Auch der reisende Visionär Lungenschmid bietet „Warnungs“-Botschaften

Von Felizitas Küble

Kürzlich war der selbsternannte Nahtod-Visionär Helmut Lungenschmid wieder mit einer Vortragstour durch Westfalen zugange, teils tagt er mit weit über hundert Teilnehmern wie am 3. Juli in Hembergen.

Offenbar sind der Naivität mancher Gläubigen keine Grenzen gesetzt. Immerhin zeigt schon ein kurzer Blick in den 1. Band über Lungenschmids Jenseitsoffenbarungen („Mein Sterbeerlebnis“), daß er sich theologisch voll neben der Spur befindet.

Aber das ficht seine Fangemeinde offenbar nicht an – selbst wenn der Autor sogar die Ewigkeit der Gottheit Christi leugnet und weitere Absurditäten bietet. (Näheres dazu  HIER.)

Dabei versteht sich am Rande, daß auch dieser (Hell-)“Seher“ genaue Auskunft über Zukünftiges zu bieten vermag, immerhin macht genau dies den Reiz solcher Bücher und Tagungen aus.

Will nicht jeder Mensch gerne wissen: Was kommt auf mich zu? Was geschieht zukünftig mit der Welt? Was habe ich nach dem Tod zu erwarten?

Panikmache ist in Deutschland immer schon auf fruchtbaren Boden gefallen, sei es der ökologische (Kernkraft-)GAU bzw. Umwelt-Niedergang („Saurer Regen“ und „Waldsterben“ etc. sorgten schon in den 70er Jahren für diffuse Ängste), sei es eine immer wieder aufkeimende Weltuntergangsstimmung in religiöser Hinsicht.

In diese weitverbreitete Zukunftsangst, die freilich auch von tatsächlichen Problemen genährt wird, passen die Botschaften von der „Warnung“ wie der Deckel auf den Topf.

Gemeint ist damit eine angebliche Zwischen-Wiederkunft Christi  v o r  seinem endgültigen Erscheinen in Herrlichkeit.

Demnach soll es in Bälde eine weltweite „Seelenschau“ geben, die Christus durch ein überall sichtbares „Kreuz am Himmel“ startet. Jeder Mensch sehe dann den (mehr oder weniger) schrecklichen Zustand seiner Seele im Lichte Gottes – und manche fallen vor Entsetzen gleich tot um.

Dieses Szenario – das sich weder mit der biblischen Endzeitprophetie noch mit der kirchlichen Lehre vereinbaren läßt  – ist nicht ganz neu, tritt aber abwechselnd in jeweils anderem Gewande zum Vorschein, propagiert von neuen Visionären und diversen „Opferseelen“.

Wir haben unlängst über einige Warnungs-Botschafter/innen berichtet, z.B. Luz de Maria oder eine anonyme Dame namens „Maria von der Vorbereitung der Herzen“…

Zu dieser erlauchten bzw. erleuchteten Schar gesellt sich auch unser Nahtod-Erfahrener Lungenschmid, wie die Webseite mit dem vielsagenden Titel „Kreuz am Himmel“ zu berichten weiß: https://www.kreuzamhimmel.li/index.php?site=lungenschmid

Am Schluß seiner visionären Einsichten heißt es: „Man bilde sich seine eigene Meinung“. Dieser Aufforderung gerne nachkommend, sei folgendes angemerkt:

Lungenschmid will die universale Seelenschau schon vorweg selber erlebt haben, gewissermaßen als Vorposten dessen, was uns allen noch blüht:

Jesus Christus sagte mir während dieser Seelenschau, dass Sein Vater möchte, dass sich alle Menschen auf ein bevorstehendes Ereignis vorbereiten. Dieses Geschehen wird in Bälde stattfinden.“

Daß dieses Phänomen „bald“ vonstatten geht, wurde schon bei den  – kirchlich nicht anerkannten –  Marienerscheinungen im spanischen Bergdorf Garabandal Anfang der 60er Jahre behauptet. Lungenschmid plappert es nach und weiß zu berichten, daß Gott-Vater alle Menschen darauf „vorbereiten“ möchte.

