Franziskus und seine Richtungsänderung bei der „Päpstlichen Akademie für das Leben“

Folgt bald ein vatikanisches JA zur künstlichen Verhütung?

Es war ziemlich klar, warum Papst Franziskus die von Johannes Paul II. gegründete „Päpstliche Akademie für das Leben“ zerstört hat, indem er alle 172 Mitglieder entließ, eine Neufassung der Statuten anordnete und den vorgeschriebenen Eid für das Leben abschaffte.

Sein Plan war, die „Päpstliche Akademie für das Leben“ in ein Instrument umzuwandeln, das sein jetzt laufendes unglaubliches Programm fördern soll: nämlich den Versuch, die Lehre der Kirche über in sich sündhafte Handlungen, die dem 6. Gebot zuwiderlaufen, zu untergraben. Das geschieht über die Schiene des apostolischen Schreibens Amoris Laetita (AL), das in Kapitel 8 eine Form der Situationsethik vertritt, die „komplexe Umstände“ berücksichtigt.

Dieses Programm wird über die neukonstituierte „Päpstliche Akademie für das Leben“ nun zu einem Angriff auf die Lehre der Kirche über Empfängnisverhütung als einer in sich sündhafte Handlung führen. Wir haben jetzt Beweise für diese Absicht:

Wie der amerikanische Internetdienst „LifeSiteNews“ berichtet, erklärte der neue Beauftragte der Akademie, der Moraltheologe Pater Maurizio Chiodi während eines öffentlichen Vortrags am 14. Dezember 2017 an der päpstlichen Universität Gregoriana, dass es „Umstände gibt – ich beziehe mich auf Amoris Laetitia, Kapitel 8 -, die gerade aus Verantwortungsgründen eine Empfängnisverhütung erfordern„.

Chiodi fuhr fort, dass, wenn „natürliche Methoden unmöglich oder nicht durchführbar sind, andere verantwortungsvolle Formen gefunden werden müssen“ und dass „eine künstliche Methode zur Regulierung von Geburten als ein Akt der Verantwortung anerkannt werden könnte, der ausgeführt wird, nicht um das Geschenk eines Kindes radikal abzulehnen, sondern weil in solchen Situationen das Paar und die Familie aus Verantwortung zu anderen Formen des Willkommens und der Aufnahme aufgerufen ist„.

So werden wir nun von einem Vertreter des Papstes an der „Päpstlichen Akademie für das Leben“ darüber informiert, dass ein Hauptelement der von Johannes Paul II. so genannten „Kultur des Todes“ nicht nur erlaubt, sondern sogar verpflichtend sei  – nämlich dann, wenn der Gehorsam gegenüber dem 6. und dem 5. Gebot (denn Verhütungsmittel sind in ihrer Wirkung oft abtreibend) „unmöglich oder nicht realisierbar“ ist.

Diese bedenkliche Auffassung würde natürlich das Ende aller Moralvorstellung bedeuten. Nach Professor Josef Seifert würde Chiodi, indem er sich allein auf „Amoris Laetitia“ stützt, „die subjektive Verantwortung über objektive moralische Situationen stellen„, ein Irrtum, der „zerstörerisch nicht nur für die Morallehre der katholischen Kirche, sondern auch für das Wesen der Moral, und in der Tat für jede Wahrheit und jede kirchliche Lehre darüber“ ist.

Englischsprachige Quelle und Fortsetzung des Beitrags von Christopher A. Ferrara hier:  http://www.fatimaperspectives.com/fe/perspective1138.asp

Die Übersetzung ins Deutsche erfolgte durch eine Leserin unseres Forums.


23 Kommentare on “Franziskus und seine Richtungsänderung bei der „Päpstlichen Akademie für das Leben“”

  1. E Stelzer sagt:

    Oh je, jetzt hab ich wieder eine sog. Katholikin mit interessanten Artikeln verloren. Zeitschnur hat durch bloße Rechthaberei meiner Meinung nach den Überblick verloren.

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    • zeitschnur sagt:

      Tut mir leid – ich bediene grundsätzlich keine ideologischen Erwartungen. Und deshalb bin ich vielleicht ja auch „interessant“. Überblick verloren – och nööö… oder vielleicht können Sie mir einfach nicht folgen, eben WEIL ich beim Lieblingsthema der Katholiken unabhängig denke?

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  2. Anonymous sagt:

    Die Behauptung, Pater Chiodi habe zur Kultur des Todes aufgerufen, ist eine bösartige Unterstellung; denn viele Formen der Empfängnisverhütung bedeuten keine Tötung der befruchteten Eizelle.

    Durch die bisherige lehramtliche Einstellung zur Verhütung hat sich die oberste Kirchenleitung schwer mitschuldig gemacht an der Überbevölkerung der Erde und daran, dass Kinder durch AIDS massenweise ihre Eltern verlieren und dass ganze Bevölkerungsscichten in Afrika wegen AIDS aussterben, wie Zeitschnur richtig bemerkt. Eine Ordensschwester musste sogar ihren Orden verlassen, weil sie an Prostituierte Präservative verteilte. Wer sich unmoralisch verhält, soll also in den Augen der Kirche verrecken.

    In Wirklichkeit sind die drei Begündungen des Verhütngsverbots in der Enzyklika „Humanae Vitae“, die jetzt genau ein halbes Jahrhundert alt ist, völlig unbiblisch, unlogisch und biologisch haarsträubender Unsinn:

    1. Begründng: Die absichtliche Vergeudung von männlichen Samenzellen z. B. bei der Masturbation oder beim Actus interruptus sei absichtliche Tötung menschlichen Lebens, weil
    bereits in der Samenzelle der Mensch komplett vorhanden sei. -Ein biologischer Unsinn ersten Grades!

