Der verhängnisvolle Einfluß der Gender-Ideologie auf „Transkinder“

Von Christa Meves

Hierzulande gibt es Spezialkliniken, die sich (außer mit Erwachsenen) auch mit den sogenannten „Transkindern“ beschäftigen. Das sind Minderjährige, die mit ihrem angeborenen Geschlecht unzufrieden sind und die das – meist in das Gegengeschlecht – verändern wollen.

In der Klinik Münster z. B. hat sich die Zahl der Ratsuchenden von 70 im Jahr 2014 auf etwa 180 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt (1).

Doch das erweist sich nicht nur als ein neuer problematischer Fachbereich bei uns (besonders auch durch die erforderlichen Gutachten), sondern zeigt in allen westlichen Ländern eine bedrängende Entwicklung durch ähnliche Zahlen.

In Großbritannien etwa begaben sich 2010 erst 94 Minderjährige in die Londoner Spezialklinik. Im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl auf 2519 Fälle angehäuft (2).

Kürzlich las ich, dass sich sogar die im Grunde doch noch bodenständige Schweiz mit Problemen dieser Art zu beschäftigen hat. Aber wie bei uns (siehe z. B. Mathias von Gersdorff, Hedwig von Beverfoerde) wollen sich auch in der Schweiz Eltern mit ihren oft noch gesunden Familien das nicht mehr gefallen lassen.

Dort tritt z. B. besonders der Verband „Zukunft CH“ – initiiert von dem namhaften Pastor Hans-Jörg Stückelberger – an die Öffentlichkeit. In der letzten Verbandsmitteilung – unter der Regie der bewährten Redaktion von Beatrice Gall vom Juli 2019 – beschäftigt sich der Mitarbeiter dieses Vereins, Dominik Lusser, besonders mit diesem Thema: „Transkinder sind danach Unmündige, denen mit Erfolg die Vorstellung vermittelt worden ist, dass sie sich ihr Genital umoperieren lassen können, um mit sich zufrieden zu werden“ (3).

In der Schweiz seien das immer mehr Minderjährige gewesen. Der erste Schritt dazu beginne mit einer jahrelangen Behandlung durch Hormone des Gegengeschlechts. Neben einem interessanten Interview mit einem betroffenen Mädchen reagierte man in der Zeitschrift dann mit einem Aufruf, den ich zitieren möchte:

„Eine wachsende Zahl von Minderjährigen wird in der Schweiz inzwischen mit Hormonen und Geschlechtsumwandlungen behandelt – weil sie sich – so zumindest die Diagnose – in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Und das, obwohl die Forschung zeigt, dass sich in 80 bis 95 Prozent aller Fälle die Geschlechtsidentitätsstörungen bis zur späten Jugend auflösen, wenn sie vor der Pubertät auftreten.

Diese Behandlung der sogenannten ‚Transkinder’… gibt somit massiven Anlass zur Sorge. Die in weiten Teilen irreversible Behandlung wird von Betroffenen in der Folge oft bereut, da sie die eigentlichen Probleme nicht gelöst hat. Denn in der Regel sind Anerkennung und Bestätigung das Kernthema, und nicht das Geschlecht. So wird derzeit, unterstützt von den großen Medien, eine Lebenslüge verbreitet, welche Menschen zutiefst unglücklich macht“ (4).

Das ist eine vorzügliche Analyse, die praktischer psychologischer Erfahrung entspricht. Beweisbar ist das auch durch Erfahrungen mit Geschlechtsumwandlungen in den USA, in Schweden und weiteren Ländern (5).

Dort begann dieser Trend bereits in den 60er Jahren. Aber er hat inzwischen zu dem Ergebnis geführt, dass viele der Kliniken bereits wieder geschlossen sind. Die alte Unzufriedenheit mit sich selbst brach bei vielen Operierten mit dem Wunsch nach erneuten Veränderungen wieder durch. Die Zufriedenheit hielt nach anfänglicher Euphorie nicht mehr vor, und es kam zu einer Vielzahl von Selbsttötungen.

Einen bestätigenden Bericht darüber brachte auch die WELT vom 03.06.2019 über einen 26-jährigen jungen Mann, der sich in seinem Elternhaus erhängte, nachdem er – nach einer Odyssee von konträren Hormonbehandlungen – zunächst im Alter von 18 Jahren als umoperiertes Mädchen zu leben versuchte; aber dann doch nicht glücklich geworden, schließlich wieder zum Mannsein zurückzufinden suchte (6).

Wir sollten diese Mahnungen ernst nehmen; denn hierzulande greift die Genderideologie um sich. Sie vermittelt die Fehlvorstellung, dass jedermann – auch schon das Kind – sein angeborenes Geschlecht verweigern und eine andere geschlechtliche Orientierung wählen könne.

Praktisch arbeitende Kinderpsychotherapeuten können nun zwar allerdings erleben, dass Kinder – in der Phase ihrer Identitätsfindung zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr – aufgrund von negativen Eindrücken meist gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil eine Weile die Vorstellung entwickeln, als Junge kein Mann werden zu wollen wie Vater oder als Mädchen keine Frau wie die Mutter.

