Prälat Imkamp kritisiert „vermerkelte“ Parteien

Von Felizitas Küble

Prälat Wilhelm Imkamp leitet seit Jahrzehnten die Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild im Bistum Augsburg. In dem südbayerischen Pilgerort wird eine bodenständige, solide Marienverehrung gepflegt  –  also eine gediegene Frömmigkeit jenseits von Schwärmerei oder Wundersucht.

Direktor Imkamp (siehe Foto), der vor fünf Jahren vom Vatikan zum Apostolischen Protonotar ernannt wurde, geht zum Jahresende in den Ruhestand. 2013 wurde er zum ordentlichen Mitglied der päpstlichen Theologenakademie in Rom berufen. Der Geistliche gehört seit 2013 der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste an.

Er schreibt regelmäßig seine schlagfertigen Kolumnen in Tages- und Kirchenzeitungen, wobei er kein Blatt vor den Mund nimmt und bisweilen voll ins Schwarze trifft.

Auch in unserem CHRISTLICHEN FORUM haben wir seit Jahren mehrere Beiträge von ihm veröffentlicht.

Am 14. September erschien in der „Tagespost“ aus Würzburg ein aktueller Artikel Imkamps unter dem Titel „Katholiken vor der Wahl“. Darin heißt es:

„Gewissensfreiheit für Abgeordnete gibt es nur, wenn die oder der mehr oder weniger große Vorgesetzte es feierlich hervorholt, und das geschieht nur, wenn das Gewissensergebnis feststeht; das ist meistens der Fall, wenn ein moralischer Wert über Bord gehen soll.“

Damit spielt der Wallfahrtsdirektor wohl auf die kürzlich auf die Schnelle (auch mit Merkels Hilfe) durchgezogene Parlamensabstimmung zur „Ehe für alle“ an. 

Schon früher äußerte sich der Theologe skeptisch über eine wachsende „Entpersonalisierung des politischen Personals“:
„Politiker mit Ecken und Kanten sind selten  geworden“, beklagte er:Politiker müssen als Einzelpersönlichkeiten wahrgenommen werden und dürfen nicht in der Graugesichtigkeit einer politischen Klasse verschwimmen.“

Prälat Imkamp beschwert sich in seinem jüngsten Tagespost-Artikel zudem darüber, daß sittliche Zerfallserscheinungen bisweilen „von den Zeitgeist-Notaren in Karlsruhe abgesegnet“ werden, etwa als Abtreibung de facto zum Rechtsgut erklärt worden sei. Überdies erinnert er kritisch daran: „Soldaten dürfen Mörder genannt werden, Abtreibungsärzte nicht.“

Vor allem aber bemängelt der Geistliche eine zunehmende Arroganz sowie allzu geringe inhaltliche Unterschiede bei den etablierten, den „vermerkelten“ Parteien:

„Abtreibung, Homo-„Ehe“, Import von religiösen Konflikten, Schleichwege zur Euthanasie, vermerkelte Parteien, die sich fast nur noch durch die Gesichtsbehaarung ihres Spitzenpersonals unterscheiden, endlose Sonderzahlungen an die EU bilden die Grundlage für das Bewusstsein, moralische Großmacht zu sein.

Dieses neue, gemerkelte Selbstbewusstsein äußert sich in Belehrungen über Demokratie, Menschenrechte und unabhängige Justiz, ausgerechnet gegenüber Polen und Ungarn, gerne aber auch gegenüber dem amerikanischen oder russischen Präsidenten“.

Abschließend erinnert der Autor an die Aufrufe von Bischöfen in den USA, wonach Katholkiken die Befürworter von Abtreibung und/oder Homo-Ehe nicht wählen sollen.

Hier eine Auswahl der im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlichten Beiträge von oder über Prälat Imkamp:
https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/12/pralat-imkamp-erinnert-an-tapfere-geschiedene-die-auf-wiederheirat-verzichten/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/27/wallfahrtsdirektor-imkamp-warnt-vor-personenkult-in-der-kirche-das-amt-ist-wichtiger-als-die-person/
https://charismatismus.wordpress.com/2011/10/31/pralat-wilhelm-imkamp-wir-brauchen-politiker-mit-ecken-und-kanten/


5 Kommentare on “Prälat Imkamp kritisiert „vermerkelte“ Parteien”

  1. Gerd sagt:

    Was der Artikel auch nur ansatzweise mit der Inquisition und deren angebliche Verteidigung zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Zeitschnur ist wohl das Synonym für Zeitreisende, die in der Vergangenheit ganz sicher knapp der Inquisition und dem Scheiterhaufen entgangen ist und in der Gegenwart es aber mal sowas von besser weiß als alle Prälaten dieses Planeten. Und jau, es gibt natürlich neben Abtreibung noch andere Missstände: Diesel-PKW, Waldsterben, Ozonloch, Polkappenschmelze, Biker und Autotypen, Goldwassersäufer, Konservative, Traditionalisten und wie sie sich alle schimpfen. Kleiner Tipp: Mal wieder runter kommen, zeitschnur.

