Berühmter kath. Straßenprediger: Vor genau 25 Jahren starb Pater Leppich in Münster

Von Felizitas Küble

Der deutschlandweit bekannte Pater Johannes Leppich SJ stammte aus Oberschlesien. Am 16. April 1915 wurde der Geistliche (siehe Fotos) im oberschlesischen Ratibor geboren. Mit 20 Jahren trat er am 29. April 1935 im schlesischen Mittelsteine in das Noviziat des Jesuitenordens ein.

Er starb am 7. Dezember 1992  – bis zuletzt lebte er in „Haus Sentmaring“, dem Seniorenheim der Jesuiten in Münster. (Der Orden ist einige Jahre später aus Münster ausgezogen.)

Leppich war kein üblicher Redner in gepflegten Vortragssälen, er war ein seltenes Phänomen, nämlich ein katholischer Straßenprediger. Das kennt man sonst eher von protestantischen Erweckungspredigern. Das Dach seines Autos  –  ein VW-Kombi  –  war buchstäblich seine Kanzel.

Berühmt wurde er durch seine Volks- und Straßenpredigten in zahlreichen Städten, vor allem Großstädten. In Fulda kommen 40.000 Menschen zu seinem Vortrag, sogar auf der Reeperbahn (!) in Hamburg sind es 20.000 Leute. Auch der „Spiegel“ widmete ihm damals eine Titelgeschichte.

 

Der Geistliche wollte die religiös entwurzelten Massen unserer Zeit direkt „abholen“ und mit der Botschaft Christi in Kontakt bringen. Dazu halfen ihm seine schlagfertige und handfeste Redeweise, die zartere Gemüter auch als derb empfinden konnten.

In seiner kernigen, zugespitzten Art kritisierte er die Mißstände der beginnenden Wohlstandsgesellschaft, Egoismus und mangelnden Einsatz für Menschen in Not.

Wegen seiner eindeutigen Standpunkte und der teils scharfen Sprache nannte man ihn in der Adenauerzeit „das Maschinengewehr Gottes.“

Durch Reisen nach Pakistan, Indien, Thailand und Nordamerika lernte er Armut und Not in der Welt kennen und organisierte zahlreiche Hilfsaktionen.

Die in manchen Hotelzimmern ausliegenden Bibeln gehen u.a. auch seine Anregung zurück, ebenso der bekannte SOS-Auto-Aufkleber („Bei Lebensgefahr ruft einen katholischen Priester“), den unser Christoferuswerk in Münster seit langem  –  auf Leppichs ausdrücklichen Wunsch hin  –  herausbringt. – Näheres siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/09/09/unser-exklusiver-sos-aufkleber-bei-lebensgefahr-ruft-einen-katholischen-priester/

In vielen Städten, in denen P. Leppich tausende Menschen begeisterte, bildete er kleine Gruppen von aktiven Gläubigen. Diese ‚Pater-Leppich-Kreise‘ entfalteten sich zu einer großen Laienbewegung, die sich in den sechziger Jahren ‚Action 365′ nannte.

Bis Ende der 60er Jahre gab es etwa 2000 Teams in 33 Ländern, die auch sozial tätig waren. So haben 80 Mitglieder des Pater-Leppich-Kreises auf dem jüdischen Friedhof in Augsburg neue Wege angelegt und ca. 200 Gräber hergerichtet.

Der Name der „Aktion 365“ bezog sich auf  die Tage eines Jahres und bezog sich auf die Bibel: Jeder Tag sollte mit dem Lesen der Heiligen Schrift beginnen. Leppich brachte dazu eine Bibel mit täglichen Lese-Hinweisen und Kurz-Kommentaren heraus, die sich am praktischen Leben orientierten.

1971 spaltete sich die Bewegung zur Enttäuschung Leppichs. Die „Action 365“ wurde ihm inhaltlich zu unklar und zu ökumenisch; daher rief er neue Pater-Leppich-Kreise in vielen Städten ins Leben.
Der Geistliche konnte nicht „nur“ mitreißend reden, sondern war auch musikalisch begabt (siehe LP).

Günter Stiff, der katholische Jugendschriftsteller und Gründer des Christoferuswerks (das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt), gehörte von Anfang an zur Leppich-Gruppe in Münster und war ein guter Freund des bekannten Straßenpredigers, wobei sie einen kameradschaftlichen, „hemdsärmeligen“, offenherzigen Umgang pflegten. Leppich nahm ihm dabei direkte Kritik nicht übel (und umgekehrt). Ich habe diese Spätphase im Leben Leppichs noch selber in Münster miterlebt.

