Haben wir heute zu kämpfen verlernt?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Wort „kämpfen“ in der Überschrift wird heute als völlig deplatziert angesehen. Wer will in einer Spaßgesellschaft noch kämpfen? Wer ein solches Wort noch in seinem Vokabular führt, verurteilt sich selbst zur Erfolglosigkeit. Er begeht gesellschaftlichen Selbstmord. Dabei ist mit „kämpfen“ immer an eine geistige Auseinandersetzung gedacht. 

Vielleicht würde noch das Wort „aufklären“ oder „verteidigen“ akzeptiert werden. Diesen Begriff haben wir noch im gängigen Sprachgebrauch, z.B. bei einem Fußballmatch, in dem einige Spieler das eigene Tor vor gegnerischen Bällen schützen. Doch der Kampf der 22  Kicker in der Fußballarena hat mit dem Lebensgefühl der Zuschauer nichts gemeinsam.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“

„Kämpfen“ beschreibt heute nur mehr die Lebensrealität einer kleinen Elite im Sport, Showgeschäft, in der Politik, in Unternehmen und großen Verbänden. Dort wird mit harten Bandagen gekämpft. Und dann gibt es noch die kleine Schar derer, die gegen die anthropologische Revolution in der Gesellschaft, konkret für das Leben und die Würde aller Menschen, gegen Abtreibung, Genderideologie etc. einen heroischen Kampf führt.

Verpönt ist das Wort „Kampf“ auch in der Kirche. Wo kämpfen das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend oder die katholischen Frauenverbände, wenn der Glaube der Kirche zur Diskussion steht?

Die Kultur des Relativismus ist in diesen Gremien fest etabliert. Von ihr sagte Joseph Kardinal Ratzinger am 18. April 2015:

„Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, das sich ‚vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung Hin- und -Hertreiben Lassen‘ als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint.

Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt“.

Also segelt man lieber in den genannten Gremien mit dem Rückenwind des Zeitgeistes, als gegen den Wind der veröffentlichten Meinung anzukämpfen. Selbst bei den Hirten haben wir, abgesehen von den bekannten Ausnahmen, Zweifel, ob ihnen die massive Fahnenflucht der Gläubigen schlaflose Nächte bereitet.

Muss man sich darüber wundern?

Wir haben in der Bundesrepublik Deutschland 72 Friedensjahre hinter uns. Die Christen wurden – sieht man von Schikanen oder gesellschaftlicher Zurücksetzung ab – nicht verfolgt. Das letzte Mal wurden Katholiken hierzulande in den 12 Jahren der Naziherrschaft geprüft. Wir kennen nicht die genaue Zahl derer, die für ihren Glauben gekämpft, ihren Arbeitsplatz verloren haben, in KZ’s gesteckt oder zur „Frontbewährung“ abkommandiert wurden. Was uns bekannt ist, sind die rund 4000 polnischen, deutschen und französischen Priester, die in KZ’s umgebracht wurden.

72 Friedensjahre sind eine lange Zeit, die zur Bequemlichkeit, zur Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist und auch dazu führt, zu „leben, als ob es Gott nicht gäbe“ (Joh. Paul II.).

Die Statistiken der Kirchenaustritte und der Gottesdienstbesuche sprechen eine beredte Sprache. Diese Erscheinung ist nicht auf unsere Zeit beschränkt. Das zeigt sich, wenn wir in der Kirchengeschichte zurückblättern.

Bis zum Mailänder Toleranzedikt Kaiser Konstantins im Jahr 313 wurden sieben, nach anderen Studien zehn Christenverfolgungen gezählt. Schon damals ging die Bereitschaft, für den Glauben einzustehen, zurück, wenn der Abstand zwischen zwei Verfolgungen groß war. Trotzdem stieg die Zahl der Gläubigen insgesamt an, weil das Beispiel der Märtyrer Faszination auslöste.

Das Leitwort des größten Missionars der Kirche, des heiligen Paulus, stand ihnen immer vor Augen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt“.

Auch die christdemokratischen Parteien haben sich in den letzten Jahrzehnten von dem getrennt, was der Machterhaltung im Weg steht. Kardinal Meisner hat einmal geäußert: „Eine christdemokratische Partei kann in der heutigen säkularisierten Gesellschaft keine Mehrheit mehr erringen“.