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    • zeitschnur sagt:

      Prälat Imkamp hat Forschungsschwerpunkte. Einer ist die Inquisition. ME redet er sie gewaltig schön, wie er überhaupt sehr vieles auf eine flapsig-lifestylische Art schöndredet. Ich rechne natürlich das rheinische Gemüt ab, mit dem man das trotzdem nicht einfach alles entschuldigen kann.

      Wenn man als Kritiker der Welt auftritt, darf man nicht in dieser Weise das, was an der Kirche kritikwürdig war und ist, schönreden.

      Das ist einfach unglaubwürdig.

      Dass sich genau dieser Zusammenhang Ihnen „nicht erschließt“, offenbart wiederum die Problematik gerade der Konservativen.
      Und wenn ich die Konservativen kritisiere, dann kritisiere ich eine schizophrene und unredliche, aber auch total oberflächliche Haltung.

      Und noch eine Bemerkung: was der Prälat in Maria Vesperbild anstellt, ist spirituell kaum „nüchterner“ als das, was in anderen Erscheinungsorten passiert, nur ist es „gepflegter“, verweltlichter, „glatter“ und kompatibler mit der bürgerlichen Fassade der Wohlhabenden, arbeitet aber mit dem selben magischen Denken. Klar finden die Biker das hipp, wenn sie ihre Höllenmaschinen dort weihen lassen können. Imkamp ist was für schwere Jungs, Ihr Leben müssen sie nicht ändern. Es genügt, sich mal bezaubern zu lassen am Wallfahtsort. Predigten nimmt man für soviel Trubel genre auch mal mit. Medjugorje ist eher für die Weicheier. Auch die müssen sich nicht ändern, nehmen aber auch Predigten gerne mit bei so viel Sensation.

      Es ist Hokuspokus nach jedem Geschmack, wenn Sie mich fragen.

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  2. zeitschnur sagt:

    Es ist ja schon mal gut, wenn einer überhaupt mal den Mund aufmacht und etwas halbwegs Kritisch-Vernünftiges sagt. Dass man mit dem Abtreibungs- und Homoehenthema bei konservativen Katholiken und Protestanten immer punkten kann, ist geschenkt. Ich vermisse generell bei dieser Personengruppe die Wachsamkeit, wenn es um andere schwerwiegende Missstände geht. Daher ist es auch bemerkenswert und selten, dass mal ein katholischer Prälat auch andeutungsweise auf andere Missstände hinweist und sie kritisiert.

    Der Prälat Imkamp redet andererseits katholische Desaster aus meiner Sicht schön, etwa die Inquisition. Diese Winkelzüge, die man auch bei Kardinal Brandmüller findet, um den „Rechtsfortschritt“ der Inquisition mit einem Heiligenschein zu versehen, finde ich sehr problematisch und unehrlich. Es mag ja sein, dass man die Leute in den Verfahren eingehend befragt und Verteidiger eingeführt hat und das als isoliertes Element ein „Fortschritt“ ist und die Inquisition auch manche Leute sogar geschützt hat. Aber der ebenfalls arrogante und angesichts des Gebots Jesu widerrechtliche Anspruch dieser Institution lässt sich durch nichts rechtfertigen. Eine insgesamt kriminelle Organisation wird nicht dadurch besser, dass sie auch punktuell gerecht entscheidet oder gelegentlich mal echte Stinkstiefel verurteilt. Die Frage ist, wozu es diesen Verein überhaupt geben musste, und da sieht es zappenduster aus – es war ein reines, grausames Machtinstrument, um die Seelen und Gewissen zu durchleuchten, eine Frühform des Totalitarismus und der Gehirnwäsche.
    Die Inquisition hatte und hat bis heute keinerlei geistliche Legitimität und daher überstellte sie die, die sie genug ausgefragt und für schuldig befunden hat mangels fehlender Kompetenz dann ganz brutal an die weltlichen Behörden, wo sie anschließend hingerichtet oder etwas weniger hart bestraft wurden. Die Kirche machte also genau das, was bereits der Sanhedrin machte, und auf schauerliche Weise wiederholte sie genau das, was auch dier Hoherat tat (auch der befragte sophistisch!), der ebenfalls seine Kompetenzen überschritt und Leute, die er ausgemerzt sehen wollte, den römischen Behörden überstellte, um sie hinrichten zu lassen. Furchtbar! Es gehört schon einige Verflachung dazu, wenn man das nicht sehen wil und eine Verhaltensweise rechtfertigt, die zum Tod Christi geführt hattel.

