Die erste „Marienerscheinung“ des Sehers Mario D´Ignazio am 5.8.2009 in Brindisi

Von Felizitas Küble

Seit einigen Jahren zieht ein angeblich begnadeter Visionär und „Stigmatisierter“ aus dem süditalienischen Brindisi auch in Deutschland von Stadt zu Stadt und hält Gebetstage ab, in denen er sogar „Live-Erscheinungen“ der Madonna präsentiert.

Wir haben uns bereits vor über zwei Jahren im CHRISTLICHEN FORUM skeptisch dazu geäußert.

Nachdem wir kürzlich erfuhren, daß der zuständige Erzbischof und die vatikanische Glaubenskongregation die „Privatoffenbarungen“ dieses Sehers Mario D´Ignazio (siehe Foto) entschieden ablehnen und er aus der kirchlichen Sakramentengemeinschaft per Interdikt ausgeschlossen wurde, haben wir die entsprechenden Dokumente veröffentlicht (bitte herunterscrollen): https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/mario-aus-brindisi-italien/

Nun wird bekanntlich jedes Hemd mit dem ersten Knopf zugemacht – und wenn schon zu Beginn etwas schief läuft, muß man sich über die weitere Fehlentwicklung nicht wundern.

So ging es auch bei diesem Visionär vonstatten, dessen erste „Marienerscheinung“ vom 5. August 2009 bereits eine Menge kritischer Fragen aufwirft.

Diese „übernatürliche“ Ersterfahrung des jungen Mannes, der –  dem Vernehmen nach –  einst Geistlicher werden wollte, wird auf der Werbe-Seite der Brindisi-Bewegten ausführlich geschildert: https://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/

Jene erste Marienerscheinung beginnt nach einem Bericht Marios folgendermaßen:

„Während ich beim Haus Unkraut jätete, sah ich drei Lichtkugeln, die um einen Ölbaum in der Nähe wirbelten. Ich war von diesem Phänomen angezogen und ging näher hin. Ich sah, dass die drei Kugeln sich in einer einzigen leuchtenden Kugel vereinigten. Kurz darauf zerplatzte sie und erleuchtete dabei den Ölbaum, und in dem unermesslich hellen Licht erschien eine sehr schöne Frau, die nicht auf dem Boden, sondern auf einer Wolke stand.“

Das Phänomen der Lichtkugeln ist nicht gerade neu; es gab diese ähnlich bereits in Heroldsbach (kirchlich abgelehnt) oder auch in La Salette (nur der 1. Teil davon ist anerkannt).  

Sodann fordert ihn die angebliche Madonna auf:

„Tu Buße und bete für die Bekehrung der Sünder, um die schweren Gotteslästerungen vieler Menschen zu sühnen und bete für den Frieden in der sehr bedrohten Welt…Mein Kind, in Zukunft wirst du mein Sprachrohr und mein Vertrauter sein.“

Es ist zwar richtig, daß wir für die „Bekehrung der Sünder“ beten sollen (hierbei aber nicht vergessend, daß wir selber  – die Frommen im Lande – ebenfalls Sünder sind!)  –  doch die eigentliche Sühne für die Sünden hat unser göttliche Erlöser selbst durch sein Leben, Leiden und Sterben auf sich genommen. Wir können uns als Geschöpfe lediglich in einer „un-eigentlichen“, also indirekten Weise an einer „Entsühnung“ beteiligen. 

Problematisch erscheint zudem die anschmiegsame Vertraulichkeit dieses Marienphänomens, die den erwachsenen Seher als „Mein Kind“ anspricht und ihn als „mein Sprachrohr“ und „mein Vertrauter“ (!) würdigt. Ob dies zur Bescheidenheit und Besonnenheit eines „Begnadeten“ beiträgt, darf bezweifelt werden. 

