Wegweisende Predigt von Pfr. Lankeit in Phönix (USA) zu den Missbrauch-Skandalen

Von Dr. Edith Breburda

Pfarrer John Lankeit ist Direktor der Kathedrale der hl. Simon und Judas Thaddäus im Bistum Phoenix im US-Bundesstaat Arizona und bekannt für seine einzigartigen Predigten, die auch international zitiert wurden.

Am Sonntag, dem 19. August 2018, trat der Priester (siehe 2. Foto) sichtlich betroffen zum Ambo.

Er berichtete, dass er sich vor ein paar Tagen mit einer Dame unterhielt, die in ihrer Jugend von einem Priester missbraucht worden war. Pfr. John beschrieb die Frau als heldenhaft.

All das, was sie erlebte, wurde durch die Geschehnisse der letzten Woche schmerzlich wieder präsent, als die Medien über den horrenden sexuellen Missbrauch von Klerikern berichteten. Wir hörten vor allem über die Praktiken im Bistum von Pennsylvania; über die Vertuschung der Straftaten und eine meist erfolgende Versetzung der Täter.

Doch trotz all dem, was der Frau durch einen Menschen im Priesterkragen angetan wurde, ist sie der Kirche treu geblieben; obwohl sie derart misshandelt wurde von einem Geistlichen, der noch dazu vorgab, ein Mann Gottes zu sein.

Der Täter hatte innerlich schon lange zuvor die Kirche verraten, der er einst zu dienen versprach. Die heroische Reaktion des Opfers, ihren katholischen Glauben nicht zu verlassen, versetzte Pfarrer Lankeit so sehr in Erstaunen, dass er im ersten Moment nicht wusste, wie er der Frau beistehen könnte.

Trotz eines inständigen Gebetes zum Hl. Geist blieb er zunächst sprachlos. Er dachte an den Skandal, der sie in diese Situation brachte. Pfarrer John sagte ihr: „Ich bin völlig entsetzt über das, was Sie durchmachen mussten und weiß nicht, wie ich Ihren Schmerz lindern kann.“ – Zu seinem Erstaunen bedankte sich die Frau bei ihm. Zu lange hatte sie solchen Trost und Zuwendung vermisst: „Herr Pfarrer, ich bin froh über Ihre Antwort, denn bisher hüllten sich alle in ein verschämtes Schweigen.“

Pfarrer John bemerkte in ihr einen Mut, den nur der Hl. Geist vermitteln kann.

In der Lesung des 20. Sonntages im Jahreskreis  –  Eph 5,15-20  –  schrieb der heilige Paulus: „Brüder! Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht töricht, sondern klug. Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse. Darum seid nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des HERRN ist.“

„Als die Frau und ich versuchten, herauszufinden, was der Wille Gottes in unseren Tagen ist, kamen mir zwei Dinge in den Sinn, die ich ihr erläuterte“, erklärte der Kathedralrektor in seiner Predigt: „Unabhängig davon, was jemand in oder außerhalb der Kirche bemerkt, müssen wir bedenken, dass der Wolf im Schafspelz unschuldige Opfer verschlingt. Priester, die solche Dinge tun, sind der Kirche untreu.“ 

Durch ihre Laster sind sie nicht im Stand der Gnade und haben sich insofern von der Communio, der „Gemeinschaft der Gläubigen“ getrennt. Wer schwer sündigt, darf die hl. Eucharistie nicht empfangen.

Jesus sagte im Matthäusevangelium: „Wer auch immer den Willen Gottes erfüllt, der ist mein Bruder, meine Schwester, meine Mutter.“ – Jene gehören also zur geistlichen Familie Christi, die Gottes Gebote einhalten.

Priester, welche Christus und seine Botschaft verraten haben, und Bischöfe, die sie deckten, handeln gegen ihre Berufung und Sendung. Einst hat auch der Apostel Judas Iskariot sich selber von Christus und der Urkirche abgewendet, wie Pfarrer Lankeit erklärte.