Mit Gender infizierte Erzieherinnen und Grundschullehrer halten dann nun neuerdings nicht selten diese Gefühle der Unsicherheit am Brennen. Sonst verflüchtigen sie sich meist bald wieder im Grundschulalter. Aber auch durch gezielte Elternberatung lässt sich die Fehlvorstellung beseitigen – erst recht in den aller-allermeisten Fällen, in denen eine Hormontestung erweist, dass hier gesunde Verhältnisse vorliegen.

Wie schändlich, wie unverantwortlich ist die meist vorausgegangene Strategie der Verführung von Kindern und Jugendlichen – womöglich gar mithilfe von staatlich sanktioniertem Schulunterricht – in junge Körper hinein, die noch gar nicht ausgereift sind!

Aufklärung in solchen Fällen ist also auch hierzulande notwendig! Hilfen brauchen die mit ihrem Geschlecht hartnäckig hadernden Kinder allerdings dringend. Aber die haben den Fokus ihrer Unzufriedenheit nicht wirklich in ihrer geschlechtlichen Orientierung, sondern in einer seelischen Befindlichkeit, die im Erleben des Kindes gründet.

Mit barbarischen Methoden unter falschen Vorstellungen lässt sich Zufriedenstellendes nicht erzwingen; denn wer es wagt, der Großmacht Natur trotzig seinen Eigenwillen entgegenzusetzen, der unterliegt ihrer unerbittlich werdenden Macht; denn dahinter steht der großmächtige Wille des Schöpfers mit der unumgänglichen Aussage: „Als Mann und als Frau schuf ER sie“ (1. Mose 1, 26-27).

Fußnoten:
(1) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019
(2) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019
(3) Zukunft CH – Mit Werten Wert schaffen, Magazin 4/2019
(4) ebenda: S. 12
(5) https://iftcc.org/de/resource/transsexualitaet-seit-fuenfzig-jahren/
(6) Die Welt, Geschichte eines gescheiterten Geschlechtswechsels, 03.06.2019

 


Seliger Pfarrer Emilian Kowcz: Märtyrer der katholischen Ostkirche und Retter der Juden

Von Felizitas Küble

Der katholische Priester Emilian Kowcz aus der Ukraine, der am 24. April 2001 von Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen wurde, ist ein wahrer „Pontifex“, ein Brückenbauer zwischen den Völkern; als Retter vieler Juden in schwerer Zeit dient er zugleich der Verständigung zwischen Katholiken und Juden.

Außerdem gehörte der Priester (auf ukrainisch hieß er Omeljan Kowtsch) zur griechisch-katholischen Kirche des orthodoxen (ostkirchlichen) Ritus, die seit Jahrhunderten mit Rom verbunden ist (unierte Kirche).

Der am 25. März 1944 im KZ Majdanek verstorbene Geistliche wurde am 24. April 2009 in Kiew feierlich zum „Patron der Seelsorger“ für die katholisch-ukrainische Ostkirche ernannt.

Bereits 10 Jahre zuvor, am 9. September 1999, proklamierte der „Rat der Juden“ in der Ukraine den Märtyrerpriester zum „Gerechten der Ukraine“.

Katholiken und Juden sind sich einig in der Wertschätzung und Würdigung dieses vorbildlichen Pfarrers, dessen Leben und Wirken geprägt war von seinem seelsorglichen Einsatz für die katholischen Gläubigen, aber auch von seiner Wertschätzung der Juden, in denen er das „Volk des Alten Bundes“ erkannte und ihnen ihren Messias Jesus Christus nahebringen wollte.

Der am 20. August 1884 in Kosmach (Galizien, Westukraine) geborene Emilian Kowcz studierte in Lemberg und Rom. Nach erfolgreichem Abschluß kehrte er in die Ukraine zurück und heiratete, wie dies in der griechisch-katholischen Ostkirche vor der Priesterweihe üblich und kirchenrechtlich erlaubt ist; seine Ehe wurde mit sechs Kindern gesegnet.

1911 erhielt Emilian Kowcz die Priesterweihe; er war zunächst als Kaplan und danach als Militärgeistlicher tätig.

Ab 1922 wirkte er als Pfarrer in einem Lviver (Lemberger) Bezirk, wobei er mehrfach von der polnischen Besatzungsmacht verhört und verhaftet wurde. Allein von 1925 bis 1934 wurde sein Pfarrhaus ca. 40 mal nach „antipolnischem Propagandamaterial“ durchsucht, was mehrere Gefängnisaufenthalte zur Folge hatte. Die Situation wurde nicht einfacher, nachdem dieses Gebiet 1939 von den Sowjets besetzt wurde.

Die Menschen in seinem Gemeindebezirk Peremyshljany setzten sich etwa zu gleichen Teilen aus Polen, Ukrainern und Juden zusammen. Als deutsche Truppen 1942 in die Stadt einmarschierten, wurde die rote Diktatur durch eine braune ersetzt, der International-Sozialismus durch den National-Sozialismus; der Kirchenhaß blieb unter dem Hakenkreuz im wesentlichen derselbe wie unter dem Sowjetstern.

