Die kirchliche Amazonas-Synode zwischen Befreiungstheologie und Öko-Sozialismus

Mathias von Gersdorff

Dass die Amazonas-Synode ein progressistisches Festival werden würde, ahnte man bereits. Stichwort „Abschaffung des Zölibats aus pseudo-pastoralen Gründen“.

Doch es fehlte noch an konkreten Hinweisen, um dies zu dokumentieren. Diese werden nun allmählich geliefert.

Die Jesuiten-Universität Georgetown in Washington, bekannt für ihre extravaganten theologischen Experimente, veranstaltet eine Konferenz zur Vorbereitung der Amazonas-Synode. 

Die „Katholische Nachrichtenagentur“ (KNA) berichtet dazu: „Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sprach sich für klare Ziele aus. „Der umfassende Schutz der ausgegrenzten Armen und der geschundenen Schöpfung haben absolute Priorität“, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz.“

Konkret bedeutet das: Angeblich pastorale Ziele werden verpackt in einem Programm zum Schutz einer „ausgegrenzten sozialen Schicht“ und zum Schutz einer angeblich „geschundenen Schöpfung“.

Dem europäischen Leser mag diese Verknüpfung fremd vorkommen. In reformkatholischen Kreisen Lateinamerikas ist diese Verbindung aber durchaus üblich. 

Hier geht es um eine Fortentwicklung der klassischen Befreiungstheologie (Übernahme der Methode des Klassenkampfes für kommunistische Ziele unter dem Deckmantel der katholischen Religion) hin zu einer Verschmelzung mit dem neuheidnischen und sozialistischen Ökologismus.

Insbesondere in Lateinamerika gingen diese beiden Strömungen in den letzten 30 Jahren (zumal nach der Verurteilung der Befreiungstheologie im Jahr 1984 durch Kardinal Ratzinger) eine Allianz ein: Nicht nur das sog. Proletariat demnach in der Marktwirtschaft ausgebeutet, sondern auch die Umwelt.

Die Befreiungstheologie versteckte sich nach der Verurteilung durch die Glaubenskongregation im Gewand des Umweltschutzes. Das alte Ziel behielt sie aber stets im Auge, also die Errichtung einer katholisch getarnten, sozialistischen Gesellschaft. 

Eine Überwindung dieser „Ausbeutung“ gelingt nach dem Verständnis der Progressisten durch die Aufhebung des Privateigentums und die Einführung eines marxistischen Systems. Eine solche Gesellschaft wird die Menschen zu ihrem primitiven „Urzustand“ führen, in der sie zwar bar jeglicher Zivilisation, aber im Einklang mit der Natur leben. Im Grunde eine Art Naturreligion mit katholischem Anstrich.

Dass hier marxistische politische Ziele unter kirchlichem Gewand angestrebt werden, ist offensichtlich. 

Die marxistische Revolution kann aber noch viel universeller ausgerufen werden. Wieso soll sie nur für die Amazonas-Anrainer gelten?

KNA schreibt nämlich: „Die Rechte der indigenen Völker werden regelmäßig mit Füßen getreten, wenn am Amazonas für unsere Autos Erdöl gefördert, für unsere Kraftwerke Kohle abgebaut, oder für unseren Fleischhunger Rinder gemästet werden“, ergänzte Thomas Wieland, der für Adveniat an der Konferenz in Washington teilnimmt.“

Hier werden klassisch sozialistisch-populistische Assoziationen hergestellt, nämlich das Bild des Südens, welches vom reichen Norden ausgebeutet wird. Ein typisches Klischee der 1960er und 1970er Jahre.

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Dank marktwirtschaftlicher Reformen (die man von Ländern des „Nordens“ kopiert hat) und Investitionen des „verhassten Nordens“ haben die lateinamerikanischen Staaten die wirtschaftliche und technologische Anpassung an die Industrieländer gefunden. Dies geschah durch den wirtschaftlichen Anschluss an kapitalistische Länder wie die USA, Deutschland und Japan. 

