Führende Experten widerlegen einen „Zusammenhang“ von Zölibat und Missbrauch

Von Felizitas Küble

In der erneut aufgeflammten Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird der Zölibat vielfach direkt oder indirekt als Ursache für pädosexuelle Verfehlungen angesehen; zumindest wird die priesterliche Ehelosigkeit mit Hinweis auf diverse Vorfälle infrage gestellt, teils auch von Kirchenvertretern.

Diese Würdenträger sollten den Fokus stattdessen auf die mangelnde Wahrnehmung der bischöflichen Aufsichtspflicht richten.

BILD: Katholische Priester bei der Feier einer hl. Messe

Die Frage steht gleichwohl im Raum: Gibt es ein Ursache-Wirkung-Verhältnis oder besteht zumindest ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den entsetzlichen Vorfällen von Kinderschändungen durch Kleriker?

Von fachlicher Seite – zumal von Gerichtspsychiatern  –  wird dieser Kontext schon seit längerem bestritten; hierzu einige Beispiele:

Dr. Norbert Leygraf, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, erklärte am 23. August 2010 gegenüber dem „Deutschlandradio“, niemand werde durch den Zölibat pädosexuell geprägt, zumal diese Neigung bereits während der Pubertät entstehe, das Zölibatsversprechen hingegen erst viel später erfolge.

Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch herzustellen.

Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, dass abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich stark vertreten seien: „Irgendwelche Studien, die belegen würden, dass sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.“

(Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-sind-ja-ueberwiegend-altfaelle.1008.de.html?dram:article_id=163438)

Evangelischer Forensiker: Zölibat keine Ursache für Missbrauch

Der bekannte Forensiker Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber erklärte bereits  zu Beginn der öffentlichen Missbrauchsdebatte im Februar 2010, dass katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Missbrauchstätern zu werden.

Der evangelische Kriminal-Psychiater Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“ und Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein kath. Priester zum Missbrauchs-Täter wird, 36 mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.

BILD: Kardinal Müller weiht einen jungen Mann zum Priester

In einem Artikel der Tageszeitung „Die Welt“ vom 3.4.2010 heißt es, die Lebensform Zölibat habe „mit dem Missbrauch von Kindern nichts zu tun.“ Als Beleg wird Professor Kröber zitiert: „Statistisch gesehen wird man eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil.“ 

(Quelle: https://www.welt.de/debatte/article7038687/Der-Zoelibat-ist-eine-Liebesbeziehung.html)

Ähnlich argumentiert der katholische Publizist und Psychotherapeut Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010:

„Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmissbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“

Bei der erwähnten Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongress: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Missbrauch.

Prof. Nedopil: Beherrschung reduziert das Verlangen

Auch Prof. Dr. Norbert Nedopil wies im März 2010 in diversen Talksendungen die weitverbreiteten Unterstellungen gegen den Zölibat zurück. Der Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universität München (LMU) erklärte, die religiös begründete, freiwillige Ehelosigkeit senke das Risiko, zum Sexualtäter zu werden: „Wenn man Sexualität einschränkt, dann sinkt auch das Verlangen danach.“

Prof. Dr. Christian Pfeiffer nimmt den Zölibat ebenfalls gegen den Vorwurf der Begünstigung pädosexueller Taten in Schutz: Der evangelische Kriminologe und frühere SPD-Justizminister von Niedersachsen ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

In einem Gastbeitrag für die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ stellte er klar, dass der statistische Anteil der Priester an den Missbrauchsfällen exakt 0,1 % beträge, also 1 Promille. Obwohl es überall Dunkelziffern gibt, rechnet er bei Priestern „für alle Fälle“ eine dreifach so hohe Dunkelziffer wie sonst, was dann 0,3% ergäbe, folglich drei Promille.

Auch dieser Experte stellt fest, dass selbst bei hochgerechneter Dunkelziffer der Priester-Anteil im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt sehr gering sei, ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch daher nicht erkennbar.

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-drei-promille-aller-taeter-1.24359)

„Zartbitter“-Chefin: Anti-Zölibats-Debatte kontraproduktiv

Neben Gerichtspsychiatern haben sich auch Fachleute aus dem Beratungsspektrum zu dieser strittigen Frage zu Wort gemeldet.

