Kardinal Müller solidarisiert sich mit Kardinal Sarah in puncto liturgische Übersetzungen

Der frühere Bischof von Regensburg und ehem. Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller, hat sich in einem Intervie mit der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) kritisch mit einer Entscheidung von Papst Franziskus befaßt.

Es geht dabei um die Rechte und Kompetenzen der jeweiligen Bischofskonferenzen und damit zugleich um die Frage, ob der Vatikan weiterhin daran festhalten solle, daß er selber für die Genehmigung gottesdienstlicher bzw. liturgischer Texte zuständig sei, also quasi das „letzte Wort“ spricht.

Dies hatte der theologisch konservative, schwarzafrikanische Präfekten der Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, gefordert, der Papst ihm jedoch in einem Brief widersprach. Franziskus zufolge solle der Vatikan liturgische Übersetzungen in Zukunft nicht mehr genehmigen, sondern nur noch bestätigen.

Kardinal Müller solidarisierte sich in dieser Causa mit Kardinal Sarah und äußerte sich dazu folgendermaßen: „Die letzte Autorität im Zweifelsfall kann nicht bei den Bischofskonferenzen liegen. Das würde die Einheit der katholischen Kirche im Glauben, im Bekenntnis und im Gebet zerstören.“

Der ehem. Glaubenspräfekt erklärte weiter gegenüber der PNP, er habe es „oftmals erlebt, dass die von den Bischöfen herangezogenen Übersetzer die biblischen und liturgischen Texte unter dem Vorwand der besseren Verständlichkeit verwässert haben“.

Als Beispiele nannte der Würdenträger solch „hoch anspruchsvolle Lehren“ wie etwa den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz: Solche wesentlichen Heilsgeheimnisse würden „in manchen Ländern wegrationalisiert oder auf ethische Appelle heruntergebrochen und so des katholischen Heilsrealismus entkleidet“.

Quelle für die Zitate: http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2722068_Kardinal-Mueller-distanziert-sich-vom-Kurs-des-Papstes.html


8 Kommentare on “Kardinal Müller solidarisiert sich mit Kardinal Sarah in puncto liturgische Übersetzungen”

  1. Marienzweig sagt:

    Zeitschnur, Sie schreiben:
    „Es geht in der Liturgie doch nicht um Auslegungen, sondern den Wortlaut des Glaubensgutes.“
    Stimmt, aber auch den Wortlaut kann man verändern, dazu reichen wenige sprachliche Eingriffe. Sprache kann manipulativ eingesetzt werden, was nicht immer sofort ins Auge fallen muss.

    Kardinal Müller in der Passauer Neuen Presse:
    Er habe es „oftmals erlebt, dass die von den Bischöfen herangezogenen Übersetzer die biblischen und liturgischen Texte unter dem Vorwand der besseren Verständlichkeit verwässert haben“.
    Als Beispiele nannte Müller „hoch anspruchsvolle Lehren“ wie etwa den stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz: Diese würden „in manchen Ländern wegrationalisiert oder auf ethische Appelle heruntergebrochen und so des katholischen Heilsrealismus entkleidet“.

    http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2722068_Kardinal-Mueller-distanziert-sich-vom-Kurs-des-Papstes.html

    Was das Unfehlbarkeitsdogma betrifft – daran zu glauben, hat sich für mich mittlerweile auch erledigt.
    Und was Sie über Rom generell geschrieben haben, kann ich auch verstehen.
    Noch etwas zur Klärung, geehrte Zeitschnur, ich habe nicht geschrieben, dass Sie denken würden, „dass es Müller oder Sarah um Prestige geht“.
    Dies war meine Formulierung, mit der ich zum Ausdruck bringen wollte, dass ich wirklich überzeugt bin: Beide Kardinäle treibt eine echte Sorge um. Und damit stehen sie nicht allein.
    Zu viele Kardinäle halten still.

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    • zeitschnur sagt:

      Ich meinte: Liturgische Texte haben ihren Wortlaut. Wenn sie sinnenstellt werden, ist das illegitim. Berühmtes Beispiel ist das „pro multis“. Es ist abstrus, wenn man Wörter regelrecht falsch übersetzt und dann darüber diskutiert, dass es sich dabei um eine „Auslegungssache“ handle. Ich meinte: Der liturgische Text, der noch dazu auf das NT direkt zurückgeht, ist eindeutig und müsste „für viele“ heißen. Da gibt es nichts zu deuteln.
      Über Auslegungen wird in Predigten oder Seminaren gesprochen oder es werden Bücher drüber geschrieben.
      Die Liturgie ist ebenso wie die Hl. Schrift der falsche Ort für „Ausrichtungen“.

