MEHR-Gründer Dr. Johannes Hartl wirbt für den Extrem-Pfingstler Mike Bickle

Von Felizitas Küble

Seit vielen Jahren befassen wir uns im CHRISTLICHEN FORUM mit den Aktivitäten des charismatischen „Gebetshauses Augsburg“ und der jährlichen MEHR-Konferenz, die im letzten Januar über zehntausend Besucher zählte. (Siehe unsere 14 bisherigen Beiträge HIER)

Gründer der Initiative sowie des MEHR-Kongresses ist der katholische Theologe und Familienvater Dr. Johannes Hartl (siehe Foto).

Normalerweise hätte die MEHR wieder  – wie sonst immer  – Anfang Januar stattgefunden, aber diesmal fiel sie aus, weil Hartl die allgemeine Losung ausgab, mehr in die geistliche Tiefe gehen zu wollen, statt in die Breite zu wirken, was immer das wohl konkret heißen mag…

Mit ähnlicher „Begründung“ verkündet er überdies, daß er von jetzt bis Mai auf öffentliche Auftritte verzichten werde. 

Bei Charismatikern geht es  bekanntlich mit Vorliebe „feurig“ zu. Während der protestantisch-schwarmgeistige Star-Prediger Reinhard Bonnke gerne seine spektakulären „FEUER-Konferenzen“ abhielt, trägt eines der Hartl-Bücher den Titel: „In meinem Herzen FEUER“.

In einem ähnlichen Sinne schrieb der US-amerikanische Extrem-Pfingstler sein Buch „Passion for Jesus“ (siehe Foto), das in deutsch unter dem Titel „Leidenschaft für Jesus“ erschien. 

Beide – sowohl der katholische Hartl wie der evangelische Bickle  – praktizieren eine überschwängliche „Frömmigkeit“ und propagieren ausdrücklich ein „Verliebtsein“ (!) in Jesus. Aber das wäre noch egal und vielleicht lediglich etwas schrullig-emotional.

Allerdings gehen die Gemeinsamkeiten dieser zwei bekannten Größen innerhalb der Charismatik weit darüber hinaus:

Das hat Dr. Hartl mit seinem Tweet vom 30.12.2018 eindringlich unter Beweis gestellt, nachdem er in Kansas City (USA) seinen vorläufig „letzten öffentlichen Vortrag“ hielt, nämlich bei der Onething-Konferenz von IHOP, einer Gebets-Vereinigung, die von Mike Bickle gegründet wurde. 

Hartls Tweet vom 30.12.2018 war auf englisch abgefaßt und lautet in deutscher Übersetzung:

„Was Mike Bickle und IHOP-KC seit vielen Jahren als Pionierleistung vollbrachten, das hat mein eigenes Leben und das Leben von Millionen Menschen auf die wirkungsvollste Art und Weise verändert. Es ist ein Vorrecht, an der Onething-2018 teilhaben zu können und dem die Ehre zu geben, dem Ehre gebührt.“  (Quelle: https://twitter.com/DrJohannesHartl)

Nun kann Hartl seine Mitstreiter öffentlich ehren und würdigen, wie er lustig ist – allerdings dürfen Kritiker der Schwärmerszene genauso nachfragen, was es mit den Aktivitäten des vielgerühmten Mike Bickle auf sich hat. 

Andrew Strom informiert darüber in seinem englisch-sprachigen Buch „Kundalini-Warning“ (siehe Foto). – Hier ist es als PDF auf deutsch lesbar:
https://verfuehrungderbraut.files.wordpress.com/2015/09/kundalini-warnung-update9d-2015-deutsch.pdf

Der Verfasser ist Charismatiker aus Neuseeland und gehörte 11 Jahre lang zu Bickles Connection, nämlich den sog. Kansas-City-Propheten, bisweilen auch schlicht Propheten-Bewegung genannt. Dies ist ein amerikanischer Zweig innerhalb der Charismatik, der aber weltweite Ableger ausstreute.

Ein führender Vertreter dieser Strömung ist der von Dr. Hartl bewunderte Pastor Mike Bickle, der  – so heißt es im Tweet –  „mein eigenes Leben….auf die wirkungsvollste Art und Weise verändert hat“.

Der erwähnte Buchautor Strom hat sich (noch?) nicht komplett vom Charismatismus verabschiedet, aber immerhin von den selbsternannten Cansas-City-Propheten um Bickle und Co. Der Kritiker ist sozusagen vom extremen Flügel zum gemäßigten Lager übergelaufen.

Hinsichtlich der „Propheten-Bewegung“ schreibt er, sie sei von „einem Geist der Wahrsagerei und Hellseherei“ beherrscht, die mit der biblischen Gabe der Prophetie nichts zu tun habe, sondern ein Zerrbild hiervon sei. Diese Szene sei von einem „totalen Mangel an Unterscheidungsvermögen“ geprägt.

BILD: Buchtitel von Mike Bickle: „Growing in der Prophetic“ (Wachstum im Prophetischen) – typisch in Text und Gestaltung

Schon im Jahre 2004 war Strom von befremdlichen Phänomenen, die er reihenweise erlebte, derart irritiert, daß er sich davon distanzierte. Er bemängelte „verdrehte Lehren, gefallene Propheten und bizarre Manifestationen“.

