Anrufung mit absurden Verheißungen: Das Kreuz-Gebet vom Hl. Grab in Jerusalem

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Gebet, welches am Hl. Grab in Jerusalem“ gefunden wurde, bringt ein User des erscheinungsbewegten Portals Gloria-TV eine besonders wirkkräftige und verheißungsstarke Anrufung, wie sie dem naiven Lager auf den Leib geschnitten ist: https://gloria.tv/article/yG6mpvjkRJwM4dcpLLgYkyEiP

Dazu wird uns ohne jeden Beweis folgende Legende wie eine Tatsache mitgeteilt:

„Dieses kräftige und für alle Menschen heilsame Gebet zum hl. Kreuz Christi wurde im Jahre 1505 auf dem Grabe unseres Herrn gefunden. Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es vom Papst zum Geschenke und schickte es nach St. Michael in Frankreich, wo es auf einem Schilde in goldenen Buchstaben wunderschön ausgedruckt zu lesen ist.

Sodann heißt es geradezu abenteuerlich und geprägt vom wildesten Aberglauben: 

„Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, oder bei sich trägt, oder wer täglich 5 Vater unser und ebenso viele Ave Maria zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesu Christi betet, wird nicht des jähen Todes sterben, in keinem Wasser ertrinken, in keinem Feuer verbrennen, in keiner Schlacht umkommen, und von keinem Gift Ungemach haben.

Eine Frau in Kindesnöten, wenn sie dieses Gebet betet oder beten hört, wird sogleich entbunden und eine fröhliche Mutter sein und das neugeborene Kind wird, wenn man ihm dieses Gebet in die rechte Seite legt, von vielen Unglücken befreit sein. Wer dieses Gebet bei sich trägt, wird von keiner fallenden Krankheit geplagt sein. Seht ihr einen mit St. Johannes- oder Cornelius-Krankheit behafteten Menschen auf der Straße fallen und legt ihm dieses Gebet in die rechte Seite, so wird er gleich aufstehen und sich seiner Genesung freuen.
Wer dieses Gebet von Haus zu Haus bringt, wird von mir gesegnet; wer aber darüber spottet, wird von mir verflucht. Das Haus, worin sich dieses Gebet befindet, wird von Blitz keinen Schaden leiden. Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, wird 3 Tage vor seinem Tod ein Zeichen von Gott sehen, nämlich: Dieser ist mein Sterbetag.“

Typisch für die Falschmystik ist schon diese Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche: Für die Jasager gibt es zahlreiche Versprechungen, für Kritiker bzw. „Spötter“ wird gleich der Fluch Gottes bereitgestellt. Primitiver gehts nimmer!

Allein schon dieser Zug an dieser schein-frommen Geschichte ist gotteslästerlich, denn der Name des Höchsten wird für faulen Zauber bzw. magisches Denken mißbraucht.

Sodann folgt die „Anrufung zu Gott und dem heiligen Kreuz Christi“, wobei man Christus selbstverständlich anrufen kann, aber sein „heiliges Kreuz“ ist keine Person, sondern ein Gegenstand, wenngleich ein besonderer. Der göttliche Erlöser sollte bei Gebeten im Zentrum stehen, weniger das Kreuzesholz, an dem er starb.

Danach gibt es eine Art Litanei, z.B. „O hl. Kreuz Christi, wend‘ ab von mir alle feindlichen Waffen. O hl. Kreuz Christi, entferne von mir alle Übel….O hl. Kreuz Christi, bewahre mich vor aller körperlichen Not….“ usw.

Hier fällt die Betonung der eigenen Interessen auf (feindliche Waffen fernhalten, alle Übel entfernen, vor körperlicher Not bewahren…), wogegen die geistlichen Anliegen weniger stark im Vordergrund stehen.

Sodann heißt es in abergläubischer Manier u.a.:  „So wahr, wie die hl. 3 Könige am 13. Tag Geschenke gebracht“ –  dabei waren es keine „drei Könige“ (das ist nur Volksglaube), sondern – wie die Bibel bezeugt – drei Weisen aus dem Morgenland – und ob es der 13. Tag oder sonst einer war, spielt überhaupt keine Rolle.

Die Anrufung als solche ist theologisch nicht seriös – und die „Verheißungen“ sind erst recht hochgradig absurd und vermessen.