Es komme nicht auf den Stand und die Farbe der Klerikerkleidung an (ob schwarz, rot oder violett etc), sondern darauf, treu zum Glauben und zum Willen Gottes zu stehen. Christus ist das Haupt, wir sind die Glieder. Die unschuldigen Opfer, die so sehr unter den Taten falscher Hirten leiden, stehen Christus sehr nahe, weil sie Anteil an seiner Passion nehmen; sie leiden in einer unvorstellbaren Form.

Wenn Jesus das Haupt ist und wir seine Glieder, dann sind die missbrauchten Opfer sein „leidendes Herz“.

Wenn wir jemals aus dieser Krise herauskommen wollen, besteht der einzige Weg darin, dass Priester und Laien es zur obersten Aufgabe ihres Lebens machen, sich selber zu heiligen.

Das bedeutet auch, so der Prediger weiter, die Taten all jener aufzudecken, die zum sexuellen Missbrauch beitrugen. Wir müssen eine gerechte Aufklärung und eine Beendigung der Korruption verlangen. Es muss uns möglich sein, Missbrauch zu ahnden, ohne die Täter weiterhin zu schützen. So viele von uns sind ärgerlich, frustriert und verwirrt. Wir wissen nicht, wie wir die Opfer trösten können.

Viele von denen, die zum katholischen Glauben übergetreten sind, hören in diesen Tagen von jenen, die diesen Schritt schon vorher nicht verstanden haben: „Haben wir nicht immer davon abgeraten, zur katholischen Kirche zu konvertieren?“  

Doch wenn wir wegen unseres Glaubens gedemütigt werden, sind wir unserem leidenden HERRN nahe, sagte Pfarrer Lankeit weiter.

Ziel der Attacken gegen die Kirche ist es letztendlich, dass wir aufgeben und unseren Glauben verleugnen. So wie die Apostel Jesus verließen, als er am meisten gelitten hat für seine Kirche und das Heil der Welt. Die Strategie des Widersachers ist es, uns zu entmutigen. Aber wenn wir aufgeben und die Kirche verlassen, dann lassen wir auch jene, die trotz allem treu zur Kirche standen, allein in ihrem Leid. Sie wurden bereits von Priestern alleine gelassen, die ihre Berufung missbrauchten.

Deswegen sollten Priester und Ordensleute auch in unserer Zeit unbeirrbar ihre geistliche Kleidung tragen, auch wenn sie deswegen spöttische Blicke oder Bemerkungen zu hören bekommen, sagte der Prediger: „Diese Zurücksetzung sollten wir als Wiedergutmachung aufopfern, so wie Jesus seine Leiden dem himmlischen Vater aufopferte für die Rettung der Seelen.“

Hier der Link zur erwähnten Predigt: https://www.youtube.com/watch?v=cu6W51ER-cI

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin, Schriftstellerin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.  – Edith Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/

Gemälde: Evita Gründler


12 Kommentare on “Wegweisende Predigt von Pfr. Lankeit in Phönix (USA) zu den Missbrauch-Skandalen”

  1. Claus Stephan Merl sagt:

    Lieber Herr Dr. Büning,

    ich verstehe Ihre Wut. Ich möchte aber gerne auf folgendes hinweisen:

    Wir sind als Christen nicht nur VERPFLICHTET, zu vergeben, sondern darüber hinaus, unsere Feinde zu lieben.

    Als Nichtkatholik verstehe ich zwar diese katholische Diktion „Sühne für die Sünden dieser Bischöfe und Priester zu leisten, durch Fasten und Gebet“ nicht. Ich weiß schlicht nicht, wovon hier die Rede ist. Was ich aber weiß, ist dass diese Täter dringend unserer Fürbitte bedürfen, damit sie in die Lage versetzt werden, umzukehren und Vergebung und ewiges Heil zu finden.

    Warum wir das tun sollen? Na ja, erstens sollen wir dem Beispiel Christi folgen, der sich für uns hingegeben hat, als wir noch seine Feinde waren, zweitens ist es uns geboten und drittens ist jeder von uns auf die vergebende Gnade Gottes angewiesen, auch wenn wir keine Kinder missbraucht haben. Ich denke auch, „zeitliche Strafe“ und „Fürbitte“ schließen sich nicht gegenseitig aus.

