Geniale Wegbereiter auch in der Kirchenmusik: Georg und Maria Luise Thurmair

Von Dr. Eduard Werner

In Zeiten des Überflusses und des Übermutes braucht es Propheten, die zur Besonnenheit und Verinnerlichung aufrufen. So war es auch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Nach dem 1. Weltkrieg und vor allem nach den Wirren der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 wurden Arbeitslosigkeit und Hunger allmählich überwunden.

Sportliche Leistungen und technische Neuerungen hatten das Selbstbewusstsein der Deutschen wieder hergestellt. Oberflächlichen Zeitgenossen schien das „Tausendjährige Reich“ wohl begründet. Man glaubte, mit Zuversicht in die Zukunft sehen zu können.

In diese überhebliche Siegesstimmung hinein rief schon 1935 der Münchner Kirchenmusiker Georg Thurmair: „Wir sind nur Gast auf Erden!“

Das Leid und die Not, die durch Verfolgung und Krieg wieder drohten, haben Künstler schon Jahre vorausgespürt. Offene Kritik am politischen System war verboten und wäre gefährlich gewesen.

Aber während in Deutschland offiziell Parteilieder angestimmt wurden, erklangen auch jeden Sonntag zwischen der Nordsee und den Alpen in den Kirchen religiöse Lieder, die den Sinn der Menschen auf bleibende Werte richteten.

Und die Priester haben diesen Ruf in ihren Predigten und Gebeten vorsichtig aufgenommen: „Möge uns der Herr bewahren vor dem drohenden Unheil.“

Das war der Tenor in vielen Predigten damals. Wer Ohren hatte zu hören, der hörte auch.

Thurmair zeichnete schon vor dem Krieg die Not, die Verlassenheit an der Front und in den zerbombten Städten „Die Wege sind verlassen und oft sind wir allein, in diesen grauen Gassen will niemand bei uns sein.“ … „Dann stell ein Licht uns aus, o Gott in Deiner Güte, dann finden wir nach Haus.“

In der äußersten Not fanden die Menschen nur bei Gott noch einen Funken Überlebenswillen.

Kirchenlieddichter wie Jochen Klepper, Georg und Luise Thurmair und andere haben ernste Mahnung und tröstliche Zuversicht in ihre Lieder hineingelegt.

Religiöse Jugendliche, die es damals auch gab, waren hellhörig genug, die ganze Dramatik zu erfassen, die sich vor ihnen auftat.

1941 heiratete Georg Thurmair die kongenial begabte Maria Luise Thurmair, geb. Mumelter, aus Südtirol. Mit Repräsentanten der katholischen Jugendbewegung wie Prälat Ludwig Wolker und Romano Guardini pflegte das Ehepaar eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Auch Maria Luise Thurmair dichtete Hunderte von Kirchenliedern, die ungezählten Menschen Kraft und Zuversicht spendeten. 1984 starb Georg Thurmair, 2005 starb Maria Luise Thurmaier.

Beide haben das deutschsprachige Kirchenlied und die liturgische Erneuerung stark befruchtet. Auch heute ist es aufschlussreich, die damaligen Kirchenlieder zu ihrer Entstehungszeit in Beziehung zu setzen.

Wie vielen Menschen haben sie seither schon Trost und Zuversicht geschenkt!

 