 


14 Kommentare on “Anrufung mit absurden Verheißungen: Das Kreuz-Gebet vom Hl. Grab in Jerusalem”

  1. Konnersreuther sagt:

    Dieses Gebet enthält ein Element, welches wir aus „Kettenbriefen“ auch weltlichen Inhaltes kennen: Es muss verbreitet werden, sonst bringt es Unglück.
    Damit wäre es ja besser gewesen, man wäre nie mit dem Gebet in Kontakt gekommen, weil man jetzt zur Weitergabe „verpflichtet“ ist. Aus der Sicht der fahrenden Händler für fromme Traktate in der Barockzeit sicher eine gute Idee. So etwas sichert Absatz.

    Im Angebot damals waren u.a.:

    Uraltes kräftiges Gebet und Segen wider das Ungewitter
    Bericht von sechs heiligen Messen
    Neuntägige unwiderstehliche Andacht…
    Die Himmelsleiter oder der goldene Himmelsschlüssel
    Die sieben Himmelsriegel (von einem gar frommen Einsiedler)
    Fasten an zwölf Freitagen (genau angegeben zb. erster Freitag vor Fastnacht, 12 Freitag vor dem heiligen Christfest)
    Kunst, die verlorene Zeit und übel zugebrachten Jahre zu ersetzen
    Vater unser der heiligen Mechthild
    Leichtes Mittel, viele Todsünden zu verhindern
    Bannspruch und Segen des heiligen Antonius von Padua
    Die 9 Dienstage der Heiligen Martha (Von Christus an Martha Bethanien eigens in einer Erscheinung offenbaret).
    15 Gebete der Heiligen Brigitta

    Alles seit Generationen in Umlauf. Verbreitet von findigen Devotionalien-Händlern.
    In einer Zeit, in der sich die Pastoral von den wahren seelischen Bedürfnissen der Gläubien entfernt hatte, auch in politisch unsicheren Zeiten, fühlten sich viele Menschen verständlicherweise von solchen geistlichen Versprechungen angezogen.
    Zielten sich doch auf ihre Ängste, Wünsche und Sehnsucht nach Stärkung im Glauben. Darin fühlten sich nämlich viele Menschen allein gelassen und suchten nach Halt.
    Man kann den Gläubigen dieser Zeit keinen Vorwurf machen, sollte aber Bedenken, dass solche Traktate eigentlich nicht ohne Zweck verbreitet wurden. Und war es nur der finazielle Gewinn der Händler solcher Traktate. Sogar die Kirche ist irgendwann gegen einzelne dieser immer wieder aufgelegten kleinen Traktate eingeschritten. Zumal auch die Gefahr bestand, dass die Leute glaubten, mit so einem Zettelchen ein eigenes Heilsmittel in der Hand zu haben und somit etwas der Kompetenz der Geistlichkeit entzogen würde.
    Überraschenderweise findet man diese Andachten gelegentlich heute noch an Schriftenständen in Kirchen ausgelegt (unerlaubt) mit Schreibmaschine abgeschrieben und in schlechter Fotokopie übertragen. Wer sich für alte Volksfrömmigkeit interessiert, findet hier immer etwas.

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  2. Holger Jahndel sagt:

    @Felizitas Küble:

    Nicht alle traditionellen historischen Gebete der Traditionalisten wie etwa u.a. die „Heiligen 7 Himmelsriegel“ sind schlecht, sondern oft auch noch wirksam. Mir wurde auch im „Zeugen der Wahrheit“-Forum gesagt, dass der „kleine Laienexorzismus“ auch heute noch durchaus von Laien-Katholiken gebetet werden kann und darf und soll, wenn es notwendig ist und Not am Mann ist bzw. es dringend ist und der oder die Besessene es dringend notwendig macht usw.
    Der große offizielle Exorzismus natürlich immer und unter allen Umständen immer nur von einem kirchlich offiziell ernannten und ausgebildeten und autorisierten amtlichen Exorzisten.