Die christlichen Parteien auf nationaler und auf EU-Ebene haben daraus ihre Konsequenzen gezogen, wie Vladimir Palko in seinem Buch „Die Löwen kommen“ schreibt: „Die christlichen Parteien und die christlichen Politiker des Westens haben sich bei der Wahl zwischen der Treue zu christlichen Prinzipien und einem größeren Anteil an Macht entschieden – und zwar für die Macht“. (S. 184)

Was bleibt also zu tun in dem Kampf „zwischen den Kräften der anthropologischen Revolution und dem Christentum, zwischen der Kultur des Lebens und der Kultur des Todes. Und gerade in diesem Kampf ist das christliche Engagement in eine Krise geraten“. (Vladimir Palko, Die Löwen kommen, S. 480).

Palko gibt „zehn Gebote bzw. Ratschläge“. Davor ist das Wort von Papst Leo XIII. gesetzt: „Christen sind zum Kampf geboren“.

Was steht in der heutigen Zeit dem „Kämpfen“ im Weg? Es sind Verunsicherung und die Frage, wofür man kämpfen soll.

Es heißt, wir leben in einer Zeit der Veränderungen. „Veränderung“ ist ein viel zu harmloses Wort. Tatsächlich erleben wir Revolutionen, Damm- und Kulturbrüche – und das bei gleichzeitiger Orientierungslosigkeit, Desinformation und einem Ansehensverlust der religiösen, staatlichen und rechtlichen Autoritäten.

Das muss näher erklärt werden:

Jeder erkennt die Veränderungen durch Computer und Smartphones, die Kinder, Jugendliche und auch Ältere faszinieren. Sie haben das Kommunikationsverhalten – bis in die Kinderzimmer hinein – revolutioniert.

Jeder hat schon von dem Fortschritt in der Medizin erfahren oder ihn an sich selber erlebt. Vielleicht aber kennt nicht jeder die gentechnologischen Möglichkeiten, die dazu führen, dass Designer-Babys mit den gewünschten Eigenschaften produziert werden und homosexuelle Partnerschaften per Samenspende und Leihmutterschaft ihr „Recht auf Kinder“ realisieren können.

Künstliche Befruchtung ist bei uns ebenso wie die Samenspende erlaubt, wenn sie nicht anonym erfolgt. Die beiden Kirchen haben am 6. Mai 2017 die „Woche für das Leben“ unter das Thema gestellt „Kinderwunsch – Wunschkind – Designer-Baby“. Die medizinischen Wissenschaften ermöglichen neue technische Verfahren, aber „kein Orientierungswissen mit Blick auf ethische Grenzen und Fragen der Menschenwürde“ (AZ, 27.4.2017).

Mit dieser technischen Revolution stehen wir mitten in der anthropologischen Revolution, die damit Hand in Hand geht. Die bisherige verfassungsmäßig anerkannte, eine Gesellschaft tragende Institution der Ehe als einer Verbindung von Mann und Frau, die für den Fortbestand einer Gesellschaft unersetzlich ist und die deswegen den besonderen Schutz des Staates im Rücken hatte, ist seit dem Bundestagsbeschluss vom 30. Juni 2017 zur „Ehe für Alle“ ausgehebelt worden.

Das stellt einen Kultur- und Dammbruch dar, der in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 28.6.2017 so kommentiert wurde:

„Wie Menschen zusammenleben, wer sich in wen verliebt und wer mit wem dauerhaft eine Beziehung eingeht, geht den Staat nichts an. Er hat nur dafür zu sorgen, dass alle tatsächlich gleich behandelt werden. Angela Merkel hat spät, aber nicht zu spät erkannt, dass das Nein der Union zur Homo-Ehe nicht mehr zeitgemäß und somit nicht länger zu halten ist“.

Journalisten haben offensichtlich aus ihrer Sicht nicht einen Informationsauftrag, sondern einen Meinungsbildungsauftrag.

Der Weg zur „Ehe für Alle“ ist durch die allmählich rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe von Mann und Frau geebnet worden. Diese Kulturrevolution wurde durch die Genderideologie forciert. Die Genderideologie wurde durch die letzte Bundesregierung als Querschnittsaufgabe im Koalitionsvertrag – übrigens ohne eine Parlamentsdebatte – installiert und zieht inzwischen u.a. in der Sexualaufklärung an staatlichen Pflichtschulen unter der Bezeichnung der „sexuellen Vielfalt“ ihre Kreise.

