„Ärzte für das Leben“ gegen Bluttest: Keine Selektion von Kindern mit Down-Syndrom

Der Vorsitzende der „Ärzte für das Leben“, Professor Dr. med. Paul Cullen (siehe Foto), kritisiert den Beschluss des 122. Ärztetags in Münster, die umstrittenen pränatalen Bluttests zur Feststellung von Trisomien in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen. 

Ende Mai hatte die Bundesärztekammer mitgeteilt, der Ärztetag habe beschlossen,dass „Bluttests zur vorgeburtlichen Feststellung einer Trisomie … als Kassenleistung verankert sein [sollen] … Die Frage über die Entscheidung, ein behindertes Kind zu gebären und zu pflegen, dürfe nicht vom Geldbeutel der werdenden Eltern abhängig gemacht werden.“

Im Konzert mit vielen anderen gleichlautenden Verlautbarungen aus anderen gesellschaftlichen Kreisen werde dieser Beschluss aus der Ärzteschaft maßgeblich dazu beitragen, dass der sog. „Praenatest“ auf Down-Syndrom und anderen seltenen Trisomie in Deutschland bald Routine werde.

„Mit diesem Schritt wird das Schicksal der meisten Kinder mit Down-Syndrom in Deutschland besiegelt sein. Denn die ganz überwiegende Mehrheit solcher Kinder erblicken bei einem vorgeburtlichen Nachweis nicht das Licht der Welt, sondern werden abgetrieben“, so Cullen weiter.

Der Vorsitzende der Ärzte für das Leben verteidigte in diesem Zusammenhang auch den Gebrauch des Wortes „Selektion“. Welcher Zweck wird mit den Praenatest verfolgt, „wenn nicht die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom?“

Unlängst habe der emeritierte Hamburger Strafrechtler Reinhard Merkel, der im Falle des Down Syndroms der Abtreibung bis direkt vor der Geburt das Wort rede, sich massiv gegen die Verwendung des Begriffs „Selektion“ in Zusammenhang mit dem Praenatest ausgesprochen. Merkel habe sogar versucht, diesen Begriff in einem „Framing“ mit der „Rampe von Auschwitz“ zu verbinden (FAZ vom 26.4.2019).

„Dabei wird das Wort ,Selektion’ in diesem Kontext universell verwendet. Selbst Autoren wie die Feministin und entschiedene Befürworterin einer liberalen Abtreibungspraxis, Kirsten Achtelik, kritisieren die Pränataldiagnostik scharf und sprechen in diesem Zusammenhang von dem Wunsch nach einer ,Selbstbestimmung ohne Selektion’“, erklärte Cullen und fügte hinzu:

„Dass der Ärztetag seinen Beschluss mit wirtschaftlichen Argumenten rechtfertigt, macht die Sache nicht besser. Anstatt vor der Gefahr einer flächendeckenden Ausweitung dieses Tests in Richtung einer regelrechten Rasterfahndung zu warnen, wird unter dem Deckmantel des sozialen Gewissens ein zutiefst unmenschliche und gegen das ärztliche Ethos gerichtete Praxis legitimiert.“

Quelle: Newsletter der Aktion Lebensrecht für alle (ALfA)


6 Kommentare on “„Ärzte für das Leben“ gegen Bluttest: Keine Selektion von Kindern mit Down-Syndrom”

  1. Erik Eschmann sagt:

    Die Abtreibungsgegner sind also dagegen, dass die Krankenkassen den Pränatest bezahlen?!
    Sie sind aber nicht gegen den Pränatest schlechthin.
    Ich würde auch auf die Barrikaden gehen, wenn die Abtreibungsgegner diesen Pränatest generell verbieten, auch für „Eigenzahler“.
    Dadurch, dass die Abtreibungsgegner aber nur dagegen sind, dass die Krankenkassen diesen Test bezahlen, aber keine Einwände haben, dass die Betuchten diesen Test mit ihrem Sonntagsgeld bezahlen können, verrät, dass es den Abtreibungsgegnern nicht um den Embryo geht, sondern nur darum, den kleinen Leuten zu verbieten, Kinder zu bekommen, die keine Trisomie 21 (Down-Syndrom) haben.
    Das ist eine Zwei-Klassenmedizin:
    Die Armen bzw.die „Geringverdiener“ wie es heute heisst müssen behinderte Kinder kriegen, während die Reichen das Privileg haben, Kinder ohne Trisomie 21 zu bekommen.

