Papst Franziskus hat den vielbeschworenen „Geruch der Schafe“ verloren

Von Thomas May

Die Papstbotschaft zum sexuellen Missbrauch vom 20. August ist in der Tat „absolut unzureichend“, wie Dr. Markus Büning schreibt, und lässt in einen tiefen Abgrund blicken. Nebenbei wird offenkundig, dass Papst Franziskus selbst den „Geruch der Schafe“ verloren hat.

Dr. Büning bemängelt: „Es [das Papstschreiben] erschöpft sich in einem weitgehenden unkonturierten ‚Pastoralsprech‘, der letztlich das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht ernst genug nimmt.“

Ja, es ist ein weitgehend schwammiges, sich am Kern des Skandals vorbeiwindendes Gefasel. Völlig unpassend ist es, ausgerechnet in diesem Zusammenhang auf die paulinische Metaphorik von den „Gliedern am Leib Christi“ zu verfallen. Welch schreckliche Erinnerungen muss das Wort „Glied“ bei Missbrauchsopfern erneut wecken!

Allein dieser Mangel an sprachlichem Feingefühl spricht für die Wahrscheinlichkeit, dass Papst Franziskus der persönliche innere Zugang zu dem, was den Opfern angetan wurde, fehlt.

Ferner beanstandet Dr. Büning: „Zudem fehlt hier ein klares HANDLUNGSkonzept: Was ist denn nun mit den Bischöfen, die gefehlt und vertuscht haben?“

Im Gegensatz zu Papst Benedikt XVI., der aktiv daranging, Missbrauchstäter und die Schuldigen, die sie deckten, aufzuspüren, und der insgesamt 800 Priester sowie monatlich zwei oder drei Bischöfe (weltweit) ihres Amtes enthob, bediente sich Franziskuks schon bisher einer rein defensiven Salami-Taktik, immer nur zuzugeben, was nicht mehr zu leugnen und zu vertuschen war (z. B. Chile).

Auch jetzt lässt er nicht erkennen, wie er den Sumpf, dessen wichtigste Protektoren in seiner nächsten Umgebung anzusiedeln sind, austrocknen möchte.

Notwendig wäre vor allem eine EXTERNE, UNABHÄNGIGE, von LAIEN geleitete Kommission, welche die Verstrickung der Kurie, ihrer Mitarbeiter und deren Verbindungen („Homo-Lobby“) untersucht und selbstverständlich den Nachfolger Petri davon nicht ausnehmen darf.

Aber wie schon bei dem gescheiterten Versuch, die dubiosen Finanzgeschäfte des Vatikans mit Hilfe eines externen Unternehmens durchleuchten zu lassen, wird auch anlässlich des jetzt erneut aufgeflammten sexuellen Missbrauchsskandals klar, dass sich der Vatikan nicht von außen in die Karten schauen lassen möchte.

Anders gesagt: Aufklärung ist unerwünscht  –  stattdessen werden zuhauf Nebelkerzen geworfen und die Aufmerksamkeit auf Nebengeleise gelenkt.

Die Vorgänge um die unterdrückten skandalösen Zustände im Priesterseminar von Tegucigalpa (Honduras), wo 48 Seminaristen (von 180) in einem offenen Brief gegen weitverbreitete homosexuelle Praxis protestierten, aber beim zuständigen Kardinal Maradiaga keine Unterstützung fanden, sondern von diesem als „Schwätzer“ abgetan wurden (http://www.kath.net/news/64599), deuten auf einen weiteren Vertuschungsversuch größeren Ausmaßes hin.

Aber Papst Franziskus hält an Kardinal Maradiaga unbeirrt fest; dieser vertritt ja seine „Linie“ und ist ihm nützlich.

Deshalb ist auch die von manchen geäußerte Sorge nicht unbegründet, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche den aktuellen Missbrauchsskandal dazu benutzen könnte, ihm missliebige Bischöfe loszuwerden und durch seine Gefolgsleute zu ersetzen, um sein Regime zu zementieren.

Dr. Büning fordert schließlich, die Kirche müsse die Täter strafen: „Dafür hat sie ein Strafrecht!“ –  Und er ergänzt: „Tut sie dies nicht, macht sie sich noch mehr zur Komplizin unglaublicher Verbrechen.“

Diese wünschenswerte Klarheit ist heute leider selten geworden. Auch in diesem Punkt hat Papst Franziskus mit seiner Nachsicht gegenüber Missbrauchspriestern in der Vergangenheit falsche Signale gesetzt, indem er die von Benedikt XVI. verhängten Strafen abmilderte.

Der Fall des italienischen Priesters Mauro Inzoli demonstrierte das ganze Fiasko der pervertierten Barmherzigkeits-Strategie, als der Teilbegnadigte „rückfällig“ wurde und Papst Franziskus einräumen musste, dass er sich geirrt habe (vgl. http://www.kath.net/news/61060).

Es ist jedoch zu bezweifeln, dass er wirklich das Ausmaß seiner „Diktatur der Barmherzigkeit“ (Marcantonio Colonna) verstanden hat. Für jeden derzeit noch nicht entdeckten, weiterhin „aktiven“ Missbrauchspriester dürfte sie sich geradezu wie ein „Täterschutzprogramm“ lesen, das ihn entlastet und sogar ermutigen kann, sein verbrecherisches Tun fortzusetzen.

Wenn dem Menschen nicht mehr gepredigt wird, dass er im Letzten Gericht vor Gott Rechenschaft für seine (Un-)Taten ablegen muss und auch vom Allmächtigen auf ewig verworfen werden kann, sondern jeder sowieso in den Himmel kommt, ist alles einerlei.

Sexuelle und andere Missbrauchsopfer können dies nur als blanken Zynismus empfinden.