    Zeugen der Wahrheit

    kath-zdw.ch/

    Der Sinn des Lebens ist die Suche nach der Wahrheit. Unser Leben hört mit dem Tod nicht auf. Unser Leben hat Konsequenzen – positive oder negative.

    http://kath-zdw.ch/

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    • Guten Tag,
      Sie schreiben zum x-ten Male, der „Kleine Exorzismus“ dürfe auch von Laien gebetet werden. Ich habe Ihnen vor einigen Wochen bereits mit Link nachgewiesen, daß dies seit Jahrzehnnten nicht mehr zutrifft, weil Papst Benedikt dies – nicht zuletzt infolge der charismatischen Exorzismus-Fixierung – verboten hat.
      Daß Sie fröhlich weiter den alten Unsinn weiterschreiben, zeigt einmal mehr, daß ich bei Ihnen ständig für die Katz schreibe, wenn ich mir die Mühe einer Antwort mache und auch noch die Belege beibringe.
      Übrigens kommt es nicht darauf an, was erscheinungsbewegte oder naive User im sogenannten „Forum der Wahrheit“ an Unwahrheiten zum Besten geben, sondern was die Kirche hierzu amtlich verfügt hat.
      Nochmal: Der „Kleine Exorzismus“ ist nur Priestern erlaubt, aber nicht den Laien – und der Große Exorzismus ist nur jenen Priestern gestattet, die vom Bischof schriftlich dazu beauftragt worden sind, wie ich schonmal betonte und wie Sie jetzt immerhin richtig schreiben.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Holger Jahndel sagt:

        Dass der große Exorzismus nur von kirchlich beauftragten und autorisierten und amtlichen ordentlich ausgebildeten offiziellen Exorzisten der katholischen Kirche durchgeführt werden darf habe ich auch nicht angezweifelt, so wurde es mir auch im traditionalistischen „Zeugen der Wahrheit“-Forum mitgeteilt. Ich bin aber, was den kleinen Laien-Exorzismus betrifft, aus rein rationalen und biblischen Gründen anderer Meinung als die katholische Amtskirche, so wie auch die Traditionalisten des „Zeugen der Wahrheit“-Forum bzw. der Website des ZDW-Internetauftrittes. Auch wenn ich mit diesen nicht in allen Punkten theologisch und praktisch übereinstimme, Die Modernisten und Postmodernisten und Relativisten und ideologisch liberalen Theologen stehen vielfach bewusst oder unbewusst im Dienste bzw. unter dem Einfluss der ideologischen Geistmächte der Freimaurerei. Und wirken Gott entgegen. Und gerade heute gibt es viele Fälle von dämonischen Einflüssen, welche sich häufig auch gerade in Form von Geisteskrankheiten und seelisch-psychischen Störungen äußern.
        So sind etwa viele Fälle von Schizophrenie durchaus auf eine echte teilweise oder auch vollständige dämonisch-teuflische Besessenheit zurückzuführen. Und es wäre dringend ratsam, in diesem Falle neben christlichen Gebeten auch den kleinen Laienexorzismus zu beten. Zumal es schwierig ist, heute die Genehmigung für einen großen offiziellen Exorzismus durch einen Priester bzw. amtlichen autorisierten offiziell berechtigten und ernannten Exorzisten der katholischen Kirche zu bekommen. Auch in der traditionellen indischen Heilkunst des indischen Ayurveda ausgebildete Heilpraktiker als spirituelle Energiearbeiter können oft helfen und sind zu empfehlen. Oder eben auch Freikirchen usw.
        Selbst ein für heutige Verhältnisse relativ erfahrener Exorzist wie Pater Gabriele Amorth konnte nicht alle Fälle von dämonischen Einflüssen und Besessenheit erkennen, weil ihm dazu schlichtweg die spirituellen aktuellen und wirksamen Mittel und Informationen fehlten.
        Diese bietet das Engel(s)werk nach der katholischen Charismatikerin und Mystikerin und charismatisch begnadeten Prophetin Gabriel Bitterlich. Deren offenbarte Schriften und Engelsweihen und Weihen an den persönlichen Heiligen Schutzengel und aktuelle und wirksame und differenzierte spirituelle Mittel zum Exorzismus zwar eigentlich sehr wichtig und dringend notwendig in der heutigen Zeit und für die gesamte katholische Kirche und auch die gesamte Christenheit und die gesamte Welt wären. Die aber leider teilweise bis heute wegen mangelnden Verständnisses und mangelnder Erkenntnisse der christlichen Mystik auch heutzutage noch nicht vollständig und zur Gänze von der Kirche voll und offiziell anerkannt wurden und als legitim und kanonisch in die offizielle Kirchenlehre aufgenommen wurden. Und das ist ein schweres Versäumnis und eine schwerwiegende Mißachtung des Willens Gottes und eine verantwortungslose und irrationale und fahrlässige Unterlassung.
        Ein schwerer Verlust und eine Behinderung und ein Hindernis für die Kirche und Gläubigen.
        Und deswegen eine Gefahr für den Schutz und das Seelenheil der gefährdeten Gläubigen.

