Nicht der „Klerikalismus“ ist das Problem, sondern oberhirtliche Ablenkungsmanöver

Von Dr. Markus Büning

Seit Tagen müssen wir uns von unseren Oberhirten gebetsmühlenartig anhören, der Klerikalismus sei die Ursache der Missbrauchskrise  –  gemeint ist der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche.

Papst Franziskus gab mit seinem Schreiben an die Gläubigen hierzu den Aufschlag (http://w2.vatican.va/content/francesco/de/letters/2018/documents/papa-francesco_20180820_lettera-popolo-didio.html).

Seine bischöflichen Vasallen scheinen ihm hier unisono zu folgen, siehe hier nur für viele die Stellungnahme des Bischofs Dr. Genn aus Münster: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/wegen-missbrauch-genn-fordert-ende-von-klerikalismus.

Die Gründe für diese nunmehr gängige Worthülse zur scheinbaren Aufarbeitung sind vielschichtig.

Zum einen dient sie dazu, dass Kernproblem nicht anzusprechen. Bischof Eleganti aus der Schweiz allerdings war es, der hier den Finger trotz aller Vernebelung in die Wunde legte, indem er auf das Problem des Homosexualismus im Klerus zutreffend hinwies (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/05/schweizer-weihbischof-eleganti-beklagt-tabu-um-kirchl-homosexuellen-problematik/).

Und genau davon will der Papst und die ihm vollends ergebenen Hirten nichts hören. Warum? Weil sie fürchten, von den Medien dieser Welt verbrannt zu werden, als homophob und ewig gestrig. All dies ist durchschaubar.

Aber es gibt für diese bischöfliche Nebelkerze auch noch einen anderen Grund: Letztlich schiebt man von bischöflicher Seite nun alles auf den niederen Klerus, der offenbar vom selbstherrlichen Klerikalismus infiziert sei. Und hierbei werden dann vor allem die Priester diffamiert, die seit Jahren nur eines wollen, nämlich treue katholische Priester sein!

Ja, gerade diese Geistlichen, die Priesterkleidung tragen und sich an den Ritus des Missale halten und die Hl. Messe würdig zelebrieren, geraten nun in das Fadenkreuz bischöflicher Problembewältigung. Gerade diese Priester sollen ganz offenbar mit dem Schlagwort des Klerikalismus getroffen werden. All dies ist höchst gefährlich!

Und wer tut solches? Der Bischof von Rom und all die Bischöfe, die auf einmal entdecken, wie wichtig die Papsttreue ist. Warum? Weil es ihnen nun in die Agenda passt! Es ist alles so durchschaubar! Nun auf einmal wird von einigen Bischöfen die unbedingte Papsttreue gefordert. Unter Benedikt XVI. und Johannes Paul II. habe ich solche Töne aus dem deutschen Episkopat nie gehört. Warum ist das jetzt anders?

Weil man sich von Franziskus die neue Kirche erwartet. Die Kirche der Beliebigkeit, in der alles geht und man so endlich, endlich der Welt gefallen kann, ja den Jubel fast aller erwarten darf. Das ist übrigens auch der Grund, warum die weltlichen Leitmedien derzeit weitgehend zum Kirchenskandal schweigen. Sie wollen den ach so reformerischen Papst decken und beteiligen sich so selbst am Werk einer teuflischen Vertuschung. Auch unterlassene Berichterstattung ist Fake-News-Berichterstattung!

Interkommunion, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, Gottesdienste ohne festgelegten Ritus, alles ad libitum. Das scheint die Kirche zu sein, die diese Hirten nun erwarten.

Manche gehen sogar so weit, dass rebellische Frauen Morgenluft wittern und sich auch schon mit der Kasel am Altar wähnen. In einem Dekanat des Bistums Münster findet auf Dekanatsebene bereits eine Tagung für kirchliche Mitarbeiter zum Thema Frauendiakonat statt. Der zuständige Dechant lädt ein und der zuständige Episkopos schweigt.

Genau diese Kirche wird offenbar gewünscht und dafür scheint Franziskus die Gallionsfigur zu sein, die nun mit der Mentalität eines von bischöflicher Seite eingeforderten sakrosankten Führerkults in einer völlig unkritischen und devoten Weise geschützt wird. Das Ganze grenzt schon am Verstandesopfer, koste es was es wolle. Ja, es wird einem schwindelig dabei!

So etwas hat es in dieser Kirche wohl noch nie gegeben. Diese Masche scheint ein kirchenhistorisches Novum zu sein, welches die Einheit der Kirche in ihren Grundfesten erschüttert. Und all diejenigen Bischöfe, die nun so handeln, müssen sich doch fragen lassen, ob nicht sie es sind, die ihre Macht nun missbrauchen.

Ja, sie trifft der Vorwurf des ungehemmten Klerikalismus in der Gestalt eines bourgeoisen Episkopalismus, der nur eines will, der Welt gefallen.

