Das Herz Jesu und die Eucharistie im Denken der seligen Maria Droste zu Vischering

Von Dr. Markus Büning

Heute feiert die Kirche ein Hochfest, welches leider in den meisten Pfarrgemeinden unserer Bistümer ein Schattendasein führt: Das Herz-Jesu-Hochfest.

Ein Grund dafür ist sicher auch die eucharistische Krise der Gegenwartskirche. Umso mehr sollten wir der Frage nachgehen, wie sehr die Herz-Jesu-Verehrung und die Eucharistie in einem Zusammenhang stehen.

Hierfür ist uns besonders die selige Maria Droste zu Vischering aus dem Münsterland ein wichtiger Impulsgeber. Es fügt sich in diesem Jahr gut, dass das Herz-Jesu-Hochfest und ihr Gedenktag auf den Tag genau zusammenfallen.

All dies sind Gründe genug, sich dieses Themas heute besonders anzunehmen.

Die selige Maria Droste betont immer und immer wieder unlösbare Einheit von Herz-Jesu-Verehrung und Eucharistie. Sie spricht hier zu Recht von einer „Untrennbarkeit“, da ja das Herz Jesu selbst als Teil des Herrenleibes in der Eucharistie gegenwärtig ist:

„Ich betete in der Kapelle am Morgen des Herz-Jesu-Festes vor jenem Bild, das ich schon als Kind so sehr liebte. (…) Das allerheiligste Sakrament war ausgesetzt. Das Herz-Jesu-Bild inmitten von Blumen und Kerzen stand so nahe am Altare an der Evangelienseite, daß ich, wenn ich vor diesem Bilde betete, mit demselben Blicke auch die heilige Hostie in der Monstranz sah. Ich sage dieses, weil ich ja schon anfangs erklärte, daß ich niemals das heiligste Herz Jesu von der heiligen Eucharistie trennen konnte; denn hier ist wahrhaftig jenes heiligste Herz gegenwärtig als Teil des kostbaren Leibes des Herrn. Das Bild stellte den leiblichen Augen dar, was der Glaube den Augen der Seele zeigte, und mein Herz war entzündet von den Flammen der göttlichen Liebe.“[1]

Hier steht sie ganz in der Tradition des Herz-Jesu Kultes der Kirche, der immer zugleich auch eucharistischer Kult ist. Papst Pius XII. förderte diese Frömmigkeitsform in der Enzyklika „Haurietis aquas“ vom 15. Mai 1956 mit folgenden Worten: „Es wird auch nicht leicht sein, die Kraft der Liebe zu erfassen, mit der Christus selbst sich uns zur geistigen Nahrung gab, wenn nicht in der besonderen Pflege der eucharistischen Herz-Jesu-Verehrung, (…).“[2]

Schon als Kind und Jugendliche schmückte die selige Maria in ihrer westfälischen Heimatgemeinde Darfeld den Altar für das vierzigstündige Gebet hat. Die eucharistische Anbetung war ein Kernstück der Spiritualität der Seligen.

Wie sieht es heute in den Kirchengemeinden mit der eucharistischen Anbetung aus? Ist bei den Gläubigen noch das Bewusstsein vorhanden, wie wesentlich die eucharistische Anbetung für das Leben der Kirche ist?

In der Nachkonzilszeit wurde nicht selten die eucharistische Anbetung zugunsten der Feier der Eucharistie in den Hintergrund gedrängt. Das Konzilsdokument über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ betont allerdings in Nr. 33 klar und deutlich, dass die heilige Liturgie „vor allem Anbetung der göttlichen Majestät ist“[3].

In vielen Kirchengemeinden gibt es bereits keinerlei Anbetungsstunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten mehr. Immer seltener findet sich in den Kirchengemeinden noch der Brauch, am Vorabend des Herz-Jesu-Freitags die Anbetungsstunde vor dem Sakrament zu halten. Selbst die althergebrachte Übung des vierzigstündigen Gebetes verschwindet zunehmend in der Glaubenspraxis unserer Kirchengemeinden.

Der innere Zusammenhang von Eucharistiefeier und Anbetung des Allerheiligsten wird nicht mehr genügend wahrgenommen. Wegen der zuvor festgehaltenen Untrennbarkeit von Herz-Jesu-Verehrung und eucharistischer Anbetung muss man leider sagen, dass eine Krise der eucharistischen Anbetung immer auch eine Krise des Herz-Jesu-Kultes ist und umgekehrt.

