Vor 200 Jahren entstand die STILLE NACHT

Das bekannteste Weihnachtslied der Welt

Was wohl jeder Deutsche ahnt, wurde durch die „Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte“  in einer gründlichen Studie ermittelt: Der Deutschen liebstes Lied ist die „Stille Nacht“. An zweiter Stelle folgt das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms. media-375476-2

Der Klassiker„Stille Nacht“ wird zu Weihnachten dieses Jahres genau 200 Jahre alt; das Lied kann auch Menschen ansprechen und ergreifen, die nicht unbedingt zur Schar der Frommen gehören. Hierzu ein Beispiel für „Volkes Stimme“ aus www.stillenacht.at (Leserbriefforum):

„Lange war ich weit weg von Gott, das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ hat mich wieder zu ihm geführt. Es tut gut, dieses Lied zu hören und mehr darüber zu erfahren. Gestern war ich in Osnabrück auf dem Weihnachtsmarkt und ein Chor sang dieses Lied; ich bekam am ganzen Körper eine Gänsehaut.“

Doch nicht nur die Herzen vieler Deutscher schlagen höher, wenn die „Stille Nacht“ erklingt. Das in seiner feierlichen Schlichtheit einmalige Lied eroberte in einem „musikalischen Siegeszug“ ohnegleichen die Sympathie der Welt. Für nicht wenige Menschen auf dem weiten Erdenrund ist es „das“ Weihnachtslied schlechthin.

Obwohl  – oder weil…?  – die „Stille Nacht“ so beliebt ist, wird in akademischen Zirkeln und „Fachkreisen“ mitunter gerne die Nase gerümpft über dieses „simple“ Lied, das nicht von theologischen Höhenflügen geprägt sei.

Dabei wird vielleicht vergessen, daß Schlichtheit nicht unbedingt Anspruchslosigkeit bedeutet – zudem ist in den sechs Strophen (oftmals wird leider nur eine oder zwei davon gesungen) Wesentliches aus der Heilsgeschichte zusammengefaßt.

Der zweite Kritikpunkt: Das Lied sei zu „sentimental“, rührselig, „kitschig“ und süßlich, die Melodie auch nicht viel besser  – und das Lied nur als großzügiges Entgegenkommen gegenüber dem  einfachen Kirchenvolk zu tolerieren.

„Kitsch“ hin oder her: Gerade die etwas „eintönige“, aber sehnsuchtsvolle  Melodie erzeugt bei vielen Gläubigen eine Stimmung der Erhabenheit, Feierlichkeit und Stille, die sicherlich zur weihnachtlichen „Gefühlswelt“ paßt.

Oberndorf am 24. Dezember 1818:
Die „Stille Nacht“ stammt  – wie so viele schönklingende Melodien  – aus Österreich.

Dort gibt es in Nordtirol eine Ortschaft namens Oberndorf unweit von Salzburg. Hier wirkte 1818 ein Pfarrvikar, der schon als Sängerknabe auf dem Gymnasium viel Sinn für Musik zeigte: Josef Mohr. Der junge Geistliche verstand sich gut mit Lehrer Franz Gruber aus dem benachbarten Arnsdorf. Christmette Dom 2012

Der damals 31-jährige Schulmeister kam sonntags stets nach Oberndorf, um im Gottesdienst als Küster und Organist zu wirken. Priester und Lehrer liebten das Orgelspiel und wollten damit die hl. Messe feierlich gestalten.

Dann kam der 24. Dezember 1818: Lehrer Gruber machte sich auf den Weg zum Kirchlein nach Oberndorf, um dort für die Christmette am Abend zu üben.

Doch bald stellte sich heraus, daß die Orgelpfeifen keinen Ton von sich gaben. Kälte und Feuchtigkeit hatten dieser „Königin der Musikinstrumente“ vermutlich stark zugesetzt, so daß eine sofortige Reparatur  nicht möglich schien. Zudem sollen Mäuse angeblich den Blasebalg zerknabbert haben.