    Just my two cents.

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    • Völlig dakor! Natürlich muss man diesen Tätern als Opfer auch vergeben. Aber dazu bedarf es nicht der Aufforderung des „weißen Mannes aus Rom“! Das ist zutiefst die ureigene Aufgabe der so geschädigten Seele, der im forum internum seiner Pflicht zur Vergebung nachzukommen hat. Das alles ist allerdings ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess! Und diese Zeit muss man auch jedem Opfer zugestehen. Und wie ich das in meinem konkreten Fall getan habe oder zu tun gedenke, werde ich sicher nicht der Öffentlichkeit kundtun.
      Nein, lieber Herr Merl, dieser Papst bekommt jetzt ein großes Glaubwürdigkeitsproblem. Er kann sich im Film von Wim Wenders nicht hinstellen und großspurig von Null-Toleranz reden und dann ein derart seichtes Schreiben vom Stapel lassen, was nichts Konkretes über das weitere Vorgehen gegen die Täter und die diese deckenden Bischöfe aussagt. Bisher war ich diesem Papst durchaus positiv gewogen. Aber nun ist Schluss mit lustig, das will ich so nicht mehr hinnehmen. Bin eben kein blökendes Schaf, sondern ein durchaus mündiger und eigenständig denkender Katholik! Das sollte Ihnen als Protestant doch gefallen…:-)
      Ich bitte Sie freundlich, folgenden Artikel zu lesen und um mehr Verständnis für die Menschen, die unsägliches Leid als Kind oder Jugendlicher erfahren mussten: https://www.lifesitenews.com/blogs/abuse-victim-withdraws-defense-of-pope-francis-after-weak-letter-on-u.s.-cr. Ihnen noch einen guten Tag!

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Lieber Herr Dr. Büning,

        ich gebe es unumwunden zu, dass ich mich nicht besonders gut in Opfer sexuellen Missbrauchs einfühlen kann, weil ich dergleichen nicht persönlich erlebt habe. Aber zum Glück kann unser großer Gott das tun. Dieses Lied fand ich immer sehr tröstend:

        Ich habe als „Kleinstkind“ Missbrauch in anderem Sinne erlebt, den ich aber nicht erinnern kann:

        Nach meiner Geburt in einem sog. katholischen „Schwesternheim“ wurde ich dort erst mal behalten, weil meine leibliche Mutter keine Möglichkeit hatte, mich zu sich mit zu nehmen, was auch der Grund war, das ich im Alter von sechs Monaten adoptiert wurde. Nach ca. zwei Monaten (diese Zeitangabe ist jedoch unsicher) in dem Heim wurde ich dort besucht. Was meine Mutter vorfand war ein gerade noch lebender apathischer Säugling, der nur noch Haut und Knochen war und von einer der Nonnen an einem Fuß gehalten wurde, frei baumelnd. Und das bei einem Geburtsgewicht von fast 4 Kilo.

        Meine Mutter, die ja für die Unterbringung und „Pflege“ bezahlen musste, wurde von diesen katholischen Nonnen sehr unfreundlich behandelt, weil sie erstens Protestantin war und zweitens ledig. Beides war wohl Grund genug, verächtlich auf sie herab zu schauen.

        Niemand war zuvor informiert worden, dass es so rapide mit mir bergab ging. Meine leibliche Mutter war der Situation nicht gewachsen. Gott fand aber eine andere Frau, die sich entgegen dem Rat ihres Arztes meiner erbarmte und mich mühsam mit Haferschleim und 24 Stunden Betreuung wieder hoch päppelte, mich aber wegen der Intervention ihrer Schwiegereltern nicht adoptieren durfte. Mit sechs Monaten wurde ich dann von einem katholischen Ehepaar adoptiert. Man sah mir äußerlich nichts mehr an.

        Das weiß ich aus übereinstimmenden Erzählungen meiner leiblichen Mutter, die ich im Alter von ca. 33 Jahren erstmals kennen lernte und der Frau, die mich wieder hoch päppelte.