Das Problem von Missbrauchstätern in eigenen Reihen betrifft nach Meinung der Kölner Expertin Ursula Enders beide großen Kirchen in Deutschland in gleich starker Weise:

„Die evangelische Kirche hat sich lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt, `bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat`“ sagte die Therapeutin bei der Fachtagung „Missbrauch in Institutionen“ Anfang Juni 2012 in Hamburg. Das sei jedoch ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun“, so die Leiterin von „Zartbitter“, einer Einrichtung gegen sexuellen Missbrauch in Köln. 

Enders betonte, ihrer Beobachtung zufolge komme das Problem in der evangelischen Kirche nicht seltener vor. Nachdem diese lange die Augen vor dem Thema verschlossen habe, würden jetzt verstärkt Fälle in protestantischen Einrichtungen bekannt. 

Die Kirchen seien vom Thema sexualisierte Gewalt nicht stärker betroffen als etwa Sportvereine, Schulen oder das familiäre Umfeld, sagte die Expertin.

Zu den Risikofaktoren zähle, dass Täter häufig die Maske des sozial Engagierten trügen. Gerade in sozialen Einrichtungen gebe es den Typus des „Dauerjugendlichen“, erklärte Enders: „Das ist niemals gut für Kinder.“ Diesen Typus habe sie vor allem in evangelischen Kirchengemeinden erlebt.

(Quelle: https://www.kath.ch/newsd/deutsche-therapeutin-missbrauch-hat-wenig-mit-zoelibat-zu-tun/)

Ergänzend dazu folgen Äußerungen von Ursula Enders aus ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 15. März 2010 speziell zum Dauerbrenner Zölibat:

„So kritisch man dem Zölibat gegenüberstehen mag, die breite Erfahrung von Zartbitter entlarvt die Reduzierung der Täterschaft auf zölibatäre katholische Priester als Mythos, der zu einer grundlegenden Vernachlässigung eines ausreichenden Schutzes von Mädchen und Jungen vor sexuellen Grenzverletzungen führen kann.

Eine allzu einseitige Diskussion über das Zölibat lenkt ab von dem großen Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen, kommerziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche (Ballett, Ferienreisen, Musikunterricht).

Folglich ist die mit großer Heftigkeit geführte aktuelle Diskussion über das Zölibat im Sinne des Kinderschutzes kontraproduktiv.

Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (zum Beispiel der evangelischen Kirche, den Zeugen Jehovas, dem Islam) verkünden häufig mit einem trügerischen Seufzer der Erleichterung: „Bei uns sind die Geistlichen verheiratet und unsere Kinder somit vor Missbrauch durch Geistliche sicher“.  – Derart „naive“ Gläubige werden nicht selten mit der bitteren Realität konfrontiert, dass ein vermeintlich ungefährlicher, heterosexuell lebender Geistlicher oder Laienhelfer Mädchen und/oder Jungen missbraucht hat!

Die Beratungsarbeit von Zartbitter Köln in den letzten 25 Jahren hat deutlich gemacht, dass auch der Missbrauch innerhalb kirchlicher Institutionen vorrangig von heterosexuell lebenden Tätern und Täterinnen verübt wird, die sich in kirchlichen Institutionen als Gemeindereferenten, Diakone, Gruppenleiterinnen, Jugendbetreuer, jugendlichen Messdienerführer, Koch auf Ferienfreizeiten etc. engagieren.“

(Quelle: http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Fachinformationen/6510_mythos_zoelibat.php)

Fakten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Im Jahre 2012 wurde in Medien berichtet, laut polizeilicher Kriminalstatistik hätten in Deutschland die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern wieder deutlich zugenommen.

Allgemein stieg damals die Zahl der registrierten Sexualdelikte um 5%, der Besitz von Kinderpornografie sogar um dramatische 23%.

