelt hin, wurden aber in einem gewaltigen Intrigenstadl ausgebootet und letztendlich vom Konzil vertrieben, um hernach als loyale und auch wie immer feige Söhne der Kirche diese Erklärungen abzugeben, die Sie dann so nehmen, als seien sie das Dogma.
        Das ist ein deutscher Irrtum: diese beiden Dogmen sagten das aus, was ich beschrieb oben, und was auch immer wieder päpstlicherseits extrem autoritär und diktatorisch eingefordert wurde. Es ist eben nicht geklärt, wo genau die Grenze zwischen Ex-cathedra-Aussagen und Nicht-Ex-cathedra-Aussagen verläuft. Von „Feierlichkeit“ steht in „Pastoraeternus“ nun mal nichts. Den Rest erledigt das Dogma vom Universalprimat: auch wenn etwas nicht unfehlbar sein sollte, muss ich doch mit „wahrem“ Gehorsam mich unterwerfen, weil ich sonst „Schiffbruch“ erleide. Diese ungeheuerliche Behauptung in „Pastor aeternus“ ergibt doch gar keinen Sinn, wenn nicht angenommen wird, dass der Papst auch sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit bei allem anderen mehr oder weniger „fast“ unfehlbar ist…….
        Ich bin überzeugt, dass nicht das Vat. II, sondern 1870 der Ausgangspunkt unseres Desasters ist. Und genau dieses Faktum begreifen die Konservativen nicht. Sie bashen den falschen „Feind“, und deshalb war bisher jeder Versuch, etwas zu heilen, auch zum Scheitern verurteilt.

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  6. Es handelt sich um die Pfarrei San Defendente in Ronco di Cossato, Provinz Biella in der Region Piemont.

    Diese Pfarrei stellt sich selber vor als „una chiesa a più voci“ [„eine Kirche für mehr Stimmen], scheint sich also als ganz „progressiv“ zu verstehen.

    Passenderweise wurde der Abtreiberin Bonino auch der Anblick eines Kreuzes in der Kirche erspart; es wurde verhüllt oder weggebracht. Mehr dazu hier: https://www.pressreader.com/italy/libero/20170729/281483571455541

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