Die Cansas-City-Bewegung leide „unter einer ernsthaften Verführung“ und es sei gefährlich, sich mit ihr einzulassen. Man müsse, so Strom, dringend die Auswüchse dieser irrgeistigen Schwärmerei beschneiden. (Näheres dazu hier im Kundalini-Beitrag: http://www.bifo.de/viewtopic.php?t=1058#p15943)

Indessen schreiben wir das Jahr 2018 –  und Dr. Hartl findet Bickles IHOP-Aktivitäten ganz großartig und beehrt dessen Kongreß mit seinem Vortrag und Tweet.

Der evangelikale Autor Alexander Seibel, selbst einstmals ein langjähriger Pfingstler, schreibt in Büchern freimütig über seine früheren Irrtümer. Er hat sich völlig von der Charismatischen Bewegung, der er einst angehörte, losgesagt.

Seibel berichtet in einem Internet-Artikel von einer Versammlung, an der Mike Bickle führend teilnahm, unter anderem folgendes:

„Phil Elsten von den „Cansas City Propheten“ forderte beim Seminar zum Thema „Der prophetische Dienst“ beim Gemeindekongreß 1993 in Nürnberg das anwesende Publikum auf, man möge ihm die Handflächen zeigen. Gott würde dadurch besondere Einsichten geben.

Nun meinte ich, es sei auch dem vernebelsten Schwärmer klar geworden, daß dies Wahrsagerei und nicht biblische Prophetie ist…

Auch der Leiter dieser Propheten, Mike Bickle, war anwesend. Er berichtete, wie er ein Brennen in der Magengegend und ein Heißwerden seiner Hände spürte. Dies war für ihn das Zeichen, daß das „Feuer Gottes“ unter den Seminarteilnehmern wirken werde…

John Paul Jackson, ebenfalls auf diesem Seminar und „bewährter“ Prophet, erklärte der Los Angeles Times, ohne mit der Wimper zu zucken, wie er die Fähigkeit habe, Gott zu riechen. „Gott duftet nach Rosen“…

Wer sollte da noch zweifeln, welche Mächte hier wirklich im Spiel sind? – Fehlanzeige: Diese Hellsehereien waren für die Kongreßteilnehmer natürlich göttliche Charismen. Mike Bickle steht hoch im Kurs…“

Wie man sieht, steht Pastor Bickle mit seinen „prophetischen“ Aktivitäten bei Dr. Hartl sogar nach einem Vierteljahrhundert noch „hoch im Kurs“, hat dieser doch sein Leben so „wirkungsvoll“ verändert.

Kein Wunder, daß beide Charismatiker – der evangelische Bickle ebenso wie der katholische Hartl – gerne beim Gospel-Forum in Stuttgart auftreten, das von dem   – sogar in den eigenen  Reihen umstrittenen –  Pastor Peter Wenz geleitet wird (das Foto zeigt ihn mit Bickle): https://blog.gospel-forum.de/2013/03/23/was-ist-gottes-wille-fur-unsere-welt/Vor drei Jahren gab sich Dr. Hartl auf einer Heilungskonferenz bei Wenz ein Stelldichein: https://blog.gospel-forum.de/2015/10/02/hunderte-heilungen/

So kommt auch in diesen Kreisen zusammen, was zusammengehört.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Hermann Görings ungleicher Bruder Albert war ein mutiger Judenretter

Wie die Webesite „Israel heute“ aktuell berichtet, wird Albert Günther Göring, der Bruder des bekannten NS-Politikers Hermann Göring, vielleicht bald posthum (nach seinem Tod) die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ erhalten, die vom Holocaust-Museum Yad Vaschem in Jerusalem vergeben wird.

Vor und während des Krieges half Albert Göring vielen Juden, Ausreisepapiere zu erhalten, wodurch sie gerettet waren. Er schickte zudem Lastwagen in KZs mit dem Auftrag, Arbeiter von dort anzufordern. Diese LKWs hielten danach in abgelegenen Gebieten, um den Insassen zur Flucht zu verhelfen.

Irena Steinfeldt, Direktorin der Abteilung für “Gerechte unter den Völkern“ in Yad Vaschem, bereitet laut „Israel aktuell“ eine Akte über Albert Göring vor, die ihm diese Würdigung ermöglichen soll. Eine solche Auszeichnung erhält jemand, der nicht nur Juden rettete, sondern sein eigenes Leben dafür riskierte.

Im Unterschied zu seinem nationalsozialistisch aktiven Bruder Hermann Göring lehnte Albert die NS-Diktatur entschieden ab, weshalb er vielen Verfolgten half; diese haben den verarmten Mann nach dem Krieg dann ihrerseits wirksam unterstützt, zumal er seines Nachnamens wegen von vielen Leuten gemieden wurde.

Albert Göring erblickte am 9. März 1895 in Friedenau bei Berlin das Licht der Welt. Am 20. Dezember 1966 starb der diplomierte Maschinenbau-Ingenieur, ohne daß seine Heldentaten von Medien und Öffentlichkeit ausreichend gewürdigt worden waren.