Dazu schrieb die Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Nr. 42/2012, Seite 2):

„Während die Kirchen das Thema in den vergangenen Jahren stark aufgegriffen haben und die Fälle, die fast alle aus der Vergangenheit stammen, aufarbeiten, ändert sich in der „weltlichen“ Bevölkerung am sexuellen Missbrauchsverhalten offenbar gar nichts. Das aufklärerische Vorbild der sonst so viel gescholtenen Kirche und die damit medial aufgebauschte Debatte haben auf das allgemeine gesellschaftliche Verhalten da offenbar überhaupt keinen reinigenden Einfluss.“

Zum Thema „aufgebauschte“ Debatte gehört auch der ständige Vorwurf gegen den Zölibat in vielen Medien.

Interessanterweise hat hierzu die staatliche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“  –  die ansonsten nicht gerade für „konservative“ Äußerungen bekannt ist – Stellung bezogen.

Unter dem Titel „Sexueller Missbrauch in Fallzahlen der Kriminalstatistik“ wird in einem Internet-Bericht klargestellt, dass der Zölibat weder direkt noch indirekt als Ursache für sexuelle Übergriffe anzusehen sei.

Im Kapitel „Risikofaktor Zölibat?“ heißt es darin, in der Öffentlichkeit sei „der Eindruck entstanden, dass katholische Kinder, die in ihren Kirchengemeinden beispielsweise als Ministranten tätig sind, ein besonders hohes Risiko haben könnten, Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zu werden. Verschiedentlich wurde die These aufgestellt, der Zölibat sei mitverantwortlich für einen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und Ordensangehörige.“

Die erwähnte Ausarbeitung kommt nun auf die Fakten zu sprechen:

„Die bisher bekannt gewordenen Fakten scheinen allerdings nicht dafür zu sprechen, dass diese Einschätzungen zutreffen. So hat der „Spiegel“ Anfang Februar 2000 bei allen 27 Diözesen Deutschlands nachgefragt, wie viele Priester oder kirchlich angestellte Laien in ihrem jeweiligen Amtsgebiet seit 1995 als Tatverdächtige oder Verurteilte dieses Deliktes registriert worden sind. 24 Diözesen haben geantwortet. Stellt man die dort ermittelten Zahlen den polizeilich ermittelten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs für die Jahre 1995-2009 gegenüber, so entfiele auf die katholischen Priester ein Anteil von 0,1%.“

In der betreffenden Fußnote wird zudem angemerkt:

„Wenn man die dort benannten sieben Laien streicht, ergeben sich 117 verdächtige Priester – im Durchschnitt pro Bistum also 4,9. Unterstellt man ferner für die drei fehlenden Bistümer sicherheitshalber jeweils eine doppelt so große Zahl, also 30 weitere Personen, errechnet sich eine Gesamtzahl von 147 Priestern, die in den 15 Jahren bundesweit von der Polizei als Tatverdächtige registriert worden sind. Dem steht gegenüber, dass in Deutschland zwischen 1995 und 2008 die Zahl der polizeilich erfassten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs insgesamt 128.946 betrug. Rechnet man für 2009 den Durchschnittswert dieser 14 Jahre hinzu, ergibt sich für die 15 Jahre eine Gesamtzahl von rund 138.000.“

Außerdem stellt diese Analyse klar, dass die Theorie, wonach zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch ein Zusammenhang bestände, auch rein psychologisch gesehen nicht haltbar sei, weil die pädophile Prägung  – also die sexuelle Orientierung an Kindern – weitaus früher ansetzt als eine im Erwachsenenalter erfolgte Entscheidung für den Zölibat. Hierzu heißt es:

„Zweifel ergeben sich ferner an der These, dass katholische Priester durch den Zölibat ein deutlich erhöhtes Risiko hätten, Täter des Missbrauchs zu werden. Gegen diese Annahme spricht zunächst, dass es sich bei einem Teil der Täter um pädophile Männer handeln müsste, also um Personen, deren sexuelle Präferenz sich zeitlebens auf Kinder richtet. Bei ihnen kann die spätere Entscheidung, als Priester eine Keuschheitsverpflichtung einzugehen, ihre sexuelle Grundorientierung also nicht befördert haben.“

(Quelle: http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1348)

Feministische Historikerin verteidigt den Zölibat

Die weitverbreitete Vorstellung von einem angeblichen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch erhielt zudem Widerspruch von feministischer Seite. So wendet sich die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog, Autorin der wissenschaftlichen Studie „Die Politisierung der Lust“, ausdrücklich gegen die Verdächtigung dieser Lebensweise. index

Das „Deutschlandradio“ führte am 14. März 2010 ein ausführliches Gespräch über „Pädophilie und Pädagogik“ mit der Autorin aus New York, die in ihren Forschungen vor allem den Umgang mit Missbrauchsverbrechen in den USA und Irland untersuchte.