3 Kommentare on “Geniale Wegbereiter auch in der Kirchenmusik: Georg und Maria Luise Thurmair”

  1. Übrigens wurde auch Carl Orffs (wohl der letzte große klassische Komponist) „Carmina Burana“ als Sammlung der Vagantendichtung wandernder Studenten und Scholaren des Mittelalters (meist auf Latein) – obwohl ein Genie-Streich – vom anti-christlichen 3. Reich bzw. NS-Staat mit seiner Ideologie eher verschmäht – lateinische Lieder und Dichtungen des christlichen Mittelalters und der christlich- humanistischen Renaissance passten den NS-Funktionären nicht so recht in ihre völkisch-biologistische-rassistische Weltanschauung und Rassenideologie. Welche wissenschaftlich längst widerlegt, auch aufgrund ihres irrationalen Verbrechertums dann an der Realität scheiterte und besiegt und vernichtet wurde.
    Wer durch das Schwert lebt, wird durch das Schwert umkommen – so wie du sähst, so wirst du auch ernten – Wer Wind säht, wird Sturm ernten – auch dies lehrte schon immer die Bibel.
    In jüngster Zeit wurde die Entdeckung der „Neumen“ gemacht, eine Art Noten-Ersatz des Mittelalters, um Musik-Stücke aufzuzeichnen…deswegen kennt man nun auch die Original-Melodien der „Carmina Burana“ Liedsammlungen aus dem Mittelalters. Carl Orff kannte nur ihre Texte und eventuell die damals verwandten Instrumente. Dadurch gibt es nun mehrere Versionen – mit den Melodien und Kopositionen Carl Orffs, und den Original-Melodien.

    Liken

    • Carl Orff: Carmina Burana – YouTube

      Liken

      • Bekannt wurde auch ein portugiesisches Kirchenlied aus dem Mittelalter zu Ehren der Jungfrau Maria, welches auf mittelalterlichem Portugiesisch – dem Galizischen in Spanien verwandt – gesungen wurde. Auch der Filmkomponist Basil Poledouris komponierte nach dem Vorbild von Carl Orffs „Carmina Burana“ bzw. dem Stück „O Fortuna“ lateinische Chorgesänge, Mittlerweile sind aber auch die originalen in mittelalterlichen „Neumen“ notierten Melodien komponiert. Auch für andere mittelalterliche Musikstücke als „Noten“.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Carmina_Burana_(Orff)

        https://de.wikipedia.org/wiki/Conan_der_Barbar_(Filmmusik)

        Hier wurde ein Musikstück aus dem 13. Jahrhundert verwendet, die No.166 (Como Poden per sas Culpas) aus dem Liederzyklus Cantigas de Santa Maria. Eingespielt wurde es von dem Clemencic Consort, 1976 auf LP des Labels Harmonia Mundi erschienen.[2] Poledouris fügte jedoch zu der schon bestehenden Aufnahme des Clemencic Consort einen ätherisch hypnotischen Frauenchor hinzu. Diese Aufnahme gelangte auf keine offizielle Ausgabe der Original-Filmmusik auf Tonträger; lediglich auf der Neueinspielung aus dem Jahre 2010 von Prometheus Records ist eine Interpretation dieses Musikstückes enthalten.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Cantigas_de_Santa_Maria

        Cantigas de Santa Maria

        Die Cantigas de Santa Maria (etwa: Lieder für die heilige Maria, abgekürzt: CSM) sind eine der größten Sammlungen von Liedern des Mittelalters. Sie sind in Galicisch-Portugiesisch, einer der mittelalterlichen Sprachen der Iberischen Halbinsel, verfasst und wurden während der Herrschaft und wahrscheinlich im Auftrag von König Alfons X. (1221–1284) gesammelt.
        Inhaltsverzeichnis

        1 Inhalt
        2 Autoren
        3 Kopien
        4 Literatur
        5 Quellen
        6 Weblinks

        Inhalt
        Musiker mit Einfachrohrblattinstrumenten, die aus drei verbundenen Schallröhren bestehen. Illustration aus den Cantigas de Santa Maria.

        Die Cantigas bestehen aus 420 Gedichten meist mit Mensuralnotation, welche vor allem dem Lobpreis der Jungfrau Maria dienen. Viele Lieder sind mit teils aufwändigen Miniaturen verziert. 357 dieser Lieder erzählen dabei von den Wundern der heiligen Maria. 63 weitere beschäftigen sich mit der Lehre Mariens und mit Marienfestlichkeiten. Die Lieder unterscheiden sich dabei untereinander sehr stark in ihrer Metrik. Am häufigsten sind Virelai und Rondo vertreten.

