Charismatische Hillsong-Kirche zwischen Disco-Spektakeln und Sexskandal

Von Felizitas Küble

Die „Hillsong“-Gemeinden gehören zur weltweiten protestantischen Pfingstbewegung; diese Mega-Church (Großgemeinde) wurde 1983 im australischen Sydney von Starprediger Brian Houston und seiner Frau Bobbie gegründet.  

Es gibt weltweit zahlreiche Tochterkirchen, auch in Deutschland, zB. in München, Düsseldorf und Konstanz, ebenso in Zürich. Der deutsche Zweig gehört zum „Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden“.

Die „Gottesdienste“ der Hillsonger sind stark auf junge Leute zugeschnitten, geprägt von charismatischer „Lobpreis“-Musik mit harten Rock- oder Techno-Rythmen und entsprechender Lautstärke. Eine Disco ist gemütlich im Vergleich dazu.

Im Mittelpunkt stehen enthusiastische Gefühle und die (Sehn-)sucht nach einem spirituellen „Durchbruch“ mit besonderen religiös-emotionalen Erfahrungen.

Die Hillsong-Church fasziniert ihre Anhänger mit „Gottesdiensten“, die eine Mischung aus Event und Spektakel darstellen. Kein Wunder, daß der amerikanische Teenie-Musikstar Justin Bieber zu dieser Bewegung gehört. Die Hillsong-UNITED-Band tourt erfolgreich durch die Weltgegend – auch mit einer USA-Tour 2019 (siehe 2. Foto).

Diese auf emotionale Event-Erlebnisse und heiße Musik fixierte „Frömmigkeit“ ist kennzeichnend für schwärmerische Bewegungen.

Ebenso typisch ist die Anfälligkeit für sexuelle Skandale gerade bei charismatischen Gründer- und Leitergestalten; man kennt dieses Phänomen vor allem in den USA seit Jahrzehnten bei prominenten Pfingstpredigern. (Wir haben dasselbe als Beispiel auch für die „Gemeinschaft der Seligspreisungen“ auf katholischer Seite aufgezeigt).

Hillsong-Mitbegründer William Francis Houston (1922 – 2004) –  er ist Vater des Hillsong-Chefs Brian Houston –  war charismatischer „Bischof“ und Präsident der Pfingstgemeinden („Gemeinde Gottes“) in Australien.

Als sich im Jahr 2001 herausstellte, daß Frank bzw. Francis Houston zahlreiche Jungen sexuell missbraucht hat, spielte Hillsong-Leiter Brian Houston  diese Causa herunter, nachdem sie nicht vertuscht werden konnte. Der Täter wurde danach vom Predigtdienst suspendiert (entlassen, amtsenthoben). Näheres schreibt der Hillsong-Anführer in seinem Buch „Leben – Lieben – Leiten“ (vgl. 1 Foto).

Nun hat ein solcher Vorfall bei einer Bewegung, die sich ganz besonders vom Heiligen Geist „gesalbt“ weiß, durchaus eine spezielle Dimension:

Da hat also jemand ständig „Zeichen und Wunder“ gewirkt, „Geistesgaben“ ausgeübt, „Geistausgießungen“ vorgenommen, „Heilung und Befreiung“ vollzogen, Visionen empfangen, zahllose Gemeinden gegründet   –  und all dies an oberster pfingstkirchlicher Stelle in ganz Australien – und genau diese angeblich so „geistbegnadete“ Person stellt sich als Kinderschänder heraus. 

Was war denn nun mit diesen „vollmächtigen Geistesgaben“?

Kritisch zu sehen ist auch die Fixierung auf vergnügliche Festivals und Dauerbeschallung. Erinnert sei an den Propheten Amos aus dem AT, der schon damals erklärte:

„Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen…Hinweg mit dem Lärm deiner Lieder!…Sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,21-24)

Wenn Pastoren auftreten wie Rockstars…

Die FAZ veröffentlichte am 39.9.2014 eine Reportage unter dem Titel „Total close mit Gott“ über die euphorischen Gottesdienste von Hillsong in Konstanz. Darin heißt es z.B.:

„Und dann kommt Pastor Jan Kohler auf die Bühne. Er sieht aus wie ein Rockstar: Lederjacke, Lederstiefel, enganliegende, schwarze Jeans. „Lasst uns Jesus einen großen Applaus geben!“ Hinter ihm leuchten blaue Neonröhren in die Dunkelheit, vor ihm die Augen der Besucher. Kohler durchmisst die Bühne mit langen Schritten. Er wolle heute von der Heilung des Gelähmten sprechen.

Nicht nur das modische Getue und Outfit, auch die gönnerhafte Aufforderung, Jesus „einen großen Applaus zu geben“, ist typisch für diese Kreise. Als ob unser göttlicher Erlöser auf solch läppischen Beifall im Disco-Fieber angewiesen wäre!