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      • Guten Tag,
        Sie haben mehrfach irreführend behauptet, der Kleine Exorzismus“ sei den Laien erlaubt – nun geben Sie endlich zu, daß dies kirchenamtlich gerade nicht der Fall ist (was ich Ihnen schon vor Wochen bewiesen hatte!), sondern daß dies nur Ihre höchstpersönliche Meinung darstellt. Dann schreiben Sie das in Zukunft bitte von vornherein richtig, denn nur weil SIE etwas für richtig befinden, ist es noch lange nicht kirchlich erlaubt.
        Sodann sind die Visionen der Frau Bitterlich – Gründerin des Engelwerks – nicht nur teilweise, sondern insgesamt kirchlich n i c h t anerkannt – und das zu Recht.
        Zufällig kenne ich ihr „Handbuch der Engel“ – eine Ansammlung von zum Teil plumpestem Aberglauben und massenhaft erfundenen Engelsnamen etc.
        Ihre Behauptung, „viele“ Fälle von Schizophrenie seien dämonisch (mit)verursacht, wird weder wissenschaftlich noch kirchlich geteilt und ist schlicht unsinnig.
        Oder sind Sie Neurologe? Psychiater? Natürlich nicht! Sonst würden Sie hier keine Märchenstunde aufziehen.
        Hat es sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen, daß Schizophrenie (prädispositionell) vererbt wird? Oder sitzt der Teufel jetzt in den Genen?
        Daß Sie uns auch noch die indische „Heilkunst“ und weitere „Heilpraktiker“-Weisheiten präsentieren, paßt dazu.
        Diese Debatte ist hiermit beendet. Ich drehe mich mit Ihnen nicht weiter nutzlos und zeitraubend im Kreise.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Holger Jahndel sagt:

        @Felizitas Küble:

        >>>>Guten Tag,
        Sie haben mehrfach irreführend behauptet, der Kleine Exorzismus“ sei den Laien erlaubt – nun geben Sie endlich zu, daß dies kirchenamtlich gerade nicht der Fall ist (was ich Ihnen schon vor Wochen bewiesen hatte!), sondern daß dies nur Ihre höchstpersönliche Meinung darstellt.<<<>>>Dann schreiben Sie das in Zukunft bitte von vornherein richtig, denn nur weil SIE etwas für richtig befinden, ist es noch lange nicht kirchlich erlaubt.<<<<<

        Siehe oben. Nicht jeder teilt ihre Auffassung von Dogmatik und Kirchenrecht. Siehe dazu etwa die "Zeugen der Wahrheit"-Website und die Bibel und Gloria.TV und das Kreuzgang-Forum und Kath.Net undso weiter….auch das Engel(s)werk ist teilweise anderer Meinung.

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      • Guten Tag,
        es ist völlig unerheblich, dass erscheinungsfixierte Seiten wie Gloria-TV oder Kathnet usw. Ihre Auffassung zum „Kleinen Exorzismus“ teilen. Es kommt allein darauf an, was die Kirche hierzu entscheidet, denn der Exorzismus ist nicht der Laien private Spielwiese, dafür ist das Thema zu ernst. Wenig überzeugend, in Ihre Aufzählung einfach so beiläufig noch „die Bibel“ reinzuschmuggeln, zwischen Gloria-TV und ZdW. Die echte Bibel befindet sich wahrlich in besserer Gesellschaft und ist nicht gegen das kirchliche Lehramt auszuspielen – das NT ist selbst ein Werk der Kirche – der Urkirche nämlich.
        Ende der Durchsage! Für Ihre ständigen Wiederholungen habe ich keine Zeit!
        Felizitas Küble

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  3. Dorrotee sagt:

    Ich kann Ihren Ausführungen in dem Artikel nur zustimmen.
    Und es gibt noch so viele andere Gebete mit diesen sogenannten Gebetsversprechen, die angeblich garantiert eintreffen, wenn man sie betet.
    Die Kirche und die Pfarrer sollten öfters davor warnen.
    Auch diese Brigitten-Gebete sind einem quasi schon lästig, wenn man nur hört und liest, was man alles beten muss.