    2. Begrundung: Die ununterbrochene Lehre der Kirche über Empfängnisverhütung: eine glatte Lüge. Als der österreichische. Professor Knaus, der in Prag an Stallhasen den Zyklus entdeckt hatte, Anfang der 50er Jahre Papst Pius XII. seine Entdeckung mitteilte, was mir Prof. Knaus persönlich erzählt hat, erlaubte der Papst den Ehepaaren offiziell, allein die unfruchtbaren Tage zu nutzen. Es gab also bereits einen eklatanten Bruch in der Lehre der Päpste.

    3. Begründung: sexuell gerechtfertigt sei nur, was wir mit den Tieren gemeinsam hätten. Die Tiere würden angeblich nur zum Zwecke der Fortpflanzung kopulieren. Dies ist heute längst widerlegt. Ausserdem nahm hier die Kirche keinen biblischen Gundsatz auf, sondern die Lehre der griechischen Stoiker “ secundum naturam vivere“ = naturgemäß leben, was aber etwas völlig anderes meint.

    Mit dem Verhütungsverbot wollte man zur ehelichen Treue zwingen, was aber selber wieder sittlich verwerflich ist.

    Die Kirche sollte sich also lieber für ungeborenes menschliches Leben stark machen, indem sie aufzeigt, welche Verhütungsmethoden einer Abtreibung gleich kommen und welche nicht..

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    • Guten Tag,
      die am meisten verwendeten „Verhütungsmittel“ (nämlich Spirale und Pille) haben eine vollständig bzw. teilweise/potentiell frühabtreibende Wirkung. Mechanische, nichtabtreibende Verhütungsmittel wie Kondom und Pessar sind im Vergleich zur NER (Natürlichen Empfängnisregelung) weitaus unsicherer und zudem für die Ehe auch psychisch auf Dauer ungeeignet.
      Sie behaupten, Papst Paul VI. habe in seiner Enzyklika „Humanae vitae“ seine Ablehnung des Coitus interruptus damit begründet, dieser sei eine „absichtliche Tötung“, weil schon in der Samenzelle der komplette Mensch vorhanden sei. Natürlich wäre eine solche Äußerung biologisch unsinnig – aber nennen Sie mir doch mal die Stelle, wo der Papst dies in seiner HV angeblich behauptet – diese ist mir nämlich völlig unbekannt, obwohl ich diese Enzyklika schon mehrfach las.
      Abgesehen davon, daß die Kalendermethode Knaus-Ogino nicht erst Anfang der 50er Jahre bekannt wurde, sondern deutlich früher, wird mit der Billigung der natürlichen Zeitwahl bzw. Empfängnisregelung keineswegs die vorherige Haltung der Kirche geändert, denn es gab noch nie eine Verpflichtung, in den fruchtbaren Tagen intim zu werden. Gott selbst hat den Zyklus der Frau geschaffen, so daß die Eheleute ihn auch beachten dürfen. Die Vatikan hat übrigens die Zeitmethode (die Knaus/Ogino nur noch systematisiert haben) schon Ende des 19. Jahrh. erlaubt, wenn ernste Gründe vorlagen.
      Sodann behaupten Sie, Papst Paul VI. habe erklärt, sexuell gerechtfertigt sei nur „was wir mit den Tieren gemeinsam hätten“. Wo steht das denn in seiner Enzyklika?
      Die natürliche Empfängnisregelung ist übrigens von der „Wartezeit“ her ziemlich verwandt mit der jüdischen Einhaltung der kultisch „unreinen“ Tage (dort sind es noch ein paar Tage mehr). Aus dem Dranhängen weiterer weniger Warte-Tage ergibt sich dort auch eine „Familienplanung“.
      Zum ganzen Thema empfehle ich Ihnen als Anregung diesen Artikel von Michaela Koller samt Leserkommentaren: https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/22/bewahrte-alternative-zur-pille-pladoyer-fur-die-naturliche-empfangnisregelung-ner/
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        Ich bin zur Zeit auf Reisen, werde Ihnen aber nach meiner Rückkehr gerne Rede und Antwort stehen. So viel vorweg: Ich habe mich in meinem Kommentar nirgends mit der Frage befasst, was sichere oder unsichere Methode sei. Ich überlasse Ihnen gern auch das Urteil darüber, was natürlich sei oder unnatürlich. Ist Ihr Gang zum Zahnarzt natürlich oder unnatürlich? In letzterem Fall sollten Sie lieber zu Hause bleiben.

        Klar wusste man auch früher schon, dass Frauen z. B. während der Stilzeit etc. meistens unfruchtbar waren, aber die genaue Berechnung der unfruchtbaren Tage geht auf Ogino/Knaus zurück und datiert Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.

        Sie drehen mir das Wort im Munde um; denn ich habe nie behauptet, dass die Kirche die Leute jemals dazu verpflichtet habe, nur die fruchtbaren Tage zu nutzen. Vielmehr habe ich gesagt, dass Pius XII. als erster es erlaubte, nur die unfruchtbaren Tage zu nutzen, und das war völlig neu. Also weniger missionarischer Eifer, sondern genauer hinschauen bitte!

