Zwei ehem. evangelische Pastoren werden am 28. Oktober in Augsburg zu Priestern geweiht

Bischof Dr. Konrad Zdarsa wird am Sonntag, dem 28. Oktober, zwei Diakone zu Priestern weihen. In einem feierlichen Pontifikalamt um 14.30 Uhr in der Rektoratskirche St. Sebastian in Augsburg werden André Schneider und Andreas Theurer (siehe Foto) das Sakrament der Priesterweihe empfangen.

André Schneider (44 J., verh., vier Kinder) war evang.-lutherischer Pfarrer in Erfurt. Er fühlte sich schon immer zum liturgischen und sakramentalen Leben hingezogen. Sein Primizspruch lautet: „Regnare Christum volumus!“  – Auf die Frage nach seinem Motiv für die Auswahl dieses Mottos erklärt er u.a.:

„Der Primizspruch bedeutet „Wir wollen, dass Christus herrscht, dass er König ist“. Die Kirche verkündigt uns Jesus Christus als König der Könige und Herrn aller Herren. Wo Gott aus dem Mittelpunkt verdrängt wird, gerät auch der Mensch schnell unter die Räder, das scheint mir eine zentrale Lehre aus den Schrecken des letzten Jahrhunderts zu sein.“

Andreas Theurer (51 J., verh., zwei Söhne) war 17 Jahre lang lutherischer Pfarrer, zuletzt im schwäbischen Göttelfingen.

Bei ihm sei, so erklärt er, die „Einsicht gereift, dass zur vollmächtigen Spendung der Sakramente vom biblischen und altkirchlichen Zeugnis her tatsächlich eine Priesterweihe nötig ist. Das war auch der wesentliche Grund für meine Konversion im Jahr 2012.“ – Ihm gehe es vor allem, so sagt er, „um die sakramentale Fülle der katholischen Kirche.“

Der Papst hat beiden evangelischen Ex-Pastoren  –  wie in solchen Fällen üblich  –    eine Dispens vom Zölibat erteilt, das heißt, sie dürfen ihre Ehe und Familie weiterführen.

Über den Konvertiten Andreas Theurer und die Gründe seines Übertritts zur katholischen Kirche haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits vor einigen Jahren acht Artikel veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/category/konvertit-andreas-theurer/

Quelle für Foto und Zitate: https://bistum-augsburg.de/Nachrichten/Bischof-Konrad-weiht-am-28.-Oktober-in-der-Rektoratskirche-St.-Sebastian-zwei-Diakone-zu-Priestern-_id_193654


14 Kommentare on “Zwei ehem. evangelische Pastoren werden am 28. Oktober in Augsburg zu Priestern geweiht”

  1. Monika Medel sagt:

    Hier etwas zum Hintergrund dieser Regelung: Ursprünglich musste sich ein protestantischer Pfarrer der konvertierte und katholischer Priester werden wollte von seiner Frau trennen. Im 19. Jahrhundert gab es nun einen gewaltigen Skandal. Ein Priester der Episkopalkirche (US-amerikanische Anglikaner) konvertierte ebenso wie seine Frau zur katholischen Kirche. Zuerst arbeitete er an einer Mädchenschule in Louisiana als Lehrer, aber er war damit nicht zufrieden. Die Frau wollte eigentlich die Ehe fortsetzen, aber in einer Krisensituation – ein Sohn war nach einem Unfall unter schrecklichen Qualen an Verbrennungen gestorben, erschien ihr das Leben ohnehin nicht mehr lebenswert und sie stimmte einer Trennung zu. Beide hielten sich danach in Rom auf. Für die dortigen Verantwortlichen war es nur denkbar, dass die Frau nunmehr ins Kloster geht. Ein klassisches Klosterleben war jedoch nichts für sie, so war sie bereit Vorsteherin eines neu gegründeten Schulordens in England zu werden, wo damals katholische Orden gerade erst wieder zugelassen wurden. Der Mann wurde nun zum Priester geweiht. Beide hatten sich das Ganze jedoch anders vorgestellt, sie dachten, sie könnten sich gelegentlich sehen, wie auch die KInder. Doch dies wurde rigide unterbunden. Der Mann wurde mit der Situation nicht fertig, kehrte zur anglikanischen Kirche zurück und forderte gerichtlich seine Frau zurück. Die aber weigerte sich, obwohl sie zugab, gelegentlich gerne an an das Eheleben mit all seinen Aspekten zurückzudenken – aber sie hatte diesem Weg nun zugestimmt, und dabei wollte sie bleiben. Der Prozess wurde ein Riesenspektakel, zuletzt verlor der Mann. Er polemisierte aber den Rest seines Lebens gegen die katholische Kirche, die sein Familienleben zerstört hätte. Die beiden Kinder trugen offenbar seelische Schäden davon. Aus diesem Grund wurde die heutige Regelung eingeführt.