Dann kommt das in solchen Fällen oftmals übliche Lamento über die böse Verfolgung, die dem Auserwählten des Himmels zuteil werde, wobei die Kritiker natürlich von vornherein des Teufels sind:

„Die Gefolgsleute der Schlange werden sich gegen dich richten und sie werden dich verfolgen, aber sie werden damit keinen Erfolg haben, weil mein Sohn und ich dich immer in unseren Herzen behüten werden.“

Typisch ist auch das anpreisende Reden von einer „neuen Menschheit“, ja sogar von einer „großen geistlichen Renaissance auf der Erde“, die zu erwarten sei. Biblisch betrachtet ist das wohlklingender Unfug, denn die Heilige Schrift spricht von wachsendem Glaubensabfall und Verwirrung – und nirgendwo von einer künftigen großen christlichen Erneuerung auf dem Erdenrund.

Ebenfalls bezeichnend ist die Geheimniskrämerei, die der „Himmel“ mit seinen erwählten Sühneseelen betreibt: „Mein Kind, was ich dir jetzt sage, soll ein Geheimnis bleiben, das du nie jemanden enthüllen darfst.“

Während in anderen Fällen (z.B. La Salette, Fatima, Medjugorje) das Rätselraten wenigstens irgendwann ein Ende nahm oder dies zumindest in Aussicht gestellt wird (Medju), darf Seher Mario sein Geheimnis „nie“ enthüllen – und zwar niemandem. Als ob wahre Gottesmutter einen solchen Kinderzauber vornehmen würde!

Sodann proklamiert das Erscheinungsphantom einen heiligen Ölbaum im sogenannten „gesegneten Garten Mariens“, einem parkähnlichen Gelände des Visionärs:

„Ich trage dir auf, an diesem heiligen Ort die Gläubigen aufzunehmen, die in besonderer Weise an jedem Freitag kommen werden, dem Tag, an dem ich möchte, dass man den Rosenkranz zu Füßen dieses Ölbaumes betet, den ich heute für geheiligt erkläre…Dieser Ort, ein gesegneter Garten meines göttlichen Sohnes Jesus, wird meine Bleibe auf Erden sein, und die Menschen, die hierher kommen, werden Gnade und Trost erfahren.“

Der geheiligte Ölbaum im gesegneten Garten des Herrn Mario war dann auch die künftige Stätte weiterer Erscheinungen – aber nicht nur das: „Maria“ erklärt gar, hier werde ihre „Bleibe auf Erden“ sein, als ob sie sich dauerhaft auf Marios Gelände niederlassen wolle.

Damit nicht genug, erklärt die vermeintliche Himmelsmutter sogar:Diese Erscheinung wird die Erscheinung der Erscheinungen sein.“

Das läßt sich gewiß nicht mehr steigern – und man braucht sich nicht wundern, daß der Abschied der visionären Dame von ihrem gesegneten Mario sich auch in direkten Zärtlichkeiten ausdrückt:

„Bevor sie mit ihrem ganzen unendlichen Licht verschwand, umarmte sie mich zärtlich und ich empfand großen Frieden und heitere Gelassenheit.“

 


4 Kommentare on “Die erste „Marienerscheinung“ des Sehers Mario D´Ignazio am 5.8.2009 in Brindisi”

  1. Gestas sagt:

    Ob die Erscheinungen echt sind, kann ich nicht sagen. Aber es ist falsch, sie zu verurteilen. Der Bischof von Rom verwirrt die Menschen mehr. Meine Freundin war in Brindisi und ist ganz begeistert von Seher Mario. Sie hat ein Poster von ihm und heiliges Öl. Es gibt keine Lehre mehr in der Kirche und daher ist es besser, sich selbst auszusuchen, an was man glauben will. Es gibt viele Menschen, die an Mario glauben und wir werden die Kritiker bekämpfen, die in Kadavergehorsam dem Bischoff von Rom folgen. Mario, Anne Mewis und das „Buch der Wahrheit“ gehören zusammen. Alles ist besser zu verstehen als die Bibel. Dort findet man die Wahrheit und Freunde, die zusammenstehen und sich verteidigen und darum geht es.

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  2. zeitschnur sagt:

    Wie ich bereits sagte, ist das „Eingreifen“ des Bischofs wachsweich, unpräzise und vor allem wieder mal nur arrogant – eben weil er nicht begründet, warum er glaubt, dass diese Erscheinungen „falsch“ sind. Das wird keiner der Anhänger befolgen.