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      • Guten Tag,
        bei der Bejahung natürlicher Empfängnisregelung geht es nicht um ein biologistisches Verständnis von „natürlich“ (dem Sie offenbar auch erliegen, siehe Ihr unsinniges Zahnarzt-Beispiel), sondern es geht um die auch inhaltlich zu erkennende Schöpfungsordnung Gottes mit ihren Sinngehalten der Sexualität, wonach die eheliche Intimität der Liebe und dem Leben dient (also Ausdruck der gegenseitigen Zuneigung ist, aber auch der Fruchtbarkeit dient). Künstliche Verhütung schiebt dem 2. Sinngehalt aber einen Riegel vor – chemisch oder mechanisch. Das tut die natürliche Empfängnisregelung keineswegs, sie verzichtet lediglich an fruchtbaren Tagen auf die Vereinigung.
        In diesem Kontext schreibe ich, die Kirche habe die Gläubigen nie verpflichtet, die fruchtbaren Tage sexuell zu nutzen. Von daher war eine schöpfungsgemäße Empfängnisregelung rein grundsätzlich immer schon möglich (siehe auch mein Hinweis auf uralte jüdische Kultgesetze).
        Sie drehen mir doch das Wort im Munde herum und beschweren sich völlig unnötig: „…ich habe nie behauptet, dass die Kirche die Leute jemals dazu verpflichtet habe, nur die fruchtbaren Tage zu nutzen“ – Ich schrieb auch gar nicht, Sie hätten das behauptet!
        Noch einmal: Die katholische Kirche hat eine eheliche „Zeitwahl“ bereits Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund einer Anfrage durch ein vatikanisches Dokument erlaubt (nachzulesen im „Denzinger“, falls Ihnen das was sagt).
        Ich schrieb sodann von vornherein, daß Knaus/Ogino das Feststellen der un/fruchtbaren Tagen später systematisiert haben. Nachdem Sie diesbezüglich (Knaus/Ogino) erst die 50er Jahre nannten, sind Sie jetzt – nachdem ich widersprach – immerhin beim „Ende der 30er Jahre“ gelandet. Das Volkswissen hierüber ist noch Jahrzehnte älter.
        Nach wie vor stelle ich in Abrede, was Sie schrieben, nämlich Papst Paul VI. habe in HV behauptet,
        1. der männliche Same enthalte schon den kompletten Menschen
        2. natürlich sei nur das, was wir mit den Tieren gemeinsam hätten.
        Sie sind für diese Unterstellung nach wie vor den Beweis schuldig.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        Noch einmal zu Ihrer Antwort: Wenn ich schrieb, dass Prof. Knaus in den 50er Jahren beim Papst vorstellig wurde, habe ich doch nicht behauptet, dass er seine Berecnung auch erst in den 50er Jahren angestellt habe. Aber Sie können offenbar 2 und 2 nicht auseinanderhalten und nicht aushalten, dass andere Leute manchmal genauer Bescheid wissen als Sie.

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      • Guten Tag,
        Sie schrieben bittschön folgendes:
        „Als der österreichische Professor Knaus, der in Prag an Stallhasen den Zyklus entdeckt hatte, Anfang der 50er Jahre Papst Pius XII. seine Entdeckung mitteilte, was mir Prof. Knaus persönlich erzählt hat, erlaubte der Papst den Ehepaaren offiziell, allein die unfruchtbaren Tage zu nutzen.“
        Erstens hat Knaus dem Papst in den 50er Jahren also seine „Entdeckung“ (!) mitgeteilt – demnach nicht etwas, das der Papst längst hätte wissen können, weil es öffentlich bekannt war. (Wir wollen mal nicht davon ausgehen, daß Päpste keine Zeitung lesen können.) Zweitens ist es der springende Punkt, um es jetzt zum DRITTEN Mal zu schreiben, daß die kath. Kirche die natürliche Empfängnisregelung bzw. Zeitwahl nicht erst unter Pius XII. erlaubt hat, sondern Ende des 19. Jahrhunderts und damit mehrere Pontifikate früher. Damals gab es offensichtlich bereits ein entsprechendes Volkswissen, das später (!) durch Knaus-Ogino wissenschaftlich grundgelegt wurde.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Liebe Fraui Küble,

        folgender Satz, den Sie an „Anonymus“ schrieben, ist logisch gesehen falsch:

        „Künstliche Verhütung schiebt dem 2. Sinngehalt aber einen Riegel vor – chemisch oder mechanisch. Das tut die natürliche Empfängnisregelung keineswegs, sie verzichtet lediglich an fruchtbaren Tagen auf die Vereinigung.“

        Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen. Das ist ein wahres Schurkenstück an Sophisterei! Die „natürliche Methode“ schiebt dem „2. Sinngehalt“ genauso einen Riegel vor, denn das Motiv dieser Methode ist doch die Vermeidung der Zeugung bei praktizierter Sexualität. Oder was soll das Umgehen der vermuteten fruchtbaren Tage sonst meinen als das Riegelvorschieben für eine Zeugung?! Ob man nun ein paar ganz gewisse Tage aussetzt oder sich chemisch oder mechanisch aussetzt, ist doch von der Motivation her gleich.
        Ich finde, das ist einer der absurdesten frommen Tricks, die eigene Gesetzlichkeit zu umgehen. Ja, es ist eine negative Schildbürgerei, die einer positiven Schildbürgerei antworten will.

        Es steht nirgends in der ganzen Schrift, dass ein Ehepaar nur verkehren darf, weil der 1. Sinngehalt es erlaubt.
        Das ist eine grausame Verzerrung der Ordnungen – nicht weniger grausam als die Promiskuität ohne Verantwortung.
        Gotte Ordnungen sind geprägt von Überfülle und Verschwendung:
        Dass die Ehe prinzipiell fürs „Wachsen und Mehren“ gedacht ist, ändert nichts dran, dass Gott in allem eine Überfülle schuf: ein Mann stößt bei einem Akt Millionen Samen aus, aber nur einer davon erreicht die Samenzelle der Frau, wenn überhaupt. Der Rest ist „in den Wind geschossen“. Aber genauso schießt auch das Paar hunderte von Akten in den Wind, weil es selbst bei völliger Offenheit nun mal nicht zeugt. Und die meisten der unzähligen Samenzellen der Frauen in den Ovarien gehen sang- und klanglos unter, trotz fleißiger ungeschützter ehelicher Pflicht. Das sind keine Automatismen!

        Es ist mir zuviel Pharisäismus und Krampf in all dem.
        Ds Problem in der Schrift ist weniger, dass Leute zu wenige Kinder bekommen oder sie verhindern, als dass sie überhaupt keines bekommen, obwohl sie es sich sehnlichst wünschen.

