Kerala (Indien): Erscheint „Maria“ in Edavanakkad mit Tiara und Jasminduft?

Von Felizitas Küble

Kerala ist ein Bundesstaat im südlichen Indien mit einem für dortige Verhältnisse überdurchschnittlich hohen Anteil von Christen. Zugleich ist bekannt, daß viele charismatische „Heilungspatres“, die seit Jahren durch Deutschland touren, aus Kerala stammen.

In dieser Region sorgten protestantische Pfingstprediger bereits in den 70er und 80er Jahren dafür, daß sich schwarmgeistige Strömungen auch in der katholischen Kirche Südindiens breitmachen.

Nun sorgt eine Pfarrgemeinde aus der Kleinstadt Edavanakkad in der Erzdiözese Verapoly für erhebliches Aufsehen, denn dort soll es vor einigen Wochen zu Erscheinungen von Jesus und Maria in der Kirche St. Ambrosius gekommen sein.

Unter den Schülern, die zur Schar der ersten „Seher“ gehören, befand sich allerdings nur ein einziges katholisches Mädchen; die meisten „betroffenen“ Kinder und Jugendlichen sind hinduistischen Glaubens.

Geistausgießung und Himmelsverheißung für Ungetaufte?

Das hinderte die vermeintliche „Madonna“ aber nicht daran, diesen Schülern anzukündigen, daß sie ihnen den Heiligen Geistes senden und sie in den Himmel führen werde.

Dergleichen paßt zwar bestens zu den bereits vorhandenen charismatischen Tendenzen in Kerala, nicht jedoch zur biblischen und katholischen Lehre, wonach der dreieinige Gott durch die TAUFE in die menschliche Seele einzieht und seine Gnadenschätze wirksam werden läßt.

Eine allgemeine Geistausgießung über Ungetauften bzw. Anhängern fremder Religionen ist daher theologischer Unsinn. Der Hinduismus ist zudem nicht einmal monotheistisch (= Ein-Gott-Glaube) orientiert, sondern beinhaltet einen fantasievollen Vielgötterkult.

Ähnliches gilt für die pauschale Verheißung der Erscheinung an die Visionäre, in den Himmel zu gelangen. Die Taufe ist auch in dieser Sicht regulär und objektiv das „Tor zum Leben“.

Soll die Bedeutung dieses Grundsakramentes und des spezifisch christlichen Glaubens geschmälert werden? Wird hier auf listige Weise einem gefährlichen Synkretismus (Religionsvermischung) Vorschub geleistet? Soll der Wahrheitsanspruch des Christentums unterschwellig und mittels „frommer“ Vorzeichen unterschlagen werden?

Theologisch unsinnige Vermischung von Attributen

Sodann heißt es in englischsprachigen kath. Agenturberichten (z.B. CNA, ETWN) weiter, die Marienerscheinung habe neben einem blauen Schal auch eine Tiara (dreifache Krone) auf ihrem Haupt getragen und somit eines der bekannten Symbole des Petrusamtes. (Die frühere Krönung der Päpste bis zu Paul VI. fand mit einer Tiara statt.)

Die Gottesmutter ist zweifellos die Königin der Apostel. Dennoch paßt eine Tiara als ein lange Zeit hindurch geläufiges (wenngleich nicht ursprüngliches) Amtszeichen des Papsttums nicht zu ihr, da sie keine Nachfolgerin des Apostels Petrus bzw. keine „Päpstin“ ist.

Zwischen persönlicher Heiligkeit auf der einen Seite und einer „amtlichen“ Aufgabe bzw. Sendung auf der anderen Seite sollte stets unterschieden werden.

Wie so häufig bei irrgeistigen Geschehnissen, ist auch diese Erscheinung von sinnlich-erfahrbaren Phänomenen begleitet, in diesem Fall dem Duft von Jasminblüten. Als ob der Himmel dergleichen zu seiner „Beglaubigung“ nötig hätte!

Natürlich nehmen die zuständigen kirchlichen Stellen  – wie in solchen Fällen üblich  – zunächst eine „abwartende“ Haltung ein.

Die erste „Seherin“ war ein Hindu-Mädchen

Die Erscheinungen sollen am 28. September begonnen haben, als eine Hindu-Schülerin in die kath. Kirche ging, um für ihr Ohrproblem zu beten und Weihwasser zu nehmen. Später erzählte sie, daß ihr dies sofort geholfen habe. Daraufhin sei das Mädchen mit weiteren Schulkameraden (darunter ein einziges katholisches Kind) in das Gotteshaus gegangen, um zu danken und zu beten, worauf sie eine Vision vom gegeißelten Christus erlebt haben wollen.

Als eine Lehrerin dazukam, schilderten die „Seher/innen“ ihr eine Erscheinung der seligen Jungfrau, die „unter dem Altar“ gestanden habe und für den Duft von Jasminblüten sorgte.

Hier erhebt sich die Frage, warum die angebliche „Madonna“ sich denn unter dem Altar (vermutlich ein Hochaltar) präsentiert. Erst trägt sie eine Tiara als Zeichen des Papsttums, nun erhält der Altar als Sinnbild des Priestertums eine zentrale Bedeutung in diesen theologisch geradezu abenteuerlichen Visionen.