    Gefällt 1 Person

  4. Neumann Th. sagt:

    Meinem Kommentar möchte ich noch folgendes hinzufügen:
    Dieses Gebet mit seinen Formulierungen ist kein Anhang an eine Privatoffenbarung, sondern mit seiner Legende als alleinstehende Andacht zusammengefügt und verbreitet worden.
    Es könnte sich von der Volksfrömmigkeit her betrachtet um einen mehr oder weniger bewusst konstruierten Text handeln. Es ist möglich, dass der Text erst mündlich weitergegeben und dann gedruckt zum „Gebetszettel-Bestseller“ wurde.
    Man denke zb. an die Andacht zur „heiligen Läng“, dies waren mit Gebeten bedruckte Papierbänder in der angeblichen Körpergrösse von Jesus und Maria. Oder die „Fussohlen“ von Jesus und Maria, auf Papier gedruckt, ausgeschnitten und in den eigenen Schuhen zu tragen. Erwähnt seien auch die sogenannten „Schluckbildchen“, welche findige Drucker an Wallfahrtsorten verkaufen liessen. Diese Andachtsformen, die viel Verbreitung hatten, erst geduldet, dann verboten, gehen auf keine Privatoffenbarung zurück, sondern auf die Vorstellungswelt, welche in der Volksfrömmigkeit geformt wurde, um dann im Laufe der Zeit vom Devotionalien-Gewerbe Gestalt zu finden

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  5. Neumann Th. sagt:

    Ach, das ist ja interessant, dass man das Gebet noch immer im Umlauf finden kann. Es ist seit dem 18 Jahrhundert auf Gebetszetteln, welche man an Wallfahrtsorten kaufen konnte, unterwegs, immer wieder abgedruckt, abgeschrieben. Dieses Gebet mit den Verheissungen, die hier sogar im Orignaltext sind, taucht auch in moderneren Gebetssammlungen auf, sowie in Pfarrer A.M. Weigels berüchtigtem „Gebetsschatz“ oder in dem Büchlein „Gebete mit Verheissungen“ aus den 90er Jahren. Manchmal als Fotokopie ausgelegt auf Schriftenständen in Kirchen- natürlich ohne Genehmigung des Pfarramtes.
    Solche „Wundergebete“ brachten schon seit der Gegenreformation als Druckerzeugnisse durch fliegende Händler guten Umsatz.
    Allerdings in Folge der Aufklärung wurden solche pseudo-frommen Gebete öfter beschlagnahmt, waren offiziell von der Obrigkeit (weltlich und kirchlich) verboten. Es gibt noch Listen mit zu beschlagnahmenden Druckschriften aus der Mitte des 19 Jahrhunderts, welche solche und ähnliche Piecen aufführen.
    Volkskundlich natürlich sehr interessant.
    Für meine Sammlung habe ich noch keinen alten original Gebetszettel mit diesem Inhalt finden können.

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    • Holger Jahndel sagt:

      @Neumann.Th.:

      @Neumann.Th.:

      Ferner vom Webmaster empfohlen

      Die heiligen sieben Himmelsriegel

      welche ein frommer Einsiedler von seinem Schutzengel bekommen hat. Mit der Bewilligung der hohen Geistlichkeit in Köln zum Druck befördert erstmals im Jahre 1757.

      Ihr frommen und andächtigen Christen, ich bitte euch im Namen Jesu, ihr wollet anhören die große Kraft und Wirkung von den heiligen sieben Himmelsriegeln die ein frommer Einsiedler von seinem Schutzengel bekommen hat, und als der fromme Einsiedler sterben wollte, so hat er die große Kraft von den heiligen sieben Himmelsriegeln Ihrer päpstlichen Heiligkeit Clemens dem Zwölften geoffenbaret und gesprochen:

      „Welcher Mensch die heiligen sieben Himmelsriegel bei sich trägt, von diesem Menschen müssen alle bösen Geister, Teufel und Gespenster abweichen bei Tag und Nacht, und in welchem Haus die heiligen sieben Himmelsriegel gedruckt liegen, in dieses Haus wird auch kein Donnerwetter einschlagen, und dieses Haus wird von allen Feuersbrünsten befreit sein; wenn aber ein Weib in Kindesnöten kommt, so nehmt die heiligen sieben Himmelsriegel, legt sie auf die Brust oder auf das Haupt, so wird sie ohne große Schmerzen gebären und mit einer lebendigen Leibesfrucht erfreut werden.