Und nun frage ich diese Herren Bischöfe, wo sie in den letzten Jahrzehnten denn ihre Macht zu folgenden Themen ausgeübt haben: Liturgischer Missbrauch, Kanzelmissbrauch, häretischer Religionsunterricht, Verunstaltung der Kirchenräume usw. usw.?

Zu all diesen Themen sind die Schubladen deutscher Ordinariate gefüllt mit Beschwerdebriefen, wohl eher sind diese Briefe schon längst geschreddert. So gut wie nichts haben sie hier getan, die Herren Episkopen, das heißt übrigens übersetzt Aufseher und nicht Wegseher! Das alles ist nur noch erbärmlich.

Diese „Hirten“ haben es über Jahrzehnte weitgehend zugelassen, dass diese Kirche zu einer Karikatur geworden ist, in der der Glaube und die Frömmigkeit weitgehend verdunstet sind. Ja und wenn dann Mitbrüder da waren, die anders dachten, wollte man nur eines, sie möglichst schnell entsorgen. Man denke nur an die Bischöfe Mixa und Tebartz van Elst. Diese Oberhirten entsprachen nicht dem üblichen Wohlfühlkatholizismus westdeutscher Prägung, der auch die ostdeutsche Diaspora, die zu Verfolgungszeiten in der DDR noch weitgehend intakt war, inzwischen infiziert hat.

Solange diese Bischöfe nicht anfangen, ihr von Gott verliehenes Amt im Sinn der der kirchlichen Überlieferung auszuüben, trifft sie der Vorwurf eines angepassten Klerikalismus, der eben nicht bereit ist, die Missstände in dieser Kirche zu bekämpfen. Nein, ganz im Gegenteil, die Missstände schienen nunmehr eine weitere Flanke zur Deformation zu bieten. All dies ist nur noch zu bedauern.

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13 Kommentare on “Nicht der „Klerikalismus“ ist das Problem, sondern oberhirtliche Ablenkungsmanöver”

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  3. […] der “Klerikalismus“ ist das Problem, sondern oberhirtliche Ablenkungsmanöver (https://charismatismus.wordpress.com/2018/09/08/nicht-der-klerikalismus-ist-das-problem-sondern-ober…): “Per giorni abbiamo dovuto ascoltare la costante ripetizione, da parte dei nostri pastori […]

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  4. Ferdl Neumann sagt:

    Falsch verstandenen Klerikalismus findet man auch in Privatoffenbarungen. Vielleicht sogar mit Absicht falsch definierten Klerikalismus:
    „An die Priester, meine vielgeliebten Söhne“. In der Hoffnung, bei der Geistlichkeit glaubwürdiger zu werden, wird auf eventuell vorhandene Gefallsucht spekuliert.

    Gottlob erinnert sich kaum jemand noch an „das“ saarländische „Gisela Maria“, dem „Gänseblümchen Gottes“ und seinen vorgeblichen „Offenbarungen“. Was hatte die „Ruferin in der Wüste“ geoffenbart?
    Gott habe die „Priesterwürde“ noch über die „Engelswürde“ gestellt! Sie hatte sich wohl ausgerechnet, durch diese Lobhudelei ein paar Anhänger aus dem Priestertum zu gewinnen. Hat wohl nicht ganz funktioniert.
    So ein falsch verstandener und bewusst raffiniert eingesetzter „Klerikalismus“ ist oft bei angeblichen Visionären zu finden. Mit echtem Klerikalismus hat dies aber nichts zu tun.

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    • Kreuzgang – Kreuzgang-Übersicht

      https://www.kreuzgang.org/

      Die Sakramentskapelle Rund um den traditionellen römischen Ritus und die ihm verbundenen Gemeinschaften. Moderator: Hubertus.

      Der jüdische Theologe
      Philon von Alexandria

      http://studylibde.com/doc/3141988/der-j%C3%BCdische-theologe-philon-von-alexandria

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    • Cyrill Erswill sagt:

      Sehr geehrter Herr Neumann und andere zum Thema ‚Privatoffenbarungen‘ . . .

      Wenn man sich über sog. ‚Privatoffenbarungen‘ nur sehr begrenzt auskennt, sollte man m. E. lieber schweigen!

      Lesen Sie beim heiligen Pfarrer von Ars! Dort werden Sie eines besseren über die Stellung des Priesters gegenüber den Engeln belehrt; und nicht nur da, auch bei Pater Pio etc.

      Außerdem darf ich Ihnen vielleicht empfehlen, folgendes Gebet des Hl. Franziskus von Assisi – am besten jahrelang – täglich betrachtend zu beten:

      „O höchster glorreicher Gott,
      erleuchte die Finsternis meines Herzens
      und schenke mir
      rechten Glauben, gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe
      und tiefgründende Demut.
      Gib mir o Herr,
      das Empfinden und Erkennen,
      damit ich Deinen heiligen Auftrag erfülle,
      den Du mir in Wahrheit gegeben.
      Amen.“

      Das ist das Berufungsgebet des wahren Heiligen Franziskus, aus Assisi. Wer es täglich – existentiell bezogen auf seine eigene Berufung – betet, den verändert es nach und nach zu immer tieferer Selbsterkenntnis und zum Finden und Erfüllen-wollen der Schöpfungsidee Gottes von seinem persönlichen Leben.