Frau Prof. Herzog wurde in dem Interview gefragt, was sie von der Ansicht des Hamburger Weihbischofs Jaschke halte, wonach der Zölibat eine Anziehungskraft für sexuell Fehlgeleitete ausübe.

Die Antwort der Historikerin: „Ich finde, daß das falsch ist.“ –  Es gäbe schließlich zahllose Männer, die mit dem Zölibat gut klarkämen.

Sexuelle Übergriffe kämen zudem auch in Familien und im linken Spektrum vor, wobei sie an die Odenwaldschule erinnerte: Dort habe man sich sogar bewußt die antiken Zeiten Griechenlands mit ihrem Päderastentum bzw. der sog. „Knabenliebe“ zum Vorbild genommen.

Die Geschichtswissenschaftlerin widersprach überdies jener vulgärpsychologischen „Dampfkessel-Theorie“, die besagt, eine Unterdrückung sexueller Triebe führe zu Fehlformen, krankhafter Sexualität, Machtrausch und Aggressionen  –  eine These, die nicht zuletzt auf Wilhelm Reich zurückgeht, einen Vordenker der „sexuellen Befreiung“.

Dagmar Herzog weist diese These zurück, denn sie sei falsch und gerade durch die NS-Diktatur widerlegt: Damals habe eine  –  im Vergleich zur Zeit davor – größere sexuelle Freizügigkeit geherrscht, gleichzeitig gab es aber auch eine Zunahme an Machtgier und Aggressionen. Die Sexual-„Moral“ der Nazis sei insgesamt nicht konservativ, sondern liberal gewesen.

Hierüber verfasste die feministische Autorin 2005 eine faktenreiche Studie mit dem Titel „Die Politisierung der Lust“ (Siedler-Verlag), worin sie analysiert, dass die NS-Zeit zu einer „Fortschreibung, Ausweitung und Intensivierung der bereits vorhandenen liberalisierenden Tendenzen“ führte. So haben die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten z. B. die Strafbarkeit des Ehebruchs reduziert und voreheliche Sexualität propagiert.

Diese Stellungnahmen von Expertenseite  – seien es Psychiater, Historiker, Forensiker oder Therapeuten  –  widerlegen die in vielen Medien und bisweilen auch in kirchlichen Kreisen aufgestellte These, der Zölibat sei eine oder gar die maßgebliche Ursache für Missbrauch bzw. es bestehe ein erkennbarer Kontext zwischen beiden Aspekten.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom Oktober 2018

Weiteres Info hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/02/sogar-zdk-praesident-sternberg-stellt-klar-kein-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/


10 Kommentare on “Führende Experten widerlegen einen „Zusammenhang“ von Zölibat und Missbrauch”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Zeugen Jehovas „Ausstieg ins Leben“ – zwei ehemalige Zeugen Jehovas erzählen“Ausstieg ins Leben“ – zwei ehemalige Zeugen Jehovas erzählen

    https://www.sektenausstieg.net/sekten/14-zeugen-jehovas/12126-infosekta

    Ein Jubiläum, das die Zeugen Jehovas ganz schön alt aussehen lässt

    https://www.sektenausstieg.net/sekten/14-zeugen-jehovas/12125-jubilaeum-kassel-1948

    Rituelle Gewalt

    https://www.sektenausstieg.net/sekten/12111-rituelle-gewalt

    https://www.sektenausstieg.net/

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  2. Gast 4 sagt:

    Quelle : https://www.griess.st1.at/Missbrauch%20und%20Zoelibat.htm

    Hat der Missbrauch durch Priester wirklich nichts mit dem Zölibat zu tun?