        Auch wenn ich mich selbst nicht erinnern kann, wirkt diese Geschichte heute noch nach. Natürlich habe ich mich längst entschieden, allen Beteiligten von Herzen zu vergeben und das meine ich auch so. Ich bin Gott auch sehr dankbar dafür, dass er mich damals rettete.

        Komischerweise würde ich jetzt gar nicht erwarten, dass sich ein Papst oder ein anderer Vertreter der katholischen Kirche bei mir entschuldigt u.a. Vielleicht bin ich zu lakonisch im Sinne von „Sxxx happens“ oder es ist tatsächlich so, dass mir mein Glaube und meine Bereitschaft zur Vergebung so sehr geholfen haben, dass keine nachträgliche Bitterkeit zurück bleibt. Was ich weiß, ist das ich bei Bildern hungernder oder sonst leidender Kinder in mir einen unfassbar tiefen Schmerz wahrnehme, an den ich aber nicht heran komme. Und dass mir dann immer wieder klar wird, wie vaterlos unsere Gesellschaft geworden ist. Wo man nicht an den himmlischen Vater glauben und ihm vertrauen kann und wo keine „Väter“ da sind, die Leben schützen, wird es sehr finster.

        Und ich denke mir halt, dass dann, wenn Männer, die „Vaterfiguren“ sein sollten wie eben katholische Priester, auch noch Kinder sexuell missbrauchen, diese Vaterwunde ins Unermessliche ausgeweitet wird.

        Liebe Grüße

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  2. Neukatholikin sagt:

    Die Kirche ist ja nun einmal kein Sportverein, sondern in ihrem eigentlichen Wesen eine Einrichtung von Gott selber. Also: Extra ecclesiam nulla salus. Ich habe schon an anderer Stelle gelesen, dass es früher ein strengeres Kirchenrecht gab und dieses auch konsequenter angewendet wurde. Auch waren die Priester früher wahrscheinlich mehr davon überzeugt, dass sie „in persona christi“ und daher heiligmässig leben müssen. Das gilt ja nicht nur während der Messfeier und danach können sie quasi machen, was sie wollen.

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      „Extra ecclesiam nulla salus.“

      Es gibt wenige Sätze, die schlimmer sind, wenn er sich auf das ewige Seelenheil und auf die römisch-katholische Kirche beziehen soll. Zum Glück kennt die Bibel diesen Satz nicht.

      Dort ist allein entscheidend wie der Mensch zu Jesus Christus steht. Wer an Jesus Christus glaubt und getauft wird, ist Teil der einen allumfassenden Kirche Jesu.

      Cyprian von Karthago, auf den dieser Satz zurück geht, hatte übrigens „salus“ nicht in erster Linie als „ewiges Seelenheil“ verstanden, sondern im Blick auf die in der Kirche vorfindbaren Heilsgüter, nämlich die rechtmäßigen Sakramente (legitima sacramenta) und die rechte Lehre (recta doctrina). Beides ist nach Cyprian nur in der Kirche, die von einem rechtmäßigen Bischof geleitet wird, zu finden. Der Satz „extra ecclesiam salus non est“ steht also auch im engen Zusammenhang mit dem Sakramentenverständnis des Cyprian, insbesondere mit seiner Ablehnung der Gültigkeit der von Häretikern gespendeten Taufe. Nun ist aber fest zu halten, dass sich Cyprians Position bzgl. der Gültigkeit der Ketzertaufe gerade nicht durchsetzen konnte. Sein Satz wurde auch erst in der Allgemeinen Kirchenversammlung zu Florenz (1438–1445) als Dogma festgeschrieben

      Die römisch-katholische Kirche hat sich immer wieder gerne selbst zu Gott gemacht, woran dieser Satz uns erinnert. FAKTISCH hat aber keiner der Päpste, an die ich mich erinnern kann, also seit Johannes Paul II geleugnet, dass auch Nichtkatholiken erlöst sein und werden können. Die sehr hoch geschätzte Mutter Theresa hat explizit erklärt, es sei allein wichtig „heilig“ zu werden, dann könne man auch Muslim oder Hindu bleiben. So weit würde ich nicht gehen. Man sieht aber, dass sich die römisch-katholische Kirche selbst aus gutem Grund schwer tut mit dieser Behauptung des „extra ecclesiam salus non est“.