    Und jeder ahnt auch, warum er nur von oben herab zu kommen weiß, also seiner Hirtenaufgabe nicht gerecht wird. Ein echter Hirte müsste der Problematik auf den Grund gehen und – so wie Jesus es tat – die Gläubigen regelrecht lehren und zurechtbringen. Das tut er nicht, er teilt nur Befehle und Aburteilungen ohne Urteilsbegründung aus. das ist nicht nur eine Verfehlung des Hirtenamtes, sondern auch schlechte Rechtsprechung. Auch Petrus und Paulus haben immer erklärt, warum sie Dinge verwerfen…

    Der Grund liegt darin, dass doch sofort ersichtlich ist, wie sehr Mario anknüpft an eine Vielzahl kirchlich anerkannter Erscheinungen und als Süditaliener v.a. an Pater Pio, dessen Multi-Mega-Wunderfähigkeiten von der Kirche selbst nach jahrzehntelanger Skepsis und schon damals beründungsloser Ablehnung am Ende dann doch gehyped wurden. Ob es Faustyna oder Bernadette, die Emmerick oder die Fatima-Kinder: in all diesen und vielen anderen Fällen sind doch theologisch genauso viele Fragwürdigkeiten vorhanden. Und bei eingien reagierte die Kirche zunächst so, wie sie es gerade bei Mario tut. wer kann da den Fans übelnehmen, dass sie dennoch Hoffnung haben? Wenn etwa die Fatimakinder behaupten, von einem Engel Hostien empfangen zu haben, warum soll dann Mario das nicht auch abgewandelt können? Wenn Pio wahrscheinlich durch Psychosomatik und Apothekerware seine Stigmata selbst erzeugte und ex cathedra heiliggesprochen wurde (Heiligsprechungen sind der Form nach ex cathedra-Akte und nehmen Bezug auf die allerhöchste Autorität des Papstes), warum dann nicht auch Mario?!
    Und es ist einfach nicht wahr, dass die Kirche niemandem „abverlangt“, das zu glauben. Vordergründig lässt sie sich zwar eine Hintertür offen, faktisch aber sieht es nach aller Logfik anders aus:
    Doch – sie tut das indirekt, indem sie erst mal die Hierarchie zum totalitären Lehr- und Machtwortinstitut aufwulstete und anschließend durch Heiligsprechungen solcher Leute, Approbationen zahlreicher Erscheinungen und die Erstellung von Messformularen für diese Erscheinungen für Regionen oder sogar die Weltkirche vorgeschriebenen Festen PRINZIPIELL das alles als rechtens, ungefährlich und sogar als empfehenswert hinstellte UND insbesondere durch die Integration der Huldigung an die Erscheinungen selbst in vorgeschriebenen Festen auch ins Glaubensgut integrierte. So einfach ist das eben nicht mit der etwas saloppen Behauptung, das müsse aber niemand glauben. Nach pastor aeternus muss das dann jeder glauben, denn es sind Akte der Päpste gewesen, und dem Papst muss man auch gegen das eigene Gewissen nicht nur formell (!), sondern mit innerer Zustimmung folgen bei allem, was eröffentlich lehrt oder erlässt. Und jeder, der ein bisschen Grips und Menschenkenntnis hat, weiß, dass damit das ganze Volk bis auf ein paar Intellektuelle oder nüchterne Geister verführt wird, dies für bare Münze zu nehmen.

    Die Kirche spielt aber dieses Primborium schon so lange mit, spätestens mit der überstürzten Heiligsprechung des Franziskus von Assisi, die auch damals schon „stank“, dass man hier sagen muss: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Die Kirche kann das nicht ernsthaft und wohlbegründet eindämmen, ohne ihre eigenen Entscheidungen der Vergangenheit zur Disposition zu stellen.
    Würde sie nämlich endlich auch mal inhaltlich Stellung nehmen und nicht bloß autoritär herumrasseln, kämen aus der Herde nämlich Rückfragen bzgl. dieser Vergangenheit… und dann wäre im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los, denn die Unrechtmäßigkeit läge nicht aufseiten der Fragenden…

    Das völlige Unterlassen von begründungen ist übrigens auch die vatikanische Hintertür, es eines Tages doch zuzulassen: so war es auch bei Faustyna. Pius XII. und Johannes XXIII. verboten zwar deren Kult vom Barmherzigen Jesus, gaben aber dafür keinerlei Begründung ab. ich habe danach in meinen Recherchen gesucht und auch hier nur eine arrogante Verbotsäußerung gefunden, die inhaltlich alles offen lässt.