HINWEIS: Zu dem erwähnten Kardinal Maradiaga, der dem Papst nahesteht, aber gerne Kardinal Müller kritisierte, hier ein früherer Artikel im CF: https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/20/kardinal-maradiaga-erteilt-erzbischof-gerhard-l-muller-zeitgeistigen-nachhilfeunterricht/

HIER die Stellungnahme von Bischof Morlino, der im Unterschied zum Papst eine klare Linie fährt: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/21/us-amerikanischer-bischof-morlino-warnt-vor-schwul-klerikaler-subkultur-in-der-kirche/

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21 Kommentare on “Papst Franziskus hat den vielbeschworenen „Geruch der Schafe“ verloren”

  1. "GsJC" sagt:

    @ C. S. Merl

    „ich habe nie behauptet, dass diese Frage vor einem Gericht gestellt würde. Mir scheint es aber so zu sein, dass man im Leben auch Dinge fragen darf, die vor einem Gericht nicht gefragt werden. Oder überlegen Sie bei jeder Frage, die Sie stellen, ob sie „gerichtsfest“ ist?“

    Es geht mir wir Ihnen. Ich muss doch noch mal …

    Selbstverständlich darf man im Leben Dinge fragen, „die vor einem Gericht nicht gefragt werden.“

    Nur – und vielleicht können Sie mir ein ganz klein wenig zustimmen – es macht doch einen ganz kleinen Unterschied, ob ich ich meine Gedanken fragend vor einem Millionenpublikum entfalte oder im trauten Kämmerlein zu zweit. Und noch einmal, – es ging hier nicht um „jede Frage“, sondern um eine ganz spezielle Frage, die mir so nicht in den Sinn käme, weder öffentlich – noch privat.

    Ich habe einen Kindergarten der ev. luth. Kirche besuchen müssen, bis ich traumatisiert von meiner Mutter abgeholt wurde. Von da an habe ich an nie wieder einen Kindergarten besucht. Das Erlebnis hat einige Jahre nachgeklungen.

    Das in Kürze von mir zum Thema Erlebnisse in und mit kirchlichen Einrichtungen.

    MfG

    P.S.

    C. S. Merl schrieb:

    „Ich bin sicher, dass viele Menschen, die sich überlegen, ob sie ihr Kind in eine katholische Schule oder Einrichtung schicken sollen, sich diese Frage stellen.“

    Hoffentlich nicht nur diese Frage, wenn ich da an die weltliche „Odenwaldschule“ denke, diesen Herrn von den Grünen, der sich von Kindern die Hose öffnen und streicheln ließ, Missbrauchsskandale in amerikanischen Sportverbänden usw. …

    http://www.spiegel.de/sport/sonst/usa-verband-der-us-wasserspringer-nach-missbrauchsvorwuerfen-angeklagt-a-1218822.html

    https://www.augsburger-allgemeine.de/sport/Massenhafter-Missbrauch-in-den-USA-id43331471.html

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article118319669/Ich-glaube-Daniel-Cohn-Bendit-kein-Wort.html

    und unter nachstehenden Stichwörtern finden Sie weiteren „Stoff“, um die richtigen Fragen zu stellen: „Missbrauch in der ev. Kirche“

    Jetzt ist aber wirklich Schluss 😉

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      Die Frage war legitim. Und Ihr Versuch, Missbrauch in der katholischen Kirche zu relativieren, weil anderswo ähnliches geschieht, halte ich weiterhin für armselig und völlig verfehlt.

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      • "GsJC" sagt:

        @ C.S. Merl

        Ich kann Sie nicht daran hindern, meine Kommentare entsprechend zu deuten, auch wenn ich Ihnen hier öffentlich noch einmal mitteile und ich tue es gern, dass ich betroffen, traurig und erschüttert bin – nicht nur über die Vorfälle in der katholischen Kirche.

        MfG

        Ob jetzt wirklich Schluss ist? 🙂

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  2. Claus Stephan Merl sagt:

    „GsJC“,

    ich habe nie behauptet, dass diese Frage vor einem Gericht gestellt würde. Mir scheint es aber so zu sein, dass man im Leben auch Dinge fragen darf, die vor einem Gericht nicht gefragt werden. Oder überlegen Sie bei jeder Frage, die Sie stellen, ob sie „gerichtsfest“ ist?

    Sie mögen diese Frage nicht. Für mich drängt sie sich fast auf. Und hätte ich ein Kind, dass in irgend einer Weise von katholischen Priestern oder Ordensleuten beaufsichtigt würde, dann würde ich mir diese Frage auch stellen. Ich bin sicher, dass viele Menschen, die sich überlegen, ob sie ihr Kind in eine katholische Schule oder Einrichtung schicken sollen, sich diese Frage stellen.

    Unter dem nachfolgenden Link finden Sie einen Bericht über Eltern in Irland. Die Überschrift lautet: „They baptized their children for school places. Now regret is setting in.“ Zu Deutsch: „Sie tauften ihre Kinde, um einen Schulplatz zu bekommen. Jetzt setzt Bedauern ein.“

    https://edition.cnn.com/2018/08/25/europe/ireland-baptism-barrier-education-intl/index.html

    Es geht um Eltern in Irland, die ihre Kinder taufen ließen, um ihnen eine privilegierte katholische Schulausbildung zu ermöglichen. Sollten Sie das verurteilen, dann fragen Sie doch zuerst, warum die Kirche da mitspielt. Auf jeden Fall zeigt der Bericht, wie das irische katholische System funktionierte.

    Was mich besonders erschütterte, ist, dass ein Massengrab gefunden wurde, in dem ca. 800 Babys beerdigt waren, die in einem Heim für ledige Mütter und uneheliche Kinder untergebracht waren, das von einem katholischen Schwesternorden geleitet wurde, den Catholic sisters of Bon Secours. Warum glauben Sie wohl, dass da plötzlich so viele Kinder gestorben sind?

    Ich selbst bin unter der Obhut katholischer Nonnen fast zu Tode gekommen. Später habe ich von meiner Frau, einer Katholikin erfahren, dass ihre Mutter davon berichtete, dass es nicht unüblich war, dass in katholischen Schwesternheimen die „Bankerts“ (uneheliche Kinder) nach der Geburt bevorzugt starben. Zumindest gab es immer diesbezügliche Gerüchte.

    Meine älteste Tochter hatte ein katholisches Maria-Ward-Gymnasium besucht und war von einem Lehrer dort – es war kein Priester – derart gemobbt worden, dass sie ein schweres Trauma erlitt und ganz langsam mit viel professioneller Hilfe da wieder heraus kommt. Sie ist noch nicht durch.

    Es gibt bestimmt vorbildhafte Priester und Ordensleute. Das will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber auch bei mir ist jeder Vertrauensvorschuss diesbezüglich verbraucht. Und genau das bringen diese interviewten Opfer zu Recht zum Ausdruck.