Kernpunkt dieser Ideologie ist es, dass der Mensch autonom sein Geschlecht selbst bestimmt. Die Einebnung der Geschlechter macht Debatten, die auf Unterschiede der Geschlechter zurückzuführen sind, überholt, weil gegenstandslos.

Die anthropologischen Revolutionen werden lt. Umfragen von der Bevölkerung mehrheitlich akzeptiert. Was sind die Gründe dafür?

Ist es Resignation, weil das, was technisch möglich ist, ohnehin nicht zu verhindern sei und über kurz oder lang politisch und rechtlich abgesegnet würde. Ist es Kurzsicht, weil die Folgen solcher Dammbrüche gar nicht abzuschätzen sind? Ist es „hilflose Gleichgültigkeit“? Ist es das Resultat des Relativismus? Das ist das Credo unserer Zeit, wonach es keine absolute Wahrheit gibt, weil alle Meinungen als gleichwertig und gleichrangig anzusehen sind.

Wie kann sich aber ein gläubiger Christ in einer solchen Welt orientieren? Katholiken denken zunächst an das kirchliche Lehramt. Das üben in den Diözesen die Nachfolger der Apostel, d.h. die Bischöfe aus. Ihre Autorität ist aber beeinträchtigt.

Die Ursachen dieses Autoritätsverlusts reichen weit zurück. Zu nennen sind die sog. „Königsteiner Erklärung“ als Antwort auf das päpstliche Schreiben „Humanae Vitae“ Pauls VI., die Einbindung  –  außer einst Erzbischof Dyba  –  in die staatliche schwangeren Konfliktberatung zur rechtswidrigen, aber straffreien Abtreibung, das Schweigen zu Häresien an theologischen Fakultäten, zu einem defizitären Religionsunterricht, zur Genderideologie etc..

Diese Vorgänge lähmen das Engagement für die Kirche, weil sich viele „heimatlos“ in der Kirche sehen und fragen: was gilt noch?

Aber: Für jeden Katholiken gibt es auch heute eine klare und verbindliche Orientierung im Katechismus der katholischen Kirche (KKK) vom 11. Oktober 1992, den Kardinal Ratzinger im Auftrag von Papst Johannes Paul II. geschaffen hat.

Niemand ist ohne Kompass! Es ist auch zu bedenken, wenn wir uns nicht mehr für den Glauben einsetzen, dann lassen wir auch jene Christen im Stich, die verfolgt werden und unser Beispiel brauchen, um durchzuhalten.

Es sind weltweit mehr als 220 Mio., die in Ländern leben, in denen ihnen grundlegende Rechte vorenthalten werden und die schlimme Formen von Diskriminierung erleiden. Wenn wir resignieren, entmutigen wir auch jene, welche sich für eine christlich geprägte humane Kultur auf Talkshows angiften lassen und die für ihre Überzeugung zu einer friedlichen Demo auf die Straße gehen, z.B. Gabriele Kuby, Birgit Kelle, Hedig von Beverfoerde oder Alexandra Linder.

Wir sollten uns schon fragen, was heute auf dem Spiel steht. Es sind unser christlicher Glaube, unser Verständnis von Ehe und von einer christlich geprägten humanen Kultur.

Es ist das, was der durchaus kirchenkritische Schriftsteller Heinrich Böll einmal so ausgedrückt hat:

„Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen Welt vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: Für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum für sie: Liebe für die, die der heidnischen Welt nutzlos erschienen und erscheinen“.


