Skandalfall Alfie: Darf der Staat in Europa über Leben und Tod entscheiden?

Alfie Evans, dessen Schicksal in den vergangenen Tagen viele Menschen europaweit bewegte, ist in den frühen Morgenstunden des 28. April 2018 im Alder-Hey-Kinderkrankenhaus in Liverpool verstorben.

Susanne Wenzel, Pressesprecherin der Christdemokraten für das Leben (CDL), erklärt dazu:

Alfie Evans ist in der Nacht zum Samstag verstorben  –  fünf Tage, nachdem ihn die Ärzte von der künstlichen Beatmung getrennt und jede weitere Behandlung eingestellt hatten. Den Eltern war es aufgrund der Entscheidung des Krankenhauses und des Gerichtes nicht möglich, alternative Behandlungen für die nicht ausdiagnostizierte Erkrankung ihres Kindes zu finden.

BILD: CDL-Pressesprecherin Susanne Wenzel (Mitte) – links: Odila Carbanje (stellv. CDL-Bundesvorsitzende)

Nachdem seine Eltern Alfie vor Monaten nach Hause holen wollten, was das Krankenhaus ihnen untersagte, sollte nun auf Initiative von Papst Franziskus, den der Vater Tom Evans um Hilfe gebeten hatte, die weitere Untersuchung und Behandlung von Alfie in der Kinderklinik Bambino Gesu in Rom fortgesetzt werden.

Doch das Krankenhaus verhinderte mit Hilfe des Gerichtes die Verlegung des schwerkranken Jungen. Auch die Anrufung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) brachte keine Wendung. Der EGMR erklärte den Antrag der Eltern für unzulässig, da er keine Rechte und Freiheiten aus der Konvention über die Menschenrechte in Europa verletzt sah.

In der daraufhin entstandenen öffentlichen europaweiten Debatte zeigt sich die deutliche Erschütterung vieler Bürger darüber, dass sich in einem geradezu beispiellosen Fall Staat und Medizinwesen eines europäischen Landes anmaßen, gegen den erklärten Elternwillen über die Behandlung ihres Kindes zu entscheiden und in autoritärer Weise den Eltern die Elternrechte abzusprechen und auch noch aktiv Hilfsangebote einer der führenden Kliniken Europas zu unterbinden.

Die Auseinandersetzung um die Behandlung von Alfie Evans ist ein Fanal, wie elementarste Elternrechte und damit Grundrechte inzwischen ausgehebelt werden, wenn es um Entscheidungen zwischen Leben und Tod geht. 

Der Supreme Court, das höchste britische Gericht, erklärte in seiner Entscheidung am 20. April, dass entsprechend dem „Custody of Children Act“ Elternrechte als nicht absolut anzusehen sind. Das ist zwar dann durchaus sinnvoll, wenn Gefahr für das Kind von den Eltern ausgeht.

Im Falle von Alfie Evans aber stellte die Fürsorge der Eltern zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für den Jungen dar. Das Gericht erklärte weiter, dass Tom und Kate Evans kein Recht haben, über die weitere Behandlung ihres schwerstkranken Kindes zu entscheiden. Das Krankenhaus aber habe „im besten Sinne“ von Alfie entschieden, seine Behandlung einzustellen.

Den Eltern, die ausschließlich das Wohl von Alfie im Blick hatten, zu unterstellen, nicht rechtsmündig zu sein und im Sinne ihres Kindes entscheiden zu können, ist ein rechtlicher Dammbruch mitten in Europa, das doch als Garant der Freiheit gelten soll, der zu Recht zum Skandal wird.

Der Staat spielt Schicksal über das Leben seiner Bürger, wenn er den erklärten Fürsorgewillen der Eltern, und damit deren elementarstes Grundrecht aushebelt und sich an die Stelle der Eltern setzt.

Alfie Evans ist nach Charlie Gard im vergangenen Jahr und Isaiah Haastrup im März nun das dritte Kind, das aufgrund einer auch noch durch Gerichte gestützten Entscheidung der Ärzte gegen den erklärten Elternwillen sterben musste. Und es ist davon auszugehen, dass nur diese drei Fälle öffentlich wurden.

Die CDL begrüßt deshalb die Initiative einiger Abgeordneter des britischen Parlaments, ein Gesetz zu verabschieden, das die Elternrechte vor allem in diesem Punkt stärkt. „Alfie’s Law“ soll künftig schwerkranke Kinder und auch deren Eltern vor einer Allmacht des Staates beschützen, in der Menschenrechte zum Ermessensspielraum werden.


5 Kommentare on “Skandalfall Alfie: Darf der Staat in Europa über Leben und Tod entscheiden?”

  1. Das ist jetzt das zweite christliche Kind in England, das auf diese Weise durch einen linken Richter ermordet wurde. Ob man das auch mit Kindern in ähnlichen Krankheitsfällen getan hätte, die nicht-christliche Eltern hätten? Denn irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man seit einiger Zeit von links her versucht, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, sich Christen zu entledigen. Oder gibt es in England/Europa solche Fälle auch, was Kinder nicht-christlicher Eltern betrifft? – Hätten die beiden englischen linken Richter auch ein Kind von Muslimen derart ermordet? Ich würde sagen: Wohl kaum! Deshalb gehe ich davon aus, dass man es von links her nur auf christliche Kinder abgesehen hat!