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    • Claus Stephan Merl sagt:

      Nahe liegend und gerecht wäre es sicher nie, die Trennung des Ehepaars zu verlangen, sondern halt festzustellen, dass wegen des nicht möglichen Zölibats die Priesterweihe zu versagen ist.

      Inwiefern Ihre Hintergrundgeschichte zutrifft, würde ich gerne selbst prüfen. Können Sie mir dazu eine Quelle liefern?

      Hier fand ich noch zwei interessante Artikel. Zuerst den hier:

      https://www.wp.de/wp-info/verheiratet-zwei-soehne-heute-katholischer-priester-id4314212.html

      Zitat daraus:

      „2007 wurde der ehemalige evangelische Pastor Gerhard Stille zum Priester geweiht. …
      Der Zölibat, da ist sich der gebürtige Niedersachse sicher, werde nicht ewig währen. Er sei keine kluge Einrichtung. Er funktioniere nicht. Da brauche man noch nicht ein Mal über Kindesmissbrauch zu sprechen. Und Stille weiß auch, warum: „Weil Priester eben auch nur Menschen sind.“

      Und dann den hier:

      https://www.cicero.de/kultur/priester-bittet-um-befreiung-vom-zoelibat-ich-will-kein-doppelleben-fuehren/57520

      Zitat daraus:

      „So, wie evangelische oder anglikanische Pfarrer, die zum katholischen Glauben konvertieren, auch weiterhin in der Ehe leben dürfen, so möchte ich, dass diese Möglichkeit auch katholischen Pfarrern zusteht. Die Konvertiten bekommen eine Dispens und werden „nachgeweiht“. … Für mich ist klar: Ich möchte kein Doppelleben führen, ich möchte nicht so nebenher eine Freundin haben. Dagegen würde niemand was sagen, viele machen das nämlich so. … , viele haben Freundinnen nebenher oder sind homosexuell und haben dann wiederum mit ganz anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Das ist natürlich nach wie vor ein Tabuthema. Einige leben mit ihren Haushälterinnen. Ich bin kein Freund dieser Mauschelverhältnisse. Ich möchte klare Verhältnisse. Der Psychotherapeut Wunibald Müller hat unzählige Priester begleitet und auch vor Weihnachten in einem offenen Brief Papst Franziskus um Freistellung des Zölibates gebeten.“

      Letztlich stellt der Pflichtzölibat für alle diejenigen, die eben nicht die Gnadengabe der Ehelosigkeit haben, eine unzumutbare Überforderung dar. Und es bleibt einfach ungerecht, den konvertierten Priesterkandidaten einen Dispens zu erteilen, den katholischen Priestern und Priesteranwärtern diesen aber zu versagen.