Was nun? Was tun?  – Schnell sollte ein neues Lied komponiert werden, bei dem man sich auf Gitarrenbegleitung beschränken konnte.

Verärgert verließ der Lehrer die Kirche und informierte seinen Freund. Der Geistliche war ebenfalls besorgt: schließlich kommen die Bauern und Handwerker von weither durch tiefen Schnee zur Kirche und freuen sich auf eine feierliche Christmette  – und da sollte ihnen auch etwas Schönes „geboten“ werden.phoca_thumb_l_111218062_b_kblestadel-ach

Kaplan Mohr ging in die Schreibstube, um seine Predigt vorzubereiten. Lautlos fielen die Schneeflocken, kein Mensch war unterwegs. Der Priester sah weit über das Land hinaus. Ja, es war ein Heilig-Abend wie aus dem Bilderbuch: „Still erleuchtet jedes Haus“, wie es in einem Gedicht Joseph von Eichendorffs heißt.

Doch für Kaplan Mohr war dieser Tag nicht nur still  – sondern auch heilig, gedachte man doch der Geburt Christi. Der Geistliche trat aus der Versunkenheit seiner Gedanken heraus und ging zum Stehpult. Dort schrieb er auf ein großes Blatt Papier die ersten Worte: „Stille Nacht, heilige Nacht.“  –   Schon nach 15 Minuten war das ganze Lied vollendet.

Für den Kaplan war klar: sein Freund, der Schulmeister, sollte dieses Verse nun mit einer passenden Melodie versehen. Vielleicht könnte man das neue Lied abends schon in der Christmette singen? Würde es die Gläubigen über die fehlende Orgel hinwegtrösten?  – Es war einen Versuch wert!

Lehrer Gruber brummte, als sein priesterlicher Freund ihm seinen Vorschlag unterbreitete: „Ich heiße doch nicht Mozart, dem jede Stunde etwas Großartiges einfällt!“  –  Er machte er sich aber dennoch ans Werk   –  und probte das Lied danach mit einigen Frauen und Männern aus dem Kirchenchor.media-374638-2

Als die Gläubigen abends zur Christmette kamen, erlebten sie einen Gottesdienst ohne Orgelbegleitung. Doch am Schluß erklang vom Chor her das neue Lied.  Kaplan Mohr sang mit hellem Tenor und spielte die Gitarre. Schon bald schloß sich das ganze Kirchenvolk der feierlichen Melodie an.

Vor allem die Frau von Lehrer Gruber war ergriffen: „Franz, das Lied wird man noch singen, wenn Du längst nicht mehr lebst.“   –  Er lachte und widersprach ihr, doch sie blieb hartnäckig   –  und erwies sich damit als „Prophetin“: „Nein, dieses Lied wird man nie vergessen!“

Es dauerte allerdings 7 Jahre, bis das Weihnachtslied über den Kirchturm von Oberndorf hinausgelangte. Anlaß war erneute eine beschädigte Orgel: Ein Orgelbau-meister hörte die „Stille Nacht“ während seiner Reparaturarbeiten und das Lied gefiel ihm gut.  1825 brachte er es in seiner Tiroler Heimat.

Dort hörten es die Geschwister Strasser von der Tiroler Sängergruppe, die auch in Deutschland auftraten. So erklang die „Stille Nacht“ 1831 zum ersten Mal in Leipzig. Nun war kein Halten mehr  – und das Lied begann seinen Siegeszug um die Welt.

Ein weiterer Tiroler Liederkranz brachte die „Stille Nacht“ nach Berlin, London und 1839 nach New York. Selbst im nördlichen e65cd6a1c152f162ffff8100fffffff2Niedersachsen war die „Stille Nacht“ schon um 1840 allgemein bekannt. Kurz danach läßt es sich in Schweden, Norwegen und Indien nachweisen  –  und nach der Jahrhundertwende auch in Afrika, Neuseeland und Südamerika.