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      • Guten Tag,
        nicht erst seit Johannes Paul II. lehrt die Kirche, daß auch Nichtkatholiken – sogar Nichtgetaufte – das ewige Heil erlangen können, wofür allerdings einige Voraussetzungen nötig sind, z.B. eine indirekte Begierdetaufe, dh. Gott weiß, daß jene/r sich taufen lassen würde, w e n n er die christliche Lehre angemessen gelehrt bekommen h ä t t e . Zudem muß derjenige sein Leben an den göttlichen Geboten (soweit ihm bekannt) bzw. am allgemeinen Sittengesetz ausgerichtet haben. Damit würde er verdeutlichen, daß ihm der Wille Gottes wichtig ist.
        Sogar der anti-modernistische Pius X. hat schon vor über 1oo Jahren in seinem Katechismus geschrieben, daß sogar Nichtgetaufte gerettet werden können, wenn sie nach ihrem Gewissen lebten.
        Freilich unter der Voraussetzung, daß sie sich in einem „unüberwindlichen Irrtum“ befinden, den sie nicht aus eigener Kraft und Einsicht überwinden konnten.
        Wer aber z.B. deshalb kein Katholik wird, weil das von ihm moralisch mehr abverlangt, hat ein schlechtes Motiv und keinen „unüberwindlchen“ Irrtum.
        Soweit kurz gefaßt der kirchliche Standpunkt dazu – und zwar nicht erst seit dem 2. Vatikanum.
        „Außerhalb der Kirche kein Heil“ gilt für den objektiven Heilsweg. Christus hat seine Kirche gegründet, damit sie den Menschen durch Gotteswort und Sakramente zum Heil verhilft.
        Die Kirche ist diesem Auftrag verpflichtet, sie kann nicht erklären, daß sie diese Sendung nicht ernst nimmt.
        Daß Gott aber die Menschen auch über außerordentliche Heilswege subjektiv retten kann, ist keine Frage, das liegt in seiner Allmacht, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit begründet.
        Die Lehre der katholischen Kirche ist hier weitaus flexibler als die Ansicht mancher stockprotestantischen Christen, die den Katholiken nicht nur das Heil, sondern gleich auch noch das Christstein absprechen („nicht wiedergeboren“). Ich schreibe aus Erfahrung – trotzdem bin ich mit einem von diesen Super-Protestanten persönlich im guten Kontakt.
        Man muß aber schon in den entlegensten katholischen Winkeln suchen gehen, bis man derlei Engstirnigkeit findet (die seitenverkehrt den Evangelischen das Christsein abspricht).
        Mutter Teresa hat sich eindeutig in diesem Punkt geirrt, sie war eine mildtätige Frau, aber keine Theologin.
        Es gibt keine Heiligkeit ohne Christus!
        Punkt!
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Liebe Frau Küble,

        es trifft zu, dass manche Nichtkatholiken pauschal Katholiken das Christsein absprechen. Das hielt ich immer für Unfug. Mittlerweile weiß ich jedoch dass das umgekehrt leider auch gilt. Sehen Sie sich nur die Website von Herrn Berski an, der hier im Forum bisweilen auch irrlichtert. Seiner Meinung nach sind Protestanten (oder, was er dafür hält) Antichristen, Polytheisten und pauschal keine Christen. Außerdem sei die Bibel nicht Gottes Wort, usw. usf. Entgegen Ihrer Meinung muss man nicht in entlegenste Winkel gehen, um so etwas zu finden. Es ist – nicht erst seit „Dominus Jesus“ – so, dass von Seiten des Katholizismus dem nicht katholischen Christsen immer etwas „Defizitäres“ anhaftet, ähnlich wie in der Schule ein „zwar bemüht, aber ungenügend“.

