Martin Hohmann, der geradlinige Konservative

Dieter Stein, Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT, befaßt sich unter dem Titel „Eine späte Rehabilitierung“ mit der  –  für manche Zeitgenossen überraschend erfolgten – Rückkehr des früheren CDU-Politikers Martin Hohmann in den Deutschen Bundestag.  

Der konservative Katholik aus Neuhof bei Fulda (siehe Foto) kam über den hessischen Listenplatz der AfD ins Parlament.

Stein schreibt dazu u.a. Folgendes:

„Im Herbst 2003 brachte ihn eine Medienkampagne zu Fall wegen einer Rede, die er am Nationalfeiertag in seiner Heimatgemeinde gehalten hatte.

Er hatte sich dagegen gewandt, die Deutschen kollektiv als „Tätervolk“ zu definieren und dies mit dem Hinweis verworfen, auch die Juden könne man schließlich nicht kollektiv haftbar machen für Verbrechen, die jüdische kommunistische Funktionäre im Rahmen der bolschewistischen Revolution in Rußland begangen hätten.

Die junge CDU-Vorsitzende Angela Merkel opferte Hohmann damals unter dem Beifall der Presse und sorgte dafür, daß dieser aus Fraktion und Partei ausgeschlossen wurde. Die Brutalität, mit der dieser Ausschluß damals exekutiert wurde, schockierte die Basis von CDU und CSU. Viele sahen, daß mit Hohmann stellvertretend der konservative Flügel amputiert und mundtot gemacht werden sollte. Eine Solidaritätsinitiative versammelte damals über 10.000 Unterstützer, überwiegend Mitglieder aus der Union.

In der CDU-Führung glaubten die meisten, der politische Tod Martin Hohmanns, der bei der Bundestagswahl 2005 knapp daran scheiterte, sein Direktmandat als unabhängiger Kandidat zu verteidigen und sich danach ins Privatleben zurückzog, diene als abschreckendes Beispiel. Als Exempel dafür, was jedem drohe, der es auf konservativer Seite wage, vom Kurs der Partei abzuweichen. Denn dieser werde ins politische Nichts fallen. Er käme nie wieder auf die Beine.

Martin Hohmann ist indes wieder zurück…Nun ist nicht sein Absturz, sondern seine Wiederkehr die Pointe einer Geschichte, die zeigt, daß Geradlinigkeit sich durchsetzen kann und nicht immer der Opportunismus gewinnt.“

Den vollständigen Artikel des Chefredakteurs lesen Sie hier: https://jungefreiheit.de/debatte/streiflicht/2017/eine-spaete-rehabilitierung/


3 Kommentare on “Martin Hohmann, der geradlinige Konservative”

  1. francomacorisano sagt:

    Die AfD bräuchte noch 100 Typen vom Schlag eines Martin Hohmann!

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  2. zeitschnur sagt:

    Hohmann hat sich damals leider sehr ungeschickt ausgedrückt und ist rhetorisch einem – bei dem Thema – erwartbaren Mob in die Hände gelaufen. Zuvor ist es ja zahlreichen anderen so gegangen, dass nur geringste Abweichungen von dem, was Deutschland an historischem Selbstbild aufgezwungen wurde, heftigste Mobbing-Attacken auf denjenigen ausgelöst haben, die an Irrationalität kaum zu überbieten waren. Es wird alles unternommen, die Deutschen daran zu hindern, ihre Sicht auf sich selbst zu überprüfen, und zwar anhand der historischen Quellen!
    So reichte es aus, dass der Schriftsteller Martin Walser in seiner Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, heftigst verhetzt wurde. Man kann das hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Walser#Paulskirchenrede_1998
    Nun war Hohmanns Sprache nicht annähernd auf dem Niveau eines Sprachprofis, und niemand darf sich wundern, dass Hohmann sofort geschlachtet wurde, wenn es schon einem der größten Sprachkünstler der Zeit nach 1945 nicht gelang, NICHT missverstanden zu werden.

    Schändlich war dabei Merkels Benehmen. Diese Frau, deren Zitatesammlung undemo- und autokratischer Aussprüche inzwischen ganze Bände füllt, die allesamt mehr Zündstoff für die jetztzeit bieten als das, was Hohmann einst sagte, wird hochgelobt, während man rechtschaffene, aber ungeschickte Leute dämonisiert.

    Allerdings teilte ich damals Hohmanns Ansicht nicht ganz und tue das inzwischen noch weniger: wenn ich sehe, wie unser Volk wieder die schändlichsten Dinge mittut, etwa auch einen völkerrechtswidrigen Krieg nach dem anderen, angestachelt durch die USA, mitzumachen und Terrorbanden mit gigantischen Waffenverkäufen aufzurüsten, dann muss ich klar sagen: das Volk ist einmalig dümmlich und fahrlässig und es ist mindestesn die Hälfte, die jeden noch so absurden und bösartigen Kurs lautstark verteidigt und wiederwählt, solange ein Huhn im Suppentopf ist. Hitler wurde jedenfalls im Volk zunächst jahrelang geliebt, aber auch in den USA – das Time-Magazin kürte ihn mehrfach zum Mann des Jahres. Goldhagen hat daher vergessen, Hitlers internationale Helfer und Vollstrecker zu behandeln, insbesondere die großen amerikanischen und englischen Finanziers, die offenbar ein Interesse daran hatten, dass dieser Krieg geführt wird. Der „Tätervölker“ wären hier also mehrere…

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    • Bernhard sagt:

      Das möchte ich unterstreichen, dass Deutschland einiges an Kriegen mitmacht. Und das ist nicht erst seit gestern so, sondern Deutschland bzw. deutsche Firmen haben sich z.B. im Vietnamkrieg durch die Lieferung von Agent Orange massiv schuldig gemacht.

      Und trotzdem halten viele Konservative (ich meine jetzt nicht Erzreaktionäre, sondern Konservative à la CSU) an der Westbindung und der unverbrüchlichen Treue zu Yankee-Amerika fest.

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