Wo blieb ein klares Wort der deutschen Bischöfe bei der Regierungsbildung?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Nach den vergeblichen Bemühungen eine Jamaika-Koalition zu schmieden, haben die Unionsparteien im zweiten Anlauf versucht, mit der SPD eine „große Koalition“ zusammenzubringen. Wichtige Verhandlungsthemen waren die Bürgerversicherung, der Spitzensteuersatz, der Solidaritätszuschlag und die Familienzusammenführung für Flüchtlinge, die keine Aufenthaltsgenehmigung auf Dauer haben.

Ein politischer Neuanfang oder eine Wende sehen anders aus. So existentielle Themen wie die demographische Entwicklung, die sich schon deutlich in unbesetzten Lehrlings- und Facharbeiterstellen zeigt, spielte keine Rolle.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Die Zukunftsprobleme unseres Landes, die mit vitalen Familien mit Kindern verknüpft sind, kamen nicht zur Sprache. „Familienzusammenführung“ im Inland statt forcierter Kitapolitik, die Mütter möglichst rasch nach der Geburt eines Kindes an den Arbeitsplatz zurückholt und ein Wahlrecht zwischen Kita und Kostenerstattung für den Betreuungsplatz, waren keine Themen.

Obwohl es der Wirtschaft (noch) gut geht, greift Angst um sich. „German Angst“ ist eine weltweit bekannte Zustandsbeschreibung für die Deutschen. Mit Angst lassen sich aber künftige Krisen nicht bewältigen.

Diese Angst hat auch damit zu tun, dass die Kraftquelle einer Gesellschaft, die mit einer religiösen Bindung gegeben ist, versickert, weil der Glaube in unserem Land immer mehr verdunstet. Das erinnert an ein bekanntes Wort, dass Gesellschaft und Politik von Voraussetzungen leben, die sie selber nicht schaffen können. Dafür wären die Kirchen zuständig.

Der geistig-moralische Zustand kann in der deutschen Gesellschaft nicht besser sein als die Situation in der Ortskirche. Es sind zwei Seiten einer Medaille, die wie bei kommunizierenden Röhren ein ähnliches Niveau haben.

Beim Schweigen der Bischöfe – von den bekannten Ausnahmen abgesehen – zu dem seit Jahrzehnten andauernden religiösen Niedergang und den Vorgängen, die ihre Mitsorge für die Gesellschaft betreffen, z.B. zum Schutz des Lebens, zur Abtreibung, zur Gerechtigkeit gegenüber der Familie, zur Gender-Ideologie zeigt sich statt eines Widerspruchs eine erschreckende Anpassung an die Mächtigen dieser Welt.

Warum haben die Bischöfe bei der Regierungsbildung nicht kraftvoll die Anliegen der Kirche zum Ausdruck gebracht?

Bischöfe klagen über innerkirchliche Auseinandersetzungen, über Lagerdenken und kontroverse Strömungen. Worüber nicht gesprochen wird: Dass es bei solchen Auseinandersetzungen auch um Wahrheit geht.

Selbstverständlich sollen in einer Zeit großer Verwirrung diese Differenzen im Geist des Aufeinanderhörens ausgetragen werden. Aber es müssen die Dinge noch beim Namen genannt werden, wie Weihbischof Athanasius Schneider kürzlich in einem Interview mit der Tagespost (11. Januar 2018) im Zusammenhang mit „Amoris Laetitia“ deutlich gemacht hat.

Denn viele Katholiken wissen nicht mehr, was noch gilt, und fühlen sich inzwischen in der eigenen Kirche heimatlos. Schließlich: jede Gemeinschaft, auch die Kirche, braucht Mindeststrukturen. Wenn sie aber zum Hindernis für einen Neuaufbruch im Glauben werden, sind Reformen überfällig. Mit „weiter wie bisher“ hat die Ortskirche keine Zukunft.