    Und genau das müssen Sie hinnehmen, ob es ihnen gefällt oder nicht.

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  3. "GsJC" sagt:

    @ C.S. Merl

    Zusammenfassung:

    Sie befürworten die im TV gestellte Frage und haben Sie hier im Forum eingestellt.

    Ihr Anstand hatte kein Problem mit dieser Frage und Sie stimmen der Vorgehens- und Verhaltensweise der Moderatorin zu. Ich würde so eine Frage nicht stellen, auch wenn es mich meinen Arbeitsplatz als Moderator kosten würde. Sie hingegen billigen die Art und Weise der Fragestellung und das Ergebnis mit erhobener Hand. Anstand und Respekt verbietet mir solch eine Frage, die auf primitive Weise unterhalb der Gürtellinie verallgemeinert. Ich empfinde bei dieser Frage Abneigung – Sie Zuneigung, die Sie hier auch zeigen. Darin unterscheiden wir uns.

    MfG

    P.S.

    Sie haben das letzte Wort. Soweit ich das überblicke bin ich durch.

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  4. Claus Stephan Merl sagt:

    „GsJC“

    Wenn das Thema „Fortgesetzter Jahrzehnte langer organisierter schwerer sexueller Missbrauch durch katholische Priester unter stillschweigender Duldung ihrer Vorgesetzter mit über 1.000 Opfern“ ist, muss niemand „ausgewogen“ sein und pflichtschuldigst Missbrauchsfälle außerhalb der katholischen Kirche aufzählen. Diese Erwartungshaltung ist unsinnig. Man stelle sich vor, wie ein Straftäter vor Gericht erklärt, das Gericht habe doch „ausgewogen“ zu sein und zu seinen Gunsten heranziehen, dass andernorts schlimmere Straftaten begangen werden als die, die ihm vorgeworfen werden. Eine solche Einlassung würde sich wegen fehlender Einsicht zu Recht nicht strafmildernd, sondern strafverschärfend auswirken.

    Es ist natürlich keine Stimmungsmache, wenn aus Anlass des Ergebnisses einer Grand Jury berichtet wird und Betroffene interviewt werden. Das ist eine abwegige Vorstellung. Diese Ihre Vorstellung macht plötzlich die katholische Kirche zum Opfer. Und das ist falsch, wie der von Ihnen verlinkte Pfarrer selbst klar ausführt.

    Und ich füge hinzu: Es ist nicht nur falsch, sondern widerlich. Denn es kann nur einen Grund haben, diese angebliche „Ausgewogenheit“ zu fordern: Die Aufrechnung und Relativierung von Unrecht.

    Sie haben also als Katholik keine Meinung zur Aussage von Kardinal Burke und drücken sich darum, indem Sie auf meine angebliche Haltung gegenüber diesem Kardinal verweisen? Dann haben Sie sicher auch keine Meinung zu dieser Aussage Ihres Papstes:

    „Der Schmerz dieser Opfer ist eine Klage, die zum Himmel aufsteigt und die Seele berührt, die aber für lange Zeit nicht beachtet, versteckt und zum Schweigen gebracht wurde. Doch ihr Schrei war stärker als die Maßnahmen all derer, die versucht haben, ihn tot zu schweigen, oder sich einbildeten, ihn mit Entscheidungen zu kurieren, welche die Sache verschlimmert haben, weil sie damit in Komplizenschaft gerieten. Ein Schrei, den der Herr gehört hat. Er lässt uns wieder einmal sehen, auf welcher Seite er steht.“

    Quelle: https://press.vatican.va/content/salastampa/it/bollettino/pubblico/2018/08/20/0578/01246.html

    Achtung! Die Quelle enthält auch eine deutsche Übersetzung.

    Man beachte: Der Herr hat den Schrei gehört. Die Kirche nicht. Und mit wessen Hilfe hat der Herr den Schrei gehört? Genau: Durch säkulare Ermittlungen und durch die säkulare Fleißarbeit einer Grand Jury.

    Haben Sie die Tragweite dieser Feststellung verstanden?

    Dieser Satz

    „Ich kann verstehen, dass nicht nur diese Sendung ihr ganz persönliches und einseitiges Bild von katholischer Kirche bestätigt, das Sie seit Ihrem „Pfingsterlebnis“ vor 30 Jahren „wütend“ pflegen.“

    ist schlicht unsinnig und durch nichts gedeckt, was ich geschrieben habe. Er beschreibt nur Ihr Vorurteil, das nicht durch Kenntnis der Fakten getrübt wird. Außerdem geht es gar nicht um mich bei diesem Thema.

    Zum Abschluss nochmal Franziskus

    „Ein Schrei, den der Herr gehört hat. Er lässt uns wieder einmal sehen, auf welcher Seite er steht.“

    und der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Stephan Ackermann:

    „Sexueller Missbrauch werde begünstigt und gedeckt «durch die Haltung des Klerikalismus, die der Papst als eine «anomale Verständnisweise von Autorität in der Kirche» brandmarkt und aufs Schärfste verurteilt», fügte er hinzu.“

    https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article181245800/Papst-Kirche-hat-Missbrauchsopfer-ignoriert.html

    Auf welcher Seite stehen wir? Auf der Seite eines erstarrten Klerikalismus oder auf der Seite dieser Opfer? Das Erstere bringt uns in direkte Gegnerschaft zu Jesus Christus. Genauso wie es das Relativieren und Aufrechnen von Unrecht tun.

    Ich wollte wirklich nichts mehr schreiben. Aber ich kann derartigen – jetzt lasse ich einfach mal das nächste Wort aus, um der netiquette zu genügen – nicht einfach so stehen lassen.

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    • "GsJC" sagt:

      @ C. S. Merl

      Um es nicht zu lang zu machen. Ich bin sicher, dass die Frage an die Betroffenen im TV, die von Ihnen hier, in welcher Absicht auch immer zitiert wurde, so vor einem Gericht nicht gestellt werden dürfte.
      Glauben Sie als Jurist, dass sich ein Gericht an der Phantasie, der Vorstellungskraft von Betroffenen bei der Urteilsfindung orientiert oder im Einzelfall an den nachweisbaren Fakten?

