Heroldsbach: Wie die „Königin der Rosen“ eine unbescholtene Bäuerin verteufelte

Von Felizitas Küble

Heroldsbach ist jener lange Zeit heißumstrittene „Erscheinungsort“ im Bistum Bamberg, der von 1949 bis 1952 zehntausende Pilgern aus ganz Deutschland anzog und sich zu einem ganz außergewöhnlichen Massenphänomen entwickelte.  

Die katholische Kirche hat diese „Privatoffenbarungen“ allerdings strikt abgelehnt – nicht allein der zuständige Bischof sprach sich damals klar dagegen aus:

Auch die römische Glaubenskongregation (zu jener Zeit noch „Hl. Offizium“ genannt) hat jene aufsehenerregenden Geschehnisse unmißverständlich als „nicht übernatürlich“ abgelehnt und die aktiven Anhänger unter den Priestern mit kirchlichen Strafen belegt; die Sehermädchen wurden kurzerhand exkommuniziert (aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen).

Heroldsbach ist zwar mittlerweile aus praktischen und pastoralen (seelsorglichen) Gründen eine diözesane „Gebetsstätte“, was aber nichts daran ändert, daß die Erscheinungen nach wie vor kirchlich nicht anerkannt sind, was dort auch ausdrücklich ausgeschildert ist.

Dennoch gibt es – vor allem in traditionellen Kreisen – nach wie vor erstaunlich viele „Heroldsbacher“, die fest von der Echtheit jener spektakulären Vorgänge überzeugt sind, wozu auch ein „Sonnenwunder“ gehört.  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/06/11/die-marienerscheinungen-von-heroldsbach-und-das-sonnenwunder-vom-8-12-1949/

Bei Gesprächen mit Erscheinungsbewegten stellt sich heraus, daß diese Leute oft nicht ausreichend über die „Botschaften“ von Heroldsbach informiert sind, sondern schlicht meinen, die dortigen „Offenbarungen“ seien doch klar-katholisch, marianisch und konservativ ausgerichtet  – also alles paletti, das Ganze echt  – und die Kirche habe sich hierbei nun einmal geirrt.

Ballspiele mit Christkind und den Engeln…

Umgekehrt wird freilich ein Schuh draus  – hierzu einige Beispiele:

Daß die Heroldsbacher Erscheinungen nicht „von oben“ sein können, geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß die „Seherkinder“ mit dem „Jesuskind“ und den „Engeln“ mehrfach Ballspiele veranstalteten sowie „Fangen“ spielten. Das ist der übernatürlichen Welt nicht würdig und angemessen.

Noch schlimmer ist die Verleumdung einer unbescholtenen Bäuerin aus dem Dorf als angeblich vom Teufel bessesen – und dies behauptete ausgerechnet die „Rosenkönigin“, also die vermeintliche Marienerscheinung, die übrigens ausdrücklich erklärte, sie sei „nicht die Rosenkranzkönigin“  –  was das wundersüchtige Publikum aber nicht weiter störte oder ins Grübeln brachte.

Nun zu jener Nachbarin, deren Acker durch die Seher und ihren Anhang zertreten wurde und die sich darüber völlig zu Recht beschwerte. Aber wer den Schaden hat, braucht für die Spott nicht zu sorgen – in diesem Fall noch schlimmer: sie wurde buchstäblich verteufelt.

Die „Frankfurter Hefte“ vom Mai 1952 haben folgendermaßen über diesen Vorgang berichtet:

„Eine Saat der Feindschaft ging (in Heroldsbach) auf. Auf dem (Erscheinungs-)Hügel ist ein Getreidefeld, dessen Rand aufs abscheulichste niedergetrampelt war….

Eines Tages schien die Madonna ihren Weg über dieses Feld nehmen wollen  – und die Kinder, ihr folgend, zertraten die Saat. Die Frau, der das Feld gehörte, rief: „Die Heiligen dürfen darüber, aber ihr nicht, schont doch mein Getreide!“

An einem der nächsten Tage erklärten die Kinder, die Madonna habe gesagt, die Frau sei der Teufel. Am Abend kam es zu einem wilden Tumult auf dem Berg. Die Laienkommission, die Kinder und die Gläubigen beteten beim Abnlick der Frau schreiend die Teufelsaustreibung, die Kinder riefen, sie sähen den Teufel in Person…Die Menge hätte um ein Haar die Frau erschlagen.

Der Ortspfarrer streute Gerüchte aus über die Frau, die zu einem Prozeß führten, bei dem er schließlich widerrief.“

Es bedarf gewiß einer großen Geistesverwirrung, um zu glauben, solch gefährlicher Unfug  – an dem sich der erscheinungssüchtige Pfarrer sogar noch beteiligte  –   stamme vom Himmel.