Die Nazis richteten ein Ghetto für Juden ein und führten weitere antijüdische Maßnahmen durch, womit sich Pfarrer Emilian keineswegs abfand, wobei ihm seine Furchtlosigkeit später das Leben kosten sollte.

Als die NS-Schergen ausgerechnet an einem Sabbat Sprengstoff in die mit betenden Menschen gefüllte Synagoge warfen und danach die Tür von außen verriegelten, eilten Nachbarn zu Pfarrer Emilian und schilderten ihm diese Greueltat. 

Sofort rannte der Priester mit einigen Helfern zum Tatort. Da er gut deutsch sprach, schrie er die Nazi-Aktivisten derart an, daß diese sich verunsichert von der Synagoge zurückzogen.

Zusammen mit seiner Helferschar riß er die Tür des brennenden Gebetshauses auf und rettete viele Juden vor den Flammen, auch den Rabbi von Bels. Zudem warnte er seine Gläubigen in Predigten und Exerzitien davor, sich von judenfeindlichen Parolen und Provokationen der neuen Machthaber beeinflussen zu lassen.

Die Rettungsaktion des unerschrockenen Geistlichen sprach sich bei Juden in der Region überall schnell herum. Nicht nur einzelne, sondern ganze Gruppen von Juden kamen zu ihm und wollten sich taufen lassen. Manche waren von seiner christlichen Haltung und seinem tapferen Format beeindruckt und wollten daher das Christentum dieses ungewöhnlichen Mannes kennenlernen; andere glaubten, sich durch die Taufe vor der Judenverfolgung schützen zu können.

BILD: Der leidende Christus mit einem jüdischem Gebetsschal in der Sankt-Bernhard-Kirche von Münster

Pfarrer Emilian befand sich im Dilemma: einerseits wollte er gerne Juden retten, andererseits ist die Taufe kein „Mittel zum Zweck“, um vor dem KZ zu bewahren. Auch jene Juden, die sich als innerlich aufgeschlossen für das Christentum erwiesen, bedurften immerhin einer theologischen Vorbereitung.

Nach langem inneren Ringen und einem Gespräch mit seinem griechisch-katholischen Metropoliten entschied sich der Priester für einen „mittleren Weg“, nämlich für die Taufe von Juden zu „Minimalbedingungen“: wenn diese zum Erlernen des Glaubensbekenntnisses bereit waren.

Er erklärte den taufwilligen Juden aber auch, daß der Eintritt in die Kirche sie nicht automatisch vor dem KZ bewahren wird, da die braunen Machthaber auch Judenchristen verfolgten, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie ungetaufte Juden.

Auch dieser Einsatz des Priesters für bedrängte Juden war der NS-Besatzung ein Dorn im Auge. Am 30. Dezember 1942 wurde Pfarrer Emilian ins Gefängnis nach Lviv (Lemberg) gebracht. Dort bot ihm ein Offizier der Gestapo (Geheime Staats-Polizei) die Freilassung an, wenn er das Taufen von Juden beende:

„Wissen Sie nicht, daß es untersagt, ist, Juden zu taufen?“
„Nein.“
„Wissen Sie es jetzt?“
„Ja.“
„Werden Sie weiter Juden taufen?“
„Natürlich.“

Daraufhin verlegte man den „Unbelehrbaren“ ins KZ Majdanek bei Lublin, das erste KZ der SS im besetzen Polen. Dort setzte er seine Seelsorge unter den Mitgefangenen fort, hörte die Beichte von Häftlingen, segnete Kranke und Leidende und feierte heimlich den Gottesdienst in der byzantinischen Liturgie. Er wollte für möglichst viele Menschen eine „Brücke in die Ewigkeit“ sein, ihnen Glaubensmut und Gottvertrauen zusprechen und die Sakramente spenden.

Nach Weihnachten 1943 erkrankte er schwer und wurde ins Lager-Lazarett verlegt, wo er am 25. März 1944 verstarb, angeblich an den Folgen einer Thrombose im rechten Bein. Andere Quellen sprechen von einem Tod in der Gaskammer. Wie dem auch sei: Es war der Heimgang eines heldenmütigen katholischen Priesters und Brückenbauers zwischen den Völkern sowie zwischen Christen und Juden.

Der Märtyrer Emilian Kowcz wurde durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 2001 in Kiew zusammen mit 26 Opfern des sowjetischen Regimes seliggesprochen; er war der einzige der 27 Kanonisierten, der von den Nationalsozialisten umgebracht wurde.
Sein kirchlicher Gedenktag ist  – wie bei den meisten Seligen oder Heiligen – sein Todestag, nämlich der 25. März.
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Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Monatszeitschrift DER FELS (Nr. 7/2011)  –  1. Foto: Joachim Schäfer – www.heiligenlexikon.de