Der Geistliche übernahm bereits nach dem Krieg die seelsorgliche Betreuung des Flüchtlingslagers Friedland mit seinen vielen Ostvertriebenen, Spätaussiedlern und Rückkehrern aus russischer Gefangenschaft.

Pater Leppich erreichte große Menschenmassen, die mit den üblichen kirchlichen Mitteln nicht zu erreichen waren. Etwa 70 Prozent seiner Hörer waren mehr oder weniger kirchenfern. Viele Suchende hat er zum Nachdenken und manche auch zum Glauben geführt.

Nach seinen Abendansprachen auf den großen Plätzen in Städten gab es auch eine Gelegenheit zur Beichte. Meist waren mehrere Priester dabei bis gegen Mitternacht eingesetzt.

Wenige Tage nach einer Bauchoperation starb er auf der Intensivstation. Zur Beisetzung auf dem Ordensfriedhof in Münster waren so viele Besucher gekommen wie sonst nur selten.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


7 Kommentare on “Berühmter kath. Straßenprediger: Vor genau 25 Jahren starb Pater Leppich in Münster”

  1. Gerd sagt:

    „In seiner kernigen Art kritisierte er auch die Mißstände der beginnenden Wohlstandsgesellschaft, Egoismus und mangelnden Einsatz für Menschen in Not.“

    Zu seinem Glück kannte er das Greuel der Abtreibungen noch nicht. Was hätte er den zarten Gemütern der Gutmenschen nicht alles entgegen geschleudert.

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    • ester sagt:

      doch das kannte er! Lesen Sie die „Predigten auf der Reeperbahn!“ und schon da kritisiert er die ach so guten, katholischen Vermieter, die ihre Wohnung eben sehr ungern an Familien mit Kindern vermieten, weil die Kinder halt Dreck, Unordnung und Radau machen…….

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      • Gerd sagt:

        Kinder, die Dreck, Unordnung und Radau machen, leben. Kinder nach einer Abtreibung leben definitiv nicht mehr.

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  2. Thomas May sagt:

    Der Jesuit Pater Leppich war in den 50er Jahren der bedeutendste katholische Straßenprediger in Deutschland. Er zog vor allem in den Großstädten die Menschen, unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit, zu Zehntausenden an, wenn er vom zu einer Plattform umgebauten Dach seines Autos predigte.
    Er nahm kein Blatt vor den Mund, schonte auch seine eigene Kirche nicht und pflegte genau das Gegenteil dessen, was heute als Political Correctness vorgeschrieben wird.
    Sein Beispiel zeigt, dass es sehr wohl möglich ist, als glaubenstreuer Priester „scharf“ in der Sache und in der Sprache zu sein, mit den Menschen Tacheles zu reden und trotzdem bei ihnen „anzukommen“. Davon kann sich so mancher klerikale Zeitgeist-Möchtegern heute eine Scheibe abschneiden.
    Leider ist von den Pater-Leppich-Kreisen, die damals wie Pilze aus dem Boden schossen, nichts übriggeblieben.
    Pater Leppich war aber im Alter demütig genug einzuräumen, dass einem manchmal ein Charisma von Gott nur für eine bestimmte Zeit verliehen wird.
    In der Doppelbiographie „Mit Glaubensglut und Feuereifer“ (Patris Verlag 2009) von Markus Trautmann lassen sich die Lebensgeschichten von Pater Leppich und (des mit ihm befreundeten) Pater Werenfried van Straaten („Speckpater“) im Wechsel nachlesen; Letzterem gelang es, sein Lebenswerk im Institut „Kirche in Not“ bleibend zu sichern.

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  3. zeitschnur sagt:

    Abstoßend, der Mann, wenn das stimmt, was im Spiegelartikel von ihm zitiert wird, etwa so was:

    „Eigentlich haftete dem Geistlichen etwas Unheimliches an: Leppichs Physiognomie und seine steile Rhetorik erinnerten gar an Joseph Goebbels, bis hin zum Zungenschlag. Zudem brachte der großmäulige Prediger, der bei seinen Auftritten nie mit wüsten Beschimpfungen sparte, nicht einmal die frohe Botschaft; er wollte die Menschen zu Frömmigkeit und Keuschheit bekehren – mit drastischen Slogans wie „Die Brautzeit ist keine Warenprobe“.“

    „Komm her, du Schweinehund, als Priester geniere ich mich nicht, dir an die Gurgel zu springen!“

    „So wetterte Leppich etwa nach dem Kennedy-Attentat in Cuxhaven anstelle einer Kondolenz: „Als ich die Witwe Kennedys sah, hab ich an die Witwe in Vietnam gedacht – an die ihr nicht gedacht habt. Mord bleibt Mord. Die Amerikaner haben gewusst, dass in Vietnam gemordet wurde.“

