Für mich bedeutet ADVENT: Ankommen bei GOTT und meine Heimkehr zu CHRISTUS

Von Dennis Riehle

Schon bald feiern wir wieder 1. Advent. „Ankunft“, dieses Wort hat für mich in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung gewonnen. Ich bin wieder angekommen, zurück in der evangelischen Kirche. Doch es geht nicht in erster Linie um die Institution.

Viel eher bin ich wieder angekommen bei Gott. Nach fünf Jahren Abkehr vom christlichen Glauben, aber einem stetigen Ringen mit den existenziellen Fragen des Lebens, habe ich wieder Heimat gefunden.

Die Kirche hat mir die Türen geöffnet und mich willkommen geheißen. Obwohl und gerade, weil ich manches Mal über sie geflucht habe, weil mich zwischenmenschliche Enttäuschungen hadern ließen und weil ich ernstlich gefragt habe „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, gerade deshalb scheint mich die Kirche mit offenen Armen begrüßt zu haben.

So empfand ich es zumindest. Sie würdigte die Ehrlichkeit, mit der ich um die „Theodizée“-Frage gerungen habe. Sie anerkannte, dass ich mich verlassen gefühlt hatte, von Gott, von der Kirche, von meinen Mitgläubigen. Und sie respektierte, dass ich eine Auszeit brauchte, um meine Gedanken, meinen Glauben neu ordnen zu können.

Und dieser Tage frage ich mich, ob ich das alles schon abgeschlossen habe, ob ich wirklich um meinen Willen, meine Überzeugung und meine Seele weiß. Ob ich in mir aufgeräumt habe, alles sortiert ist, wenn ich mich in den nächsten Wochen auf das Kommen des Herrn vorbereite.

Da rollt eine gewaltige Aufgabe auf uns zu, so singen wir bereits: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu’r Herz zum Tempel zubereit‘“, heißt es im ersten Lied des ev. Gesangbuchs bei Georg Weissel 1642.

Ja, ist denn mein Herz wirklich schon so weit, dass ich Türen und Tore bedenkenlos für ihn öffnen kann?

In den letzten Wochen des Jahres sieht es bei Vielen von uns nicht danach aus, als wäre alles geregelt. Im Gegenteil: Wir hasten dem nach, was noch zu tun ist, um den Jahresabschluss zurechtzubiegen. Nebenbei sollen noch Geschenke gekauft, Weihnachtsfeiern gefeiert und Postkarten geschrieben werden. Zweifelsfrei, wenn uns ein Gast ins Haus steht, dann wird es schon einmal hektisch.

Doch für Gottes Sohn müssen wir nicht staubwischen, die Gläser nicht polieren, keine Kleidung bügeln. Viel eher müssen wir bereit sein, uns seiner Ankunft zu stellen. Und noch mehr: Wir dürfen bereit sein, ihn in unser Leben zu lassen. Doch was braucht es dafür, dass wir uns in Losgelöstheit zurücklehnen können, seine Gnade anzunehmen?

Ich mache es so, wie es die Kirche getan hat, als sie mich zurücknahm. Unvoreingenommen, zugeneigt, vertraut sein. Tatsächlich bemerkte ich aber auch bei ihr eine gewisse Unsicherheit. Denn als ich mich langsam heranwagte, wiedereinzutreten, da arbeitete ich mich vorsichtig bis zu meiner Heimatgemeinde vor, tastete den Weg ab und erkannte bei vielen Menschen, mit denen ich aus früheren Zeiten in der Kirche noch eng verbunden war, eine gewisse Zurückhaltung.

„Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?“ – Paul Gerhardt dichtete so 1653. Und es ist wirklich nicht einfach, sich auf jemanden vorzubereiten, mit dem aus ganz verständlichen Gründen Berührungsängste bestehen. Mit Jesus ist es genauso. Da kommt ein König, er zieht bei uns ein – und wir wissen eigentlich nicht, was wir ihm bieten können. Plätzchen, Glühwein, ein paar Nüsse?

Die Kirche hat mir Zuwendung geboten. Sie schenkte mir ein offenes Ohr, sie würdigte meine Bedenken, meine Furcht, meine Unrast. Aber sie ermutigte mich auch in meiner Neugier, in meinem Herzblut, in meiner Leidenschaft für den Glauben. Christus als der, mit dem wir über unser Zweifeln, über unsere Unzufriedenheit mit dem Leid der Welt ins Gespräch kommen können. Mit dem wir aber auch dankbar beten können für all das, was uns Gutes getan wird. An Trost, an Liebe, an Fürsorge.

Geben wir auch Jesus die Chance, seine Verkündigung auf uns wirken zu lassen.

Christus kommt in unsere Herzen, um Frieden zu stiften. Er ist der Friedefürst. Und er will uns versöhnen. Ich habe mich in diesem Jahr mit der Kirche versöhnt. Und  nicht nur deshalb habe ich das Gefühl, dass ich gut auf die Ankunft des Gottessohnes vorbereitet bin. Denn ich habe versucht, auch andernorts Versöhnung zu suchen. Sei es mit manch einem Freund, mit dem schon seit längerem Stillschweigen herrschte. Mit manch einer Entscheidung, die ich getroffen habe, mit der ich im nachhinein aber nicht zufrieden war.