4 Kommentare on “Wo blieb ein klares Wort der deutschen Bischöfe bei der Regierungsbildung?”

  1. Cornelia Vogt sagt:

    Die innerliche Kirchensituation KANN ja nicht ANDERS SEIN.
    GOTT SIEHT ALLES.
    Er läßt seine HERDE NICHT ALLEIN ,AUCH wenn es den Anschein haben mag nach Außen.
    Kirchenvertreter sind MENSCHEN.
    Der Glaube wurde immer WENIGER.
    Erzählen, PREDIGEN kann man VIEL.
    Aber es wurde mehr und MEHR hinterfragt, ob das denn ÜBERHAUPT alles STIMME.
    SO glaubten ZUERST irgendwelche Eltern nicht mehr an eine höhere Macht, an GOTT SCHON GAR NICHT.
    DEREN Kinder dann FOLGLICH auch nicht.
    Taufen, die ERSTE Hl.Kommunion sind RITEN.
    Aber ist das FEST VORBEI, dann verläuft es im Sande.
    VORBILDFUNKTION KEINE VORHANDEN.
    Kirchen BEMÜHEN sich SEHR, durch ERSTELLEN von NÄHE, durch Gemeinsamkeit in Pfarrheimen sowie Teilhaben an Sozialem Geschehen.
    DOCH Alles in ALLEM fehlt der Eingriff unseres Herrn.
    Das ist NICHT von der Hand zu weisen.
    Jeder, der bis drei zählen kann, SIEHT die NOT.
    Jeder GLÄUBIGE betet um HILFE FÜR DEN WELTFRIEDEN.
    DAS bleibt nicht UNGEHÖRT.

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  2. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Bei allem Respekt vor dem Autor erscheint seine Irritation über die Unionsparteien und die Bischöfe so rührend kindlich wie hilflos. Mit großen Augen beklagt er immer wieder, wie sich die politische Landschaft tektonisch verschoben hat: was früher als dezidiert linksliberal galt, ist heute akzeptierter „bürgerlicher“ Mainstream. Erschreckt konstatiert er, dass von der sog. Homo-„Ehe“ über Kinderkrippen à la DDR bis „Gender“ alles von der CDU und der DBK brav mitgetragen wird, vielleicht mit ein bißchen Grummeln hier und da.
    „Kitapolitik, die Mütter möglichst rasch nach der Geburt eines Kindes an den Arbeitsplatz zurückholt“ gibt es doch beileibe nicht seit gestern, deren geistige Grundlagen wurden auf dem Essener „Frauenparteitag“ der CDU im Jahre 1985 (!) gelegt – soviel zu Erwartungen einer „Wende“…

    Mit nur etwas Realitätssinn wird man unschwer feststellen, dass die – bezeichnenderweise wie eine Staatskirchenführung agierende – DBK derzeit eine postkatholische Restrukturierung (https://kirchfahrter.wordpress.com/2017/09/07/die-aufregung-ueber-den-marx-ismus-im-woelkikuckucksheim/) inszeniert und im Gemeinwesen parallel dazu eine Systemtransformation (https://kirchfahrter.wordpress.com/2017/09/05/was-bedeutet-denn-eigentlich-systemtransformation/) umgesetzt wird. Nun gilt es, die erforderlichen Schlußfolgerungen zu ziehen und nicht nostalgisch vergangenen Zeiten nachzuweinen. Solange man aber unbedingt mit Bischöfen bei FDK-Veranstaltungen sitzen will und Geld von ihnen nimmt, wird man sich damit naturgemäß schwer tun, fürchte ich…

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  3. Reichhardt, Horst Juan sagt:

    Sicherlich können wir für die Bürger des Landes nichts Gutes von der großen Koalition erwarten. Aber wir sollten nie vergessen, wer unser wahrer König ist !!! „Ihr wisst, daß die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht mißbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein…“ (Mk 10,42f) Das sagte unser HERR. Warum brauchen sie einen König, fragte schon Gott seinen Priester Samuel? „Unser Volk kann tatsächlich nur dann bestraft werden, und das Schwert hat nur dann Gewalt über sie, wenn sie sich gegen ihren Gott versündigt haben.“ (Judith 10,10)
    Und die Sünden schreien nun wirklich zum Himmel, durch Töten ungeborener Kinder, durch Kriege und Aggressionen in der ganzen Welt, mit militärischer Beteiligung Deutschlands usw, usw.. Seien wir gehalten, zu beten für alle Täter und Opfer und kehren wir um zu unserem christlichen Glauben. Das scheint mir der einzige Weg zu sein.

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  4. zeitschnur sagt:

    „Bischöfe klagen über innerkirchliche Auseinandersetzungen, über Lagerdenken und kontroverse Strömungen. Worüber nicht gesprochen wird: Dass es bei solchen Auseinandersetzungen auch um Wahrheit geht.“

    Die Katze beißt sich in den Schwanz… welche „Wahrheit“? Diese „Wahrheit“ gab es doch in der Kirche im politischen Geschäft noch nie wirklich. Wenn man die Geschichtsbücher aufschlägt, begegnet einem nichts anderes als immer dasselbe traurige Bild. Erst die Nachwelt verklärt diese Situationen und verpasst ihr einen Heiligenschein, der nicht mehr rückgängig zu machen ist.
    Wenn man das lange genug so betreibt, kommt exakt das heraus, was wir heute haben. Wenn man schon zu oft behauptet hat, man „definiere“ die absolute Wahrheit, kann man nur, noch dazu, wenn man selbst diese Wahrheit dann meist nur halbernst befolgte, in ausweglosen Widersprüchen landen.

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