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  2. ruedigerengelhardt sagt:

    Ich sehe es als ein Zeichen dafür, daß linksperverse u. linksradikale Ideologien immer mehr um sich greifen.
    Mütter nur noch als Gebärmaschinen ohne Erziehungs- u. Fürsorgerecht ihrer Kinder? Das tausendjährige Reich muß wohl doch überdauert haben und hat Europa und viele andere Länder mit Perversitäten fest im Griff. Der Sozialismus, egal ob national oder international, greift wie eine Krake um sich.
    1968 war der Beginn einer Seuche, 2018 der Anfang vom Ende von Demokratie und Zusammenhalt der Gesellschaft.

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  3. Vitellia sagt:

    Noch eine Überlegung, weil es sehr schade ist, dass es in England nicht so eine gute Klinik gibt wie das, was ich über die Kinderklinik Bambino Gesu gelesen habe.
    Auch wenn das Kind nicht mehr gesund wurde, hätte es eine gute Pflege und Betreuung gehabt, so lange es an die Apparate-Medizin angeschlossen war und nicht gestorben wäre.

    Aber der Flug war es bestimmt, dass das Kind nicht nach Italien gebracht werden konnte.

    Welche Fluggesellschaft hätte es riskiert, das schwerkranke Kind mit der ganzen Apparate-Medizin zu befördern? Im Flugzeug herrschen andere Druckverhältnisse.
    Vor allem aber beim Aufstieg des Flugzeuges und bei der Landung. Alle Passagiere müssen sich anschnallen.
    Das kleine Kind, das nicht gut atmen konnte, konnte man doch nicht anschnallen mit allen Schläuchen zur Versorgung. Die Versorgung wäre unterbrochen worden durch den starken Gurt.
    Und wie den Apparat sicher festmachen, dass er auch beim Aufstieg und der Landung das Kind gut versorgte?

    Das waren bestimmt die Gründe, dass Alfie leider in England bleiben musste.
    In der Klinik in Italien wäre das Kind zwar nicht gesund geworden, aber ob sie einfach den Apparat abgeschaltet hätten und das Kind ist gestorben?

    Trotzdem bin ich der Meinung, dass sich die Ärzte alles gut überlegt haben. Erst recht, wenn sie selber Kinder haben, wollen sie auch die beste Versorgung für ihr krankes Kind.
    Ihr Kind aber nur noch an Schläuchen zu sehen, alles soll die Technik machen und nichts wird besser?
    Das muss jeder für sich entscheiden.
    Ich hätte gewollt, dass mein Kind so lange wie möglich lebt, bis der natürliche Tod (leider!)
    eingetreten wäre.

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  4. Vitellia sagt:

    Ich konnte im Internet vieles über diese Klinik, die hier natürlich nicht bekannt ist oder
    zumindest mir nicht, erfahren.

    Einfach berührend, wie gut und fürsorglich man sich gerade um die Schwächsten kümmert und sie liebevoll versorgt.
    Auch Papst Franziskus hat sich für das arme kleine Kind eingesetzt.

    Der Junge wäre wohl nicht mehr gesund geworden nach dem, was über die Schädigung seines Gehirns mitgeteilt wurde und er nur mit Schläuchen/Infusionen versorgt werden konnte. Er konnte auch nicht mehr schlucken, also keine Nahrung zu sich nehmen.
    Soweit das, was zu lesen war.
    Soll das ein Grund sein, dass man dieses Kind sterben ließ??
    In der Kinderklinik Bambino Gesu (auch eine Kirche gibt es in der Nähe mit diesen Namen) hätte man alles für das Kind getan.

    Vielleicht hätte Alfie nach längerer Zeit und einer guten Behandlungstherapie in dieser Klinik wieder besser atmen und schlucken können und man hätte mit leichter Nahrung beginnen können. (Milch z. B. ist kein Getränk, sondern flüssige Nahrung).
    Aber alles nur vielleicht?!! Das können wir als Laien und Außenstehende nicht beurteilen.
    Nur gewünscht hätte ich es diesem Kind!

    Das viel größere Problem sehe ich im Transport des schwerstkranken Kindes von
    England/Liverpool nach Italien mit dem Flugzeug.
    Die Ärzte haben sich das nicht einfach gemacht. Wer das behauptet – dann ist es eine üble Unterstellung ohne Beweise.
    Geld hat hier auch nichts zu suchen. Gerade dann hätten sie das Kind noch länger an allen Schläuchen angeschlossen lassen und es mit künstlicher Ernährung versorgt.
    Wenn aber die Gefahr bestand, das Kind stirbt auf dem Transport, konnten sie das nicht verantworten.
    Was hätte es dann in der Bevölkerung (und allen Facebook- Rednern/Schwätzern, wie man sie kennt) für einen Sturm der Entrüstung gegeben? Das hätten die Ärzte vorher wissen können usw.
    Zu denken geben sollte auch, dass es in ganz England keine Spezialklinik für die schwere Krankheit des kleinen Kindes gab.
    Das hätten die Eltern mit Sicherheit gewusst, die sich die größte Mühe und Sorge um ihr Kind machten und bestimmt auch eine bessere Klinik gefunden hätten.

    Die Eltern haben viel mitgemacht und tun mir leid. Ihr Kind, dessen Seele jetzt bei Gott ist, werden sie nie vergessen.
    Das Schlimmste für Eltern, ein Kind zu verlieren.

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