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      • dorothea sagt:

        Die müssen ja nicht unbedingt Priester werden, sie können auch Diakon werden. Sie dürfen Wortgottesdienste abhalten, Taufen und noch vieles andere und können heiraten…Muß man alles verändern? Ich kenne auch Priester, die eine Freundin haben, das ist nicht in Ordnung, denn sie haben sich für die Ehelosigkeit entschieden, sodass Sie „alleine“ für die Menschen und für den Lieben Gott da sind. Sind sie verheiratet, müssen Sie in erster Linie für Kinder und Ehepartner da sein. Aber ich kenne auch viele Priester die Die das Zölibat leben,sind ganz besondere Priester. Wir Verheiratete müssen auch die Treue einhalten und eine Ehe zu leben, ist auch nicht einfach, viele Ehepartner sind auch einsam. Ich kenne sogar einen Priester, der hat sein Priesteramt abgelegt und heiratete eine „geschiedene Frau mit Kindern“, inzwischen ist er selber geschieden. Wer das Zölibat nicht leben kann, ist nicht geeignet als Priester, wir müssen nicht evangelisch werden, das nächste wäre dann wieder, dass die Frauen Priesterinnen werden, und so schleicht sich der Zeitgeist ein. Und die Kirchen werden auch nicht voller.

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      • Monika Medel sagt:

        Sehr geehrter Herr Merl, über die Begebenheit gibt es ein m.E. gut recherchiertes Buch, welches ich vor einiger Zeit in der Stadtbücherei Reutlingen entliehen hatte, es hat mich damals sehr ergriffen. Ich werde in den nächsten Tagen versuchen es dort wieder aufzufinden – hoffentlich ist es nicht ausgesondert – und kann Ihnen dann die genaue Quelle angeben.

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  2. Claus Stephan Merl sagt:

    Für diese ehemaligen evangelischen Pfarrer ist das Ganze sehr vorteilhaft. Sie können ihre Ehe weiterführen und werden/sind trotzdem Priester, während die schon immer katholisch gewesenen Seminaristen auf die Ehe verzichten müssen.

    Hält das eigentlich irgend jemand für fair? Oder soll das gerade besonders werbewirksam sein, um solche Konversionen zu bewirken oder zumindest zu erleichtern?

    Ich erinnere hier auch an Klaus Berger, der zwar „heimlich“ immer schon Katholik war, aber gerne den Anschein für sich nutzte, evangelisch zu sein und offiziell erst zum Katholizismus konvertierte, als er im Ruhestand war, der wie zuvor seine Professur von den treuen evangelischen Kirchensteuerzahlern mit finanziert wird. Bauernschlau war das natürlich, aber ob es in Ordnung war, ist mehr als fragwürdig. Berger ist selbstredend in zweiter Ehe verheiratet.

    Da ergeben sich für Herrn Theurer und Herrn Schneider noch ganz ungeahnte Perspektiven.

    Aber Winkelzüge dieser Art sind dem Katholizismus ja nicht fremd. So gilt ja eigentlich die Unauflöslichkeit der Ehe. Wenn man es aber geschickt anstellt und erst mal nicht kirchlich heiratet, dann kann man bedenkenlos den nur zivil getrauten Ehepartner verlassen und erneut einen anderen Ehepartner kirchlich heiraten. Oder man lässt sich genau beraten, wie man vortragen und beweisen muss, um die erste Ehe als ungültig darzustellen. In der Verwandtschaft meiner Frau konnten wir einen solchen Fall live miterleben. Der Mann wollte die Scheidung und die nachfolgende Ungültigkeitserklärung. Die Frau hat dann aus einer ehelichen Restsolidarität heraus die Angaben des Mannes bestätigt, von denen er zuvor in Erfahrung gebracht hatte, dass sie regelmäßig erfolgreich sind. Heute ärgert sie sich darüber, weil das Ganze schon etwas arg konstruiert war.

    Ich weiß nicht, ob man sich Gott bei diesen Possen als einen Winkeladvokaten vorstellt, denn der Schöpfungsordnung, auf die sich Jesus Christus noch beruft, ist es ziemlich egal, ob ein katholischer Pfarrer der Eheschließung beiwohnte oder welches innerkirchliche Recht später deswegen gezimmert wurde.