Papst Benedikt XVI. geht in seinem nachsynodalen apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ von 2007 auf diese Fehlentwicklung ein und betont ihr gegenüber wieder ausdrücklich den Wert der eucharistischen Anbetung außerhalb der Messfeier: 

„Ein damals verbreiteter Einwand ging zum Beispiel von der Bemerkung aus, das eucharistische Brot sei uns nicht zum Anschauen, sondern zum Essen gegeben. In Wirklichkeit erwies sich diese alternative Gegenüberstellung im Licht der Gebetserfahrung der Kirche als gänzlich unfundiert. (…) In der Eucharistie kommt uns ja der Sohn Gottes entgegen und möchte sich mit uns vereinigen; die eucharistische Anbetung ist nichts anderes als die natürliche Entfaltung der Eucharistiefeier, die in sich selbst der größte Anbetungsakt der Kirche ist. (…) Der Akt der Anbetung außerhalb der heiligen Messe verlängert und intensiviert, was in der liturgischen Feier selbst getan wurde.“[4]

Dementsprechend empfiehlt Papst Benedikt XVI. der gesamten Weltkirche, die eucharistische Anbetung außerhalb der Messfeier wieder aufzunehmen und intensiv zu pflegen:

„Gemeinsam mit der Synodenversammlung empfehle ich darum den Hirten der Kirche und dem Gottesvolk von Herzen die eucharistische Anbetung, sei es allein oder in Gemeinschaft. (…) Im Bereich des Möglichen sollten dann vor allem in den bevölkerungsreicheren Gebieten Kirchen oder Oratorien bestimmt und eigens für die ewige Anbetung bereitgestellt werden.“[5]

Schon der heilige Papst Johannes Paul II. hat den großen Wert der eucharistischen Anbetung festgestellt und ein bewegendes persönliches Zeugnis für sie abgelegt:

„Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten, die nach der Messe aufbewahrt werden – eine Gegenwart, die so lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben –, kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale und die geistliche Kommunion vor.

Es obliegt den Hirten, zur Pflege des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist. Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die »Kunst des Gebetes« auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!“[6]

Welch ein gewaltiges Glaubenszeugnis dieses heiligen Papstes. Auch dieser Mystiker stellt hier die Verbindung der eucharistischen Anbetung mit dem Herz-Jesu-Kult deutlich heraus. Bei der Anbetung geht es letztlich um das Berührtwerden von der unendlichen Liebe des Herzens Jesu, ja hier kann man seinen Herzschlag hören und so sich hineinnehmen lassen in die Frequenz dieses Herzschlages.

Suchen wir, wenn möglich noch heute, den Tabernakel auf und bitten vor dem Herrn im Sakrament mit der Seligen des Tages zusammen: „Heiligstes Herz Jesu, bilde unser Herz nach Deinem Herzen!“

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Herz-Jesu-Hochfest.

Anmerkungen:
[1] L. Chasle, Selige Schwester Maria vom Göttlichen Herzen Droste zu Vischering. Ordensfrau vom Guten Hirten, 9. Aufl., Freiburg im Breisgau 1929, hier im Nachdruck 1. Aufl., Wangen i. Allg. 1995, S. 40.
[2]Nr. 121, zit. nach ULR http://www.vatican.va/holy_father/pius_xii/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_15051956_haurietis-aquas_ge.html.
[3] Zit. nach K. Rahner, H. Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium, 18. Aufl., Freiburg 1985, S. 62.
[4]Nr. 66, zit. nach: ULR http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/apost_exhortations/documents/hf_ben-xvi_exh_20070222_sacramentum-caritatis_ge.html.
[5] Ebd., Nr. 67.
[6]Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ 2003, Nr. 25, zit. nach: ULR http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_20030417_eccl-de-euch_ge.html.

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9 Kommentare on “Das Herz Jesu und die Eucharistie im Denken der seligen Maria Droste zu Vischering”

  1. Vitellia sagt:

    Von Nonnen, die ich sehr schätze, liest man immer nur Positives.

    Man denke auch an die Missionsschwestern, was sie für die Armen leisten.
    An die Ordensschwestern, die in der Französischen Revolution für ihren Glauben gestorben sind.
    In meinem Gymnasium waren es – und gibt es sie bis heute – Franziskanerinnen, die viel Wissen vermitteln, auch für unseren Glauben.