        Das sollte auch die kirchlichen, meist zölibatären Eiferer in einer Sache, von der sie kaum etwas verstehen dürften, zum Nachdenken bringen.
        Ich bin so froh, dass bei Gott weder irgendjemand Kinder bekommen „muss“, noch ein schlechtes Gewissen eingeträufelt bekommt, der eheliche Sexualität mit Lust und Freude lebt, aber dabei nicht schwanger wird – es liegt alles in Gottes Hand, und wir sollten es der Führung der Einzelnen überlassen und nicht ständig von außen mitschwätzen und moralisieren, v.a. dann, wenn wir selbst nicht in einer Ehe leben. Ich kenne beide Zustände und kann mit ganzer Gewissheit sagen: wer nicht in der Ehe lebt und eine Familie hat, hat keine Ahnung, wie sich das anfühlt, wenn man dann „drin“ ist. Ein bisschen Demut aufseiten der Zölibatäre wäre da schon angebracht.

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      • Guten Tag,
        die künstliche Verhütung schiebt der möglichen Fruchtbarkeit eines ehelichen Aktes direkt einen Riegel vor, das geschieht per Natürlicher Empfängnisregelung (NER) nicht. Hinsichtlich der Motive hatte ich bereits erwähnt, daß auch bei NER ernste Gründe für eine Geburtenregelung vorliegen sollten. Das hat die Kirche sowieso immer klargestellt.
        Ich erwähnte zudem bereits, daß die meistverwendeten Verhütungsmittel (Spirale/Pille) ganz oder teilweise frühabtreibend wirken, daß zudem Pessar und Kondom erstens unsicherer als NER sind und zweitens für die Ehe – auch psychisch – dauerhaft als ungeeignet erscheinen. Somit empfiehlt sich auch von diesen Aspekten her die NER.
        Sie beschweren sich öfter über ad-personam-Reden anderer Kommentatoren, praktizieren dies aber hier (und auch bereits bei der Abtreibungsdebatte) mit Hinweis auf die den Zölibat von Autoren (die Sie kritisieren) durchaus selber. Dies „Argument“ ist schon deshalb unsinnig, weil es – übrigens auch in unseren Kommentarbereichen zu NER-Artikeln erkennbar – natürlich viele Eheleute gibt, die für NER eintreten, selber damit leben (übrigens auch Familien aus meiner Verwandtschaft), manche zudem Artikel oder sogar Bücher darüber schreiben, Kurse geben etc. Auch Prof. Rötzer, der NER wissenschaftlich verbesserte, war natürlich verheiratet.
        Zudem geht es um die Sache, nicht um den Familienstand von Verfassern.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Was soll das denn?!
        Wer bitteschön sitzt denn in Rom und belehrt die ganze Welt darüber, was sie zu tun und zu lassen hat? Das sind alles Zölibatäre! Wieso ist das ad personam – es ist das System… und das finde ich ganz daneben.
        Wenn die von Ihnen genannten Verheirateten, die diesen Zölibatären unterworfen sein sollen (das hätten sie gerne!), dann auch noch Wissenschaft in deren Sinn nachliefern, tun sie es, weil die Zölibatäre es ihnen so bestimmt haben. Man muss ja immer nachplappern, was aus Rom kommt, richtig? Das ist sogar Lehre eines Dogmas…
        Ob diese Professoren und sonstigen das auch tun würden, wenn aus Rom andere Appelle kämen? Gewiss nicht: dann müssten sie nämlich andersherum wissenschaftlich forschen und ich wette, auch da kämen die erwünschten Ergebnisse heraus. das Dumme bei der Kirche ist, dass immer vorher schon feststeht, was hinterher herauskommen soll.

        Ich verstehe ja Ihre Skepsis gegen künstliche Verhütung (ich hatte sie alleine schon aus gesundheitlichen Gründen FÜR DIE FRAU persönlich immer und lehnte das deshalb für mich ab – aber das ist ein anderes Argument!), aber Sie reden beharrlich an dem vorbei, was ich schrieb: die natürliche Methode ist ethisch nicht anders als eine mechanische oder chemische eine gezielte Vermeidung einer Zeugung! Ob einer nun zur Sicherheit ein Kondom benutzt oder ausweicht auf drüber morgen, wenn das Fieberthermometer es freigibt, kommt sich gleich. Auch der Kondomnutzer schaltet ja seine Zeugungsfähigkeit nicht prinzipiell aus. Das tun auch Pillenschluckerinnen nicht – sie können jederzeit absetzen, so wie NER-Leute jederzeit auch wieder während der fruchtbaren Tage verkehren können.

        Die Logik verlangt aber, wenn ich das eine erlaube, wenn es notwendig wird, muss ich auch das andere erlauben, sonst ergibt das keine Schlüssigkeit.

        Mein Plädoyer ist: Entkrampfung, lasse man die Eheleute doch sich selbst vor Gott verantworten, das ist das Allerbeste, und wer Gott liebt, wird auch seine gebote halten. Die aber sind weder das jüdische noch das kirchliche Gesetz des Buchstabens, sondern das, was der Geist in den Herzen wirkt. man muss da nicht immer nachhelfen, und ich sag es nochmal: v.a. dann nicht, wenn man Zölibatär ist und den großen Lehrer-Zampano spielen will. Und das ist nicht ad personam – gegen wen denn konkret? Es stellt das System in Frage, das ja.

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  3. Cornelia Vogt sagt:

    Der ganze Kampf betrifft die FAMILIE.
    Schließlich ENTSTEHEN ERWACHSENE,
    gleich welcher ARTENVIELFALT W E L T W E I T, aus der FAMILIE heraus.