      „In einem anderen Interview wurden Betroffene gefragt, wer von ihnen glaubt, das jetzt gerade ein Kind von einem katholischen Priester missbraucht wird. Alle Hände gingen hoch.“

      Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/23/papst-franziskus-hat-den-vielbeschworenen-geruch-der-schafe-verloren/#comment-72167

      Um diese Frage ging es und nicht darum, was der Papst, andere Würdenträger, Berufene oder Unberufene zu diesen schrecklichen Vorfällen gesagt haben oder noch sagen werden und ob ein Betroffener im Einzelfall vor Gericht in der Sache befragt werden darf.

      Ich möchte den Richter erleben und warte auf einen entsprechenden Beleg von Ihnen, der eine Frage an einen Betroffenen seitens der Anklage zulässt, die lautet:

      „Können Sie sich als Betroffener vorstellen, dass in diesem Augenblick ein Kind von einem katholischen Priester missbraucht wird, dann heben Sie die Hand.“

      Vielleicht können Sie auf einen anderen Missbrauchsprozess in der Welt verweisen, wo eine ähnliche verallgemeinernde und primitive Frage im Zusammenhang mit einer anderen Berufsgruppe vor Gericht gestellt wurde. Ich wäre überrascht. Es sollte für Sie kein Problem darstellen, dies zu recherchieren, da, wie ebenfalls von Ihnen bekannt, die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche statistisch nur einen sehr geringen Anteil am Gesamtgeschehen ausmachen.

      Ich kann mich bei Ihnen des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie ausweichen und missverstehen wollen.

      MfG

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  5. "GsJC" sagt:

    @ C.S. Merl
    Warum habe ich das Gefühl, dass Sie nicht verstehen wollen, dass es n i c h t genügt, dieses bedrückende Thema, bei dem es um einen Berufsstand geht, auf eine gezielt gegen diesen Berufsstand Stimmung machende Frage zu reduzieren, wie in dem Video zu sehen?
    Wurde in der von Ihnen verlinkten Sendung ebenfalls darüber gesprochen, dass die große Mehrheit der Geistlichen ihren Dienst am Menschen selbstlos, mit großem persönlichen Einsatz erbringt und konnte sich dieses von den Betroffenen ebenso selbstverständlich vorgestellt und mit gehobener Hand gewürdigt werden? Das wäre ausgewogener. Vielleicht finden Sie einen Hinweis.
    Ich kann verstehen, dass nicht nur diese Sendung ihr ganz persönliches und einseitiges Bild von katholischer Kirche bestätigt, das Sie seit Ihrem „Pfingsterlebnis“ vor 30 Jahren „wütend“ pflegen.

    Sie werden wissen, dass erwachsene Männer, die zu Priestern geweiht werden, diese schrecklichen Neigungen aus einer Welt mitbringen, die zunehmend verroht und sexuell verwahrlost. Solche Neigungen entwickeln sich nicht erst nach der Priesterweihe.

    Man könnte der katholischen Kirche vorwerfen, die Auswahl der Kandidaten nicht streng genug getroffen zu haben. Hätte man diese problematischen Kandidaten früh genug erkannt und als ungeeignet abgelehnt, ist davon auszugehen und Sie werden mir zustimmen, dass sich die von Ihnen angeführte Statistik wahrscheinlich noch weiter zuungunsten der Welt verschoben hätte.

    Dazu nachstehend noch einmal Ihr Kommentar vom 23. August:
    „Ja, es mögen rein statistisch gesehen im Vergleich mit dem, was sich außerhalb der katholischen Kirche ereignet, nur sehr geringe Zahlen sein. Aber das ist nicht der Maßstab. Sondern das, was diese Kirche von sich selbst behauptet.“

    Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/23/papst-franziskus-hat-den-vielbeschworenen-geruch-der-schafe-verloren/#comment-72167

    Wären diese Taten in Ihren Augen eher zu entschuldigen, so diese Kirche nicht das von „sich selbst behaupten“ würde, wie Sie etwas undeutlich formulieren und dürfte der „Maßstab“ dann ein anderer sein? Wohl eher nicht. Ich gehe davon aus, dass Sie den Anspruch der katholischen Kirche meinen, die einzig wahre Kirche Jesu Christi zu sein.

    Leben Freunde, Bekannte und Verwandte außerhalb der katholischen Kirche in der von Ihnen genannten Welt, in der es gemessen an der Zahl geringer Vorfälle dieser Art in der katholischen Kirche, weitaus mehr schreckliche Vorfälle gibt? Was würden Sie diesen Menschen raten? Wie nennt sich die makellose christliche Gemeinschaft außerhalb der katholischen Kirche, in der Sie selber leben? Darüber schweigen Sie sich aus.

    C.S. Merl schrieb:
    „Wenn Kardinal Burke sagt, die Missbrauchsfälle treffen ins Herz der Kirche, was bedeutet das dann für Sie?“

    Was soll diese Frage? Für Sie ist Kardinal Burke doch nur der Vertreter einer „sterbenden Kirche“, auf die Sie nach über 30 Jahren noch immer „wütend“ sind.

    Hilfreich und in Annäherung einer Beantwortung dieser Frage könnte es besonders für Sie sein, so Sie sich versuchen vorzustellen, was es für eine Familie, Vater und Mutter von fünf Söhnen bedeutet, wenn einer der Söhne ein Kind missbraucht hätte? Stellen Sie sich weiterhin vor, wie sich die Nachbarschaft verhalten könnte, so dieser Vorfall bekannt wird. Ich würde mit dem missbrauchten Kind großes Mitleid empfinden – aber auch mit der Familie des Täters, den verzweifelten Eltern, denen es das Herz bricht und den vier unbescholtenen Söhnen, die, wie die Eltern ebenfalls unter der Tat ihres Bruders leiden. Ahnen Sie etwas?

    MfG
    P.S.
    C.S. Merl schrieb:
    „Mehr gibt es für mich auf Ihre „Beiträge“ in dieser Sache nicht zu antworten.“
    Das nenne ich Freiheit!

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  6. Claus Stephan Merl sagt:

    „GsJC“,

    warum habe ich das Gefühl, dass Sie Selbstgespräche führen, in der Hoffnung, dass ich darauf in einer Weise eingehe, die Sie irgendwie „verwerten“ können? Erklären Sie mir doch mal, was ich zu Maria oder zu Lukas 2, 19 geschrieben haben soll. Oder wo ich etwas von „Glückserlebnissen“ gesagt haben soll? Wo schrieb ich etwas über „irgendwo“? Und weshalb wird der, der „austritt“ irgendwo wieder „eintreten“? Wo genau bin ich mir selbst „Papst“ und inwieweit ist Ihre Gleichung Papst = Gemeindevorsteher gerechtfertigt?