Solange die Länder Lateinamerikas sich in der Peripherie kommunistischer Diktaturen wie die Sowjetunion oder Kuba aufhielten, waren sie unterentwickelt und erreichten minimale Wachstumsraten. Das gilt vor allem für die Anrainer-Staaten des Amazonas. 

Erst durch marktwirtschaftliche Reformen in den 1980er und 1990er Jahren konnten massenhaft arme Menschen in den Mittelstand aufsteigen. Dies erwähnen die Progressisten in Europa niemals, denn sie wollen das (Zerr-)Bild eines unterentwickelten und armen Lateinamerikas pflegen. 

In Berkeley wird auch Kardinal Reinhard Marx sprechen. KNA schreibt über ihn: „Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die politische Bedeutung der Amazonas-Synode im Herbst unterstrichen.“

Damit ist sozusagen die „Katze aus dem Sack“. Es geht vor allem um Politik und zwar um sozialistische Politik. Es geht nicht um die Bekehrung der Völker zur katholischen Kirche oder um die Verbreitung des katholischen Glaubens im Amazonas-Gebiet. 

Nein, in der Amazonas-Synode geht um die Schaffung eines neuen sozialistischen, ökologistischen und antieuropäischen Paradigmas: Eine primitive Kirche in der Wildnis als Modell für die Universalkirche. Und eine Abkehr des benediktinischen Ideals von Kirche, das dieVerbreitung des katholischen Glaubens stets mit der Förderung des zivilisatorischen Fortschritts der Menschheit verknüpfte.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und schreibt seine aktuellen Beiträge u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/


8 Kommentare on “Die kirchliche Amazonas-Synode zwischen Befreiungstheologie und Öko-Sozialismus”

  1. Passauer Bischof Oster: „Beim Zölibat ist Spielraum drin“ – kein Dogma

    https://www.epochtimes.de/politik/welt/passauer-bischof-oster-beim-zoelibat-ist-spielraum-drin-a2832675.html

    Politik » Welt
    Passauer Bischof Oster: „Beim Zölibat ist Spielraum drin“ – kein Dogma
    Epoch Times23. März 2019 Aktualisiert: 23. März 2019 8:50
    Der Zölibat – die Verpflichtung katholischer Priester zur Ehelosigkeit – könnte geändert werden, meinte der Passauer Bischof Stefan Oster. „Anders als bei der Sexualmoral ist da mehr Spielraum drin, und der Papst hat schon ermutigt, hier nach neuen Wegen zu fragen“, so der Bischof.

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  2. Buch

    Beile Ratut hinterfragt in einem Essay das „westliche Denken“ der Kirchen
    Von
    PP-Redaktion –
    20. März 20190

    Die deutsch schreibende Finnin Beile Ratut, für Matthias Matussek die „wahrscheinlich … unterschätzteste Autorin des gegenwärtigen Literaturbetriebs“, rechnet in ihrem Essay „Das Fanal des Ego auf den Stufen zur Kirche“ knallhart und eloquent mit dem Denken der Kirchen der westlichen Welt ab. Ein Gastbeitrag von Rainer Buck

    https://philosophia-perennis.com/2019/03/20/beile-ratut-hinterfragt-in-einem-essay-das-westliche-denken-der-kirchen/

    https://philosophia-perennis.com/

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  3. Verheerend wirkte sich aus die Aufgabe der alten lateinischen tridentinischen Messe als traditionaler „Heiliger Messe aller Zeiten“ und traditioneller Messe für Katholiken durch die katholische Kirche – diese war und ist lebendige spirituelle christliche Tradition und Mystik.