Besagter Jan Kohler ist übrigens derzeit Hauptpastor von Hillsong in München und gibt sich äußerlich immer noch spätpubertär: https://hillsong.com/de/contributor/jan-kohler/

Passend dazu: Mit superlangen Haaren auf mädchenhaft gestylt, gewandet in hautengen Blue-Jeans, präsentiert sich die leitende Hillsong-Pastorin in Konstanz namens Nine Madlener: https://hillsong.com/de/contributor/ninemadlener/

Auch sonst fällt die starke Präsenz von Frauen in Führungspositionen auf, wobei lange Haare offenbar eine Art Markenzeichen sind, auch in Düsseldorf mit Pastorin Batarow: https://hillsong.com/de/contributor/eva-batarow/

Die EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) schreibt in ihrem Materialdienst Nr. 12/2014 über Hillsong: 

„Musik und Lieder schaffen in eventmäßig organisierten Großveranstaltungen eine Atmosphäre, in der sich starke Gefühle ausdrücken können und dem Ausleben von Glaubensemotionen…Raum gegeben wird.

Zugleich werden in Hillsong-Veranstaltungen die klassischen Anliegen der Pfingstbewegung betont und gepflegt: die Praxis der Charismen Heilung, Glossolalie („Zungenreden“) und Prophetie. Ebenso wird die Erwartung unterstützt, daß sich göttliche Kraft in enthusiastischen Erfahrungen manifestiert, die auch den Bereich der Leiblichkeit betrifft.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


10 Kommentare on “Charismatische Hillsong-Kirche zwischen Disco-Spektakeln und Sexskandal”

  1. Hl. Stephanus sagt:

    „Hillsong Church“ ist einerseits natürlich der Pastoren-Familienbetrieb (Houston Senior & Junior) samt handfestem Sexskandal

    „Hillsong Church“ ist andererseits aber auch eine absolut skandalfreie Sängerin & Texterin namens Brooke Fraser (verh. Ligertwood), deren weltweit millionenfach gespielte kirchl. Worship-Songs meiner kath. liturgischen Glaubenspraxis so starken Rückenwind gegeben haben, dass ich sagen kann … man legt einen Senkrechtstart hin wie bei der Himmelfahrt Christi.

    Inhaltlich sind manche Songs von Brooke Fraser solche Ohrwürmer, dass man gleich eine Tauferneuerung bzw. die gesamte Gründonnerstags-Abschiedsreden intus hat.
    „Who you say I am“ ist für mich persönlich auch das Requiem für die Opfer von Churchtown (Neuseeland) und Sri Lanka 2019

    Danke an Brooke Fraser-Ligertwood!
    Gottes Segen für ihre Ehe und ihre Kinder.

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  2. Der Name ist Schall und Rauch sagt:

    https://nypost.com/2019/03/04/dont-pass-this-pimp-protection-act/

    Ich finde, insbesondere die Männer hier sollten sich nicht über angebliche Sexskandale
    irgendwo auf der Welt aufregen.
    Deutschland ist leider die Nummer eins auf der Welt was Unmoral angeht.
    Ja, traurig dass man das sagen muss. Ich würde lieber anderes schreiben.

    Man sollte die Männer aufrufen, sich mit anderem als Sex, Pornografie zu beschäftigen.
    Es gibt viele Hobbys.
    Keine Pornos mehr sehen und ächten. Kein Bordellbesuch. Keine Zeitung mit Sexbildern,
    wozu auch die Bild gehört oder im Rheinland die Express.
    Keine Zeitung mit Werbung für Bordelle.
    Das kann schon mal ein Anfang sein.

    Ansonsten kann ich dazu nur sagen wie auch in der Bibel steht, ich meine was die aus-
    wärtigen „Sexskandale“ angeht.
    „Den Splitter im Auge deines Nächsten siehst du. Den Balken in deinem Auge siehst
    du nicht.“ Die Bibel.

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    • Matze sagt:

      – Mit dem, was alles gerade im frommen Bereich an Skandalen geschieht, ist Aufklärung wichtig und hier ist eine der wenigen Seiten, die das überhaupt tut und das ist für mich der Grund hier mitzulesen
      – Wir können aus meiner Sicht nicht mit dieser Bibelstelle begründen, dass es keine Aufklärung über Mißstände geben soll. Nein, wenn wir uns in Demut vor Gott beugen und unserer Begrenztheit bewusst sind, dürfen, ja sollen wir auf Mißstände hinweisen
      Zwei bekannte Beispiele dazu gefällig, die eine sehr klare Sprache verwendet haben?
      Jesus und Paulus.

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    • Jutta sagt:

      https://www.change.org/p/bordellwerbung-nein-danke

      Gilt zwar nur für das Saarland, aber kann nicht schaden.

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  3. Matze sagt:

    Bitte bei der genannten Quelle auch die Kommentare lesen. Danach ist der Sachverhalt etwas anders wie dargestellt.

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    • Guten Tag,
      die drei Kommentare beziehen sich auf den konkreten IDEA-Artikel, wobei sie den Missbrauchs-Vorwurf gegen F. Houston auch nicht widerlegen.
      Daß Hillsong-Anhänger meinen, der Sohn habe schnell reagiert, ist nicht weiter erstaunlich, nur muß ich das nicht als Tatsache präsentieren, es gibt auch anderslautende Ansichten.
      Die Problematik hinsichtlich Mißbrauchstätern aus dem liberalen EKD-Milieu können Sie in unserem Odenwaldschul-Artikel nachlesen, den ich vor zwei Tagen veröffentlichte.
      Wir sind auch auf diesem Auge nicht blind.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  4. Matze sagt:

    Schlimm!!! Gibt es für den Sexskandal Quellenangaben?

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