    In meinem Glauben ist kein Platz für einen „Papst“. Schon gewusst? Ich gehöre zur weltweiten Kirche Gottes qua Geburt von oben + Taufe, ohne irgendwo „eintreten“ zu müssen.

    Was genau qualifiziert Sie, die Antworten der gequälten Opfer auf eine völlig nachvollziehbare Frage der Moderatorin Nikki Battista zu kritisieren? Woher wollen Sie wissen, ob Battista, die sich selbst als „Landei“ aus Pennsylvania bezeichnet, nicht an Jesus Christus glaubt?

    Im Gegensatz zu Ihnen, traue ich mir NICHT zu, die Äußerungen dieser Opfer beurteilen, weil ich deren Qualen nicht nachvollziehen kann. Das halte ich für weise. Auch der Pfarrer, auf den Sie sich in Ihrem zweiten Link beziehen, sieht das so:

    „Zuerst einmal: ICH BIN HIER NICHT DAS OPFER. Die Opfer sind die Missbrauchten. Sie sind es, auf die es hier ankommt. … Zum ersten Mal empfand ich, für nur eine Sekunde, Scham für das Priestertum. Ich weiß, es ist nicht gut, wenn jemand das hört, aber ich konnte nicht anders. Wenn Du Wut und Ekel und Scham empfindest, bist Du nicht der einzige. Und doch sind diese Gefühle nur ein kleines Sandkorn verglichen mit dem, was die Opfer fühlen. … Als er schrie, „Pädophiler“, wollte ich sagen: „Nein. Bin ich nicht. Niemals.“ Aber ich wusste, dass meine Worte nichts bewirken würden, also hörte ich zu. Er war verletzt, und er musste sich der Worte bedienen, als Ausdruck seiner Gefühle.“

    https://de.catholicnewsagency.com/article/dieser-priester-wurde-als-padophiler-beschimpft-seine-reaktion-erschuttert-0347

    Dieser Mann weiß, dass jemand, der dermaßen verletzt wurde. und den Kirchenobere über lange Zeit versuchten, zum Schweigen zu bringen, nicht immer adäquate Worte finden können, um ihren Schmerz auszudrücken. Und diese Empathie dieses Priesters beeindruckt mich wirklich.

    Nein, die Opfer „dürfen“ nicht nur antworten, was Sie ihnen als Antwort zugestehen. Ja, wo sind wir denn hier, dass Sie hier Vorschriften zu machen hätten?

    Haben Sie diesen Opfern überhaupt zugehört? Die Frau, die sagte, dass etwas in ihr gestorben sei, als dieser Priester sie vergewaltigte? Oder Herrn James Faluszczak, der trotz des Missbrauchs selbst katholischer Priester wurde und dies 18 Jahre lang gewesen ist, um dann festzustellen, dass es etwas in der DNA der katholischen Kirche gäbe, das derartige Taten ermutigt. Im Laufe seiner Tätigkeit als Priester wurde es ihm klar, dass das ein „systemic issue“ sei, „a contagious epidemic“ = ein im System liegendes Problem, das einer ansteckenden Epidemie gleich komme. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

    Wenn Kardinal Burke sagt, die Missbrauchsfälle treffen ins Herz der Kirche, was bedeutet das dann für Sie?

    Wenn Sie schreiben „Solche Aktionen kommen aus einer Welt, die gern den Sumpf übersieht, …“ bedeutet dies dann, dass die „Welt“ nicht über Missstände in der katholischen Kirche berichten dürfe? Es sollte Sie als Katholik bekümmern und beschämen, dass es staatliche Stellen sind, die derartige Fälle aufdecken müssen, weil die katholische Kirche nicht dazu in der Lage ist, bei sich selbst aufzuräumen. Und das ist ja auch nicht das erste Mal so.

    Mehr gibt es für mich auf Ihre „Beiträge“ in dieser Sache nicht zu antworten.

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  7. "GsJC" sagt:

    @ C.S. Merl

    Das ist von Ihnen eine etwas ausführlichere Umschreibung des Geschehens, wenngleich für mich wenig erhellende Erklärung. Sie wollen demnach in Anlehnung an die Gottesmutter (Lk 2,19) die wahre Ursache Ihres Austritts für sich behalten, in Ihrem Herzen bewahren, weiter darüber nachdenken, sich nicht mitteilen und Ihr Christsein in Ruhe weiterentwickeln. Sie sehen bei Veröffentlichung die Gefahr, dass ich auf Ihrem Erlebnis „herumtrampeln“ könnte, was Sie mir einfach unterstellen. Dann behalten Sie das Glückserlebnis eben für sich und lassen es sich von niemandem aus dem Herzen reißen.

    Die TV-Moderatorin ist aus der von Ihnen genannten Welt, in der es zu weit mehr Missbrauchsfällen kommt, als in der katholischen Kirche. Solch primitive Fragestellung, ob sich die betroffenen Anwesenden vorstellen können, dass irgendwo auf der Welt gerade ein Priester ein Kind sexuell missbraucht, nebst der Aufforderung bei Zustimmung die Hände zu heben (was im TV sehr eindrucksvoll rüber kommt) sind vorbereitet, gut für die Einschaltquote, den daraus resultierenden Werbeinnahmen und noch dazu für den einfach strukturierten Zuschauer leicht zu konsumieren.
    Die aufrichtige und ehrliche Antwort auf diese niveaulose bis primitiv vorbereitete Frage, hätte bei denen, die Verfehlungen gegen den eigenen Anspruch und die Glaubwürdigkeit von geringen Teilen der Kirche zu Recht anmahnen – nur lauten dürfen: „Ich möchte mir das weder vorstellen, da ich es auch nicht wirklich weiß und kann deshalb auch nicht die Hand heben!“ Ob einem Juristen, wie Ihnen, bei solchen Fragestellungen nicht die Haare zu Berge stehen müssen, da hier einem Generalverdacht Vorschub geleistet und der Einzelfall nicht berücksichtigt wird? Wohin einseitige Berichterstattungen führen, können Sie nachstehend lesen:

    https://de.catholicnewsagency.com/story/das-ist-fur-die-kinder-angriff-auf-priester-wird-als-hassverbrechen-eingestuft-3546

    https://de.catholicnewsagency.com/article/dieser-priester-wurde-als-padophiler-beschimpft-seine-reaktion-erschuttert-0347

    Solche Aktionen kommen aus einer Welt, die gern den Sumpf übersieht, in dem sie selber steckt und den Dreck täglich neu produziert, der leider und auf erschreckende Weise Einzug in die katholische Kirche gefunden und dort Personen infiziert hat.