      Und wer täglich demütig zum Heiligen Geist betet, dem wird irgendwann wohl auch die Gnade der Unterscheidung der Geister geschenkt werden; wenn er die erforderlichen Voraussetzungen bereit ist zu erfüllen: unbedingtes Ringen um Demut, existentielle Suche nach Wahrheit und nicht zuletzt Liebe zu Gott und zu den Heiligen Gottes, besonders der lieben Gottesmutter Maria und ihrem großen Geheimnis im Verhältnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

      Dazu kann ich wärmstens folgende Betrachtungen von einem begnadeten Priester empfehlen, die mir selbst erst vor kurzem empfohlen wurden:

      „Meditationen über das Salve Regina“ von Pater Albert-Marie Stocker; im Parvis Verlag 1991 erschienen, kostet nur 10 oder 12 Euro. Es handelt sich um Betrachtungen zu den verschiedensten Geheimnissen der Jungfrau und Gottesmutter Maria, auch um das Geheimnis ihrer Bedeutung im Verhältnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die Betrachtungen gehen über die 52 Jahrwochen, sodaß wir jede Woche eine Betrachtung lesen und verinnerlichen können. Das Buch ist für Christen bzw. Gottsucher, die Heilige werden wollen nach dem Wort Jesu: „seid heilig, wie euer Vater im Himmel heilig ist“, ein Geheimtipp.

      Auch diese Betrachtungen können helfen, sich selbst besser vor dem großen Gott – mit seinen Geheimnissen – zu erkennen; und sich selbst immer mehr so zu finden, wie Gott uns sieht.

      Auf allen Wegen wünsche ich Ihnen – und allen anderen – von Herzen

      den Segen Gottes, den Schutz der Lieben Gottesmutter Maria und die besondere Fürsorge des Heiligen Joseph

      Cyrill Erswill

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  5. Gerd sagt:

    Klerikalismus in der übelsten Form haben die Gläubigen in unserer Gemeinde erfahren, als in den 1970 Jahren der Hochaltar, die Kommunionbank, die Kanzel und allzu fromme Kirchenfenster aus der ehrwürdigen Pfarrkirche entfernt und auf den Müll entsorgt wurden. Fresken und Wandgemälde wurden nicht übermalt sondern gleich großflächig abgeschlagen, damit niemand auf die Idee kommen könnte, die Malereien wieder hervor zu holen. Der Altar wurde durch einen Betonklotz ersetzt der nun wirklich nicht in eine neugotische Architektur passen kann. Als das Werk vollbracht war, stimmten die Gläubigen mit den Füßen ab, was sie von solcher Perversion hielten.

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    • Das passt zur modernistischen und postmodern-relativistischen Abschaffung der alten lateinischen bzw. traditioneller tridentinischen Messe als „Heiliger Messe aller Zeiten“ – die Ideologie des Modernismus als freimaurerische Geistmacht. Mit Sophistik und Rabulistik und Manipulation usw.

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    • Bernhard sagt:

      Was hat das mit Klerikalismus zu tun?

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      • f.neumann sagt:

        Ich kann mir vorstellen, was Kommentator Gerd damit vielleicht zum Ausdruck bringen wollte.
        Das hat insofern mit Klerikalismus zu tun, dass die einfachen Kirchgänger und Kirchensteuer-Zahler überhaupt keinen Einfluss hatten, ihre Kirchenausstattung zu erhalten.
        Priester werden von der Kirchensteuer bezahlt und den Kirchgängern gehört noch nicht mal ein Mitspracherecht für die Kirche, welche ihre Vorfahren im Dorf haben aufstellen lassen.
        Beispiel:
        Das Domkapitel von Speyer hatte in den 50er Jahren beschlossen, die Fresken aus dem Dom zu entfernen – niemand konnte etwas dagegen machen.
        In anderen Fällen wurde kirchliche Ausstattung vernichtet – wie ich noch mit Namen weiss – weil es dem Pfarrer zu unmodern war.
        Eine mittlerweile vergessene Spielart von Klerikalismus.

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      • Gerd sagt:

        Wenn ein Priester seine Stellung ausnützt und im Alleingang eine Pfarrkirche gegen den Widerstand der Gläubigen ausräumt, ist das Klerikalismus übelster Sorte. Wenn der Bischof tatenlos zuschaut, obwohl die Gemeinde interveniert, geht dieser Klerikalismus in die höchsten Stellen.

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    • Ferdl Neumann sagt:

      Herr Gerd, um welches Bistum handelt es sich denn?

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