    Dies wird von kirchlicher Seite gebetsmühlenartig immer wieder behauptet, wobei man sich auf wissenschaftliche Gutachten stützt, die besagen, dass ein normal veranlagter Mann nicht des Zölibats wegen zum Pädophilen wird, und außerdem heißt es, die meisten Missbräuche würden ja ohnehin von Verheirateten, meist Verwandten verübt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

    Nach Aussage von Msgr. Charles Scicluna, einem offiziellem Sprecher der Glaubenskongregation, gehen nämlich weltweit nur 10% der Missbrauchsfälle durch Kleriker auf Pädophilie zurück, hingegen 60% auf sexuelle Anziehung zu männlichen Jugendlichen und 30% auf heterosexuelle Beziehungen. Insgesamt seien der Glaubenskongregation, seitdem sie 2001 diese Agenden übernahm, 3000 Missbrauchsfälle bekannt. (Quelle: http://ncronline.org/news/accountability/cdf-official-details-response-sex-abuse ) In 90% der Missbrauchsfälle handelt es sich also um Ephebophilie bzw. Parthenophilie, die mit zunehmendem Alter der Opfer ja kaum mehr von normaler Homo- bzw. Heterosexualität unterscheidbar ist. Der hohe Prozentsatz, der durch sexuelle Anziehung zu männlichen Jugendlichen veranlassten Missbräuche ist natürlich darauf zurückzuführen, dass aus nahe liegenden Gründen ein überdurchschnittlicher Anteil der Priester homosexuell ist und/oder dass durch die Seminarerziehung hauptsächlich das Fernhalten von Frauen zur Pflicht gemacht wird.

    Im Wiener Priesterseminar werden bis zu 60% der Bewerber abgewiesen. Dies zeigt, dass das Streben von ungeeigneten Kandidaten, u.a. Pädophilen, nach diesem Beruf sehr stark ist. Zweifellos würde bei einer Aufhebung des Pflichtzölibats der prozentuelle Anteil an pädophilen Bewerbern um das Priesteramt sinken. Aber die krankhafte Pädophilie ist, wie gesagt, nicht das Hauptproblem.

    Innerhalb der katholischen Kirche Österreichs wurden in letzter Zeit 17 Missbrauchsfälle registriert, gegenüber 510 Fällen außerhalb der Kirche im selben Zeitraum. (Quelle: http://www.katholisch.at/content/site/dossiers/article/51123.html ). 17 von 510 sind 3.33 %. Aber nur etwa 0.1% der erwachsenen Männer sind Priester. Daraus ergibt sich, dass Priester etwa 33 Mal eher zu Tätern wurden als durchschnittliche Männer. Laut einem Interview der „Furche“ mit Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin vom 12. Februar 2004 gelten ähnliche Zahlen auch für Irland. Auch wenn man berücksichtigt, dass nicht alle Täter innerhalb der Kirche Priester waren und diese Relation daher statt 33 vielleicht nur 25 beträgt, ist das Ergebnis dennoch erschütternd.

    Unter sexuellem Missbrauch in obigem Sinn werden gewöhnlich nur krasse Fälle verstanden, wo es zum Beispiel zur Berührung oder Betrachten von Genitalien oder Ärgerem kommt. Auch eine Broschüre der Erzdiözese Wien zu diesem Thema erwähnt zwar vage auch psychischen oder emotionellen Missbauch, aber dann ist nur mehr von diesen krassen Fällen die Rede (Quelle: http://stephanscom.at/service/dokumente/verhinderungvonmissbrauch.pdf ). Gerade die Kirche sollte doch wissen, dass der Mensch auch eine Seele hat. Diese Broschüre gehört dringend überarbeitet.

    Ich habe ungehöriges Verhalten von Priestern erlebt, das Jugendlichen emotionell schadete und bei dem ich überzeugt bin, dass es nicht vorgekommen wäre, hätten diese Priester Familien gehabt.