Jene Verschwörungstheorien, die behaupten, das Bistum Bamberg habe den Vatikan damals (in den 50er Jahren) falsch informiert bzw. hinters Licht geführt, sind nicht stichhaltig, denn um diese „Botschaften“ zu verurteilen, waren beileibe keine „Fälschungen“ nötig, da diese absurden „Visionen“ in ihrer Originalfassung schon für sich bzw gegen sich sprechen!

Vor mir liegt das Buch „Heroldsbach – eine mütterliche Mahnung Mariens“ (siehe Foto) von Christel Altgott, es erschien 1957 und ist natürlich komplett unkritisch. Umso aufschlußreicher sind die dort enthaltenen Informationen (von denen keiner behaupten kann, Skeptiker hätten sie ausgestreut).

Hierzu einige Beispiele:

Seite 11: Es wird berichtet, daß die Seherkinder im Auftrag von Prof. Faulhaber an die Erscheinung die Frage richten sollen: „Bist Du die Assumpta?“ (Das ist lateinisch und bedeutet gemäß dem Dogma: „Bist Du die in den Himmel aufgenommene Madonna?“)

Worauf die Erscheinung laut Seherkinder geantwortet haben soll: „Nein, ich bin es nicht, ich bin die Gottesmutter, die Himmelsmutter.“

Nun hat die Buchautorin natürlich ein Erklärungsproblem. Die Ausrede, die Madonna sei des Lateinischen nicht mächtig, wäre allerdings lächerlich. Aber es sei eben so, daß Maria sich in Heroldsbach nicht speziell als Assumpta verehrt wissen will, sondern als Gottesmutter“, läßt uns die Verfasserin wissen…

Seite 17 und 18: Es wird berichtet, daß sich die Erscheinung – nachdem sie ja offenbar keine „Assumpta“ ist – wie folgt selber definiert:

„Ich bin die Königin der Rosen, ich bin die Rosenkönigin. Verwechselt es nicht mit der Rosenkranzkönigin.“

Somit wird die Assumpta-Verwirrung noch gesteigert,weil die Erscheinung keinesfalls mit der „Rosenkranzkönigin“ verwechselt werden will. Ob diese merkwürdige Erscheinung  vielleicht d e s h a l b  laut Angaben der Seherkinder einen „schwarzen“ (!) Rosenkranz trägt…?

Jenseitige Drohung für die Kirchenleitung

Seite 40: Typisch für Falschmystik ist das „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip nach dem Motto: Wer an diese Erscheinungen glaubt, wird mit Gnaden überschüttet, wer sich weigert, muß mit drakonischer Strafe rechnen – genauer: mit der Todesstrafe „von oben“.

Der „ganz mit Wunden bedeckte Heiland“ erschien angeblich den Kindern und „klagte, daß die Obrigkeit an das Erscheinen auf diesem Berg nicht glaube. Er gab den Pilgern den besonderen Segen und sagte: „Sie werden erst glauben, wenn Ich sie hinwegraffe.“

Merkwürdig erscheint auch der Heroldsbacher „Segen“ für die Pilger:

Seite 41: „Während dieser Geschehnisse flog (!) der Hl. Geist den Segen“.

Bezeichnend überdies Seite 44: Die „Gottesmutter“ habe erklärt: „Jetzt ist es zu spät, daß sich die Menschheit noch bekehren wird. Es ist der letzte Ruf, den wir hier an sie gerichtet haben.“

Seit Jahrzehnten bekommt man von allerlei Visonärinnen zu hören, die ihnen gewährte „Warnung“ sei der allerletzte Mahnruf des Himmels….

Auf Seite 41 erfährt man auch, daß die Seherkinder „das Vaterunser beteten, welches der göttliche Heiland mit uns sprach.“

Wie bitte? Christus hat gebetet: „Vergib uns unsere Schuld“…? – Zudem: Von welchem „Bösen“ muß Christus denn der göttliche Heiland „erlöst“ werden?

Die Sache ist nicht vergleichbar mit der biblischen Vaterunser-Belehrung Christi, nachdem die Apostel ausdrücklich fragten: „Herr, wie sollen wir beten?“  – Christus hat ihnen das Vaterunser lediglich vorgesprochen, damit sie es kennenlernen, ohne es mit ihnen zusammen zu beten.

Schon diese wenigen Beispiele belegen, daß die Erscheinungen von Heroldsbach nicht „von oben“ sein können; es handelt sich bestenfalls um Fantasieprodukte oder um Phänomene bzw. Täuschungsmanöver von „unten“  –  oder beides miteinander vermischt.