      Dass aber die „Ausrichtungsfrage“ nicht erst in unseren Tagen chaotische Szenerien entfacht, ist mir klar vor Augen. Daher schreibe ich ja auch mit solcher Vehemenz darüber, dass der ganze Erscheinungswahn unmittelbare theologische Folge einer theologischen Entartung aufseiten der ultramontanen Hardliner war und IST.

      Es reift heute nur etwas Böses quälend aus, das eine lange Vorgeschichte hat.

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  2. zeitschnur sagt:

    Im Grunde ist das eine Bankrott-Erklärung für die Kirche, die Müller samt Sarah da abgeben… wenn das so ist, sollte man den Bischof zum Laien erklären.
    Es kann eigentlich nicht sein, dass in der Kirche der Bischof wie ein kleines Kind kontrolliert werden muss, weil er sprachlich und theologisch dermaßen unter Niveau ist, dass man ihm nicht mehr zutrauen kann, dass er die rechte Lehre bewahrt – das Amt, wozu er doch genuin eingesetzt ist.
    Denn das ist es doch letzten Endes, was beide unterstellen: das Bischofspersonal ist in jeder Hinsicht so verkommen, dass es nicht einmal mehr in der Lage ist, die grundlegenden Glaubensaussagen zu vermitteln.
    Ob allerdings dann Rom, dessen Personal ja auch nur aus den Pools dieser verkommenen nationalen Konferenzen stammt, es „richten“ kann, sollte alleine aus logischen Gründen fraglich sein. Hört man sich das verworrene Gefasel des Papstes an, ist da mancher Bischof erheblich präziser und rechtgläubiger. Und da sowohl Müller als auch Sarah ja erleben, dass ihresgleichen in Rom systematisch zurückgedrängt und im schlimmsten Fall entfernt wird, ist diese Autoritätshörigkeit selbst schon ein Zeichen geistiger Verwirrung.
    Sagen wir es doch ehrlich: ob Rom nun etwas „bestätigt“ oder „genehmigt“, ist doch alberne Wortklauberei. In jedem Fall stammt das Geschreibsel dann von den Bischöfen und wartet darauf, in Rom durchgewunken zu werden. Rom kann auch etwas „nicht bestätigen“.
    Wo soll da also das Problem sein?
    Hat F. da nicht wieder mal nur eine seiner berühmten Nebelkerzen gezündet und zwei Autoritätsfetischisten fahren voll drauf ab und bringen damit das Volk in Unruhe?
    Warum merken die Beiden das denn nicht?

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    • Marienzweig sagt:

      Geehrte Zeitschnur,
      AL hat es doch schon deutlich gezeigt: Die Bischöfe verschiedener Länder interpretieren dieses päpstliche Schreiben gegensätzlich.

      Wenn es nun um liturgische Übersetzungen in der jeweiligen Landessprache geht, ist es auf den ersten Blick logisch, dass diese Übersetzungen die davon betroffenen Bischofskonferenzen vornehmen.
      Was aber, wenn sich diese B.K. in der theologischen Ausrichtung unterscheiden?
      In welche Richtung liefe die Übersetzung einer progressiv ausgerichteten Bischofskonferenz im Gegensatz zu einer eher konservativen?
      Wenige Worte darin, bewusst gewählt und dem theologischen Laien gar nicht auffallend, könnten so eine ziemlich andere Bedeutung bekommen.
      Kann Rom, kann der Papst das wollen?
      Daher finde ich gut und sinnvoll, dass Kardinal Sarah und Kardinal Müller warnend ihre Stimmen erheben.
      Ich glaube nicht, dass sie dies um ihres eigenen Prestiges willen oder aus Rechthaberei tun. Sich still zu verhalten ist heutzutage einfacher und kommt in Rom besser an.
      Beiden Kardinälen unterstelle ich bei ihrer geübten Kritik das ehrlich empfundene Motiv wirklicher Sorge um den inneren Zusammenhalt.

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      • zeitschnur sagt:

        Zu Ihrem Verweis auf AL: Wenn das so ist, wie Sie sagen, muss man den Realitäten ins Auge sehen: die Kirche ist intern längst nicht mehr eins im Glauben, wenn sie es denn je wirklich und nicht nur propagandistisch in alle Welt gebrüllt war. Es hielt sie Repressalie und Zwang aus Rom zusammen, aber die Herzen blieben leer, manche jedenfalls, und es ist die große Frage, welche Herzen welcher Beteiligten – es können auch die in Rom gewesen sein… es ist einfach nur naiv und albern, das auszuschließen, zumal es mit Händen zu greifen ist.

