Prälat Helmut Moll sprach in Telgte über katholische Märtyrer aus der NS-Zeit

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Helmut Moll ist Beauftragter und Herausgeber der Deutschen Bischofskonferenz für das zweibändige Werk „Zeugen für Christus“, ein deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Es versteht sich als Teil eines Gesamtprojekts der Märtyerergeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Der Prälat aus Köln leitet seit 1998 die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln.

Am Samstag, dem 30. September, sprach der Geistliche (siehe Foto) im westfälischen Wallfahrtsort Telgte auf Einladung des in Sendenhorst ansässigen Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster zum Thema „Zeugen für Christus“. Es ging um Märtyrer, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod auf sich nahmen.

Professor Moll konzentrierte sich in seinem aufschlußreichen Vortrag in Wort und Bild besonders auf die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der NS-Zeit. Anschaulich und bewegend schilderte er ihre Liebe zu Christus und ihre authentische marianische Spiritualität als Vorbild für unsere Gegenwart.

Zugleich erwähnte er, wie sein eigener Glaube durch die intensive Beschäftigung mit diesen Märtyrer gefestigt und vertieft wurde.

Der Referent würdigte über ein Dutzend todesmutige Priester, Ordensleute und Laien, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Blutzeugen für Christus, für Gottes Gebote und die Nächstenliebe.  

Als weiterer Gast sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger (siehe Foto) aus Billerbeck über den seliggesprochenen Karl Leisner aus dem Niederrhein. Der Referent war langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er ist Mitautor der Biographie „Coesfelds Fels in der braunen Flut“ über den im KZ Dachau an den Folgen unmenschlicher Misshandlung verstorbenen Dechanten Josef Lodde aus Coesfeld.

Auch der stark von der katholischen Jugendbewegung beseelte Karl Leisner wurde von NS-Scherzen ins KZ Dachau eingeliefert, wo er durch einen französischen Bischof heimlich zum Priester geweiht wurde.

Pfarrer Seeger erläuterte, wie persönlichkeitsprägend die damals weit verbreitete Christkönigs-Frömmigkeit und eine tiefe Marienliebe für diesen Märtyrer war. Zugleich holte sich Leisner Impulse für seine Charakterbildung und Selbsterziehung durch die religionspädagogisch gut bewanderte Schönstattbewegung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnke (siehe Foto) in ergreifenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Dieser in Greven geborene und aufgewachsene Pfarrer war von einer tiefen Marienverehrung und seiner Hinwendung zur Botschaft von Fatima geprägt.

In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei der Madonna und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die Johannes-Offenbarung immer wieder Trost und geistliche Orientierung vermittelten. Er wurde wiederholt verhaftet und starb 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald. Die Nichte zeigte den Teilnehmern mit sichtlicher innerer Erschütterung das Primizbild ihres priesterlichen Verwandten.

BILD: Irmgard Behnke berichtet aus dem Leben ihres Onkels, des Priesters Alfons Mersmann

An Maria orientiert und mit dem Sühnegedanken von Fatima verbunden war zudem der bayerische Pfarrer Karl Borromäus Kramer. Ihm war es wichtig, dem Himmel Buße und Genugtuung zu leisten für die Gottlosigkeit und Verbrechen in jener mörderischen Zeit.

Dem Geistlichen lag besonders das Gebet Jesu im Garten Getsemane am Herzen: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ – Am 27. März 1945 verstarb der geradlinige Priester in Landsberg an den Folgen seiner Haft.

Prälat Moll berichtete, wie der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen durch seine Verbundenheit mit Maria zum katholischen Glauben zurückfand und in zahlreichen Büchern seine Suche und seinen Weg zur Kirche begründete.

Die bekannteste Blutzeugin, die der Geistliche vorstelle, war zweifellos die heiliggesprochene Judenchristin Edith Stein (siehe Bild im 1. Foto oben). Die gebildete Ordensfrau, die auch in Münster als Dozentin wirkte, wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa Stein 1942 im KZ Auschwitz ermordet. 

Auch Laien ließen sich durch eine tiefe Marienverehrung inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl, der durch eine Lourdesreise in seinem Glauben gefestigt wurde.