    In zwei Kliniken in Stuttgart (in anderen Städten gibt es sie auch), sehr geschätzt für die gute medizinische Versorgung, sind es Schwestern vom Orden des Hl. Vinzenz von Paul.
    Er war ein französischer Priester und setzte sich für die Armenfürsorge und Krankenpflege ein,
    hatte ein sehr bewegtes Leben für seinen Glauben und wurde heilig gesprochen.

    Diese Ordensfrauen leisten viel und tun nur Gutes für die Menschen, anstatt nur Unsinn zu verkünden, wie viele Erscheinungen (Medugorje) sie hatten und sog. Gläubige, die einem Duplantis nachlaufen.

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  2. Vitellia sagt:

    Maria Droste, eine ganz besondere Nonne, hatte ich schon ganz vergessen. In der Schule haben wir von ihr gehört.
    Angeregt durch diesen Beitrag habe ich auf Wikipedia von ihr gelesen. Sie hatte auch einen Zwillingsbruder.
    Sehr viel wird dort mitgeteilt. Hier nur ein paar Ausschnitte:

    „Maria Gräfin Droste zu Vischering … Maria vom Göttlichen Herzen … war eine deutsche Ordensschwester in der Kongregation der Schwestern vom Guten Hirten. Sie wird in der katholischen Kirche als Selige verehrt.

    Geboren wurden Maria Droste zu Vischering und ihr Zwillingsbruder Maximilian am Fest Mariä Geburt, am 8. September 1863, in Münster im Erbdrostenhof, † 8. Juni 1899 in Porto.

    Im Januar 1894 wurde sie nach Lissabon gesandt als Assistentin der Provinzoberin
    in Portugal ….

    Aus ihrer Familie entstammen zahlreiche hohe katholische Würdenträger; unter anderem Clemens August Droste zu Vischering, von 1835 bis 1845 Erzbischof von Köln; Kaspar Maximilian Droste zu Vischering, von 1826 bis 1846 Bischof von Münster und ihr Cousin Clemens August Kardinal Graf von Galen …

    45 Jahre nach ihrem Tod wurde der Leichnam Sr. Marias unverwest aufgefunden. Er befindet sich seither in einem Reliquienschrein in der neuen Herz-Jesu-Kirche in Ermesinde. [Portugal]

    Am 1. November 1975 wurde Sr. Maria vom Göttlichen Herzen von Papst Paul VI. in Rom seliggesprochen, ihr Gedenktag ist der 8. Juni. …“

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  3. ostrpeterroesch sagt:

    Es ist unbedingt nötig, die Eucharistie auf ihr Verhältnis zur Lehre der Transsubstantiation zu überprüfen. Bedingen sie sich gegeneinander? Gibt es eventuell Unterschiede in der biblischen Begründbarkeit? Oder, anders gefragt, würde die Eucharistie ihren Sinn verlieren ohne den verstandstrapazierenden Glauben an die Brot-Fleisch-Umwandlung?

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    • Na, dann fangen Sie mal an!

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      • ostrpeterroesch sagt:

        Sie sind also ratlos? – Das habe ich mir gedacht.

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      • Gerd sagt:

        Meinen Verstand hat es noch nie strapaziert, an die Transsubstantiation zu glauben. Die Protestanten müssten da mehr Erfahrung haben. So ziemlich genau 500 Jahre.

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      • @ostrpeterroesch

        Sie brauchen nicht auf mich zu lenken, der ich mit der biblischen Darlegung der Eucharistie durchaus klar komme, schließlich bin ich gläubig!

        Deshalb noch mal:

        Dann fangen Sie mal an – „die Eucharistie auf ihr Verhältnis zur Lehre der Transubstantiantion zu überprüfen!

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      • @Gerd
        Meinen Verstand hat es auch noch nie strapaziert. Und selbst wenn, denn es geht nicht darum, ob wir eine geoffenbarte Wahrheit verstehen oder nicht, sondern darum, dass wir sie glauben, auch ohne sie zu Verstehen. Das ist Demut vor Gott! Im Protestantismus scheint das anders zu sein: dort glaubt man nur das, was man begreift. Der protestantische Verstand ist somit Richter über Gottes Wort und somit über Gott! Das ist Stolz und Hochmut! Und wenn man dann etwas nicht begreift, dann wird es dem eigenen Verstehen angepasst und somit entsprechend willkürlich umgedeutet, so dass es dann auch den eigenen Vorstellungen entspricht. So funktioniert das nicht!

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