        Was die Liturgie betrifft, darf sich darin keine „theologische Ausrichtung“ niederschlagen!
        Sie müssten erst erklären können, warum Sie das überhaupt annehmen bzw. befürchten. Die Liturgie ist doch kein theologisches Kolloquium! Es geht in der Liturgie doch nicht um Auslegungen, sondern den Wortlaut des Glaubensgutes… Merken Sie nicht, dass es bei rechtem Glauben UNMÖGLICH IST, dass sich an dieser Stelle unterschiedliche Ausrichtungen in den Worten zeigen können?! Ob volkssprachlich oder in einer Kirchensprache ist dabei herzlich gleich.

        Ich habe nicht behauptet, dass es Müller oder Sarah um Prestige geht – bitte lesen Sie noch mal, was ich genau schrieb. ME setzen die beiden aufs falsche Pferd – das meinte ich.

        Was nützt das autoritärste Rom, wenn es selbst vom Glauben abgefallen sein sollte – eine Frage, die die Kirchengeschichte, bei Licht betrachtet, seit Jahrhunderten durchquält, und die maßlose römische Antwort, dann habe eben immer der andere unrecht, Rom aber nie, ist eine Schande für die Kirche, denn wer in ihre Geschichte sieht, muss doch, wenn er nicht einer frommen Unaufrichtigkeit verfällt, sofort erkennen, dass Rom so unendlich oft mit Rom nicht übereinstimmt… und dies sowohl im zeitlichen Längst- als auch Querschnitt. Es ist, wenn man es strategisch betrachtet, vielmehr die allergrößte Gefahr für die Kirche, wenn ein einziger nur das Sagen hat: wenn er sich irrt, geht die Kirche unter. reden mehrere mit, gibt es noch Kontrollgremien. Die alte Kirche kam daher nicht im Traum auf die Idee, dem Papst alleine Unfehlbarkeit zuzuschreiben – das ist doch nicht von Gott! Immer hielt man Konzilien ab, immer sprachen viele mit, immer bedurfte es einer Einmütigkeit zumindest halbwegs. Welcher Ungeist ist eigentlich in die Kirche gefahren, dies plötzlich über Bord zu werfen und sie einem einzigen Machthaber auszuliefern, dem sich alle beugen müssen? Es ist bei einer solchen Struktur ein Leichtes, die Kirche ins Wanken zu bringen – man muss ja nur den einen im Griff haben… und komme mir nun niemand damit, der Papst habe den sicheren Beistand des Hl. Geistes. Dazu frage ich zurück: Erstens: wo steht das geschrieben in der Schrift? (!) Und zweitens: Seit wann hält der Hl. Geist Böswillige mit Gewalt von etwas ab? (!) Und drittens: Wer kann garantieren, dass ein Papst nicht, wie jedermann, böswillig sein kann? (Wer das behauptet, macht einen schwachen Mann zum Gott und deklariert damit die schlimmste Blasphemie, die denkbar ist) Ja, beantworten Sie diese Fragen und dann denken Sie wieder an die Ausgangssachlage…

        Und darum formulieren diese beide Träumer schlicht und einfach faktisch den Bankrott, nur merken sie es nicht in einer Art von frommer Umnachtung, die es nicht wagt, sich den Laden einfach mal mit gewöhnlichen Augen von außen mit etwas Distanz anzusehen.

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      • ester sagt:

        Zuende gedacht müssten wir dann, was die Kirchen, die aus den unterschiedlichen Bistümern entstehen, dem Gamaliel Test unterwerfen: Kommt es von Gott. so hat es Bestand, kommt es nicht von Gott, so hat es keinen Bestand!
        Aber im Moment scheint es eben so zu sein, und das scheint es seit der Passion Christi, dass das was von Gott kommt, den Mächten des Bösen nichts entgegenzusetzen hat.

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      • zeitschnur sagt:

        Der Gamaliel-Test ist mir zu abergläubisch.
        Ob etwas in einem geistlichen Sinn (also vor Gott und im Himmel) Bestand hat, das sehen irdische Augen ja nicht!
        Und wenn es einerseits in der Schrift heißt, das Böse MÜSSE (!) ausreifen, die Heiligen aber würden besiegt werden, dann kommt man mit solchen jüdisch-frommen Küchensprüchen eindeutig an eine Grenze: dem irdischen Auge erscheint da eben das Böse als das, was Bestand hat und sich sogar noch ausbreitet.
        Ich habe deshalb eher die Tendenz, auf diese „Erfolgslogik“ keinen Pfifferling zu wetten und eher nach der inneren Schlüssigkeit und Wahrhaftigkeit zu fragen.

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