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  4. Dorrotee sagt:

    Es heißt in dem Artikel: Chiodi fuhr fort: „…natürliche Methoden unmöglich und nicht durchführbar sind…

    Also wo kommt es vor, dass natürliche Methoden „unmöglich“ sind? Jede Frau kann es lernen und es sollte ihr wichtig sein. Auch Frauen mit einem niedrigen IQ können anhand der NER (natürliche Empfängnis- Regelung) sehr gut die Anzeichen ihrer fruchtbaren Tage wahrnehmen. Es solle darin mehr geschult werden, z. B in den Pfarrgemeinden. Auch in den Entwicklungsländern kann man diese NER-Kurse gut durchführen; dort sind die Menschen besonders aufgeschlossene für natürliche Regelungen statt Chemie.
    Die Spirale wirkt zudem bekanntermaßen frühabtreibend, die Pille in ihrer Zweitwirkung (Nidationshemmung) ebenfalls.
    Vor kurzem wurde das Buch von Dr. Kiworr hier vorgestellt; der evangelische Frauenarzt hat darin bestätigt, dass Pille und Co. eine potentiell frühabtreibende Wirkung haben: https://charismatismus.wordpress.com/2018/01/20/ein-kompetenter-arzt-schildert-die-entwicklung-des-kindes-im-mutterleib/

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    • zeitschnur sagt:

      Das verzerrt aber die Aussage Chiodis. Er sagte vielmehr:

      „Chiodi fuhr fort, dass, wenn „natürliche Methoden unmöglich oder nicht durchführbar sind““, dann etc. Damit priorisiert er doch immer noch die natürlichen Methoden! Was meint er mit der Einschränkung?

      Jeder, der verheiratet ist und Sexualität lebt, weiß, dass die vielgepriesene NER sehr schnell daran scheitert, dass ein Zyklus vielleicht unregelmäßig ist oder auch frau sich über ihren Körper mal irren kann, der weder ein Automat ist, noch „fruchtbare Tage“ mit Stechdatum liefert. Das funktioniert „ungefähr“, aber nicht ganz sicher. Und das ist auch das Problem daran, wenn eine Frau tatsächlich kein Kind mehr bekommen sollte. Andersherum weiß jede Frau, die sich ein Kind wünscht, auch, dass man keineswegs an den „fruchtbaren“ Tagen schwanger wird, zumal nie ganz klar ist, wann sie wirklich einsetzen. Der menschliche Körper (auch der des Mannes) unterliegt zwar zyklischen Prozessen, aber sie sind nicht maschinell aufzufassen und stimmen auch nicht immer mit der Wahrnehmung darüber überein. Ein wesentlicher Faktor ist bei dem Thema auch das, was seitens des Mannes geschieht, aber man hat das erst in der letzten Zeit besser erfasst, dass es in der Ehe nur eine gemeinsame Fruchtbarkeit gibt und nicht eine einseitge bei der Frau. Hier dürften auch seitens der Wissenschaft noch einige Geheimnisse zu lüften sein.
      Im übrigen finde ich auch die päpstliche Argumentation unter JP II irgendwie logisch nicht schlüssig: wenn ich „natürlich“ verhüten darf, warum sollte ich es aus moralischen Gründen nicht auch „unnatürlich“ dürfen (abgesehen von erwiesenermaßen fruchtabtreibender Wirkung)?
      Das ist – logisch gesehen – doch kein wirklicher Unterschied. Es geht in jedem Fall um Vermeidung von Leben, unter Aufrechterhaltung des sexuellen Ehelebens. Das Motiv ist in beiden Fällen die Vermeidung. Sagen wir es doch so klar, wie es ist. Und die Meinung, eine solche Vermeidung sei grundsätzlich „sündig“, kann ich nicht nachvollziehen. Der Mensch, der es versteht, seinen Garten zu pflanzen und sinnvoll zu planen, wie er seine Felder bestellt und seine Herden pflegt, sollte verantwortungslos zeugen und gebären, egal, ob er es schafft oder nicht, egal, ob die Frau dabei draufgeht oder nicht? Wollen wir alte Zeiten wiederhaben, wo man zeugte und zeugte und Gebar und gebar, und sehr oft straben die Kidner fast alle wieder weg und am Ende auch noch die Frau? War es das, was die Kirche so toll fand – diese wunderbare Lebenswelt (da war alles „natürlich“!)?

      Ich denke, wir kommen um eine ethische Abwägung sowieso nie herum. Sorgsamer Umgang mit Ressourcen, auch den eigenen, schafft immer einen „künstlichen“ Eingriff. das zu ignorieren, ist auf Dauer unmöglich. Die Frage ist, wo die Grenzen des Künstlichen sind. Ein christlicher Ökodrall beim Thema Familie ist daher auch eher zeitgeistig, auch wenn er sich moralisch „traditionell“ fühlt.

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  5. zeitschnur sagt:

    Was soll denn das? Dieser undifferenzierte, herzenskalte Moralismus ist zum Heulen.
    Da steht auf einer hysterischen Fatima-Website ein Artikel, der voller Unterstellungen und Verdammungen steckt und am Ende auf die glorreiche Intervention der Muttergottes wartet, die sie angeblich in Fatima angekündigt hat, und das wird für bare Münze genommen? Bloß weil Sr. Lucia behauptet hat, der satanische Endkampf werde auf dem Feld der Familie ausgetobt, als ob früher alles gut gewesen wäre…)?!
    Nicht nur, dass der Herr Ferrara eigenmächtig erklärt, der Professor sei ein „Häretiker“, weil er eine Meinung kundtut und im Auftrag des Papstes, der doch lt. Vat. I das Recht auf absolute innere Zustimmung haben sollte bei den Erzkonservativen und Ultramontanen („Papsttreue“ nur, wenn es einem passt?), sondern die Art, wie dessen Worte hier aufgebauscht werden, ist doch nicht redlich!
    Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wieso es „rechtgläubig“ sein soll, in bestimmten Fällen Verhütung NICHT als Pflicht anzusehen. Ich habe im engsten Verwandtenkreis viele Fälle erlebt, in denen die Frau beim letzten Kind samt dem Kind gerade noch mal dem Tod entronnen sind und danach seitens der Medizin klar war: ein weiteres Mal wird die Frau physisch nicht mehr schaffen.
    Was ist eigentlich in unsere Frommen gefahren, eine einigermaßen sichere Schonung einer solchen Frau als „häretisch“ anzusehen?! Sind Frauen doch Gebärmaschinen und Männer Zuchtbullen? Und wie realitätsfern muss man sein, um nicht zu wissen, dass es in eienr Ehe kaum vermeidbar ist, dass die Eheleute zusammenkommen?
    Das ist doch in sich extremistisch und auch sehr kalt.