    Robert Bilgeri schreibt „Aus einer Metaperspektive lässt sich fragen, ob nicht auch die schuldig gewordenen Kleriker ‚Opfer’ eines Lehramtes und Keuschheitsgelübdes sind, welches ihre Sexualität aus ihrer persönlichen Entwicklung abspaltet (siehe Diskussion um den Pflichtzölibat). Natürlich entschuldigt das erwachsene und verantwortliche Kleriker nicht, wenn sie als Männer nach den simplen, so genannten ‚Dampfkesselmodell’ ‚Druck ablassen’ – sei es aggressiver oder sexueller Art und noch dazu gegenüber Kindern und Jugendlichen. Braucht es nicht die Einnahme mehrerer Blickwinkel – auch von außen – auf das Gesamtsystem Kirche mit seiner totalitären, hierarchischen Machtstruktur und seinem rigiden Lehramt, das in ethischen Fragen mit der Entwicklung der Humanwissenschaften nicht standhält?“

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      Diese Ihre Betrachtung lässt aufhorchen:

      „Innerhalb der katholischen Kirche Österreichs wurden in letzter Zeit 17 Missbrauchsfälle registriert, gegenüber 510 Fällen außerhalb der Kirche im selben Zeitraum. (Quelle: http://www.katholisch.at/content/site/dossiers/article/51123.html ). 17 von 510 sind 3.33 %. Aber nur etwa 0.1% der erwachsenen Männer sind Priester. Daraus ergibt sich, dass Priester etwa 33 Mal eher zu Tätern wurden als durchschnittliche Männer. Laut einem Interview der „Furche“ mit Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin vom 12. Februar 2004 gelten ähnliche Zahlen auch für Irland. Auch wenn man berücksichtigt, dass nicht alle Täter innerhalb der Kirche Priester waren und diese Relation daher statt 33 vielleicht nur 25 beträgt, ist das Ergebnis dennoch erschütternd.“

      Für mich belegt das eindeutig im Zusammenhang mit der Abweisung von 60 % der Bewerber, dass sehr viele Priester schlicht die Gnadengabe der Ehelosigkeit nicht haben. Zumal diese Abweisungsraten sicher früher so nicht vorlagen, weil man da nicht so genau prüfte. Wer eine Gnadengabe versucht, zu verzwecken oder zur Bedingung für einen Dienst zu machen, handelt nicht nur wider die Freiheit des Heiligen Geistes, der weht wo und wie er will, sondern nimmt automatisch in Kauf, dass es entweder Bewerber gibt, die von vornherein wissen, dass sie die Gabe nicht haben, dies jedoch vortäuschen, um Priester werden zu können oder die sich diesbezüglich etwas vormachen, weil sie ja den Wunsch haben, Priester zu werden.

      Meines Erachtens ist das ganze klerikale System im Innersten falsch. Eine herausragende Auswirkung des Evangeliums ist, dass jeder Gläubige unmittelbar ohne „vermittelnde Priester“ Zugang zum Vater haben kann. Dieses Bild von Präsident John F. Kennedy und seinem Sohn ist eine wunderbare Analogie dazu, welche Nähe wir zu unserem himmlischen Vater haben können. Der kleine Mann sitzt unter dem Schreibtisch des mächtigsten Menschen seiner Zeit, der gleichzeitig sein Vater ist.

      Das heißt nicht, dass es nicht Priester gibt, die TROTZDEM gute Arbeit machen, weil Gott eben auch unsere Unvollkommenheit „nutzt“ und auf das Herz eines jeden Menschen schaut.

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  3. Bernhard sagt:

    „Nicht jeder Homosexuelle ist pädophil. Aber fast alle Pädophile sind homosexuell.“ – Das stimmt nicht ganz. Viele übergriffige Priester sind keine Pädophile, sondern Homosexuelle, die sich „Frischfleisch“ gesucht haben. Die meisten Opfer sind nicht Kinder vor der Pubertät, sondern männliche Jugendliche in der Pubertät.

    Ob Pädophile (d.h. Menschen, die sich ausschließlich zu vorpubertären Kindern hingezogen fühlen) mehrheitlich homosexuell sind, weiß ich nicht.

