Nicht Friedhöfe, sondern Kirchplätze sollten als Spielwiese für Kinder dienen

Von Felizitas Küble

Wie die evangelische Nachrichtenagentur IDEA am 22. Oktober berichtet, sollen Friedhöfe Orte der Begegnung werden, wenn es nach dem Theologe Oliver Wirthmann geht, der auch als Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur fungiert.

Die Grabfelder könnten – so Wirthmann  –  z.B. durch die Einrichtung von Spielplätzen und Cafés attraktiver gestaltet werden. Gerade für Kinder sei es wichtig, dass das Thema Tod nicht tabuisiert werde.

Aus Sicht der Evangelischen Kirche von Westfalen sei die Einrichtung von Spielplätzen nicht ausgeschlossen, erklärte Landeskirchenrat Martin Bock auf Anfrage von IDEA.

Bei aller Anerkennung des Bemühens, den Tod nicht verdrängen zu wollen, erscheint uns dieser Vorschlag doch reichlich an den Haaren herbeigezogen.

Viel naheliegender wäre es, die Anregung des katholischen Jugendschriftstellers Günter Stiff aufzugreifen, die oft recht weiträumigen Rasen- oder Kiesplätze um die Kirchen als Spielplätze zu nutzen und den Kindern zur Verfügung zu stellen. Der 2002 verstorbene Gründer und Leiter des KOMM-MIT-Verlags hat diese Idee in seinem jährlichen KOMM-MIT-Kalender bereits in den 80er Jahren vorgeschlagen.

Erfreulicherweise gibt es auch Pfarrgemeinden, die diese Anregung in die Tat umgesetzt haben, z.B. die Joseph-Kirche in Münster an der Hammerstraße.

Wie unsere Fotos zeigen, wird dort auf dem Rasenplatz um die Kirche fröhlich gespielt  – meist sind es so wie hier ein halbes Dutzend Jungen und Mädchen.

Zudem weist eine Info-Tafel eigens darauf hin, daß es sich um eine „Spielwiese für Kinder“ handelt – und Hundebesitzer darauf Rücksicht nehmen sollen.

Wenn wir diesen Vorschlag vorbrachten, kam mitunter der Einwand, das Kindergeschrei könne die Gottesdienstbesucher stören. Aber abgesehen davon, daß es die Schüler wohl nicht ausgerechnet am Sonntagvormittag zum Spielen treibt (wo sie sowieso kaum aus den Betten kommen), hält sich der Lärm eines üblichen Hand- oder Fußballspiels doch meist  in Grenzen.

Mit solchen Spiel- und Sportplätzen nutzt die Kirche den Rasen sinnvoll zugunsten der Jugend  – das ist Kinderfreundlichkeit in der Praxis!


3 Kommentare on “Nicht Friedhöfe, sondern Kirchplätze sollten als Spielwiese für Kinder dienen”

  1. Dorrotee sagt:

    Ich finde diese Idee mit dem Friedhofsspielplatz richtig makaber.
    Null Ehrfucht vor dem Tod und den Verstorbenen.

    Auf unserem Kirchplatz spielen und tollen die Hunde. Überall liegen die Hundewürstchen.
    Die Kinder wissen darum und spielen woanders. Schulhöfe sind zum Spielen freigegeben und werden unter Aufsicht gestellt.
    Diese Idee mit dem Spielen auf Kirchplatzwiesen hätte genau zu der Zeit, wo Hr. Stiff den Vorschlag machte, aufgegriffen werden müssen. Wieder mal von der Pfarrern
    nicht wahrgenommen! Danach kam der große „Verhütungswahn“ der Frauen, auch bei den katholischen Frauen.
    In den 90 er wurden dann kaum noch Kinder geboren. Tendenz ging und geht weiter runter.
    Bei uns schläft die Jugendarbeit richtig ein. Ein Trauerspiel.

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  2. zeitschnur sagt:

    Irgendwie reißt die Reihe der Absonderlichkeiten und des tiefen Kulturverlustes nicht ab!
    Ein Friedhof ist nun mal keine Spielwiese, und das hat mit „Verdrängung des Todes“ nichts zu tun, sondern damit, dass man den Toten Ruhe gönnen will und angesichts ihres vollendeten Lebens und auch des Gerichtes, das sie erwartet und daran erinnert, dass es auch uns so gehen wird, schweigt. Wenigstens an diesem Ort sollte die Endlosschleife des sinnlosen Geplappers und Lärmes unterbrochen werden.

    Zudem ist es reichlich zynisch, Kindern sonst keine echten Freiräume mehr zu geben, sie überall zu vertreiben oder ihnen die Welt so gefährlich zu machen, dass sie sich mit Recht nirgends mehr hinwagen, und ihnen stattdessen Friedhöfe und einsame Plätze an ihrem Homecomputer oder am Smartphone zu „schenken“.

    Es geht wirklich kaum noch perverser.
    Oder doch?

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