Die Gottesmutter ist die größte aller Heiligen, aber weder eine geweihte bzw. amtliche Priesterin noch Päpstin. (Natürlich nimmt sie innerhalb des Laienpriestertums eine bevorzugte Stellung ein – aber das steht auf einem anderen Blatt.)

Wie der Schüler Aquenas Jomon berichtet, habe Maria ihm gesagt, dass seine Mutter geheilt werde und dass die Schulden seiner Familie verschwinden. Zudem erklärte er: „Als ich sie das erste Mal sah, musste ich weinen.“  –  Und warum weinte der Junge denn?  – Ist es zudem die Aufgabe einer Marienerscheinung, irdische Wohltaten („Schulden verschwinden“) auszuteilen? Sollte es dabei nicht gut biblisch „zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ gehen???

Eine anhängliche Maria fleht die Schulkinder an?

Die anwesenden Erwachsenen konnten von der Erscheinung ohnehin nichts sehen. Als ein Lehrer die Kinder aus der Kirche führte, soll ihnen „Maria“ laut Angaben der Mädchen gefolgt sein und sie „angefleht“ haben, nicht zu gehen. 

Als ob sich die wahre Gottesmutter derart aufdringlich bis lächerlich präsentieren würde!

Am 3. Oktober versammelte sich bereits eine große Menschenmenge in der Kirche. Der Pilgerstrom wuchs täglich an, auch Hindus kamen in großer Schar.

CNA berichtet dazu folgendes:Ein Priester forderte die Kinder auf, den genauen Punkt anzugeben. Die Gemeinde sah ein helles Licht und der Priester sagte, dass er fühlte, wie jemand seinen Kopf tätschelte.“

Zu solchen „Kindereien“ erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

Quellen u.a.: http://indianexpress.com/article/india/hundreds-flock-to-kerala-church-after-children-report-seeing-mother-mary-4895237/lite/
https://www.catholicnewsagency.com/news/in-india-schoolkids-say-virgin-mary-appeared-amid-scent-of-jasmine-73012


7 Kommentare on “Kerala (Indien): Erscheint „Maria“ in Edavanakkad mit Tiara und Jasminduft?”

  1. Heidelberger71 sagt:

    im Jahr 2007 hat Papst Benedikt ein Schreiben herausgegeben mit dem Thema: Die ungetauften Kinder sind im Paradies.
    Wenn es nun einen paradiesischen Ort gibt, der die Anschauung Gottes nicht beinhaltet, in dem die Seelen jedoch glücklich sind- wie Simma im Gespräch mit Armen Seelen erfuhr- könnte es ja sein, dass dort auch andere Seelen sind, die z.B. die Sünde gegen den Hl. Geist begangen haben, also mit vollem Bewusstsein sich für das Böse entschieden…es jedoch später sehr bereut und auch gebüßt haben. Diese können ja nicht zur Anschauung Gottes, weil es ja heißt, dass diese Sünde weder hier noch im Himmel vergeben ist, aber sie haben bereut, gebeichtet und gebüßt. Ich denke, das kann so sein.

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  2. J. WalfischSchnucki sagt:

    Bei ihrer StellungsSuche der GottesMutter und dem Symbol der Tiara: dazu fällt mir aus der ur-jüdischen Überlieferung ein Buch und Vortrag vor Theologen vor, von Friedrich Weinreb.
    Schon auf der alten erstAusgabe sieht man etwas, was jüdisch die DREI MUTTERZEICHEN im Menschen sind. Medizinisch unterteilt man ja auch diese drei systemischen Bereiche im menschlichen Körper, aber es ist etwas sehr, sehr heiliges … was damit wohl verloren ging und hie und da einzelnd auftaucht. weil selbst mit den Hintergrund der Vier Evangelisten man nicht diese besonders schöne Ausdrucksweise „hingebastelt“ heute bekommt.
    Die drei MutterZeichen im Menschen. Der letzte althebräische Buchstabe hat auf der bildlichen BedeutungsEbene auch die Bedeutung : Zeichen , ein kleines Kreuzchen als nur noch Andeutung im sichtbaren, genau wie der Stier (Lukas´´) die EINS, die in Christus Mensch wurde.
    Auf einer buddhistischen CD aus Frankreich der 90-iger Jahre konnte man auch so eine Pagode wohl sehen – den menschlichen Körper als Kirche > als Tempel.

    Na, ihr Synkretiker, seit ihr da schon druf gekommen? Mmmmh? Tempel, Jesus und der Aufbau in 3 Tagen > das Wort Kirche – heute ohne diesen Bezug.
    Die Auferstehung des Leibes?!