Bloß merkwürdig: Sollte der Allwissende es „versäumt“ haben, dieses aufregende Mega-Ereignis in der Heiligen Schrift zu erwähnen? Weder in den alt- noch in der neutestamentlichen Büchern findet sich ein Sterbens(!)-Wörtchen über dieses schaurige Endzeitspektakel.

Aber nun hat es der Ewige  – nach dem Glauben erscheinungsbewegter Gemüter  – für gut befunden, einige Mädels in Garabandal über seine zuvor geheimgehaltenen Pläne zu informieren, dasselbe sodann einige Jahrzehnte später einer anonymen „irischen Seherin“ zu offenbaren (die inzwischen freilich als Schwindlerin entlarvt ist) –  oder eben auch den schreiblustigen Lungenschmid  – soeben erschien der zweite dicke Band seiner Privatoffenbarungen – ins Bild zu setzen, auf daß diese Begnadeten alle Welt aufscheuchen aufklären.

Was ein echter Prophet ist, der weiß auch, was nach solch einer Schreck-WARNUNG abgeht:

„Es wurde mir auch gezeigt, dass sich Millionen und Abermillionen Menschen über die ganze Welt verstreut bekehrt hatten. Aber bei weitem nicht alle Menschen wurden von dieser Seelenschau anhaltend tief berührt.“

Was sind schon „Millionen und Abermillionen“? Warum nicht einige Milliarden? Wozu sonst das ganze Spektakel?

Lungenschmid beklagt sich bereits jetzt: „Manche blieben ihrem atheistischen Glauben treu, weil sie derart verstockte Herzen hatten, dass nicht einmal dieses grosse Wunder an ihnen Wirkung zeigte. Andere wurden bekehrt, sind aber dann nach einer bestimmten Zeit wieder in den alten Unglauben zurückgefallen.“

Tja, da fragt sich nicht nur meine Wenigkeit, welchen Sinn wir dieser universalen „Seelenschau“ abgewinnen dürfen, wenn hinterher im Grunde sowieso alles beim alten bleibt…?!

 

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7 Kommentare on “Auch der reisende Visionär Lungenschmid bietet „Warnungs“-Botschaften”

  1. Claus Stephan Merl sagt:

    Nahtoderlebnisse sind immer mal wieder „der letzte Schrei“. Da wird so getan, als seien diese Menschen tot gewesen (nach welcher Definition?) und würden direkt aus dem Jenseits berichten. Nun, wer wirklich richtig tot war, kann nichts mehr berichten; es sei denn, er wurde durch ein Wunder von den Toten auferweckt. Das dürfte aber sehr selten passieren.

    Was immer diese Menschen erleben, es ist und bleibt erst mal rein subjektiv und kann kein objektiver Maßstab für irgend etwas sein. Es kann ja auch durchaus sein, dass der ein oder andere eine Begegnung mit Gott hatte. Dann ist diese aber nie geeignet, eine Lehre daraus zu basteln.

    Übrigens, das Phänomen gibt es querbeet, sowohl bei Katholiken als auch bei nicht katholischen Christen als auch bei Ungläubigen bzw. Anhängern nichtchristlicher Religionen und Weltanschauungen.

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  2. Vitellia sagt:

    Es geht um diesen komischen Heini, der auch noch ein Buch geschrieben hat, das von uns im Forum garantiert keiner kauft, oder sich überhaupt für den Nahtod-Michel interessiert.

    Was soll dann diese Aussage wegen ihm:
    „Panikmache ist in Deutschland immer schon auf fruchtbaren Boden gefallen, sei es der ökologische (Kernkraft-)GAU bzw. Umwelt-Niedergang („Saurer Regen“ und „Waldsterben“ etc. sorgten schon in den 70er Jahren für diffuse Ängste) …“

    Dazu der kanadische Atomphysiker Hubert Reeves:
    „Der Mensch ist die schlimmste Spezies. Er verehrt einen unsichtbaren Gott und tötet eine sichtbare Natur, ohne zu begreifen, dass diese Natur, die er schändet, der unsichtbare Gott ist.“

    Richtig, alles ist Gottes Schöpfung!

