Kritik an ARD wegen (Nicht-)Berichterstattung zum Brand von Notre-Dame

Die ARD hat sich dafür gerechtfertigt, am Montagabend keine Sondersendung zum Brand der Notre-Dame in Paris gezeigt zu haben, sondern stattdessen wie geplant eine Tier-Doku ausstrahlte. Ein „Brennpunkt“ wäre zwar wünschenswert, zu dem Zeitpunkt aber logistisch nicht zu bewerkstelligen gewesen, zitiert die Welt ARD-Chefredakteur Rainald Becker.

Erste Meldungen und Berichte über das Feuer in der Notre-Dame waren allerdings bereits um 19 Uhr verbreitet worden. Zahlreiche private sowie ausländische staatliche Sender berichteten in der Folge live von den Geschehnissen in Paris.

Der frühere Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, äußerte auf Twitter wenig Verständnis für die Entscheidung seines ehemaligen Senders. Er könne es nicht nachvollziehen, daß es keinen „Brennpunkt“ gebe, wenn eines der Symbole Frankreichs in Flammen stehe.

Skeptisch reagierte auch die frühere Fernseh-Chefredakteurin beim WDR, Sonia Seymour Mikich. Auf Twitter fragte sie: „Warum muß ich so lange bei CNN oder BBC einschalten?“

Quelle und FORTSETZUNG der Meldung hier: https://jungefreiheit.de/kultur/medien/2019/ard-verteidigt-berichterstattung-zu-notre-dame-brand/


Wie kann die Kirche „Brücken bauen“?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Papst hat den Beinamen Pontifex, d.h. Brückenbauer. Aber auch von Bischöfen verlangt man, wie jetzt vom Nachfolger des Bischofs Huonder von Chur, dass sie Brückenbauer seien.

Da es nicht nur im Bistum Chur Katholiken gibt, die in wesentlichen Fragen der katholischen Lehre gegensätzliche Positionen vertreten, sind die Anmerkungen von Bischofssekretär Christoph Casetti von einer Bedeutung, die über Chur hinausreicht.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Christoph Casetti erklärt: „Er (der Bischof) soll Brücken bauen und so die Einheit in der Diözese wieder herstellen. Doch wie kann er diejenigen vereinen, die sich grundsätzlich nicht einig sind in den Fragen wie z.B. … Ist Jesus wirklich der Sohn Gottes und nicht nur der Menschensohn, der Sohn Josefs? Ist er wirklich von den Toten auferstanden oder geht einfach seine Sache weiter? Können nur Männer Priester werden? Können die wiederverheirateten Geschiedenen zur hl. Kommunion gehen oder nicht? Kann die ‚Ehe für Alle‘ von der Kirche anerkannt werden? Ist nur die natürliche Familienplanung erlaubt oder muss die Kirche endlich die Verhütung frei geben?“ (Tagespost, 11.4.2019).

Solche Gegensätze könnten nach Casetti nur „um den Preis eines völligen Relativismus in Bezug auf die Glaubenswahrheiten und die daraus folgende Lebenspraxis vereinigt werden.“

Man sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in einer geistigen Auseinandersetzung befinden, die totalitären Charakter hat. Diese Auseinandersetzung findet nicht nur mit den Gegnern außerhalb der Kirche, sondern auch mit denen in ihrem Inneren statt.

Das derzeitige Kampffeld sind die sexuellen Missbrauchsfälle. Sie werden instrumentalisiert, um eine „andere Kirche“ zu schaffen. Es wird nicht die nahestellende Frage gestellt, was die Ursachen sind, die zu den Missbrauchsfällen geführt haben.

Wer sie auf den Tisch bringt, wie die Kardinäle Brandmüller, Burke und Müller oder jetzt Benedikt XVI., der wird mit den medialen Mitteln als Störenfried niedergemacht oder totgeschwiegen.

Der totalitäre Charakter zeigt sich darin, dass alle Medien, profane und kirchliche, aktiviert werden, damit die entscheidenden Fragen unter dem Deckel gehalten werden. Wie soll ein Bischof, der sich an die Lehre der Kirche hält, Brücken bauen, wenn unter den Brückenbogen die Kräfte, die eine andere Kirche wollen, ihre Politik weiter beinhart verfolgen?