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      • Guten Tag,
        erstens ist die erwähnte Webseite von Herrn B. ein unbeachtetes Randphänomen, zweitens hat er sich vor lauter Verärgerung über mich schon vor x-Wochen aus dem Forum hier endgültig verabschiedet, drittens hat er keine Gruppe hinter sich, viertens ist es genau das, was ich mit randständigem Winkel meinte etc.
        Hingegen kenne ich x-stockprotestantische Traktate und Bücher (z.B. aus dem CLV-Verlag), die Katholiken sowohl das Heil wie das Christsein absprechen. Gibt es einen katholischen VERLAG mit solchem Programm gegenüber Protestanten? Mir nicht bekannt – und das als Verlagsleiterin.
        Grundsätzlich gebe ich Ihnen aber recht, daß es solchen Fanatismus auf beiden Seiten gibt, meiner Ansicht nach aber unterschiedlich verteilt.
        Die Dominus-Jesus-Causa von Papst Benedikt ist nun wirklich von anderem Kaliber. Hier wurde keinem Protestanten die Heilsmöglchkeit abgesprochen, geschweige das Christsein.
        Daß die evangelische Seite selber ein ganz anderes Kirchenverständnis vertritt als die katholische, ist nun einmal eine Tatsache, an die auch der Vatikan erinnern darf.
        Aus protestantischer Sicht ist die Kirche keine „Heilsanstalt“ – also brauchen sich Evangelische doch nicht aufregen, wenn die katholische Kirche diese Selbstwahrnehmung zur Kenntnis nimmt.
        Ein weiteres Beispiel wäre der Protest, weil die katholische Kirche den protestantischen Pastoren das geweihte „Priestersein“ abspricht. Natürlich tut sie das, das tun diese aber auch selber, weil sie keine Priesterweihe kennen. Also was soll die gekünstelte Aufregung: Einerseits Kirchesein tief hängen, andererseits empört sein, wenn die katholische Kirche ihren eigenen Kirchenanspruch höher hängt und vom protestantischen abgrenzt.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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  3. Claus Stephan Merl sagt:

    „Papst Franziskus hat sich nach dem Bericht zu sexueller Gewalt in der katholischen Kirche in Pennsylvania mit einem ausführlichen Schreiben an Gläubige in aller Welt gewandt. Darin gesteht er ein, dass die katholische Kirche den Schmerz von Missbrauchsopfern lange ignoriert habe.

    Der Papst übt deutliche Selbstkritik: „Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten, der sich in so vielen Menschenleben auswirkte. Wir haben die Kleinen vernachlässigt und fallengelassen“, schrieb das Oberhaupt der katholischen Kirche.

    In Hinblick auf die Zukunft fordert Franziskus die Anstrengungen müssten verstärkt werden, um „den Schutz von Minderjährigen und von Erwachsenen in Situationen der Anfälligkeit zu gewährleisten“.“

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-selbstkritik-der-katholischen-kirche-nach-missbrauchsbericht-a-1224012.html

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    • Dieses Schreiben des Papstes ist völlig enttäuschend! Es erschöpft sich in einem weitgehenden unkonturierten „Pastoralsprech“, der letztlich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht ernst genung nimmt. Zudem fehlt hier ein klares HANDLUNGSKONZEPT: Was ist denn nun mit den Bischöfen, die gefehlt und vertuscht haben? Wird der Papst diese aus ihrem Amt entfernen, auch wenn z.B. in Deutschland solche Fälle bekannt werden würden? Nach diesem vagen Schreiben wohl eher nicht.
      Was ist denn mit der Homolobby im Klerus, die ganz offenkundig seit Jahren hier ihre Umtriebe treibt? Kein, aber auch gar kein Wort zu dieser Problematik! Das alles ist schwach und nicht glaubwürdig. Und wenn der Papst hier zurecht den Klerkalismus kritisiert, dann soll er gefälligst selbst mit dieser Haltung aufhören, uns Katholiken in dieser vagen Art von oben herab zu belehren. Er muss jetzt handeln! Er muss ein Konzept gegen die Täter und deren Unterstützer entwickeln. Tut er aber offenkundig nicht…
      Geradezu zynisch finde ich die Aufforderung an das Gottesvolk, nun Sühne für die Sünden dieser Bischöfe und Priester zu leisten, durch Fasten und Gebet. Ich werde einen feuchten Kehricht tun! Wieso soll ich als Missbrauchsopfer jetzt noch für meinen Kinderschänder Buße tun? Geht´s noch? Sollen meine Ehefrau, meine Kinder, meine Freunde und Verwandten, die katholisch sind, für diesen Mann jetzt auch noch Buße tun? Geht´s noch? Nein, die Kirche muss hier strafen! Dafür hat sie ein Strafrecht! Tut sie dies nicht, macht sie sich noch mehr zur Komplizin unglaublicher Verbrechen.

