Kardinal Marx über Karl Marx: Teils Lob, teils Kritik, aber ingesamt verharmlosend

Von Felizitas Küble

Der Münchner Oberhirte Reinhard Marx kokettiert gerne mit seinem Nachnamen, der an den Gründer des MARXismus erinnert. Nicht ohne Grund gab der Kardinal einem seiner Bücher den Titel „Das Kapital“  –  wörtlich dem Hauptwerk von Karl Marx entsprechend.

Ist dieser gleichsam spielerische, tendenziell eher wohlwollende Umgang mit dem atheistischen, kämpferisch kirchenfeindlichen Begründer des Marxismus-Kommunismus für einen katholischen Kirchenmann wirklich angemessen?

Anläßlich des 2oo. Geburtstags von Karl Marx am 5. Mai dieses Jahres gab Reinhard Marx dem Zeitungsportal RP-online am 20. April ein entsprechendes Interview; es wurde unter dem Titel „Was Marx über Marx denkt“ veröffentlicht. – Der Untertitel lautet:Der Kardinal würdigt seinen Namensvetter Karl als großen Denker“.

Der heutige Erzbischof von München war zuvor als Bischof von Trier im Amt – der Heimatstadt von Karl Marx, woran er gerne erinnert.

Auf die aufschlußreiche Frage „Warum befasst sich ein Erzbischof mit Karl Marx, der einer der schärfsten Kritiker der Kirche und der „Pfaffen“ war?“, antwortet der Kardinal folgendermaßen:

„Die Katholische Soziallehre hat sich intensiv an Marx abgearbeitet, daher das Wort von Oswald von Nell-Breuning: „Wir stehen alle auf den Schultern von Karl Marx“. Das soll nicht bedeuten, dass er ein „Kirchenvater“ sei. Aber seine Position war immer ein Diskussionspunkt für die Katholische Soziallehre. Meistens in kritischer Absetzung, aber eben auch in der Fragestellung: Was meint er  eigentlich, was was treibt diesen Mann um?“

Auf die Frage, inwieweit Marx für die Verbrechen in seinem Namen mitverantwortlich sei, erklärte der katholische Oberhirte, man könne ihn davon „nicht einfach freisprechen“, doch zugleich müsse er keineswegs „für alles haften“, was sich auf ihn berief bis hin zu Stalins Gulags (KZ-Lagersystem).

Zugleich meint er, Marx sei ein „scharfsinniger Analytiker des Kapitalismus“ und stellt die Überlegung an: „Vielleicht ist nach dem Ende des realen Sozialismus in Europa ein unbefangenerer Blick auf seine Philosophie möglich.“

„Kath.net“ berichtet am heutigen 1. Mai unter dem Titel „Münchner Erzbischof würdigt den Theoretiker des Kommunismus“, Marx habe das Kommunistische Manifest als „durchaus beeindruckend“ bezeichnet. 

Der Kardinal habe zwar eingeräumt, daß es in Marxens Schriften „den einen oder anderen totalitären Gedanken“ gäbe, gleichwohl sei sein Werk ein „wichtiges Korrektiv des kapitalistischen Systems“.

Das gelte nicht nur für das damalige 19. Jahrhundert, sondern sei auch heute noch aktuell: Erzbischof Marx warnte in seinem Interview mit der FAS (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“) davor, nur auf „materielle Verbesserungen zu schauen“. Man müsse auch sehen, wer bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Lasten trage und wer die Verlierer seien. Dabei könne „ein Blick“ auf Marx sehr hilfreich sein.

Was der Kardinal allerdings – nebst weiteren Negativposten  – nicht kritisch unter die Lupe nimmt, sind die judenfeindlichen Aussagen von Karl Marx (ungeachtet der jüdischen Herkunft dieses getauften Atheisten). Er hat ohnehin jedwede Religion abgelehnt und sie als „Opium des Volkes“ diffamiert.

Es läßt sich somit meiner Ansicht nach feststellen: Kardinal Marx verteilt teils Lob und teils Kritik an seinen Namensvetter, aber insgesamt verharmlost er den antichristlichen und kirchenfeindlichen Begründer des Marxismus-Kommunismus.

Wer sich mit dem Thema MARXismus gründlicher beschäftigen möchte, dem empfehlen wir das oben abgebildete Buch des als Marxismus-Forscher bekannten Professors Dr. Konrad Löw. Der Politikwissenschaftler befaßt sich darin sowohl mit der Biografie von Marx wie auch mit dessen Hauptwerk „Das Kapital“, aber auch mit der verhängnisvollen Wirkungsgeschichte bis hin zum Stalinismus etc.

