Jüdischer Repräsentant gegen den Reformationstag als gesetzlicher Feiertag

Der evangelische Reformationstag (31. Oktober) wird voraussichtlich in Norddeutschland ein gesetzlicher Feiertag sein – auch in Niedersachsen. Michael Fürst, der Präsident der Jüdischen Gemeinden dort, kritisiert diese Entscheidung sehr deutlich, da weder Juden noch Katholiken hiermit einverstanden sein könnten.   

In einem Interview mit dem Kölner „Domradio“ vom 23. Mai erklärt Fürst, Luther sei ein „bekennender Antisemit, zumindest in den letzten Jahrzehnten seines Lebens“ gewesen:

„Die protestantischen Christen können jederzeit ihren Reformationstag als Luthertag weiterfeiern, aber den Tag uns Juden und auch den Katholiken als Feiertag vorzuschreiben, für die ja der Reformationstag der Spalttag ist, das halte ich für unwürdig.“

Der jüdische Repräsentant fügt hinzu: „Der Reformationstag als christlicher Feiertag kann bleiben, aber nicht als gesetzlicher Feiertag…..Und mit der Feier zum 500. Jahrestag hat auch weder der Zentralrat etwas zu tun gehabt noch die katholische Kirche.“

Man solle, so Fürst, die Reformation nicht auf diesen Tag fixieren, denn „dafür gibt es 365 Tage, aber nicht den Tag, der uns alle anderen beleidigt – Katholiken, Juden und viele andere mehr.“

Auf die Frage, ob man den Tag des Grundgesetzes (23. Mai) als Feiertag einführen soll, reagierte der jüdische Vertreter positiv. 

Quelle für die Zitate: https://www.domradio.de/themen/judentum/2018-05-23/heute-wuerde-man-sagen-luther-war-ein-hassprediger-juden-gegen-reformationstag-als-gesetzlicher


2 Kommentare on “Jüdischer Repräsentant gegen den Reformationstag als gesetzlicher Feiertag”

  1. Claus Stephan Merl sagt:

    Ob irgendwer aus religiösen Gründen gegen den Reformationstag als Feiertag ist, kann keine Rolle spielen. Es finden sich sicher auch Gegner von katholischen Feiertagen aus religiösen Gründen. Der Feiertag entspricht letztlich dem Bevölkerungsanteil von Protestanten und deren Stellung als geschützte Konfession.

    Die Begründung des Herrn Fürst, Luther sei Antisemit gewesen, vermag aus folgenden Gründen nicht zu überzeugen:

    1. Die Reformation als solche verfolgte nicht das Ziel, Juden zu verfolgen oder zu benachteiligen. Weshalb sollte also wegen Luthers Ausfällen der Reformation nicht durch einen Feiertag gedacht werden?
    2. Luther war kein Antisemit, sondern ein Antijudaist, weil seine anfänglichen Hoffnungen, Juden würden sich zu Christus bekehren, wenn man sie besonders wohlwollend behandle, nicht erfüllt haben. Auch wenn Luthers Sprache „Von den Juden und ihren Lügen“ (so der Titel einer Schrift Luthers) zeitbedingt derb war, hat er nicht die ethnische Auslöschung von Juden propagiert. Nichtsdestotrotz waren seine Tiraden falsch und dienten Hitler als Vorwand. Mit der Reformation selbst hatte das aber nichts zu tun. Abgesehen davon unterschied sich Luthers Einstellung gegen die Juden nicht von dem, was konservative katholische Zeitgenossen Luthers dachten. Weshalb sollte also wegen Luthers Ausfällen der Reformation nicht durch einen Feiertag gedacht werden?

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  2. wolfsattacke sagt:

    Offen gestanden bin ich auch kein Befürworter des Reformationstages als gesetzlicher Feiertag, obwohl meine Familie mindestens seit dem dreißigjährigen Krieg protestantisch ist. Ich persönlich bin aufgrund der Wandlung der evangelisch-lutherischen Kirche nicht mehr so überzeugt von der EKD.
    Aber um auf den Reformationstag als gesetzlicher Feiertag zurück zu kommen: Für Katholiken muß gerade dieser Tag zu ablehnender Haltung führen, hat die Reformation doch letztendlich die Christen „gespalten“, ob nun zu Recht oder zu Unrecht, lasse ich dabei mal außen vor.
    Einiges was durch die Reformation verlorenging, muß wirklich hinterfragt werden, ob genau diese Punkte, welche dem evangelisch-lutherischen Glauben im Vergleich zum Katholizismus fehlen, denn wirklich wegfallen mussten. Ich meine damit speziell die Marienverehrung und die Heiligenverehrung, welchen grundsätzlich nichts Negatives anzulasten ist, das gilt insbesondere für die Jungfrau Maria, welche ich persönlich genauso verehre, wie es die Katholiken tun.

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