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  4. „Es komme nicht auf den Stand und die Farbe der Klerikerkleidung an (ob schwarz, rot oder violett etc), sondern darauf, treu zum Glauben und zum Willen Gottes zu stehen. Christus ist das Haupt, wir sind die Glieder. Die unschuldigen Opfer, die so sehr unter den Taten falscher Hirten leiden, stehen Christus sehr nahe, weil sie Anteil an seiner Passion nehmen; sie leiden in einer unvorstellbaren Form.“
    Das ist vordergründig ein sehr weises Wort des Predigers. Allerdings kann man diese Worte als einer, der selbst eine so unvorstellbare Enriedrigung durch Priester nicht am eigenen Leib erdulden musste, auch leicht sagen. Die Theorie stimmt, aber die Praxis? Gerade wir Opfer hören in den letzten Tagen wieder viele Entschuldigungen, theologische Rechtfertigungen für das Dabeibleiben in der Kirche und viele Beteuerungen. Allerdings mischen sich darunter auch immer wieder die Hinweise auf das Unrecht außerhalb der Kirche. All dies macht die Sache für die Opfer nicht ansatzweise leichter!
    Ganz im Gegenteil! Die Narben reißen wieder auf und letztlich ist dann in concreto keiner da, der einem wirklich im Gespräch hilft, all dies zu verarbeiten. Der Schmerz ist unendlich groß!
    Ja, und mir kommen da auch inzwischen viele Fragen, die ich bisher nicht zugelassen habe, auf: Die meisten Opfer sind männliche Jugendliche (Siehe z.B. nur hier ein Beircht aus 2016: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/katholische-kirche-sexueller-missbrauch-jungen). Warum nimmt man diesen Gesichtspunkt nicht mal genauer in den Blick? Angst vor der inzwischen ach so mächtigen Homolobby? Oder: Kann es sein, dass wir inzwischen bei uns einen so großen Priestermangel haben, weil viele homosexuell geneigte Männer in unserer ach so toleranten Gesellschaft das Deckmäntelchen priesterlichen Lebens nicht mehr brauchen, um ihr Unverheiratetsein zu rechtfertigen? Wäre es nicht spätestens jetzt doch mal an der Zeit, die Frage des Pflichtzölibates wirklich kritisch in den Blick zu nehmen? Ist es gesund, dass man jungen Männern dieses Opfer abverlangt? Kann es nicht sein, dass diese Lebensweise nicht auch zu solchen Übersprungshandlungen führen kann? Wie homsexualisiert ist unser Klerus bis hinauf in den Bischofsstand denn nun wirkllich? Wenn dem so wäre, kann Aufklärung denn dann überhaupt im Ansatz gelingen? Sind der Papst und die Bischöfe wirklich bereit, all diese Fragen zu hören und schließlich dann auch zu beantworten? Fragen über Fragen…
    Ja, ich frage mich inzwischen sogar, ob es richtig ist, weiterhin zum Verbleib in dieser Kirche aufzurufen. Jetzt drehe ich mal den Spieß um, und vergleiche die Kirche mit dem Sportverein: Ich stelle mir seit einigen Tagen vor, ich wäre Mitglied im örtlichen Sportverein. Nun stellt sich heraus, dass auch dort seit Jahrzehnten schwerwiegende Missbräuche an Kindern und Jugendlichen durch Betreuer vorgenommen worden sind. Nur ein konstruierter Fall! Ich würde doch nicht ernsthaft gewillt sein, in einem solchen Verein weiterhin mich zu engagieren oder gar mein Geld zu bezahlen. Zudem: Wie kann ich vor anständigen Menschen mein Ansehen bewahren, wenn ich mit solchen Leuten in einem Verein bleiben würde? Ich gebe ja zu, dass dies ein anderer Fall ist. Aber die Fragen sind trotzdem da! Und nicht nur das: Die Leute werden uns bald wirklich fragen, wieso wir denn noch einer solchen Institution Kirchensteuer zahlen, die seit Jahrzehnten ein solches System strukturellen Missbrauchs in sich trägt. Was sollen wir denn da noch antworten?
    Und noch eines: Wenn ich noch kleinere Kinder hätte, insbesondere Jungs, würde ich diesen inzwischen verbieten, mit einem katholische Priester alleine in einem Raum sich zu begeben. Ja, das würde ich inzwischen tun. Ich habe inzwischen ein so großes Misstrauen, dass ich heute so handeln würde. Ich weiß, dass dies auch die anständigen Seelsorger mit in Sippenhaft nimmt. Aber, die Kirche ist hier in einer Bringschuld, die sie bisher nicht im Geringsten erfüllt hat: Schonungslose, wirklich schonungslose Aufklärung! Absetzen von Bischöfen, die zugesehen haben! Absetzen von Bischöfen, die durch Versetzungen der Täter vertuscht haben! Absetzen von Bischöfen, die die Dinge nach wie vor verharmlosen! Solange dies nicht geschieht, kann man von uns Opfern eines nicht mehr enrsthaft verlangen: Vertrauen!, auch nicht mit dem Hinweis auf die Passion. Nein, die Sache wird jetzt sehr sehr ernst für die Kirche und wir Opfer werden inzischen immer fassungsloser über die formelhaften Wendungen, die wir wieder zum X-tenmal uns anhören müssen. Jetzt ist die TAT gefordert!