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    • Guten Tag,
      als Nicht-Katholik müssen Sie sich nicht unbedingt den Kopf der katholischen Kirche zerbrechen, was Ausnahmeregelungen vom Zölibat anbelangt. Erstens ist der Pflichtzölibat laut katholischer Lehre nicht göttlichen Rechts, sondern Kirchengesetz, daher kann der Vatikan auch davon dispensieren. Das gilt übrigens nicht nur für einzelne Konvertiten, sondern sogar für die gesamte griechisch-katholische Kirche seit Jahrhunderten.
      Sodann geht es nicht um „Winkelzüge“, wie Sie unterstellen, sondern darum, auch die Ehe ernst zu nehmen und ihre Unauflöslichkeit zu respektieren, folglich auch die nun einmal bestehende Ehe ehem. evangelischer Pastoren.
      Zudem nehmen diese Konvertiten ohnehin schon erhebliche Nachteile in Kauf, denn sie geben ihre gut-dotierte evang. Pfarrstelle auf, verlassen ihre Gemeinde und wissen durchaus nicht sicher, ob sie nach einigen Jahren des Studiums tatsächlich zum katholischen Priester geweiht werden.
      Was den Fall Prof. Berger betrifft, so wird das Professorengehalt auch von Theologen an staatl. Fakultären meines Wissens vom Staat bezahlt, nicht von der Kirche, somit auch nicht vom Kirchensteuerzahler. Abgesehen davon sind hier im CHRISTLICHEN FORUM mehrere kritische Beiträge über Klaus Berger und seine theol. Äußerungen erschienen. Ich selber habe mit ihm schon vor Jahrzehnten einen kritischen Briefwechsel geführt.
      Zu dem Annullierungsfall, den Sie erwähnen: Das kirchliche Ehegericht kann sich nur auf das stützen, was ihm berichtet wird – und muß sich auf die Glaubwürdigkeit der Zeugnisse verlassen. Was soll es sonst tun? Das hat erneut mit „Winkelzügen“ nichts zu tun. Geschiedene sollten keine falschen Angaben machen, auch nicht aus emotionaler Rest-Solidarität etc.
      Ein Annullierungswilliger, der methodisch nicht ehrlich vorgeht, kann zwar das bischöfliche Offizialat täuschen, nicht jedoch den Allmächtigen, der alles weiß und sieht.
      Die Verantwortung liegt somit bei ihm oder ihr, nicht beim kirchlichen Gericht. Eine unter falschen Voraussetzungen geführte Annullation ist ungültig.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • dorothea sagt:

        Ich finde es nicht richtig, dass verheiratete Pastoren zu Priester geweiht werden.

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      • Guten Tag,
        das brauchen Sie auch nicht richtig finden, aber darüber entscheidet nun einmal die Kirche. Der Zölibat ist ein Kirchengesetz, kein Dogma, daher kann und darf es über dieses Thema auch unter rechtgläubigen Katholiken verschiedene Ansichten geben.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Liebe Frau Küble.

        zuerst fällt mir gleich mal der erste typisch katholische Reflex bei Ihnen auf, wonach Nichtkatholiken möglichst zu „katholischen Interna“ nicht sagen sollen. Die Sache hat aber mehrere Haken:

        1. Sie selbst stellen ja den gesamten Vorgang zur Diskussion in Ihrem blog.
        2. Die katholische Kirche hält sich ja für die von Christus gestiftete Kirche. Da sollte es dann schon gerecht zugehen, finden Sie nicht? Also sind auch deswegen kritische Nachfragen erlaubt.
        3. Die katholische Kirche nimmt es sich selbstverständlich heraus zu allem und jedem ihren Senf dazu zu geben. Dann gilt das Gleiche auch anders herum:
        4. Ich kann es Ihnen auch hier nicht ersparen: Die katholische Kirche war nie besonders gut darin, Probleme in den eigenen Reihen zu lösen. Siehe: Mißbrauchskandal. Da muss ihr von weltlicher Stelle auf die Finger geklopft werden.