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      In der Regel haben die Opfer das gleiche Geschlecht wie die Täter und stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis. Es spielt letztlich keine Rolle, ob die minderjährigen Opfer sich vor, mitten drin oder nach der Pubertät befinden.

      Dass sich homosexuelle Priester an Minderjährigen vergreifen, ist der Skandal. Begriffe wie „Frischfleisch“ finde ich deplaziert.

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  4. Bernhard sagt:

    Es mag sein, dass sexuelle Übergriffe unter Priestern nicht mehr sind als in der Gesamtbevölkerung. Wobei man dort die Zahlen noch einmal genau studieren muss. Allerdings kann man von einer Institution, die so eine strenge Sexualmoral vertritt und von sich beansprucht, eine moralische Instanz zu sein, eine deutlich niedrigere Quote erwarten (ganz verhindern lassen sich Übergriffe nie).
    Wenn der Anteil von sexuellen Übergriffen bei Priestern genauso hoch ist wie im Rest der Bevölkerung, ist das dann nicht schon ein moralisches Versagen?

    Es ist mittlerweile klar, dass der Zölibat nicht direkt für Übergriffe verantwortlich ist (à la „die sind sexuell so ausgehungert, da schnappen sie sich das, was ihnen gerade in die Quere kommt“).
    Was in diesem Text aber nicht ausreichend behandelt wird ist die Frage, ob die zölibatäre Lebensweise nicht Männer anzieht, die sich mit ihrer Sexualität nicht auseinandersetzen oder ihre nicht normale Sexualität kaschieren wollen. Es findet sich da nur die die lapidare Aussage „Ich finde, daß das falsch ist.“ von jener Frau Prof. Herzog. Sie kann viel finden, aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass früher ein Junge aus sehr gläubigem Elternhaus, der an sich homosexuelle Neigungen bemerkt, sich öfter mal sagte „dann werde ich Priester, da fällt’s nicht auf“. Wenn ich auf Grund homosexueller Neigungen keine Familie gründen könnte und ein sehr rigides Elternhaus gehabt hätte, wäre vielleicht auch ich auf so eine Idee gekommen.

    Es bringt in der Tat nichts, wenn alle Welt (und mit Vorliebe auch evangelische Christen) auf Priester mit dem Finger zeigen. Und noch schlimmer ist es, wenn alle Priester in einen Topf geworfen werden. Andererseits hat die Kirche sich auch jüngst nicht mit Ruhm bekleckert, als sie die (selbst in Auftrag gegebene!) wissenschaftliche Aufarbeitung der Fälle behindert oder Akten vernichtet hat. Mir scheint, der Weg zur Ehrlichkeit ist auch für die Kirche als Institution noch ein weiter…

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      Hallo Bernhard,

      da ich kein „gefällt mir“ anklicken kann (ich kann es schon anklicken, aber da ich nicht registriert bin, hilft es nichts) möchte ich Ihnen auf diesem Weg grundsätzlich zustimmen.

      Natürlich ist es falsch, Priester pauschal zu verdächtigen. Aber die ganzen Vergleiche mit dem nicht katholischen Bereich sind sinnlos. Erst recht dann, wenn man sich für die unbefleckte (!) Braut Christi hält. Aber diesen Widerspruch zwischen Sein und Schein darf die katholische Kirche selbst auflösen. Ich muss es zum Glück nicht.

      Es dürfte aber kein Weg daran vorbeiführen, dass es einen höheren Anteil an homosexuell veranlagten Männern im Klerus gibt als irgendwo sonst. Und dass vor allem, wie Sie selbst zumindest fragen, ich aber behaupte, „die zölibatäre Lebensweise Männer anzieht, die sich mit ihrer Sexualität nicht auseinandersetzen oder ihre nicht normale Sexualität kaschieren wollen.“

      Meine Schwägerin hat eine Zeitlang kath. Theologie studiert und berichtet, dass fast keiner der Seminaristen in der Lage war, normal mit Frauen umzugehen. Das ist jetzt über 25 Jahre her und vielleicht hat sich da was geändert. Allein mir fehlt der Glaube.