Das fundierte Werk „Der Mythos Marx und seine Macher“ (480 Seiten, fest gebunden) gibt es bei uns statt für 24,80 € (Ladenpreis) zum Sonderpreis von nur 9,80 € und Porto. – Bestellungen bitte an: Felizitas Küble, Tel. 0251-616768


4 Kommentare on “Kardinal Marx über Karl Marx: Teils Lob, teils Kritik, aber ingesamt verharmlosend”

  1. Vitellia sagt:

    Nein, das Buch werde ich nicht lesen.
    Sonst komme ich auch noch in Verdacht, für den Kommunismus eine Vorliebe zu haben, weil ich mich mit Karl Marx beschäftige.
    Kritisieren kann man alles.
    Meine Güte, warum soll sich Kardinal Marx nicht auch mit Karl Marx beschäftigen und seine
    Meinung schreiben, was er auch gut an ihm findet.
    Gelobt oder empfohlen hat er ihn nicht.

    Menschen sind nie einfach nur schlecht oder nur gut. Wenn das Kardinal Marx auch so sieht,
    dann interessiert mich der alte reale Marx trotzdem nicht.

    Durch Kardinal Marx wurde niemand schlecht beeinflusst. Sonst selber schuld, wer
    immer einen „Vorbeter“ braucht und was dieser sagt, ist für ihn richtig.
    Alles nur negativ sehen oder Anderen womöglich ihre Meinung vorschreiben wollen und was sie nicht sagen sollen, lehne ich auch ab.

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  2. Ursula Kempe sagt:

    Ich denke da an den Wolf mit dem Schafsfell….
    Gut, daß wir die Bibel haben und all diese Zeit darin finden.
    Es muß so sein, damit die Welt erneuert werden kann.

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  3. Adolf Breitmeier sagt:

    Wären die Christen so, wie sie sich Jesus vorstellte und die Menschen haben wollte, wäre jeder Sozialismus überflüssig. Im Prinzip war Marx eine Art ,,Religionsstifter“ ohne einen Gott, und deshalb verhalten sich fundamentale Sozialisten auch so richtig gottlos.
    Ich glaube nicht, dass der Kardinal die Schriften seines Namensvetters mit wachem Verstand gelesen hat, weil er nicht auf die Konsequenzen der Marx´schen Thesen eingegangen ist. Jeder ,,Philosoph“ ist für sich gesehen ein großer Denker (denkt er), aber der Nutzen seiner Theorien zeigen erst die wahre Größe. Und bei Marx kamen so um die 120 Millionen ermordeter Menschen weltweit heraus. Damit steht der Sozialismus gleich hinter dem Islam mit so um die 300 Millionen verbürgten Opfer, ohne die ungezählten und vergessenen Opfer. Also ich kann am Sozialismus und an Marx (an dem einen wegen seiner Theorien, am anderen, weil er seinen Glauben auch mal verleugnet) nichts Gutes sehen. Ohne Sozialismus und Marx wäre die Welt besser.

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  4. Bernd.L.Mueller sagt:

    Liebe Felicitas Küble,

    interessant zu lesen und wie ambivalent auch ein Kardinal sein kann.

    Wir selbst sind relativ treue Kirchgänger, aber nicht doof.

    Nachdem der Kardinal in Israel bei seinem Besuch – gemeinsam mit evangelischem Bischof – bei muslimischen Würdenträgern das Kreuz abgelegt hat, verlor er bei uns jede Glaubwürdigkeit für einen festen christlichen Glauben.

    Die aktuelle Kritik an MP Söder ist in diesem Kontext zu sehen.

    Karl Marx als Vorbereiter des Kommunismus vielleicht noch bei roten Ungläubigen (Genossen) oder gutwilligen Studenten/innen – dummes Gequatsche von Dutschke oder Honnecker im Ohr – erstrebenswerte Symbolfigur – aber für uns Bürger/innen – zumal Berliner – verbindet sich mit seinem Namen Kadavergehorsam unter eine Partei, Diktaturen, Gulag, Unrecht, Atheismus etc.

    Wir aber wollen freie Bürger/innen sein in einem christlich geprägten Land.

    Offensichtlich gilt das auch für alle muslimisch geprägten Einwohner der gesamten Welt – vornehmlich Nahost / Türkei etc., warum nur wollen die alle ins kalte Deutschland kommen, flüchten, leben, arbeiten ?

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