    MfG

    P.S.

    Obwohl und ich kann mir die Nachfrage nicht verkneifen, da Sie schreiben:

    „Kritische Anmerkungen, die ich bisweilen zur römisch-katholischen Kirche mache, waren für meinen Austritt nicht maßgeblich.“

    An welche Adresse dürfen ggf. weitere Kommentatoren und meine Person zukünftig unsere kritischen Anmerkungen richten? Wer „austritt“ – wird auch irgendwo wieder „eintreten“. Wo ist „irgendwo“ oder haben Sie neu gegründet und sind ein Einzelkämpfer für die vor Jahren empfangene Wahrheit?
    Ich unterstelle, dass Sie ein Einzelkämpfer sind und eine Gemeinschaft neuen Glaubens leben, da Sie das Ereignis für sich behalten und damit nicht missionieren wollen. Sie sind sich selber Papst (Gemeindevorsteher), Priester und Gemeinde … oder? – ohne hinausgehen zu müssen, die Völker zu lehren und sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Wahrlich – Sie befinden sich auf einer sehr schweigsamen und zurückhaltenden Mission. Wenn Sie zahlenmäßig so klein bleiben, kommen Sie vielleicht sauber (im Stand der Gnade) durch die Zeit und werden Ihrem Schöpfer fehlerfrei gegenübertreten können. Die weltweit missionierende katholische Kirche wird das nicht schaffen. Je mehr Mitglieder, desto größer auch die Fehlerquote = die Möglichkeit des geringen und schwerwiegenden Fehlverhaltens.

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  8. Claus Stephan Merl sagt:

    „GsJC“

    1.) „War das die einzige Frage zum Thema, die der weltliche Moderator den anwesenden Betroffenen gestellt hat? War dieser weltliche Moderator um Ausgewogenheit in der Berichterstattung über die katholische Kirche bemüht oder hat er mit dieser Frage allgemein Stimmung gegen die katholische Kirche machen wollen? Sie haben den Bericht gesehen und wissen mehr.“

    Es waren betroffene Katholiken, die von CBS interviewed wurden und ausführlich zu Wort kamen:

    Die von mir erwähnte Frage finden Sie etwa ab Minute 2:20. Ihre Spekulationen dazu sind abwegig.

    2.) Mein Kirchenaustritt

    Alles, was Sie darüber spekulieren, ist allenfalls belustigend. Aufgrund der Art und Weise, wie Sie mich hier wiederholt höchst unsachlich angegangen sind, tue ich es mir nicht an, Ihnen Dinge aus meinem Leben zu offenbaren, die mir heilig sind, damit Sie erneut darauf herumtrampeln können.

    Warum ich aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten bin, bleibt meine Privatsache. Ich habe dazu keine „Botschaft“, die sich Ihrer Überprüfung zu unterstellen habe, ob sie „genügt, sich ebenfalls in (meine) geistige Richtung zu bewegen.“

    Wer sich mit dem Gedanken befasst, aus dieser Kirche auszutreten sollte das nicht tun, weil jemand anders das getan hat. Meine „geistige Richtung“ hat sich auch durch meinen Kirchenaustritt nicht geändert. Mir ging es vorher darum, Jesus Christus immer mehr zu erkennen und mir geht es seither immer noch darum.

    Kritische Anmerkungen, die ich bisweilen zur römisch-katholischen Kirche mache, waren für meinen Austritt nicht maßgeblich. Vielmehr haben diese sich durch meine erneute Befassung mit Anspruch und Wirklichkeit der römisch-katholischen Kirche etwa seit sechs bis zwölf Monaten ergeben.

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  9. "GsJC" sagt:

    C.S. Merl schrieb:
    „Es ist nicht meine Mission, Menschen zum Austritt aus der römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Auch hier liegen Sie falsch.
    […]
    Ansonsten kann ich nicht nachvollziehen, was Sie so sehr daran ärgert, wenn ich die römisch-katholische Kirche im Hinblick auf die weltweit bekannt gewordenen Mißbrauchsfälle an ihrem eigenen Anspruch messe.
    Aber außer billige Polemik, vermischt mit dem Versuch, andere zu kränken, kann ich bei Ihnen weiterhin leider nichts finden.“


    Es geht vorrangig nicht darum, Menschen zum Austritt zu bewegen, sondern darum, was Sie bewegt hat und ob man Ihnen folgen kann oder es besser lassen sollte. Zuerst kommt die Verkündigung dessen, was Sie bewegt hat, danach die Entscheidung, ob Ihre Botschaft genügt, sich ebenfalls in Ihre geistige Richtung zu bewegen.

    Ich kann Sie nicht daran hindern, meine Kommentare so zu verstehen, zu deuten, wie es Ihnen am ehesten zusagt. Nur liegen Sie grundsätzlich falsch mit dem, was Sie unter Mission verstehen. Sie betreiben auch hier im Forum Mission – für Ihre Sicht des Glaubens. Dass dies nicht immer so war, dürfte jedem aufgefallen sein, der aufmerksam liest. Von daher ist es bestimmt nicht zu viel verlangt, nach der Ursache Ihrer Glaubensfreude zu fragen, die Ihnen vor ca.30 Jahren zuteil wurde und der Grund dafür ist, dass Sie ausgetreten sind.
    Die sehr geringe Freude, die Sie am katholischen Glauben hatten, ist einer weitaus größeren Freude gewichen. Dafür muss es eine Ursache geben. Wenn Sie über die Ursache Ihrer Freude hier nicht schreiben möchten, ist das Ihre Angelegenheit. Die wiederholte Frage danach muss jedoch erlaubt sein und ich bin sicher, dass Sie gegenüber Nichtkatholiken eher bereit sind, über die Ursache zu schreiben und zu reden. Von daher sollten Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen und bereit sein, den geistigen Schatz zu teilen, den Sie im Acker gefunden haben.