    Wenn der Professor lediglich von einer Abwägung, die nicht nur einem Prinzip und dessen Reiterei gerecht wird, sondern auch dem Einzelfall, spricht, wieso geht daraus dann hervor, dass es bald „jede Wahrheit und jede kirchliche Lehre darüber“ nicht mehr geben wird?
    Das ist doch vollendeter Unsinn.
    Schaut euch doch um: die Prinzipienreiterei hat doch kaum jemanden auf irgendetwas verpflichten können, und jeder weiß doch, dass sich an diese menschengemachten Regeln ohnehin keiner mehr hält, obwohl man sie lauthals meinte, verkünden zu müssen, und dies über Jahrzehnte weg. Man hat den Zölibat erzwungen, und er wird massenhaft gebrochen. Man unterjocht den Menschen und erlegt ihm schwere Lasten auf, hält sich selber aber meist an nichts. Das ist noch das Schlimmste dabei.

    Im übrigen hat gerade der Jesuitenorden schon immer ganze moraltheologische Bände mit Kasuistiken gefüllt, die auch schon vor einigen 100 Jahren alle möglichen Ausnahmen von sogar echten, WIRKLICHEN Sünden definierte, woran damals viele Anstoß nahmen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche, die Päpste das aber meist deckten.
    Was ist nun an F., der diesem Kasuistik-Orden doch entstammt und nie so hoch gekommen wäre, wenn er nicht in der Ordenshierarchie einen hohen Rang hätte, und sich einfach nur das erlaubt, was der Orden sich schon immer erlaubt hat, so spektakulär?

    Es ist jedenfalls ein himmelweiter Unterschied zwischen einer promiskuitiven Handlungsweise und der Schonung einer Frau, wenn sie einfach nicht mehr kann. Ich kann auch nicht sehen, dass die Kirche recht hatte damit, als sie Kondome verbot, wenn Männer Aids haben – sie nimmt also vor lauter pharisäischer Prinzipienreiterei inkauf, dass die Frau oder andere Unbeteiligte mitangesteckt werden, und zwar auf Teufel komm raus – so, dass ganze Völker in Afrika untergehen?! Die Sünde ist ein Faktum, aber muss man deswegen alle gnadenlos den Folgen der Sünde ausliefern? Da ist das „smaller evil“?
    Nein, liebe Frommen: das ist zynisch wie es nicht schlimmer geht.
    Nur eine echte Umkehr bringt uns von der Sünde ab, aber nicht die herzlose Fallenstellerei für Sünder, die nicht nur sie, sondern auch andere bewusst aus „Frömmigkeit“ dem Verderben ausliefert.

    Im übrigen hat auch Papst Benedikt damals in einem Interviewbuch angedeutet, dass er das unmenschlich findet. Und ich weiß von Ordensschwestern und Vor-Ort-Priestern, dass sie selbstverständlich Kondome ausgteilt haben, denn sie sahen das Elend. Und dass sie damit die Promiskuität nicht rechtfertigten oder rechtfertigen wollten, dürfte sich von selber verstehen. Sie wollten einfach nur Schadensbegrenzung machen. Ist denn das so unverständlich?

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    • Gerd sagt:

      >>Nur eine echte Umkehr bringt uns von der Sünde ab<<

      Die Verteilung von Kondomen gehört nicht zu einem Prozess der "echten Umkehr". Genauso wenig wie das Schlucken von Pillen.

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      • zeitschnur sagt:

        Das habe ich auch nicht behauptet – sondern Sie bauen eine pharisäische Hürde auf, wo Gott keine geboten hat. Oder wo steht geschrieben, dass eine Frau zB ungeschützt mit ihrem HIV-positiven Mann verkehren muss?
        Ist Ihnen nie der Gedanke gekommen, dass diese überzwerche Obsession der kath. Kirche, wenn es um Sexualität geht, selber in sich nicht in Ordnung sein könnte, wofür nicht zuletzt die verheerende Bilanz pervertierter Sexualität im Klerus spricht?!
        Mit Sex haben Sie alle Menschen im Sack, jeden können Sie damit unterjochen – sowohl in „liberalisierter“ als in erzkatholischer oder islamischer Art und Weise. das Thema betrifft alle tief und wer hier die Menschen belehrt, kann über sie bestimmen und sie zu allem bringen. das gilt für alle Varianten, die denkbar sind – nicht nur die, die Sie hassen.
        Und das ist nix Neues! Seit Jahrhunderten geht das nun so – fangen Sie an, 1+1 zusammenzuzählen. Der Böse tut oft so, als sei er ein Lichtbringer. Man kann auch mit der Wahrheit im Mund lügen.
        Letztendlich läuft alles im Leben von Christen auf Abwägungen hinaus, wo keine eindeutige biblische Aussage seitens Gottes vorliegt. Ableitungen der Kirche sind Menschenwerk, wie in Israel, das seine Menschen mit überflüssigen regeln quälte, die Gott nie so geboten hat! Selbst der geheiligte Schabbat ist um des Menschen willen da und nicht umgekehrt.
        Wir sollen in der Abwägungspflicht eigentlich uns an Gott wenden und allein an ihn und die Weisung, dier persönlich dem Gewissen gibt, halten. Und wer Gott über alles liebt, wird darin auch nicht wesentlich fehlgehen.