    Wir wissen, wie Menschen mit der Natur umgehen und wie die Bäume damals aussahen, bevor es Auflagen gab gegen zu hohen Schadstoffausstoß usw. gegen den Sauren Regen.
    Auch die Reduzierung oder ganz weg von den vielen Tensiden in Waschmitteln, die in den Flüssen landeten und mit anderen Chemikalien der Industrie das Fischesterben verursachten.

    Mit Panikmache hatte es nichts zu tun, sondern einige Jahre lang mit den Medien, die das Thema „Waldsterben“ dauernd vor sich hertrieben und Stimmung machten zur Auflagenstärke.

    Diese „Panikmache“ ist auch nicht typisch deutsch!! In Österreich und in der Schweiz damals genauso.
    Wir waren in Salzburg, später in Wien im Urlaub. Zürich kennen wir, eine tolle Stadt (wegen der bekannten Züricher Oper wollte ich gerade diese Stadt in der Schweiz besuchen.)
    Die Presse war auch dort voller Berichte über das Waldsterben, ob in Österreich oder in der Schweiz.

    Und dann auch noch von Panikmache schreiben, wenn es um Atomkraftwerke geht!

    Müssen wir erst diesen GAU wie in Tschernobyl oder Fukushima erleben, um aufzuwachen?
    Nichts ist so sicher wie, dass KEINE Technik absolut sicher ist.
    Dazu noch die hohe Cyber-Kriminalität mit Hackern, die auch in einem Atomkraftwerk ihre kriminellen Machenschaften treiben können. Wir brauchen kein Erdbeben dazu wie in Fukushima.
    Wie sieht es heute in der Stadt Tschernobyl aus? Das könnte man wissen und wie viele Menschen an Krebs starben, vorwiegend an Leukämie, auch Kinder.

    Wo sind die Endlager für den strahlenden atomaren Dreck? Jedes Bundesland wehrt sich gegen eine atomare Endlagerung.

    Wie sieht es in Gorleben aus??
    So, dass wirkliche Christen sich zum Gebet treffen! Das habe ich vor längerer Zeit in der Presse gelesen.

    Auf Wikipedia mehr dazu:
    „Seit 1989 findet jeden Sonntag das Gorlebener Gebet statt.

    „Noch nie ist ein Gorlebener Gebet ausgefallen“

    – Christa Kuhl : Evangelische Zeitung, 12. Februar 2017

    Der Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche, Ralf Meister, lobte das Gorlebener Gebet als „Beispiel für widerständige Aufmerksamkeit mit langem Atem.“

    Ich füge hinzu, dass es die beste friedliche Demonstration gegen den Atomdreck ist, das Gebet,
    anstatt wie Frau Küble von Panikmache zu schreiben.

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  3. Matthias Lutz sagt:

    Er ist der beste Weg in den religiösen Wahnsinn.So hörte ich bei einem seiner Vorträge, dass während der drei finsteren Tagen ein Dämon in Gestalt seiner Großmutter an das Haus klopfen würde. Man dürfe auf keinen Fall aufmachen. Solche Sachen sind unvernünftig und nicht katholisch. Für mich kommt sowieso nur das Lehramt, die Heilige Schrift und die Tradition in Frage. Mehr braucht man nicht.

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    • Hätte er gesagt, ein Dämon in Gestalt der Schwiegermutter würde an das Haus klopfen und man dürfe auf keinen Fall aufmachen, wäre das viel populärer…
      ;-).

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      • Bernhard sagt:

        Hahaha, der war gut!

        Ich verstehe diese Aussage aber nicht ganz: Wird ein Dämon in Gestalt seiner Mutter an seiner Tür klopfen, oder wird ein Dämon in Gestalt seiner Mutter an jedermanns Tür klopfen, oder wird ein Dämon in Gestalt der jeweiligen Mutter an jedermanns Tür klopfen?

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    • Holger Jahndel sagt:

      Ich würde die Dämonen nicht unbedingt unterschätzen. Es ist schon alles mögliche unwahrscheinliche und unglaubliche vorgekommen, auch und gerade heute in unserer Zeit.

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      • Bernhard sagt:

        Dämonen sind Geistwesen, ich bezweifle sehr, dass sie überhaupt einen materiellen Körper annehmen können. Und selbst wenn: Diese Ankündigung kann ein normal denkender Mensch nicht ernst nehmen.

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