8 Kommentare on “Haben wir heute zu kämpfen verlernt?”

  1. Cornelia Vogt sagt:

    Es darf jeder für sich SELBST ENTSCHEIDEN, wie er zu leben gedenkt.
    Man soll seinen Lebensstil in EINKLANG mit den GEBOTEN leben.
    Verantworten NUR vor GOTT.
    Ja, ENDZEITCHARAKTER ist ersichtlich.
    Ein jedes einzelne Leben ist EIN GESCHENK unseres Herrn.
    Ein WUNDER GOTTES und kein Gegenstand, den man OHNE SKRUPEL entsorgt.
    Die OFFENBARUNG ist KEIN LEERES GESCHWÄTZ.
    Ich bin jemand, der DANKBAR IST, GOTT AN MEINER SEITE ZU WISSEN.
    Ich betete zu Gott wie wenn ich mit meinem BESTEN FREUND sprechen würde.
    Zum Schluß sprach ich: „Gell, Du weißt schon, was ich MEINE. “
    Gott ist ÜBERALL DORT, wo HILFE NOT TUT.
    Seinen HEILIGEN GEIST sieht man nicht.UND DOCH WIRKT ER.
    Es sind AUFERLEGTE PRÜFUNGEN, wenn Menschen etwas Schlimmes widerfährt .
    Es ist NICHT GOTT, der sowas VERURSACHT.
    UND DA fängt das BEWUßTE DENKEN AN.
    ANNEHMEN und TROTZ ALLER PROBLEME nicht zornig REAGIEREN.
    BETEN um Hilfe, die SITUATION meistern zu können.
    Was GESCHAH, ist VORBEI.
    Die ZUKUNFT AUßEN VOR LASSEN.
    DIE GEGENWART, DAS HEUTE leben.
    Dann lebt es sich leichter.
    Es ist so vieles UNWICHTIG im Leben eines Menschen.
    Sie wollen nur MITHALTEN KÖNNEN.
    ARBEITEN für DAS, was man WIRKLICH BRAUCHT
    Ist sehr viel WENIGER, als man DENKT.

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  2. Cornelia Vogt sagt:

    Kämpfen NICHT MIT WAFFEN.
    DOCH KÄMPFEN GEGEN UNRECHT.
    Helfen DEM, der UNS DARUM BITTET….
    DAS setzt jedoch voraus, daß man SELBER alles EIGENE IM GRIFF HAT.
    ANSONSTEN kann man NICHTS ERREICHEN.
    NICHT NACH dem TOD ERST Leben in FRIEDEN.
    Man HAT nur dieses EINE LEBEN HIER.
    NACH DEM TODE ist es die SEELE, die bei GOTT IST, NICHT der KÖRPER MEHR.

    Ich LEBE …GERN.
    Einfach und bescheiden.
    Aber ICH BRAUCHE AUCH NICHT mehr .
    Es wäre KEIN BURNOUT NÖTIG GEWESEN, wenn man DAS VORHER erkannt HÄTTE.
    Erst der totale ZUSAMMENBRUCH muß kommen, eh ein MENSCH ERKENNT, daß er nur ein MENSCH IST und keine SKLAVE, DER NACH DESSEN TOD DURCH DEN NÄCHSTEN SKLAVEN ERSETZT WIRD .
    Zum WOHLE der HOCHFINANZ.

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  3. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Manche scheinen sich der Realität nur schrittweise nähern zu können – bahnbrechend ist die Erkenntnis des Relativismus 2018 nun wirklich nicht mehr. Viele aufgeschreckte „brave“ Katholiken scheinen doch noch zu sehr den 80er Jahren verhaftet zu sein, sehen immer noch ein Aufklärungsdefizit bei ihren Bischöfen und sind furchtbar irritiert über „ihre“ CDU.
    Mit Verlaub: das war vorgestern. Heute geschieht vor unseren Augen nicht weniger als eine Systemtransformation in eine „Formierte Gesellschaft“, die eine bestimmte „Haltung“ erwartet und in der Christentum keinerlei Rolle zu spielen hat. Eine postkatholische Restrukturierung designt derweil hektisch einen sozialemanzipathorischen Eine-Welt-Kampagnen-„Katholizismus“, um noch irgendwie auf den abfahrenden Zug aufzuspringen.

    Und noch ein Wort: In der heute Form annehmenden Wolfsgesellschaft steht doch jeder unablässig im Kampf, sowohl im Privat- wie im Berufsleben pausenlos „im Wettbewerb“, um nicht abgehängt zu werden. Man sollte sich da vom aufgesetzten Lächeln und vorgeblicher „Entspanntheit“ der Zeitgenossen nicht täuschen lassen: Wenn man nicht mehr funktionieren kann, wird man kaltlächelnd in die „Sozial“-Systeme entsorgt.

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    • Cornelia Vogt sagt:

      GENAU so ist es.
      DOCH INS SOZIALSYSTEM eiskalt FALLEN GELASSEN.
      Da baute man doch lieber BND neu.
      Mit GELD, was FEHLT.
      Menschen ließen sich VERSKLAVEN.
      Wie MARIONETTEN DER DRAHTZIEHER in einem JEDEN LAND.
      FREI sind nur Menschen, die sich IHRES EIGENEN WERTES BEWUßT SIND und MIT GOTT IM HERZEN LEBEN.
      Wer STURM SÄT, ist zu LAUT.
      IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT .
      Denn GOTT ist mit den SEINEN.
      Alles Liebe Ihnen.