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    • Guten Tag,
      vielen Dank für Ihre Erläuterungen. Sie haben völlig recht, wenn Sie den Zusammenhang mit homosexuellen Priestern verdeutlichen. Wir haben dazu bereits im Jahre 2012 einen sehr ausführlichen Artikel von Prof. Dariusz Oko veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2012/11/10/gibt-es-eine-verstarkte-einflusnahme-homosexueller-seilschaften-im-katholischen-klerus/
      Nun stellen Sie kritische Fragen zum Pflichtzölibat, die verständlich sind, zumal es sich um ein Kirchengesetz handelt, über das auch unter gläubigen Katholiken unterschiedliche Ansichten möglich und legitim sind.
      Allerdings wäre die Abschaffung des Pflichtzölibats aus meiner Sicht keine dauerhafte Lösung:
      1. Es wird dann weiter zölibatäre Priester geben, wenngleich weniger, so daß sich homosexuelle Männer durchaus weiter unter der Zölibats-Decke verstecken könnten.
      2. Zudem können diese sich in Ordensgemeinschaften begeben, so daß nur eine Verschiebung des Problems stattfände.
      3. Papst Benedikt hat das Problem bereits erkannt, indem er mit einer Instruktion klarstellte, daß homosexuell orientierte Seminaristen nicht zum Priester geweiht werden dürfen. Dies gilt es, konsequent umzusetzen.
      Sodann ist der Pflichtzölibat schon seit der Spätantike in der Kirche weitgehend verankert, seit dem Hochmittelalter auch kirchenrechtlich festgestellt. Trotzdem gab es früher kein vergleichbares Ausmaß an Kinderschändern etc. Vielleicht weil die kirchliche Disziplinierung stärker war?
      Die jetzige Debatte ist ja nicht neu, sie war schon im Jahre 2010 in den Medien präsent. Damals haben führende Forensiker – darunter auch evangelische Gerichtspsychiater – einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Mißbrauch zurückgewiesen: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/15/fuhrende-experten-widerlegen-zusammenhang-von-zolibat-und-misbrauch/
      Freundlichen Gruß
      Felizitas Küble

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