    Noch ein Wort zu den „leuchtenden Kugeln“: Auch das ist ein altes Motiv von „heiligen“ Visionären. Nicht nur im Rahmen abgelehnter Erscheinungen… Ignatius von Loyola erschien die Hl. Dreifaltigkeit mehrfach in Form von leuchtenden Goldkugeln und ich meine auch die Gottesmutter. Und was damals als von Gott galt, sollte jetzt nicht von ihm sein? Oder war es damals – wie Zeitgenossen sagten und den Superheiligen deswegen auch zweimal vor das Inquisitionsgericht brachten – auch schon nicht von Gott?! Und zeigt nicht auch die Biografie dieses Heiligen, der fortan die Geschicke der Kirche mehr als andere bestimmen konnte, wie sehr seine „Charismen“ denen ähneln, die hier kritisiert werden im Forum? Auch in seinen Gottesdiensten wurden Frauen ohnmächtig und fielen um, auch er hatte einen ausgewachsenen Marienwahn, auch er sah leuchtende Kugeln und auch er war mehr als geschäftstüchtig und berechnend, und wahrscheinlich ist Marios Ernsthaftigkeit nicht weniger neben all diesem Ungereimten vorhanden wie bei ihm damals. Denn bei solchen Männern kommt ja immer alles zusammen: die glauben sich selbst das alles natürlich und sind zweifellos ernste Eiferer!

    Es würde sehr schwer, mit diesen Auswüchsen fertig zu werden, weil all diese Fragen eben hochkämen, wenn die Kirche endlich ehrlich wäre. Und dann müsste sie vermutlich mindestens 800 – 1000 Jahre zurück gehen und mit einer Reform da ansetzen, und wir alle wissen, dass es dafür zu spät ist.
    Oder wäre das der Weg zur Buße und Reinigung, den sie aber eben – so schreibt es die Offenabrung des Johannes – kontinuierlich verweigert. Ist uns nicht gesagt, dass man alles, nur nicht Buße tun wird?

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  3. Dorrotee sagt:

    Liebe Fr. Küble,
    für den Mario gehören Sie nun zu den Gefolgsleuten der Schlange, die sich gegen ihn richten und verfolgen werden.

    Gott sei Dank hat der Erzbischof dort eingegriffen. Somit ist die angeblich „böse Gefolgschaft“ kirchenrechtlich gesehen auf der richtigen Seite.

    Ich bin sehr dankbar, dass so schnell etwas unternommen wurde. Oftmals dürfen diese Seher viel zu lange wirken und versammeln schon eine große Schar hinter sich. Einsichtigkeit wird von mal zu mal schwieriger, siehe auch Medjugorje.

    Man kann nur für diesen Mario beten, dass er selbst aus dieser gefährlichen Situation, in der er sich befindet, herausfindet.
    Der Erzbischof erklärte ja, dass seine Maßnahmen für Mario wie eine Medizin wirken sollte.
    Das soll er (Mario) sich mal auf der Zunge zergehen lassen, denn eine Barmherzigkeit steckt in der Aussage der Bischofs.

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    • Mixe sagt:

      Nein, Danke! Diese Barmherzigkeit kennen wir zur Genüge. Siehe, Bischof von Rom und seiner, ach, so großen Barmherzigkeit und Güte. Dem Erzbischof empfehle ich eine viel wirksamere Medizin. Nämlich das unverfälschte Wort Gottes. Und dies regelmäßig, täglich, in kleinen Schlucken und schön auf der Zunge zergehen lassen. Das würde ihm helfen, besser, zu unterscheiden, was richtig und was falsch ist.

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