Daß die beiden Urheber des Liedes nicht in Vergessenheit gerieten, verdankt die Welt vor allem der Hartnäckigkeit des preußischen Königs: Friedrich Wilhelm IV. war ein begeisterter Anhänger der „Stillen Nacht“. Deshalb ließ er1854 inWien nach dem Komponisten forschen.

Dort war man jedoch perplex, da man weder Text noch Melodie kannte, geschweige die Urheber. Weil man annahm, ein solch vorzügliches Lied müsse einen ebensolchen Komponisten aufweisen, verdächtigte man fast alle bekannten Musikmeister der Donaumonarchie: Mozart, Beethoven, Haydn etc.

Doch die Salzburger Benediktiner wußten es besser und leiteten die Anfrage seiner Majestät an Lehrer Gruber weiter. Dieser gab eine Erklärung ab, wonach er und Pfr. Mohr die Urheber des Liedes sind.

Die Entstehungsgeschichte dieses siegreichsten Weihnachtslieds wurde mehrfach verfilmt: bereits1934 inder naiv-sentimentaler Art eines Heimatfilms („Das unsterbliche Lied“), später dümmlich-oberflächlich („Stille Nacht“), 1997 dann durchaus seriös („Das ewige Lied“).  Auch Papst Pius XII. bezeichnete diesen Weihnachtsgesang als ein „immerwährend schönes Lied“.

Unsere Autorin Felizitas Küble ist Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

Ergänzender Artikel hierzu von der Berliner Künstlerin Lucia Tentrop: https://charismatismus.wordpress.com/2013/12/13/die-stille-nacht-kunstlerisch-wertvoll-und-zugleich-das-weihnachtslied-einfacher-menschen/


2 Kommentare on “Vor 200 Jahren entstand die STILLE NACHT”

  1. Vergessene Kostbarkeiten

    „Blumen aus der Wildnis im Arme“: Kräuterweihe am Fest Mariä Himmelfahrt
    Von
    David Berger –
    15. August 2018

    https://philosophia-perennis.com/2018/08/15/blumen-aus-der-wildnis-im-arme-kraeuterweihe-am-fest-mariae-himmelfahrt/

    Islamisierung

    Operation Dschahiliyya – Weihnachten und Islam
    Von
    David Berger –
    25. Dezember 201724

    https://philosophia-perennis.com/2017/12/25/operation-dschahiliyya/

    Viele Korantexte erinnern stark an ursprünglich jüdisch-christliche Geschehnisse (c) Wikimedia

    Islamisierung

    Operation Dschahiliyya – Weihnachten und Islam
    Von
    David Berger –
    25. Dezember 2017

    „Et homo factus est“ – Gott ist Mensch geworden (c) Gerard van Honthorst [Public domain], via Wikimedia Commons

    Allgemein

    Weihnachten und Abendland
    Von
    David Berger –
    24. Dezember 201717

    https://philosophia-perennis.com/2017/12/24/weihnachten-und-abendland/

    Hintergründe – Analyse -Debatten

    Christliches Weihnachtsverbot in Europa, muslimische Weihnachtsfeiern in Arabien?
    Von
    David Berger –
    24. Dezember 201729

    Ein Gastbeitrag von A.R. Göhring

    David Berger berichtete vor kurzem hier auf Philosophia Perennis, daß in einem altehrwürdigen Gymnasium in Lüneburg die dortige Weihnachtsfeier während der Unterrichtszeit abgesagt wurde. Sie findet nun später in der Freizeit statt. Der einzige Grund dafür war die Beschwerde einer einzigen mohammedanischen Schülerin, die sich in ihrem strengen Glauben irgendwie belästigt fühlte. Es ist nicht zu fassen.

    https://philosophia-perennis.com/2017/12/24/christliches-weihnachtsverbot-in-europa-muslimische-weihnachtsfeiern-in-arabien/