Weitere Hintergrund-Infos zu Heroldsbach hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%e2%80%9ehimmelsvisionen%e2%80%9c/

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6 Kommentare on “Heroldsbach: Wie die „Königin der Rosen“ eine unbescholtene Bäuerin verteufelte”

  1. Neukatholikin sagt:

    Es gibt da in der seriösen theologischen Monatszeitschrift „Theologisches“ eine Sonderausgabe zum Thema „Marienerscheinungen“, die ich persönlich sehr aufschlussreich finde:
    http://www.theologisches.net/index.php?option=com_content&view=article&id=52&Itemid=58

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  2. kaspar hauser sagt:

    Manche halten jeden für „begnadet“, wenn er einem nur die eigene kuriose Weltsicht bestätigt. Oder sei es nur die eigene Scheidung.
    Tja, man sollte viel mehr auf „Begnadete“ hören, Hauptsache, sie geben einem in persönlichen Angelegenheiten in jedem Fall recht!
    Wenn ich jetzt in meinem Bekanntenkreis zur Ehescheidung rate, darf ich mich dann auch als begnadet bezeichnen?
    Oh Himmel!

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  3. Anonymous sagt:

    Heroldsbach ist echt glaube ich. Es ist nicht gut eine Marienerscheinung abzulehnen hat mir eine Begnadete mitgeteilt. Wir müssen viel mehr auf Propheten hören. Ich richte auch mein Leben auf die Nachrichten von Begnadeten aus die mir auch mitgeteilt haben meine Scheidung sei vom Himmel bestätigt und ich könnte Tina heiraten. In Heroldsbach wird viel gebetet und Anne hat auch die Bestätigung der Echtheit erhalten.

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    • Dorrotee sagt:

      Verstehe ich richtig, die Scheidung von Ihrer Frau wurde von einer angeblichen begnadeten Person als richtig bestätigt?
      Der Himmel hat direkt mit ihr gesprochen? Und nun können Sie Tina heiraten?
      Bitte vorsichtig sein.
      Wenn Sie Ihre erste Frau kirchlich geheiratet haben, dürfen Sie keine zweite Frau heiraten. Sonst sind Sie ein wiederverheirateter Mann. Im Zustand der Wiederverheiratung dürfen Sie nicht zur Kommunion gehen. Sie sollten mit einem Seeksorger/Priester über diese Lebenssituation sprechen.

      Sie müssten vorher versuchen, die erste Ehe zu annullieren, also für ungültig erklären zu lassen. Informationen gibt es beim zuständigen Ordinariat Ihres Bistums. Es sind meist sehr einfühlsame Menschen, die ihnen gute Informationen geben können, ob eine Annullation der Ehe möglich ist.

      Verlassen sie sich nicht auf angeblich begnadete Menschen. Die schmieren den Anhängern gerne Honig um den Mund, um evtl. Spenden zu ergattern.

      Warum sollte es nicht gut sein, an Marienerscheinungen zu zweifeln? Diese mit Heroldsbach ist doch offensichtlich falsch. Allein schon die Begebenheit mit der Bäuerin spricht Bände. Lesen sie nochmal genau die Analyse von Fr. Küble durch.

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  4. Vitellia sagt:

    Es ist gut, die falschen Propheten zu nennen, die auch noch die Bauersfrau, die hart arbeiten musste, frech belästigten mit Teufelsaussagen.

    Wenn man den ganzen Beitrag liest, kann man nur den Kopf schütteln, wie einfältig – wie aus der Dorfschule – solche Pilger sind. Auch andernorts glauben Einfältige die Medugorje-Geistergeschichten.
    Was sind das für Katholiken, die nicht auf den Papst hören???
    Er hat ohnehin viel mehr im Kopf als diese geistigen Hinterwäldler, denen man alles erzählen kann.
    Wenn ich „Erscheinungen“ schon höre – ab zum Arzt und erst mal den Geisteszustand untersuchen lassen!
    Mein frommer Nachbar kann mir auch nichts von Erscheinungen aus dem Jenseits erzählen.
    Unser Pfarrer der Gemeinde St. Hedwig hatte keine!

    Er predigt besser, als von seinen Erscheinungen zu erzählen.
    Sonst würde ich in eine andere Kirche gehen.

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  5. Dorrotee sagt:

    Gut analysiert.
    Die Frau vom Getreidefeld kann einem ja regelrecht leid tun. Allein diese Begebenheit und Aussage der Seher lässt Zweifel aufkommen.

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