      Gefällt 1 Person

  5. Claus Stephan Merl sagt:

    Das Problem ist nicht, ob der Zölibat URSACHE für Pädophilie ist. Das Problem ist, ob sich bereits Pädophile für ein Leben im Zölibat entscheiden, weil der Zölibat insoweit eine Tarnung sein kann. Wir wissen, dass es der Zölibat für Homosexuelle diese Tarnung bietet. Das ist sicher nicht von Seiten der Kirche beabsichtigt, hat sich aber eben faktisch so herausgestellt.

    So behauptet der hier ja so allseits geschätzte (nicht von mir) Dr. David Berger, der Anteil homosexuell veranlagter Priester in der RKK sei signifikant höher als in der Gesamtgesellschaft und berichtete in seinem Buch von der homosexuellen Parallelwelt unter Priestern in Rom.

    https://www.youtube.com/watch?v=ofw8c1ccoVE hier etwa ab Minute 0:40

    Nicht jeder Homosexuelle ist pädophil. Aber fast alle Pädophile sind homosexuell. Und genau hier liegt das Problem.

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    • Nun ja, früher gab es natürlich die altbekannte Doppelmoral mit den „Dienstfrauen“ bzw. „Haushälterinnen“ der Priester und den Priester-Kindern, deren Behandlung durch die katholische Kirche schon immer eine bigotte Heuchelei und Verantwortungslosigkeit war…Ist es wirklich sinvoll, „päpstlicher als der Papst“ sein zu wollen und unehrlich und unbiblisch auf dem Pflicht-Zölibat zu bestehen, welches dann ja doch überwiegend nicht mehr eingehalten wird? Siehe auch Masturbation und Freundinnen und geheime Affären usw. Nicht ein jeder ist für die Ehelosigkeit gemacht…!
      Diese Pervertierung der priesterlichen Sexualität ist allerdings in diesem gewaltigen Ausmaß tatsächlich etwa Neues.
      Dieser massenhafte Kindesmissbrauch setzte in diesem Ausmaße meinen Erkenntnissen zufolge tatsächlich erst in den 60er und 70er Jahren ein, zunehmend mit der manipulativen Postmoderne als Zeitgeist und Ideologie der Globalisierung und unserer egomanen Medien-Gesellschaft seit der Medien-Privatisierung in den 80er Jahren und bis heute…der Höhepunkt ist nun leider als Gipfel dieser Entwicklung die Zwangs-Sexualisierung der Kinder durch den Sexualkundeunterricht und die Gender-Ideologie und Gender Mainstreaming nach Judith Butler….und den beiden Pädophilen Alfred Kinsey und John Money usw.
      Judith Reisman entlarvte deren Pädophilen-Ideologie und unwissenschaftliche Methoden!
      Sie wies den beiden unseriösen Wissenschaftlern Alfred Kinsey und John Money, auf deren Daten-Material sich die Gender Ideologin Judith Butler und auch die deutsche Emanziplations-Ideologin Alice Schwarzer stützte, sogar vorsätzlichen und systematischen Betrug bei Umfragen und Interviews und Statistiken nach. Siehe auch den Kinsey-Report und die Kinsey-Studies, die medial gehyped und akademisch propagiert wurden!

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Herr Jahndel, sind Sie es wieder? Das Pseudonym „Jason Klingor“ war wohl verbrannt.

        Der Pflichtzölibat, also das Zölibatsversprechen als Voraussetzung für einen geistlichen Dienst ist schlicht unbiblisch. Man findet das nirgendwo im Neuen Testament. Dort ist Ehelosigkeit eine Gabe, die der Eine hat und der Andere eben nicht, aber nie Bedingung für irgend etwas. Ebenso wie das Neue Testament keinen exklusiven Klerus kennt.

        Ob es nicht schon vor den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche gegeben hat, bleibt offen, solange es dazu keine belastbaren Daten gibt. Ich denke aber nicht, dass so etwas „plötzlich“ einsetzte wegen des Zeitgeistes. Es ist halt so, dass man früher nie gewagt hätte, etwas gegen die „hohen Herren“ zu sagen.

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