Oder auch mit meinem Leben ganz allgemein. Neue Gelassenheit zu finden, das täte uns auch in den Adventswochen gut. Innerlich brodelnde Konflikte aufzutun und sie zu lösen, zumindest es zu versuchen. Nein, das kann nicht sofort gelingen. Und Jesus nimmt es uns auch nicht übel, wenn wir eben noch nicht völlig frei sind bei seiner Ankunft. Wenn wir noch nicht fertig sind, unser Chaos entwirrt zu haben.

„Sein Szepter ist Barmherzigkeit“, so schreibt es Weissel in der 2. Strophe. Gott ist nachsichtig mit uns, doch er lädt uns ein, die Adventszeit auch dafür zu nutzen, unser Seelenheil zu finden. Endlich einen Schlussstrich zu ziehen unter manch eine Vergangenheit.

All das kann nur funktionieren, wenn wir gleichzeitig auch unsere Geste des Vergebens üben. Sich Zeit nehmen, um nachzudenken, wo vielleicht ein zwischenmenschlicher Kontakt noch gekittet werden kann.

Wenn wir die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu dafür verwenden, Versöhnung zu leben, dann können wir ganz gewiss sein, dass alles bereitet ist. Setzen wir Zeichen des Friedens in unserem eigenen, kleinen Kreis, damit Friede werde hier auf Erden. Ich fühle mich erleichtert, dass ich 2017 einen solchen Schritt getan habe. Und nein, ich bin noch lange nicht am Ziel. 

Immer wieder bringt Christus diese Ermutigung mit sich: Vergebt einander, wie auch er vergeben hat! Diese Worte sollen uns begleiten – ob im Advent oder dann, wenn die Tannen schon wieder auf der Straße landen.

Gelegenheit für Liebe ist jederzeit. Vertrauen wir darauf, dass Gott sie uns schenkt.

Unser evang. Gast-Autor Dennis Riehle wohnt in Konstanz und hat folgende Homepage: http://www.Dennis-Riehle.de

 


AfD wählte heute eine neue Doppelspitze: Prof. Dr. Jörg Meuthen und Dr. Alexander Gauland

Beim heutigen Bundesparteitag der „Alternative für Deutschland“ in Hannover wurde am Abend der Parteivorstand neu gewählt, nachdem die vorige Co-Vorsitzende Dr. Frauke Petry direkt nach der Bundestagswahl zurückgetreten und aus der Partei ausgetreten war.

Die neue Doppelspitze besteht aus dem bisherigen Parteichef Prof. Dr. Jörg Meuthen (siehe Foto) aus Baden-Württemberg sowie dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Alexander Gauland. Meuthen erhielt 72 % der Delegiertenstimmen.

Bei der Wahl zum zweiten Vorsitzenden scheiterte der Berliner Landeschef Georg Pazderski in zwei Wahlgängen. Seine Gegenkandidatin, die schleswig-holsteinische Landeschefin Doris von Sayn-Wittgenstein, kam ebenalls nicht zum Zuge, da sie unter 50% blieb. 

Danach entschied sich der 76-jährige Gauland zur Kandidatur, was offenbar zunächst nicht geplant war. Der frühere CDU-Kommunalpolitiker wurde mit 67,8 % gewählt.

Foto: Felizitas Küble


Prälat Helmut Moll sprach in Telgte über katholische Märtyrer aus der NS-Zeit

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Helmut Moll ist Beauftragter und Herausgeber der Deutschen Bischofskonferenz für das zweibändige Werk „Zeugen für Christus“, ein deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Es versteht sich als Teil eines Gesamtprojekts der Märtyerergeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Der Prälat aus Köln leitet seit 1998 die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln.

Am Samstag, dem 30. September, sprach der Geistliche (siehe Foto) im westfälischen Wallfahrtsort Telgte auf Einladung des in Sendenhorst ansässigen Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster zum Thema „Zeugen für Christus“. Es ging um Märtyrer, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod auf sich nahmen.

Professor Moll konzentrierte sich in seinem aufschlußreichen Vortrag in Wort und Bild besonders auf die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der NS-Zeit. Anschaulich und bewegend schilderte er ihre Liebe zu Christus und ihre authentische marianische Spiritualität als Vorbild für unsere Gegenwart.

Zugleich erwähnte er, wie sein eigener Glaube durch die intensive Beschäftigung mit diesen Märtyrer gefestigt und vertieft wurde.

Der Referent würdigte über ein Dutzend todesmutige Priester, Ordensleute und Laien, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Blutzeugen für Christus, für Gottes Gebote und die Nächstenliebe.  

Als weiterer Gast sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger (siehe Foto) aus Billerbeck über den seliggesprochenen Karl Leisner aus dem Niederrhein. Der Referent war langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er ist Mitautor der Biographie „Coesfelds Fels in der braunen Flut“ über den im KZ Dachau an den Folgen unmenschlicher Misshandlung verstorbenen Dechanten Josef Lodde aus Coesfeld.

