Unsinnige „Aufopferung“ der hl. Kommunion

Von Felizitas Küble

Im frommen katholischen Spektrum hört man immer wieder, dieser oder jener habe die hl. Kommunion für diesen oder jenen „aufgeopfert“, sei es zur Bekehrung oder Besserung, Heilung oder Bestärkung im Glauben. 

Die Absicht ist in der Regel in Ordnung, die Formulierung klingt aber mißverständlich. Ein Opfer ist etwas, das man anderen überreicht, auf das man selber verzichtet. Wenn ich einem Bettler meinen Apfel gebe, dann „opfere“ ich ihn  – und habe ihn logischerweise dann nicht mehr.

Anders bei der hl. Kommunion, denn diese ist eine persönliche Begegnung mit Christus, die man nicht einfach auf andere „übertragen“ kann, zumal es dadurch trotzdem bei der eigenen sakramentalen Vereinigung mit Christus bleibt.

Was man gewissermaßen „aufopfern“ kann, sind die helfenden Gnaden, gleichsam die „Früchte“ der hl. Kommunion: Hier kann ich Christus bitten, sie jemand anderem zukommen zu lassen, der z.B. gerade in großen Nöten steckt, der göttlichen Hilfe besonders bedarf usw. Es sollte aber als BITTE an Gott formuliert werden, dann wie der HERR hierauf reagiert, ob er das „Opfer“ in der gewünschten Weise umsetzt, bleibt immer noch IHM überlassen.

Trotzdem bleibt es dabei, daß es sich nicht um ein „Opfer“ im eigentlichen Sinne handelt, denn die sakramentale Begegnung mit Christus bleibt uns nach dem Empfang der hl. Kommunion so oder so erhalten; wie können hierauf gar nicht verzichten, da diese Wirkung mit dem würdigen Empfang der Hostie automatisch verbunden ist. 

Dies vorweg – und nun zu einigen Verstiegenheiten und Ausuferungen in oberfrommen und erscheinungsbewegten Kreisen.

Nehmen wir als Beispiel diese im Internet kursierende „Aufopferung“ der hl. Kommunion, die auf „Heilandsworte“ zurückgeht, die einer stigmatisierten „Seherin“ offenbart wurden: https://liebechristi.jimdo.com/gebete/aufopferung-der-hl-kommunion/

Es geht bei der französischen „Begnadeten“ um Marie-Julie Jahenny (1850-1941), der vom Himmel angeblich folgende Kommunion-Aufopferung gelehrt wurde:

Im Namen aller und für alle Menschen opfere ich die Hl. Kommunion
durch das Mutterherz Mariens mit dem hl. Josef,
mit dem ganzen Himmel und den Armen Seelen
dem Himmlischen Vater auf für die Bekehrung der Sünder

und für alle Menschen auf der ganzen Welt.

Sovielmal Gottes Barmherzigkeit zu zählen vermag,
soll diese Hl. Kommunion sein für jeden Menschen bis zum Ende der Welt. Amen.

Das sind typisch pseudo-fromme Übertreibungen!

Es fängt schon damit an, daß die Aufopferung „im Namen aller Menschen“ vollzogen wird. Mit welcher Logik? Die Ungläubigen oder Andersgläubigen werden damit gewiß nicht einverstanden sein. Aber auch die Gläubigen sind gottlob nicht alle derart abergläubisch….

Sodann hätte man gerne gewußt, warum im Zusammenhang mit Maria, Josef und dem ganzen Himmel auch die „Armen Seelen“ aufgezählt werden. Was haben sie mit einer solchen Anrufung zu tun? 

Auch der letzte Absatz ist vermessen, wenn er diese eine hl. Kommunion, die man „aufopfert“, gelten lassen möchte „für jeden Menschen bis zum Ende der Welt“.

Solche Verstiegenheiten klingen sehr fromm und wohlmeinend, sind aber weder vernünftig noch entsprechen sie dem Sinn der Eucharistie.

Gottes Barmherzigkeit hat sich vollgültig im Opfertod seines Sohnes gezeigt und erwiesen – und nicht etwa in „unseren“ Aufopferungen.

Neben dieser Anrufung verbreitet der Fanclub der stigmatisierten Jahenny auch ein „Kreuz der Vergebung“, um das sich ebenfalls einiger theologischer Unsinn rankt: https://charismatismus.wordpress.com/2011/12/05/ist-das-kreuz-christi-ein-schutz-amulett/


4 Kommentare on “Unsinnige „Aufopferung“ der hl. Kommunion”

  1. Neukatholikin sagt:

    Ich verstehe die Aufregung bei Gloria.tv, die ich erst vorhin bemerkte, nicht. Falsch verstandener Ökumenismus ist es doch eher, die Kommunion aufzuopfern „für alle Menschen der Welt“. Sind die alle dann „anonyme Christen“? Oder aber es ist so gemeint, dass sie sich alle bekehren sollen. Das ist aber nicht gesagt.

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  2. Dorrotee sagt:

    Wenn ich jemanden etwas still schenken möchte oder für Verstorbene noch etwas tun möchte, erbitte ich eine Messe bei einem Priester und Gott wird seine Gnaden so ausgießen, wie es ihm gefällt.
    Das hat es von alters her gegeben. Dieser Messe wohne ich wenn möglich bei.

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  3. waldsassen sagt:

    Dieser Artikel ist sehr interessant. Hatte die Aufopferungen ebenfalls als Bitte gesehen und mich über alles darüber hinausgehende gewundert.
    Nun hätte ich eine Frage: Meine Tante, eine fromme Ordensfrau, sagte immer: „Wenn ich irgendetwas Schweres auszuhalten habe, will ich es gerne auf mich nehmen und mit Gottes Hilfe ertragen. Ich opfere dieses gerne für andere Seelen auf. Damit mein kleines Opfer von Gott jemandem anderen vergolten werden kann, in seiner Barmherzigkeit.“
    Meistens hatte sie das auf bestimmtes Gebetsanliegen oder eine bestimmte Person erbeten.
    Wie kann man das theologisch richtig ausdrücken? Ist doch im Prinzip richtig?

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    • Guten Tag,
      die Ordensschwester meint es richtig, sie hat das Anliegen eben auf ihre Art ausgedrückt. In ähnlicher Weise kann man z.B. auch gute Werke für bestimmte Verstorbene bzw. allgemein für die Armen Seelen „aufopfern“ – und natürlich auch für irdisch Lebende, Kranke, Familienangehörige usw. Man meint damit eine verstärkte Gebetsbitte, die man durch ein „Opfer“ unterstreicht oder bekräftigt.
      Diese Katholiken wissen natürlich, daß die Grundlage für die Wirksamkeit unserer „kleinen Opfer“ allein das Heilswerk Christi ist, der Opfertod unseres Erlösers – das soll mit den „Aufopferungen“ beileibe nicht in Abrede gestellt werden.
      Aber schon Paulus hat dazu aufgefordert, daß wir auf diese Weise etwas „beisteuern“ sollen für die Kirche, den Leib Christi. Dabei hat immerhin genau dieser Apostel die Gnade Gottes besonders betont, ohne die wir tatsächlich „nichts“ tun können (nämlich nichts, was himmlischen Wert hat).
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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