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  4. zeitschnur sagt:

    Als jemand, der mitten im Leben steht, kann ich das alles nicht nachvollziehen – es ist umgekehrt: man muss kämpfen selbst da, wo der Mensch Ruhe bräuchte. Der Alltag kennt keine Oasen mehr. Woher die Rede von „Entschleunigung“, „Entspannung“, „Auszeit“ und „Sabbatjahr“?
    Die schöne neue globale kapitalistische Welt hat das Leben zum Krieg gemacht.
    Kann es sein, dass der Autor eine Wirklichkeit beschreibt, die vor 25 Jahren mal ansatzweise existierte, und hat verpasst zu bemerken, dass es heute längst anders aussieht.
    Vielleicht sollte der Autor sich zB Einkommensstatistiken ansehen? Mietpreiswucher? Die private Prokopfverschuldung? Die Scheidungsrate? Ob das alles sich schlafend bewältigen und verkraften lässt?

    Auch das Gerede vom „Relativismus“ ist mE leichtfertiges Gerede abgesicherter alter Männer: Immerhin hat ihresgleichen seit 2000 Jahren ja alles getan, um verwirrung zu stiften mit ständig neuen lehren und einem unfairen kampf drum, was nun „wahr“ ist, so schlimm und verheerend, dass der heutige Mensch nicht mehr wissen kann, was er glauben soll und all diesen selbsternannten Lehrern mit äußersten Vorbehalten gegenüber stehen MUSS, wenn für ihn nicht der bekannte Spruch von den Kälbern die sich ihre Metzger selber suchen, gelten soll.

    Davon abgesehen empfehle ich dem Autor einen Blick in das NT: dort wird beschrieben, dass sich der Weltllauf auf diesen Zustand zubewegen wird und die Verwirrung so groß sein wird, dass selbst die Heiligen verloren gingen, wenn Gott es nicht verhindern würde.

    Angesichts solch ernster Worte finde ich solche „bürgerlichen“ Jammerartikel irgendwie oberflächlich und fahrlässig. Sie treten denen, die eh am Boden liegen, auch noch in den Bauch.

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    • Gerd sagt:

      Meistens genügt ein (!) Blick ins NT nicht, um komplexe Glaubensfragen aufzuarbeiten. Das NT will im Zusammenhang gelesen werden und nicht selektiv. Wenn die Verwirrung groß wird und selbst die Heiligen verloren gingen, bleibt immer noch das Wort des Herrn: Fürchtet euch nicht. Ich habe die Welt überwunden. Glaubt an Gott und glaubt an mich.

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      • zeitschnur sagt:

        Na denn – da die Prophezeiung der totalen Verwirrung Jesus selbst in seinen Endzeitreden angekündigt hat, sollten Sie unseren Herrn nicht darüber belehren wollen.
        Manchmal würde es schon genügen, wenn man Postings vollständig liest und versteht: Ich habe drauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, die Heiligen zu verführen, weil Gott es verhindern wird.
        Bloß: wer sind die „Heiligen“? es sind die „Auserwählten“.
        Und wer ist das?

        Das geschieht aber nicht schlafend, sondern wachend.
        Es ist nicht damit getan, dass man irgendwie an Gott und Jesus glaubt.
        Es genügt auch nicht, dass man irgendwie kämpft, sondern man muss „recht gekämpft haben“ (Paulus in 2. Tim. 3).
        Und da fängt eben die Verwirrung an: wer glaubt nicht alles, recht zu kämpfen, und es können diese alle nicht im recht sein, weil in Gott keine Widersprüche sind.
        Man steige also diesbezgl. vom hohen Ross.

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    • ester sagt:

      Auf jeden Fall sind solche Jammertiraden nicht besonders hilfreich für die, die eh schon kurz davor sind, zusammenzubrechen.
      Und sagen wir so, auch und wenn ich immer Bauchweh bei Rundumschhlägen habe, aber was nutzt denn das konservative, lehrmäßíg korrekte Rumgehacke auf der Königsteiner Erklärung, wenn man selber ein Klima mitschaft, wo Kinder, weil sie Dreck, Unordnung, Durcheinander und Radau machen und unsichere Lebensverhältnisse, Probleme, Kummer und Sorgen nur stören?

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