    Was ich bei Ihnen nicht finden kann, wenn Sie es nicht unterschlagen oder vergessen haben zu erwähnen, will ich Ihnen an einem Beispiel verdeutlichen:

    Sie schreiben:
    „In einem anderen Interview wurden Betroffene gefragt, wer von ihnen glaubt, das jetzt gerade ein Kind von einem katholischen Priester missbraucht wird. Alle Hände gingen hoch.“

    Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/23/papst-franziskus-hat-den-vielbeschworenen-geruch-der-schafe-verloren/#comment-72167

    War das die einzige Frage zum Thema, die der weltliche Moderator den anwesenden Betroffenen gestellt hat? War dieser weltliche Moderator um Ausgewogenheit in der Berichterstattung über die katholische Kirche bemüht oder hat er mit dieser Frage allgemein Stimmung gegen die katholische Kirche machen wollen? Sie haben den Bericht gesehen und wissen mehr. Bestimmt haben Sie sich, wenn es so war, innerlich aufrichtig darüber empört, da, wie Sie sehr richtig an anderer Stelle geschrieben haben, es sich gemessen an dem, „was sich außerhalb der katholischen Kirche ereignet, nur sehr geringe Zahlen sind“.

    Ich darf annehmen, dass der TV-Moderator „außerhalb der Kirche“ steht. Wo der Moderator außerhalb der Kirche steht, haben Sie beantwortet. In einer Welt, in der es gemessen an der geringen Zahl schrecklicher Vorfälle in der katholischen Kirche, die jeden betrüben, zu den meisten Vorfällen dieser Art kommt.

    Der Maßstab der katholischen Kirche kann demnach nicht so schlecht sein.

    MfG

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  10. Claus Stephan Merl sagt:

    „GsJC“,

    ich bin nicht aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten, weil sie meinen moralischen Ansprüchen nicht genügte. Wieder liegen Sie falsch. Ich betrachte meinen Austritt auch als persönliche Entscheidung, deren Nachahmung ich nie jemand nahe gelegt habe. Ich glaube nämlich daran, dass ein wichtiges Ziel Gottes mit denen, die ihm vertrauen, darin besteht, sie zu mündigen Menschen zu machen, die eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Ganz zu schweigen vom Wert der persönlichen Gewissensfreiheit.

    Es ist nicht meine Mission, Menschen zum Austritt aus der römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Auch hier liegen Sie falsch.

    Es gibt Katholiken, die erleb(t)e ich als glaubensstark, fröhlich und in gewisser Weise vorbildhaft. Denen fällt es aber nicht ein, die katholische Kirche zu glorifizieren oder einen christlichen Alleinvertretungsanspruch ihrer Kirche zu verkünden. Mir würde es im Traum nicht einfallen, zu versuchen, diese Menschen zum Austritt aus der römisch-katholischen Kirche zu bewegen. Was mich mit diesen Menschen verbindet, ist, dass ich denen ihre Liebe zu Jesus abspüren kann. Und mein Gott hat „seine Leute“ in jeder christlichen Denomination oder Gruppierung. Das ist es, was ich in nunmehr 30 Jahren Christ-Sein erlebt habe. Das kann mir keiner nehmen.

    Ansonsten kann ich nicht nachvollziehen, was Sie so sehr daran ärgert, wenn ich die römisch-katholische Kirche im Hinblick auf die weltweit bekannt gewordenen Mißbrauchsfälle an ihrem eigenen Anspruch messe.

    Aber außer billige Polemik, vermischt mit dem Versuch, andere zu kränken, kann ich bei Ihnen weiterhin leider nichts finden.

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  11. nürtingen sagt:

    Ich werde dieses seltsame Gefühl nicht los, dass unsere Kirche sich regelrecht auf die Flüchtlingskrise gestürzt hat, sich an der Migranten-Frage hochzieht – um von ihren inneren Krisen abzulenken. Hier hat die Kirche einseitig versucht, wieder in der Öffentlichkeit Vertrauen zu gewinnen.
    Dazu gehört die gekonnte Inszenierung, wenn eine einzelne (vorher ausgesuchte) Flüchtlingsfamilie per Hubschrauber aus dem Flüchtlingscamp in den Vatikan geflogen wird.
    Öffentlichkeitswirksam. Wie muss das auf die anderen Flüchtlinge gewirkt haben, welche in den schlimmen Zuständen dieses Camp zurückbleiben mussten?

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Flüchtlingskrise von unserer Kirche zum „goldenen Kalb“ missbraucht wird.
    Warum sagt unsere Kirche nicht eindeutig, dass wir gerne helfen und dass aber nur wirklich schutzbedürftigen Menschen geholfen werden kann? Warum kein öffentlicher Aufruf von Franziskus an Migranten, dass nur wirklich schutzbedürftigen Menschen aus Kriegsgebieten zu Flüchtlingen gezählt werden können? Und dass diesen Menschen noch weniger geholfen ist, wenn sich jede Menge Volk darunter mischt, welches sich lediglich aus wirtschaftlichen Gründen auf den Weg macht?
    Warum sagt er nicht zu den Migranten: „Lasst die echten Flüchtlinge vor und ihr anderen bleibt zuhause, damit wir, wo Not ist, richtig helfen können?“ Warum traut er sich nicht zu sagen, dass auch Menschen aus egoistischen Gründen zu Migranten werden?
    So wie es jetzt ist, können sich Ströme von Migranten auf ihn berufen, obwohl ihnen doch von der eigenen Religion gesehen der Papst völlig egal ist.

    Seit das Thema Migration zum Dauerbrenner in unseren Predigten und Fürbitten war, ist doch das Thema Missbrauch in der Kirche zeitweise geschickt ausgeblendet worden. Wann wurde das noch in Predigten thematisiert? Man hörte nur noch über die Flüchtlingskrise. Ist auch medienwirksamer, als sich öffentlich mit der eigenen Schuld zu beschäftigen.
    Scheint aber nicht mehr so zu funktionieren.