        Dass etwas nicht göttliches, sondern „nur“ kirchliches Recht ist, zeigt wie wenig man von dem hält, was Jesus Christus selbst sagt: Danach unterfällt ausnahmslos ALLES, was Christen tun, Gottes Wille. Und der Zölibat ist halt nicht nur eine verwaltungstechnische Frage.

        Das mit den „Winkelzügen“ ist katholische Realität. Das können Sie in katholischen Kreisen sehr schnell heraus finden. Woher kommt wohl diese Mißbrauchsanfälligkeit? Ist sie möglicherweise im System angelegt? Aus einer rein pragmatischen Sichtweise heraus müsste ich sofort wieder Katholik werden. Keine andere christliche Kirche bietet mir eine derart rechtlich abgesicherte Grundversorgung, deren geschickte Ingebrauchnahme mir eigentlich den Himmel garantieren müsste. Bloß kann ich halt beim besten Willen nicht glauben, dass das alles von Gott so gewollt ist.

        Was die Eheannullierungen betrifft:

        Es ist katholische Realität, dass sie sehr schnell herausfinden, welche Pfarrer sich damit gut auskennen und ihnen die entscheidenden Tips geben. Denn für viele katholische Pfarrer ist das Dogma der Unauflösbarkeit der Ehe lästig. Außerdem wollen sie geschiedene und wieder verheiratet Eheleute nicht verlieren. Also unterstützen sie tatkräftig Annullierungsanträge.

        Und die Bistümer wissen das auch.

        Dass man Gott nicht austricksen kann – und zwar egal, worum es geht – versteht sich von selbst. Um diese Frage ging es mir hier aber nicht. Sondern nur um die Inkonsistenz katholischer Praxis.

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      • Guten Tag,
        Ihre Antwort wirkt auf mich etwas überempfindlich. Seit Jahren veröffentliche ich Ihre kritischen und mitunter ziemlich bissigen Kommentare über innerkatholische Themen, ohne zu schreiben, als Nicht-Katholik sollten Sie das besser unterlassen. Wenn aber der Vatikan bei einem kirchlichen Gesetz eine Ausnahmeregelung zuläßt, ist das sein gutes Recht, weil es sich beim Pflichtzölibat nicht um ein Dogma und nicht um ein göttliches Gebot handelt, sondern um eine Einrichtung „kirchlichen Rechtes“. Gerade als Kritiker des Pflichtzölibats sollte es Ihnen doch recht sein, wenn die Kirche selber erklärt, diese Regelung der katholischen WEST-Kirche sei kein Dogma – das heißt: die Kirche könnte es selber ändern. (Ich schrieb doch bereits, daß es noch „Ausnahmen“ von ganz anderem Kaliber gibt als „nur“ Einzelfälle von Konversionen: nämlich die gesamte griechisch-katholische Kirche, deren Priester verheiratet sein dürfen – und das seit Jahrhunderten.)
        Natürlich wird auch in der Bibel zwischen göttlichem und kirchlichem Recht unterschieden, etwa wenn Paulus betont: „Nicht ich, sondern der HERR sagt“ – oder umgekehrt: „Nicht der HERR sagt, sondern ich schreibe…“
        Annullierungen: Wie wollen Sie denn, wenn Sie ein Ehegericht leiten würden, herausfinden, ob die Angaben stimmen oder getrickst sind? Oder soll man sich auf eidesstattliche Erklärungen nicht mehr verlassen dürfen? – Wenn jemand eine solche Erklärung „gefälligkeitshalber“ für seinen Ex-Partner abgibt, dann ist das objektiv ein schwerwiegender Fehler. Das gilt auch für einen Pfarrer, der diese unzulässige Täuschung wissentlich vorantreibt oder begünstigt. Nicht die klar geregelte Vorgehensweise kirchlicher Ehegerichte an sich ist das Problem, sondern ggf. die Tricksereien der „Parteien“.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Hallo dorothea,

        wäre ich Katholik, würde ich das genauso sehen.