    Es ist mir also der Mann insgesamt zu sehr mit zweierlei Maß unterwegs und der ganaze PR-Hype ist keineswegs besser als beim Charismatismus. Dieses Gedöhns mit all diesen Bikern und Autotypen, die nach Maria Vesperbild kommen, um dort etwas zu tun, was schick ist, vielleicht auch noch ein Fläschchen „Goldwasser“ zu erwerben, selbstverständlich geweiht – das mag ja alles ganz stilvoll und marktfähig sein: allein, auch hier fehlen die Bewegungen in die Gemeinden hinein. Für mich ist es irgendwie doch v.a. frommes Varieté.

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    • Verehrte Zeitschnur, Sie sehen auch nur das, was Sie sehen wollen. Gut kommt es allemal an, wenn man heute gegen die Kirche loszieht. Ich habe – ehrlich gesagt, Ihre Kritik nicht ganz gelesen, weil mir bei den ersten Zeilen schon der Hut hochgeangen ist. ,
      Finden Sie so viel Ehrlichkeit und Aufarbeitungswille bei irgendeiner anderen Organisation? Ach nein! Wie haben die Grünen geschwiegen, als es um Ihr Vorzeigeobjekt bzgl. Missbrauch ging! Bis heute wurde dort nichts getan.
      Sie kommen mit der Inquisition daher. Vergessen Sie bitte nicht, dass Kardinal Brandmüller nichts schönredet. Er ist ein anerkannter Historiker. Wahrscheinlich sind Sie ja auch auf die Kreuzzüge zu sprechen gekommen. Vielleicht ist es Ihnen dann entgangen, dass die Kreuzzüge nicht aus dem Nichts gekommen sind, sondern dass sie jeweils Reaktion auf Angriffe waren.
      Ehrlichkeit vermisse ich immer wieder bei scheinheiligen Kritikern der Kirche!
      Mit freundlichen Grüßen

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      • zeitschnur sagt:

        Ziemlich dreist, was Sie da von sich geben…Vielleicht hätten Sie doch den Kommentar ganz lesen sollen – dann müssten Sie sich nicht über Dinge aufregen, die ich nicht geschrieben habe… Immerhin arbeiten Sie so mit Unterstellungen. Spricht für sich.

        Aus Ihrem Text geht hervor, dass Sie die Kirche als Organisation sehen wie eine Partei.
        Und mit dieser Sicht sind Sie nicht alleine – das ist das große Problem fast aller, die hier kämpfen.

        Sie verstehen nicht, dass der Leib Christi nichts „aufarbeiten“ kann. Das ist schlichtweg unmöglich. Wenn er ein Pfuhl von Lug, Trug und schweren Sünden ist, dann stimmt leider das ganze Kirchenbild nicht. Aber soweit denken Sie vermutlich erst gar nicht. Kirche ist aber keine Organisation mit Lifestyle-Angebot. Sie ist eigentlich Communio sanctorum. Wobei sie selbst ihre Hierarchie für die moralische und spirituelle Creme de la crem ansieht und daher auch deren Machtanspruch rechtfertigt.

        Und noch was am Rande: die Kirche vertuscht genauso wie alle anderen ihre Verbrechen und hält ihre entsprechenden Archivalien weitgehend dicht und sorgt dafür, dass bestimmte Dinge erst gar nicht beforscht werden und entsprechende Arbeiten, die doch geschrieben werden, diskreditiert werden oder abgemildert werden.
        Sie haben leider nur keinerlei Ahnung und blicken nicht in die konkreten Gebite hinein. Sie sind Kirchenfan, weil Sie denken, das müsse so sein. Das ist das Problem vieler.

        Ich nenne nur ein Beispiel: Die umfangreiche wissenschaftliche, eigentlich genaueste und materialreichste Forschung August Bernhard Haslers zum Vaticanum I wurde von aus Kirchenkreisen mehr oder weniger verhetzt, auch und auffallend von Walter Brandmüller – und deswegen ist er auch Chefhistoriker, denn er ist linientreu – das hat aber mit erlesener Kompetenz nicht unbedingt was zu tun. Und doch hat niemand bis heute diese traurigen historischen Quellen zum Vaticanum I widerlegen können. Nimmt man diese Quellensammlung ernst (und das sollte man!), dann wird daraus ersichtlich, dass die Kirche mit 1871 eigentlich am Ende war und Döllinger doch recht hatte, als er entsetzt rief, man habe im „Eilverfahren eine neue Kirche gegründet“. Also kehrt man das Werk unter den Teppich und setzt wiederum andere Wissenschaftler drauf an, auch kritische Werke über das Vaticanum I zu schreiben (man will sich ja nicht als völlig hinterwäldlerisch geben!), aber natürlich mit einer trüb-metallischen Zukunftshoffnung. Als ein solcher Forscher ist Klaus Schatz SJ anzusehen.
        Das sind strategische Coups, die dann dem Anschein nach etwas aufarbeiten, aber in Wahrheit nur einen Vorhang vor das gesamt Ausmaß des Abgrundes zu hängen.

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