    Kreuzgang – Kreuzgang-Übersicht

    https://www.kreuzgang.org/

    Beiträge insgesamt 714621 • Themen insgesamt 8844 • Mitglieder insgesamt 2659 • Unser neuestes Mitglied: enichlmayr. Hauptseite Kreuzgang-Übersicht.

    http://www.kreuzgang.org

    https://www.zum.de/Foren/politik/archiv/a349.html

    10.02.2005 – 1 Post
    Gutes katholisches Forum für Theologen, Religionslehrer und Interessierte. Nicht nur Religion, sondern auch Litteratur und Politk!

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    Zeugen der Wahrheit

    kath-zdw.ch/

    Der Sinn des Lebens ist die Suche nach der Wahrheit. Unser Leben hört mit dem Tod nicht auf. Unser Leben hat Konsequenzen – positive oder negative.
    ‎Zeugen der Wahrheit · ‎Index aller Seiten · ‎Schattenmacht ans Licht · ‎Forum

    http://kath-zdw.ch/

    Luthers Kirche ist tot

    https://www.geolitico.de/2017/01/18/luthers-kirche-ist-tot/

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  4. gelbkehlchen sagt:

    Kardinal Reinhard Marx und andere Protagonisten brauchen ja nur nach Venezuela zu gucken, um zu sehen, wie man ein reiches Land durch den Sozialismus zum Hungertod führt. Das ist zutiefst bösartig. Wenn die Mühsal der Arbeit nicht mehr belohnt wird und alles umverteilt wird, hat keiner mehr Lust, zu arbeiten. Ein ganz wichtiger Satz in der Bibel: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen!“ Wenn der Schweiß nicht mehr belohnt wird bzw. einem die Früchte der Arbeit weggenommen werden, hat keiner mehr Lust zu arbeiten. Und die ganze Gesellschaft geht den Bach herunter mitsamt der Wirtschaft. Und für ein Leben in der Steinzeit fehlt bei über 7 Milliarden Menschen der Platz auf diesem Planeten. Bzw. ohne Technik, nur mit den Möglichkeiten der Steinzeit, würden 9 /10 der Menschheit verhungern.

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  5. Anonymous sagt:

    Wenn wir den Herrn lieben, müssen wir mit größter Opferbereitschaft jene Teile der Kirche unterstützen, die total bis in die letzte Faser sich abgenzen, sich von der linken, neuen Arianerkirche, die Jesus zu einem Sozialapostel gemacht haben und den göttlichen Teil von ihm verleugnen. Maximilian Kolbe Apostolat: Matthias Lutz , Schulstraße 6, 66917 Wallhalben bruderkonrad@t-online.de MIssion im Dienste der Heiligen Jungfrau Maria

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    • @Anonymous:

      Zum Logos – siehe auch die Logos-Theologie nach Justin dem Märtyrer als Kirchenlehrer und Kirchenvater und dem Heiligen Irenaeus von Lyon, der diese von ihm übernahm – die orthodoxen und orientalischen Kirchen des Ostens und Ostkirchen bzw. slawischen Kirchen folgen diesen beiden meist als Theologen, während die Katholiken theologisch und als Kirchenlehrer meist dem Heiligen Augustinus und dem Heiligen Thomas von Aquin den Vorzug gaben. Siehe auch Kardinal Nikolaus von Kues als Cusanus und Nikolaus von Oresme und den Heiligen Bernhard von Clairveaux und Stephen Harding und Hugo de Peyens. Weiterhin den Aufsatz von Elias Erdmann zum jüdischen Theologen und Mystiker und hermetischen Philosophen der Hermetik als Natur- und Religionsphilosophie Philo(n) von Alexandrien und seine anderen freien Online Texte – siehe eventuell auch Clemens von Alexandrien als Heiliger Klemens und seinen Schüler Origenes und dessen Schüler Gregor Thaumaturgus und Lactantius als Laktanz und Dionysios Areopagita und Firmicus Maternus.

      https://www.geolitico.de/?s=Logos zum LOGOS und zur Logos-Theologie und „Epiphanias“

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