      Die heiligen sieben Himmelsriegel sind auch zu Prag bei einem Weibe probiert worden, welche schon fünf tote Kinder auf die Welt geboren; als sie aber zum sechsten schwanger war und Kindesmutter werden sollte, so hat ihr die Hebamme die heiligen sieben Himmelsriegel auf das Haupt gelegt, und gleich wurde sie mit einer lebendigen Leibesfrucht erfreut. Die heiligen sieben Himmelsriegel sind auch probiert worden bei einem Manne, welcher acht Jahre mit dreihundert bösen Geistern besessen war; da nahm ein Geistlicher aus der Gesellschaft Jesu die sieben Himmelsriegel und hat sie über die besessene Person gelesen und legte sie ihr aufs Haupt. Höret Wunder! da sind die bösen Geister augenblicklich aus ihm herausgefahren; und welcher Mensch die heiligen sieben Himmelsriegel bei sich trägt, diesem will Christus drei Tage vor seinem Tode die Stunde offenbaren, wenn er sterben muss; wenn aber einer die heiligen sieben Himmelsriegel sieben Freitage nacheinander betet und opfert das für seine verstorbenen Freunde oder andere arme Seelen auf, so kann er eine arme Seele aus dem Fegfeuer erlösen; und in welchem Hause die heiligen sieben Himmelsriegel sind, in dieses Haus wird keine Pestilenz oder üble Krankheit einreissen. Denn es soll kein Mensch sein, der die heiligen sieben Himmelsriegel nicht bei sich trägt. Wer aber nicht lesen kann, der bete freitags sieben Vater unser und Ave Maria und einen Glauben (Anm.: Credo) zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi. Amen“

      Gebet (Sieben Himmelsriegel)

      O allerheiligster Herr Jesu Christe! Ich ermahne Dich Deiner heiligsten Menschheit, die mit Verwilligung Gottes des Vaters und von dem heiligen Geist in dem Leibe der allerheiligsten Jungfrau Mariä empfangen worden.

      O Jesu! Du hast Dein heiliges Blut ganz geduldig für uns arme Sünder vergossen.

      O mein Jesu! Du hast uns mit Deinem heiligen bittern Leiden und Sterben die himmlische Pforte aufgeriegelt und dreiunddreißig Jahre für uns Sünder gelitten.

      O mein Jesu, ich betrachte Deine schmerzliche Beurlaubung von Deiner liebsten Mutter Maria.

      O mein Jesu! Ich gedenke an Dein dreistündiges Gebet am heiligen Ölberg, als Dir vor Mattigkeit ganz blutige Schweißtropfen über Dein so heiliges Gesicht herabgeflossen sind.

      O mein Jesu! Ich betrachte, wie Du gefangen, mit Stricken gebunden von einem Richter zum andern geführt und Dein allerheiligster Leib mit Geißeln zerfetzt worden ist, dass das heilige Blut über Deinen ganzen heiligen Leib herabgeronnen ist, hernach hat man Dir mit spitzigen Dornen* eine Krone auf Dein heiliges Haupt gedrückt, dass ein Dornspitz Deine heilige Hirnschale durchstochen, abgebrochen und in Deiner heiligen Hirnschale stecken geblieben ist.

      O mein Jesu! Ich betrachte, wie Du mit einem schweren Kreuz beladen worden bist und dasselbe bis an den Berg Calvariä getragen, wodurch Du eine tiefe Wunde empfangen hast auf Deiner so heiligen Schulter.

      O mein Jesu! Ich betrachte, wie Du nackend und bloß an das heilige Kreuz angenagelt worden bist.

      O mein Jesu! Ich betrachte, wie Du bist drei ganze Stunden an dem heiligen Kreuz lebendig verblieben und hast sieben heilige Worte gesprochen:

      1. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

      2. Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.

      3. Frau schau da deinen Sohn; Sohn, siehe deine Mutter.

      4. Mein Gott! mein Gott! Warum hast du mich verlassen?

      5. Mich dürstet.

      6. Es ist vollbracht.

      7. Vater! In deine Hände empfehle ich meinen Geist!

      Nach diesem bist Du, o mein herzallerliebster Jesu, an dem heiligen Kreuz verschieden.

      O mein Jesu! Mit deinem allerheiligsten bittern Leiden und Sterben und mit Deinen heiligen sieben Worten will ich N. N. meinen Leib und meine Seele auf ewig verriegeln. Amen.

      Zeugen der Wahrheit

      kath-zdw.ch/

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      • Neumann th. sagt:

        Ja, Danke, habe ich schon im Original in meiner Sammlung.
        Suche noch den Text der „Geistlichen Schildwacht“.

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