Auch der stark von der katholischen Jugendbewegung beseelte Karl Leisner wurde von NS-Scherzen ins KZ Dachau eingeliefert, wo er durch einen französischen Bischof heimlich zum Priester geweiht wurde.

Pfarrer Seeger erläuterte, wie persönlichkeitsprägend die damals weit verbreitete Christkönigs-Frömmigkeit und eine tiefe Marienliebe für diesen Märtyrer war. Zugleich holte sich Leisner Impulse für seine Charakterbildung und Selbsterziehung durch die religionspädagogisch gut bewanderte Schönstattbewegung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnke (siehe Foto) in ergreifenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Dieser in Greven geborene und aufgewachsene Pfarrer war von einer tiefen Marienverehrung und seiner Hinwendung zur Botschaft von Fatima geprägt.

In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei der Madonna und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die Johannes-Offenbarung immer wieder Trost und geistliche Orientierung vermittelten. Er wurde wiederholt verhaftet und starb 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald. Die Nichte zeigte den Teilnehmern mit sichtlicher innerer Erschütterung das Primizbild ihres priesterlichen Verwandten.

BILD: Irmgard Behnke berichtet aus dem Leben ihres Onkels, des Priesters Alfons Mersmann

An Maria orientiert und mit dem Sühnegedanken von Fatima verbunden war zudem der bayerische Pfarrer Karl Borromäus Kramer. Ihm war es wichtig, dem Himmel Buße und Genugtuung zu leisten für die Gottlosigkeit und Verbrechen in jener mörderischen Zeit.

Dem Geistlichen lag besonders das Gebet Jesu im Garten Getsemane am Herzen: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ – Am 27. März 1945 verstarb der geradlinige Priester in Landsberg an den Folgen seiner Haft.

Prälat Moll berichtete, wie der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen durch seine Verbundenheit mit Maria zum katholischen Glauben zurückfand und in zahlreichen Büchern seine Suche und seinen Weg zur Kirche begründete.

Die bekannteste Blutzeugin, die der Geistliche vorstelle, war zweifellos die heiliggesprochene Judenchristin Edith Stein (siehe Bild im 1. Foto oben). Die gebildete Ordensfrau, die auch in Münster als Dozentin wirkte, wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa Stein 1942 im KZ Auschwitz ermordet. 

Auch Laien ließen sich durch eine tiefe Marienverehrung inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl, der durch eine Lourdesreise in seinem Glauben gefestigt wurde.

BILD: Prälat Moll spricht über das Schicksal von Charlotte Holubar, einer Blutzeugin aus der Schönstattbewegung

Mit der Schönstattbewegung verbunden und ebenfalls Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren auch die Pallottinerpatres Franz Reinisch  – er verweigerte den Eid auf Hitler – und Albert Eise, zudem mutige Frauen wie Charlotte Holubars; ihr Lebensmotto lautete „Durch Maria zu Jesus“. Die Schönstätterin wollte „marianische Frauenart“ verkörpern.

Prälat Moll erläuterte, dass es für wahrhaft Gläubige keine Emanzipation von Gottes Wort gebe, sondern die Hingabe an seinen Willen – gleichsam ein gelebtes „Fiat“. Diese Haltung des Gottvertrauens wird in der Schönstättbewegung mit dem plastischen Begriff von der „Blankovollmacht für Gott“ definiert.

Nicht zu vergessen Pater August Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich marianisch ausgerichtet.

BILD: Der Redner zeigt ein Foto von Pater August Benninghaus SJ aus Münster, Märtyrer der NS-Zeit

Nach den lehrreichen und zugleich spannenden Vorträgen folgte eine Aussprache mit zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher.

Dabei entstand eine lebhafte Debatte über Marienerscheinungen der jüngeren Zeit. Professor Moll erklärte, angebliche Privatoffenbarungen müssten mit der Heiligen Schrift, der katholischen Tradition, dem Lehramt bzw. Weltkatechismus und dem Gehorsam gegenüber der Kirche übereinstimmen. Dies sei jedoch häufig  nicht der Fall.

Er appellierte an die Teilnehmer, kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsstätten zu meiden, aber gerne zu den seit  langem bewährten Wallfahrtsorten zu pilgern.

Die inhaltliche Grundlage des faktenstarken Vortrags von Prälat Moll bildete sein Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

Als Ergänzung sehr empfehlenswert ist das eindrucksvolle und übersichtliche Neuerscheinung „Helden und Heilige in Dikaturen“ (siehe Abb.).

Das im Media-Maria-Verlag verlegte Buch des Historikers und FELS-Autors Dr. Eduard Werner stellt Bekenner und Märtyrer unter der nationalsozialistischen oder kommunistischen Herrschaft vor, die heroischen Glaubensmut bewiesen haben, darunter auch Judenretter und Befehlsverweigerer.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der kath. Monatszeitschrift DER FELS, Ausgabe v. Dezember 2017