BILD: Prälat Moll spricht über das Schicksal von Charlotte Holubar, einer Blutzeugin aus der Schönstattbewegung

Mit der Schönstattbewegung verbunden und ebenfalls Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren auch die Pallottinerpatres Franz Reinisch  – er verweigerte den Eid auf Hitler – und Albert Eise, zudem mutige Frauen wie Charlotte Holubars; ihr Lebensmotto lautete „Durch Maria zu Jesus“. Die Schönstätterin wollte „marianische Frauenart“ verkörpern.

Prälat Moll erläuterte, dass es für wahrhaft Gläubige keine Emanzipation von Gottes Wort gebe, sondern die Hingabe an seinen Willen – gleichsam ein gelebtes „Fiat“. Diese Haltung des Gottvertrauens wird in der Schönstättbewegung mit dem plastischen Begriff von der „Blankovollmacht für Gott“ definiert.

Nicht zu vergessen Pater August Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich marianisch ausgerichtet.

BILD: Der Redner zeigt ein Foto von Pater August Benninghaus SJ aus Münster, Märtyrer der NS-Zeit

Nach den lehrreichen und zugleich spannenden Vorträgen folgte eine Aussprache mit zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher.

Dabei entstand eine lebhafte Debatte über Marienerscheinungen der jüngeren Zeit. Professor Moll erklärte, angebliche Privatoffenbarungen müssten mit der Heiligen Schrift, der katholischen Tradition, dem Lehramt bzw. Weltkatechismus und dem Gehorsam gegenüber der Kirche übereinstimmen. Dies sei jedoch häufig  nicht der Fall.

Er appellierte an die Teilnehmer, kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsstätten zu meiden, aber gerne zu den seit  langem bewährten Wallfahrtsorten zu pilgern.

Die inhaltliche Grundlage des faktenstarken Vortrags von Prälat Moll bildete sein Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

Als Ergänzung sehr empfehlenswert ist das eindrucksvolle und übersichtliche Neuerscheinung „Helden und Heilige in Dikaturen“ (siehe Abb.).

Das im Media-Maria-Verlag verlegte Buch des Historikers und FELS-Autors Dr. Eduard Werner stellt Bekenner und Märtyrer unter der nationalsozialistischen oder kommunistischen Herrschaft vor, die heroischen Glaubensmut bewiesen haben, darunter auch Judenretter und Befehlsverweigerer.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der kath. Monatszeitschrift DER FELS, Ausgabe v. Dezember 2017


2 Kommentare on “Prälat Helmut Moll sprach in Telgte über katholische Märtyrer aus der NS-Zeit”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Britischer Bericht: Christen sind die meistverfolgte religiöse Gruppe der Welt 6. Juli 2019 Britischer Bericht: Christen sind die meistverfolgte religiöse Gruppe der Welt INTERNATIONAL 0 London. Ein vom britischen Außenministerium in Auftrag gegebener Bericht des Foreign and Commonwealth Office (FCO) zur Unterstützung verfolgter Christen zeichnet ein düsteres Bild. Demnach leidet derzeit rund ein Drittel der Weltbevölkerung in „irgendeiner Form unter religiöser Verfolgung (…), wobei Christen die am meisten verfolgte Gruppe darstellen“

    http://www.zuerst.de/2019/07/06/britischer-bericht-christen-sind-die-meistverfolgte-religioese-gruppe-der-welt/

    Nach dem Tod eines äthiopischen Juden: Krawalle in Israel eskalieren 6. Juli 2019 Nach dem Tod eines äthiopischen Juden: Krawalle in Israel eskalieren INTERNATIONAL 0 Tel Aviv. Israel sieht sich nach dem Tod eines Juden mit äthiopischen Wurzeln wieder einmal mit dem Apartheid-Vorwurf konfrontiert. Seit Tagen gibt es in zahlreichen Städten Auseinandersetzungen mit der Polizei, und zahlreiche Autos wurden in Brand gesteckt. Die Demonstrationen richten sich gegen Polizeigewalt und „Rassismus“ gegen schwarze Juden.

    http://www.zuerst.de/2019/07/06/nach-dem-tod-eines-aethiopischen-juden-krawalle-in-israel-eskalieren/

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  2. Holger Jahndel sagt:

    Hitler wollte Vatikan ‚dem Erdboden gleichzumachen‘
    Anordnung, den Vatikan zu zerstören und Pius XII. festzunehmen. Racheakt für päpstliche Judenhilfe Rimini (kath.net/ ZENIT.org).