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  12. "GsJC" sagt:

    C. S. Merl schrieb:

    „Aber das ist nicht der Maßstab. Sondern das, was diese Kirche von sich selbst behauptet.
    […]
    Den Menschen wird klar, dass es mit dem Anspruch, die angeblich von Jesus Christus gestiftete Kirche zu sein, nicht weit her sein kann, wenn gerade die ebenfalls angeblich von Jesus Christus gestiftete kirchliche Hierarchie solche Verbrechen viele Jahrzehnte gedeckt hat. Hat Jesus seine Kirche so schlecht aufgestellt?“

    Was dürfte „diese Kirche“ aus Ihrer Sicht noch „von sich selbst behaupten“, um Ihrem (!) „Maßstab“ gerecht zu werden? Würden Sie wieder in „seine Kirche“ eintreten, wenn Sie so aufgestellt wäre, wie Sie es sich wünschen und vorstellen? Ist „seine Kirche“ nicht mit Ihrem Austritt um ein heiligmäßiges Glied ärmer geworden?

    Wenn allen Menschen klar wäre, dass Verbrecher und Verbrechen (Sünden) genau nach diesem Maßstab gerichtet werden, würde es in der Welt und wie Sie richtig erkannt haben, in Teilen „seiner (Welt)-Kirche“ aktuell anders aussehen. Vielleicht dauert es bis dahin nicht mehr lang und auch Ihre Sehnsucht nach Gerechtigkeit wird in jeder Hinsicht gestillt.

    Hoffentlich läuft bis dahin niemand Gefahr, sich bei der aktuellen Aufarbeitung des furchtbaren Geschehens aus dem Blick zu verlieren, denn je nach Grad der Erkenntnis gilt dieser „Maßstab“ für alle Menschen.

    Sollten nicht gerade Sie besonders dankbar für die Erkenntnis sein, die Ihnen vor ca.30 Jahren unverdient geschenkt wurde. Leider haben Sie es bisher versäumt, dieses Ereignis, das zum Austritt aus „seiner Kirche“ führte, näher zu beschreiben. So ein Verhalten ist aus meiner Sicht undankbar und auch egoistisch. Sie sollten ein wenig mehr missionarischen Mut aufbringen und freudig darüber berichten. Vielleicht kann Ihnen jemand folgen, denn so wie Sie die Situation beschreiben, ist es besser sich von der katholischen Kirche zu distanzieren und mit erhobenem Zeigefinger auszutreten.

    MfG

    P.S.

    Mt 23,3
    Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.

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  13. Claus Stephan Merl sagt:

    Ich habe bereits einen Bericht von cnn verlinkt, in dem fünf Opfer sehr klar Stellung nehmen. Bis auf eine Frau sagen alle, sie haben den Glauben an den Katholizismus durch diese Mißbrauchsfälle verloren.

    In einem anderen Interview wurden Betroffene gefragt, wer von ihnen glaubt, das jetzt gerade ein Kind von einem katholischen Priester missbraucht wird. Alle Hände gingen hoch.

    Ja, es mögen rein statistisch gesehen im Vergleich mit dem, was sich außerhalb der katholischen Kirche ereignet, nur sehr geringe Zahlen sein. Aber das ist nicht der Maßstab. Sondern das, was diese Kirche von sich selbst behauptet.

    Der Papst und die meisten Kardinäle haben nicht begriffen, dass diese Mißbrauchsfälle nicht nur dem Ansehen der römisch-katholischen Kirche in Nord- und Südamerika und in Europa massiv geschadet haben, sondern dass sie auf dem amerikanischen Doppelkontinent und in Europa im Kern getroffen wurde. Den Menschen wird klar, dass es mit dem Anspruch, die angeblich von Jesus Christus gestiftete Kirche zu sein, nicht weit her sein kann, wenn gerade die ebenfalls angeblich von Jesus Christus gestiftete kirchliche Hierarchie solche Verbrechen viele Jahrzehnte gedeckt hat. Hat Jesus seine Kirche so schlecht aufgestellt?

    In der Welt weiß man längst, dass solche Hierarchien nicht gut funktionieren. Denn solche Hierarchien tendieren immer dazu, eigene Macht und Privilegien nach außen abzusichern, zumal sie sich speziell in der katholischen Kirche nicht vor den Laien verantworten müssen. Und das soll ausgerechnet Jesus gestiftet haben? Niemals:

    „Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (Markus 10, 42 – 45)

    Das Gleiche in Matthäus 20, 25 – 28.

    Ein Paulus konnte noch darauf verweisen, dass er wie ein Verbrecher um Christi willen behandelt wird, eingesperrt, auf seine Hinrichtung wartend. Das waren nicht feiste Kardinäle und Päpste, die in ihren prächtigen Bischofssitzen thronten und ihre Machtspielchen trieben, angetan mit kostbaren Gewändern. Männer, die nicht mit Abscheu reagieren, wenn andere vor ihnen niederknieten und ihnen die beringten Finger küssten, sondern dies auch noch in vollen Zügen genossen.

    Neulich sah ich ein Foto einer Tiara, die einer dieser selbst ernannten Stellvertreter Christi auf Erden trug. Und dann sah ich die Darstellung des mit Dornen gekrönten Heilands in Gibsons „The Passion of The Christ“ von Schmerzen gebeutelt, wie er so seine Königsherrschaft antrat. Was für ein Gegensatz!

    Für mich ist die Frage jedenfalls klar, wem ich in aller Schwachheit nachfolgen will. Es ist nicht der mit der Tiara.

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    • Gerd sagt:

      „Bis auf eine Frau sagen alle, sie haben den Glauben an den Katholizismus durch diese Mißbrauchsfälle verloren.“

      Dann hat die Frau was genau falsch gemacht? Nebenbei: Ich als Katholik glaube nicht an wie immer bezeichneten Katholizismus.

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Ich hätte statt „Katholizismus“ auch „katholische Variante des christlichen Glaubens“ schreiben können. Es geht darum, dass die katholische Kirche diese Menschen verliert.

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  14. Dorrotee sagt:

    Was für ein Ausmaß, wenn unter Papst Benedikt 800 Priester und jeden Monat 2 Bischöfe weltweit amtsenthoben wurden.
    Warum nur fährt dieser Papst F. so sehr den Barmherzigkeitskurs?

    Null Toleranz bei Kindesmißbrauch! Man kann es gar nicht oft genug schreiben.

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