    Weihnachten 1958
    Foto der Woche 21. Dezember 2017
    20
    Unser Foto der Woche wurde vor fast 60 Jahren am Heiligen Abend 1958 aufgenommenen. Es stammt von einem Stammleser von Philosophia Perennis, der sich damit für die Arbeit des Blogs bedanken möchte: Großartig!

    https://philosophia-perennis.com/2017/12/21/weihnachten-1958/

    Keine schulische Weihnachtsfeier wegen Muslima: Jetzt werden die Täter zu Opfern gemacht
    Islamisierung 20. Dezember 2017
    44
    (David Berger) Eine schulische Weihnachtsfeier wurde in Lüneburg abgesagt, nachdem sich eine Muslima vor einem Jahr (!) darüber beschwert hatte, dass dort christliche Weihnachtslieder gesungen wurden. Nachdem an dieser Entscheidung Kritik aufkam, inszenieren die Medien die Verantwortlichen nun als Opfer von Hass und Islamophobie.

    https://philosophia-perennis.com/2017/12/20/schulische-weihnachtsfeier/

    Der Verlust göttlicher Vernunft › GEOLITICO

    https://www.geolitico.de/2018/01/10/der-verlust-des-weltenlogos/

    10.01.2018 – „An Epiphanias, dem 6. Januar, ziehen nach altem Brauch Kinder als Sternsinger singend von Haus zu Haus. … Epiphanias ist eines der .

    https://charismatismus.wordpress.com/2018/03/06/mike-mchargue-fand-durch-die-wissenschaft-zum-christlichen-glauben-zurueck/
    .

    Der Gekreuzigte unter uns › GEOLITICO

    https://www.geolitico.de/2017/04/17/der-gekreuzigte-unter-uns/

    17.04.2017 – Dieses Treffen fand in den heiligen Hallen eines Hauses der “science of logos” statt – und Scientologen trainieren täglich hart dafür – um ihre …

    Wie christlich ist das Weihnachtsfest wirklich?
    Geschichte 18. Dezember 2016
    7
    (Herwig Schafberg) Die hellenistischen Mysterienreligionen haben stark auf die Legendenbildung und den Kultus der christlichen Kirche eingewirkt. Dies gilt besonders von der persischen Mithrasreligion, die dem Christentum bis um die Mitte des 3. Jahrhunderts die stärkste Konkurrenz machte. Es ist schwerlich Zufall, daß sowohl in der Kultlegende der Mithrasreligion als auch in der Geburtsgeschichte Jesu Hirten die ersten sind, die von der Geburt des göttlichen Kindes vernehmen

    https://philosophia-perennis.com/2016/12/18/weihnachten-heidnische-wurzeln/

    Pfingsten – allerhöchste Eisenbahn für Geist-Sendung!
    Catholica 20. Mai 2018
    22
    Heiliger Geist! It’s high time an Pfingsten, dass du in Kirche und Politik mit Sturmesgewalt die Verlogenheit und Dummheit an allen Ecken und Enden…

    https://philosophia-perennis.com/2018/05/20/pfingsten-allerhoechste-eisenbahn-fuer-geist-sendung/

    Jesus Christus – Der verloren gegangene Logos

    http://www.glauben-und-wissen.de/M18.htm

    Luthers Kirche ist tot

    http://www.geolitico.de/2017/01/18/luthers-kirche-ist-tot/

    Suchergebnisse für Logos

    http://www.geolitico.de/?s=Logos

    Logoschristentum – Johannesoffenbarung – Apokalypse des Johannes

    http://www.johannesoffenbarung.ch/sichtweisen/logoschristentum.php

    Das Johannesevangelium, so meine ich, wurde doch dazu offenbart, damit, wenn die Zeit … Unter «Logoschristentum» verstehe ich eine vom Johannesprolog … wie das «theologische» Logoschristentum vor der Aufklärung und der modernen …

    http://www.johannesoffenbarung.ch

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