    Artikel auf http://kath.net/news/525 null 0, :

    Der italienische Schriftsteller und Historiker Andrea Tornielli enthüllt in seinem neuen Buch „Pius XII., der Papst der Juden“ die zerstörerischen Absichten Adolph Hitlers, den Vatikan „dem Erdboden gleichzumachen“ und den Bischof von Rom und Oberhaupt der Katholischen Kirche als Geisel irgendwohin in das Fürstentum Liechtenstein zu verschleppen, wo er als Gefangener der deutschen Wehrmacht verbleiben sollte. Hitler befahl 1943 die Zerstörung des Vatikans und die Deportation von Papst Pius XII. als Repressalie für die Hilfe den Juden gegenüber sowie für die Opposition der Kirche gegen das Naziregime, so der italienische Historiker Tornielli. Dieser erklärt in seinem Buch, das soeben im italienischen Handel erschienen ist, dass der Führer in heftigen Zorn geriet, als er von der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen der italienischen Regierung von Marschall Badoglio und den Alliierten vom 8. September 1943 erfuhr, und befahl der SS, den Heiligen Stuhl „dem Erdboden gleichzumachen“. Danach war die Deportierung des Papstes ins Fürstentum Liechtenstein geplant, wo er als Geisel der deutschen Wehrmacht in Gewahrsam bleiben sollte. Doch so weit kam es nicht mehr, da sich der dafür abgeorderte General Karl Wolff, damals Kommandant der SS in Italien, widersetzte. Ihm gelang es, seinen Vorgesetzen davon abzubringen. Der ehemalige Premierminister Giulio Andreotti hat Torniellis These bei einem Treffen der katholischen Bewegung „Communione e Liberazione“ vom 22. August als gültig verteidigt. Die Bewegung Liberazione e Communione ist auf der ganzen Welt präsent. Das Treffen fand am vergangenen Samstag in Rimini seinen Abschluss. Andreotti verteidigte Pius XII. und verwarf die Kritik an diesem Papst, der angeblich der jüdischen Shoah durch die Nazis nicht aktiv entgegen trat. „Die Feindseligkeit gegen den Pacelli-Papst ist nicht auf dessen Schwäche den Nazis gegenüber zurückzuführen, sondern auf dessen Verwerfung des Kommunismus“, so Tornielli. Die von Tornielli erörterten Themen wurden in der Vergangenheit bereits von Historikern und Forschern behandelt, die Zeugnisse und Beweise aus der Zeit der deutschen Besetzung Roms vorlegten. Zu ihnen gehört auch Antonio Gaspari, Autor des Buches „Die Juden, Pius XII und die Schwarze Legende“, in dem Zeugenberichte von Juden vorgestellt werden, die in Rom mit dem Leben davon kamen, und zwar dank der Hilfe von Männern und Frauen der Kirche, was Pius XII. höchst persönlich in die Wege geleitet hatte. Das besagte Buch wurde genau in dem Moment veröffentlicht, als von einigen Sektoren der jüdischen Gemeinschaft sowie von Vertretern der rechtsgerichteten israelischen Regierung der laufende Seligsprechungsprozess Pius XII. abgelehnt wurde. Pius XII. starb am 9. Oktober 1958 in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo nach einem 19-jährigen intensiven Pontifikat. Sein konkretes und effektives Eintreten für die Juden rettete dem Zeugnis des israelischen Forschers Pinchas Lápide zufolge in direkter und indirekter Weise 800.000 von ihnen. Weit davon entfernt, Hitler in irgend einer Weise nahezustehen, wie dies Rolf Hochhuth in seinem Theaterstück „Der Vikar“ boshaft zum Ausdruck brachte, war der Papst aktiv in die Verschwörungen des deutschen Widerstandes involviert, deren Ziel es war, den Tyrannen zu Fall zu bringen, wie Dokumente des englischen „Foreign Office“ hinsichtlich der sog. „Schwarzen Kapelle“ an den Tag brachten, mit welcher Admiral Canaris, Graf Stauffenberg und andere Persönlichkeiten des deutschen Widerstandes verbunden waren. Pacelli hatte das Buch „Mein Kampf“ gelesen und erwog wiederholt die Gefahr der in diesem Buch enthaltenen Ideologien. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er der eigentliche Autor der Enzyklika gegen das Naziregime, „Mit brennender Sorge“ war, die noch unter dem Namen und der Ägide seines Vorgängers veröffentlicht wurde, als Pacelli Kardinalstaatssekretär seines Vorgängers Pius XI. war.

    http://kath.net/news/525/print/yes

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/1924

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