        Alfonsos Projekt ist dabei nicht nur eine bloße Ansammlung von Liedern und Wunderberichten, sondern ein kulturelles Projekt von großer Bedeutung für die mittelalterliche Literatur, Musik und Kunst. Ihre Vollendung nahm den Großteil seiner Amtszeit in Anspruch (1252–1284). Er sah sie als ein wichtiges Mittel zu seinem politischen Überleben und seinem persönlichen Seelenheil.
        Autoren

        Der Autor beziehungsweise die Autoren der Texte und Melodien sind nicht sicher zu benennen. Populärerweise werden die Cantigas aber oft Alfons X., König von Leon und Kastilien, zugeschrieben. Walter Mettmann, Autor einer kritischen Ausgabe der Cantigas, glaubt, dass man viele der Lieder dem galicischen Dichter und Troubadour Airas Nunes zuordnen kann. Die Frage der direkten Beteiligung des Königs bleibt dabei ungeklärt, wobei einige Autoren zehn, andere etwa einhundert Melodien von ihm komponiert wissen wollen.
        Kopien

        Bis heute sind vier Kopien der Cantigas erhalten geblieben. Sie stellen drei verschiedene Abschnitte in der Ausarbeitung der Liedersammlung dar.

        Der To-Kodex aus Toledo, eine frühe Sammlung von 100 Stücken. Er wird als erste redaktionelle Überarbeitung der Noten angesehen und wurde wahrscheinlich im 14. Jahrhundert kopiert. Ihm wurden nachträglich einige Anhänge zugefügt. Er wird heute in der Biblioteca Nacional de Madrid verwahrt (Signatur MS 10069).

        In der zweiten Phase wurde die Sammlung stark erweitert (auf etwa 400 Stücke) und reich ornamental ausgeschmückt. Diese Bearbeitungsphase besteht aus dem

        T-Kodex, auch códice rico genannt, der in der Bibliothek des Escorial aufbewahrt wird (Signatur MS T.I.1), und dem
        F-Kodex, dem sogenannten Florentiner Manuskript. Dieses wurde in einem unvollständigen und ungeordneten Zustand belassen. Es enthält 109 der Cantigas, jedoch keine Noten, sondern nur leere Notenlinien. Heute wird dieser Kodex in der Biblioteca Nazionale Centrale in Florenz aufbewahrt (Signatur Banco Rari 20).

        In der letzten Phase entstand der

        E-Kodex oder códice de los músicos, der sich ebenfalls im Escorial befindet (Signatur MS B.I.2). Er besteht aus zwei Bänden und stellt die größte der Cantigas-Sammlungen dar. Er ist in gotischer Handschrift geschrieben und ist mit 1262 Miniaturen verziert. Diese Version entstand um 1280 bis 1283. Sie weist einige kleine Fehler und Zeichen einer hastigen Vollendung auf.

        Literatur

        Kathleen Kulp-Hill (Hrsg.): Songs of Holy Mary of Alfonso X, the Wise: A Translation of the Cantigas De Santa Maria. Arizona Center for Medieval and Renaissance Studies, Tempe 2000, ISBN 0-86698-213-2.
        Walter Mettmann: Eine alfonsinische Kompilation über die „Secta de Mahomad“? In: Romanische Forschungen 98, 1986, ISSN 0035-8126, S. 277–303.
        Walter Mettmann: Zum Stil der „Cantigas de Santa María“ (I). In: Manfred Höfler (Hrsg.): Festschrift Kurt Baldinger zum 60. Geburtstag. Niemeyer, Tübingen 1979, ISBN 3-484-50140-5, S. 304–313.
        Walter Mettmann: Zum Stil der „Cantigas de Santa María“ (II). In: Hans-Dieter Bork (Hrsg.): Romanica Europaea et Americana. Festschrift für Harri Meier zum 8. Januar 1980. Bouvier, Bonn 1980, ISBN 3-416-01508-8, S. 379–385.
        Xosé Ramón Pena: Historia da litratura medieval galego-portuguesa. Santiago de Compostela, 2002, S. 199–210.

        Quellen

        Centre for the Study of the Cantigas de Santa Maria of Oxford University

        Weblinks
        Commons: Cantigas de Santa Maria – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

        Geschichte, Übersetzungen und weitere Infos (französisch)
        Elektronische Faksimile- und Linksammlung (englisch)
        Cantigas de Santa Maria: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project.
        Texte und Noten aller Lieder, Konkordanz usw. (englisch)

        Liken


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s