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      • Gerd sagt:

        „Oder wo steht geschrieben, dass eine Frau z B ungeschützt mit ihrem HIV-positiven Mann verkehren muss?“

        Es steht nirgendwo geschrieben, dass eine Frau überhaupt mit einem Mann verkehren muss(`!). Umgekehrt verhält es sich im übrigen genau so. Das gilt für Gesunde wie für Kranke. Sexueller Verkehr sollte immer freiwillig von statten gehen oder gar nicht.
        Wenn jemand Sex mit einem sehr kranken Menschen haben will, dann betreibt er Harakiri. Da kann er oder sie noch soviel mit Kondomen hantieren.

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      • zeitschnur sagt:

        … ach Du lieber Himmel! Da kennen Sie aber die kirchlichen Gebote nicht!
        Die verlangen nämlich den Eheleuten ab, die eheliche Pflicht erfüllen zu sollen, solange einer der beiden das will. Das war übrigens auch lange weltliches Gesetz und führte zu einem Freibrief für die Vergewaltigung in der Ehe. das weltliche Recht hat das inzwischen eingegrenzt und die eheliche Pflicht aufgehoben, die Kirche mW aber nicht.

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      • Guten Tag,
        „kirchliche“ Gebote? – Sie meinen wohl biblische, immerhin orientiert sich diese Auffassung am Neuen Testament, Paulus schreibt im 1. Kor.-Brief: „Der Mann leiste der Frau die ehe­li­che Pflicht, ebenso die Frau ihrem Mann. Die Frau hat kein Recht über ihren Leib, son­dern der Mann; ebenso hat auch der Mann kein Recht über sei­nen Leib, son­dern die Frau. Ent­zie­het euch ein­an­der nicht, es sei denn mit gegen­sei­ti­ger Ein­wil­li­gung auf eine Zeit­lang.“
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Nein, ich meine das „kirchliche Recht“ – Ihr Bibelzitat sollte außerdem nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden, und der ist folgender:

        „1 Nun zu dem aber, was ihr geschrieben habt: Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren.
        2 Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben und jede soll ihren Mann haben.
        3 Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann.
        4 Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt aber auch der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau.
        5 Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein! Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, weil ihr euch nicht enthalten könnt.
        6 Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot.
        7 Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet wie ich. Doch jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.“

        Paulus bezieht sich hier ganz eindeutig auf einen Brief der Korinther, den er erhalten hat, in dem der Mann groß tönt, er soll keine Frau berühren, weil das besser sei, wie es sich aus dem Inhalt erschließt, auch wenn er verheiratet ist.
        Paulus wendet sich gegen dieses geistlich verbrämte, maskulin rücksichtslose und schwärmerische Krampfverhalten der Männer dieser Gemeinde, die bekanntermaßen ja auch sonst überzwerch war.
        Alles, was er darauf antwortet, bezieht sich auf diese Ausgangsaussage seitens der Korinther, die er widerlegt: Es ist natürlich nicht gut, dass der Mann keine Frau berührt! Schließlich sagte einst der Schöpfer: „Es ist nicht gut, dass der Mann alleine sei.“
        Man muss hier auch an die Reaktion der Apostel denken, als Jesus die Wiederheirat und die Polygamie verbot – auch hier tönten die männlichen Jünger, da sei es ja besser, keine Frau zu berühren. Hier schneiden sich Linien verfehlten männlichen „geistlichen“ Verhaltens.
        Nun spricht Paulus hier zuallererst an, dass ein Mann, der eine Frau hat, ihr gegenüber generell eine Pflicht hat (ja – er formuliert das zuerst so herum!) – das heißt aber nicht dasselbe, was das ebenso überzwerche Kirchenrecht samt himmelschreienden Moraltheologien v.a. aus Jesuiten- und Redemptoristenfeder dann draus gemacht hat! Man sollte das nicht einfach als ein und dasselbe verstehen!

        Paulus spricht zunächst männliche geistliche Aufegblasenheit an, formuliert aber dann – weil ein Ehepaar „ein Fleisch ist“ – vollkommen egalitär (was damals ebenfalls unerhört war!).

        Bei der freiwilligen Enthaltsamkeit ebenso wie bei dem „debitum“ gegenüber dem Ehegatten argumentiert Paulus nicht mit einer nicht-erfüllten prinzipiellen, rechtlichen „Pflicht“, sondern mit der Versuchlichkeit des Menschen auf sexueller Ebene. Er folgt hier also einer Abwägung:
        1. ist es nicht fair, einer Ehefrau gegenüber (oder einem Ehemann) den Keuschen, Obergeistlichen und Asketen zu spielen, wenn man sich nun mal auf die Ehe eingelassen hat.
        2. ist der Ehemensch daran gewöhnt, Sexualität zu leben und wird durch eine aufgeblasene Enthaltsamkeit versuchlich und leichter Spielball für den Satan. Will sagen: sexuelle Befriedigung hält einen Menschen in vieler Hinsicht seelisch gesund (von Fortpflanzung fällt nicht ein einziges Wort!).
        3. sollte man sich aus einer Ehe nicht davonstehlen wollen, weil man geistlich enthusiastisch drauf ist (und so waren die Korinther ja).

        Ich kann beim besten Willen nicht dieses unsägliche Verrechtlichen und Verklausulieren in dieser Schriftstelle sehen, das die Kirche an die Stelle eines freien und lebendigen Glaubens gesetzt hat.
        Darauf kommt man nur, wenn man sie aus ihrem Zusammenhang reißt und rückwirkend eine kirchliche Entgleisung auf sie projiziert.

        Offenbar konnte man in der Kirche nicht lesen, denn Paulus sagte doch ausdrücklich:

        „Das sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot.“

        NICHT ALS GEBOT!

        Warum machte dann die Kirche daraus Gebote verschiedener Art – die einen MÜSSEN nach sophistischen Fahrplänen sexen, möglichst bewusstlos versteht sich, die andern dürfen nicht sexen. Ein einziger Krampf hinten und vorne. Leider. Schlimmd as alles auch bei den Orthodoxen! Und genau DEN Krampf wollte Paulus nicht, wie es aussieht und identifizierte ihn als Einfallstor für den Satan.