Bei der Instrumentalisierung der sexuellen Missbrauchsfälle geht es um die Zukunft der katholischen Kirche.

Der amerikanische Publizist George Weigl hat in seinem Offenen Brief an Kardinal Marx nach der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz, die den „synodalen Weg“ für die Kirche beschlossen hat, festgestellt: “Die deutsche Kirche – der Katholizismus meiner Vorfahren – stirbt. Er wird nicht durch ein Abziehbild des sterbenden liberalen Protestantismus wiederbelebt“ (Kath.net vom 28. März 2019).

Wie sollte der Brückenbauer aussehen? Kardinal Woelki geht den aktuellen Fragen nach: „Was wollen die Menschen? Was wird von der Kirche erwartet? …Wo muss sie sich anpassen, weil sie sonst keine Akzeptanz mehr findet?“

Woelki beantwortet diese Fragen damit: Für die Kirche „ergeben sich schnell Forderungen, die Kirche müsse aufgeben, was ‚überholt‘ ist, sie müsse ‚zeitgemäß‘ werden und habe ohne Zugeständnisse an die Forderung von Menschen und Medien schlicht keine Zukunft mehr. Weiter: die Kirche müsse die ‚Lebenswirklichkeit‘ anerkennen, sich ‚neu erfinden‘.“

Der Kölner Erzbischof antwortet darauf: “Wie groß der mediale Handlungsdruck und die öffentlichen Erwartungen auch sein mögen, die Kirche könne sich keine Veränderungen ihrer Lehre abtrotzen lassen, wenn diese dem Geist des Evangeliums widersprechen“.

Woelki weiter: „Das gilt nicht nur für die … Dogmen, wie die Dreifaltigkeit oder die Gottessohnschaft Christi, sondern auch für andere grundlegende Fragen… die Schöpfungsordnung, gegenseitige Hinordnung von Mann und Frau, ihrer grundsätzlich auf neues Leben hin offene Liebe und Treue…“

Woelki nennt in diesem Zusammenhang die übrigen aktuellen Forderungen in Bezug auf Zölibat, Homosexualität, Sex vor der Ehe. Schließlich: Die Kirche „muss nicht erfunden, sondern wieder aufgefunden werden, von neuem gesucht werden“. (Die Tagespost vom 28.3.2019)

Der Kern des Problems bei den sexuellen Missbrauchsfällen und dem beschlossenen „synodalen Weg“ liegt in der Weigerung, den Forderungen Jesu am Beginn seiner Mission nachzukommen: „Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Als nun Benedikt XVI. emeritus, was er „aus der Rückschau heraus zu einem neuen Aufbruch beitragen könne“, geäußert hat – nach Kardinal Müller „Die tiefgründigste Analyse der Genese der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche in Fragen der Sexualmoral und intelligenter als alle Beiträge beim Gipfel der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen“ (Info@eurient.de, 13.4.2019) – setzte in profanen Medien, aber auch innerkirchlich, ein Sturm der Entrüstung ein.

Kardinal Müller merkt dazu an: „Es ist ein Skandal, dass katholische Bischöfe Plattformen finanzieren und so die Kirchensteuern zweckentfremden, die eindeutig Positionen vertreten, die mit der katholischen Glaubens- und Sittenlehre in Widerspruch stehen“.

Wie Benedikt XVI. konstatiert Kardinal Müller: „Wir kommen nur aus der Krise, wenn das Übel beim Namen genannt wird“.

Jene „Katholiken, die der heiligen Schrift, der apostolischen Tradition und dem Lehramt treu sind“, werden als „konservative Katholiken“ kaltgestellt oder mundtot gemacht. Dazu – so Kardinal Müller – ist ihnen „jedes Mittel, auch das der Verleumdung und Ehrabschneidung recht“. (Info@eurient.de 13.4.2019)

Wie können da Brücken gebaut werden?