    Bestimmt hat das jemand gefunden schon

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    • J.WalfischSchnucki sagt:

      Beim Hindu-Mädchen würde ich eher statt der „persönlichen Heiligkeit“ eine völlig universelle sehen. Natürlich ist das nicht „amtlich“ – oder Rom-treu-ergeben. Auch beweisen könnt ich´s nicht. Auch ein bekanntes modernes Kunstwerk mit so einer „Muttergottes“ und lauter Buddhas als Kinder – würde offiziell niemand christlich nennen. Praktisch gibt es jedoch so eine denkbare Parallele und unbestrittene Universalität, künstlerisch, bildhaft, praktisch. Die heutige und geschichtlich-theologische WORT-Pflege und Rom ungefragt lassend natürlich.
      Auch die Attribute sind nicht theologisch sinnlos, eher amtlich dann „sinnlos“.
      Die dazu nötigen Brücken findet man jedoch in unserer Tradition auf einer Kosmologischen Ebene, der sich immer noch die Katholische Kirche und Lutherisch-evangelische Kirche verpflichtet fühlen! …. und alle Philosophen des Altertums!

      Vielleicht ist ein Besuch im Kölner Dom ein guter Wink …und die Geschichte des ….mmh??

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  3. zeitschnur sagt:

    Ich kann den Schwachsinn nicht mehr hören – aber es trägt eben auch alles, was in der Kirche seit Jahrhunderten schiefläuft, seine üblen Früchte – das Gesunde war leicht durch Ungesundes zu überwuchern.
    Die Tiara mag ja die irdisch gesinnte Hierarchie ihrem Exponenten aufgesetzt haben – ich glaube an einen Herrn, der dem Satan in der Wüste die Weltherrschaft abgesagt hat. Man darf sich also fragen, ob diese unsägliche Tiara nicht selber schon ein antichristliches Zeichen war, und es piepegal ist, auf wessen allerchristlichstem Haupt sie nun thront – sie meint immer die irdische Weltherrschaft der Kirche. Das Herrschaftszeichen ist übrigens altes babylonisches Gut. Das nur nebenbei.
    Und da Maria ja die Gußform und das Ursymbol der Kirche ist, hat es damit durchaus – glaubt man an eine theologisch vertretbare Tiara für den Papst – dann auch seine Richtigkeit. Wenn der Papst die tragen konnte, kann sie auch die Gottesmutter als Symbol für die ganze Kirche tragen – das hat mit dem Apostelamt ja nur am Rande zu tun. Papst Silvester soll dieses Herrschaftszeichen aus klaren theologischen Gründen abgelehnt haben, als der machtgeile Konstantin sie ihm anbot…Die Tiara war jedenfalls stets eine außerliturgische Kopfbedeckung, und von daher kann man sie auch für Maria nicht mit den genannten Argumenten ablehnen. Es ist ja nicht mal geklärt, was die drei Ringe sicher bedeuten…
    Im übrigen wurde es im Marien-Hype, den die Päpste selbst initiiert und vorangetrieben haben, durchaus üblich, dass Maria eine Tiara trug, etwa im Gabrielpsalter, der aus der Beuroner Schule stammt und kirchlicherseits m.W. nicht angegriffen wurde. Leider habe ich davon kein Bild – der Psalter ist im privaten Besitz. Aber Maria wurde auch sonst nicht selten mit Tiara dargestellt, auch schon viel früher als im 19. Jh. Hier ein Beispiel http://adtiliam.blogspot.de/2016/08/thorntoear-reichsstift-und-die-weie.html
    Man muss also mit solchen Argumenten ganz ganz vorsichtig sein…

    Kritik am Erscheinungs-Hype muss ehrlicherweise immer auch Kritik an dem sein, was die Hierarchie angerichtet hat – hier hat sich das verselbständigt, was von oben herunter forciert wurde.

    Und eine Himmelfahrt ohne Taufe – wen bitteschön wundert es nach den letzten Päpsten. Sorry, aber das sind die Früchte der neueren falschen Lehren, die Rom verbreitet.

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    • zeitschnur sagt:

      Wer’s nicht glauben will, dass Maria auch traditionell mit Tiara dargestellt wurde, noch ein Beispiel aus Deutschland:

      17. Jh hier in Köln: http://www.kupfergasse.de/UnsereKirche/Madonna/Gnadenbild_Start.htm

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    • J. WalfischSchnucki sagt:

      Thema „schwarze Löcher“ > biblich müsste man von Erlösung der Materie heute sprechen! Wassagte Christus zu den Parisäern: „Wenn ICH BIN nicht reden würde, würden diese Steine schreien!“
      Wir trampeln die ganze Zeit auf heiligen geopferten Geist! Auch bestimmte Tiere haben sich geopfert, für unsere Nahrungsgrundlage. Was hat die Schule aus uns nur gemacht, besonders die konkrete Berufsausbildung darauf aufbauend. Wie schön ist es, wenn am was kann – durch all die Verhältnisse in denen wir leben und durch die wir genau das entwickeln. Welcher großzüger SchöpferAufwand nur für uns Menschen. Wie muss Gott uns lieben?! Was muss er noch mit uns vorhaben? Wir haben noch gute 9tausend Jahre bis wir hier fertig seien müssen als Menschen, nach der Göttlichen kommödie! Dann müssen wir im Kosmos weiter

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