    „…1957 die Bonner Bürger als „katholische Landesverräter“ beschimpfte oder als „Blindschleichen und verfettete Kirchgänger“, nur weil die Stadt für seine Kundgebung kein Parkverbot erlassen hatte.“

    „Dass ihn sein Weg in den Orden von der Hitlerjugend über den Reichsarbeitsdienst und die Wehrmacht geführt hatte, konnte Leppich später schwer verbergen – legte er doch den Jargon der Nazi-Jahre niemals richtig ab. So pflegte er noch in den Fünfzigern aus Wut über die ausufernden Schönheitskonkurrenzen zu poltern, wenn es nach ihm ginge, müsse jede Schönheitskönigin ins Arbeitslager.“

    „Mit drastischen, anatomisch präzisen Schilderungen von Geschlechtskrankheiten und Drogenexzessen wollte er seine Anhänger zur Enthaltsamkeit verpflichten. Immer wieder schrie er bei Predigten: „Auch hier bei euch gibt es so ein paar sexuelle Wildschweine, ein paar Grauköpfe, die vor den Lehrmädchen im Betrieb am Montag die Schweinereien vom Sonntag erzählen.““

    „Er war ein glühender Antikommunist, der in jedem Liberalen einen „geistigen Fallschirmspringer aus dem Osten“ sah. Später machte er selbst aus seinen Sympathien für Spaniens katholischen Diktator General Franco keinen Hehl.“

    „1963 verbot er sich bei einer Kollekte in Bad Mergentheim Spenden von weniger als zehn Mark, denn „die hätte die Nitribitt aus der Hand geschlagen“. Eine Anspielung auf die 1957 ermordete Frankfurter Edelhure Rosemarie Nitribitt. “

    „Philumene Lehner, Oberstudiendirektorin des Deutschen Gymnasiums in Aschaffenburg, kritisierte in ihrer Klasse Leppichs Predigtstil, nachdem der auf der Großmutterwiese seine Zuhörer mit einer Rede über die indische Kultur aufgepeitscht hatte: Der Pater sei ein Demagoge und äußere sich „im Stil der Gosse“. Und er lüge, wenn er behaupte, die „heidnischen Priester“ Indiens ließen Leprakranke verhungern, weil sie aufgrund ihres Glaubens an die Wiedergeburt keine Veranlassung sehen würden, etwas für die Sterbenden zu tun.

    Noch am selben Abend schlug Leppich vor 15.000 Zuhörern zurück: „Wenn sie das gesagt hat, muss sie weg.“ Und wenig später drohte er von der Kanzel der Stiftskirche: „Ich betrete Aschaffenburg nicht mehr, solange dieses Weib hier ist.“ Er behauptete, Frau Lehner habe ihren Schülern erklärt, die Inder könnten von ihr aus „doch verrecken“. Natürlich entsprach das nicht den Tatsachen. Doch Leppich sorgte mit den örtlichen Jesuiten und der katholischen Jugend dafür, dass Flugblätter auftauchten, auf denen gefordert wurde: „Weg mit Dr. Lehner!““
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    Ja, passt doch irgendwie wieder mal alles.
    Tut mir leid, aber wenn das alles stimmt, ist das einfach nur fromme Gosse und hat übrigens tendenziell auch kriminell Züge.
    Wie kann man so etwas loben?

    Und zu guter letzt, ging die SJ offenbar gegen die kritische Lehrerin vor:

    „Ein Schüler offenbarte ihr, der lokale Jesuiten-Superior Heinrich Schulz habe ihn zusammen mit Pater Leppich aufgefordert, seine Lehrerin zu bespitzeln, um Material für eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu bekommen. Als sich Lehner deshalb bei Schulz beschwerte, drohte ihr Leppich: „Ich werde dafür sorgen, dass Sie keine Minute mehr Ruhe haben.“

    Wenn das so war: Pfui Teufel!

    Und Früchte im Gemeindeleben? Wo? Langfristig?

    Und was ist mit der Aufforderung des Paulus, nicht zotig und vulgär zu reden (Eph 5, 1 ff)? Gilt das für Jesuiten nicht?

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  4. Doris de Boer sagt:

    Ich habe Kassetten, auf denen er mit Kindern redet. Das ist so schön anzuhören. Und alle waren Feuer und Flamme für ihn und seine Mission. Am liebsten hätten einige gleich die Schule abgebrochen und wären mit ihm mitgegangen, aber der gute Pater hat sie natürlich vertröstet auf später.

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  5. Cornelia Vogt sagt:

    Ich erinnere mich an Pater Leppich.
    Er war in aller Munde damals.

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