        Im übrigen spricht genau diese Stelle auch gegen den Priesterzölibat: wenn es wirklich eines jeden Gnadengabe ist, wie Paulus sagt (und sie liegt in wessen Hand? In der der Kirche? oder in der dessen, der Gnadengaben verleiht?!) gibt es keinerlei Grund, einem Priester grundsätzlich das Unverheiratetsein abzuverlangen. Entweder einer hat das als Gnadengabe, dann ist es gut, ja, sogar besser als das andere (in einer bestimmten Perspektive, nicht absolut gesehen!) oder nicht, dann gilt, er solle aber nur einmal verheiratet sein, wie Paulus an anderer Stelle sagt.

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      • Guten Tag,
        Sie beziehen Pauli Aussage „Dies sage ich als Zugeständnis, nicht als Gebot“ auf den Abschnitt mit der „Ehepflicht“ (und meinen dazu: „offenbar konnte man in der Kirche nicht lesen…“).
        Der Paulus-Satz folgt aber direkt nach dem Abschnitt, der eine zeitweise Enthaltsamkeit in der Ehe erlaubt, sofern beide Ehepartner es wollen.
        Das ist ein Zugeständnis an jene Korinther mit ihren innerehelichen Abstinenz-Absichten, womit Paulus signalisiert: Zeitweilige Enthaltsamkeit wohl ja, aber keine dauernde. (Wobei diese befristete Abstinenz eben kein „Gebot“ ist – sie ist gestattet, zugestanden.)
        Diesen Satz des Paulus („Zugeständnis, kein Gebot“) auf die „Ehepflicht“ zu beziehen, ergäbe zudem keinen (theo)logischen Sinn, da Sexualität in der Ehe kein „Zugeständnis“ ist, sondern ein Wesensmerkmal darstellt, also ohnehin ganz natürlich zur Ehe gehört – auch, aber nicht allein wegen der Fruchtbarkeit (z. B. auch Unzuchtsvermeidung und Festigung der ehel. Liebe/Treue).
        Offenbar konnte man in der Kirche doch lesen.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Ja – es geht dabei um die Idee, man müsse oder solle aus frommen Gründen enthaltsam leben! Es geht NICHT um andere Gründe, enthaltsam zu sein oder eben nicht „allzeit bereit“ zu sein, nur weil ein Teil der Partner das egoistischerweise einfordert!
        Wenn Paulus einräumt, dass es schon Enthaltsamkeit aus frommen Beweggründen geben kann, dann ist sein Hauptgrund, dies als berechtigt anzusehen eine gemeinsame Übereinkunft (und keine einseitige Forderung), die dann aber prinzipiell auch im Vollzug der Ehe gilt: auch der Beischlaf kann und soll nur in Übereinkunft geschehen. Es ist allerdings lächerlich, daraus, eine „Pflicht“ im modernen Sinn zu machen, denn ich kenne kein Ehepaar, das Mühe damit hätte, miteinander zu schlafen. Das tut man auch so schon unaufgefordert und das im Normalfall, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, auch gerne. Allerdings wird die Sache zum Krampf und geht kaputt, sobald irgendwelche Kuttenträger darüber befinden wollen, wann man das wie praktizieren darf. Woher wissen die überhaupt so genau über Sex bescheid? Die sollten doch davon gar nichts wissen?! Ein normaler Mensch kommt auf all diesen Hirnriss nicht. Dazu muss man offenbar unverheiratet sein und sexuell ausgehungert und daher irgendwie auch bereits pervertiert.
        Wenn aber zwischen den Eheleuten etwas steht oder einer unter Druck steht aus irgendwelchen gründen (Beruf, Sorgen etc), ist es grausam, dennoch eine „eheliche Pflicht“ zu verlangen, wenn eine Seite das unbedingt trotzdem will. Die Kirche hat aber genau dieser Grausamkeit grundsätzlich mehr Rechte eingeräumt als der schwächeren Seite, die sich eher zurücknimmt in schwachen Situationen. Der Rücksichtslosigkeit wird mit der kirchlichen interpretation Tür und Tor geöffnet, weil hier grundsätzlich dem schwächeren Teil etwas abverlangt wird, was der stärkere einfordert (und ich kenne genügend Ehen, in denen die Frau sexuell interessierter ist – aber das nur am Rande – und der Mann das so gar nicht leisten kann, denn wir sind keine Zuchtbullen).
        Das alles aber Paulus im Leben nie gemeint!
        Grundsäzlich hat kein normales Ehepaar Probleme mit dem Sex. Eingedämmt werden muss in aller regel eine sexuelle Überforderung des einen durch den anderen – nicht das andere. Und Paulus bespricht hier einen frommen, sexualfeindlichen Wahn und keine normalen Beweggründe zur Zurücknahme.

        Den Begriff des „debitum“ nimmt Paulus aus dem römischen Recht, das aber eine allgemeine „Schuldigkeit“ einem anderen gegenüber meint, nicht eine spezielle oder verklausulierte: man kannte den Begriff des „debitum“ nur im röm. Recht. Dies formuliert aber in der Antike nirgends eine besondere Schuldigkeit des Beischlafes in der Ehe aus. Es kann hier nur um ein vorausgesetztes Recht bzw. eine gewisse Schuldigkeit im allgemeinen Sinne gehen. Das ergibt auch lebenspraktischen Sinn: die Sache ist so intim, dass sie sich förmlich einer Verrechtlichung entzieht. Was die Heiden, die meist selbst in einer Ehe lebten, natürlicherwiese sofort begriffen, wurde dem Hirnriss von Männern untergepflügt, die keinerlei Ahnung hatten, wie eine Ehe von innen funktioniert – nämlich dynamisch und nicht nach dem Buchstaben.

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