        Der Einwand von Frau Küble, der Zölibat sei nur änderbares Kirchenrecht, trifft VIELLEICHT – nachdem Johannes Paul II. in einer Weise, die einer ex cathedra Entscheidung eigentlich entspricht, den Zölibat zementiert hat – noch in der Theorie zu. Es ist aber mittlerweile so, dass man vom Pflichtzölibat als Regelfall de facto nicht mehr abweichen kann. Denn das katholische Priesteramt fußt ja auf dem Gedanken, dass der Priester a) Jesus Christus repräsentiere, und b) dass der Zölibat DER Prüfstein dafür ist, dass der Priester bereit ist, ALLES um Jesu Willen zu verlassen. Das ist eine innere Legitimation, die zerstört werden würde, wenn der Zölibat insgesamt aufgehoben werden würde.

        Eine Ausnahme für konvertierte Protestanten ist auch deshalb eigentlich nicht zu rechtfertigen. Man versucht aber, das bei den konvertierten verheirateten Priestern dadurch zu kompensieren, dass sie nicht zur Gemeindeleitung eingesetzt werden.

        Das ist aber nicht weiter schlimm, haben wir ja genug katholische Priester, die inoffiziell mit einer Partnerin (oder noch schlimmer, einem Partner) liiert sind …

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      • Claus Stephan Merl sagt:

        Liebe Frau Küble.

        diese Behauptung finde ich einfach nur drollig, wenngleich sie exemplarisch ist für den Umgang des Katholizismus mit dem NT:

        „Natürlich wird auch in der Bibel zwischen göttlichem und kirchlichem Recht unterschieden, etwa wenn Paulus betont: „Nicht ich, sondern der HERR sagt“ – oder umgekehrt: „Nicht der HERR sagt, sondern ich schreibe…“

        Dazu in aller Kürze:

        1. Wo spricht Paulus hier von einem Kirchengesetz?
        2. Wer 1. Kor. 7 genau liest, wird unschwer erkennen, dass Paulus unterscheidet, ob ihm ein direktes Wort von Jesus Christus zu den dort behandelten Fragen überliefert wurde. Beim Wort Jesu redet er von Gebot. Wo er kein solches Wort hat, versucht er, sinnvolle Ratschläge zu geben. Bisweilen spricht er auch von Weisungen oder Zugeständnissen. Diese alle begründet er so, dass er ja auch Gottes Geist habe.
        3. Bei all dem stellt Paulus aber gerade keine allgemein gültigen Normen auf, sondern sieht sich vom Geist geführt und beansprucht insoweit pastorale Autorität in Einzelfragen.
        4. Die viele Jahrhunderte später von der RKK durchgeführte rigorose Verrechtlichung des Glaubens hatte Paulus nie im Sinn.
        5. Die Ratschläge und Weisungen des Paulus hier einfach mit kirchlichem Recht gleich zusetzen, ist deshalb schlicht historisch unhaltbar.

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    • ester769 sagt:

      Klaus Berger war von Haus aus Katholik, konvertierte dann aber in Hamburg, wurde Professor für evangelische Theologie, und konvertierte nach einem ewigen Hickhack nach seiner Emeritierung wiederrum zum Katholizismus https://www.zeit.de/online/2005/46/berger/berger_haupttext
      und ich muss sagen, dieses ewige Hin und Her nervt mich auch,
      vielleicht sollte die Kirche einfach mal zu irgendwas stehen und auch mal für ihre Überzeugungen gerade stehen, anstatt immer und immer Schlupflöcher aufzumachen.

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