    Ich habe die Abtreibungsgegner noch nicht fordern gehört, dass dieser Pränatest allgemein und für alle verboten wird?

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    • Guten Tag,
      die Lebensrechtsbewegten sind grundsätzlich gegen den Praena-Test, aber der konkrete Anlaß für aktuelle Stellungnahmen ist die Kassenfinanzierung – immerhin bezahlen damit auch die anderen Versicherten diese Selektionsmethode mit, selbst wenn sie entschieden dagegen sind.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Robert Schmidt sagt:

        Sehr geehrte Frau Küble,

        Niemand, der „entschieden“ gegen Abtreibung, Pränatest, Präimplantationsdiagnostik ist, „muss“ diese „Selektionsmethoden“ bzw. „vorgeburtliche Kindstötung“ mitfinanzieren, denn Sie können ja Mitglied einer Krankasse werden, welche Abtreibung, Pränatest, PID nicht bezahlt.
        Und wenn von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen keine bereit ist, die Finanzierung von Abtreibung, Pränatest, PID zu unterlassen, dann treten Sie doch in die „Kirche, Orden, Caritas“(KOC)-Versicherung ein, welche auch keine Abtreibungen bezahlt.
        Oder aber Sie gründen selber eine Krankenkasse für strenggläubige Katholiken und andersgläubige Abtreibungsgegner.
        Mich erinnert diese Argumentation – Sie wahrscheinlich auch – an einen Rechtsstreit, den Frau Ursula Zöller, die damalige Chefredakteurin der katholischen „Tagespost“, vor Jahrzehnten führte und, soweit mir in Erinnerung ist, diesen vor dem Bundesverfassungsgericht verlor, wenn auch nur aus formalen Gründen. Frau Zöller liess durch ihren Rechtsanwalt Wolfgang Philipp eine „Normenkontrollklage“ einreichen und dazu ist Frau Zöller als Privatperson nicht befugt.Wie dem auch sei,
        Sie „müssen“ jedenfalls Abtreibung, Pränatest, PID nicht mit ihren Krankenversicherungsbeiträgen finanzieren.
        Falls ich mich irren sollte, bitte ich um Nachricht.
        Freundlichen Gruss
        Robert Schmidt

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      • Guten Tag,
        der Versuch, eine Versicherung, die keine Abtreibungen vornimmt, in Deutschland einzurichten, ist schon vor mehreren Jahren gescheitert. Ich wurde ja damals selber angeworben. Es gab zwar mal eine PAX-Versicherung, aber die war speziell für katholische Priester – und allenfalls noch Diakone – eingerichtet.
        Mir ist keine einzige allgemeine Krankenkasse bekannt, die komplett auf die Finanzierung von Abtreibung verzichtet.
        Ursula Zöller kenne ich seit Jahrzehnten persönlich, sie war damals Chefredakteurin der „Neuen Bildpost“, nicht der Tagespost, wenngleich beides katholische Publikationen sind. Heute leitet sie mit Frau Susanne Wenzel die „Neue katholische Frauenbewegung“, für die wir hier bereits geworben haben und es weiter tun werden.
        Soll wohl ein Scherz sein, ich solle doch selber eine entsprechende Krankenversicherung gründen – meinen Sie, ich hätte mit der komplett ehrenamtlichen Arbeit hier im CHRISTLICHEN FORUM – neben meinem Verlagsleiterberuf – noch nicht genug zu tun?
        Gerade arbeite ich jetzt kurz vor 22 Uhr noch am Computer – wie fast jeden Tag.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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  2. Dorrotee sagt:

    Diese Praenatest ist der Anfang von vielen weiteren Test zur Feststellung einer Behinderung.
    Mitlerweile gibt es ja schon weitere vorgeburtliche bekannte Behinderungen.
    Das Downsyndrom-Kind ist der Präsedenzfall. Man konnte am besten damit forschen. Somit ist diese Menschengruppe herausgepickt worden.
    Dabei sind diese Menschen sehr lieb und geben dem Mitmenschen einen anderen Blick auf diese Welt.
    Viele Eltern, die ein Downkind haben, möchten nicht mehr auf diese Erfahrungen mit dem Kind verzichten. Meine Freundin, die ein „Downie“ hat, sagt: „Er gibt soviel Liebe und man spürt seine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Eltern.“ Obwohl er nur ein paar Wörter spricht. Ansonsten gibt er nur Laute von sich. Aber auch die Laute sind erfüllt mit Gefühlen, die er zum Ausdruck bringen möchte.

    Die Eltern können sich dann entscheiden, ob sie mit einer solchen Behinderung leben wollen.
    Und wenn sich viele Elternpaare zur Abtreibung entscheiden, wird es zum Mainstream, welche Behinderungen unsere Gesellschaft überhaupt noch zulassen wird.

    Diese Entwicklung ist zutiefst traurig und wirft uns ins Babarentum und Römerherrschaft zurück. Da konnte der Familienvater seine ungeliebten neugeborenen Kinder ohne Strafe ersäufen.

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    • Helga Wensky sagt:

      @ An Dorrotee

      Ich bin ein „böses Downie“.
      Sie haben doch selber gesagt, dass die Eltern sich entscheiden können, ob sie ein „downie“ haben wollen oder nicht und das ist richtig so.
      Und wenn es zum „Mainstream“ wird, dass abgetrieben wird, sobald festgestellt wird, dass der Embryo eine Behinderung hat – na und?
      Was ist dabei?
      Liebe Dorrotee,
      ich gehe davon aus, dass Sie nicht das Down-Syndrom haben?!
      Ich würde Ihnen am liebsten folgenden Vorschlag unterbreiten, wenn er realisierbar wäre:
      Man müsste Ihnen das Chromosom 21 ebenfalls in dreifacher Ausfertigung verpassen wie bei mir, dann leben Sie mal ein Jahr als „mongoloider Krüppel“ – Verzeihen Sie meine „diskriminierende“ Ausdrucksweise – und dann reden wir weiter.
      Wenn Sie, nachdem Sie ein Jahr lang als Downie-„Krüppelin“ gelebt haben und ihre Meinung beibehalten, ändere ich auch meine Meinung.

      Wenn ich mir eine persönliche Anmerkung erlauben darf:
      Ich bin als ungeliebtes Kind mit Trisomie 21 geboren worden.
      Ich habe meine Eltern nicht einmal gebeten, geschweige denn gezwungen, mich zu „machen“.
      Mir wäre es lieber, ich wäre abgetrieben worden.
      In meiner Kindheit wurde ich insbesondere von Euch Abtreibungsgegnern wie ein Mensch dritter Klasse, oder sagen wirs besser auf Deutsch: wie der letzte Dreck behandelt.
      Das nehme ich Euch im nachhinein noch nicht mal übel, aber ich nehme Euch übel, dass Ihr den Bluttest verbieten wollt und dass Ihr gegen das Recht auf Abtreibung seid.

      Und was die Ärzte anbelangt:
      Ich nehme den Ärzten nicht übel, dass sie zu dumm – Verzeihung: nicht in der Lage sind, mir das dritte Chromosom aus dem Körper zu entfernen, sprich: mich von meiner Behinderung zu heilen.
      Aber ich nehme es den Ärzten übel, wenn diese aus der Rolle fallen und Abtreibung und den Bluttest verbieten wollen.

      Zornige Grüße
      Helga Wensky
      Ungeliebter mongoloider Krüppel

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